Mit Farbe ins neue Jahr 2017

oder …

Naturfarben aus Pflanzen #1

Schon einmal Rotwein auf einen hellen Teppich oder auf das Sofa verschüttet? Macht richtig gute Flecken und die klappen auch mit rotem Traubensaft, wenn man auf scheckige Polstermöbel steht.

Mich fasziniert auch die Farbe des Suds der beim Kochen von Artischocken entsteht. Leider hat sich dieser tolle grüne Farbton bis jetzt nie auf Papier übertragen lassen, auch nicht auf die Wollfasern, die ich darin ziehen ließ.

Meine Finger waren nach dem letzten selbstgemachten Curry noch über Tage knallgelb, da ich ohne Handschuhe ein Stück selbst geriebene frische Gelbwurzel verarbeitet hatte.

Die Natur bietet so viele tolle Farben, selbst jetzt im Winter ohne sommerliche Blütenpracht, was ich in diesen freien Tagen ausleben möchte. Mein Ziel ist ein paar Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

  • Ausmisten meiner Wollfärbekisten von anno lang ist’s her
  • Aufarbeiten einiger Mitschriebe von Vorträgen aus dem vergangenen Jahr, z.B. auch den von Peter Reichenbach, Gründer von sevengardens, der mich im Juni auf der Landesgartenschau in Öhringen begeistert hat
  • Planung der Bepflanzung eines Beets mit Färberpflanzen im Schulgarten
  • Vorbereitung eines Unterrichtsprojekts ‚Herstellen und Malen mit Pflanzenfarben‘

Ich gab mir dafür, da ich ja auf Erfahrungen aufbauen konnte, einen Tag. Ha! Ich bin inzwischen bei Tag 3, immer noch nicht fertig, geschweige denn mit irgendeiner Dokumentation, noch verwendbaren Arbeitsblättern. Die Küche gleicht einem Schlachtfeld und auf jeder freien Fläche trocknet irgendein Versuchsergebnis.

Erstes Fazit:

Farben aus Pflanzen herzustellen ist zwar unter Umständen eine Sauerei, aber es macht richtig Spaß!

 

Zwei Wege um an die Pflanzenfarben zu kommen

Weg 1 – kalt mit Muskelkraft

Wurzeln und Kohl werden am besten mit einer Kartoffelreibe geraspelt bevor sie in in einem Stein- oder Porzellanmörser mit etwas Wasser und Sand weiter zerrieben werden. Der Sand dient als Hilfsmittel um die Zellwände leichter zu öffnen. Blätter, Gräser, auch Blüten (sofern es welche gibt) schneide ich mit einem Messer klein, zerkleinere sie weiter mit einem Wiegemesser auf einem Brett möglichst fein, bevor ich sie in den Mörser gebe. Saftige Beeren gebe ich gleich in den Mörser.

Weg 2 – warm im Topf

Blätter, Früchte, Wurzeln, Stengel, Rinde, usw. können auch kleingeschnitten in Wasser ausgekocht werden. Bei vielen Pflanzen reicht eine kurze Kochzeit von ca. 10 Minuten, andere brauchen länger, oder noch eine Ruhezeit, bis sie ihre Farbstoffe frei geben.

Den entstandenen Sud siebe ich bei beiden Wegen zuerst durch ein feines Haarsieb und danach durch einen Teefilter aus Papier.

Ab und an, oder eher ziemlich häufig, ist die Farbe auf dem Filterpapier erfreulicher und intensiver, als die im Glas aufgefangene. Deshalb sammle ich die getrockneten Filtertüten (so viel zum Thema ‚Haushalt optimieren/reduzieren!‘) um sie später einmal in einer Collage verarbeiten zu können, vielleicht. 😉

Die filtrierten Pflanzensäfte fülle ich in durchnummerierte Gläser ab, wenn ich parallel dazu ein Herstellungsprotokoll führe. Auf jeden Fall müssen die Gläser beschriftet werden, da sich viele Pflanzenfarben über die Tage verändern und man sich nicht mehr erinnert was in welchem Glas abgefüllt ist. Länger als eine Woche halten sich die Farben, selbst im Kühlschrank aufbewahrt, leider nicht.

 

In diesen Farben stecken tatsächlich nur Wasser und das was an sekundären Pflanzenstoffen farblich in einem Kühlschrank, Vorratsschrank oder im Garten drin steckt – Rotkohl, Spinat, rote Beete, Gelbwurz, Möhre, Artischocke, Heidelbeeren, Mahonienbeeren.

 

Wenn mit diesen flüssigen Farben gemalt werden soll ist die Qualität des Papiers entscheidend für ein ansprechendes Ergebnis. Normales Zeichenpapier oder Druckerpapier kann verwendet werden, aber ich empfehle Aquarellpapier.

Manche Farbe entwickelte ihre Farbwirkung erst nach dem Trocknen auf dem Papier, andere veränderten ihre Farbe schon beim Auftragen oder verblassten nach dem Trocknen. Da ich davon ausgehe, dass die eine oder andere Farbe nicht lichtecht sein wird sind zwei Farbmusterkarten entstanden. Die untere Farbpalette liegt im vollen Tageslicht, die obere bleibt abgedeckt im Block. Schon nach einem Tag sind leichte Veränderungen zu erkennen.

Interessant fand ich die Versuche mit diesen Farben zu malen. Wie schon erwähnt verändern sich manche Farben, ein Umstand der in der Regel beim Malen nicht erwünscht ist. Ich war dann doch positiv überrascht und fand den Überraschungsfaktor richtig gut. Was absolut NICHT funktioniert ist das Mischen der flüssigen Farben! Da kann gleich Abwaschwasser auf das Papier gebracht werden. Aber Farbe auftragen, trocknen lassen, andere Farbe auftupfen oder als Akzent auftragen funktioniert.

Chewbacca als Bildwächter

 

Fortsetzung folgt.

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