Woche 2/2018

Woche 2/2018

 

oder …

Von „No good“ bis „Geht doch“ alles drin!

Unglaublich wie viel Sorgen ein kleines Stückchen am Ende des Blinddarms verursachen kann! Unglaublich die Geschichte, die ich miterleben und unser momentanes Sorgenkind in der Familie seit Jahresbeginn durchleben musste. Donnerstag wurde im Laufe des Tages nachoperiert. Dummerweise hatte ich genau an diesem Tag mein Handy zuhause vergessen und in der Schule fand sich kein Luftloch in den acht Stunden Präsenzzeit, um schnell mal nachhause, das um die Ecke liegt, zu kommen. Dafür liefen die Telefonleitungen heiß sobald ich zuhause war. Ein schlimmer Tag in der Schule und dann gab es, statt Entspannung zum Feierabend, noch eine Zugabe, Schlingenbildung vom Dünndarm und Darmverschluss.

Inzwischen geht es unserer Patientin endlich besser, das Ende ihres Krankenhausaufenthalts kommt in Sicht und ich kenne inzwischen, dank Navi, jede Menge alternativer Strecken von BB nach KA abseits der Autobahn. Alles hat seine zwei Seiten.

Meine Kater nahmen mir meine häufige Abwesenheit Tag für Tag weniger krumm, ganz anders als erwartet. Sie teilten sich sogar endlich den Kratzbaum (ein Jahr seitdem ich ihn aufgebaut habe). Selbst der Aussichtsplatz zum Katzenkino wurde geteilt! Dafür räumt Angus nach wie vor, wenn es ihm langweilig wird, meine Unterwäsche aus der Kommode.

Trotz aller Anspannung nahm ich mir die Zeit zum Kochen. Wenn ich es schon nicht schaffe Entspannung zu finden, muss zumindest der Plan gesund zu kochen eingehalten werden. So kann ich, wie angekündigt, eine Variante der im letzten Blogpost vorgestellten Erbsen-Pesto vorstellen (vegetarisch) in Kombination mit veganen Gnocchi; auch wieder in Anlehnung oder direkt nach einem Rezept von Ella Woodward (aus dem Buch „Deliciously Ella – genial gesundes Essen für ein glückliches Leben“, Seite 39).

Der ganz große Unterschied zum letzten Rezept ist die Wildkräuterzugabe in Form von Gartenschaumkraut, auch bekannt unter Behaartes Schaumkraut, Cardamine hirsuta. Als Kreuzblütler enthält diese Schaumkrautart Senfölglycoside, was an der Schärfe, wie bei Kresse, herauszuschmecken ist. Zusätzlich enthält Gartenschaumkraut noch Bitterstoffe und Vitamin C.

Normalerweise tauchen die ersten Blättchen dieses Unkrauts erst Anfang März auf. Durch den milden Winter grünt es jetzt schon Anfang Januar. Doch bitte nicht direkt am Wegrand ernten, wo Hunde Gassi geführt werden, und auch nicht pflücken, wenn man sich nicht ganz sicher ist ob es Gartenschaumkraut ist! Hilfreich zur Bestimmung für Anfänger kann das Buch „Wird das was – oder kann das weg“, von Bärbel Oftring sein, erschienen im Kosmos-Verlag.

 

 

 

Erbsenpesto-Variante #2

Zutaten:

1 Becher tiefgefrorene Erbsen (bei Becher spreche ich von den bunten 08/15 Trinkbechern aus Kunststoff des schwedischen Möbelhauses)

½ Becher Nüsse Paranüsse

1 Büschel frisches Gartenschaumkraut (ca. 30 g ungeputzt), alternativ geht auch Kresse – Wildkräuteranfänger sollten ihrem Magen zuliebe nur die Hälfte verwenden und den Rest mit Petersilie oder anderen frischen Kräutern ersetzen

1 klitzekleine Zwiebel

2 gehäufte Esslöffel geriebenen Parmesan oder, falls es vegan sein soll, 2 Esslöffel Nährhefe

2 – 5 Esslöffel Olivenöl

Salz

 

Zubereitung:

Die Erbsen entweder in der Mikrowelle oder auf dem Herd mit etwas Wasser und Salz bissfest kochen. Ich würze mit meinem eigenen Estragonsalz. Nach dem Kochen das Wasser abgießen.

Die Nüsse auf einem Brett mit einem großen Messer fein hacken.

Das Gartenschaumkraut waschen, welke Blätter und Wurzeln entfernen, und grob hacken. Kleine Besucher natürlich auch aussortieren.

 

Das Zwiebelchen fein würfeln.

Erbsen, Nussstücke, Schaumkraut, Zwiebelwürfel, geriebenen Käse mischen und mit etwas Öl entweder in einer Küchenmaschine oder mithilfe eines Pürierstabs zerkleinern. Je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Öl dazu geben. Auch diese Pesto schmeckt mir mit zu beißenden Stückchen besser.

Eventuell noch mit etwas Pfeffer und/oder Chiliflocken abschmecken.

 

Dieses Erbsen-Pesto kommt ganz nah an das Erbsengericht heran, das meine Kinder früher gerne gegessen haben. Statt Schaumkraut oder Kresse verwendete ich Estragon. Die Zugabe von vielen frischen Kräutern, zusammen mit Salz, hebt die Süße der Erbsen auf, aromatisiert sie auf eine neue Weise. Dazu gab es entweder Kartoffelpüree oder aufgebratene Schupfnudeln, die hier in der Gegend Bubenspitzle genannt werden. Ganz ähnlich werden italienische Gnocchi hergestellt, die ich auf veganer Art herstellte.

 

Gnocchi nach Ella

Zutaten:

500 g Kartoffeln

1 1/2 Esslöffel Apfelmus (ich verwende mein eigenes, ungesüßtes)

1 Becher Reismehl

Salz und Pfeffer

 

Zubereitung:

Die Kartoffeln mit der Schale in leicht gesalzenem Wasser kochen, bis sie gerade gar sind.

Die Pellkartoffeln schälen und entweder grob reiben, oder durch eine Kartoffelpresse drücken.

In die Kartoffelmasse das Reismehl, etwas Pfeffer und Salz, sowie das Apfelmus kneten. Statt dem Apfelmus kann alternativ auch ein Ei eingearbeitet werden. Beides dient der Bindung des Teigs. Ich verwendete, wie im Rezept, eben Apfelmus. Ich wollte auch wissen ob das tatsächlich funktioniert. Tut es. 😉

Wenn der Kartoffelteig gut durchgeknetet und glatt ist, wird er in vier Teile aufgeteilt. Aus jedem dieser Stücke wird daumendick eine Rolle geformt. Wenn nötig die Unterlage mit Reismehl bemehlen. Von diesen Rollen werden kleine Stücke abgeschnitten, die, um die typische Verzierung der Gnocchis zu bekommen, über einen Gabelrücken gerollt werden.

In einem Topf Wasser aufkochen, salzen und die Gnocchis dazugeben. Nach kurzer Zeit schwimmen die Gnocchis oben auf dem Wasser, das bedeutet, dass sie gar sind.

Die Gnocchis mit dem Pesto in einen Topf geben und kurz zusammen erwärmen.

Die Gnocchis lassen sich auch gut im Kühlschrank aufbewahren und schmecken aufgebraten fast noch besser.

 

Ich heiße Karin und bin Schafpatin

Zum Wochenende konnte beinahe Normalität in meinen Alltag einkehren. Ganz besonders freute ich mich auf den Samstag. An diesem Tag ging es zum Schafstall „meiner“ Schäfer in Magstadt, Krüger-Land. Seit letztem Jahr können Nichtschäfer deren Arbeit für den Natur- und Landschaftsschutz unterstützen, indem sie Schafpaten werden. Ich bin eine davon, die 20ste. Für die Patenschaft gibt es eine Urkunde und es darf eine Baumscheibe für das Stall- bzw. Scheunentor gestaltet werden. Dafür setzte ich endlich wieder mein heißgeliebtes neues Spielzeug, eine Dremel, ein.

Alle Schafpaten trafen sich diesen Samstagnachmittag um dem neuen Schafbock, der mit unserer Hilfe angeschafft werden konnte, seinen Namen zu geben. Demokratisch abgestimmt heißt er nun Ole und er erwies sich als kamerascheu.

Ole, bevor sich der alte Schafsbock, von rechts kommend, wieder komplett vordrängeln konnte

Wunderhübsch zeigten sich auch die Neuzugänge im Stall, die die letzten zwei Tage geboren wurden. Die ersten fünf Lämmer dieses Jahres tummelten sich zwischen ihren Mamas und Tanten. Jedes Muttertier kennt ihr Lamm ganz genau. Schnell mal eine bereitstehende Zitze nutzen geht nicht. Da wird auch einmal etwas derb weggeschubst.

 

Schöne Stunden, zwar in der Kälte, aber mit Glühwein bzw. Punsch, der Möglichkeit zu grillen und begleitet von vielen Gesprächen mit gleichgesinnten, neuen Bekannten. Alle ohne Knopf im Ohr genossen wir zudem das Blöken und die vielen Mähs, ungefiltert, ganz real, als Originalsound, mit allen Sinnen. Ich freue mich auf das nächste Treffen.

In den nächsten Tagen werde ich hoffentlich den immer wieder angekündigten Beitrag zur Brennnessel auf den Blog bringen.

 

Bleibt gesund und bis die Tage,

Karin

 

 

Woche 1/2018

oder …

 

Da geht noch was …

 

Mitternacht, zum Jahreswechsel, war meine Welt noch in Ordnung. Zusammen mit meinen Engländern verfolgte ich, via Facetime, das Feuerwerk von meinem Balkon aus. Wir sangen „Auld lang syne“ (obwohl sie eigentlich noch eine Stunde auf das Neue Jahr warten mussten) und meine Nichten und Neffen wunderten sich über das wilde Geknalle, die wüst in die Luft, wie kreuz und quer gejagten, Raketen. Ich bleibe ein Befürworter von professionellen Feuerwerken. Die Lust sich einmal im Jahr als kleine Pyrotechniker zu beweisen kann ich noch nachvollziehen, doch, abgesehen vom Feinstaub, ärgert mich der liegengelassene Müll an jeder kleinen Feuerstation am nächsten Tag gewaltig!

Ansonsten begann 2018 weder ruhig noch gesund. Ganz untypisch für mich wandert momentan mein Blick immer wieder zum Handy. Bitte dieses Mal eine gute Nachricht und Licht am Horizont!

Zur Ablenkung zog es mich immer wieder nach draußen, in den Schulgarten und an die Straßen- / Bahnbaustelle, und danach, hungrig wie eine Bärin, an den Herd.

Wie seit Wochen schon probiere ich etliche Rezepte von Ella Woodward, bekannt durch ihren Blog Deliciously Ella, aus. Sie kocht vegan, und zwar so, wie ich als Vegetarierin Spaß daran haben kann. Sie bietet mir tolle Ideen für die zwei Tage in der Woche, die ich für mich als (fast) frei von Milchprodukten vorgenommen habe. „Fast“ deshalb, weil ich ohne meinen nachtschwarzen Schwarztee zum Frühstück nicht wach werden mag. Dazu gehören einfach ein Schuss richtiger Milch und 1 Teelöffel brauner Zucker.

 

Ich liebe Pesto und konnte mir unter einem Pesto aus Erbsen, wie in Ellas ersten Buch beschrieben, zuerst einmal nichts leckeres vorstellen. Bloß blöd, mir fehlte das im Rezept beschriebene frische Basilikum. Echt prima! Ich liebe das Finden von Alternativen! Frischen Koriander hatte ich fast keinen mehr, den hatte Chewie abgefressen, aber Petersilie. Diese hatte ich vor seiner Gier nach Grünem in die Höhe gerettet.

Bauchweh – selber schuld

 

Erbsenpesto-Variante #1

Zutaten:

1 Becher tiefgefrorene Erbsen (bei Becher meine ich einen der bunten 08/15 Trinkbecher aus Kunststoff des schwedischen Möbelhauses)

½ Becher Nüsse (ich mischte Macadamia- und Paranüssen)

20 g frische Petersilie

1 Esslöffel gehackte Schnittlauch

1 kleine Zwiebel

2 – 5 Esslöffel Olivenöl

Salz

 

Zubereitung:

Die Erbsen entweder in der Mikrowelle oder auf dem Herd mit etwas Wasser und Salz bissfest kochen. Ich würze mit meinem eigenen Estragonsalz. Nach dem Kochen das Wasser abgießen.

Die Nüsse auf einem Brett mit einem großen Messer fein hacken.

Die Petersilie waschen, mit Strunk und Stiel grob hacken.

Die Zwiebel fein würfeln.

1 – 2 Esslöffel Hefeflocken (nicht Backhefe!!!), die auch weggelassen werden können (mit fand ich leckerer, da sie etwas Käsearoma mitbringen)

Erbsen, Nüsse, Kräuter, Zwiebel, Hefeflocken und etwas Öl entweder in einer Küchenmaschine oder mithilfe eines Pürierstabs zerkleinern. Je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Öl dazu geben. Diese Pesto schmeckt mir etwas stückiger besser, weshalb ich nicht wie wild püriere und einen Babybrei produziere.

Eventuell noch mit etwas Pfeffer und/oder Chiliflocken abschmecken.

 

Wozu solch ein Pesto passt?

Ich probierte es mit Reis – sooo lecker! (OK, ich hatte mir, Veggie hin oder her, noch drei Fischstäbchen dazu in die Pfanne gehauen)  – soulfood – musste mal sein!

Sehr lecker war das Pesto auf getoasteten Süßkartoffelscheiben als schneller Snack!

 

Dazu schäle ich die Süßkartoffeln und schneide sie in ca. 7mm starke Scheiben. Die gebe ich dann in den Toaster. Auf mittlerer Stufe braucht es bei meinen Toaster drei Durchgänge bis die Schnittchen weich und nicht zu lapprig sind um als „Toasties“ durchzugehen.

Erbsenpesto drauf und noch ein paar Tomätchen = Lecker-Snack!

 

Erbsenpesto-Variante #2 gibt’s in Kürze.

 

Bis die Tage,

Karin

 

Vielseitige Brombeere

oder …

Lecker zum Essen, gesund zum Trinken, interessant zum Malen und Zeichnen

Zum Essen – sauer oder süß?

Brombeeren als Beerenfrüchte sind lecker, ob frisch oder verkocht oder als Auszüge. Kulinarisch verarbeitete ich im Sommer 2017 Brombeeren in Essig zusammen mit Rosmarin. Ich finde es immer wieder interessant zu beobachten, wie sich von Wenden zu Wenden bzw. Schütteln, Tag für Tag die Farbe der Flüssigkeit verändert. Vom sanften Goldgelb des verwendeten Bio-Apfelessigs ist nach zwei Wochen nicht mehr viel übrig. Das Rot kommt langsam durch. Ende September wurde der Essig-Auszug Ende September abgesiebt und ich liebe das herb-fruchtige Aroma.

 

Die Beeren stammten aus dem Schulgarten und ich sammelte in den Sommerferien fleißig die reifen Beeren. Einige warten im Tiefkühlgerät auf die weitere Verarbeitung in der Schulküche.

 

Zum Trinken – herb oder aromatisch?

Nach der ersten Beerenernte entwickeln sich am Brombeerstrauch die ersten neuen Triebe. Diese jungen Blätter sammle ich, lagere sie im 0°C-Fach meines Kühlschranks, bis ich eine gute Menge zusammen bekommen habe. Eigentlich können diese Blättchen einfach so für Tee getrocknet werden. Allerdings beinhalten Brombeerblätter eine ganze Menge an Gerbstoffen, was aus dem Tee später herb herausschmeckt. Ich fermentiere deshalb meinen Brombeerblätter-Tee. Schwierig ist das nicht, aber etwas aufwendig. Im Internet kursieren etliche Anleitung zum Fermentieren von Brombeerblättern, zum Beispiel von:

Ich persönlich fermentiere seit Jahren Brombeerblätter nach Art der Kräuterfrau aus der Schweiz.

Zarte Brombeerblätter von den Trieben pflücken und erst einmal im Schatten anwelken lassen.

Die Brombeerblätter in feine Streifen schneiden. Ich verwende dazu inzwischen auch die Schere, wie die Schweizer Kräuterfrau.

Die zerschnittenen Brombeerblätter auf einem sauberen Küchentuch aus Baumwollstoff, das ansonsten keine Verwendung mehr hat, ausbreiten.

Alle Brombeerblätter mit Wasser besprühen und mit dem Nudelholz kräftig bearbeiten – rollen, nicht klopfen. Immer wieder auflockern, neu besprühen und bearbeiten. Die Blattstreifen müssen richtig schlapp sein.

Die schlaffen Blattstreifen mit fein abgeschnittener Zitronenschale belegen.

Alles nicht zu fest zusammenrollen (aber auch nicht zu locker), in eine Plastiktüte packen und an einem warmen Ort in die Sonne legen. Am besten klappt das während einer warmen Sommerperiode. Es funktioniert jedoch auch auf einem hellen, warmen Fensterbrett.

Nach ungefähr vier bis sechs Tagen hat es im Bündel kräftig „gearbeitet“. Das Päckchen kann aufgeschnürt und ausgerollt werden. Die Blätter sind deutlich dunkler geworden und ich freue mich jedes Mal über den herrlichen, herb zitronigen Geruch.

Jetzt müssen die fermentierten Blätter noch im Backofen oder im Dörrautomat getrocknet werden, bevor ich mit diesen Blättern meinen Jahrestee zusammenstelle. Dieses Jahr hatte ich die Idee bei der zweiten Ernte, die Zitronenschale nicht mehr in so dicken Streifen beim Fermentieren zu verwenden. Ich schnitt mit einem speziellen Schneider Zesten in die Blätter, die ich nach dem Fermentieren nicht entfernte, sondern mit trocknete und im Tee ließ. Ich finde es lecker.

Eine erste Probe musste jedoch schon einmal sein: fermentierte Brombeerblätter, Sonnenblumenblütenblätter, Brennnessel und etwas getrocknete Zitronenschale.

 

Anmerkung:

Tee kann auf diesem Weg auch mit Himbeerblättern und Erdbeerblättern hergestellt werden. Tee aus fermentierten Brombeerblättern, und Mischungen mit anderen Blattarten, ist eine Alternative zu Schwarztee, wenn man auf Koffein verzichten möchte. Diese Teemischungen sind auch bekannt als „Deutscher Tee“.

 

Zum Malen, als Farbe für Fasern – in Fruchtfarbe oder Gerbstoff-braun?

Wie am Baumwolltuch vom Fermentieren gut zu erkennen ist, Brombeerblätter färben braun, nicht tiefdunkelbraun, eher goldbraun. Mit Blättern und Trieben lässt sich Stoff färben und auch Malfarbe herstellen.

Im Winter geschnittene Triebe eignen sich zusammen mit Schlehen- und Weißdornzweigen zur Herstellung von Dornentinte (Link). Die Schreibtinte aus den im Sommer geschnittenen Triebe blieb sehr hell, leider.

Bleiben die Früchte, die beim Essen nicht nur die Zunge bläulich rot färben und beim Kleckern oft „echte“ Flecken auf der Kleidung hinterlassen. Tatsächlich wurden mit Brombeeren schon im Mittelalter und in grauer Vorzeit Fasern gefärbt. Der Trester nach der Saftherstellung landete früher nicht auf dem Müll. Solange irgendwelche nahrhaften Inhaltsstoffe zu erwarten waren konnte zumindest das Vieh damit glücklich gemacht werden. Beerentrester eignet sich vor dem Verfüttern jedoch noch zum Färben von Fasern und Stoffen. Die Farbintensität ist auf ihnen geringer, da viele Farbanteile schon im Saft gelandet sind, wenn der Trester wieder mit Wasser verdünnt wird. Andere Techniken verwenden den noch feuchten Trester direkt auf Stoffe, indem die Restflüssigkeit eingeklopft oder eingepresst wird.

links Baumwollstoff mit Brombeertrieben gefärbt, rechts ein Presstuch aus Baumwolle vom Entsaften von Brombeeren

Mich hat der Umfang der Farbpalette, die mit Beeren der Brombeere auf Wolle und Seide erreicht werden kann schon als junge Erwachsene fasziniert. Damals entdeckte ich für mich die Tresterfärbung und ich liebte vor allem die ungleichmäßigen blass-blau-altrosa Färbeergebnisse. Arme Leute erkannte man im Mittelalter auch an der Farbe ihrer Kleidung, denn sie war meist ungleichmäßig, fleckig gefärbt. Ganz klar, denn Essen geht vor. Mir ging es als junger Studentin in etwa ähnlich.

Gerade habe ich nachgelesen, dass aus den Wurzeln der Brombeere ein braunschwarz bis schwarz gefärbt werden kann. Das werde ich ausprobieren. Nicht sofort!

 

Brombeerentraditionen und Geschichten

Schon einmal etwas vom Brombeermann gehört oder kennt ihr die Verbindung von Frau Holle zu den Brombeeren?

Nicht? Keine Sorge, ich lernte diese Geschichten auch erst im Laufe meiner Prüfungsvorbereitung zur Kräuterpädagogin, während meiner Recherchen, kennen.

Der Brombeermann ist eine wichtige Figur im hessischen Ort Wanfried, der in der Nähe von Eisenach liegt. Wenn im Juli das Schützenfest stattfindet übernimmt er sogar für ein paar Tage die Herrschaft im Ort. (Nachzulesen auf der Internetseite von Wanfried, im Archiv der Westfälischen Nachrichten und bei Wikipedia).

Grob nacherzählt hat der Lieblingszwerg der Frau Holle zu heftig mit ihrer Perlenkette gespielt. Als sie zerriss verwandelten sie sich in Beeren, die er im Laufe des Tages alle einsammeln musste um sie wieder zu Perlen werden zu lassen. Wenn er dies nicht bis zum Sonnenuntergang schafft hängen alle Beeren wieder an den Pflanzen und Sträuchern und das Spiel geht am nächsten Tag wieder von vorne los. Zum Glück hatte Frau Holle nach tausend Jahren ein Einsehen und erlöste den Wurzelmann von diesem Fluch.

Eine andere Legende aus England erklärt, warum man nach dem 11. Oktober keine Brombeeren mehr ernten sollte. An diesem Tag soll der Teufel aus dem Himmel vertrieben worden sein und er fiel dabei in einen Brombeerstrauch. Darüber war er so erbost, dass er ihn daraufhin verfluchte  und seine Früchte ungenießbar machte. Andere Versionen der Legende erzählen, der Teufel hätte vor Zorn über seine Verletzungen auf die Früchte gespuckt und sie somit zu Teufelsbeeren gemacht. Ich habe allerdings in diesem Jahr noch leckere Früchte nach dem Stichtag geerntet bis ich tatsächlich eine der ekelhaftesten Beeren, die ich je gegessen habe, erwischte. Pfui Teufel aber auch! Allerdings hat das Phänomen nichts mit der mangelhaften Treffsicherheit des Teufels beim Spucken zu tun. Verantwortlich sind Beerenwanzen, die nicht nur Brombeeren, sondern unter anderem auch Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren aussaugen und im Austausch Verdauungssäfte in der Beere hinterlassen. Das machen sie auch schon vor dem 11. Oktober. Allerdings ist es immer nett einen Schuldigen für Teufelszeug die Teufelsbeeren zu haben.

 

Tatsächlich gehört die Brombeere mit zu den ältesten bekannten Heilpflanzen. Man fand Reste von Brombeeren in Keltengräbern. Theophrast, ein Schüler des Aristoteles, hat schon ca. 350 Jahre v. Chr. über die Brombeere berichtet, wie auch Galen als griechischer Arzt in Rom praktizierend 500 Jahre später. Viele Kräuterbücher aus dem Mittelalter bieten Rezepte mit allen Pflanzenteilen der Brombeere um Mensch wie Tier gesund zu erhalten bzw. zu heilen.

Alles kommt wieder. Heute fand ich im Gemüseangebot eines Bio-Supermarkts in einer Blatt- und Kräutermischungen für grüne Smoothies Brombeerblätter. Wer es mag.

 

Was mir an der Brombeere gefällt ist vor allem die Ausdauer und ihre Robustheit. Irgendwie schafft sie es, zum Kummer vieler Kleingärtner, immer wieder zum Vorschein zu kommen. Auch im Winter ist sie einfach immer da, schließt mit Dornen und Blattwerk viele Hecken, und wenn sie im Frühjahr blüht zeigt sie ihre Pracht als Rosengewächs mit hübschen Blüten.

Brombeerranken an einem frostigen Morgen im November

 

 

Das war ein Auszug meiner Ausarbeitung zur Brombeere für meine Abschlussprüfung zur Kräuterpädagogin, den ich gerne mit euch teilen wollte.

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

Lieblingstee neu entdeckt

oder …

Statt gekauft selbst gesammelt!

Was in Sachen Kräutertee auf dem Markt angeboten wird lässt mich immer wieder den Kopf schütteln – inzwischen mehr denn je. Nach Abschluss meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin hinterfrage ich manche Teemischung, die im Handel angeboten wird noch mehr. Hinter all den hübschen Namen wird eine ganze Menge an Emotionen und Versprechungen mit möglichen Wirkungen impliziert. Ich darf mit solchen Aussagen, trotz meiner erworbenen Kenntnisse, keine Tees mit Aussagen jedweder Art die nur im Ansatz eine Heilwirkung oder Stimmungsverbesserung im Namen erwarten lassen  anbieten. Dieser Tee soll nach Packungsaufschrift gut für die Haut sein.

Als leidenschaftliche Teetrinkerin von Tees mit und ohne Teein, genieße ich jede Tasse. Ohne zu den traditionellen  Teezeremonienmeisterinnen zu gehören verachte ich auch keine Teebeutel. Trotzdem schaue ich genau hin, was in den Packungen (und den  Teebeuteln) abgepackt sein soll.

Ich will wissen was ich trinke und trinke nicht alles!

Vor ein paar Tagen landete einer meiner Lieblingstees wieder einmal praktischerweise im Teebeutel in der Tasse. Während er im heißen Wasser zog – ich habe ja wieder etwas mehr Zeit und Muße, die ich auch genieße – las ich mir die Vorderseite der Papierverpackung des Beutels durch und danach die Rückseite. Ohh! Da steht ja noch mehr darauf!

Wie blöd aber auch! Da hatte ich doch in den Sommermonaten nur die drei Zutaten auf der Vorderseite des Kauftees gesammelt um eine meiner Teedosen mit der getrockneten Teemischung nach Art der Kaufmischung aufzufüllen:

Brennnessel, Pfefferminze und Fenchelsamen

Brennnessel wuchs reichlich rund um den Kompost, Pfefferminze wucherte zwischen dem Sellerie im Schulgarten, nur der Fenchel bildete nicht genug Samen, weshalb ich da nachkaufen musste.

Ein Vergleichsteetrinken musste her, doch vorher schaute ich mir den Inhalt vom gekauften Teebeutel vor dem Ausguss genauer an.

Es ist mir klar, dass der Zerteilungsgrad wichtig ist bei chemischen Prozessen, aber bei dieser Teeprobe fragte ich mich dann doch, wo in all den Krümeln neben 40% Brennnesseln, 25% Pfefferminz, 25% Fenchelsamen noch die Löwenzahnwurzel, die Süßholzwurzel und die Aloe Vera Blätter sind.

Meine Süßholzpflanze hat den Sommer nicht überlebt, deshalb kann ich keine (eigenen) Bilder von dieser Pflanze zeigen. Darüber bin ich nicht wirklich unglücklich, denn ich mag Süßholzwurzel eigentlich nicht im Tee (Lakritze ist was ganz anderes :D). Die Blätter der Aloe Vera trockne ich nicht, sie nutze ich frisch zur Hautpflege und Löwenzahnwurzeln zu ernten ist echte Knochenarbeit.

Aloe Vera
Getrocknete Löwenzahnwurzeln

Ich mag es bei Tees, wie bei vielen anderen Dingen auch, lieber pur oder übersichtlich in den Mischungen. Deshalb werde ich meinen Brennnessel-Pfefferminz-Fencheltee nicht noch „ausbauen“. Er ist lecker so wie er ist. Abgesehen davon scheue ich mich davor die Löwenzahnwurzel im Mörser zu zerkleinern. Dagegen ist der Kraftakt bei der Ernte fast Erholung.

Die getrockneten Bestandteile von Brennnesselblättern und Pfefferminze rebbel ich nicht bis zur Unkenntlichkeit. Erst kurz vor dem Aufgießen mit heißem Wasser zerreibe ich die Blätter und quetsche die Fenchelsamen auf einer festen Unterlage etwas. Sind die Fenchelsamen schon untergemischt gebe ich einen guten Esslöffel der Trockenmischung in den Mörser und zerquetsche alles zusammen etwas, denn es kommen schon mehr Inhaltsstoffe in den Aufguss wenn die Kräuter feiner zerteilt sind. Allerdings sind viele Inhaltsstoffe schon längst verpufft, wusch weg, wenn das Zerkleinern Wochen früher geschehen ist.

 

Kräutertees tun nicht nur in der kalten Jahreszeit gut und es wächst so vieles draußen vor der Tür, was nicht nur als Tee lohnenswert zum Sammeln ist. Hauptsache man kennt das Sammelgut wirklich und es wächst an Stellen ohne Tierkontakt, fern einer Straße und gedüngter Flächen. Wer ganz sicher gehen will  kauft sich die Zutaten aus biologischem Anbau und stellt seine Teemischung nach Geschmack zusammen. Es lohnt sich!

 

Bleibt gesund und bis die Tage,

Karin

 

Kräuteressig-Variationen

oder …

Kräuteraroma vom Sommer für den Winter konservieren

Im Schulgarten blühen und gedeihen Gemüse und Kräuter auch in den Sommerferien weiter. So viele Salatgurken wie dieses Jahr hatten wir noch nie. Darüber freuen sich alle, die mir im Garten halfen und helfen. In der Schulküche liegen auf vielen Flächen Kräuter zum Trocknen, die nach den Ferien von den SchülerInnen weiter verarbeitet werden. Fast täglich können Brombeeren geerntet werden, die zum größten Teil im Tiefkühlgerät landen. Aus der heutigen Ernte wollte ich damit, nach dem letzten Frucht-Kräuter-Essigauszug mit Erdbeeren und Basilikum, einen Auszug mit Brombeeren und Rosmarin probieren.

Die Zutaten für den zweiten Essigauszug sind Grundzutaten für den Vierräuberessig, auch als Pestessig bekannt.

Der Legende nach waren zu Pestzeiten Räuber in den Häusern von Pesttoten unterwegs, ohne sich anzustecken. Man versprach ihnen von einer Verhaftung abzusehen, wenn sie verrieten wie sie sich schützten. Ihr Geheimnis, sie nutzten die Wirkstoffe und ätherischen Öle aus verschiedenen Kräutern, die unter anderem antibakteriell, immunstimulierend und entzündungshemmend wirken, in Essig ausgezogen.

Es gibt eine Menge an Rezepten zu Pestessig. Bei manchen frage ich mich wie ein Räuber zu dieser Zeit an die Zutaten kommen konnte. Andere Zusammenstellungen mag ich mir weder unter der Nase oder im Magen vorstellen. Die meisten finde ich als viel zu viel wenn ich mir die Liste an Kräutern so anschaue.

Ich verwende für meinen Vierräuberessig vier bis fünf Kräuter bzw. Gewürze. So bleibt die Wirkung der Kräuter, auch untereinander, übersichtlich und das Ergebnis ist hinterher auch wirklich kulinarisch lecker (und nicht nur als Putzmittelzusatz verwertbar).

Salbei, Lavendel, Rosmarin, Thymian und als zusätzliches Gewürz Wacholderbeeren. Gerne hätte ich statt Wacholder Eberraute dazu gegeben, aber die hatte man mir ja im Frühsommer abgemäht.

Frische Kräuter müssen absolut gute, frische Qualität haben. Ich mag diese nicht einmal von jedem Händler auf dem Markt kaufen. Meist verwende ich sie aus dem Garten. Dazu warte ich eine regenfreie, warme Periode ab und „wasche“ die Kräuter am Abend vor der Ernte mit der Gartenbrause, auch von der Unterseite. Um die Mittagszeit, wenn die Kräuter trocken und warm sind, wird geerntet. Diese frische Ernte lasse ich immer etwas welken; Wasser aus den Pflanzenzellen verdunstet und im Verhältnis bleiben mehr sekundäre Inhaltsstoffe zum Ausziehen übrig. Weniger Wasser bedeutet zudem weniger Fäulnis- oder Schimmelgefahr.

Anmerkung: Gekaufte frische Kräuter vor der Verwendung zu Waschen ist keine gute Idee, selbst wenn sie hygienisch sinnvoll ist. Vor der Verwendung in einem Auszug in Essig, Öl oder Alkohol sollten, müssen, sie so trocken wie möglich sein.

Kräuter von den Stengeln abzupfen, abrebbeln, so gut es eben geht. Gewürze quetsche und mörsere ich grob. Alles in ein hohes Glasgefäß geben.

Die Kräuter oder Früchte (ich habe ja auch Brombeeren im anderen Essigansatz verwendet) mit gutem Essig aufgießen. Ich verwende Apfelessig in Bio-Qualität, denn ich möchte meine guten Kräuter nicht wie Perlen vor die Säue werfen.

Deckel zu, und zwar luftdicht, wasserdicht, denn ab jetzt muss für mindestens drei bis vier Wochen täglich der Inhalt bewegt werden (ohne dass die Soße heraus läuft).

Der Brombeeressig-Ansatz ist nun völlig in den Hintergrund getreten. Um diesen fertig aufzugießen musste ich noch einmal einkaufen gehen, fand unterwegs etwas was meine Eltern glücklich machen könnte, brachte ihnen dieses auch gleich vorbei um dann auf den Rückweg noch einen ehemaligen Kollegen mit seiner Frau, eine ehemalige Lehrerin von mir, zu treffen. In den Ferien kann ich solche Entwicklungen so was von genießen – schlecht gedeutscht, aber aus der Seele gesprochen!!

Etwas verspätet kam dann der frisch eingekaufte Essig auf die Brombeeren mit Rosmarin. Erschwerte Bedingungen zum Fotografieren, denn nun war das Licht noch schlechter. Sorry.

Ab jetzt heißt es abwarten!

 

Ein Wildkräutermenü im Frühling

oder …

Auf in die Brennnesseln

Wie ich schon mehrfach berichtet habe bin ich dabei mich im Kräuterwissen fit zu machen. Am ersten April-Wochenende war es wieder soweit. Samstag gab es von nine to five two eine große Portion Theorie, bevor wir uns eine Wiese suchten, die möglichst naturnah abseits von Straßen lag, nicht gedüngt wurde, keine Beweidung durch Nutztiere hat, auch keine Schafe … gar nicht so einfach, eine solche Fläche im Großraum Stuttgart zu finden. (Wenn jemand ein solches Wiesenstück im Kreis Böblingen kennt, bitte melden, please!)

Am Samstag sammelten wir jede Menge Wildkräuter, die wir dann am Sonntagnachmittag verarbeiteten.

Auf dem Menüplan standen:

  • Neunkräutersuppe
  • Wildkräuter-Schneckennudeln
  • Unkrauttaschen nach griechischer Art
  • Brennnessel in Bierteig mit Hägemark
  • Frankfurter grüne Soße mit Wildkräutern
  • Chicoreesalat mit Scharbockskraut und Orange
  • Sekteis/Sektsorbet mit Veilchenblüten, alternativ Apfelsaftsorbet mit Veilchen
  • Sahneeis mit Sauerampfer und Heidelbeerkompott
  • Erdbeeren mit Basilikumzucker
  • Waldmeister- und Wildblumenblüten im Apfelsaft

G.E.N.I.A.L.

Doch zuerst ging es auf die Wiese und danach in die Küche.

Ein Teil der Ernte mit Scharbockskraut, Sauerampfer, wildem Schnittlauch, Giersch, Vogelmiere, Weidenröschen, Sauerampfer, Gartenschaumkraut und Brennnesseln

Zur Vorspeise gab es eine Neunkräutersuppe, traditionell ein Frühlingsgericht. Sie gehörte früher vor allem am Gründonnerstag auf die Teller. Nach den langen Wintermonaten, wenn alle Vorräte aufgebraucht, oder nicht mehr allzu lecker waren, hatten unsere Vorfahren Lust auf frisches Grün. Die verwendeten Kräuter variieren je nach Landstrich, Höhenlage, Wetter und Jahreszeit. Dieses Jahr liegt Ostern sehr spät und so lässt sich auf den Wiesen deutlich mehr Grünzeug finden, als Ende März. Wenn ich jetzt spontan in den Garten gehen würde kämen bei mir momentan junge Triebe vom Giersch, Brennnesseln, Knoblauchsrauke, Gartenschaumkraut, Vogelmiere, Löwenzahn, Wiesenkerbel, Weidenröschen und Wiesenschaumkraut in den Korb und zum Garnieren ein Schlüsselblumenblütchen aus dem Garten (bitte wirklich nur von hier!). Möglich sind noch viele andere wilde Kräuter. Da manche durch ihren Gerbstoffgehalt eher streng schmecken, wie Gundermann, sollten diese eher nur wenig verwendet werden. Und wirklich nur die Wildpflanzen verwenden, die man ganz genau kennt! Alternativ können auch übliche Küchenkräuter in die Neunkräutersuppe wandern. Rezepte zur Neunkräutersuppe, wie auch wir sie zubereitet hatten, sind auch leicht im Internet zu finden, z.B. hier, hier und hier (das Gänseblümchen nicht als Ganzes essen, schmeckt so eher bäh). Und Sarah von Das Kräuterkörbchen gibt noch mehr Informationen, insbesondere erklärt sie wie die 9 in die Suppe kam!

In der Tiefe der Tasse hatte sich bei uns ein Bärlauchnockerl versteckt, die unsere Köchin in der Runde, Katharina, vorbereitet hatte.

In der Menüfolge passten im Anschluss passten in Bierteig ausgebackene Brennnesseln, die mit einem Klecks Hagebuttenmark, oder wie wir hier sagen Hägemark, garniert waren. Das Hägemark brachte den letzten Pfiff, bildeten das Tüpfelchen auf dem i.

Der Hauptgang …

Chicoreesalat mit Wildkräutern und Orangen, Unkrauttaschen, Kartoffeln, Ei und dazu grüne Soße aus Wildkräutern

… und im Anschluss ein Nachtisch nach dem anderen, die gar nicht so schnell fotografiert werden konnten, wie sie wegschmolzen sind bzw. in unseren Mägen landeten. Vor allem das Eis mit Sauerampfer traf genau meinen Geschmack. Ich, die in der Regel den Nachtisch weiter gibt, kratzte die Eismaschine leer, weil das Zeug zu lecker war um weggespült zu werden. Deshalb gibt es auch von dieser Leckerei keine Bilder, aber vom letzten Teil, den Erdbeeren mit Basilikumzucker.

 

Zum Schluss stelle ich die verwendeten Kräuter im Einzelnen vor:

Nicht im Einzelnen abgebildet fehlen Gartenschaumkraut, Waldmeister (der hing schon im Saft), den Veilchenblüten (froren schon eine Nacht im Sekt bzw. Apfelsaft) noch Kohldistel und ein Kraut, an dessen Namen ich mich erinnern kann. Irgendwann wird es mir wieder einfallen, vorzugsweise in der Nacht 😉

So lecker satt zu sein, nach so viel Bücken, Pflücken und Lernen, war herrlich! Leider war die Schlange auf dem Markt in Stuttgart so ewig lang, dass ich meinem Besuch das lange anstehen für Sauerampfer nicht zumuten wollte. Doch vielleicht finde ich am Wochenende welchen in freier Natur. Die Sahne wartet im Kühlschrank!

 

Schöne Ostern!

Ferien zuhause

und …

Balkonien 2016, ein Fazit zur Zwei-Drittel-Zeit und ein Liebstöckelpesto zum Reinlegen!

Ferien und Urlaub zuhause in den Sommerferien? Nee, nä? Du bleibst echt zuhause? … ? … ? …. ? DU?

JA!

Die Entscheidung, Ende Juli, alle Pläne für den Sommerurlaub zu streichen war gut. Es wäre jedoch gescheit gewesen, trotz meiner Daueranwesenheit während der Schulferien, einen Dienstplan für den Schulgarten zu organisieren. So schaute in den vergangenen vier Wochen nur ein Kollege ein Mal vorbei. Schade eigentlich. Denn gerade jetzt reift einiges an Gemüse und Kräutern, vor allem die Zucchini! Viele habe ich verschenkt, aber inzwischen möchte keiner mehr mit einer beglückt werden. Die Blüten kommen bei mir jetzt gleich in den Topf und die drei/vier Früchte, die noch im Beet liegen reifen zu Monstern heran. (Ich werde von der Ernte berichten!)

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Von einer anderen Ernte habe ich jetzt im zweiten Anlauf ein richtig leckeres Ergebnis auf’s Brot bekommen. Aus dem etwas zu dicht bepflanzten Kräuterbeet quollen regelrecht Rucola, Gartenmelde, Kapuzinerkresse, Salbei und Liebstöckel. Andere Kräuter in dem Beet hatten da wenig Chance auf Licht und Überleben. Da half nur Rückschnitt, Ernte (der Salbei hängt zum Trocknen auf dem Dachboden) und was leckeres daraus machen. 😀 Eine Kollegin hatte mir vor den Sommerferien erzählt, dass sie ein superleckeres Pesto aus Liebstöckel gegessen hätte. Nach solch einem Rezept recherchierte ich, probierte es aus und ließ es Testessen. Alle waren vom Versuch 1 begeistert, nur ich nicht. Kein Wunder, Liebstöckel gehört als Kraut nicht zu meinen Favoriten. Aber Versuch 2 hat mich überzeugt, denn es zählt Klasse statt Masse! Strünke und Stiele weglassen garantiert ein leckeres Aroma und verhindert ein Zuviel an strenger Würze. Auch verzichtete ich auf den im Rezept angegebenen Knoblauch. Ich fand die Kombination von Maggi-Aroma und Knofi nicht lecker. Es ist als ob zwei dominante Stinker gegeneinander antreten und keiner zu richtig zu Potte kommt. Weniger Zutaten sind manchmal von Vorteil und so auch hier!

Liebstöckelpesto oder Pesto aus Maggikraut

Zutaten:

  • 65 g Liebstöckelblätter
  • 65 g gehackte Mandeln
  • 65 g frisch geriebenen Parmesan
  • 1/2 gehackte Zwiebel
  • ca. 100 g Olivenöl
  • Pfeffer
  • Salz

Zubereitung:

  • Die Liebstöckelblätter mit dem Olivenöl fein pürieren.
  • Die Zwiebel dazugeben und den Pfeffer nach Geschmack.
  • In die Liebstöckel-Zwiebel-Öl-Masse die Mandeln geben und weiter pürieren.
  • Den geriebenen Parmesan unterheben.
  • Salzen nach Geschmack.

Jetzt fehlt nur noch ein Stück frisches Brot!

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Was ich sonst in meinen Ferien mache? Ich gestalte meine Ferien, wie ich es mir Ende Juli verordnet hatte. Eine perfekte Umsetzung sieht anders aus, doch ich bin mit dem Ergebnis bisher zufrieden:

Pflichtprogramm

  • Entspannung und fünfe gerade sein lassen – klappt gut
  • ein paar Wochen raus aus der Fremdtaktung und in den Biorhythmus wechseln – klappt auch – 7:30 Uhr ist meine Aufwachzeit
  • das linke Handgelenk fit machen – ich trainiere und gehe weiterhin zwei Mal die Woche zur Ergotherapie
  • nur zwei „Äh-bäh-Termine“ in der Woche zulassen, naja, drei sind auch noch ok 😉 – hmm, im Schnitt kommt’s hin
  • einen richtigen Tagesausflug in jeder Ferienwoche = sechs Mal fort – Nachholbedarf, ein halber Tagesausflug fehlt – demnächst nachzulesen auf meinem zweiten Blog hier und fort

Zusatzprogramm

  • Aufbrauchen der Wollreste – klappt super!!! – Ich werde darüber berichten.
  • meinen Dawanda-Shop befüllen – der erste Teil ist drin und nur einen Klick weiter zu sehen.
  • filzen mit oder ohne Katzenhaar – 🙁
  • Papier schöpfen, aus was auch immer, Hauptsache aus Naturmaterial – die Roh-Masse steht fertig im Kühlschrank
  • nähen – etliche Quiltprojekte dümpeln in meinem Kopf, auf Papier und in Kisten herum – 🙁
  • zeichnen – ein büschen 😉
  • LESEN! – Oh Mann! Wo ist das Buch bei dem ich nicht schon nach dem ersten Kapitel denke: Gute Frau/guter Mann, Deine Probleme brauche ich nicht auch noch! Es ist mir ein Rätsel, wie ich als Mega-Viel-Leserin im letzten Jahr zu einer Buch-Anlese-Weglegerin mutiert bin! Rund um mein Bett stapeln sich halb gelesene Bücher … zum regelmäßigen Abstauben statt Weiterlesen … und ich frage mich: „Hallo Frau Be, was geht da ab?“.

 

Doch noch liegen zwei Wochen Ferien vor mir, die genutzt werden können.

Roggenbrot aus der Milchtüte

oder …

Ein Stück Island für den Gaumen

und Brot backen mal ganz anders – isländisches Roggenbrot, Rúgbrauð.

Ich bin eine Mutter, die, wenn ihre Kinder in der Weltgeschichte unterwegs sind, mit dem Finger auf der Landkarte mit reist. Das beginnt schon beim Flug, den ich, dank Apps, verfolge.

Bildschirmfoto vom 2016-06-15 um 15.19.24 über flightradar24

Mir macht das Spaß, lindert etwas meine vor Dauer-Reiselust scharrenden Hufe, aber es kann auch mal richtig nervös machen, wenn der Flieger vom Bildschirm verschwindet. Zum Glück flog Sohnemann dieses Mal nicht über China (da war auf seinem Japan-Flug mal schwupps das Flugzeug weg vom Bildschirm), sondern nur über Nordsee und Atlantik ins Land seiner und meiner Sehnsucht … nach Island. Ein Grund durch die Fotos vom letzten Sommerurlaub zu gehen und ein Anlass zwei unfertige Blogposts fertigzustellen (diesen hier und den überarbeiteten Reisebericht über Islands Norden).

Die Arbeit konnte ich mir etwas versüßen, denn im Tiefkühlgerät hatte ich noch einen Würfel selbst gebackenes Roggenbrot eingefroren. Das Rezept brachte mein Sohn von seinem ersten Aufenthalt aus Island mit, machte seine Schwester damit süchtig glücklich und ich backte das Brot dieses Frühjahr nach. Ein Brot, dass nicht geknetet werden muss war ideal in der Zeit, als ich durch den Armbruch eingeschränkt war und trotzdem gerne frisches, eigenes Brot essen wollte.

In Island wurde und wird dieses Brot, in Gegenden wo Geothermie sichtbar wie riechbar ist, häufig in Erdlöchern bzw. Spalten in Lavafeldern gegart, zum Beispiel in der Gegend rund um den See Mývatn im Norden. Überspitzt gesagt geht dort die Hausfrau einmal am Tag raus aufs Lavafeld, schiebt ein paar Steine weg, hebt einen Deckel, holt den Broteimer vom Vortag heraus und stellt neues Gargut in das Loch, bevor sie es wieder sicher abdeckt. Neben Brot lässt sich so auch anderes Backwerk herstellen und Eintopfgerichte garen.

Nun hat die deutsche Hausfrau keine geeignete Geothermie vor Ort, in Böblingen ist Geothermie eher ein unangenehmes Reizwort, und es muss der heimische Backofen genutzt werden. Wie das ganz genau vorgeht kann auf dem Blog meiner Tochter, Der Klang von Zuckerwatte, nachgelesen werden: Von leeren Milchkartons und isländischem Rúgbrauð. lch halte mich hier etwas kürzer. 😉

Sicher stellt sich der/die LeserIn an dieser Stelle die Frage, die ich mir ursprünglich auch gestellt hatte: „Nicht geknetetes Brot und dann noch im Milchkarton gegart statt richtig gebacken? Und das soll funktionieren?“ – Ja! Doch man muss Zeit und Geduld mitbringen, etwas was man von Isländern lernen kann. Was Roggenbrot üblicherweise in der Vorbereitung mit Sauerteig und später während des Gärprozesses an Zeit benötigt, verbringt diese Form von Roggenbrot vor allem im Ofen in der Milchtüte. Man kann sich tatsächlich für Stunden gemütlich zurück lehnen und es verkokelt im Backofen nichts!

Zutaten für ein isländisches Roggenbrot – Rúgbrauð

  • 200 g Roggenmehl
  • 40 g Vollkornmehl (Weizen oder Roggen)
  • 75 g Zucker
  • 1/2 Päckchen Trockenhefe
  • 1/4 TL Salz
  • 225 ml Milch

Alles verrühren, was selbst mit einem Gipsarm klappte, ab in die Tüte, abdecken und für 12 Stunden in den Backofen bei 100°C. Bei dieser langen Backzeit lohnt es sich gleich ein paar Brote gleichzeitig zu backen. Es lässt sich sehr gut einfrieren und verschenken!

Die erste Version wurde etwas heller, als ich es bisher kannte. Es lag wahrscheinlich daran, dass ich kein Roggenvollkornmehl verwendet hatte, sondern Dinkel.

Der zweite Versuch mit 100% Roggenmehl gelang deutlich dunkler und schmeckte fast wie das Brot in Island. Wahrscheinlich fehlte die Schwefelkomponente vom „raucht-und-stinkt“! Man könnte ja einen aromatischen Zusatzstoff entwickeln. 😉

Superlecker das süßliche Brot mit salziger Butter!

Die Variation mit Spiegelei und eingelegten Bärlauchstielen kam auch gut an.

 

Das Ende der Bärlauch-Zeit

oder …

Der Mai ist gekommen!

Kaum zu glauben, der April ist vorbei. Ganz einfach so. Wo ist der Monat nur geblieben? Ohne Fotoausflüge in den Schönbuch und zur Obstbaumblüte ins Gäu fehlt mir dieses Jahr ein kleines Stückchen Frühlingserwachen. Sicher hätte ich eine Chauffeuse oder einen Chauffeur für eine Ausfahrt gefunden: „Sag’s, wenn ich dir helfen kann!“. Doch ohne Konstanze einfach so durch die Landschaft tappen? Mit der/m ruhig gestellten Hand/Arm war seit dem Armbruch kein Fotografieren mit der Spiegelreflexkamera möglich. Aber es geht voran.

Seit gestern kann ich, wenn ich mit der rechten Hand die Kamera halte, mit der linken den Objektivdeckel aufschnippen. Tolle Sache! Kleines Stückchen Glückseligkeit. Zum Schließen muss ich mich bücken und suchen, wo das Teil hingeflogen ist. Um den Deckel wieder aufzusetzen brauche ich noch die rechte Hand.

Heute schaffte ich mit links den Wasserhahn im Spülbecken der Küche zu öffnen. Yeah! Es ist ja „nur“ ein Hebel und es klappte super – fragt meinen Kater! 🙂 Das Ergebnis war eine Riesensauerei, hatte die Qualität ‚Zustand nach Wasserschlacht‘. Aber ich habe den Wasserhahn öffnen können, grobmotorisch zwar, auch noch etwas schmerzhaft, doch effektiv. 😀 Allerdings werde ich den zweiten Versuch mit dem Hahn besser erst nach der nächsten Ergotherapiesitzung versuchen. Habe ich Katerchen versprochen, denn er fand die Springflut aus der Spüle gar nicht lustig. 😉

Doch zurück zum verpassten Frühling draußen in der Natur.

Mit dem Cast rund um Hand und Unterarm konnte ich dieses Jahr auch nicht zu meinem Plätzchen zur Bärlauchernte radeln. Schade! Ich tröstete mich mit ein, zwei gekauften Bünden vom Markt. Als Pesto verarbeitet war es ruckzuck weg gefuttert. Bei den nächsten vier gekauften Bünden hatte ich dann das Pech, dass sie, wohl nass gepflückt und gleich eng gebündelt, im Bund schon schimmelten – bei einem Preis von 1,50€ pro 100g recht ärgerlich. Ich fand mich damit ab dieses Jahr ohne Bärlauch-Depot auszukommen.

Und dann kam ein Gespräch unter Nachbarn, denen ich eigentlich nur ein Päckchen angenommen hatte und ihnen nur abgeben wollte. Als Dankeschön hatte ich von ihnen eine Tüte selbst geernten Bärlauch in die Hand gedrückt bekommen!

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Drei Tage später fragte mich mein Nachbar, ob er mir noch einmal Bärlauch mitbringen soll/kann. Ich antwortete: „Oh, das wäre schön. Ein wenig könnte ich noch brauchen.“ – Wenig ist eine vage Aussage, die unterschiedlich interpretiert werden kann.

Frischer Bärlauch in Salaten ist lecker. Nur leider kann er nur kurze Zeit im Frühjahr geerntet werden. Deshalb verarbeite und konserviere ich jedes Frühjahr einen Teil meiner Ernte um auch später im Jahr Bärlauch genießen zu können.

Bärlauchpesto auf Brot oder zu Spaghetti ist ein toller Einsstieg in die (Basilikum-)Pestosaison, oder auch eine Alternative dazu, denn Bärlauchpesto kommt im Gegensatz zu der mit Basilikum ohne Knoblauch aus. Das hat schon Vorteile! 😀

Von meiner unerwarteten Bärlauchschwemme habe ich

  • die Blätter in Öl püriert
  • die Blätter in Öl püriert, mit Mandeln und Parmesan zu Pesto verarbeitet (Verhältnis Bärlauch:Mandeln:Parmesan – 1:1:1 in Gramm, Öl nach Gefühl und Konsistenz)
  • die Blätter eingefroren
  • die Blätter im Dörrautomat getrocknet
  • die Stengel, wie Gurken, süß-sauer eingelegt
  • die Knospen in Öl eingelegt
  • die restlichen Knospen einfach blühen lassen.

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Tipps aus dem Internet, die ich ausprobiert habe:

Bärlauch haltbar machen

Das ganze Jahr über Bärlauch

Und was ich noch ausprobieren möchte:

Bärlauchkäse – vegan

 

Der Frühling scheint nun wirklich angekommen zu sein!