Naturfarben

Pflanzenfarben aus Birkenblättern #2

oder …

Von brodelndem Pflanzenmaterial zu Malfarbe, Farbpigmenten und Malversuchen

 

Am Anfang stand der große emaillierte Topf, ehemals als Bräter in meiner Vor-Vegetarierzeit genutzt, auf dem Herd. Gefüllt mit einer ordentlichen Portion getrockneter Birkenblätter und Wasser simmerte alles vor sich hin und in der Küche duftete (roch, stank – je nach Geruchsempfinden) es für meine Begriffe wie zu Zeiten, als ich mit meiner ehemaligen Schwiegermutter Teppichwolle färbte.

Im Gegensatz zu früher verzichtete ich bei der Herstellung vom Farbsud auf irgendwelche Zusatzstoffe und verwendete nur Birkenblätter und Wasser, mehr nicht. Entsprechend unspektakulär fiel auch das erste Färbeergebnis beim im Sud schwimmenden Wollstrang aus. Zum Malen war die in Brühe in diesem Stadium ebenso wenig geeignet.

Abgeseiht von den Pflanzenresten  kochte ich den Sud ein und filtrierte die restliche, ziemlich braune Brühe. Dieser Vorgang dauerte eine gefühlt Ewigkeit, Tage, um mir ganz zum Schluss ein paar grünliche Partikel im Filterpapier als „Ernte“ zu bieten.

Ich spreche jetzt mal nicht darüber welche Assoziationen mich im ersten Moment überkamen, als ich die getrockneten Reste, aus dem Filter abgeschabt, vor mir liegen hatte, sondern lieber über die magere Ausbeute an Farbpigmenten. Enttäuschend! Inzwischen etwas klüger werde es noch es noch einmal versuchen, doch zuerst zur Weiterverarbeitung der paar Brocken Farbpigmente.

Im Mörser zerkleinert, und durch ein zweckentfremdetes Glasursieb gearbeitet, freute ich mich schließlich doch über das Ergebnis. Egal wie groß die Ausbeute schließlich war, es hatte geklappt!

 

Der restliche Sud, der vom Filtrieren übrig blieb, erwies sich überraschend vielfältig, dass ich meine Pinsel wieder herausholte.

Zwar nicht in erhofftem grün, sondern in einer Reihe von Gelbtönen sammelten sich Linien und Druckmuster auf Resten von Papierstreifen.

 

Zum Schluss reichte die Doppelseite in meinem Musterbuch gerade zur Dokumentation der vielen Schritte zur Farbherstellung aus, einschließlich der aus der ersten Versuchsreihe (Link).

 

Von den Malproben schafften es ein paar Stücke als Bild an die Wand.

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

Pflanzenfarben aus Birkenblättern #1

oder …

Malfarbe aus Blattwerk plus Nebenprodukten – der Anfang

 

Mit Birkenblättern probierte ich vor gefühlten paar Jahren – tatsächlich sind es mehr als vierzig – meine erste handgesponnene Wolle zu färben. Der Geruch von frisch aufgekochten Birkenblättern ist einer meiner liebsten Gerüche in der Färberküche geblieben. Seit ein paar Tagen schnuppere ich ihn wieder in meiner Küche, weil ich in diesem Frühjahr daran gedacht habe junge Birkenblätter zu sammeln (um dann festzustellen, dass ich noch ein Kilo der 2016er-Ernte im Keller gelagert hatte).

Ich liebe Birken. Neben dem Spitzahorn, ist es ein Baum, der mich immer wieder inspiriert, mich einfach glücklich macht, wenn ich in die Äste und ins Blattwerk schaue.

 

 

Eichhörnchen Erich stimmt mir bestimmt zu, denn er beobachtete mich zwischen Futterhaus plündern und Turnübungen von Ast zu Ast beim Abzupfen der vielen Blätter. Er liebt die Birke auch ganz besonders!

 

 

Nach einer guten Stunde lag dieser Haufen Blattwerk sauber abgezupft in der Kiste. Keine einfache Aufgabe im Freien, da genau in dieser Stunde unbedingt ein Lüftchen wehen musste.

 

 

Die übrigen Zweige schienen mir zu schade für Kompost & Co. . Kurzerhand wand ich noch einen Kranz, der garantiert noch weitere Verwendung finden wird. Weihnachten kommt ja immer so überraschend ;-).

 

 

Aus den getrockneten Blättern probierte ich meinen ersten Versuch im Kaltverfahren, d.h. Blattmaterial mit etwas Wasser fein mörsern. Nach viel Muskelarbeit entsteht ein Pflanzensaft, den ich dann absiebe oder filtriere. Ich verwende dazu meist Tücher.

 

 

Spannend wird es, wenn der entstandene Pflanzensaft auf das Papier aufgetragen wird. Mit etwas Essig, Zitronensaft oder Natron lassen sich oft, nicht immer, noch ein paar Farbvariationen beim Spiel mir pH-Werten erzielen. Interessant ist auch, die entstandenen Farben auf unterschiedlichen Papieren auszuprobieren. Ich verwendete stark verdünnte Essigessenz und eine Lösung von Wasser und Kaisernatron bei diesem Versuch.

 

 

Hinweis: Diese Pflanzenfarben sind nicht lichtecht, aber für den Moment eine tolle Erfahrung. Wenn die Farben nicht ständig direktem Licht ausgesetzt sind, bleiben sie doch erstaunlich lange erhalten.

 

Der große Rest der getrockneten Birkenblätter wartet, in Wasser eingeweicht, auf seine Weiterverarbeitung: Pflanzenfarben aus Birkenblättern #2

 

Bis die Tage,

Karin

 

Frühlingsgrün auf Ostereiern

und …

Der Spinat macht’s, aber nicht immer – kräftig und grün!

 

 

Nachdem meine Mutter den Blogpost über die mit Pflanzenfarben gefärbten Ostereier gelesen hatte stand bei mir, wie durch ein Wunder, ein Päckchen herrenloser Hühnereier in der Küche.

Zu dumm. Ich hatte einen Großteil der Farben schon verarbeitet, weiter gegeben oder entsorgt. Ein Rest Farbe aus der Avocadoschale hatte ich noch, gut abgelagert, auf dem Balkon durchfrostet und wieder aufgetaut. Mein allerletzter Versuch mit dieser Farbe – auch diese Charge färbte nicht zartlila – und nun ist es genug damit.

Im Kühlschrank gab es noch Spinat als Alternative, der jetzt statt auf dem Teller (zum selber stark und kräftig werden) in der Färberküche landete.

Mein Ziel: grüne Eier

Drei Varianten probierte ich aus:

  • Spinat hacken, in Wasser kochen, absieben und im Sud die Eier 10 Minuten hart kochen
  • Eier in Wasser hart kochen und im ausgekühltem Spinat-Sud über Nacht einlegen
  • Spinat hacken, pürieren, in Mull einpacken, im Wasser mit den Eiern kochen

Am Ende polierte ich alle Ergebnisse mit mehr oder weniger Erfolg mit dem Spinat-Trester auf. (Links unten, das extrem hellgrüne Ei, ist ein Ergebnis ohne Nachbearbeitung).

 

Den restlichen Spinat-Sud und die Tücher ließ ich noch eine Weile stehen, in der Hoffnung, da wird noch was daraus.

In der Zwischenzeit machte ich mich auf einen Spaziergang und traf wieder auf grün. Grün, wie es die Natur eben so macht um diese Jahreszeit, im März.
 
Zurück zuhause erfreute mich dann doch das Färbe-Ergebnis in seinem Frühlingsgrün.
Bis die Tage,
Karin
PS: Nächstes Jahr färbe ich meine Ostereier gelb!
PPS: Wer weiß wie Spinatfärbungen wirklich gut funktionieren, der schreibe mir doch bitte – bitte bitte, please.

 

Naturfarben aus Pflanzen #3

oder …

Einblicke in (m)einen Workshop

Donnerstag konnte ich im Rahmen eines Workshops zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) einer Gruppe interessierter Kolleginnen und Kollegen einen kleinen Einblick in die Welt der Pflanzenfarben geben. In vier Stationen wurden Rotkohl, Karotte, Gelbwurzel und Spinat gerieben, gequetscht und gemörsert, bis sie in verwertbarer Menge ihre Farbstoffe abgegeben hatten.

Die Farbe aus dem Spinat, die eigentlich auf dem Papier verarbeitet werden sollte, landete nicht nur auf dem Malpapier. Es färbte an einer anderen Station noch die Knete (hell)grün.

Zu den vier selbst herzustellenden Farben hatte ich noch aus meinem Fundus Farben mitgebracht, zum Beispiel grün aus Salatgurkenschale und rot-violett aus Aroniabeeren, einen roten Saft und ein klitzekleines Fläschchen Rotwein. Vielleicht hätte einer der Teilnehmer oder Teilnehmerinnen Lust sich auf Udo Lindenbergs gestalterischen Wurzeln zu bewegen. Er malt mit Eierlilör und Rotwein. Den Eierlikör ließ ich zuhause, es musste der  Rotwein reichen, den man auf einer Pflanzenwanderung mit SchülerInnen auch eher in der Tasche lässt.

Ab jetzt begann das Auftragen der Farben auf pH-neutrales Papier und das Spiel mit den pH-Werten. Auf die Farbflächen wurde Kaiser-Natron geträufelt, oder Backpulver, Alaun, Kochsalz, Waschsoda, Essig, aber auch Gewürze wie Currypulver oder Rosenpaprika.

Die Effekte motivierten, wie bei meinen Schülerinnen und Schülern, die Kolleginnen und Kolleginnen zu weiteren Versuchen. Die Ergebnisse begeisterten und motivierten. Am Ende waren von meinem vorbereitetem Papier nur noch wenige Blätter übrig.

 

Es hat Spaß gemacht, den Teilnehmern wie auch mir!

 

 

Mittwochsloch

oder …

Alltagsallergie, oder so, und mein Gegenmittel

Reste von Avocadoschalen, Brokkoli, Tee, Aroniabeeren, Mahonienbeeren, Roter Bete, angebrannten und ausgekochten Zwiebelschalen als Farbe auf das Papier gebracht. Mein Entspannungsprogramm vom „Ahhh“…lltag  und die Ergebnisse aus den ersten Wochentagen, mit passender Altpapierunterlage. 😉 Alltag hat Allergiepotential. 😉 😉

 

Freitag ist der 12te und ich bin dabei bei 12von12!

 

Wenn die Tinte ausgeht, der Füller versagt

oder …

Schreiben wie ganz früher entdecken!

Im Sommer 2016 stand ich im Kloster Bebenhausen im ehemaligen Scriptorium, der Schreibstube, vor einer Vitrine mit Exponaten, die erklärten, mit was im Mittelalter Farben und Tinten zum Schreiben, Zeichnen und Gestalten hergestellt wurden. Bei einem Exponat fühlte ich geradezu die Aufforderung: Probieren!

Seit Anfang Januar läuft meine Versuchsreihe Tinte aus Weiß- und Schlehdorn, um irgendwann zu lesen, dass dies besser im März funktioniert. Eine andere Quelle verarbeitet nur die Rinde, ein anderes Rezept empfiehlt die Zweige weichzuklopfen, mit Wasser aufzusetzen und abgedeckt, zimmerwarm stehen zu lassen. Im nächsten Tipp müssen rostige Nägel in die Rinden-Wasser-Brühe gegeben werden.

Statt Tinte habe ich mit fast jedem Ansatz vor allem Schimmel produziert.

Inzwischen steht in meiner Küche nach Einkochen, Kühlen, Einfrieren, Auftauen, Abkochen, etc. ein Glas mit dunkelbrauner Flüssigkeit, die an Tinte erinnert und beim Ausprobieren ganz dicht an das Beispiel in Bebenhausen kommt.

Dornentinte funktioniert tatsächlich!

 

Statt Ochsengalle für die Grüntöne und Mennige für Rot verwendete ich flüssige Farben aus Spinat und Rote Bete,

Zum Schreiben mit meiner Dornentinte versuchte ich zuerst Federn, um festzustellen, das ist eine Wissenschaft für sich. Meinen Gänse- und Elsterfedern konnte ich erst nach vielen Versuchen zu einer einigermaßen gleichmäßig funktionierenden Schreibfeder verhelfen. Viel besser ließ es sich mit selbst hergestellten Rohrfedern schreiben, die ich nach dieser Anleitung herstellte.

 

 

Naturfarben aus Pflanzen #2 – ein paar Grundlagen

oder …

Einfache Chromatographie von Blattfarbstoffen

Mit Naturfarben aus Pflanzen zu malen funktioniert ein wenig anders, als mit Farben aus Mineralien. Pflanzenfarben entstehen durch sekundäre Inhaltsstoffe, die nur Pflanzen besitzen. Jede Pflanze besitzt eine ganze Reihe dieser, chemisch sehr unterschiedlich aufgebauten, Stoffe,von denen einige für die Farbgebung zuständig sind, zum Beispiel:

  • Carotinoide für orange, wie in Möhren
  • Anthocyane für rot/blau, wie in Rotkohl, Kirschen, Pflaumen
  • Flavonoide für gelb/orange wie in Ringelblumen, Goldrute, Birkenblättern

Das sind nur ein paar wenige sekundäre Inhaltsstoffe, die in den Pflanzen enthalten sein können und Farben erzeugen. Es gibt noch mehr und eine ungeheure Vielfalt, was die Natur aus ihnen zusammensetzen kann. Manche Farben sehen wir erst im Herbst, wenn sich das Chlorophyll in den Blättern abbaut und sich die Herbstfärbung vor dem Laubfall zeigt. Andere Farben verändern sich, wenn wir Pflanzen oder deren Früchte weiter verarbeiten. Ein aufgeschnittener Apfel reagiert bei Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft und er färbt sich braun. So verändert sich Rotkohl zu Blaukraut beim Kochen und wieder zu Rotkohl sobald ein Apfel mit verkocht wird. Doch darüber mehr im nächsten Blogpost, aber in Sachen Rotkohl/Blaukraut/Rotkraut schon einmal vorab dieser Artikel.  Hier und heute soll es erst einmal um das Auffinden der Farben in ganz normalen Blättern von Laubbäumen gehen.

Blätter von Laubbäumen um diese Jahreszeit? Nee, ich verbrachte meine Weihnachtsferien nicht im Sommer südlich des Äquators (wobei ich da nichts dagegen gehabt hätte) um an frisches Laub zu kommen. Diese Versuche habe ich Ende Oktober gemacht, als es noch Blätter hier auf den Bäumen oder darunter gab. Nur kamen die Bilder, wie der Text, nicht online, weil ich bei den Versuchen in der Schule meine Kamera vergessen hatte, ich nicht mit dem Handy fotografieren wollte und meine dokumentierte Prä-Test-Reihe zuhause mit Küchenutensilien durchgeführt wurde. Inzwischen finde ich es ganz gut zu zeigen, dass dieser Versuch zu den Pflanzenfarben auch mit einfachen Mitteln funktioniert.

Um an die verschiedenen Farben in den grünen Blättern zu kommen verwenden wir ein chemisches Verfahren, die Chromatographie, ein Trennverfahren  mit der wir die in ihnen versteckten Stoffe herauslösen und trennen können. Dazu braucht es ein paar rohe Kräfte und danach etwas Geduld 😉 .

(Optimale) Geräte:

Schere, Porzellan- oder Steinmörser, feines Sieb, Becherglas, Reagenzglas,Reagenzglasständer, starkes Filterpapier in Streifen geschnitten, eventuell Klammern

Küchengeräte:

Messer, Schere, Schneidebrett, stabiler Eierbecher, alter Löffel, hohes Wasserglas, Teefilter, dickes saugfähiges Malpapier, eventuell Wäscheklammer

Material:

Laub von verschiedenen Bäumen, Wasser, Spiritus, Sand (wer keine Vögel hat, der holt sich halt vom nächsten Sandkasten einen Esslöffel voll, aber absieben vor der Verwendung!)

Durchführung:

  • die Blätter klein schneiden, so klein wie möglich
  • im Mörser mit dem Stößel/Pistill, etwas Wasser und etwas Sand fein reiben
  • etwas Spiritus zugeben und die Masse weiter reiben
  • den Mörser abdecken und ca. 30min stehen lassen
  • die Masse filtrieren/absieben
  • ein starkes, saugfähiges Filterpapier/Malpapier (z.B. Fabriano) zu einem langen Streifen schneiden
  • an einem Ende des Streifens eine Markierung in 2 cm Abstand zur unteren Kante mit Bleistift! eine Linie zeichnen
  • diesen Streifen, zum Test in ein Reagenzglas stecken, so dass es ca.1,5 bis 2cm über dem Reagenzglasboden hängt und am oberen Ende abknicken
  • den Papierstreifen aus dem Reagenzglas nehmen
  • in das Reagenzglas etwas Spiritus füllen, bis auf ca. 1,5 bis 2 cm Höhe, und kippsicher abstellen
  • auf die Bleistiftmarkierung des Papierstreifens einen Tropfen, oder einen Strich der filtrierten Blattlösung geben und dieses trocknen gelassen – das habe ich drei Mal wiederholt
  • den Papierstreifen in das Reagenzglas mit dem Spiritus stellen, so dass der Streifen gerade so die Spirituslösung berührt
  • warten
  • beobachten

von links nach rechts: Hartriegel, Feldahorn, Hainbuche

Die Pflanzenfarben verlaufen, wenn sie Spiritus oder Alkohol enthalten, relativ schnell. Das ist auf dem Bild oben gut zu erkennen. Wenn die Papierstreifen im Spiritus stehen geht es jedoch noch schneller voran.

Hainbuche

 

Hartriegel

 

Feldahorn nach 30 Minuten

 

Feldahorn nach 1 Stunde

 

Dieser Versuch hilft zu verstehen warum sich Naturfarben, die man aus Pflanzen herstellt, nicht nach den Grundlagen des Farbkreises mischen lassen. Es sind schon Mischfarben und Mischfarben untereinander gemischt ergeben in der Regel ein unbuntes Graubraun. Aber nicht immer und davon erzähle ich später mehr.

 

 

 

Mit Farbe ins neue Jahr 2017

oder …

Naturfarben aus Pflanzen #1

Schon einmal Rotwein auf einen hellen Teppich oder auf das Sofa verschüttet? Macht richtig gute Flecken und die klappen auch mit rotem Traubensaft, wenn man auf scheckige Polstermöbel steht.

Mich fasziniert auch die Farbe des Suds der beim Kochen von Artischocken entsteht. Leider hat sich dieser tolle grüne Farbton bis jetzt nie auf Papier übertragen lassen, auch nicht auf die Wollfasern, die ich darin ziehen ließ.

Meine Finger waren nach dem letzten selbstgemachten Curry noch über Tage knallgelb, da ich ohne Handschuhe ein Stück selbst geriebene frische Gelbwurzel verarbeitet hatte.

Die Natur bietet so viele tolle Farben, selbst jetzt im Winter ohne sommerliche Blütenpracht, was ich in diesen freien Tagen ausleben möchte. Mein Ziel ist ein paar Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

  • Ausmisten meiner Wollfärbekisten von anno lang ist’s her
  • Aufarbeiten einiger Mitschriebe von Vorträgen aus dem vergangenen Jahr, z.B. auch den von Peter Reichenbach, Gründer von sevengardens, der mich im Juni auf der Landesgartenschau in Öhringen begeistert hat
  • Planung der Bepflanzung eines Beets mit Färberpflanzen im Schulgarten
  • Vorbereitung eines Unterrichtsprojekts ‚Herstellen und Malen mit Pflanzenfarben‘

Ich gab mir dafür, da ich ja auf Erfahrungen aufbauen konnte, einen Tag. Ha! Ich bin inzwischen bei Tag 3, immer noch nicht fertig, geschweige denn mit irgendeiner Dokumentation, noch verwendbaren Arbeitsblättern. Die Küche gleicht einem Schlachtfeld und auf jeder freien Fläche trocknet irgendein Versuchsergebnis.

Erstes Fazit:

Farben aus Pflanzen herzustellen ist zwar unter Umständen eine Sauerei, aber es macht richtig Spaß!

 

Zwei Wege um an die Pflanzenfarben zu kommen

Weg 1 – kalt mit Muskelkraft

Wurzeln und Kohl werden am besten mit einer Kartoffelreibe geraspelt bevor sie in in einem Stein- oder Porzellanmörser mit etwas Wasser und Sand weiter zerrieben werden. Der Sand dient als Hilfsmittel um die Zellwände leichter zu öffnen. Blätter, Gräser, auch Blüten (sofern es welche gibt) schneide ich mit einem Messer klein, zerkleinere sie weiter mit einem Wiegemesser auf einem Brett möglichst fein, bevor ich sie in den Mörser gebe. Saftige Beeren gebe ich gleich in den Mörser.

Weg 2 – warm im Topf

Blätter, Früchte, Wurzeln, Stengel, Rinde, usw. können auch kleingeschnitten in Wasser ausgekocht werden. Bei vielen Pflanzen reicht eine kurze Kochzeit von ca. 10 Minuten, andere brauchen länger, oder noch eine Ruhezeit, bis sie ihre Farbstoffe frei geben.

Den entstandenen Sud siebe ich bei beiden Wegen zuerst durch ein feines Haarsieb und danach durch einen Teefilter aus Papier.

Ab und an, oder eher ziemlich häufig, ist die Farbe auf dem Filterpapier erfreulicher und intensiver, als die im Glas aufgefangene. Deshalb sammle ich die getrockneten Filtertüten (so viel zum Thema ‚Haushalt optimieren/reduzieren!‘) um sie später einmal in einer Collage verarbeiten zu können, vielleicht. 😉

Die filtrierten Pflanzensäfte fülle ich in durchnummerierte Gläser ab, wenn ich parallel dazu ein Herstellungsprotokoll führe. Auf jeden Fall müssen die Gläser beschriftet werden, da sich viele Pflanzenfarben über die Tage verändern und man sich nicht mehr erinnert was in welchem Glas abgefüllt ist. Länger als eine Woche halten sich die Farben, selbst im Kühlschrank aufbewahrt, leider nicht.

 

In diesen Farben stecken tatsächlich nur Wasser und das was an sekundären Pflanzenstoffen farblich in einem Kühlschrank, Vorratsschrank oder im Garten drin steckt – Rotkohl, Spinat, rote Beete, Gelbwurz, Möhre, Artischocke, Heidelbeeren, Mahonienbeeren.

 

Wenn mit diesen flüssigen Farben gemalt werden soll ist die Qualität des Papiers entscheidend für ein ansprechendes Ergebnis. Normales Zeichenpapier oder Druckerpapier kann verwendet werden, aber ich empfehle Aquarellpapier.

Manche Farbe entwickelte ihre Farbwirkung erst nach dem Trocknen auf dem Papier, andere veränderten ihre Farbe schon beim Auftragen oder verblassten nach dem Trocknen. Da ich davon ausgehe, dass die eine oder andere Farbe nicht lichtecht sein wird sind zwei Farbmusterkarten entstanden. Die untere Farbpalette liegt im vollen Tageslicht, die obere bleibt abgedeckt im Block. Schon nach einem Tag sind leichte Veränderungen zu erkennen.

Interessant fand ich die Versuche mit diesen Farben zu malen. Wie schon erwähnt verändern sich manche Farben, ein Umstand der in der Regel beim Malen nicht erwünscht ist. Ich war dann doch positiv überrascht und fand den Überraschungsfaktor richtig gut. Was absolut NICHT funktioniert ist das Mischen der flüssigen Farben! Da kann gleich Abwaschwasser auf das Papier gebracht werden. Aber Farbe auftragen, trocknen lassen, andere Farbe auftupfen oder als Akzent auftragen funktioniert.

Chewbacca als Bildwächter

 

Fortsetzung folgt.