oder …
Einen Topf Farbmaterial optimal ausgenutzt
Auf meinem Balkon steht seit Jahren ein kleiner Olivenbaum, der leider nach dem vergangenem Winter nur noch trockenes, braunes Laub hatte. Was tun? Ich entschied mich ihn zu verwerten:
- das Holz vom Stämmchen zum Schnitzen zu verwenden
- das Laub im Topf zum Färben von Wolle zu nutzen – darüber hatte ich vor Wochen einen Instagram-Beitrag gesehen und eine Freundin ebenfalls, die gerade ihren Baum schnitt
Es liegt immer etwas Wolle in einem Kaltalaunbad zum Beizen, und aus diesem Eimer holte ich ein paar Stränge, die für die kleine Menge an Olivenblättern reichte: 10g Wolle auf 30g Blätter.
Die Skepsis wich nach einer Stunde auf dem Herd. Mit jeder halben Stunde mehr intensivierte sich ein gelbgoldener Farbton.

Nach zwei Stunden schaltete ich den Herd ab. Die Wolle ließ ich im Farbsud auskühlen.

In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um das Olivenbäumchen. Es sollte etwas transportabler geschnitten werden und das große Stück wollte ich gleich zu Nadeln schnitzen. Schon beim ersten Schnitt war ich verblüfft und beim zweiten noch mehr. Ich schnitt in grünes Holz!
Also kam der Baum wieder in den Topf, mit etwas frischer Erde und Wasser. Mal sehen ob aus ihm wieder etwas wird.
So lief das restliche Wasser aus der Wolle als eine Art Bewässerung auf das Bäumchen.

Der Farbsud schien mir intensiv genug zu sein, um daraus noch ein paar Pigmente zu ziehen. Deren Herstellung steckt meist voller Überraschungen. Der filtrierte „Pudding“ sah hier nicht so vielversprechend aus. Aber erst einmal abwarten.

Doch es war wie ein kontinuierliches Verblassen, was sich auf dem Filtertuch und später im Mörser zeigte.

Die Ausbeute an Pigmenten sieht immer etwas spärlich aus, doch ich bin zufrieden. Auch das Vermalen der Reste aus dem Mörser mit geklärtem Eiweiß sah ganz ansprechend aus.

Damit ist das Projekt „Farbe aus Olivenblättern“ vorerst abgeschlossen, beinahe. Eins fehlt noch.

Ansonsten
- die Brennnesselfasern mussten etwas ruhen, inzwischen geht es wieder voran – alles Rohmaterial ist verarbeitet und es gibt nur noch eine Brennnessel-Musterbox
- bei der Freundin ihre Olivenblatternte abgeholt und gleich noch einen Beutel knapp gerösteter Hanffasern, wie sie zur Papierherstellung verwendet werden, zum Mitnehmen bekommen
- ich konnte es nicht lassen und begann sofort das Fasermaterial zu verdrehen und startete ein kleines, neues Nebenprojekt, das vom Arbeitsaufwand Potential zu etwas Größerem bietet
- kleine Freuden gemacht, beim Verschenken von Erdbeeren und Gartenutensilien
- den Mai abgeschlossen und im Plan geblieben, dass weiter jeden Tag sortiert und aussortiert wurde

- das T-Shirt-Strickwerk ist fertig, endlich! Ich trage normalerweise Größe L, doch dieses Shirt arbeitete ich nach einigem Aufribbeln in Größe S, das immer noch locker um mich herumhängt, trotz Verwendung des angegebenen Garns, der richtigen Stricknadeln und Strickprobe. Als nächstes stricke ich wieder Socken!
- Gartenzeit entfiel die vergangenen Tage, windig, zu kalt und gerade genug Regen, dass ich nicht gießen gehen musste. Ich machte mich nur zur Kontrolle auf den Weg in die Anlage und zum Pflücken der reifenden Erdbeeren …
… und ich bepflanzte endlich den im Frühjahr 2025 gebundenen Korb – Link

- kalt gerührte Erdbeermarmelade ausprobiert und eine Probe ins Tiefkühlgerät geschoben. Wenn das funktioniert, gibt es eine weitere Portion aus der Ernte
- …
Ohrwurm der Woche
Macht’s gut, bleibt gesund und bis die Tage

Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot
Kommentare
Die goldgelbe Farbe ist wunderschön. Hoffentlich überlebt dein Olivenbaum. Liebe Grüsse von Regula
Das Olivenbäumchen steht nun neben dem Überlebenskünstler im Garten – an ihm kann es sich ein Beispiel nehmen. 😊
Das Färbeergebnis gefällt mir ebenfalls, das ich gerne wiederholen möchte, so ich Blätter habe.
Viele Grüße und schönen Sonntag
Karin
Wie spannend, dass sich aus etwas so Alltäglichem wie Olivenblättern solch schöne Farbtöne gewinnen lassen! Besonders gefällt mir an deinem Beitrag die sorgfältige Dokumentation der einzelnen Schritte und Ergebnisse. Gerade bei Pflanzenfarben sind die feinen Unterschiede und Überraschungen oft das Interessanteste. Danke auch für die Inspiration, einen Blick auf Materialien zu werfen, die sonst meist auf dem Kompost landen würden. Ich bin neugierig, wie lichtecht und waschbeständig sich die Farbe langfristig verhält. Auf jeden Fall ein weiterer Beweis dafür, wie viel kreatives Potenzial in Pflanzen steckt. Vielen Dank fürs Teilen deiner Erfahrungen!
Liebe Grüße Annette
Danke, Annette.
Ein paar Details habe ich in meinem Beitrag weggelassen. Um die Pigmente aus dem Farbsud zu bekommen muss ich mit Chemikalien arbeiten. Damit binde ich die farbgebenden Pflanzeninhaltsstoffe im sauren Milieu an ein Metallsalz, das ich durch Neutralisation ausfällen kann. Das ist eine Wissenschaft für sich und ich lerne noch.
Bei der gefärbten Wolle gehe ich davon aus, dass sie waschecht ist – nach dem Färben wird die Wolle gespült, bis das Wasser klar ist. Bei der Lichtechtheit bin ich entspannt und warte ab.
Liebe Grüße
Karin
Die Schwiegermutter macht gern ein paar Gläser kaltgerührte Marmelade, die nur schnell verbraucht werden muss.
Das mit den Olivenblättern als Farbe finde ich ja unglaublich. Und was für eine Farbe!
Und dem Bäumchen drücke ich die Daumen! Auf neues Ergrünen.
Immerhin auch bei Dir etwas Regen fürs Grün.
Das Shirt sieht gut aus.
☺️
Liebe Grüße und schönes Wochenende
Nina
Kalt gerührte Erdbeermarmelade hält in Kühlschrank zwei Wochen, laut meinem Rezept. Deshalb habe ich nun eine Portion eingefroren und würde mich freuen, dass sie, aufgetaut, immer noch lecker ist.
Das Färben mit Olivenblättern hatte meine Freundin und mich sehr neugierig gemacht, nachdem wir das auf Instagram gesehen hatten. Dass das Ergebnis wirklich so ausfiel, wie gesehen, fanden wir klasse!
Jetzt muss das Olivenbäumchen wieder grünen und wachsen. Es wird gebraucht! 😊
Viele liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Karin
Als ich vorhin Wedel meiner Dattelpalme auf der Terrasse abgeschnitten habe ( sie hat sich da selbst ausgesäet ), habe ich noch gedacht, „Was würde Karin damit anfangen?“- Das gelbe Pigment der Olive gefällt mir sehr viel mehr als die Farbe, die man sonst so oliv nennt.
Bon week-end!
Astrid
Was ich mit den Palmenwedeln angefangen hätte? 😂 Auf jeden Fall wären sie kein Fall für den Häckselplatz oder die Grünschnittabfuhr. Sie würden, wenn keine Spontanidee im Hirn aufpupsen würde, erst einmal getrocknet werden.
Das Goldgelb, oder Messinggelb auf der Färbeprobe hat mir auch sehr gefallen, dass die Blätter von der Freundin auch noch mit Wolle im Topf landen werden. Doch in dem kühlt erst einmal ein anderer Pflanzensud ab, den ich heute geköchelt habe.
Einen schönen Sonntag und viele liebe Grüße
Karin
ich hätte nicht gedacht, dass olivenblätter ein so schönes gelb ergeben. wieder mal toll von dir, dass du noch weitergemacht hast und die pigmente herausgelöst hast. auch ein schöner sanfter gelbton!
deinen bepflanzten korb finde ich auch ganz toll – die schneckenhäuser gefallen mir besonders daran.
kaltgerührte erdbeermarmelade ist etwas besonders köstliches. mal sehen, ob ich es in dieser erdbeersaison auch schaffe. gestern duftete hier die ganze wohnung erstmal nach holundergelee :)!
liebe grüße von mano
Die Grundregel beim Färben von Textilien mit Pflanzen: Im Zweifelsfall gibt es ein Gelb.
Gelbtöne gibt es glücklicherweise viele und dieser, aus den Olivenblättern, ist ein besonders schöner.
Trotz Verschenken, und im Frühstücksmüsli verwendet, sammeln sich die gepflückten Erdbeeren im Gemüsefach meines Kühlschranks. Montag entscheide ich was es daraus gibt.
Mein mit Schneckenhäusern dekorierter Pflanzkorb macht mir jeden Tag Freude, wenn ich ans Hochbeet komme.
Holunderblüten habe ich für Tee und zum Fermentieren von Gemüse getrocknet. Wenn ich das Glas öffne, in dem die Blüten aufbewahrt werden, duftet es auch herrlich.
Einen guten Start und die neue Woche, mit vielen lieben Grüßen
Karin
Liebe Karin,
die gelbe Farbe aus den Olivenblättern ist wunderschön! Ich bin beeindruckt. Wir haben auch ein Olivenbäumchen ;-).
Ich bin derzeit ebenso beim Sortieren und Entsorgen. An die Straße stellen hat bei uns leider wenig Sinn, da wir in einer kleinen Sackgasse wohnen. Schön, dass du da mit einem Gegenstand so große Freude bereiten konntest.
Hab eine gute neue Woche!
Liebe Grüße
Ingrid
Tatsächlich habe ich nur noch einen Strunk an Olivenbäumchen und ganz viel Hoffnung, dass es wieder Blätter bekommt.
Zumindest haben seine Blätter noch diese schöne Farbe beschert, mit der ich selbst nicht gerechnet hatte.
Zuhause stelle ich nichts an die Straße, das würde nur Ärger machen.
Am Kleingarten ist zwar kein Durchgangsverkehr, aber eben die Zufahrt zu den beiden Gartenanlagen. Steht dort etwas gärtnerisch Nutzbares kommt das meist weg.
Komme gut in die neue Woche, mit vielen lieben Grüßen
Karin