Rezepte

Frühlingsgrün auf Ostereiern

und …

Der Spinat macht’s, aber nicht immer – kräftig und grün!

 

 

Nachdem meine Mutter den Blogpost über die mit Pflanzenfarben gefärbten Ostereier gelesen hatte stand bei mir, wie durch ein Wunder, ein Päckchen herrenloser Hühnereier in der Küche.

Zu dumm. Ich hatte einen Großteil der Farben schon verarbeitet, weiter gegeben oder entsorgt. Ein Rest Farbe aus der Avocadoschale hatte ich noch, gut abgelagert, auf dem Balkon durchfrostet und wieder aufgetaut. Mein allerletzter Versuch mit dieser Farbe – auch diese Charge färbte nicht zartlila – und nun ist es genug damit.

Im Kühlschrank gab es noch Spinat als Alternative, der jetzt statt auf dem Teller (zum selber stark und kräftig werden) in der Färberküche landete.

Mein Ziel: grüne Eier

Drei Varianten probierte ich aus:

  • Spinat hacken, in Wasser kochen, absieben und im Sud die Eier 10 Minuten hart kochen
  • Eier in Wasser hart kochen und im ausgekühltem Spinat-Sud über Nacht einlegen
  • Spinat hacken, pürieren, in Mull einpacken, im Wasser mit den Eiern kochen

Am Ende polierte ich alle Ergebnisse mit mehr oder weniger Erfolg mit dem Spinat-Trester auf. (Links unten, das extrem hellgrüne Ei, ist ein Ergebnis ohne Nachbearbeitung).

 

Den restlichen Spinat-Sud und die Tücher ließ ich noch eine Weile stehen, in der Hoffnung, da wird noch was daraus.

In der Zwischenzeit machte ich mich auf einen Spaziergang und traf wieder auf grün. Grün, wie es die Natur eben so macht um diese Jahreszeit, im März.
 
Zurück zuhause erfreute mich dann doch das Färbe-Ergebnis in seinem Frühlingsgrün.
Bis die Tage,
Karin
PS: Nächstes Jahr färbe ich meine Ostereier gelb!
PPS: Wer weiß wie Spinatfärbungen wirklich gut funktionieren, der schreibe mir doch bitte – bitte bitte, please.

 

Knuspermüsli mit viel Kernen

 

Vor knapp zwei Jahren hatte ich schon einmal ein Rezept für ein Knuspermüsli vorgestellt – Link – und nun gibt es eine kernige Variation, die nicht nur von mir als gut befunden wird.

Gefunden habe ich dieses Rezept in einem der Bücher von Ella Woodward und es nach meinen Gegebenheiten etwas abgewandelt.

Zum Abmessen verwendete ich die bunten Kunststoffbecher des schwedischen Möbelhauses, die randvoll ca. 250 ml fassen.

 

Zutaten

  • 1 Becher Walnusskerne
  • 1/2 Becher Mandeln
  • 1 Becher Kürbiskerne
  • 1 Becher Sonnenblumenkerne
  • 1/2 Becher Leinsamen
  • 2 Becher Haferflocken
  • 3 Esslöffel Kokosöl
  • 3 Esslöffel Ahornsirup
  • 3 Teelöffel Zimtpulver
  • 1/2 Becher Aroniabeeren
  • 1/2 Becher Berberitzenbeeren

 

Zubereitung

Den Ofen auf 200°C vorheizen (Umluft 180°C)

Die Walnusskerne und die Mandeln mit einem großen Messer auf einem Küchenbrett hacken. Die Stücke sollten noch Bissgröße haben, wie bei gekauften gehackten Mandeln.

Walnüsse und Mandeln zusammen mit den anderen Kernen, Leinsamen und Haferflocken in eine große Rührschüssel geben und gut vermischen.

In einem Kochtopf das Kokosöl mit dem Ahornsirup und dem Zimt mit kleiner bis mittlerer Hitze langsam schmelzen. Dabei immer wieder mit einem Holzlöffel rühren bis sich eine flüssige Mischung ergeben hat.

Die Öl-Sirup-Mischung in die Rührschüssel zu der trockenen Nuss-Flocken-Mischung geben und alles gut verrühren. Anfangs glaubt man, das wird nie was, aber nach einer Weile und rühren, rühren, rühren ist eine klebrig-krümelige Masse entstanden.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen, die Müslimischung darauf verteilen und ca. 30 – 40 Minuten backen. Alle 10 Minuten muss die Mischung gewendet werden, damit alle Zutaten gebräunt und geröstet werden und nichts verbrennt.  (Mir reichen in meinem Backofen 30 Minuten!)

Ist das Müsli fertig geröstet, das Blech aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.

In die abgekühlte gebackene Müslimischung die Beeren untermischen und alles zusammen in einem luftdichten Behälter aufbewahren.

 

Anmerkung

Ich verwende Aroniabeeren und Berberitzen, weil ich sie habe. Genausogut geht das Müsli, wie in Emmas Rezept, mit Rosinen. Grundsätzlich passen alle Trockenfrüchte. Gerne verwende ich getrocknete Preiselbeeren, Blaubeeren und Cranberries als Beeren. Datteln, Aprikosen, Feigen, Pflaumen, Apfelringe etc. müssen vor dem Untermischen allerdings kleingeschnitten werden.

 

Zubereitung

Für ein Müsli am Wochenende oder an Tagen, wenn ich nicht ganz früh morgens zur Schule muss, kommen für eine Portion ca. 3 Esslöffel Knuspermüsli in die Schüssel. Dazu gibt es einen kleinen, geschnippelten Apfel, einen halben Becher Naturjoghurt und etwas Milch.

Für den größeren Hunger darf es natürlich noch etwas mehr sein.

 

Unter der Woche bereite ich mir häufig am Abend vorher ein Müsliglas für den nächsten Tag vor.

Hinein kommen auch wieder ca. 3 Esslöffel Müsli und 1/2 Becher Joghurt oder 3 Esslöffel Skyr oder Quark. Dazwischen fülle ich ein paar Löffel Apfelmus vom weltbesten Apfelmushersteller, meinem Vater. Er kennt mein Verhältnis zu Obst und anderem Süßen. Obst muss man mir vorbereiten, außer Trauben und Beeren, sonst findet es keinen Zugang in meinen Körper. Wenn mein Papa mir keine Orange mehr pellen wird und keinen Apfelmus mehr liefert werde ich im Winter wohl fast völlig auf Trockenobst umsteigen.

 

Informationen

Ein Knuspermüsli oder Granola bezeichnet ein mit Honig gebackenes Müsli. Als Alternative zu Honig bieten sich alle süßen Sirupvarianten an, wie Agavendicksaft, Ahornsirup, Rübensaft, solange sie hitzebeständig sind. Ich persönlich mag Ahornsirup und Rübensaft im Knuspermüsli am liebsten.

Das Originalrezept von diesem Rezept steht in „Deliciously Ella“ von Ella Woodward auf Seite 76 und auch hier in einer Buchrezension vom August 2015.

Gutes Gelingen und guten Appetit!

Bis die Tage,

Karin

 

Ab in die Nesseln

oder …

Geschichten und Wissenswertes über die Brennnessel

 

Donnernessel, Donnernettel, Dudelkolbe, Estekraut, Feuerkraut, Gichtrute, Große Neddeln, Hanfnessel, Nessel, Saunessel, Senznessel, Tausendnessel, Teufelskraut, Tissel, Tittenkölbl, Zingel, …

Das sind nur einige der vielen volkstümlichen Namen der Großen Brennnessel, Urtica dioica, einer Pflanzenart, die mich während meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin mehr und mehr fasziniert hat. Aus dieser Faszination heraus wählte ich sie, neben der Brombeere, zum Teil meiner Abschlussprüfung. Und die Faszination hält an.

Ja, die Brennnessel ist unangenehm bei Berührung und es gibt wenige, die sie nicht kennengelernt haben, denn sie steht immer zwischen einem selbst und den leckersten Beeren.

 

Redensarten und Sprüche zur Brennnessel gibt es viele, wie

sich in die Nesseln setzen – übersetzt, nach Redensarten-Index: sich selbst in eine unangenehme / unerfreuliche / missliche Lage bringen

oder

Das Kraut kenn‘ ich, sagte der Teufel, da setzte er sich in die Brennesseln.

Also doch Teufelskraut? Ganz und gar nicht!!

Die große Brennnessel gehört zu den von der Kommission E  untersuchten traditionellen Heilpflanzen, die eine Zulassung für den Einsatz zu phytotherapeutischen und medizinischen Zwecken erhielt. Toll was diese Pflanze anerkannterweise kann!

 

Verwendung der Brennnessel

Als Küchenkraut und Gemüse

Die Brennnessel ist weit mehr als nur ein Unkraut. Sie ist unglaublich vielseitig und lässt sich sowohl als Heilkraut und als Küchenkraut einsetzen, denn Brennnesselblätter sind sehr gesund durch reichlich Vitamin C, Eisen, Calcium, Magnesium und Eiweiß.

Junge Blätter und Triebe besitzen noch keine Brennhaare, so dass sie als nährstoffreiches Gemüse oder Salat verzehrt werden können.

Die schmerzenden Brennhaare älterer Pflanzen werden durch Kochen, Dünsten oder Trocknen unschädlich gemacht. Auch das Pürieren in einem Mixer zerstört die Haare des Krauts, so dass sich Smoothies oder Säfte problemlos zubereiten lassen.

Hildegard von Bingen beschrieb die Brennnessel in ihrem Buch Physica. Sie empfahl die Brennnesseln als Gemüse, das, verkocht, der Reinigung des Magens dienlich ist. Vom rohen Verzehr hielt Hildegard, aufgrund der Rauheit der Nessel, jedoch wenig, nur die ersten, frischen Triebe im Frühjahr fanden bei ihr roh Einsatz.

Mattioli, italienischer Arzt und Botaniker im 16. Jh., empfahl die Rezeptur Brennnesselblätter in Wein aufzukochen und zu trinken, sie „machen zur Liebe feurig, locken zur Unkeuschheit“.

Einer der Väter der Botanik, Brunfels, empfahl eine ganze Mahlzeit, gewürzt mit Brennnesselsamen, zur Unterstützung der Familienplanung:

„Wenn sie wollen eheliches Werck treiben, essen sie den samen mit zwiebeln und eys dotteren und Pfeffer“.

 

Brennesselbrot nach einem Rezept von Hildegard von Bingen

Zutaten:
  • 1 Zwiebel
  • 50 g Brennnesseln
  • 300 g Dinkelmehl
  • frische Hefe
  • 1 TL Honig
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Butter
Zubereitung:

Die Zwiebel schälen und fein hacken. Brennnesseln spülen, abtropfen lassen, dann die Blätterspitzen in Streifen schneiden.

Mehl in eine Schüssel geben, die Hefe zerbröckeln und hinzufügen. 150 ml lauwarmes Wasser, Honig und Salz zugeben und alles zu einem glatten Teig kneten.

An einem warmen Ort abgedeckt 15 Minuten ruhen lassen. Die Butter zerlassen und unter den Teig kneten. Einen runden Laib formen, auf das gefettete Backblech legen und noch einmal 30 – 45 Minuten ruhen lassen.

Bei 250°C im vorgeheizten Backofen auf mittlerer Schiene backen.

(Das Rezept ist aus dem Buch: „Backen nach Hildegard von Bingen“)

Lecker hört sich auch ein Rezept zu einer Kräuterlimonade nach Art von Hildegard von Bingen an, das ich auf der Internetseite PhytoDoc fand:

 

Kräuterlimonade

Zutaten für 4 Personen:

je einige Zweige von Brennnessel, Dost oder Majoran, Schafgarbe und Gundelrebe: Man kann junge und alte Triebe bzw. Kräuter sammeln. Je nach Alter der Kräuter ändert sich der Geschmack – eine alte Brennnessel macht einen sehr kräftigen Geschmack.

eventuell einige Blüten zum Dekorieren: zum Beispiel die Blüten von Majoran, Schafgarbe, Oregano, Königskerze, Malve, Borretsch, Lavendel, Salbei oder Ysop. Abzuraten ist von wilder Möhre und ähnlichem, weil die Verwechslungsgefahr mit dem Schierling hoch ist, und von Rainfarn, da Stoffe in ihm die Leber schädigen können.

1 Liter Apfelsaft, 2 Liter Mineralwasser , 1 Zitrone

 

Zubereitung:

Die Kräuter waschen und zusammenbinden, in einen großen Krug oder eine Flasche geben und mit Apfelsaft übergießen.

½ Zitrone in Scheiben schneiden und ½ Zitrone auspressen.

Beides dazugeben und über Nacht ziehen lassen.

Kräuter und Zitrone herausnehmen und die Limonade mit Mineralwasser auffüllen.

Vor dem Servieren die Gläser mit Blüten dekorieren.

 

Als Heilkraut in der Antike und im Mittelalter

Da die Brennnesseln häufig in der Natur zu finden sind, beinahe ganzjährig wachsen und nichts kosteten, waren sie ein begehrtes Hausmittel für viele Alltagsbeschwerden. Dazu gibt es Hinweise und Geschichten aus der Antike und dem Mittelalter.

Die zerstoßenen Blüten wurden in einem Sud erwärmt und bei Harnverstopfungen genutzt.

Für die Behandlung von einem hartem Bauch und Darmbeschwerden wurde in Wein ein Auszug aus Blättern und zermahlenen Samen angesetzt, gesüßt mit Honig oder Fruchtmus.

Brennnesselblätter in Salz zerstoßen sollten bei Hautverletzungen, bis hin zu Hundebissen, helfen.

 

Hildegard von Bingen empfahl die Pflanze bei Vergesslichkeit. Junge Blätter der Brennnessel zerstieß sie im Mörser und füllte den entstandenen Pflanzenbrei mit einer kleinen Menge Olivenöl auf. Mit diesem Saft die Schläfen und die Brust vor dem Schlafengehen einreiben. Das sollte lange (was immer das heißen soll) wiederholt werden.

 

 

 

Als (modernes) Superfood

Gerade im zeitigen Frühjahr, wenn die Menschen, ausgehungert durch die Winterzeit, unterstützt durch das heller werdende Licht, Lust auf frisches Grünzeug haben, ist die Brennnessel mit dabei. Sie gehört unter anderem in die Neunkräutersuppe, die traditionsgemäß an Gründonnerstag gegessen wird (mehr Infos plus Links sind auf meinem Blogpost „Wildkräutermenü“ zu finden).

Brennnesselblätter und die Stengel enthalten viele Mineralstoffe, unter anderem Kalium und Calcium, Kieselsäure, Flavonoide und Vitamin E. Eine ideale Mischung um im Frühjahr fit zu werden. Aber bitte in Maßen.

 

Ich machte Bekanntschaft mit der Brennnessel als essbares Gemüse während meiner Interrail-Zeit in den späten 1970ern. „Nässelsoppa“ stand auf einer Speisekarte in Trondheim/Norwegen und wir nahmen dann doch lieber Lapskaus. Die Wahl bereuten wir anschließend. Tage später in einer Herberge bei Nyköping/Schweden hatten wir sie dann doch, völlig unerwartet, auf dem Teller. Auf meine Frage, was da denn so Leckeres drin sei, zeigte der Finger des Kochs auf die Büschel vor dem Küchenfenster, Brennnessel. Echt? Yes!

 

Brennnesselsuppe

Zutaten für 4 Personen:
  • 2 Liter frisch gepflückte Brennnesseln (gepflückt werden vor allem die Spitzen oder jungen Blätter)
  • 500 ml Wasser und 500 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe (im Originalrezept werden 1 Liter Wasser und 2 Brühwürfel angegeben)
  • Salz
  • 1 – 2 Esslöffel Öl (im Originalrezept wird 1 Esslöffel Margarine verwendet)
  • 3 Esslöffel Mehl
  • 100 ml Sahne
  • optional 3 Esslöffel trockener Sherry
  • 2 Esslöffel gehackter Schnittlauch
  • 2 hart gekochte Eier

 

Zubereitung:

Nesselblätter zupfen und dicke Stengel entfernen.

Ca. 500 ml Wasser mit etwas Salz zum Kochen bringen. Die Brennnesseln dazu geben und ungefähr 5 min. blanchieren.

Die Brennnesseln in einem Sieb abgießen und dabei den Sud auffangen.

Danach die blanchierten Nesseln fein hacken und beiseite stellen.

 

Das Öl (im Originalrezept die Margarine) in einer Kasserolle erhitzen, Mehl dazu geben, anschwitzen, mit dem Brennnesselsud ablöschen.

Die Brühe dazugeben (im Originalrezept sind es das Wasser und die 2 Brühwürfel) und danach die gehackten Nesseln.

Alles zusammen aufkochen, die Sahne dazugeben und alles etwas simmern lassen.

An dieser Stelle setze ich, anders als im Originalrezept, den Pürierstab ein und püriere die Suppe kurz.

Abschmecken. Eventuell Salz dazugeben, pfeffern (Pfeffer steht nicht im Originalrezept, passt aber gut, genauso wie Chiliflocken).

Die hartgekochten Eier halbieren. Je eine Hälfte in eine Suppenschüssel oder auf einen Suppenteller geben. Teller oder Schüsseln mit der Suppe füllen und mit Schnittlauch bestreut servieren.

 

Dieses Rezept im Original – https://www.ica.se/recept/varens-nasselsoppa-2200/

Ganz ehrlich, ich liebe Brennnesselsuppe immer noch, liebe ausgebackene Brennnesselblätter, aber werde keine Freundin von grünen Smoothies. Mögen andere die Wildkräuter-Smoothie-Pakete in den Bio-Supermärkten kaufen, die häufig als Füllstoff Brennnesseln enthalten. Wer sie mag oder ausprobieren möchte findet Informationen und Rezepte z. B. auf diesem Link zu Grüne Smoothies & mehr.

 

Meine Brennnesseln landen vor allem, frisch oder getrocknet, in Tees. Ich verwende sie gerne, gerade im Frühjahr, mit anderen Kräutern gemischt, als Alternative zu Pfefferminze, die ich nach dem Winter einfach über habe. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe vieler Detox-Teemischungen zeigt, wie die Brennnessel längst schon in unsere Tassen wandert.

Neben dem Kraut stehen geröstete Brennnesselsamen auf meinem Speiseplan! Die sammle ich im Herbst selber, nicht vom Acker- oder Wegrand. Ich ernte nur Blätter und Samen aus dem Garten. Samen enthalten neben den Vitaminen A, B, C und E auch viel Eiweiß. Jeden Morgen wandert ein halber Teelöffel Brennnesselsamen in mein Müsli, keine Chia-Samen von wer-weiß-woher. Kurz im Mörser zerdrückt schmecken die Samen leicht nussig. Sie sollen hilfreich sein bei Müdigkeit, die Arbeit der Harnwege unterstützen, Haarausfall verhindern. Ob es hilft weiß ich nicht. Mir schmeckt es.

Die Samen enthalten ungefähr 30% Öl. Geröstet sind sie länger haltbar und nicht nur lecker. Sie gelten als Aphrodisiakum für Männer und Frauen. Auch Schafe lieben diese Samen, wie mir meine Schäferin berichtete. Tiere mögen den Geschmack der Brennnesseln in der Silage und regt Hühner zum Eierlegen an.

 

Als Dünger für den Garten

Brennnesseljauche ansetzen, damit Tomaten düngen oder Blattläuse vom Salat abzuhalten, machten schon erfolgreich meine Großeltern. Biogärtner haben das Ansetzen und die Verwendung von Brennnesseljauche wieder entdeckt, wie bei den folgendne beiden Links:

doch manchen stinkt dies zu sehr zum Himmel. In Frankreich ist, nicht nur deshalb, die Herstellung und Verwendung von Brennnesseljauche verboten (Link).

Wer noch tiefer in die Herstellung von Brennnesseljauche einsteigen möchte, verwendet neben (Ur-)Gesteinsmehl noch Mikroorganismen, die gekauft oder auch wieder selbst hergestellt werden können:

Anmerkung: Beide Rezepte habe ich noch nicht ausprobiert, weiß nicht ob und wie die Ergebnisse funktionieren.

 

 

 

Als Faserpflanze

Wer hat sich schon einmal gefragt, warum einfachstes Baumwolltuch Nessel heißt?

Ich, als kleine Karin. Mit zwei tollen Großmüttern, die perfekt schneidern konnten, erhielt ich meine Antworten noch ohne Internet. Nesseltuch, kurz Nessel, wurde ursprünglich tatsächlich aus Brennnesseln hergestellt, auch wenn man heute darunter einen aus den Fasern der Baumwolle hergestellten Stoff, bzw. Gewebe in Leinwandbindung versteht.

Kein Pächter opferte wertvollen Ackerboden zum Anbau von Leinpflanzen für seinen Eigengebrauch bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Wenn Nahrung knapp ist hat deren Anbau erste Priorität. Dagegen wachsen Nesseln ganz von alleine, fast überall, besonders gut an stickstoffreichen Stellen, wo Mensch und Tier ihre Bedürfnisse hinterlassen. Da trifft es sich gut, dass die Brennnessel in ihren Stengeln ähnlich tolle Fasern hat wie Lein! Deshalb wurde die Brennnessel tatsächlich geerntet, gedörrt, geröstet, gebrochen, gekämmt, versponnen und zu Tuch gewebt, zum Leinen der armen Leute, zu Nessel. Aus diesem Gewebe wurden Säcke für Mehl und Getreide hergestellt, aber auch Bettwäsche und Kleidung.

Meine Mutter, 1937 geboren, erzählte mir, dass sie von ihrer Mutter einen Rock und eine Jacke für die Schule aus Brennnesselstoff genäht bekommen hat. Sie liebte als ca. Achtjährige diese Kleidungsstücke, doch sie erinnert sich auch, wie schwierig die Prozedur nach dem Waschen war. Rock wie Jacke waren so hart, dass sie stehen konnten. Erst mühsames Bügeln machten sie wieder tragbar.

Doch zurück zur Geschichte. Baumwolle eroberte seit dem 14. Jahrhundert nach und nach Europa. Trotzdem versuchte man 1723 in Leipzig noch einmal im größerem Stil, in einer Manufaktur, Gewebe aus der Großen Brennnessel herzustellen. Kleinere Nesselmanufakturen überlebten länger. Noch bis 2009 wurden im Schwarzwald Brennnesseln angebaut und verarbeitet bis der letzte Tuchhersteller Konkurs anmeldete.

Wer danach reinen Nesselstoff kaufen wollte musste weit reisen oder das Internet bemühen. Mein Nesselstoff kommt aus Nepal. Hergestellt von einer Verwandten der Nessel, die bis zu 3m hoch werden kann, der Nilgirinessel, Girardinia diversifolia (Link zur Uni Hamburg).

Industrielle Großfertigung versucht inzwischen ein Unternehmen auf der Schwäbischen Alb. Die Firma Mattes und Ammann entwickelte eine neues Verfahren um an das Bast heranzukommen und hat seit Juni 2016 ein Patent darauf. Ich bin gespannt, wie sich diese Geschichte weiter entwickelt.

Mehr lesenswerte Informationen zu Brennnesselfasern kommen auch von der Alb …

http://www.brennnessel-textil.de/

 

Neugierig geworden versuchte ich selbst an die Fasern zu kommen. Das ist harte Arbeit und die Ausbeute, pro Stengel, wirklich gering. Das ist vielleicht der Grund warum sich manch einer überlegt, daraus ein Geschäft zu machen – das war zumindest mein Gedanke, als ich im Herbst 2017 auf dieses Angebot im Internet stieß:

Ein Faden aus Brennnesselfasern als Armband für die Gesundheit, zu 20,-€! Naja, …, hmpf, der Link.

Dagegen war der 100g-Knäuel Brennnesselschnur aus Nepal zu knapp 15€ ein echtes Schnäppchen, erstanden über das Wollkontor Erlangen.

Allerdings wusste ich jetzt etwas mit dem kleinen Erfolgsergebnis aus meiner Faserherstellung anzufangen. Es kam an mein Handgelenk. Dort trage ich es inzwischen seit Mitte Oktober 2017. Es wird heller und weicher, hat jedoch nichts von seiner Stabilität verloren. Im Dezember gab es ein zweites Bändchen dazu, das ich allerdings aus dem gekauften Garn herstellte.

Die Herstellungsverfahren von Brennnesselgarn, die im Internet kursieren, unterscheiden sich. Ich möchte vor allem auf Chemie soweit wie möglich verzichten, da man sich auch Gedanken mit der Entsorgung nach der Anwendung machen sollte. Bis ich an die ersten Fasern kam dauerte es seine Zeit. Als ich endlich verstand, dass mit Rösten kein Verfahren mit Wärmeeinsatz gemeint ist, sondern ein Prozess der Verrottung, kam es zu den ersten Erfolgen. Leider ging mir im Winter nun der Grundstoff aus und ich muss auf den kommenden Sommer warten. Dann geht es in die nächste Runde, vor allem nachdem Gabi von Filzkram eine funktionierende Video-Anleitung dazu im Internet gefunden hat und sie freundlicherweise auf ihrer Seite geteilt hat.

 

Kulturelles zur Brennnessel

 

In Brauchtum und in alten Geschichten kommt die Brennnessel immer wieder vor (Link).

Es gibt den volkstümlichen Rat, fünf Nesselblätter in der Hand zu halten, um frei von Furcht und bei kühlem Verstand – also innerlich rein – zu bleiben.

Zur Gesunderhaltung und zum Schutz des Viehs hängte man in der Johannisnacht hängte man Brennnesselbüsche an Stallfenster und –türen auf. Andernorts wurde zum gleichen Zweck Nesseln auf den Misthaufen gesteckt und mit Stöcken geschlagen wurden.

Am 1. Januar aß man Brennnesselkuchen, um sich ein gutes Jahr zu sichern, am Johannistag (Spargelsilvester), dem 24. Juni, Brennnesselpfannkuchen, um gegen Nixen- und Elfenzauber gefeit zu sein.

Die Brennnessel (Sammelzeit März bis August) gehörte traditionsgemäß in die Gründonnerstagsspeisen. Am Gründonnerstag gegessenes Brennnesselgemüse sollte für das folgende Jahr vor Geldnot schützen.

In Hans-Christian Andersens Märchen „Die wilden Schwäne“ webt das Mädchen Elisa stumm und ohne zu klagen von Friedhöfen gesammelte Brennnesseln, um ihre in Schwäne verwandelten Brüder die Menschengestalt zurück zu geben. Leider wird das rettende Nesselleibchen des jüngsten Bruders nicht ganz fertig, so dass dieser einen Schwanenflügel behält.

Zum Abschluss biete ich noch das Landeswappen Schleswig-Holsteins (Quelle).

Links die Löwen des Herzogtums Schleswig und rechts ein silbernes Brennnesselblatt für Holstein, als Symbol für Wehrhaftigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

Das war ein Auszug meiner Ausarbeitung zur Brennnessel für meine Abschlussprüfung zur Kräuterpädagogin, den ich gerne mit euch teilen wollte.

Bis die Tage,

Karin

 

 

Woche 2/2018

oder …

Von „No good“ bis „Geht doch“ alles drin!

Unglaublich wie viel Sorgen ein kleines Stückchen am Ende des Blinddarms verursachen kann! Unglaublich die Geschichte, die ich miterleben und unser momentanes Sorgenkind in der Familie seit Jahresbeginn durchleben musste. Donnerstag wurde im Laufe des Tages nachoperiert. Dummerweise hatte ich genau an diesem Tag mein Handy zuhause vergessen und in der Schule fand sich kein Luftloch in den acht Stunden Präsenzzeit, um schnell mal nachhause, das um die Ecke liegt, zu kommen. Dafür liefen die Telefonleitungen heiß sobald ich zuhause war. Ein schlimmer Tag in der Schule und dann gab es, statt Entspannung zum Feierabend, noch eine Zugabe, Schlingenbildung vom Dünndarm und Darmverschluss.

Inzwischen geht es unserer Patientin endlich besser, das Ende ihres Krankenhausaufenthalts kommt in Sicht und ich kenne inzwischen, dank Navi, jede Menge alternativer Strecken von BB nach KA abseits der Autobahn. Alles hat seine zwei Seiten.

Meine Kater nahmen mir meine häufige Abwesenheit Tag für Tag weniger krumm, ganz anders als erwartet. Sie teilten sich sogar endlich den Kratzbaum (ein Jahr seitdem ich ihn aufgebaut habe). Selbst der Aussichtsplatz zum Katzenkino wurde geteilt! Dafür räumt Angus nach wie vor, wenn es ihm langweilig wird, meine Unterwäsche aus der Kommode.

Trotz aller Anspannung nahm ich mir die Zeit zum Kochen. Wenn ich es schon nicht schaffe Entspannung zu finden, muss zumindest der Plan gesund zu kochen eingehalten werden. So kann ich, wie angekündigt, eine Variante der im letzten Blogpost vorgestellten Erbsen-Pesto vorstellen (vegetarisch) in Kombination mit veganen Gnocchi; auch wieder in Anlehnung oder direkt nach einem Rezept von Ella Woodward (aus dem Buch „Deliciously Ella – genial gesundes Essen für ein glückliches Leben“, Seite 39).

Der ganz große Unterschied zum letzten Rezept ist die Wildkräuterzugabe in Form von Gartenschaumkraut, auch bekannt unter Behaartes Schaumkraut, Cardamine hirsuta. Als Kreuzblütler enthält diese Schaumkrautart Senfölglycoside, was an der Schärfe, wie bei Kresse, herauszuschmecken ist. Zusätzlich enthält Gartenschaumkraut noch Bitterstoffe und Vitamin C.

Normalerweise tauchen die ersten Blättchen dieses Unkrauts erst Anfang März auf. Durch den milden Winter grünt es jetzt schon Anfang Januar. Doch bitte nicht direkt am Wegrand ernten, wo Hunde Gassi geführt werden, und auch nicht pflücken, wenn man sich nicht ganz sicher ist ob es Gartenschaumkraut ist! Hilfreich zur Bestimmung für Anfänger kann das Buch „Wird das was – oder kann das weg“, von Bärbel Oftring sein, erschienen im Kosmos-Verlag.

 

 

 

Erbsenpesto-Variante #2

Zutaten:

1 Becher tiefgefrorene Erbsen (bei Becher spreche ich von den bunten 08/15 Trinkbechern aus Kunststoff des schwedischen Möbelhauses)

½ Becher Nüsse Paranüsse

1 Büschel frisches Gartenschaumkraut (ca. 30 g ungeputzt), alternativ geht auch Kresse – Wildkräuteranfänger sollten ihrem Magen zuliebe nur die Hälfte verwenden und den Rest mit Petersilie oder anderen frischen Kräutern ersetzen

1 klitzekleine Zwiebel

2 gehäufte Esslöffel geriebenen Parmesan oder, falls es vegan sein soll, 2 Esslöffel Nährhefe

2 – 5 Esslöffel Olivenöl

Salz

 

Zubereitung:

Die Erbsen entweder in der Mikrowelle oder auf dem Herd mit etwas Wasser und Salz bissfest kochen. Ich würze mit meinem eigenen Estragonsalz. Nach dem Kochen das Wasser abgießen.

Die Nüsse auf einem Brett mit einem großen Messer fein hacken.

Das Gartenschaumkraut waschen, welke Blätter und Wurzeln entfernen, und grob hacken. Kleine Besucher natürlich auch aussortieren.

 

Das Zwiebelchen fein würfeln.

Erbsen, Nussstücke, Schaumkraut, Zwiebelwürfel, geriebenen Käse mischen und mit etwas Öl entweder in einer Küchenmaschine oder mithilfe eines Pürierstabs zerkleinern. Je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Öl dazu geben. Auch diese Pesto schmeckt mir mit zu beißenden Stückchen besser.

Eventuell noch mit etwas Pfeffer und/oder Chiliflocken abschmecken.

 

Dieses Erbsen-Pesto kommt ganz nah an das Erbsengericht heran, das meine Kinder früher gerne gegessen haben. Statt Schaumkraut oder Kresse verwendete ich Estragon. Die Zugabe von vielen frischen Kräutern, zusammen mit Salz, hebt die Süße der Erbsen auf, aromatisiert sie auf eine neue Weise. Dazu gab es entweder Kartoffelpüree oder aufgebratene Schupfnudeln, die hier in der Gegend Bubenspitzle genannt werden. Ganz ähnlich werden italienische Gnocchi hergestellt, die ich auf veganer Art herstellte.

 

Gnocchi nach Ella

Zutaten:

500 g Kartoffeln

1 1/2 Esslöffel Apfelmus (ich verwende mein eigenes, ungesüßtes)

1 Becher Reismehl

Salz und Pfeffer

 

Zubereitung:

Die Kartoffeln mit der Schale in leicht gesalzenem Wasser kochen, bis sie gerade gar sind.

Die Pellkartoffeln schälen und entweder grob reiben, oder durch eine Kartoffelpresse drücken.

In die Kartoffelmasse das Reismehl, etwas Pfeffer und Salz, sowie das Apfelmus kneten. Statt dem Apfelmus kann alternativ auch ein Ei eingearbeitet werden. Beides dient der Bindung des Teigs. Ich verwendete, wie im Rezept, eben Apfelmus. Ich wollte auch wissen ob das tatsächlich funktioniert. Tut es. 😉

Wenn der Kartoffelteig gut durchgeknetet und glatt ist, wird er in vier Teile aufgeteilt. Aus jedem dieser Stücke wird daumendick eine Rolle geformt. Wenn nötig die Unterlage mit Reismehl bemehlen. Von diesen Rollen werden kleine Stücke abgeschnitten, die, um die typische Verzierung der Gnocchis zu bekommen, über einen Gabelrücken gerollt werden.

In einem Topf Wasser aufkochen, salzen und die Gnocchis dazugeben. Nach kurzer Zeit schwimmen die Gnocchis oben auf dem Wasser, das bedeutet, dass sie gar sind.

Die Gnocchis mit dem Pesto in einen Topf geben und kurz zusammen erwärmen.

Die Gnocchis lassen sich auch gut im Kühlschrank aufbewahren und schmecken aufgebraten fast noch besser.

 

Ich heiße Karin und bin Schafpatin

Zum Wochenende konnte beinahe Normalität in meinen Alltag einkehren. Ganz besonders freute ich mich auf den Samstag. An diesem Tag ging es zum Schafstall „meiner“ Schäfer in Magstadt, Krüger-Land. Seit letztem Jahr können Nichtschäfer deren Arbeit für den Natur- und Landschaftsschutz unterstützen, indem sie Schafpaten werden. Ich bin eine davon, die 20ste. Für die Patenschaft gibt es eine Urkunde und es darf eine Baumscheibe für das Stall- bzw. Scheunentor gestaltet werden. Dafür setzte ich endlich wieder mein heißgeliebtes neues Spielzeug, eine Dremel, ein.

Alle Schafpaten trafen sich diesen Samstagnachmittag um dem neuen Schafbock, der mit unserer Hilfe angeschafft werden konnte, seinen Namen zu geben. Demokratisch abgestimmt heißt er nun Ole und er erwies sich als kamerascheu.

Ole, bevor sich der alte Schafsbock, von rechts kommend, wieder komplett vordrängeln konnte

Wunderhübsch zeigten sich auch die Neuzugänge im Stall, die die letzten zwei Tage geboren wurden. Die ersten fünf Lämmer dieses Jahres tummelten sich zwischen ihren Mamas und Tanten. Jedes Muttertier kennt ihr Lamm ganz genau. Schnell mal eine bereitstehende Zitze nutzen geht nicht. Da wird auch einmal etwas derb weggeschubst.

 

Schöne Stunden, zwar in der Kälte, aber mit Glühwein bzw. Punsch, der Möglichkeit zu grillen und begleitet von vielen Gesprächen mit gleichgesinnten, neuen Bekannten. Alle ohne Knopf im Ohr genossen wir zudem das Blöken und die vielen Mähs, ungefiltert, ganz real, als Originalsound, mit allen Sinnen. Ich freue mich auf das nächste Treffen.

In den nächsten Tagen werde ich hoffentlich den immer wieder angekündigten Beitrag zur Brennnessel auf den Blog bringen.

 

Bleibt gesund und bis die Tage,

Karin

 

 

Woche 1/2018

oder …

 

Da geht noch was …

 

Mitternacht, zum Jahreswechsel, war meine Welt noch in Ordnung. Zusammen mit meinen Engländern verfolgte ich, via Facetime, das Feuerwerk von meinem Balkon aus. Wir sangen „Auld lang syne“ (obwohl sie eigentlich noch eine Stunde auf das Neue Jahr warten mussten) und meine Nichten und Neffen wunderten sich über das wilde Geknalle, die wüst in die Luft, wie kreuz und quer gejagten, Raketen. Ich bleibe ein Befürworter von professionellen Feuerwerken. Die Lust sich einmal im Jahr als kleine Pyrotechniker zu beweisen kann ich noch nachvollziehen, doch, abgesehen vom Feinstaub, ärgert mich der liegengelassene Müll an jeder kleinen Feuerstation am nächsten Tag gewaltig!

Ansonsten begann 2018 weder ruhig noch gesund. Ganz untypisch für mich wandert momentan mein Blick immer wieder zum Handy. Bitte dieses Mal eine gute Nachricht und Licht am Horizont!

Zur Ablenkung zog es mich immer wieder nach draußen, in den Schulgarten und an die Straßen- / Bahnbaustelle, und danach, hungrig wie eine Bärin, an den Herd.

Wie seit Wochen schon probiere ich etliche Rezepte von Ella Woodward, bekannt durch ihren Blog Deliciously Ella, aus. Sie kocht vegan, und zwar so, wie ich als Vegetarierin Spaß daran haben kann. Sie bietet mir tolle Ideen für die zwei Tage in der Woche, die ich für mich als (fast) frei von Milchprodukten vorgenommen habe. „Fast“ deshalb, weil ich ohne meinen nachtschwarzen Schwarztee zum Frühstück nicht wach werden mag. Dazu gehören einfach ein Schuss richtiger Milch und 1 Teelöffel brauner Zucker.

 

Ich liebe Pesto und konnte mir unter einem Pesto aus Erbsen, wie in Ellas ersten Buch beschrieben, zuerst einmal nichts leckeres vorstellen. Bloß blöd, mir fehlte das im Rezept beschriebene frische Basilikum. Echt prima! Ich liebe das Finden von Alternativen! Frischen Koriander hatte ich fast keinen mehr, den hatte Chewie abgefressen, aber Petersilie. Diese hatte ich vor seiner Gier nach Grünem in die Höhe gerettet.

Bauchweh – selber schuld

 

Erbsenpesto-Variante #1

Zutaten:

1 Becher tiefgefrorene Erbsen (bei Becher meine ich einen der bunten 08/15 Trinkbecher aus Kunststoff des schwedischen Möbelhauses)

½ Becher Nüsse (ich mischte Macadamia- und Paranüssen)

20 g frische Petersilie

1 Esslöffel gehackte Schnittlauch

1 kleine Zwiebel

2 – 5 Esslöffel Olivenöl

Salz

 

Zubereitung:

Die Erbsen entweder in der Mikrowelle oder auf dem Herd mit etwas Wasser und Salz bissfest kochen. Ich würze mit meinem eigenen Estragonsalz. Nach dem Kochen das Wasser abgießen.

Die Nüsse auf einem Brett mit einem großen Messer fein hacken.

Die Petersilie waschen, mit Strunk und Stiel grob hacken.

Die Zwiebel fein würfeln.

1 – 2 Esslöffel Hefeflocken (nicht Backhefe!!!), die auch weggelassen werden können (mit fand ich leckerer, da sie etwas Käsearoma mitbringen)

Erbsen, Nüsse, Kräuter, Zwiebel, Hefeflocken und etwas Öl entweder in einer Küchenmaschine oder mithilfe eines Pürierstabs zerkleinern. Je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Öl dazu geben. Diese Pesto schmeckt mir etwas stückiger besser, weshalb ich nicht wie wild püriere und einen Babybrei produziere.

Eventuell noch mit etwas Pfeffer und/oder Chiliflocken abschmecken.

 

Wozu solch ein Pesto passt?

Ich probierte es mit Reis – sooo lecker! (OK, ich hatte mir, Veggie hin oder her, noch drei Fischstäbchen dazu in die Pfanne gehauen)  – soulfood – musste mal sein!

Sehr lecker war das Pesto auf getoasteten Süßkartoffelscheiben als schneller Snack!

 

Dazu schäle ich die Süßkartoffeln und schneide sie in ca. 7mm starke Scheiben. Die gebe ich dann in den Toaster. Auf mittlerer Stufe braucht es bei meinen Toaster drei Durchgänge bis die Schnittchen weich und nicht zu lapprig sind um als „Toasties“ durchzugehen.

Erbsenpesto drauf und noch ein paar Tomätchen = Lecker-Snack!

 

Erbsenpesto-Variante #2 gibt’s in Kürze.

 

Bis die Tage,

Karin

 

Vielseitige Brombeere

oder …

Lecker zum Essen, gesund zum Trinken, interessant zum Malen und Zeichnen

Zum Essen – sauer oder süß?

Brombeeren als Beerenfrüchte sind lecker, ob frisch oder verkocht oder als Auszüge. Kulinarisch verarbeitete ich im Sommer 2017 Brombeeren in Essig zusammen mit Rosmarin. Ich finde es immer wieder interessant zu beobachten, wie sich von Wenden zu Wenden bzw. Schütteln, Tag für Tag die Farbe der Flüssigkeit verändert. Vom sanften Goldgelb des verwendeten Bio-Apfelessigs ist nach zwei Wochen nicht mehr viel übrig. Das Rot kommt langsam durch. Ende September wurde der Essig-Auszug Ende September abgesiebt und ich liebe das herb-fruchtige Aroma.

 

Die Beeren stammten aus dem Schulgarten und ich sammelte in den Sommerferien fleißig die reifen Beeren. Einige warten im Tiefkühlgerät auf die weitere Verarbeitung in der Schulküche.

 

Zum Trinken – herb oder aromatisch?

Nach der ersten Beerenernte entwickeln sich am Brombeerstrauch die ersten neuen Triebe. Diese jungen Blätter sammle ich, lagere sie im 0°C-Fach meines Kühlschranks, bis ich eine gute Menge zusammen bekommen habe. Eigentlich können diese Blättchen einfach so für Tee getrocknet werden. Allerdings beinhalten Brombeerblätter eine ganze Menge an Gerbstoffen, was aus dem Tee später herb herausschmeckt. Ich fermentiere deshalb meinen Brombeerblätter-Tee. Schwierig ist das nicht, aber etwas aufwendig. Im Internet kursieren etliche Anleitung zum Fermentieren von Brombeerblättern, zum Beispiel von:

Ich persönlich fermentiere seit Jahren Brombeerblätter nach Art der Kräuterfrau aus der Schweiz.

Zarte Brombeerblätter von den Trieben pflücken und erst einmal im Schatten anwelken lassen.

Die Brombeerblätter in feine Streifen schneiden. Ich verwende dazu inzwischen auch die Schere, wie die Schweizer Kräuterfrau.

Die zerschnittenen Brombeerblätter auf einem sauberen Küchentuch aus Baumwollstoff, das ansonsten keine Verwendung mehr hat, ausbreiten.

Alle Brombeerblätter mit Wasser besprühen und mit dem Nudelholz kräftig bearbeiten – rollen, nicht klopfen. Immer wieder auflockern, neu besprühen und bearbeiten. Die Blattstreifen müssen richtig schlapp sein.

Die schlaffen Blattstreifen mit fein abgeschnittener Zitronenschale belegen.

Alles nicht zu fest zusammenrollen (aber auch nicht zu locker), in eine Plastiktüte packen und an einem warmen Ort in die Sonne legen. Am besten klappt das während einer warmen Sommerperiode. Es funktioniert jedoch auch auf einem hellen, warmen Fensterbrett.

Nach ungefähr vier bis sechs Tagen hat es im Bündel kräftig „gearbeitet“. Das Päckchen kann aufgeschnürt und ausgerollt werden. Die Blätter sind deutlich dunkler geworden und ich freue mich jedes Mal über den herrlichen, herb zitronigen Geruch.

Jetzt müssen die fermentierten Blätter noch im Backofen oder im Dörrautomat getrocknet werden, bevor ich mit diesen Blättern meinen Jahrestee zusammenstelle. Dieses Jahr hatte ich die Idee bei der zweiten Ernte, die Zitronenschale nicht mehr in so dicken Streifen beim Fermentieren zu verwenden. Ich schnitt mit einem speziellen Schneider Zesten in die Blätter, die ich nach dem Fermentieren nicht entfernte, sondern mit trocknete und im Tee ließ. Ich finde es lecker.

Eine erste Probe musste jedoch schon einmal sein: fermentierte Brombeerblätter, Sonnenblumenblütenblätter, Brennnessel und etwas getrocknete Zitronenschale.

 

Anmerkung:

Tee kann auf diesem Weg auch mit Himbeerblättern und Erdbeerblättern hergestellt werden. Tee aus fermentierten Brombeerblättern, und Mischungen mit anderen Blattarten, ist eine Alternative zu Schwarztee, wenn man auf Koffein verzichten möchte. Diese Teemischungen sind auch bekannt als „Deutscher Tee“.

 

Zum Malen, als Farbe für Fasern – in Fruchtfarbe oder Gerbstoff-braun?

Wie am Baumwolltuch vom Fermentieren gut zu erkennen ist, Brombeerblätter färben braun, nicht tiefdunkelbraun, eher goldbraun. Mit Blättern und Trieben lässt sich Stoff färben und auch Malfarbe herstellen.

Im Winter geschnittene Triebe eignen sich zusammen mit Schlehen- und Weißdornzweigen zur Herstellung von Dornentinte (Link). Die Schreibtinte aus den im Sommer geschnittenen Triebe blieb sehr hell, leider.

Bleiben die Früchte, die beim Essen nicht nur die Zunge bläulich rot färben und beim Kleckern oft „echte“ Flecken auf der Kleidung hinterlassen. Tatsächlich wurden mit Brombeeren schon im Mittelalter und in grauer Vorzeit Fasern gefärbt. Der Trester nach der Saftherstellung landete früher nicht auf dem Müll. Solange irgendwelche nahrhaften Inhaltsstoffe zu erwarten waren konnte zumindest das Vieh damit glücklich gemacht werden. Beerentrester eignet sich vor dem Verfüttern jedoch noch zum Färben von Fasern und Stoffen. Die Farbintensität ist auf ihnen geringer, da viele Farbanteile schon im Saft gelandet sind, wenn der Trester wieder mit Wasser verdünnt wird. Andere Techniken verwenden den noch feuchten Trester direkt auf Stoffe, indem die Restflüssigkeit eingeklopft oder eingepresst wird.

links Baumwollstoff mit Brombeertrieben gefärbt, rechts ein Presstuch aus Baumwolle vom Entsaften von Brombeeren

Mich hat der Umfang der Farbpalette, die mit Beeren der Brombeere auf Wolle und Seide erreicht werden kann schon als junge Erwachsene fasziniert. Damals entdeckte ich für mich die Tresterfärbung und ich liebte vor allem die ungleichmäßigen blass-blau-altrosa Färbeergebnisse. Arme Leute erkannte man im Mittelalter auch an der Farbe ihrer Kleidung, denn sie war meist ungleichmäßig, fleckig gefärbt. Ganz klar, denn Essen geht vor. Mir ging es als junger Studentin in etwa ähnlich.

Gerade habe ich nachgelesen, dass aus den Wurzeln der Brombeere ein braunschwarz bis schwarz gefärbt werden kann. Das werde ich ausprobieren. Nicht sofort!

 

Brombeerentraditionen und Geschichten

Schon einmal etwas vom Brombeermann gehört oder kennt ihr die Verbindung von Frau Holle zu den Brombeeren?

Nicht? Keine Sorge, ich lernte diese Geschichten auch erst im Laufe meiner Prüfungsvorbereitung zur Kräuterpädagogin, während meiner Recherchen, kennen.

Der Brombeermann ist eine wichtige Figur im hessischen Ort Wanfried, der in der Nähe von Eisenach liegt. Wenn im Juli das Schützenfest stattfindet übernimmt er sogar für ein paar Tage die Herrschaft im Ort. (Nachzulesen auf der Internetseite von Wanfried, im Archiv der Westfälischen Nachrichten und bei Wikipedia).

Grob nacherzählt hat der Lieblingszwerg der Frau Holle zu heftig mit ihrer Perlenkette gespielt. Als sie zerriss verwandelten sie sich in Beeren, die er im Laufe des Tages alle einsammeln musste um sie wieder zu Perlen werden zu lassen. Wenn er dies nicht bis zum Sonnenuntergang schafft hängen alle Beeren wieder an den Pflanzen und Sträuchern und das Spiel geht am nächsten Tag wieder von vorne los. Zum Glück hatte Frau Holle nach tausend Jahren ein Einsehen und erlöste den Wurzelmann von diesem Fluch.

Eine andere Legende aus England erklärt, warum man nach dem 11. Oktober keine Brombeeren mehr ernten sollte. An diesem Tag soll der Teufel aus dem Himmel vertrieben worden sein und er fiel dabei in einen Brombeerstrauch. Darüber war er so erbost, dass er ihn daraufhin verfluchte  und seine Früchte ungenießbar machte. Andere Versionen der Legende erzählen, der Teufel hätte vor Zorn über seine Verletzungen auf die Früchte gespuckt und sie somit zu Teufelsbeeren gemacht. Ich habe allerdings in diesem Jahr noch leckere Früchte nach dem Stichtag geerntet bis ich tatsächlich eine der ekelhaftesten Beeren, die ich je gegessen habe, erwischte. Pfui Teufel aber auch! Allerdings hat das Phänomen nichts mit der mangelhaften Treffsicherheit des Teufels beim Spucken zu tun. Verantwortlich sind Beerenwanzen, die nicht nur Brombeeren, sondern unter anderem auch Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren aussaugen und im Austausch Verdauungssäfte in der Beere hinterlassen. Das machen sie auch schon vor dem 11. Oktober. Allerdings ist es immer nett einen Schuldigen für Teufelszeug die Teufelsbeeren zu haben.

 

Tatsächlich gehört die Brombeere mit zu den ältesten bekannten Heilpflanzen. Man fand Reste von Brombeeren in Keltengräbern. Theophrast, ein Schüler des Aristoteles, hat schon ca. 350 Jahre v. Chr. über die Brombeere berichtet, wie auch Galen als griechischer Arzt in Rom praktizierend 500 Jahre später. Viele Kräuterbücher aus dem Mittelalter bieten Rezepte mit allen Pflanzenteilen der Brombeere um Mensch wie Tier gesund zu erhalten bzw. zu heilen.

Alles kommt wieder. Heute fand ich im Gemüseangebot eines Bio-Supermarkts in einer Blatt- und Kräutermischungen für grüne Smoothies Brombeerblätter. Wer es mag.

 

Was mir an der Brombeere gefällt ist vor allem die Ausdauer und ihre Robustheit. Irgendwie schafft sie es, zum Kummer vieler Kleingärtner, immer wieder zum Vorschein zu kommen. Auch im Winter ist sie einfach immer da, schließt mit Dornen und Blattwerk viele Hecken, und wenn sie im Frühjahr blüht zeigt sie ihre Pracht als Rosengewächs mit hübschen Blüten.

Brombeerranken an einem frostigen Morgen im November

 

 

Das war ein Auszug meiner Ausarbeitung zur Brombeere für meine Abschlussprüfung zur Kräuterpädagogin, den ich gerne mit euch teilen wollte.

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

Lieblingstee neu entdeckt

oder …

Statt gekauft selbst gesammelt!

Was in Sachen Kräutertee auf dem Markt angeboten wird lässt mich immer wieder den Kopf schütteln – inzwischen mehr denn je. Nach Abschluss meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin hinterfrage ich manche Teemischung, die im Handel angeboten wird noch mehr. Hinter all den hübschen Namen wird eine ganze Menge an Emotionen und Versprechungen mit möglichen Wirkungen impliziert. Ich darf mit solchen Aussagen, trotz meiner erworbenen Kenntnisse, keine Tees mit Aussagen jedweder Art die nur im Ansatz eine Heilwirkung oder Stimmungsverbesserung im Namen erwarten lassen  anbieten. Dieser Tee soll nach Packungsaufschrift gut für die Haut sein.

Als leidenschaftliche Teetrinkerin von Tees mit und ohne Teein, genieße ich jede Tasse. Ohne zu den traditionellen  Teezeremonienmeisterinnen zu gehören verachte ich auch keine Teebeutel. Trotzdem schaue ich genau hin, was in den Packungen (und den  Teebeuteln) abgepackt sein soll.

Ich will wissen was ich trinke und trinke nicht alles!

Vor ein paar Tagen landete einer meiner Lieblingstees wieder einmal praktischerweise im Teebeutel in der Tasse. Während er im heißen Wasser zog – ich habe ja wieder etwas mehr Zeit und Muße, die ich auch genieße – las ich mir die Vorderseite der Papierverpackung des Beutels durch und danach die Rückseite. Ohh! Da steht ja noch mehr darauf!

Wie blöd aber auch! Da hatte ich doch in den Sommermonaten nur die drei Zutaten auf der Vorderseite des Kauftees gesammelt um eine meiner Teedosen mit der getrockneten Teemischung nach Art der Kaufmischung aufzufüllen:

Brennnessel, Pfefferminze und Fenchelsamen

Brennnessel wuchs reichlich rund um den Kompost, Pfefferminze wucherte zwischen dem Sellerie im Schulgarten, nur der Fenchel bildete nicht genug Samen, weshalb ich da nachkaufen musste.

Ein Vergleichsteetrinken musste her, doch vorher schaute ich mir den Inhalt vom gekauften Teebeutel vor dem Ausguss genauer an.

Es ist mir klar, dass der Zerteilungsgrad wichtig ist bei chemischen Prozessen, aber bei dieser Teeprobe fragte ich mich dann doch, wo in all den Krümeln neben 40% Brennnesseln, 25% Pfefferminz, 25% Fenchelsamen noch die Löwenzahnwurzel, die Süßholzwurzel und die Aloe Vera Blätter sind.

Meine Süßholzpflanze hat den Sommer nicht überlebt, deshalb kann ich keine (eigenen) Bilder von dieser Pflanze zeigen. Darüber bin ich nicht wirklich unglücklich, denn ich mag Süßholzwurzel eigentlich nicht im Tee (Lakritze ist was ganz anderes :D). Die Blätter der Aloe Vera trockne ich nicht, sie nutze ich frisch zur Hautpflege und Löwenzahnwurzeln zu ernten ist echte Knochenarbeit.

Aloe Vera
Getrocknete Löwenzahnwurzeln

Ich mag es bei Tees, wie bei vielen anderen Dingen auch, lieber pur oder übersichtlich in den Mischungen. Deshalb werde ich meinen Brennnessel-Pfefferminz-Fencheltee nicht noch „ausbauen“. Er ist lecker so wie er ist. Abgesehen davon scheue ich mich davor die Löwenzahnwurzel im Mörser zu zerkleinern. Dagegen ist der Kraftakt bei der Ernte fast Erholung.

Die getrockneten Bestandteile von Brennnesselblättern und Pfefferminze rebbel ich nicht bis zur Unkenntlichkeit. Erst kurz vor dem Aufgießen mit heißem Wasser zerreibe ich die Blätter und quetsche die Fenchelsamen auf einer festen Unterlage etwas. Sind die Fenchelsamen schon untergemischt gebe ich einen guten Esslöffel der Trockenmischung in den Mörser und zerquetsche alles zusammen etwas, denn es kommen schon mehr Inhaltsstoffe in den Aufguss wenn die Kräuter feiner zerteilt sind. Allerdings sind viele Inhaltsstoffe schon längst verpufft, wusch weg, wenn das Zerkleinern Wochen früher geschehen ist.

 

Kräutertees tun nicht nur in der kalten Jahreszeit gut und es wächst so vieles draußen vor der Tür, was nicht nur als Tee lohnenswert zum Sammeln ist. Hauptsache man kennt das Sammelgut wirklich und es wächst an Stellen ohne Tierkontakt, fern einer Straße und gedüngter Flächen. Wer ganz sicher gehen will  kauft sich die Zutaten aus biologischem Anbau und stellt seine Teemischung nach Geschmack zusammen. Es lohnt sich!

 

Bleibt gesund und bis die Tage,

Karin

 

Kräuteressig-Variationen

oder …

Kräuteraroma vom Sommer für den Winter konservieren

Im Schulgarten blühen und gedeihen Gemüse und Kräuter auch in den Sommerferien weiter. So viele Salatgurken wie dieses Jahr hatten wir noch nie. Darüber freuen sich alle, die mir im Garten halfen und helfen. In der Schulküche liegen auf vielen Flächen Kräuter zum Trocknen, die nach den Ferien von den SchülerInnen weiter verarbeitet werden. Fast täglich können Brombeeren geerntet werden, die zum größten Teil im Tiefkühlgerät landen. Aus der heutigen Ernte wollte ich damit, nach dem letzten Frucht-Kräuter-Essigauszug mit Erdbeeren und Basilikum, einen Auszug mit Brombeeren und Rosmarin probieren.

Die Zutaten für den zweiten Essigauszug sind Grundzutaten für den Vierräuberessig, auch als Pestessig bekannt.

Der Legende nach waren zu Pestzeiten Räuber in den Häusern von Pesttoten unterwegs, ohne sich anzustecken. Man versprach ihnen von einer Verhaftung abzusehen, wenn sie verrieten wie sie sich schützten. Ihr Geheimnis, sie nutzten die Wirkstoffe und ätherischen Öle aus verschiedenen Kräutern, die unter anderem antibakteriell, immunstimulierend und entzündungshemmend wirken, in Essig ausgezogen.

Es gibt eine Menge an Rezepten zu Pestessig. Bei manchen frage ich mich wie ein Räuber zu dieser Zeit an die Zutaten kommen konnte. Andere Zusammenstellungen mag ich mir weder unter der Nase oder im Magen vorstellen. Die meisten finde ich als viel zu viel wenn ich mir die Liste an Kräutern so anschaue.

Ich verwende für meinen Vierräuberessig vier bis fünf Kräuter bzw. Gewürze. So bleibt die Wirkung der Kräuter, auch untereinander, übersichtlich und das Ergebnis ist hinterher auch wirklich kulinarisch lecker (und nicht nur als Putzmittelzusatz verwertbar).

Salbei, Lavendel, Rosmarin, Thymian und als zusätzliches Gewürz Wacholderbeeren. Gerne hätte ich statt Wacholder Eberraute dazu gegeben, aber die hatte man mir ja im Frühsommer abgemäht.

Frische Kräuter müssen absolut gute, frische Qualität haben. Ich mag diese nicht einmal von jedem Händler auf dem Markt kaufen. Meist verwende ich sie aus dem Garten. Dazu warte ich eine regenfreie, warme Periode ab und „wasche“ die Kräuter am Abend vor der Ernte mit der Gartenbrause, auch von der Unterseite. Um die Mittagszeit, wenn die Kräuter trocken und warm sind, wird geerntet. Diese frische Ernte lasse ich immer etwas welken; Wasser aus den Pflanzenzellen verdunstet und im Verhältnis bleiben mehr sekundäre Inhaltsstoffe zum Ausziehen übrig. Weniger Wasser bedeutet zudem weniger Fäulnis- oder Schimmelgefahr.

Anmerkung: Gekaufte frische Kräuter vor der Verwendung zu Waschen ist keine gute Idee, selbst wenn sie hygienisch sinnvoll ist. Vor der Verwendung in einem Auszug in Essig, Öl oder Alkohol sollten, müssen, sie so trocken wie möglich sein.

Kräuter von den Stengeln abzupfen, abrebbeln, so gut es eben geht. Gewürze quetsche und mörsere ich grob. Alles in ein hohes Glasgefäß geben.

Die Kräuter oder Früchte (ich habe ja auch Brombeeren im anderen Essigansatz verwendet) mit gutem Essig aufgießen. Ich verwende Apfelessig in Bio-Qualität, denn ich möchte meine guten Kräuter nicht wie Perlen vor die Säue werfen.

Deckel zu, und zwar luftdicht, wasserdicht, denn ab jetzt muss für mindestens drei bis vier Wochen täglich der Inhalt bewegt werden (ohne dass die Soße heraus läuft).

Der Brombeeressig-Ansatz ist nun völlig in den Hintergrund getreten. Um diesen fertig aufzugießen musste ich noch einmal einkaufen gehen, fand unterwegs etwas was meine Eltern glücklich machen könnte, brachte ihnen dieses auch gleich vorbei um dann auf den Rückweg noch einen ehemaligen Kollegen mit seiner Frau, eine ehemalige Lehrerin von mir, zu treffen. In den Ferien kann ich solche Entwicklungen so was von genießen – schlecht gedeutscht, aber aus der Seele gesprochen!!

Etwas verspätet kam dann der frisch eingekaufte Essig auf die Brombeeren mit Rosmarin. Erschwerte Bedingungen zum Fotografieren, denn nun war das Licht noch schlechter. Sorry.

Ab jetzt heißt es abwarten!

 

Ein Wildkräutermenü im Frühling

oder …

Auf in die Brennnesseln

Wie ich schon mehrfach berichtet habe bin ich dabei mich im Kräuterwissen fit zu machen. Am ersten April-Wochenende war es wieder soweit. Samstag gab es von nine to five two eine große Portion Theorie, bevor wir uns eine Wiese suchten, die möglichst naturnah abseits von Straßen lag, nicht gedüngt wurde, keine Beweidung durch Nutztiere hat, auch keine Schafe … gar nicht so einfach, eine solche Fläche im Großraum Stuttgart zu finden. (Wenn jemand ein solches Wiesenstück im Kreis Böblingen kennt, bitte melden, please!)

Am Samstag sammelten wir jede Menge Wildkräuter, die wir dann am Sonntagnachmittag verarbeiteten.

Auf dem Menüplan standen:

  • Neunkräutersuppe
  • Wildkräuter-Schneckennudeln
  • Unkrauttaschen nach griechischer Art
  • Brennnessel in Bierteig mit Hägemark
  • Frankfurter grüne Soße mit Wildkräutern
  • Chicoreesalat mit Scharbockskraut und Orange
  • Sekteis/Sektsorbet mit Veilchenblüten, alternativ Apfelsaftsorbet mit Veilchen
  • Sahneeis mit Sauerampfer und Heidelbeerkompott
  • Erdbeeren mit Basilikumzucker
  • Waldmeister- und Wildblumenblüten im Apfelsaft

G.E.N.I.A.L.

Doch zuerst ging es auf die Wiese und danach in die Küche.

Ein Teil der Ernte mit Scharbockskraut, Sauerampfer, wildem Schnittlauch, Giersch, Vogelmiere, Weidenröschen, Sauerampfer, Gartenschaumkraut und Brennnesseln

Zur Vorspeise gab es eine Neunkräutersuppe, traditionell ein Frühlingsgericht. Sie gehörte früher vor allem am Gründonnerstag auf die Teller. Nach den langen Wintermonaten, wenn alle Vorräte aufgebraucht, oder nicht mehr allzu lecker waren, hatten unsere Vorfahren Lust auf frisches Grün. Die verwendeten Kräuter variieren je nach Landstrich, Höhenlage, Wetter und Jahreszeit. Dieses Jahr liegt Ostern sehr spät und so lässt sich auf den Wiesen deutlich mehr Grünzeug finden, als Ende März. Wenn ich jetzt spontan in den Garten gehen würde kämen bei mir momentan junge Triebe vom Giersch, Brennnesseln, Knoblauchsrauke, Gartenschaumkraut, Vogelmiere, Löwenzahn, Wiesenkerbel, Weidenröschen und Wiesenschaumkraut in den Korb und zum Garnieren ein Schlüsselblumenblütchen aus dem Garten (bitte wirklich nur von hier!). Möglich sind noch viele andere wilde Kräuter. Da manche durch ihren Gerbstoffgehalt eher streng schmecken, wie Gundermann, sollten diese eher nur wenig verwendet werden. Und wirklich nur die Wildpflanzen verwenden, die man ganz genau kennt! Alternativ können auch übliche Küchenkräuter in die Neunkräutersuppe wandern. Rezepte zur Neunkräutersuppe, wie auch wir sie zubereitet hatten, sind auch leicht im Internet zu finden, z.B. hier, hier und hier (das Gänseblümchen nicht als Ganzes essen, schmeckt so eher bäh). Und Sarah von Das Kräuterkörbchen gibt noch mehr Informationen, insbesondere erklärt sie wie die 9 in die Suppe kam!

In der Tiefe der Tasse hatte sich bei uns ein Bärlauchnockerl versteckt, die unsere Köchin in der Runde, Katharina, vorbereitet hatte.

In der Menüfolge passten im Anschluss passten in Bierteig ausgebackene Brennnesseln, die mit einem Klecks Hagebuttenmark, oder wie wir hier sagen Hägemark, garniert waren. Das Hägemark brachte den letzten Pfiff, bildeten das Tüpfelchen auf dem i.

Der Hauptgang …

Chicoreesalat mit Wildkräutern und Orangen, Unkrauttaschen, Kartoffeln, Ei und dazu grüne Soße aus Wildkräutern

… und im Anschluss ein Nachtisch nach dem anderen, die gar nicht so schnell fotografiert werden konnten, wie sie wegschmolzen sind bzw. in unseren Mägen landeten. Vor allem das Eis mit Sauerampfer traf genau meinen Geschmack. Ich, die in der Regel den Nachtisch weiter gibt, kratzte die Eismaschine leer, weil das Zeug zu lecker war um weggespült zu werden. Deshalb gibt es auch von dieser Leckerei keine Bilder, aber vom letzten Teil, den Erdbeeren mit Basilikumzucker.

 

Zum Schluss stelle ich die verwendeten Kräuter im Einzelnen vor:

Nicht im Einzelnen abgebildet fehlen Gartenschaumkraut, Waldmeister (der hing schon im Saft), den Veilchenblüten (froren schon eine Nacht im Sekt bzw. Apfelsaft) noch Kohldistel und ein Kraut, an dessen Namen ich mich erinnern kann. Irgendwann wird es mir wieder einfallen, vorzugsweise in der Nacht 😉

So lecker satt zu sein, nach so viel Bücken, Pflücken und Lernen, war herrlich! Leider war die Schlange auf dem Markt in Stuttgart so ewig lang, dass ich meinem Besuch das lange anstehen für Sauerampfer nicht zumuten wollte. Doch vielleicht finde ich am Wochenende welchen in freier Natur. Die Sahne wartet im Kühlschrank!

 

Schöne Ostern!