oder …

2020 #38 – Maske auf!

Baden-Württemberg war das letzte Bundesland, das nach den Sommerferien ins neue Schuljahr startete. Eigentlich hätte man davon ausgehen können, dass aus den Vorläufen der anderen Bundesländer ein optimiertes Modell für Unterricht, mit dem Bewusstsein eines gemeinen Virus um uns herum, parat stände.
Hätten Mann, Frau, Kind und Kegel gerne gehabt.

Trotzdem lief die erste Schulwoche tatsächlich sehr geregelt und diszipliniert, zumindest an dem Schulkomplex, wo ich unterrichte.

Wir schützen uns und andere und tragen Mund-Nasen-Schutz auf dem gesamten Schulgelände, außer im Klassenzimmer – die Ausnahme gilt für Sport.

Unklar war, wie die Bestimmungen vom Kultusministerium für das Lehrerzimmer auszulegen sind. Ist es eine Begegnungsfläche oder nicht?
Mein empfundenes Unwohlsein bei der ersten Konferenz vor Schuljahresbeginn teilten wohl etliche andere KollegInnen und Kollegien in Ba-Wü, die dementsprechend bei den Schulämtern um Klärung nachfragten.
In der Tagespresse am Wochenende konnte dann herausgelesen werden, was die Schulen dann am Montag per Email dann offiziell in der Hand hatten:

Lehrerzimmer sind Begegnungsflächen, also Maskenpflicht!

Auf jeden Fall war ich in dieser Woche wieder präsent in Dienst, mit vollem FachlehrerInnenauftrag minus meiner einen Altersanrechnungsstunde im 43. Dienstjahr.

In der gelebten Praxis ergaben sich Schwachstellen in Sachen Lüften, Desinfizieren, Einhalten der Hygieneregeln. Bei einem Waschbecken im Klassenzimmer, das am entferntestem Ende/Winkel gelegen ist – der neue Seifenspender, der nicht funktionierte … . Bis alle Kinder quer durch den Raum gelaufen waren um sich sich die Hände zu waschen dauerte es, lange.

Ich schwimme noch in den von oben vorgegeben Regeln. Einerseits sollen Klassenverbände und Jahrgangsstufen und Gruppenverbände, Kohorten – mir stehen die Haare zu Berge bei diesem Begriff! – unter sich bleiben, damit sie im Klassenzimmer die Maske abnehmen dürfen, aber was ist mit mir, als Fachlehrerin? Ich wandere doch von Klasse zu Klasse, beziehungsweise habe in meinen Fachräumen unterschiedliche Klassen und Gruppen. Zudem unterrichten noch andere KollegInnen in den Fachräumen, mit anderen SchülerInnen.
Da war sie wieder, die Erinnerung an eine Aussage aus einem Interview mit der Kultusministerin Schleswig-Holsteins „… es ging (…am Anfang des Lockdowns) nie um den Individualschutz, sondern um die Eindämmung der Pandemie.“ Mich hatte dieser Satz so betroffen gemacht, dass er hängen blieb.
Freitag, als ich den Kunstraum verließ hätte ich genau genommen den Raum lüften müssen und die Tische abwischen sollen. Dafür blieb mir allerdings keine Zeit, denn die nächste Klasse wartete in einem anderen Schulbereich. Inzwischen habe ich dafür eine Lösung gefunden und dabei ein weiteres aufgedeckt, das ich nächste Woche klären werde.

Insgesamt war das Einhalten der Maskenpflicht nicht das große Problem. Pro Tag stellt das Land jeder Lehrkraft drei Einwegmasken zur Verfügung, obwohl sehr viele ihre eigenen Stoffteilchen tragen. Auf diese Art bleiben welche für die SchülerInnen übrig. Mein Blick auf die Kartons ging nicht auf die deutschen Aufkleber, er blieb auf dem Hersteller hängen, Lily Underwear, und dem Herkunftsland. Diese Firma prouziert in guten Tagen Bademode und Unterwäsche, zum Beispiel für ein Kaffeeunternehmen und ein bekanntes schwedisches Textilunternehmen – ja, zu solchen Recherchen hatte ich dann doch Zeit. 😉

Stillleben im Lehrerzimmer

Diesen Teil verfasste ich umhaucht von „zartem“ Dungaroma. Arrgh! Einer der Stadtrandbauern hat seine Jauche mal wieder großzügig bei Einbruch der Dunkelheit verteilt. YUCK!

Angeschaut. Gelesen. Gehört.

Wenig.
Mir fehlte einfach die Zeit und die Muße mich mit Zeitungen und Magazinen zu beschäftigen. Schade. Ich vermisse diese Beschäftigung.

Gefreut hatte ich mich über die Besserung des Gesundheitszustands von Alexej Nawalny. Ich möchte nicht in der Haut derjenigen sein, die hinter der Vergiftung stecken, denn so ein Mist aber auch. Da ging ein Regimekritiker nicht so von dannen, wie geplant. Trotz Abwarten und Tee trinken, falsch: Tee Wasser trinken und abwarten, schaffte es dieser Mann noch lebend zur Behandlung ins Ausland, aber erst nachdem die russischen Ärzte kein Gift in seinem Körper gefunden haben wollten (Link – letzter Absatz). Bloß blöd, ließ sich doch, in der Berliner Charité, trotz der Verzögerung in Russlands Weiten, ein Gift in ihm nachweisen, das es eben nicht so unter dem Ladentisch gibt. Auch nicht in Russland!
Ein Kommentar – Nawalny-Vergiftung: Das System Putin ist ein todbringendes System – aus dem Deutschlandfunk, vom 02.09.2020.
Noch blöder, dieser Mensch wacht auf, denkend!
Ein Artikel – Beteiligung an Ermittlungen : Nawalnyjs Stab wehrt sich gegen Pläne Moskaus, der FAZ vom 11.09.2020.
Ein Beitrag – Nawalny meldet sich aus Charité: „Ich konnte eigenständig atmen“ – der ARD Tagesschau, vom 15.09.2020.

Berichte aus und über Belarus scheint es immer weniger zu geben, gibt es jedoch, zum Beispiel diesen Artikel – Oppositionelle in Belarus: Anklage gegen Kolesnikowa erhoben – der ARD Tagesschau vom 16.09.2020, und diesen Beitrag – Stuttgarter Künstler unterstützen Kolesnikowa – von DW, Deutsche Welle, vom 18.09.2020

Im Ohr hängen blieb mir ein Lied von Arlo Parks, einer Sängerin aus Londons Süden:

Auf meinem Arbeitstisch liegen die ungelesenen Zeitungen, eine, seit Donnerstag, aufgeschlagen auf Seite 8.

Das Strickzeug staubt ein und ich werde es vorerst wegpacken. Es darf der angefangenen Strickjacke Gesellschaft leisten. Die Rohwolle ist schon sicher verwahrt, den letzten Rest kämme ich heute. So lange es draußen warm ist lässt sich das wunderbar im Freien machen.

Die Eierschalen sind verarbeitet. Leider ist das Ergebnis nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Pinterest eben. Hübsche Bilder, eigene Ergebnisse häufig nicht. Einen Versuch mache ich noch, Sonntag, dann werde ich sehen, ob es wert für einen Blogpost ist.

Mein Fazit zum Wochenende – ich bin müde! Mein Biorhythmus ist völlig durcheinander. So schön die gemeinsamen Momente mit meinen neuen schwierigen Jungs im Schulgarten waren, ich möchte zurück in meine Blase der letzten Monate.

Macht’s gut und bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot.


Nachtrag
Das riesige Stickwerk zur Njalssaga ist fertig, die letzten Meter aufgewickelt! 2013 und 2015 stickte ich mit und in meiner Planung für die Islandreise 2020 war eine weitere Teilnahme Anfang September vorgesehen. ;-( Schade! Verpasst.) Nun hoffe ich beim nächsten Mal die vielen laufenden Meter Stickerei ausgerollt sehen zu können. Darauf freue ich mich!

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Kommentare

Hui! Das ist ja mal ein heftiger Anfang.
Ich hoffe sehr, es spielt sich etwas ein. NRW hat schon ein wenig Übung, sicher läuft nicht alles rund, aber der Sohn kommt gut klar. Die einzelnen Etagen starten zu unterschiedlichen Zeiten, was manchmal zu kl Verkürzung der Schulzeit führt. Auch draussen gibt es zugeteilten Bereiche. Aber natürlich kenn ich nur die Seite des (schon älteren) Schülers und dass es größere sind, spielt sicher auch eine Rolle.
Hoffe Du nimmst Dir ganz bald ein wenig Zeit für Dich, dass ist durchaus nötig!
Ich habe leider nicht ganz verstanden, was Du mit den Eierschale gemacht hast oder was sie bezwecken selten. Bei mir landen die teils mit im Kompost, was ganz gut für die etwas saurer Erde ist bzw ein Ausgleich zum Kaffee Prütt, (auch wenn es nicht so schön aussieht, wenn ich die Kompost Erde verteile)
Hab ein erholsames Wochenende und liebe Grüße
Nina

Eierschalen landen bei mir ebenso eher im Kompost oder in den Beeten. Nachdem ich auf Pinterest eine andere Verwertung im künstlerischen Bereich gesehen hatte, musste ich das ausprobieren. Ich werde berichten.
Liebe Grüße,
Karin

Das klingt etwas erschöpft, Schulanfangsblues, verstärkt durch unsichere Verhältnisse während einer Pandemie, das potenziert.
Was die Hygienebedingungen anbelangt, war das bei den Schulöffnungen mein erster Gedanke ( meine vorletzte Schule bot EIN Waschbecken am Ende des Flurs für sechs Klassen, erprobt während eines Schweinegrippenausbruchs ). Dann das Lüften: In meiner ersten Schule konnte man die Schiebefenster nicht mehr öffnen, nur kippen. Ich weiß nicht, ob die inzwischen die Schlüssel gefunden oder gar die Firma aus der Schweiz beordert haben.
Ich habe seinerzeit ach keine Kraft & Lust für nichts und niemand gehabt. Das kommt hoffentlich wieder, denn sonst geht das weiter an die Substanz. Deine Sehnsüchte nach Island oder der Blase – nachvollziehbar!
Ich denk an dich!
Alles Liebe!
Astrid

Danke!
Richtig fit bin ich nach dem Wochenende nicht, doch irgendwie wird es weiter gehen.
Bei der Erwähnung der Fenster konnte ich mir trotz allem Ernst das Schmunzeln nicht verkneifen. Ich erinnerte mich an eine Zeit, als alle Kippfenster wegen Sturzgefahr in einer Schule eine Sperre eingebaut bekamen und manche sogar zugeschraubt wurden. Ich erinnere mich auch an Klassenzimmer, die fensterlos in Innenbereichen von Schulgebäuden lagen. In solch einem gab ich mit einer Kollegin einmal zwei volle Tage eine Fortbildung, im Hochsommer! Dagegen geht es mir in meinen Räumen richtig gut!
Viele liebe Grüße,
Karin

Durchhalten! Ich fand hier in Niedersachsen die ersten zwei Wochen nach Schulanfang sehr heftig, aber mittlerweile hat sich eine Routine herausgebildet. Und bisher sind wir sehr glimpflich durchgekommen. An unserer Schule (1500 Schüler / 150 Lehrkräfte) gibt es zwar jeden Tag Verdachtsfälle, aber bisher keinen Positivbefund. Ich mache es übrigens so, dass ich Maske trage, sobald ich den Mindestabstand zu Schülern nicht einhalten kann. Trotzdem werden wohl alle SuS die ich unterrichte in Quarantäne müssen, falls ich mich irgendwo anstecke. Toll finde ich, dass ihr Masken gestellt bekommt, da müssen wir uns hier leider selbst kümmern.
Halte durch, es wird bestimmt besser!

Genau so hielt ich es mit der Maske auch. Wollten Schüler direkte Unterstützung zogen wir unsere Masken hoch. Eine meiner Einwegteile war in Nasenhöhe außen ziemlich filzig aufgerauht vom hochziehen nach dieser Doppelstunde 😉
Mir und meinen SchülerInnen wird es wohl ebenso gehen, wie du es schilderst, denn wenn ich mich anstecke bin ich Großverteilerin. Kein guter Gedanke. Gepaart mit der Erinnerung an meine letzte Lungenentzündung bin ich die Mutter der Vorsicht.
Liebe Grüße,
Karin

Da bekommt man mit etwas Vorstellungsvermögen ja schon beim Lesen Depressionen… Ich hoffe, dass Du die Räumlichkeiten und die dunklen Gedanken durchlüften kannst. Da muss frische Luft und Licht rein.
Dabei stehen wir erst am Anfang der kalten Jahreszeit, die uns nach drinnen treiben wird.
Liebe Grüße
Andrea

Depressionen habe ich zum Glück gerade keine, Sorgen und Bedenken schon. Mit einer Kollegin bin ich gestern rauf und runter durch die Corona-Regeln für fachpraktischen Unterricht gegangen und die erste kommende Prüfung für die neuen Wahlpflichtfächer. Da kann noch nicht das letzte Wort gesprochen worden sein.
Und heute stelle ich fest, es schleifen sich schon die ersten Unsitten ein. So viel „Maske auf“, „Abstand bitte“ musste ich einfordern, wie die gesamte letzte Woche. Schade!
Viele Grüße,
Karin

Da höre ich aus deinen Schilderungen die Worte meiner Tochter heraus, die ebenso in der letzten Woche wieder begonnen hat, zu unterrichten. Sie war zuvor freigestellt und „darf“ nun wieder arbeiten. Aber sie wollte auch wieder arbeiten! Und sie betritt das Lehrerzimmer nach Möglichkeit nicht. Hat dafür keine Kontakte…
Wünsche dir ein gutes Durchhalten!
Liebe Grüße
Ingrid

Danke.
Ich unterrichte in so vielen verschiedenen Klassen, da machen dann die KollegInnen im Lehrerzimmer auch nichts mehr aus. Dort wird zumindest Maske getragen.
Wohl ist mir dabei trotzdem nicht. Dir und Deiner Tochter alles Gute, mit vielen Grüßen,
Karin

Liebe Karin,
auch ich habe diese Woche meine Pandemie- und Masken-Erlebnisse mal im Blog zusammengefasst. Ich hoffe, Ihr bleibt kreativ und findet weiter pragmatische Lösungen. Bleibt vor allem gesund und fröhlich!
Liebe Grüße
Miriam

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