Vielseitige Brombeere

oder …

Lecker zum Essen, gesund zum Trinken, interessant zum Malen und Zeichnen

Zum Essen – sauer oder süß?

Brombeeren als Beerenfrüchte sind lecker, ob frisch oder verkocht oder als Auszüge. Kulinarisch verarbeitete ich im Sommer 2017 Brombeeren in Essig zusammen mit Rosmarin. Ich finde es immer wieder interessant zu beobachten, wie sich von Wenden zu Wenden bzw. Schütteln, Tag für Tag die Farbe der Flüssigkeit verändert. Vom sanften Goldgelb des verwendeten Bio-Apfelessigs ist nach zwei Wochen nicht mehr viel übrig. Das Rot kommt langsam durch. Ende September wurde der Essig-Auszug Ende September abgesiebt und ich liebe das herb-fruchtige Aroma.

 

Die Beeren stammten aus dem Schulgarten und ich sammelte in den Sommerferien fleißig die reifen Beeren. Einige warten im Tiefkühlgerät auf die weitere Verarbeitung in der Schulküche.

 

Zum Trinken – herb oder aromatisch?

Nach der ersten Beerenernte entwickeln sich am Brombeerstrauch die ersten neuen Triebe. Diese jungen Blätter sammle ich, lagere sie im 0°C-Fach meines Kühlschranks, bis ich eine gute Menge zusammen bekommen habe. Eigentlich können diese Blättchen einfach so für Tee getrocknet werden. Allerdings beinhalten Brombeerblätter eine ganze Menge an Gerbstoffen, was aus dem Tee später herb herausschmeckt. Ich fermentiere deshalb meinen Brombeerblätter-Tee. Schwierig ist das nicht, aber etwas aufwendig. Im Internet kursieren etliche Anleitung zum Fermentieren von Brombeerblättern, zum Beispiel von:

Ich persönlich fermentiere seit Jahren Brombeerblätter nach Art der Kräuterfrau aus der Schweiz.

Zarte Brombeerblätter von den Trieben pflücken und erst einmal im Schatten anwelken lassen.

Die Brombeerblätter in feine Streifen schneiden. Ich verwende dazu inzwischen auch die Schere, wie die Schweizer Kräuterfrau.

Die zerschnittenen Brombeerblätter auf einem sauberen Küchentuch aus Baumwollstoff, das ansonsten keine Verwendung mehr hat, ausbreiten.

Alle Brombeerblätter mit Wasser besprühen und mit dem Nudelholz kräftig bearbeiten – rollen, nicht klopfen. Immer wieder auflockern, neu besprühen und bearbeiten. Die Blattstreifen müssen richtig schlapp sein.

Die schlaffen Blattstreifen mit fein abgeschnittener Zitronenschale belegen.

Alles nicht zu fest zusammenrollen (aber auch nicht zu locker), in eine Plastiktüte packen und an einem warmen Ort in die Sonne legen. Am besten klappt das während einer warmen Sommerperiode. Es funktioniert jedoch auch auf einem hellen, warmen Fensterbrett.

Nach ungefähr vier bis sechs Tagen hat es im Bündel kräftig „gearbeitet“. Das Päckchen kann aufgeschnürt und ausgerollt werden. Die Blätter sind deutlich dunkler geworden und ich freue mich jedes Mal über den herrlichen, herb zitronigen Geruch.

Jetzt müssen die fermentierten Blätter noch im Backofen oder im Dörrautomat getrocknet werden, bevor ich mit diesen Blättern meinen Jahrestee zusammenstelle. Dieses Jahr hatte ich die Idee bei der zweiten Ernte, die Zitronenschale nicht mehr in so dicken Streifen beim Fermentieren zu verwenden. Ich schnitt mit einem speziellen Schneider Zesten in die Blätter, die ich nach dem Fermentieren nicht entfernte, sondern mit trocknete und im Tee ließ. Ich finde es lecker.

Eine erste Probe musste jedoch schon einmal sein: fermentierte Brombeerblätter, Sonnenblumenblütenblätter, Brennnessel und etwas getrocknete Zitronenschale.

 

Anmerkung:

Tee kann auf diesem Weg auch mit Himbeerblättern und Erdbeerblättern hergestellt werden. Tee aus fermentierten Brombeerblättern, und Mischungen mit anderen Blattarten, ist eine Alternative zu Schwarztee, wenn man auf Koffein verzichten möchte. Diese Teemischungen sind auch bekannt als „Deutscher Tee“.

 

Zum Malen, als Farbe für Fasern – in Fruchtfarbe oder Gerbstoff-braun?

Wie am Baumwolltuch vom Fermentieren gut zu erkennen ist, Brombeerblätter färben braun, nicht tiefdunkelbraun, eher goldbraun. Mit Blättern und Trieben lässt sich Stoff färben und auch Malfarbe herstellen.

Im Winter geschnittene Triebe eignen sich zusammen mit Schlehen- und Weißdornzweigen zur Herstellung von Dornentinte (Link). Die Schreibtinte aus den im Sommer geschnittenen Triebe blieb sehr hell, leider.

Bleiben die Früchte, die beim Essen nicht nur die Zunge bläulich rot färben und beim Kleckern oft „echte“ Flecken auf der Kleidung hinterlassen. Tatsächlich wurden mit Brombeeren schon im Mittelalter und in grauer Vorzeit Fasern gefärbt. Der Trester nach der Saftherstellung landete früher nicht auf dem Müll. Solange irgendwelche nahrhaften Inhaltsstoffe zu erwarten waren konnte zumindest das Vieh damit glücklich gemacht werden. Beerentrester eignet sich vor dem Verfüttern jedoch noch zum Färben von Fasern und Stoffen. Die Farbintensität ist auf ihnen geringer, da viele Farbanteile schon im Saft gelandet sind, wenn der Trester wieder mit Wasser verdünnt wird. Andere Techniken verwenden den noch feuchten Trester direkt auf Stoffe, indem die Restflüssigkeit eingeklopft oder eingepresst wird.

links Baumwollstoff mit Brombeertrieben gefärbt, rechts ein Presstuch aus Baumwolle vom Entsaften von Brombeeren

Mich hat der Umfang der Farbpalette, die mit Beeren der Brombeere auf Wolle und Seide erreicht werden kann schon als junge Erwachsene fasziniert. Damals entdeckte ich für mich die Tresterfärbung und ich liebte vor allem die ungleichmäßigen blass-blau-altrosa Färbeergebnisse. Arme Leute erkannte man im Mittelalter auch an der Farbe ihrer Kleidung, denn sie war meist ungleichmäßig, fleckig gefärbt. Ganz klar, denn Essen geht vor. Mir ging es als junger Studentin in etwa ähnlich.

Gerade habe ich nachgelesen, dass aus den Wurzeln der Brombeere ein braunschwarz bis schwarz gefärbt werden kann. Das werde ich ausprobieren. Nicht sofort!

 

Brombeerentraditionen und Geschichten

Schon einmal etwas vom Brombeermann gehört oder kennt ihr die Verbindung von Frau Holle zu den Brombeeren?

Nicht? Keine Sorge, ich lernte diese Geschichten auch erst im Laufe meiner Prüfungsvorbereitung zur Kräuterpädagogin, während meiner Recherchen, kennen.

Der Brombeermann ist eine wichtige Figur im hessischen Ort Wanfried, der in der Nähe von Eisenach liegt. Wenn im Juli das Schützenfest stattfindet übernimmt er sogar für ein paar Tage die Herrschaft im Ort. (Nachzulesen auf der Internetseite von Wanfried, im Archiv der Westfälischen Nachrichten und bei Wikipedia).

Grob nacherzählt hat der Lieblingszwerg der Frau Holle zu heftig mit ihrer Perlenkette gespielt. Als sie zerriss verwandelten sie sich in Beeren, die er im Laufe des Tages alle einsammeln musste um sie wieder zu Perlen werden zu lassen. Wenn er dies nicht bis zum Sonnenuntergang schafft hängen alle Beeren wieder an den Pflanzen und Sträuchern und das Spiel geht am nächsten Tag wieder von vorne los. Zum Glück hatte Frau Holle nach tausend Jahren ein Einsehen und erlöste den Wurzelmann von diesem Fluch.

Eine andere Legende aus England erklärt, warum man nach dem 11. Oktober keine Brombeeren mehr ernten sollte. An diesem Tag soll der Teufel aus dem Himmel vertrieben worden sein und er fiel dabei in einen Brombeerstrauch. Darüber war er so erbost, dass er ihn daraufhin verfluchte  und seine Früchte ungenießbar machte. Andere Versionen der Legende erzählen, der Teufel hätte vor Zorn über seine Verletzungen auf die Früchte gespuckt und sie somit zu Teufelsbeeren gemacht. Ich habe allerdings in diesem Jahr noch leckere Früchte nach dem Stichtag geerntet bis ich tatsächlich eine der ekelhaftesten Beeren, die ich je gegessen habe, erwischte. Pfui Teufel aber auch! Allerdings hat das Phänomen nichts mit der mangelhaften Treffsicherheit des Teufels beim Spucken zu tun. Verantwortlich sind Beerenwanzen, die nicht nur Brombeeren, sondern unter anderem auch Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren aussaugen und im Austausch Verdauungssäfte in der Beere hinterlassen. Das machen sie auch schon vor dem 11. Oktober. Allerdings ist es immer nett einen Schuldigen für Teufelszeug die Teufelsbeeren zu haben.

 

Tatsächlich gehört die Brombeere mit zu den ältesten bekannten Heilpflanzen. Man fand Reste von Brombeeren in Keltengräbern. Theophrast, ein Schüler des Aristoteles, hat schon ca. 350 Jahre v. Chr. über die Brombeere berichtet, wie auch Galen als griechischer Arzt in Rom praktizierend 500 Jahre später. Viele Kräuterbücher aus dem Mittelalter bieten Rezepte mit allen Pflanzenteilen der Brombeere um Mensch wie Tier gesund zu erhalten bzw. zu heilen.

Alles kommt wieder. Heute fand ich im Gemüseangebot eines Bio-Supermarkts in einer Blatt- und Kräutermischungen für grüne Smoothies Brombeerblätter. Wer es mag.

 

Was mir an der Brombeere gefällt ist vor allem die Ausdauer und ihre Robustheit. Irgendwie schafft sie es, zum Kummer vieler Kleingärtner, immer wieder zum Vorschein zu kommen. Auch im Winter ist sie einfach immer da, schließt mit Dornen und Blattwerk viele Hecken, und wenn sie im Frühjahr blüht zeigt sie ihre Pracht als Rosengewächs mit hübschen Blüten.

Brombeerranken an einem frostigen Morgen im November

 

 

Das war ein Auszug meiner Ausarbeitung zur Brombeere für meine Abschlussprüfung zur Kräuterpädagogin, den ich gerne mit euch teilen wollte.

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

Lieblingstee neu entdeckt

oder …

Statt gekauft selbst gesammelt!

Was in Sachen Kräutertee auf dem Markt angeboten wird lässt mich immer wieder den Kopf schütteln – inzwischen mehr denn je. Nach Abschluss meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin hinterfrage ich manche Teemischung, die im Handel angeboten wird noch mehr. Hinter all den hübschen Namen wird eine ganze Menge an Emotionen und Versprechungen mit möglichen Wirkungen impliziert. Ich darf mit solchen Aussagen, trotz meiner erworbenen Kenntnisse, keine Tees mit Aussagen jedweder Art die nur im Ansatz eine Heilwirkung oder Stimmungsverbesserung im Namen erwarten lassen  anbieten. Dieser Tee soll nach Packungsaufschrift gut für die Haut sein.

Als leidenschaftliche Teetrinkerin von Tees mit und ohne Teein, genieße ich jede Tasse. Ohne zu den traditionellen  Teezeremonienmeisterinnen zu gehören verachte ich auch keine Teebeutel. Trotzdem schaue ich genau hin, was in den Packungen (und den  Teebeuteln) abgepackt sein soll.

Ich will wissen was ich trinke und trinke nicht alles!

Vor ein paar Tagen landete einer meiner Lieblingstees wieder einmal praktischerweise im Teebeutel in der Tasse. Während er im heißen Wasser zog – ich habe ja wieder etwas mehr Zeit und Muße, die ich auch genieße – las ich mir die Vorderseite der Papierverpackung des Beutels durch und danach die Rückseite. Ohh! Da steht ja noch mehr darauf!

Wie blöd aber auch! Da hatte ich doch in den Sommermonaten nur die drei Zutaten auf der Vorderseite des Kauftees gesammelt um eine meiner Teedosen mit der getrockneten Teemischung nach Art der Kaufmischung aufzufüllen:

Brennnessel, Pfefferminze und Fenchelsamen

Brennnessel wuchs reichlich rund um den Kompost, Pfefferminze wucherte zwischen dem Sellerie im Schulgarten, nur der Fenchel bildete nicht genug Samen, weshalb ich da nachkaufen musste.

Ein Vergleichsteetrinken musste her, doch vorher schaute ich mir den Inhalt vom gekauften Teebeutel vor dem Ausguss genauer an.

Es ist mir klar, dass der Zerteilungsgrad wichtig ist bei chemischen Prozessen, aber bei dieser Teeprobe fragte ich mich dann doch, wo in all den Krümeln neben 40% Brennnesseln, 25% Pfefferminz, 25% Fenchelsamen noch die Löwenzahnwurzel, die Süßholzwurzel und die Aloe Vera Blätter sind.

Meine Süßholzpflanze hat den Sommer nicht überlebt, deshalb kann ich keine (eigenen) Bilder von dieser Pflanze zeigen. Darüber bin ich nicht wirklich unglücklich, denn ich mag Süßholzwurzel eigentlich nicht im Tee (Lakritze ist was ganz anderes :D). Die Blätter der Aloe Vera trockne ich nicht, sie nutze ich frisch zur Hautpflege und Löwenzahnwurzeln zu ernten ist echte Knochenarbeit.

Aloe Vera
Getrocknete Löwenzahnwurzeln

Ich mag es bei Tees, wie bei vielen anderen Dingen auch, lieber pur oder übersichtlich in den Mischungen. Deshalb werde ich meinen Brennnessel-Pfefferminz-Fencheltee nicht noch „ausbauen“. Er ist lecker so wie er ist. Abgesehen davon scheue ich mich davor die Löwenzahnwurzel im Mörser zu zerkleinern. Dagegen ist der Kraftakt bei der Ernte fast Erholung.

Die getrockneten Bestandteile von Brennnesselblättern und Pfefferminze rebbel ich nicht bis zur Unkenntlichkeit. Erst kurz vor dem Aufgießen mit heißem Wasser zerreibe ich die Blätter und quetsche die Fenchelsamen auf einer festen Unterlage etwas. Sind die Fenchelsamen schon untergemischt gebe ich einen guten Esslöffel der Trockenmischung in den Mörser und zerquetsche alles zusammen etwas, denn es kommen schon mehr Inhaltsstoffe in den Aufguss wenn die Kräuter feiner zerteilt sind. Allerdings sind viele Inhaltsstoffe schon längst verpufft, wusch weg, wenn das Zerkleinern Wochen früher geschehen ist.

 

Kräutertees tun nicht nur in der kalten Jahreszeit gut und es wächst so vieles draußen vor der Tür, was nicht nur als Tee lohnenswert zum Sammeln ist. Hauptsache man kennt das Sammelgut wirklich und es wächst an Stellen ohne Tierkontakt, fern einer Straße und gedüngter Flächen. Wer ganz sicher gehen will  kauft sich die Zutaten aus biologischem Anbau und stellt seine Teemischung nach Geschmack zusammen. Es lohnt sich!

 

Bleibt gesund und bis die Tage,

Karin

 

Kräuteressig-Variationen

oder …

Kräuteraroma vom Sommer für den Winter konservieren

Im Schulgarten blühen und gedeihen Gemüse und Kräuter auch in den Sommerferien weiter. So viele Salatgurken wie dieses Jahr hatten wir noch nie. Darüber freuen sich alle, die mir im Garten halfen und helfen. In der Schulküche liegen auf vielen Flächen Kräuter zum Trocknen, die nach den Ferien von den SchülerInnen weiter verarbeitet werden. Fast täglich können Brombeeren geerntet werden, die zum größten Teil im Tiefkühlgerät landen. Aus der heutigen Ernte wollte ich damit, nach dem letzten Frucht-Kräuter-Essigauszug mit Erdbeeren und Basilikum, einen Auszug mit Brombeeren und Rosmarin probieren.

Die Zutaten für den zweiten Essigauszug sind Grundzutaten für den Vierräuberessig, auch als Pestessig bekannt.

Der Legende nach waren zu Pestzeiten Räuber in den Häusern von Pesttoten unterwegs, ohne sich anzustecken. Man versprach ihnen von einer Verhaftung abzusehen, wenn sie verrieten wie sie sich schützten. Ihr Geheimnis, sie nutzten die Wirkstoffe und ätherischen Öle aus verschiedenen Kräutern, die unter anderem antibakteriell, immunstimulierend und entzündungshemmend wirken, in Essig ausgezogen.

Es gibt eine Menge an Rezepten zu Pestessig. Bei manchen frage ich mich wie ein Räuber zu dieser Zeit an die Zutaten kommen konnte. Andere Zusammenstellungen mag ich mir weder unter der Nase oder im Magen vorstellen. Die meisten finde ich als viel zu viel wenn ich mir die Liste an Kräutern so anschaue.

Ich verwende für meinen Vierräuberessig vier bis fünf Kräuter bzw. Gewürze. So bleibt die Wirkung der Kräuter, auch untereinander, übersichtlich und das Ergebnis ist hinterher auch wirklich kulinarisch lecker (und nicht nur als Putzmittelzusatz verwertbar).

Salbei, Lavendel, Rosmarin, Thymian und als zusätzliches Gewürz Wacholderbeeren. Gerne hätte ich statt Wacholder Eberraute dazu gegeben, aber die hatte man mir ja im Frühsommer abgemäht.

Frische Kräuter müssen absolut gute, frische Qualität haben. Ich mag diese nicht einmal von jedem Händler auf dem Markt kaufen. Meist verwende ich sie aus dem Garten. Dazu warte ich eine regenfreie, warme Periode ab und „wasche“ die Kräuter am Abend vor der Ernte mit der Gartenbrause, auch von der Unterseite. Um die Mittagszeit, wenn die Kräuter trocken und warm sind, wird geerntet. Diese frische Ernte lasse ich immer etwas welken; Wasser aus den Pflanzenzellen verdunstet und im Verhältnis bleiben mehr sekundäre Inhaltsstoffe zum Ausziehen übrig. Weniger Wasser bedeutet zudem weniger Fäulnis- oder Schimmelgefahr.

Anmerkung: Gekaufte frische Kräuter vor der Verwendung zu Waschen ist keine gute Idee, selbst wenn sie hygienisch sinnvoll ist. Vor der Verwendung in einem Auszug in Essig, Öl oder Alkohol sollten, müssen, sie so trocken wie möglich sein.

Kräuter von den Stengeln abzupfen, abrebbeln, so gut es eben geht. Gewürze quetsche und mörsere ich grob. Alles in ein hohes Glasgefäß geben.

Die Kräuter oder Früchte (ich habe ja auch Brombeeren im anderen Essigansatz verwendet) mit gutem Essig aufgießen. Ich verwende Apfelessig in Bio-Qualität, denn ich möchte meine guten Kräuter nicht wie Perlen vor die Säue werfen.

Deckel zu, und zwar luftdicht, wasserdicht, denn ab jetzt muss für mindestens drei bis vier Wochen täglich der Inhalt bewegt werden (ohne dass die Soße heraus läuft).

Der Brombeeressig-Ansatz ist nun völlig in den Hintergrund getreten. Um diesen fertig aufzugießen musste ich noch einmal einkaufen gehen, fand unterwegs etwas was meine Eltern glücklich machen könnte, brachte ihnen dieses auch gleich vorbei um dann auf den Rückweg noch einen ehemaligen Kollegen mit seiner Frau, eine ehemalige Lehrerin von mir, zu treffen. In den Ferien kann ich solche Entwicklungen so was von genießen – schlecht gedeutscht, aber aus der Seele gesprochen!!

Etwas verspätet kam dann der frisch eingekaufte Essig auf die Brombeeren mit Rosmarin. Erschwerte Bedingungen zum Fotografieren, denn nun war das Licht noch schlechter. Sorry.

Ab jetzt heißt es abwarten!

 

Ein Wildkräutermenü im Frühling

oder …

Auf in die Brennnesseln

Wie ich schon mehrfach berichtet habe bin ich dabei mich im Kräuterwissen fit zu machen. Am ersten April-Wochenende war es wieder soweit. Samstag gab es von nine to five two eine große Portion Theorie, bevor wir uns eine Wiese suchten, die möglichst naturnah abseits von Straßen lag, nicht gedüngt wurde, keine Beweidung durch Nutztiere hat, auch keine Schafe … gar nicht so einfach, eine solche Fläche im Großraum Stuttgart zu finden. (Wenn jemand ein solches Wiesenstück im Kreis Böblingen kennt, bitte melden, please!)

Am Samstag sammelten wir jede Menge Wildkräuter, die wir dann am Sonntagnachmittag verarbeiteten.

Auf dem Menüplan standen:

  • Neunkräutersuppe
  • Wildkräuter-Schneckennudeln
  • Unkrauttaschen nach griechischer Art
  • Brennnessel in Bierteig mit Hägemark
  • Frankfurter grüne Soße mit Wildkräutern
  • Chicoreesalat mit Scharbockskraut und Orange
  • Sekteis/Sektsorbet mit Veilchenblüten, alternativ Apfelsaftsorbet mit Veilchen
  • Sahneeis mit Sauerampfer und Heidelbeerkompott
  • Erdbeeren mit Basilikumzucker
  • Waldmeister- und Wildblumenblüten im Apfelsaft

G.E.N.I.A.L.

Doch zuerst ging es auf die Wiese und danach in die Küche.

Ein Teil der Ernte mit Scharbockskraut, Sauerampfer, wildem Schnittlauch, Giersch, Vogelmiere, Weidenröschen, Sauerampfer, Gartenschaumkraut und Brennnesseln

Zur Vorspeise gab es eine Neunkräutersuppe, traditionell ein Frühlingsgericht. Sie gehörte früher vor allem am Gründonnerstag auf die Teller. Nach den langen Wintermonaten, wenn alle Vorräte aufgebraucht, oder nicht mehr allzu lecker waren, hatten unsere Vorfahren Lust auf frisches Grün. Die verwendeten Kräuter variieren je nach Landstrich, Höhenlage, Wetter und Jahreszeit. Dieses Jahr liegt Ostern sehr spät und so lässt sich auf den Wiesen deutlich mehr Grünzeug finden, als Ende März. Wenn ich jetzt spontan in den Garten gehen würde kämen bei mir momentan junge Triebe vom Giersch, Brennnesseln, Knoblauchsrauke, Gartenschaumkraut, Vogelmiere, Löwenzahn, Wiesenkerbel, Weidenröschen und Wiesenschaumkraut in den Korb und zum Garnieren ein Schlüsselblumenblütchen aus dem Garten (bitte wirklich nur von hier!). Möglich sind noch viele andere wilde Kräuter. Da manche durch ihren Gerbstoffgehalt eher streng schmecken, wie Gundermann, sollten diese eher nur wenig verwendet werden. Und wirklich nur die Wildpflanzen verwenden, die man ganz genau kennt! Alternativ können auch übliche Küchenkräuter in die Neunkräutersuppe wandern. Rezepte zur Neunkräutersuppe, wie auch wir sie zubereitet hatten, sind auch leicht im Internet zu finden, z.B. hier, hier und hier (das Gänseblümchen nicht als Ganzes essen, schmeckt so eher bäh). Und Sarah von Das Kräuterkörbchen gibt noch mehr Informationen, insbesondere erklärt sie wie die 9 in die Suppe kam!

In der Tiefe der Tasse hatte sich bei uns ein Bärlauchnockerl versteckt, die unsere Köchin in der Runde, Katharina, vorbereitet hatte.

In der Menüfolge passten im Anschluss passten in Bierteig ausgebackene Brennnesseln, die mit einem Klecks Hagebuttenmark, oder wie wir hier sagen Hägemark, garniert waren. Das Hägemark brachte den letzten Pfiff, bildeten das Tüpfelchen auf dem i.

Der Hauptgang …

Chicoreesalat mit Wildkräutern und Orangen, Unkrauttaschen, Kartoffeln, Ei und dazu grüne Soße aus Wildkräutern

… und im Anschluss ein Nachtisch nach dem anderen, die gar nicht so schnell fotografiert werden konnten, wie sie wegschmolzen sind bzw. in unseren Mägen landeten. Vor allem das Eis mit Sauerampfer traf genau meinen Geschmack. Ich, die in der Regel den Nachtisch weiter gibt, kratzte die Eismaschine leer, weil das Zeug zu lecker war um weggespült zu werden. Deshalb gibt es auch von dieser Leckerei keine Bilder, aber vom letzten Teil, den Erdbeeren mit Basilikumzucker.

 

Zum Schluss stelle ich die verwendeten Kräuter im Einzelnen vor:

Nicht im Einzelnen abgebildet fehlen Gartenschaumkraut, Waldmeister (der hing schon im Saft), den Veilchenblüten (froren schon eine Nacht im Sekt bzw. Apfelsaft) noch Kohldistel und ein Kraut, an dessen Namen ich mich erinnern kann. Irgendwann wird es mir wieder einfallen, vorzugsweise in der Nacht 😉

So lecker satt zu sein, nach so viel Bücken, Pflücken und Lernen, war herrlich! Leider war die Schlange auf dem Markt in Stuttgart so ewig lang, dass ich meinem Besuch das lange anstehen für Sauerampfer nicht zumuten wollte. Doch vielleicht finde ich am Wochenende welchen in freier Natur. Die Sahne wartet im Kühlschrank!

 

Schöne Ostern!

Ferien zuhause

und …

Balkonien 2016, ein Fazit zur Zwei-Drittel-Zeit und ein Liebstöckelpesto zum Reinlegen!

Ferien und Urlaub zuhause in den Sommerferien? Nee, nä? Du bleibst echt zuhause? … ? … ? …. ? DU?

JA!

Die Entscheidung, Ende Juli, alle Pläne für den Sommerurlaub zu streichen war gut. Es wäre jedoch gescheit gewesen, trotz meiner Daueranwesenheit während der Schulferien, einen Dienstplan für den Schulgarten zu organisieren. So schaute in den vergangenen vier Wochen nur ein Kollege ein Mal vorbei. Schade eigentlich. Denn gerade jetzt reift einiges an Gemüse und Kräutern, vor allem die Zucchini! Viele habe ich verschenkt, aber inzwischen möchte keiner mehr mit einer beglückt werden. Die Blüten kommen bei mir jetzt gleich in den Topf und die drei/vier Früchte, die noch im Beet liegen reifen zu Monstern heran. (Ich werde von der Ernte berichten!)

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Von einer anderen Ernte habe ich jetzt im zweiten Anlauf ein richtig leckeres Ergebnis auf’s Brot bekommen. Aus dem etwas zu dicht bepflanzten Kräuterbeet quollen regelrecht Rucola, Gartenmelde, Kapuzinerkresse, Salbei und Liebstöckel. Andere Kräuter in dem Beet hatten da wenig Chance auf Licht und Überleben. Da half nur Rückschnitt, Ernte (der Salbei hängt zum Trocknen auf dem Dachboden) und was leckeres daraus machen. 😀 Eine Kollegin hatte mir vor den Sommerferien erzählt, dass sie ein superleckeres Pesto aus Liebstöckel gegessen hätte. Nach solch einem Rezept recherchierte ich, probierte es aus und ließ es Testessen. Alle waren vom Versuch 1 begeistert, nur ich nicht. Kein Wunder, Liebstöckel gehört als Kraut nicht zu meinen Favoriten. Aber Versuch 2 hat mich überzeugt, denn es zählt Klasse statt Masse! Strünke und Stiele weglassen garantiert ein leckeres Aroma und verhindert ein Zuviel an strenger Würze. Auch verzichtete ich auf den im Rezept angegebenen Knoblauch. Ich fand die Kombination von Maggi-Aroma und Knofi nicht lecker. Es ist als ob zwei dominante Stinker gegeneinander antreten und keiner zu richtig zu Potte kommt. Weniger Zutaten sind manchmal von Vorteil und so auch hier!

Liebstöckelpesto oder Pesto aus Maggikraut

Zutaten:

  • 65 g Liebstöckelblätter
  • 65 g gehackte Mandeln
  • 65 g frisch geriebenen Parmesan
  • 1/2 gehackte Zwiebel
  • ca. 100 g Olivenöl
  • Pfeffer
  • Salz

Zubereitung:

  • Die Liebstöckelblätter mit dem Olivenöl fein pürieren.
  • Die Zwiebel dazugeben und den Pfeffer nach Geschmack.
  • In die Liebstöckel-Zwiebel-Öl-Masse die Mandeln geben und weiter pürieren.
  • Den geriebenen Parmesan unterheben.
  • Salzen nach Geschmack.

Jetzt fehlt nur noch ein Stück frisches Brot!

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Was ich sonst in meinen Ferien mache? Ich gestalte meine Ferien, wie ich es mir Ende Juli verordnet hatte. Eine perfekte Umsetzung sieht anders aus, doch ich bin mit dem Ergebnis bisher zufrieden:

Pflichtprogramm

  • Entspannung und fünfe gerade sein lassen – klappt gut
  • ein paar Wochen raus aus der Fremdtaktung und in den Biorhythmus wechseln – klappt auch – 7:30 Uhr ist meine Aufwachzeit
  • das linke Handgelenk fit machen – ich trainiere und gehe weiterhin zwei Mal die Woche zur Ergotherapie
  • nur zwei „Äh-bäh-Termine“ in der Woche zulassen, naja, drei sind auch noch ok 😉 – hmm, im Schnitt kommt’s hin
  • einen richtigen Tagesausflug in jeder Ferienwoche = sechs Mal fort – Nachholbedarf, ein halber Tagesausflug fehlt – demnächst nachzulesen auf meinem zweiten Blog hier und fort

Zusatzprogramm

  • Aufbrauchen der Wollreste – klappt super!!! – Ich werde darüber berichten.
  • meinen Dawanda-Shop befüllen – der erste Teil ist drin und nur einen Klick weiter zu sehen.
  • filzen mit oder ohne Katzenhaar – 🙁
  • Papier schöpfen, aus was auch immer, Hauptsache aus Naturmaterial – die Roh-Masse steht fertig im Kühlschrank
  • nähen – etliche Quiltprojekte dümpeln in meinem Kopf, auf Papier und in Kisten herum – 🙁
  • zeichnen – ein büschen 😉
  • LESEN! – Oh Mann! Wo ist das Buch bei dem ich nicht schon nach dem ersten Kapitel denke: Gute Frau/guter Mann, Deine Probleme brauche ich nicht auch noch! Es ist mir ein Rätsel, wie ich als Mega-Viel-Leserin im letzten Jahr zu einer Buch-Anlese-Weglegerin mutiert bin! Rund um mein Bett stapeln sich halb gelesene Bücher … zum regelmäßigen Abstauben statt Weiterlesen … und ich frage mich: „Hallo Frau Be, was geht da ab?“.

 

Doch noch liegen zwei Wochen Ferien vor mir, die genutzt werden können.

Roggenbrot aus der Milchtüte

oder …

Ein Stück Island für den Gaumen

und Brot backen mal ganz anders – isländisches Roggenbrot, Rúgbrauð.

Ich bin eine Mutter, die, wenn ihre Kinder in der Weltgeschichte unterwegs sind, mit dem Finger auf der Landkarte mit reist. Das beginnt schon beim Flug, den ich, dank Apps, verfolge.

Bildschirmfoto vom 2016-06-15 um 15.19.24 über flightradar24

Mir macht das Spaß, lindert etwas meine vor Dauer-Reiselust scharrenden Hufe, aber es kann auch mal richtig nervös machen, wenn der Flieger vom Bildschirm verschwindet. Zum Glück flog Sohnemann dieses Mal nicht über China (da war auf seinem Japan-Flug mal schwupps das Flugzeug weg vom Bildschirm), sondern nur über Nordsee und Atlantik ins Land seiner und meiner Sehnsucht … nach Island. Ein Grund durch die Fotos vom letzten Sommerurlaub zu gehen und ein Anlass zwei unfertige Blogposts fertigzustellen (diesen hier und den überarbeiteten Reisebericht über Islands Norden).

Die Arbeit konnte ich mir etwas versüßen, denn im Tiefkühlgerät hatte ich noch einen Würfel selbst gebackenes Roggenbrot eingefroren. Das Rezept brachte mein Sohn von seinem ersten Aufenthalt aus Island mit, machte seine Schwester damit süchtig glücklich und ich backte das Brot dieses Frühjahr nach. Ein Brot, dass nicht geknetet werden muss war ideal in der Zeit, als ich durch den Armbruch eingeschränkt war und trotzdem gerne frisches, eigenes Brot essen wollte.

In Island wurde und wird dieses Brot, in Gegenden wo Geothermie sichtbar wie riechbar ist, häufig in Erdlöchern bzw. Spalten in Lavafeldern gegart, zum Beispiel in der Gegend rund um den See Mývatn im Norden. Überspitzt gesagt geht dort die Hausfrau einmal am Tag raus aufs Lavafeld, schiebt ein paar Steine weg, hebt einen Deckel, holt den Broteimer vom Vortag heraus und stellt neues Gargut in das Loch, bevor sie es wieder sicher abdeckt. Neben Brot lässt sich so auch anderes Backwerk herstellen und Eintopfgerichte garen.

Nun hat die deutsche Hausfrau keine geeignete Geothermie vor Ort, in Böblingen ist Geothermie eher ein unangenehmes Reizwort, und es muss der heimische Backofen genutzt werden. Wie das ganz genau vorgeht kann auf dem Blog meiner Tochter, Der Klang von Zuckerwatte, nachgelesen werden: Von leeren Milchkartons und isländischem Rúgbrauð. lch halte mich hier etwas kürzer. 😉

Sicher stellt sich der/die LeserIn an dieser Stelle die Frage, die ich mir ursprünglich auch gestellt hatte: „Nicht geknetetes Brot und dann noch im Milchkarton gegart statt richtig gebacken? Und das soll funktionieren?“ – Ja! Doch man muss Zeit und Geduld mitbringen, etwas was man von Isländern lernen kann. Was Roggenbrot üblicherweise in der Vorbereitung mit Sauerteig und später während des Gärprozesses an Zeit benötigt, verbringt diese Form von Roggenbrot vor allem im Ofen in der Milchtüte. Man kann sich tatsächlich für Stunden gemütlich zurück lehnen und es verkokelt im Backofen nichts!

Zutaten für ein isländisches Roggenbrot – Rúgbrauð

  • 200 g Roggenmehl
  • 40 g Vollkornmehl (Weizen oder Roggen)
  • 75 g Zucker
  • 1/2 Päckchen Trockenhefe
  • 1/4 TL Salz
  • 225 ml Milch

Alles verrühren, was selbst mit einem Gipsarm klappte, ab in die Tüte, abdecken und für 12 Stunden in den Backofen bei 100°C. Bei dieser langen Backzeit lohnt es sich gleich ein paar Brote gleichzeitig zu backen. Es lässt sich sehr gut einfrieren und verschenken!

Die erste Version wurde etwas heller, als ich es bisher kannte. Es lag wahrscheinlich daran, dass ich kein Roggenvollkornmehl verwendet hatte, sondern Dinkel.

Der zweite Versuch mit 100% Roggenmehl gelang deutlich dunkler und schmeckte fast wie das Brot in Island. Wahrscheinlich fehlte die Schwefelkomponente vom „raucht-und-stinkt“! Man könnte ja einen aromatischen Zusatzstoff entwickeln. 😉

Superlecker das süßliche Brot mit salziger Butter!

Die Variation mit Spiegelei und eingelegten Bärlauchstielen kam auch gut an.

 

Das Ende der Bärlauch-Zeit

oder …

Der Mai ist gekommen!

Kaum zu glauben, der April ist vorbei. Ganz einfach so. Wo ist der Monat nur geblieben? Ohne Fotoausflüge in den Schönbuch und zur Obstbaumblüte ins Gäu fehlt mir dieses Jahr ein kleines Stückchen Frühlingserwachen. Sicher hätte ich eine Chauffeuse oder einen Chauffeur für eine Ausfahrt gefunden: „Sag’s, wenn ich dir helfen kann!“. Doch ohne Konstanze einfach so durch die Landschaft tappen? Mit der/m ruhig gestellten Hand/Arm war seit dem Armbruch kein Fotografieren mit der Spiegelreflexkamera möglich. Aber es geht voran.

Seit gestern kann ich, wenn ich mit der rechten Hand die Kamera halte, mit der linken den Objektivdeckel aufschnippen. Tolle Sache! Kleines Stückchen Glückseligkeit. Zum Schließen muss ich mich bücken und suchen, wo das Teil hingeflogen ist. Um den Deckel wieder aufzusetzen brauche ich noch die rechte Hand.

Heute schaffte ich mit links den Wasserhahn im Spülbecken der Küche zu öffnen. Yeah! Es ist ja „nur“ ein Hebel und es klappte super – fragt meinen Kater! 🙂 Das Ergebnis war eine Riesensauerei, hatte die Qualität ‚Zustand nach Wasserschlacht‘. Aber ich habe den Wasserhahn öffnen können, grobmotorisch zwar, auch noch etwas schmerzhaft, doch effektiv. 😀 Allerdings werde ich den zweiten Versuch mit dem Hahn besser erst nach der nächsten Ergotherapiesitzung versuchen. Habe ich Katerchen versprochen, denn er fand die Springflut aus der Spüle gar nicht lustig. 😉

Doch zurück zum verpassten Frühling draußen in der Natur.

Mit dem Cast rund um Hand und Unterarm konnte ich dieses Jahr auch nicht zu meinem Plätzchen zur Bärlauchernte radeln. Schade! Ich tröstete mich mit ein, zwei gekauften Bünden vom Markt. Als Pesto verarbeitet war es ruckzuck weg gefuttert. Bei den nächsten vier gekauften Bünden hatte ich dann das Pech, dass sie, wohl nass gepflückt und gleich eng gebündelt, im Bund schon schimmelten – bei einem Preis von 1,50€ pro 100g recht ärgerlich. Ich fand mich damit ab dieses Jahr ohne Bärlauch-Depot auszukommen.

Und dann kam ein Gespräch unter Nachbarn, denen ich eigentlich nur ein Päckchen angenommen hatte und ihnen nur abgeben wollte. Als Dankeschön hatte ich von ihnen eine Tüte selbst geernten Bärlauch in die Hand gedrückt bekommen!

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Drei Tage später fragte mich mein Nachbar, ob er mir noch einmal Bärlauch mitbringen soll/kann. Ich antwortete: „Oh, das wäre schön. Ein wenig könnte ich noch brauchen.“ – Wenig ist eine vage Aussage, die unterschiedlich interpretiert werden kann.

Frischer Bärlauch in Salaten ist lecker. Nur leider kann er nur kurze Zeit im Frühjahr geerntet werden. Deshalb verarbeite und konserviere ich jedes Frühjahr einen Teil meiner Ernte um auch später im Jahr Bärlauch genießen zu können.

Bärlauchpesto auf Brot oder zu Spaghetti ist ein toller Einsstieg in die (Basilikum-)Pestosaison, oder auch eine Alternative dazu, denn Bärlauchpesto kommt im Gegensatz zu der mit Basilikum ohne Knoblauch aus. Das hat schon Vorteile! 😀

Von meiner unerwarteten Bärlauchschwemme habe ich

  • die Blätter in Öl püriert
  • die Blätter in Öl püriert, mit Mandeln und Parmesan zu Pesto verarbeitet (Verhältnis Bärlauch:Mandeln:Parmesan – 1:1:1 in Gramm, Öl nach Gefühl und Konsistenz)
  • die Blätter eingefroren
  • die Blätter im Dörrautomat getrocknet
  • die Stengel, wie Gurken, süß-sauer eingelegt
  • die Knospen in Öl eingelegt
  • die restlichen Knospen einfach blühen lassen.

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Tipps aus dem Internet, die ich ausprobiert habe:

Bärlauch haltbar machen

Das ganze Jahr über Bärlauch

Und was ich noch ausprobieren möchte:

Bärlauchkäse – vegan

 

Der Frühling scheint nun wirklich angekommen zu sein!

 

 

Müsli geht immer – selbst gemachtes noch besser

oder …

Was macht der Arm(bruch)?

Tag 18 nach dem Bruch, Tag 12 mit Gips, Tag 3 ohne Schmerzmittel – es geht voran, langsam. Katerchen begreift endlich, dass er irgendwie geartete Kuschelversuche mit den Fingern, die aus diesem blauen, inzwischen müffelnden, Gebilde ragen, lieber lässt. Meine Stimmung ist vergleichbar muffig. Nichts geht so richtig mit dem ich mich sonst gerne beschäftige. Selbst lesen strengt an, sogar mit dem E-Reader. Bleibt die Glotze, ohne Begleitstricken, -häkeln oder sonstiges Gepuzzel. Bis ich auf dem Markt den ersten frischen Bärlauch in diesem Jahr sehe und Lust auf Bärlauchpesto bekomme. Dazu benötige ich auch abgezogene Mandeln und endlich habe ich meine Beschäftigung:

Mandeln überbrühen und enthäuten!

Das geht auch mit einer Hand, plopp plopp plopp, und am Fernseher sitzen ist weniger stupide. Mit dieser Beschäftigung, 500 g Mandeln nackig zu machen, hatte ich eine Weile zu tun. Bis Sohnemann Zeit hatte diese für mich zu verarbeiten schaffte ich es, einen Teil davon, in ein Müsli zu verbacken.

Aber zuerst musste nach dem Abpellen der eigentlich unbeteiligte Arm gekühlt werden. Als Hülle für das Kühl-Pad benutze ich zweckentfremdet eine Kerzenhülle aus Stoff, die mir eine Kollegin zu Weihnachten geschenkt hatte. Der aufgenähte Spruch baut auf!

Warten kann ich. Nicht immer willig und gerne. Aber wenn es hinterher passt ist alles ok. Genug gekühlt und ab in die Küche zum Müsli mischen und knusprig machen. Das Original-Rezept hat irgendwann einmal mein Sohn angeschleppt und es gehört in verschiedensten Modifikationen seit Jahren bei ihm, bei mir und bei meiner Tochter zu den Basis-Vorräten in unseren Küchen. Die Mengenangaben beließen wir, wie beim Original, bei Tasse statt Gramm. Zum Abmessen verwenden wir eine ganz normale Kaffeetasse und nehmen es ansonsten auch nicht so genau mit den Mengen. 😉

Crunchiges Müsli aus dem Backofen

Zutaten
  • 3 Tassen Haferflocken (ich verwende Schmelzflocken, meine Kinder eher die kernigen Haferflocken)
  • 1 Tasse grob gehackte Pecanüsse (oder Walnüsse, oder Haselnüsse, oder andere Kerne, wie z. B. Mandeln, oder irgendwie gemischt)
  • 1/2 Tasse Kokosflocken (ich verwende fertig gekaufte, geröstete Kokoschips, die ich am Schluss, zusammen mit dem Trockenobst ins Müsli gebe)
  • 1 bis 3 Esslöffel braunen Zucker (lasse ich weg, oder nehme höchstens 1 Esslöffel voll)
  • 1/2 bis 1 Teelöffel gemahlenen Zimt
  • 1/2 Teelöffel gemahlenen Ingwer (habe ich nur zur Weihnachtsbäckerei im Haus, deshalb lasse ich ihn meist weg)
  • 1 Prise Salz
  • 1/3 Tasse Honig (oder Agavendicksaft, den ich nicht mag, oder Ahornsirup, oder Rübensaft, oder irgendwie gemischt)
  • 2 Esslöffel Öl
  • 1 Tasse klein geschnittenes gemischtes Trockenobst (es gehen auch getrocknete Beeren, oder für Schokoschnuten Schokostückchen)

Zubereitung
  • Den Backofen auf ca. 150°C vorheizen und ein Backblech mit Backpapier auslegen.
  • Die Haferflocken mit den Nüssen, den Kokosflocken und den Gewürzen in einer Schüssel miteinander verrühren.
  • In einem kleinen Topf den Honig mit dem Öl vermischen und auf kleiner Hitze erwärmen, nicht kochen.
  • Die Honig-Öl-Mischung über die Haferflocken in der Schüssel geben und alles miteinander gut verrühren.

  • Alles zusammen auf dem mit Backpapier ausgelegtem Backblech verteilen. 40 Minuten im Backofen goldbraun rösten und alle 10 Minuten die Mischung wenden.

  • Nach dem Rösten die Haferflockenmischung auskühlen lassen bevor das Trockenobst (Kokoschips, Schokolade oder anderes) untergemischt werden.

Ich esse das Müsli am liebsten mit Joghurt, Milch ist aber auch lecker. 😉

Und Katerchen? Er machte Pause im Einkaufskorb bis es an die Bärlauchpesto ging. Das Rezept gibt es ein anderes Mal.

 

 

 

Tschüss Rüsselpest und dreierlei Hummus für liebe Kollegen

oder …

Winter ade und bitte nimm alle Erkältungsviren mit!

 

Es liegen Monate hinter mir in denen ich das Gefühl hatte Erkältungs-Viren geben per Staffellauf ihren Input an die nächste Generation weiter und haben sich als Brutstätte Meinereine ausgesucht: „Ey, Paradies! Cool hier! Bei der Alten habt ihr sturmfreie Bude! Lauter verpeilte Abwehrzellen, yeah!“.

Ich arbeite daran wieder Chef in meinem eigenen Körper zu sein und freue mich auf meinen ersten Arbeitstag nach drei Wochen. Trotzdem sich meine Stimme immer noch nach Bär anhört (unterstützt durch den Soundeffekt der dichten Nebenhöhlen), es wieder im Hals kratzt, mich gerade eine neue Niesattacke plagte, bin ich erst einmal froh darüber nicht mehr zu husten, Luft zu bekommen, und huste mir auf diese letzten Worte eine Runde. Nicht lustig!

Es war auch nicht lustig sich zum dritten Mal im Winter 2015/16 drei Wochen lang Tee reinzuschütten bis er aus den Ohren quillt um mit der Flüssigkeitszufuhr über Umwege Berge an Papiertaschentüchern zu befüllen. Die durch die Dauerreibung beim Nase putzen entstandene Hornhaut zwischen Nasenspitze und Kinn verfestigte sich mit Botox-Charakter, was heißt: Lächeln unmöglich oder die Fassade bröckelt.

Als Dankeschön für die häufigen Vertretungen, die bestimmt nicht lustig waren, brachte ich meinen Kolleginnen und Kollegen einen Pausensnack mit, selbst zubereiteten Hummus, Kichererbsenmus, in drei Variationen – himmlisch, teuflisch, traditionell. Ungefähr 400 g getrocknete Kichererbsen hatte ich dafür verarbeitet, und bis ich Zeit hatte das Ergebnis zu fotografieren waren die Schüsseln schon ausgeplündert. 😉 Ich sah es als Lob an die Köchin, doch ohne einen wertvollen Tipp, den Ella in ihrem Blog Ringelmiez geteilt hat, wäre mir das nicht so geglückt. Hummus wird nur dann richtig lecker, fluffig, smoothie-mäßig geschmeidig, wenn man sich die Mühe macht die Erbsen von ihren Häutchen zu befreien. Das ist so! Über 20 Testesser haben mir heute die Bestätigung gegeben! 😀

Aber dazu später mehr Details. Jetzt erst einmal drei Mal Hummus, drei Rezepte!

Gekochte, enthäutete und glänzende Kichererbsen für ein perfektes Hummus

Vorbereitung

  • ca. 125 g getrocknete Kichererbsen in einem Topf, einer Schüssel reichlich mit Wasser bedecken und mindestens 12 Stunden quellen lassen. Ich schütte nach dieser Zeit das Wasser ab und lasse die Kichererbsen mit frischen Wasser noch ein paar Stunden länger quellen.
  • Die Kichererbsen im Einweichwasser oder frischen Wasser aufkochen und ca. 50 Minuten köcheln lassen. Die Erbsen sind dann noch nicht weich gekocht, aber trotzdem bei einer Erbse testen ob sich bei leichtem Druck die Pelle löst. Wenn das klappt …
  • Die Kichererbsen in ein Sieb schütten und mit kaltem Wasser abspülen.
  • Jetzt ist Handarbeit gefragt – plopp, plopp, plopp, Häutchen in den Topp, Erbsen in den Teller, oder auch anders herum.
  • Die enthäuteten Kichererbsen mit frischen Wasser wieder auf den Herd stellen, salzen und kochen bis sie weich sind. Das kann noch einmal 30 Minuten dauern.
  • Die Kichererbsen ins ein Sieb geben UND!!! das Kochwasser auffangen!! Es wird noch gebraucht!

Kichererbsen verdoppeln in etwa ihr Gewicht vom getrockneten zum gekochten Zustand.

Das Testessgebinde – von links nach rechts: teuflisch, traditionell, himmlisch

Hummus traditionell

  • 200 – 250 g gekochte gehäutete Kichererbsen
  • Saft von 1 Zitrone
  • 1 – 2 Knoblauchzehen
  • 1 – 2 Esslöffel Olivenöl (ich nehme lieber 2+)
  • 2 – 3 Esslöffel Tahin, Sesampaste (ich nehme meist nur 2-)
  • 1/2 Teelöffel Paprikapulver
  • 1/2 Teelöffel Kreuzkümmel
  • Kochwasser!
  • eventuell etwas Salz

Zubereitung:

Knoblauch pellen, klein hacken und zusammen mit den Gewürzen, dem Zitronensaft, dem Olivenöl und der Sesampaste mit dem Pürierstab zu einer gleichmäßigen Masse verrühren

Einen Teil der Kichererbsen dazu geben und pürieren. Bevor die Masse zu dick wird immer etwas von dem Kochwasser einarbeiten. Dann wieder Kichererbsen dazu geben, pürieren, Kochwasser dazu, … bis alle Kichererbsen verarbeitet sind.

Ist das Hummus zu fest, kann zum Schluss mit etwas Olivenöl oder Zitronensaft eine weichere Konsistenz erreicht werden.

Hummus himmlisch

  • 200 – 250 g gekochte gehäutete Kichererbsen
  • Filets und Saft von 1 Zitrone
  • 1 – 2 Knoblauchzehen
  • 75 g Frischkäse
  • 1 Esslöffel Cashewpaste, ersatzweise 2 Esslöffel gehackte Cashewkerne
  • 3 bis 4 Zweige Petersilie, gehackt vom Blatt bis Stiel
  • Kochwasser!
  • eventuell etwas Salz

Zubereitung:

Knoblauch pellen, klein hacken und zusammen mit den Zitronenfilets, dem Zitronensaft, der Petersilie, dem Frischkäse und der Cashewpaste (oder den Cashewkernen) mit dem Pürierstab zu einer gleichmäßigen Masse verrühren

Einen Teil der Kichererbsen dazu geben und pürieren. Bevor die Masse zu dick wird immer etwas von dem Kochwasser einarbeiten. Dann wieder Kichererbsen dazu geben, pürieren, Kochwasser dazu, … bis alle Kichererbsen verarbeitet sind.

Eventuell mit etwas Salz nachwürzen.

Hummus teuflisch

  • 200 – 250 g gekochte gehäutete Kichererbsen
  • Saft von 1/2 Zitrone
  • Saft von 1/2 Limette
  • 1 – 2 Knoblauchzehen
  • 2 – 3 Esslöffel Olivenöl
  • 2 – 3 Esslöffel Tahin, Sesampaste (ich nehme meist nur 2-)
  • frische gehackte Chilischoten nach Gusto – ich habe noch einen teuflischen Restbestand an Bhut Jolokia im Tiefkühler, yeah
  • 1/2 Teelöffel Paprika
  • Kochwasser!
  • eventuell etwas Salz

Zubereitung:

Knoblauch pellen, klein hacken und zusammen mit den Gewürzen, dem Zitronensaft, dem Limettensaft, den Chilistückchen, dem Olivenöl und der Sesampaste mit dem Pürierstab zu einer gleichmäßigen Masse verrühren

Einen Teil der Kichererbsen dazu geben und pürieren. Bevor die Masse zu dick wird immer etwas von dem Kochwasser einarbeiten. Dann wieder Kichererbsen dazu geben, pürieren, Kochwasser dazu, … bis alle Kichererbsen verarbeitet sind.

😀 Ich nahm nur knapp 1/3 Espressolöffelchen voll Bhuts in diese Variante! 😀

War kein Flammenwerfer, hat aber, „huch, watt is dat scharf!“, trotzdem dazu geführt, dass die Schüssel als erste geleert war!

Ich muss mir wieder selbst diese Superscharfteilchen anbauen. Das was man an Chili auf Märkten bekommt ist Scoville entfernt von dem was ich für „Heute-muss-es-brennen-Anlässe“ und meine „Karibische Chilisoße“ (bekommt die Familie immer zu Weihnachten) verwende. Jetzt ist gerade noch Zeit für Aussaat und Anzucht.

Vorerst kümmerte ich mich um die Trocknung der gesammelten Kichererbsenpellen, bis ich weiß was daraus entstehen soll. So ganz nebenbei machte ich die Erfahrung, Dosenkichererbsen lassen sich auch flutsch-plopp pellen. Die Schalen oder Häutchen der Dosenware sind jedoch deutlich heller, als die von den von mir gekochten Kichererbsen.