Ein Wildkräutermenü im Frühling

oder …

Auf in die Brennnesseln

Wie ich schon mehrfach berichtet habe bin ich dabei mich im Kräuterwissen fit zu machen. Am ersten April-Wochenende war es wieder soweit. Samstag gab es von nine to five two eine große Portion Theorie, bevor wir uns eine Wiese suchten, die möglichst naturnah abseits von Straßen lag, nicht gedüngt wurde, keine Beweidung durch Nutztiere hat, auch keine Schafe … gar nicht so einfach, eine solche Fläche im Großraum Stuttgart zu finden. (Wenn jemand ein solches Wiesenstück im Kreis Böblingen kennt, bitte melden, please!)

Am Samstag sammelten wir jede Menge Wildkräuter, die wir dann am Sonntagnachmittag verarbeiteten.

Auf dem Menüplan standen:

  • Neunkräutersuppe
  • Wildkräuter-Schneckennudeln
  • Unkrauttaschen nach griechischer Art
  • Brennnessel in Bierteig mit Hägemark
  • Frankfurter grüne Soße mit Wildkräutern
  • Chicoreesalat mit Scharbockskraut und Orange
  • Sekteis/Sektsorbet mit Veilchenblüten, alternativ Apfelsaftsorbet mit Veilchen
  • Sahneeis mit Sauerampfer und Heidelbeerkompott
  • Erdbeeren mit Basilikumzucker
  • Waldmeister- und Wildblumenblüten im Apfelsaft

G.E.N.I.A.L.

Doch zuerst ging es auf die Wiese und danach in die Küche.

Ein Teil der Ernte mit Scharbockskraut, Sauerampfer, wildem Schnittlauch, Giersch, Vogelmiere, Weidenröschen, Sauerampfer, Gartenschaumkraut und Brennnesseln

Zur Vorspeise gab es eine Neunkräutersuppe, traditionell ein Frühlingsgericht. Sie gehörte früher vor allem am Gründonnerstag auf die Teller. Nach den langen Wintermonaten, wenn alle Vorräte aufgebraucht, oder nicht mehr allzu lecker waren, hatten unsere Vorfahren Lust auf frisches Grün. Die verwendeten Kräuter variieren je nach Landstrich, Höhenlage, Wetter und Jahreszeit. Dieses Jahr liegt Ostern sehr spät und so lässt sich auf den Wiesen deutlich mehr Grünzeug finden, als Ende März. Wenn ich jetzt spontan in den Garten gehen würde kämen bei mir momentan junge Triebe vom Giersch, Brennnesseln, Knoblauchsrauke, Gartenschaumkraut, Vogelmiere, Löwenzahn, Wiesenkerbel, Weidenröschen und Wiesenschaumkraut in den Korb und zum Garnieren ein Schlüsselblumenblütchen aus dem Garten (bitte wirklich nur von hier!). Möglich sind noch viele andere wilde Kräuter. Da manche durch ihren Gerbstoffgehalt eher streng schmecken, wie Gundermann, sollten diese eher nur wenig verwendet werden. Und wirklich nur die Wildpflanzen verwenden, die man ganz genau kennt! Alternativ können auch übliche Küchenkräuter in die Neunkräutersuppe wandern. Rezepte zur Neunkräutersuppe, wie auch wir sie zubereitet hatten, sind auch leicht im Internet zu finden, z.B. hier, hier und hier (das Gänseblümchen nicht als Ganzes essen, schmeckt so eher bäh). Und Sarah von Das Kräuterkörbchen gibt noch mehr Informationen, insbesondere erklärt sie wie die 9 in die Suppe kam!

In der Tiefe der Tasse hatte sich bei uns ein Bärlauchnockerl versteckt, die unsere Köchin in der Runde, Katharina, vorbereitet hatte.

In der Menüfolge passten im Anschluss passten in Bierteig ausgebackene Brennnesseln, die mit einem Klecks Hagebuttenmark, oder wie wir hier sagen Hägemark, garniert waren. Das Hägemark brachte den letzten Pfiff, bildeten das Tüpfelchen auf dem i.

Der Hauptgang …

Chicoreesalat mit Wildkräutern und Orangen, Unkrauttaschen, Kartoffeln, Ei und dazu grüne Soße aus Wildkräutern

… und im Anschluss ein Nachtisch nach dem anderen, die gar nicht so schnell fotografiert werden konnten, wie sie wegschmolzen sind bzw. in unseren Mägen landeten. Vor allem das Eis mit Sauerampfer traf genau meinen Geschmack. Ich, die in der Regel den Nachtisch weiter gibt, kratzte die Eismaschine leer, weil das Zeug zu lecker war um weggespült zu werden. Deshalb gibt es auch von dieser Leckerei keine Bilder, aber vom letzten Teil, den Erdbeeren mit Basilikumzucker.

 

Zum Schluss stelle ich die verwendeten Kräuter im Einzelnen vor:

Nicht im Einzelnen abgebildet fehlen Gartenschaumkraut, Waldmeister (der hing schon im Saft), den Veilchenblüten (froren schon eine Nacht im Sekt bzw. Apfelsaft) noch Kohldistel und ein Kraut, an dessen Namen ich mich erinnern kann. Irgendwann wird es mir wieder einfallen, vorzugsweise in der Nacht 😉

So lecker satt zu sein, nach so viel Bücken, Pflücken und Lernen, war herrlich! Leider war die Schlange auf dem Markt in Stuttgart so ewig lang, dass ich meinem Besuch das lange anstehen für Sauerampfer nicht zumuten wollte. Doch vielleicht finde ich am Wochenende welchen in freier Natur. Die Sahne wartet im Kühlschrank!

 

Schöne Ostern!

5 Responses

  1. Hallo Karin,
    das hast Du super dokumentiert und aufbereitet. Danke.
    Auch mir hat dieses „Kräuterpädagogen-Wochenende“ viele Anregungen gegeben und das in der sehr netten Gemeinschaft.
    Dir wünsch ich erholsame OsterZeit und dann bis im Mai.
    Liebe Grüsse
    Sabine

    1. Danke für die Information. Unter dem Bild eingefügt und Deinen Blog angeschaut, super! Gleich auf Bloglovin‘ in meine Liste gestellt und auch hier verlinkt 😉
      Viele Grüße,
      Karin

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