oder …

Summertime daheim 2020 # 3

Meine Damaszenerrose vor dem Balkon ist von Blattwerk und Gestalt nicht hübsch. Eher sperrig, buschig mit kahlen Stellen und extrem dornig, zeigt sie ihre äußere Schönheit erst durch die Blüten.

Üppig und duftend überleben sie leider nicht lange in einer Vase. Am Strauch blüht diese Rose allerdings ausdauernd, wenn nicht gerade ein Sommergewitter mit Regen über sie geht.

Jeden Sommer versuche ich mich an einer neuen Idee die Farbe und den Duft von Rosen in die dunkle Jahreszeit zu retten, bevor sich die Pracht auf natürliche Weise verabschiedet.

Bisher probierte ich …

Dieses Jahr geht es an Rosenblütenblätterpulver, denn ich möchte in der Weiterverarbeitung flexibler sein. Das bin ich nicht, wenn ich die Blätter nur trockne oder von vorneherein Rosenzucker herstelle.

Zutaten

4 voll aufgeblühte Blütenköpfe einer duftenden Rose (ich verwendete noch eine kleine, halbe zusätzlich – aus Versehen mit abgeschnitten)

Herstellung

Die Blütenköpfe lasse ich auf dem Kopf liegend, mit Papier abgedeckt ca. 2 Stunden anwelken. Dadurch verabschieden sich zudem einige Krabbeltierchen, die ich nicht mitverabeiten möchte.

Die Blütenblätter abzupfen und vom hellen Ansatz befreien – ich verwende dazu eine Schere.

Die abgezupften Blütenblätter auf ein mit Backpapier abgedecktem Backblech verteilen und bei ca. 45°C im Backofen trocknen lassen – bei großen Mengen verwende ich einen Dörrautomaten – bei hohen Außentemperaturen lasse ich die Blätter an der Luft trocknen.


In regelmäßigen Abständen die Blütenblätter wenden.

Wichtig!
Nicht über 45°C trocknen lassen, da sich sonst die ätherischen Öle der Rose verflüchtigen!

Nach ca. 4 Stunden – es kann allerdings länger dauern – die getrockneten Blütenblätter auskühlen lassen.

Der Schwund an Wasser ist beträchtlich. Es bleibt ein verschwindend kleines Häufchen übrig.

Die trockenen Blütenblätter entweder im Mörser fein reiben – eine Megaarbeit oder in einer Gewürzmühle mahlen. In einer elektrischen Mühle ist wieder darauf zu achten, dass durch die Reibung nicht zu viel Wärme entsteht.
Ich mahle in einer elektrischen Kräutermühle, allerdings immer nur in kurzen Intervallen mit Pausen.

Das entstandene Pulver siebe ich aus.

Grobe Teile sammle ich und mahle sie noch einmal.

Das Ergebnis aus viereinhalb Blütenköpfen sind 4,6 g Pulver. Durch die ganze Bearbeitung scheint sich das Blütenaroma verflüchtigt zu haben. Das täuscht! Wird das Pulver in ein Schraubglas abgefüllt – am besten ein dunkles verwenden – und ein paar Tage ruhen gelassen, ist die Duftprobe danach ein echtes Erlebnis!

Vor dem Abfüllen in kleinere Döschen kam das Pulver doch noch in einen Mörser. Dort rieb ich es noch ein wenig feiner. Deutlich ist dabei die Farbveränderung zu erkennen. Je feiner das Pulver verrieben ist umso heller ist es.

Abgefüllt in kleine Döschen wartet das Rosenblütenblätterpulver auf seine Verwendung und zum Verschenken.

Was ich mit Rosenblütenpulver mache?

Vorab ein Tipp: Vorsichtig dosieren!

Ich verwende es vor allem in der Küche zum aromatisieren und dekorieren von Süßspeisen, zum Beispiel im Verhältnis 1:10 mit Zucker oder Puderzucker gemischt auf frisch gebackene Waffeln oder Pfannkuchen. In diesem Verhältnis ist das Rosenaroma sehr intensiv!
Wem das zu viel ist einfach geringer dosieren.

Geeiste Wassermelone mit einer Prise Rosenblütenblätterpulver ist lecker!
Wassermelone mit einer Prise Salz ist auch lecker!
Geeiste Wassermelone mit einer Prise Salz und einer Prise Rosenblüten ist lecker lecker!

Warum nicht den Milchschaum auf Cappuccino statt mit Kakao mit etwas Rosenpulver überstäuben? Oder mit beidem?

In Zuckerguss für Kekse einstreuen. Der dunkle violette Farbton erhält sich nach dem Aushärten nicht. Es wir zum Zartrosa mit Sprenkeln. Mit einem oder zwei Spritzern Zitrone entsteht ein Pink, zumindest bei den von mir verwendeten Rosen – jede Rose ist etwas anders.

Auf angerichtete Dessertschüsseln mit Obstsalat gestreut, oder Eiskugeln, Erdbeersorbet in Prosecco – einfach probieren, wenn man Lust auf Rosenaroma hat.

An Baisers / Meringe, oder schwäbisch: Schäumle, mit Rosenpulver arbeite und versage ich noch. Eiklar ist basisch. Ein frisches Eiklar hat einen pH-Wert zwischen 7,6 und 7,9. Der Wert steigt während der Lagerung bis auf 9,7 (Quelle). Das lässt das Rosenpulver ins blau-grün kippen. Da hilft auch kein Spritzer Zitronensaft dagegen.
Das gilt auch für Royal Icing (Zuckerguss mit Eiklar).

Was in den Rosenblütenblattern steckt

Rosenblütenblättern wird eine ganze Reihe an Heilwirkungen zugesprochen. Erfrischend, belebend, antiseptisch, sind nur einige. Als Kräuterpädagogin bin ich keine Medizinerin und muss mich auf Äußerungen wie kann, könnte, sagt man, früher hat man, Hildegard von Bingen & Co. haben … für Wirkung und Einsatz beschränken.

Rosenblütenblätter enthalten neben ätherischen Ölen vor allem Gerbstoffe. Die Gerbstoffe schmecken herb und hinterlassen im Mund ein leicht pelziges Gefühl. Genau das zeigt ihre Wirkung, sie ziehen Gewebe zusammen, sind adstringierend. Das kann zum Beispiel bei Erkältungskrankheiten mit Entzündungen im Mund und Rachen hilfreich sein. Die Schleimhäute ziehen sich zusammen und bilden eine Schutzschicht gegen Bakterien.
Den in den ätherischen Ölen der Rosenblüten enthaltenen Bestandteilen Citronellol und Geraniol sagt man nach, dass sie das Wachstum von Pilzen und Bakterien hemmen können.

Zu beachten:

Rosengewächse sind im Grunde nicht giftig, denn zu ihnen gehören alle unsere Stein- und Kernobstarten, von den Erdbeeren und Himbeeren bis hin zu Pfirsichen, Äpfeln und, ja auch Mandeln. Viele Samen der Rosengewächse enthalten allerdings Blausäureglykoside. Wer schon einmal auf einen Apfelkern oder vor allem auf eine Bittermandel gebissen hat, kennt das Aroma.
Dafür sind die Öle aus Mandel- und Rosen- bzw. Hagebuttenkernen (letztere sind eigentlich Nüsschen!) eine wunderbare Gabe der Natur.

Aber ich bin abgeschweift.

Citronellol und Geraniol stehen auf der Liste vom wissenschaftlichen Beratungskomitee der Europäischen Union (SCCNFP – Seite 9-10/334), eingestuft unter den 26 Duftstoffen, die besonders häufig Allergie auslösen können. Die Kosmetikindustrie setzt diese Stoffe häufig ein und muss sie auf ihren Produkten deutlich deklarieren.

Ich halte mich an Theophrastus Bombast von Hohenheim (1493 – 1541), Paracelsus genannt, ein schweizerisch-österreichischer Arzt, Alchemist und Astrologe.
Seine These :

Allein die Dosis macht das Gift.

Bis die Tage,


Verlinkt – Zum Verlinken mit den Sommergeschichten bei Andrea, die Zitronenfalterin, hat es mir nicht mehr gereicht.

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Kommentare

Gerne geschehen!
Für mich war die Rosenblütenblätterverarbeitung das schönste Ferien-Projekt zuhause. Gestern erntete ich noch einmal ein paar Blüten und dann wird es das wohl für diesen Sommer gewesen sein.
Viele liebe Grüße,
Karin

ich habe dein zauberpulver schon bei astrid bewundert. allein die farbe ist hinreißend! ich glaube aber, ich bin zu ungeduldig es selbst zu machen, habe nämlich weder kräutermühle noch einen großen mörser. letzteren wollte ich mir allerdings schon immer mal zulegen, vielleicht wird es nächstes jahr dann doch etwas! gerade blühen hier auch noch einige duftrosen, in die ich immer gern meine nase stecke!
liebe grüße und einen schönen september!
mano

Ich habe meinen großen Mörser verschenkt. Zu groß, zu unhandlich, zu schwer. Für die Rosenblütenblätter (wie Färberkräuter) reicht ein kleiner Porzellanmörser. Der hat den Vorteil, dass er auch ein Bad in der Spülmaschine übersteht – manchmal nötig, wenn Gerüche und Farbstoffe eliminiert werden müssen.
Tatsächlich gibt es Rosenblütenblätterpulver auch zu kaufen, wie ich die Tage erfuhr.
Viele liebe Grüße,
Karin

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