Noch mehr Katzenwolle

oder …

Andere halten sich ein Schaf

Es ist kaum zu glauben wie viel Haar manche Katze (oder Hund) im Laufe ihres Lebens verliert! Was der Staubsauger nicht schafft landet unerfreulicherweise auf der dunklen Hose, dem schwarzen T-Shirt und auch schon einmal auf dem Brötchen. Meine Staubsaugerbürste verweigert seit einigen Tagen gleich ganz den Dienst. Selbst nach dem allmonatlichen Reinigungsritual – aufschrauben, entfusseln, enthaaren, abpinseln und wieder zusammensetzen – dreht sich die Bürste nicht mehr. Wieder ein Gerät, das nicht hält, was es verspricht, zum Devil aber auch! Garantie hin oder her, der Fachverkäufer wird sicher nicht erfreut sein mich wieder zu sehen. Vielleicht aber doch, denn bei der Häufigkeit, die wir uns sehen, kennt man sich ganz gut mittlerweile. Aber Freunde werden wir wohl nicht.

Dabei tu ich doch alles, damit es dem Staubsauger gut geht!

Frei nach dem Motto: ‚Wehret den Anfängen!‘ musste Kater Harry regelmäßig unter dem Ferminator Haare lassen, damit die Staubsaugerbürste geschont werden konnte. Nachbarskater Francis kennt als langhaariger Maine-Coon diese Prozedur auch, mag diese (im Gegensatz zu Harry) ganz und gar nicht, sehr zum Leidwesen seiner Menschen. Trotzdem flockt es munter weiter aus unseren tierischen Freunden und den optimalen Staubsauger, der mich nicht ins Armenhaus bringt, habe ich noch nicht gefunden. Also muss Francis weiter gebürstet werden und was ist der Bursche ergiebig!

Hier liegen knapp 350 g kardierte Maine-Coon-Wolle, die Francis meist nicht freiwillig zur Staubsaugerentlastung und zum Wohlergehen seiner Menschen in den letzten ein bis zwei Jahren lassen musste.

Den Haufen von Hand aufzuarbeiten gab ich bald auf. Um den Nadelbelag meiner Handkarden stand es nicht zum besten und es dauerte ewig bis ein Haarbällchen entknubbelt war. Die Anschaffung einer Trommelkardiermaschine reizte mich, aber diese Geräte sind nicht unbedingt billig zu nennen. Außerdem fürchtete ich, der Kardiermaschine wird es genauso gehen, wie meiner neuen Nähmaschine. Diese wartet seit dem Kauf immer noch auf ihren ersten Einsatz.

Irgendwann kam mir im Baumarkt die Idee: Wenn man teure Maschinen bzw. Werkzeuge leihen kann gibt es diese Möglichkeit vielleicht auch für eine Karde.
Suchanfrage in Google modifiziert und im Internet tatsächlich fündig geworden. Das-Wollschaf.de macht es möglich! Knapp zwei Wochen später stand eine niegel-nagel-neue Trommelkarde bei mir … bloß ich hatte völlig unverhofft einen zusätzlichen Kübel Arbeit über mich geschüttet bekommen und keine Zeit sie einzusetzen.

Aber jetzt!!

Trotz der Trommelkarde war es nicht einfach das Katzenhaar in Form zu bekommen. Die Maine-Coon-Fasern sind zwar deutlich länger, als die von meinen „Briten“, aber sehr fein und weich. Das Zeug flutschte wo es nur konnte auf die vordere Walze und lud sich ständig elektrisch auf.

 

Zuletzt klappte es dann doch! Haarbällchen nach Haarbällchen landete auf der großen Nadelwalze und dann als kardiertes Vlies zuerst auf den Tisch.

 

 

Jedes Vlies ließ ich zwei Mal durch die Kardiermaschine laufen. Bei einem kleinen Teil ließ ich meinen letzten Rest Merinowolle mitlaufen. Das war eine gute Entscheidung. Das Vlies ist deutlich stabiler.

Arbeit erledigt und ich weiß immer noch nicht, was ich aus dem Material machen soll. Deshalb packte ich alle Vliese in Seidenpapier ein. Vielleicht nehme ich sie zum Filzkurs mit, zu dem ich mich im Juni angemeldet habe.

Fachkundige Kontrolle von Kater Chewie, der, zu seinem Glück, nicht so viele Haare verliert und eher selten den Ferminator an sich lassen muss.

Noch einmal ein Eindruck von der Menge, die ein Maine-Coon-Kater liefern kann. Die Ausbeute kann sich zeigen lassen.

Morgen wird das Gerät abgebaut, wieder eingepackt und es kann seine Rückreise antreten. Die Ausleihgebühr von 20 € haben sich wirklich gelohnt.

5 Responses

  1. Danke für den interessanten Bericht über die Verarbeitung von Katzenhaaren. Wir hatte über 20 Jahre Katzen, sog. Europäisch-Kurzhaar— wir sagten Feld-Wald und Wiesenrasse, da sie Freigänger waren habe ich mit Katzenhaaren im Haus eigentlich wenig Probleme gehabt. Leider haben wir seit ein paar Jahren keine Katzen mehr, jetzt wo ich die haare auch gut hätte verarbeiten können.
    LG Ute

  2. Bei den Kurzhaarkatzen wie deinen ehemaligen und meinem bruderlosen Kater ist die Ausbeute an nutzbaren Haaren gering. Zum Filzen sind die Fussel gerade noch brauchbar. Ergiebiger war mein Harry, der letzten Sommer starb. Allerdings kamen seine Haare nicht an die Menge und Faserlänge von Nachbars Francis heran. Die kurzen Haare müssen auch von Hand kardiert werden. Die Kardiermaschine packt das feine Zeug nicht.
    Viele Grüße,
    Karin

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