oder …

Malfarbe aus Blattwerk plus Nebenprodukten – der Anfang

 

Mit Birkenblättern probierte ich vor gefühlten paar Jahren – tatsächlich sind es mehr als vierzig – meine erste handgesponnene Wolle zu färben. Der Geruch von frisch aufgekochten Birkenblättern ist einer meiner liebsten Gerüche in der Färberküche geblieben. Seit ein paar Tagen schnuppere ich ihn wieder in meiner Küche, weil ich in diesem Frühjahr daran gedacht habe junge Birkenblätter zu sammeln (um dann festzustellen, dass ich noch ein Kilo der 2016er-Ernte im Keller gelagert hatte).

Ich liebe Birken. Neben dem Spitzahorn, ist es ein Baum, der mich immer wieder inspiriert, mich einfach glücklich macht, wenn ich in die Äste und ins Blattwerk schaue.

 

 

Eichhörnchen Erich stimmt mir bestimmt zu, denn er beobachtete mich zwischen Futterhaus plündern und Turnübungen von Ast zu Ast beim Abzupfen der vielen Blätter. Er liebt die Birke auch ganz besonders!

 

 

Nach einer guten Stunde lag dieser Haufen Blattwerk sauber abgezupft in der Kiste. Keine einfache Aufgabe im Freien, da genau in dieser Stunde unbedingt ein Lüftchen wehen musste.

 

 

Die übrigen Zweige schienen mir zu schade für Kompost & Co. . Kurzerhand wand ich noch einen Kranz, der garantiert noch weitere Verwendung finden wird. Weihnachten kommt ja immer so überraschend ;-).

 

 

Aus den getrockneten Blättern probierte ich meinen ersten Versuch im Kaltverfahren, d.h. Blattmaterial mit etwas Wasser fein mörsern. Nach viel Muskelarbeit entsteht ein Pflanzensaft, den ich dann absiebe oder filtriere. Ich verwende dazu meist Tücher.

 

 

Spannend wird es, wenn der entstandene Pflanzensaft auf das Papier aufgetragen wird. Mit etwas Essig, Zitronensaft oder Natron lassen sich oft, nicht immer, noch ein paar Farbvariationen beim Spiel mir pH-Werten erzielen. Interessant ist auch, die entstandenen Farben auf unterschiedlichen Papieren auszuprobieren. Ich verwendete stark verdünnte Essigessenz und eine Lösung von Wasser und Kaisernatron bei diesem Versuch.

 

 

Hinweis: Diese Pflanzenfarben sind nicht lichtecht, aber für den Moment eine tolle Erfahrung. Wenn die Farben nicht ständig direktem Licht ausgesetzt sind, bleiben sie doch erstaunlich lange erhalten.

 

Der große Rest der getrockneten Birkenblätter wartet, in Wasser eingeweicht, auf seine Weiterverarbeitung: Pflanzenfarben aus Birkenblättern #2

 

Bis die Tage,

Karin

 

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22. Mai 2018

Kommentare

Vor ewigen Zeiten hatte ich mir mal eine Jacke aus pflanzengefärbten Wollen gestrickt – es gibt sie leider nicht mehr – aber sie wurde immer heller.
Gibt es denn keine Möglichkeit, diese Farben zu konservieren, denn so schön der Moment auch ist, man möchte ihn ja behalten!?
Wie schön, dass du immer mal wieder Bilder von Erich zeigst… so hieß übrigens mein Vater.
Lieben Gruß Ulrike

Liebe Ulrike,
Textilien mit Pflanzen zu färben ist eine Wissenschaft für sich. Ich selbst habe früher vor allem Schafwolle und Seide gefärbt und die Erfahrung gemacht, ohne Chemie geht meist nichts. Behutsam eingesetzt und auf Neutralisation achtend sind die meisten Ergebnisse lichtecht. Mit meiner früheren Schwiegermutter hatte ich in den 1980ern Wolle gesponnen und gefärbt, mit der sie dann Teppiche für meine Kinder bestickt hat. Diese haben bis heute ihre Farbigkeit. Allerdings gibt es auch Pflanzen, die nicht einmal mit einer chemischen Keule lichtecht werden, wie z.B. Kurkuma (gelb). Doch bleicht auch konventionelle, gekaufte Wolle aus, wenn sie in der Sonne liegt, vor allem Baumwolle.
Nachträglich kann kein Material so behandelt werden, dass es lichtecht ist.
Das war nur eine klitzeklein Erklärung 😉
Und ich liebe den Namen Erich, wie Emil (so hieß mein Schwiegervater).
Viele liebe Grüße,
Karin

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