oder …

eine steinalte Textiltechnik

Meine Auswahl an geschnitzten Holznadeln ist inzwischen groß und nun wollte ich sie einsetzen, zum Nadelbinden. Diese Textiltechnik zu erlernen steht seit vielen Jahren auf meiner Liste. Verschiedene Ansätze dazu gab es und die entsprechende Literatur staube ich genauso lange in den Regalen ab. Nun wollte ich es mir selbst beweisen und es reichte tatsächlich ein einziges YouTube-Video, dass sich der Knoten in meinem Kopf löste und es zwischen meinen Fingern voran ging.

Das Prinzip des Nadelbindens ist im Grunde einfach. Es werden an einem Fadenende Schlaufen gelegt, die mit dem restlichen Faden mithilfe einer Nadel (irgendwo las ich, dass dies auch ohne geht) verschlungen werden.

ein Faden und die erste Schlinge, eine „Brezel“

In die erste Schlinge kommt ein Daumen hineingesteckt und damit kann es losgehen.

Ich habe mich für den Oslo-Stich entschieden. Benannt ist dieser Stich nach ersten archäologischen Textilfunden in der Nähe von Oslo. Im rechten oberen Bild ist die erste fertige Schlingen- und Schlaufenkombination zu sehen. Im Bild darunter und der Vergrößerung ein Teil der begonnenen ersten Reihe.

Der große Unterschied zum Stricken oder Häkeln ist, die einzelnen Schlingen sind durch Ziehen des Fadens nicht aufzuribbeln.

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass ich mit einem doppelten Faden gearbeitet habe. Das ist im Grund nicht korrekt, aber ich bekomme es einfach nicht hin das Fadenende mit dem neuen Faden miteinander zu verfilzen, verzwirbeln, verdrehen, … wie auch immer. Deshalb war mein Faden ein Doppelfaden, den ich mit einem Knoten verband. Den neuen Faden hängte ich am Ende in den auslaufenden Faden, bevor ich ihn verknotete. Keine saubere Lösung, doch an dem Verbindungsproblem war ich schon so oft gescheitert, dass ich es dieses Mal eben auf diese Art versuchte.

Ich gebe zu, bis ich an diesen Punkt gekommen bin habe ich viele Schlingen wieder aufgezogen. Eine mühsame Sache! Beim nächsten Aufribbeln eines Strickwerks werde ich nicht mehr stöhnen. Das mag zwar ärgerlich sein, doch es geht sehr viel einfacher und schneller, als ein Schlingenwerk durch Nadelbinden aufzutrennen!

Doch irgendwann, viele Schlingen später … hurra!

Die zweite Armstulpe war in wenigen Stunden fertig.
Einmal den Dreh heraus, kann die begonnene Arbeit unbesorgt beiseite gelegt werden. Es kann nichts passieren, keine Masche auf- und wegdröseln und der Daumen findet schnell wieder seinen Platz zwischen den Schlaufen.

Den ersten Einsatz hatte das Paar inzwischen im Garten und ich denke über ein zweites nach, mit Daumenöffnung.

Auf jeden Fall werde ich mich mit der Technik weiter befassen. Erste neue Ideen ploppen in meinem Kopf auf und einige der frisch abgestaubten Bücher, die sich mit Schlingen und Schlaufen befassen holte ich in die vorderen Reihen.

Nebenher ..

Küchenwerkstatt = Farbenküche

Ein Liegen- bzw. Stehenbleiber war ein Farbansatz mit Rotkohl. Den leckeren Teil habe ich im November fermentiert – Link – und den nicht zum Essen geeigneten in eine 10%ige Alaunlösung geschnitten. Abgestellt stand dieser Ansatz, obwohl im Sichtfeld, einige Wochen, irgendwie vergessen. Nun schien es mir wirklich an der Zeit den Inhalt weiterzuverarbeiten, denn mittlerweile hatte dieses Glas Zuwachs bekommen und der Platz wurde knapp.
Es war eine gute Idee das Glas mit dem Rotkohlansatz im Freien zu öffnen! Der Inhalt hatte einen Fermentationsprozess durchlaufen, bzw. war noch dabei, trotz Alaun. Kein Schimmel. Der im Rotkohl enthaltene Zucker und der Säureanteil durch das Alaun hatte eine Art Essigmutter gebildet, die ich leider in der ersten Reaktion – igitt, dieser Glibber! -unrettbar entsorgte. Filtriert roch der Farbauszug weder streng noch sonst irgendwie seltsam und zeigte sich beim Test des pH-Werts als neutral. Demnach stand nichts im Weg das Ergebnis auf Papier zu bringen.

Erste Enttäuschung, das typische Rotkohlrot war durch die Fermentation offensichtlich verloren. Nach dem Trocknen zeigten sich allerdings überraschende Effekte.

Die versuchte ich daraufhin gezielt zu erreichen.

Leider entschied ich mich irgendwann den Farbauszug einzukochen. Nach den ersten Tests auf Papier brach ich diese Versuchsreihe erst einmal ab und trauere um die entsorgte Rotkohl-Essigmutter.

Ansonsten

Ohrwurm der Woche

Bette Midler hat mich in dieser Woche immer wieder begleitet und so machte sie das Rennen, zusammen mit Mick Jagger:

Macht’s gut und bleibt gesund


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot 

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Kommentare

Ich gratuliere, dass der Knoten geplatzt ist! Um die Essig/Alaun Mutter ist es schade, aber einfach nochmal versuchen. Bei Saatgut ist es gerade noch recht einfach, standhaft zu bleiben. Das kann sich nächsten Monat ändern, aber ich habe immer wenig Platz für Vorzucht.
Bette Davis mag ich lieber hören ohne die Stones, Geschmackssache
😉
Liebe Wochenendgrüße
Nina

Ich fand vor einer halben Stunde noch ein paar Tütchen Saatgut, ordentlich aufgeräumt in einem To-Do-Ordner für Februar 2025. Jetzt müsste das Thema aber wirklich abgeschlossen sein!
Platz für Voranzucht habe ich in meiner Wohnung minimal, vor allem sobald die Keimlinge einen größeren Topf benötigen. Auch deshalb suche ich nach Lösungen und das Thema Frühbeet-Aufsatz ist noch nicht vom Tisch.
Jetzt bin ich erst einmal an einer Nachlasskiste der Eltern zugange.
Viele liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Karin

Also einen Schimmer von ner Ahnung hab ich jetzt, aber mehr auch noch nicht. Dafür an der Wand der Freundschaft ein schönes Rotkohl-Aquarell!-
Bette Midler war mal lange, lange ein Lieblingssängerin…
Es grüßt dich herzlich
Astrid

Ich werde den Schimmer im Laufe der Zeit erweitern. Aktuell kümmere ich mich um den Inhalt einer Bilderkiste aus dem Elternnachlass, mit dem Ziel bis Ende Januar wenigstens um eine Box erleichtert zu sein.
Es freut mich, dass das Versuchswerk aus meiner Farbenwerkstatt so einen schönen Platz bei dir gefunden hat. Es wird sich wahrscheinlich weiter verändern, wie sich Pflanzenfarben eben verhalten.
Musikgeschmack verändert sich, doch irgendwie komme ich immer wieder zu „bitte auch laut“ zurück.
Viele liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Karin

Hallo Karin,
das Essen sieht aber sehr lecker aus. Bei uns gibt es aus dem letzten Jahr nur noch ein paar schrumpelige Äpfel. Ich freue mich schon sehr auf die neue Gartensaison.
Hab eine wunderbare Woche
LG
Yvonne

Auf die kommende Gartensaison freue ich mich ebenfalls.
Die Augustäpfel, die ich im Garten habe, eignen sich nicht zum Lagern. Lageräpfel hole ich mir bei einer Freundin. Dafür steht noch Lauch und einge Rosenkohlköpfchen können geerntet werden. Leider hat sich der Zuckerhut nicht so gut entwickelt, wie im vergangenen Winter. Doch ich will nicht klagen. Es hat sich reichlich Ackersalat selbst ausgesät.
Viele Grüße
Karin

Schon so oft hat es mir geholfen ein Filmchen anzuschauen, wenn ich etwas lernen wollte. Weil mit geschriebenen Anleitungen habe ich so meine Mühe. Deine Stulpen sind toll geworden und sind sicher noch lange wärmende Helfer im Garten.
L G Pia

Ich mag meist gute Zeichnungen und Fotos lieber, da sie vor mir liegen und ich muss sie nicht pausieren um dran zu bleiben. Bei dieser Technik war es tatsächlich dann eine bestimmte Bewegung, die durch ein Bild, selbst mit Text, nicht stimmig erklärt werden konnte.
Das Stulpenpaar fühlen sich fast wie eine kleine Trophäe an, wenn ich sie anziehe. ☺️
Liebe Grüße
Karin

wie schön dass der Knoten geplatzt ist ..
und deine Sämereien zueinander gefunden haben
die Stulpen sehen sehr gut aus und waren jetzt ja immer noch gut zu brauchen..
dein Rotkohlversuch war wieder interessant
auch wenn er sicht so geklappt hat
nicht alles gelingt
aber selbt Fehler sind oft gar nicht „verkehrt“ 😉
liebe Grüße
Rosi

Es fand sich vergangene Woche noch einmal Saatgut an, allerdings bin ich mir jetzt wirklich sicher, dass es damit nun fertig sein wird.
Fehler sind wichtig, denn so wächst die Erkenntnis und es öffnen sich neue Wege.
Komme gut durch diese Woche,
mit lieben Grüßen
Karin

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