oder …

erschöpft

Das vergangene Wochenende
Ich bewegte mich, neben dem gewohnten Alltagsgedöns – am Samstag ist aktuell noch Haushaltstag – zwischen meiner Küchenwerkstatt, der Nähmaschine, … im verschärften Schuljahresendmodus. Entsprechend mäßig, unregelmäßig, kam ich wieder einmal zum Essen, zu Pausen generell. Im Ofen trocknete ein weiteres Beerensalz. Alle anderen bisher produzierten Salze füllte ich ab. Was schon in Gläsern und Flaschen war wartete auf das Etikettieren. Zwischendurch krabbelte ich auf dem Boden, auf und rund um den Babyquilt – für das gerade geborene Kolleginnenbaby – zum Zusammenzustecken, Heften, um dann an der Maschine zu quilten.


Dieses Unruheprogramm rächte sich mit einem ordentlichen Punk in mir.


Zum Glück gibt es GartennachbarInnen, die zu Pausen einladen oder einen Ruhetag einfordern. „Hinsetzen!“, war die direkte Einladungsaufforderung am Sonntag, bevor ich auf mein Gartengrundstück abbiegen konnte. Keine Chance auf die Schnelle zu Gießen und wieder zu verschwinden. Der Teller stand schon bereit, auf dem schwupps ein frisch gebackenes Langosch lag! Als Nachtisch gab es Tomatenverkostung. Drei große Sorten. Sehr kritisch, jede/r hatte seine Favoriten. Am Ende war nichts mehr übrig, denn alles lecker, da selbst angebaut.

Verhungern werde ich hier nicht!
Das beruhigte das Grummeln in mir etwas, vorübergehend.

Montag
Als erstes setzte ich morgens den Abschiedscountdown auf Null. Vorher entfernte ich den allerletzten kleinen Glücksbringer, die meine Kinder in den Sommerferien 1997 oder 1998, im Auftrag meiner damaligen Schulleiterin, für jede/n im Kollegium hergestellt hatten. Zum Schuljahresbeginn hing an jeder Schranktür im Lehrerzimmer eins dieser Männchen.

Interessant, wie sich das leere Fach schon wieder füllt – nicht von mir!

Danach ging es weiter mit dem Aufräumen. Nachts war mir eingefallen, dass es ja noch zwei Schränke in den naturwissenschaftlichen Räumen gibt, die ich in Klassenlehrerinnenzeiten belegt hatte. Der Inhalt schien zwischenzeitlich nie bewegt worden zu sein und ich schenkte mir die Zeit des Nachdenkens, wie lang wohl meine letzte Nutzung herlag. Einen Schrank machte ich leer, den anderen putzte ich und räumte die mühsam erstellten Forschungsboxen zum Magnetismus und zur Einführung von Elektrizität wieder ein.

Danach benötigte ich Abwechslung und ging die ersten Zwiebeln im Garten ernten. Das brauchte ich!

Dienstag
Was war mir elend an diesem Morgen! Nach viel Durchatmen und der ersten Tasse Tee beruhigte sich der Punk in mir. Ich wollte nicht in den letzten Schultagen ausfallen und beschäftigte mich zuerst mit etwas Schönem, mit den Geschenken für meine KollegInnen. Die vorbereiteten Kräutersalze und der Kräuteressig bekamen ihre Etiketten und gingen in die Transportbox.

Nach der Beruhigung meiner inneren Organe in eigener Toilettennähe konnte ich den Aufräummarathon zum finalen Ende bringen.

Der Herzblutschrank im Holzraum ist leer.

Die Restbestände im Maschinenraum werde ich in den Ferien 😉 abbauen.

Das Sammelsurium für die geplanten Fortbildungen hat bis auf dieses Gebinde schon ein neues Lager gefunden.

Abschied von meinen schwierigen Jungs und den KollegInnen aus der Trainingsklasse. Die Chilipflanze von ihnen wird einen besonderen Platz finden.

Schlüsselabgabe! Trotz meiner sich über die vergangenen 29 Jahre angesammelte Schlüsselmenge kam ich trotzdem nicht in alle Räume des Schulgebäudes hinein. Seither suche ich noch mehr nach meinen Schlüsseln, da ich das enorm abgespeckte Bündel noch nicht als Schlüsselbund realisiere.

Irgendwann stand das allerletzte Sammelsurium bereit zum Abtransport.

Entspannungsprogramm im Garten: Zwiebelzöpfe herstellen. Das habe ich noch nie gemacht, einfach probiert.
Nun hängen sie zum Trocknen und ich in den Seilen.

Mittwoch
Der letzte Schultag vor den Ferien. Mein Tisch ist leer geräumt, wie immer vor den Sommerferien.

Der Kaktus, namens Gertrude-Christian, steht nicht, wie sonst zum Übersommern auf der Dachterrasse vor dem Lehrerzimmer. Er ist schon in meine Küche umgezogen. Ich hoffe, er verträgt das andere Klima.

Auf meinem Schrank hängen die letzten musikalischen Abschiedsgrüße.

Ein letzter Blick.

Die letzten Pflanzen aus dem Kunstraum geholt. Sie werden von einer Kollegin übernommen. Wie der Kaktus tragen sie ebenso Namen, die der Kolleginnen, von denen ich sie selbst übernahm.

Abschied von Inga, Tatjana und Anitas Kindern 😉

Verabschiedung. Das Finale. Schön haben es die KollegInnen gemacht, an einem Ort, den ich mir gewünscht hatte. Ans Fotografieren habe ich nicht gedacht, ich war damit beschäftigt durchzuhalten.
Gut, dass im Garten Ablenkung wartete. Die bestellte Gartenbank wurde schneller geliefert, als erwartet und war fix zusammengeschraubt.

Dazu noch Einkaufen für den Lieblingsmenschen, dann war ich erledigt.

Donnerstag
Besuch in der Schule, meine Accounts gelöscht, bzw. ich durfte das finale „Knöpfchen“ drücken. Einen Blick auf meine Daten schenkte ich mir. Ein einfaches wusch weg passte besser in mein Konzept und zu meiner Verfassung des Tages. Ich war erschöpft, so sehr, dass ich mein Bauprojekt für den Garten nur beginnen konnte.


Dort hing ich auch nur ab, auf kräftige Hilfe wartend, um mein üppiges Pflanzengeschenk an seinen Platz zu stellen. Abends sorgte die Tochter für ein gemütliches Zusammensein.


Earth Overshoot Day, jedes Jahr etwas früher.

Freitag
Nichts ging mehr. Ich benötige jedes Jahr bis zu zwei Wochen in den Sommerferien um zu mir zu kommen. Die letzten Schulwochen kosten immer viel Kraft. Dieses Mal habe ich mich übernommen. Abgesehen von meinen Menopausenröllchen in der Hüftregion bin ich nicht die Stabilste von Statur. Mit der Belastung der vergangenen Wochen ist noch einiges an Gewicht verloren gegangen, dazu jetzt noch Montezumas Rache … einmal auf dem Sessel angekommen reichte das letzte Quentchen Energie noch zum Heranziehen einer Decke. Aus die Maus!

Was das Wochenende bringen wird? Entschleunigen, zu mir finden, stehen zuerst einmal an und ein kurzer Besuch von Sohnemann.

Gelesen. Gesehen. Angehört.

Gründungskonzert des „Ukrainian Freedom Orchestra“…. – ein Bericht in infosat, vom 28.07.2022 und in der arte-Mediathek angeschaut (Link), wo das Konzert noch bis zum 22.08.2022 zur Verfügung steht

Earth Overshoot Day – eine Zusammenstellung des WWF Deutschland, vom 28.07.2022 und die Übersicht von Global Footprint Network (in Englisch)

Sonst nichts.

Ohrwurm der Woche.

School’s out for summer.
School’s out forever.

Ein schönes Wochenende, macht’s gut und bis die Tage!


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot.

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Kommentare

Wie ich sah hast auch du deine Zwiebeln geerntet! 😀
Dass ich mir Zeit lassen kann muss erst noch sacken. Aktuell arbeite ich daran überhaupt erst einmal in den Ferienmodus zu kommen. Wird schon!
Schöne Ferien auch dir,
mit vielen Grüßen,
Karin

Gedacht an dich ( zu mehr hat es bei mir nicht gereicht, wie du sicher verstehen kannst ), und die Freude ist groß, dich jetzt aus dieser Mühle zu wissen. Geh jetzt alles langsam an! Du hast deinen Abgang perfekt hinbekommen!
Ich drücke dich herzlich!
Astrid

Dann haben wir beide viel aneinander gedacht!
Ja, der Abgang ist geschafft, in Ehren. Jetzt gebe ich mir die Zeit mich zu sammeln, auch wenn die Erwartungen von verschiedenen Seiten hoch sind, da ich ja jetzt Zeit hätte.
Ich denke weiter an dich,
mit ganz vielen lieben Grüßen,
Karin

Danke, Andrea. Es braucht nun seine Zeit, die ich mir geben will, alle Konsequenzen meiner Entscheidung für den vorzeitigen Ruhestand zu realisieren. Im Grund bin ich erst einmal erleichtert keinen Karton mehr in der Schule stehen zu haben. Ich habe alles geleert. Was ich jetzt noch baue und herstelle ist für mich, keine Pflicht, und bis zum Schulbeginn weg.
Viele liebe Grüße,
Karin

So viel passiert, liest sich alles so locker flockig bei Dir 🙂
Aber Du schreibst es ja zum Schluss!
Ja, so kann es schnell anders sein und sowohl Deine Kräfte als auch Dein Körper sagen Dir „Endegelände“
Und doch liest sich alles so nett, so positiv. Und immerhin hattest Du die Kraft, die Lust einen Wochen Rückblick zu machen.
Eine Hammer Pflanzen Zusammenstellung auf dem Foto
Ist das ein Rankgitter?
Ach… Lass jetzt einfach das Wochenende durchlaufen und Erholung wenigstens etwas ankommen lassen. Ich habe es trotz Ankündigung, dass ich jetzt sofort doch schauen wollte, nicht sofort geschafft, statt dessen Sonnendruck gemacht. Der blöde Wind!
Schöne Hände habe ich jetzt jedenfalls!!
Alles Liebe und Gratulation zum Ruhe und Unruhestand.
Liebe Grüße
Nina

Das Rankgerüst im Hintergrund steht auf dem Gelände des Gartennachbarn. Nur das Rankgerüst im Vordergrund ist meins, mit Clematis, einer sich entwickelnden Rose und meiner einzigen Stockrose. Weil ich kein Glück mit der Aussaat von Stockrosen habe, darf dieses selbst ausgesäte Exemplar stehen bleiben, auch wenn es mitten im Zugang zu meinem Gartengelände steht. Ansonsten habe ich keinen so ordentlichen Garten wie Nachbars! 😀
Was ich noch erledigt bekam, ist, meinen Eimer mit Beizflüssigkeit in den Garten zu verfrachten. Dort kam dann die vor zwei Wochen gewaschene Rohwolle hinein. Nächste Woche geht es dann ans Solarfärben. Ich bin gespannt.
Viele liebe Grüße,
Karin

Von mir ausgesähte Stockrosen kommen auch nie – aber wenn sie es selber dürfen, nicht weggeharkt werden (was ich bei Dir nicht glaube) dann wirst Du sicher bald neue haben. Meine Mutter geht einfach mit allen jetzt anfallenden Samen der Stockrose durch den Garten, da wo sie es mögen, kommen sie (aber sie hat mitlerweile einfach auch sehr viele Samen, ich schaue mal, dass ich Dir davon nächste Woche welche stibizen kann)
Auf die Wolle bin ich sehr gespannt!
Liebe Grüsse noch mal
Nina

es ist geschafft
und du bist geschafft
Erholung ist angesagt und nein sagenwenn
schon Anforderungen vorgebracht werden
und bald wirst du im Rentner- Modus sein und merken.. Rentner und Rentnerinnen haben nie Zeit 😉
die Zwiebelzöpfe schauen gut aus
liebe Grüße
Rosi

So wie, schwupps, meine frei gewordenen Fächer in der Schule gefüllt wurden, gibt es jetzt schon scharrende Hufe: Du hast ja jetzt Zeit, dann könntest du doch …
Nein!
Wie ich meine kommende unterrichtsfreie Zeit nutzen werde wird sich zeigen.
Auf meine Erstlingszwiebelzöpfe bin ich schon stolz!
Liebe Grüße,
Karin

Danke, Pia. Es war ein Akt der Befreiung alle Schulsachen abzuwerfen, nur das zu erhalten was ich garantiert für Fortbildungen brauchen werde. Doch jetzt erst einmal zur Ruhe kommen, denn es war ein sehr straffes Programm, das ich mir die vergangenen Wochen gestellt hatte.
Viel Grüße,
Karin

Liebe Karin,
da hast du ganz schön was weggeschafft…
Auch mich kosten die letzten Wochen immer viel Kraft – dieses Jahr mit Erstklässlern zum ersten Mal im Ganztag und 30 Grad in den Zimmern extrem anstrengend!
Lass dir Zeit mit dem Durchatmen, Erholen und Ankommen – du musst in 6 Wochen nicht wieder auf der Matte stehen!
Alles Gute für den neuen Lebensabschnitt!
Herzliche Grüße von Sabine

So leicht lassen sich manche, über die Jahre manifestierte, Prozesse nicht ablegen. Ferien, vor allem die Sommerferien sind wertvoll. Deshalb habe ich sie in den letzten Jahren durchdacht strukturiert, damit das nächste Schuljahr positiv gestärkt angegangen werden konnte. Das steckt nun in mir, noch. In der Regel waren es ein bis zwei Wochen „abdampfen“, zwei bis drei Wochen loslassen, um dann so langsam wieder einzusteigen, auf das was so kommt. Spätestens in der letzten Ferienwoche begann ich wieder mit Vorbereitungen für das neue Schuljahr.
Jetzt bin ich gespannt, wie sich das anfühlt am Ende der Sommerferien NICHT in den Vorbereitungsmodus nach 44 Dienstjahren zu wechseln.
Erhole dich gut für deinen quirligen Haufen an Zweitklässlern – davon ausgehend, dass du die Klasse zwei Jahre führen wirst –
mit vielen lieben Grüßen,
Karin

eine aufregende woche – und die zeit davor war sicher auch sehr anstrengend. gönn dir erholung, plane irgenwann und nimm dir alle zeit der welt. du hast sie doch!
liebe grüße von mano
…und natürlich herzlichen glückwunsch zum (un-)ruhestand!

Danke! Wie das Leben so spielt verbrachte ich den größten Teil des ersten Tages im Ruhestand in der Tierklinik.
Liebe Grüße,
Karin

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