oder …

viel Gartenzeit

Es ist eine Weile her, genauer gesagt fast zwei Monate, dass ich von einem Besuch bei einer Freundin einen Beutel mit Hanffasern mitgebracht hatte. Noch während des Besuchs hatte ich begonnen einzelne lange Fasern aus dem Beutel herauszuziehen und diese zu Schnur zu drehen. Statt sie aufzuwickeln formte ich eine Schlinge, dann noch eine, eine weitere … . Wenn die Schnurlänge zu Ende ging drehte ich neue Fasern dazu und arbeitete weiter, Schlinge um Schlinge.

Im Grund ist diese Schlingentechnik die Urform des Nadelbindens, eine der ältesten Textiltechniken. – Link
Dabei wird von oben in eine Schlaufe gestochen und der Faden von unten nach oben durch die entstandene neue Schlaufe wieder nach oben gebracht, immer und immer wieder.

In den ersten Runden schlang ich in regelmäßigen Abständen zwei Schlingen um eine Schlaufe aus der Vorreihe, bis ich eine Idee hatte, was das Ganze werden soll.

Im Garten war es an einigen Tagen so windig, dass mir ständig meine flusigen Haare die Sicht nahmen. Zusammenbinden ist bei meiner aktuellen Haarlänge nicht wirklich möglich und Haarbänder machen mir, seit ich eine Brille benötige, auf Dauer Kopfschmerzen. Ich bin seither eher eine Mützenträgerin, aber bei diesen Temperaturen ist das absolut keine Option. Die Idee kam mir beim Blick auf das luftige Gewebe – ich schlinge mir eine luftige Mütze.


Nun ja, das ist keine bahnbrechende Neuentwicklung, denn Haarnetze nutzten schon Menschen bis in die finsterste Vergangenheit. Eine meiner Großmütter, Jahrgang 1898, trug immer ein Haarnetz damit ihr aufgesteckter Knoten über den Tag nicht verrutschte. Unser damaliger Wellensittich verfing sich allzu gerne darin. 😊
Zudem spukt in meinem Kopf immer noch ein Netz durch den Kopf, das ich vor Jahren im Textilmuseum in Blönduós, im Norden Islands, gesehen hatte. Das war allerdings aus Frauenhaar hergestellt worden.

Ein Problem, das Material aus dem Beutel zu sortieren ist langwierig. Aus diesem Grund wollte ich mir einen groben Kamm bauen, der dann auch gleich für die Flachs- und Brennnesselverarbeitung eingesetzt werden kann. Das Ergebnis hatte ich mir anders vorgestellt.

Ich stieg dann um und verwendete für die weiteren Schlingen Hanffasern aus dem Klempnerbedarf. Unglaublich, wie schwierig echter Dichtungshanf inzwischen im Handel zu bekommen ist. Es wird Teflonband angeboten, manchmal gibt es Dichtungsflachs, und inzwischen nur noch in winzigen, abgepackten Mengen.

Hilfreich war und ist es auch das Material anzufeuchten, die Fasern, wie später die Schnur. Im feuchten Zustand sind beide flexibler. Die Schnur lässt sich zudem leichter ausdrehen, wenn zuviel Drall in ihr steckt – auch Wolle wird nach dem Spinnen in ein Entspannungsband gelegt. Die Schlingen legen sich zudem besser um die Schlaufen, ohne „umzuspringen“ bzw. die Schnur der Vorreihe zu verdrehen.

Die notwendige Länge war schließlich erreicht, nachdem ich immer wieder Schlaufen(-reihen) aufziehen musste. Ich ribble lieber Pullover auf!

An dieser Stelle entschied ich mich für den Abschluss zwei Reihen mit engeren Schlingen zu arbeiten. Es bleibt offen, ob ich in die letzte Reihe eine Kordel durchziehen werde. Sie würde der Mütze, dem Mützennetz, der Netzmütze, dem Haarnetz … oder was auch immer als Benennung passt …. vielleicht etwas mehr Stabilität geben. Vorerst wird verknotet und beim nächsten Wind probegetragen.

Gartenzeit

Nachts sollte geschlafen werden! Habe ich auch und im Traum eine Idee gehabt. Tags drauf machte ich mich auf den Weg in den Baumarkt, um spontan auf eine andere Lösung zu kommen. Mehr dazu steht im aktuellen Garten-Blogpost aus meiner Parzelle 108 – Link.

Nach einigen Hindernissen ist dieses Bauprojekt so gut wie abgeschlossen und hat Spaß gemacht. Zudem war trotzdem ein Besuch im Garten- und im Baumarkt nötig. Das macht mir immer Freude! Der zweite Baumarktbesuch wäre unnötig gewesen, wenn ich die Betriebsanleitung von einem Gerät besser gelesen hätte. Ich bekam den Elektrotacker nicht mehr in Betrieb, nachdem ich ihn neu geladen hatte. Falsch geladen, wie sich dann herausstellte.
Der zweite Gartenbesuch … nun ja, ich war einer Versuchung erlegen, noch auf dem Parkplatz. Ich holte den Meterstab aus der Tasche, maß den Kofferraum aus, ging in den Markt und machte das gleiche beim Karton und stand kurz danach wieder an der Kasse. Was ich erstand zeige ich ein anderes Mal, doch der Karton passte wirklich ins Auto, trotz der allgemeinen Skepsis einiger KundInnen, die mir beim Verladen zusahen.

Die Seiten verkleidete ich mit Resten der Noppenfolie, mithilfe des wieder funktionierenden Tackers, die vom Bau des großen Hochbeets übrig geblieben waren. Den Bodenbereich deckte ich mit mehreren Lagen an unbedrucktem Karton ab, den ich vor dem Befüllen wässerte. Dadurch ist die Grasnarbe bedeckt, dass sie besser verrotten kann und Regenwürmer mögen Kartons.

Bei dieser Arbeit kamen mir noch weitere Ideen, wie ich einige der vorhandenen Beete umgestalten könnte. Mein Ziel ist nicht nur Wasser zu sparen, sondern auch die Böden zu verbessern. Im Grund strebe ich eine Mischkultur an, wie ich sie teilweise schon habe.
Damit das vertrocknete und leere Färberpflanzenbeet wieder Grün bekommt setzte ich die angewurzelten Geiztriebe einiger Tomaten – ich konnte sie einfach nicht kompostieren – zwischen die paar noch vorhandenen Waidrosetten. Mal sehen, was aus ihnen wird, denn gerade dieses Beet hat fast durchgängig den ganzen Tag Sonne und der Boden hat bisher noch keine gezielte Bearbeitung zur Verbesserung der Bodenqualität erhalten.

rechts ein Blick in das Bohnen-, Gurken- und Tomatenbeet, überschattet vom Apfelbaum

Gestern gab es zum Abendessen eine Gemüsepfanne aus der ersten Aubergine des Jahres, zusammen mit Tomaten und Zwiebeln aus der eigenen Ernte.

Ansonsten

Ohrwurm der Woche

Sommer und Reggae passen gut zusammen, oder?


Macht’s gut, bleibt gesund und bis die Tage


verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot

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