oder …

2020 #10 – Ich brauche etwas positives!

Irgendwie habe ich die Faxen dicke!

Mein einer Lieblingsmensch muss weiterhin im Krankenhaus bleiben, um den irgendwie irgendwo irgendwann eingefangenen Bakterienstamm auszuschalten.

Bei mir zuhause lauert eine andere Bakterie in den Wasserleitungen. Jeden Morgen lasse ich, auf Anweisung, Minuten lang Wasser aus allen Leitungen auf heißester Stufe laufen, bevor mein Tag beginnt.

In der Schule fühlte ich mich verpflichtet allzeit bereit zu sein Schülerfragen zum neuen Coronavirus beantworten zu können. Dazu kamen täglich auch Informationen vom Schulamt, weshalb ich meine SchülerInnen nicht mit Handschlag und nur mit den guten, oder zum Anstreben motivierenden Worten ins Wochenende entließ. Das war richtig schwierig! Ohne Handkontakt und „Schau mir in die Augen Kleine/r“ gab es fast kein inne halten und zuhören. Schade!

Nun wurde auch noch eine befreundete Kollegin, nach vier Schultagen wie gelebtem Alltag, unter häusliche Quarantäne gestellt, weil sie, wie andere KollegInnen und SchülerInnen, in den Faschingsferien in Südtirol zum Skifahren gewesen war.

Nebenbei grassiert die saisonale Grippe, gegen die man sich hat impfen lassen können, der ganz normale Schnupfen und, da Hasel und Erle den Frühling fühlen, das allergische Übel.

Super! Vollbad im Getümmel von Streptokokken, Legionellen, Staphylokokken, einer Ansammlung an Viren – Influenza- und Rhinoviren, Sars-CoV-2 eventuell im Dunstkreis – und Pollen.

Ich bin es leid bei meinen normalen Einkäufen vor leeren Regalflächen zu stehen, oder in der Warteschlange an der Kasse, weil darüber diskutiert werden muss, wie viel Dosen Bohneneintopf pro Kunde, Wasser in Paletten, Mehl und Zucker, Reis und Nudeln, Seife kistenweise denn gekauft werden dürfen. Letzteres besorgte unsere Schulsekretärin tatsächlich in Kartons, damit jeder Unterrichtsraum Seife an den Waschbecken stehen hat. Ich fand die vor vielen Jahren eingeführten Spar- und Hygienemaßnahmen der Stadt von Anfang an krass. Dass die Stoffhandtücher spätestens am zweiten Tag eklig waren muss nicht diskutiert werden. Aber mit dem Wegfall der Handtücher an den Waschbecken in den Klassenzimmern fiel auch die Seife weg. Handtuchspender für Papierhandtücher als Alternative wurden nur in den Fachräumen montiert. Deshalb zwackte ich in den vielen Jahren als Klassenlehrerin immer Papierhandtücher für das Klassenzimmer aus den Technikräumen ab und besorgte aus dem Pfand-Geld von liegen gebliebenen Flaschen und Dosen in der Klasse neben Taschentüchern, Tintenpatronen, usw. Seife zum Hände waschen, allein schon um dem Tourismus in die Toiletten zur Handhygiene etwas einzugrenzen.

Bei meinen Samstagseinkäufen auf dem Markt war eine gewisse Vorsicht spürbar, aber der Tenor unter den anwesenden Kunden: „Schlimmer als die Pandemie ist die Hysterie“. Weitere Themen, der Austausch der neuesten Verschwörungstheorien und im benachbarten Drogeriemarkt war das Toilettenpapier schon wieder ausverkauft.

Auf meiner Einkaufsliste stand noch Weizenmehl, was ich nicht in meinem Haushalt habe, aber benötige, denn ich möchte für meine beiden ersten Lieblingsmenschen einen Lieblingskuchen backen. Im wirklich großen Supermarkt stand ich vor fast leeren Regalen. Vom Roggenvollkorn gab es noch ein paar wenige Tüten. Eine Tüte dunkles Dinkelvollkorn stand verloren in einer Ecke. Locker verteilt standen übersichtlich zwei Tüten Maismehl, drei Tüten Buchweizenmehl und dann noch jeweils zwei Tüten von ZWEI Sorten Spätzlemehl, ansonsten gähnende Leere! Bei Zucker sah es auch nicht besser aus. Trockenhefe gibt es hier seit einer Woche nicht mehr.

Ich habe so die Faxen dicke!
Und weil mir dieser Ausspruch so gar nicht aus dem Kopf gehen will recherchierte ich spaßeshalber mal nach seiner Herkunft 😀 und wurde beim hiesigen Radiosender fündig – Link.

Im Ernst, es gibt doch noch andere wichtige, für die Zukunft Sorgen machende, Themen!
Hallo, wo bleibt die Berichterstattung zum Klima?
Was ist mit den Regenwäldern und den Bränden im Amazonasgebiet? Wie sieht es in Australien aus, nachdem es dort so verheerend gebrannt hat? In Indonesien gab es einen Vulkanausbruch mit einer 6000m hohen Aschenwolke.
Von den Irrungen und Wirrungen in den Hirnwindungen der politischen Knallköppe jenseits des Kanals, des Atlantiks, des Bosporus, dem Roten Meer und vor dem Ural kommen gerade einmal Nebensätze an, dabei geht es um Menschen, ums Leben und Überleben.

Ich benötigte positives und da hilft bei mir die Begegnung mit der Natur. In Natur und Technik probierten wir die neuen Hochbeete zu platzieren. Gar nicht so einfach auf vom Dauerregen aufgeweichtem Boden. Mit meinen Jungs aus der Garten-AG nutzten wir den verregneten Donnerstag zur Aussaat und Anzucht für das neue Gartenjahr.

Für positve Gedanken sorgten die Vögel an den Futterhäusern vom Katzenkino, wie auch die beiden Kater selbst.

Zu den Sperlingen gesellte sich als neuer Gast ein Rückkehrer aus dem warmen Winterquartier, ein Star.

Widerstandskämpfer gegen das Entfernen von Kartons!
Wenn es nach meinen Katern ginge wäre die Wohnung ein Tetris von Pappkartons jeglicher Größe und Form.

Aufbauend finde ich auch immer ein paar Blümele drinnen und draußen. Die Ranunkeln vom letztem Wochenende waren allerdings ein Fehlkauf gewesen. Innerhalb kürzester Zeit faulten sie in der Mitte am Stengel.
Beim Retten und Zurechtschneiden fiel mein Blick dann auf das Zitronengras, das vor Kater gesichert im Gläserregal steht. Es zeigt sich endlich frisches Grün!

Auch in der Höhe sammelten sich im Laufe der Woche weitere Seelenaufpäppler aus dem Garten und Tulpen aus der Region. Die drei Monate, die „meine“ Gärtnerei Marktpause einlegt, sind eine echte Durststrecke. Doch jetzt sind sie wieder dabei.

Wenn dann noch eine kleine Überraschung vom großen Kind vorbeigebracht wird, ist der verrutschte Streifen wieder gerade gerückt.


Ich perfektionierte Mützen verlieren in diesem Winter und verspreche, auf dieses Modell besser aufzupassen.



Jetzt gibt es noch eine Tasse Kaffee mit Blick zum Katzenkino und dem Präsent meiner Gärtnerei zum Weltfrauentag. Das andere Blümele kommt dann mit ins Krankenhaus um meinen Lieblingsmenschen aufzuheitern.

Einen schönen Sonntag noch und eine gute Woche.
Bleibt gesund und …

bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot.

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8. März 2020

Kommentare

Wir haben in der Schule gerade „chinesische Wochen“, begrüßen uns also mit zusammengelegten Händen und gucken uns in die Augen. Die Kinder finden es lustig, manche sagen auch statt „Guten Morgen, Frau Frosch“ einfach „Ni hao“.
Und gegen diese Negativität hilft mir seit Jahren: kein Fernseher, keine Tageszeitung, möglichst wenig andere Medien. Informiert bin ich irgendwie trotzdem. Mal ehrlich: Was machen die meisten Leute mit ihren Informationen aus Fernsehen und Tageszeitung? Panik schieben und klug daherreden. Ändert sich dadurch etwas?
Da gucke ich lieber, was ich mit einfachen Hygienemaßnahmen, energiesparendem Verhalten, veganer Ernährung usw. anstellen kann, um mitzuhelfen, die Welt irgendwie noch zu retten. Aus Erfahrung weiß ich, dass mich zuviel Information hilflos und deprimiert zurücklässt – und damit erreiche ich gar nichts, außer dass es mir zusätzlich auch noch schlecht geht.
Liebe Grüße von Frau Frosch

„Chinesische Wochen“ sind eine gute Idee.
Meine schwierigen Jungs als Pubertierende kurz vor dem Schulabschluss werden damit allerdings nicht zu begeistern sein.
Sie stellen Fragen, kommen mit Informationen, wollen Richtigstellung und Diskussion, fordern Kritik, wollen Abstand und haben dann schon wieder ein Problem mit dem sie kommen.
Sie stehen am Anfang ihres Lebens und ich begleite sie. Viele meiner kids haben niemanden, der ihnen hilft ihre Informationen (die sie teilweise extrem verunsichern) zu filtern oder zu erklären. Genau deshalb informiere ich mich und überfliege auch die Headlines diverser Tageszeitungen.
Diese Tätigkeit beunruhigt mich nicht und stört auch nicht meinen Seelenfrieden. Was mich beunruhigt ist das was meine Schüler aus den sozialen Medien herauslesen, was unter Umständen als Wahrheit geifernd weitertragen wird. Dem steuere ich entgegen und das strengt an, nervt, stresst.
Deshalb schalte ich in den Ferien ab, total, und habe kein schlechtes Gewissen weil LehrerInnen so viele Ferientage haben.
Viele Grüße,
Karin

Oh, klar, wenn sie älter sind, sieht das anders aus (ich unterrichte gerade Klasse 4-8, da sieht das noch anders aus). Vielleicht habe ich aus Deinen Zeilen mehr (oder auch was anderes) rausgelesen (oder reininterpretiert) als drinstand. Vielleicht auch nur von mir auf Dich geschlossen ;-).
Da machst Du ja wirklich was nützliches mit den Informationen – nämlich gegen Fakenews steuern. Dass das ermüdend ist, glaube ich allerdings sofort. Das ist bestimmt oft eine Sisyphosarbeit.

Die vielen Ferientage genieße ich mittlerweile auch ohne schlechtes Gewissen. Und wenn sich jemand darüber aufregt, frage ich ihn, warum er kein Lehrer geworden ist. Die Antwort war bisher ausnahmslos: „Nee, also Deinen Job möchte ich echt nicht machen!“ – Na, dann mecker auch nicht mit mir, weil ich ja soooo viele Ferien habe!
Alles Gute für Dich und Deinen Lieblingsmenschen!

Die Anemone finde ich übrigens auch den Hammer! Tolle Farbe und so schön eingefangen!
Liebe Grüße von Frau Frosch

Boah, das große Foto von der Anemone ist klasse!
Die Panik um den Virus geht mir auch auf den Senkel. Mein ältester Sohn lebt in einer anderen Stadt und liegt mit einem schlimmen grippalen Infekt darnieder, sein Arzt hat die ganz normalen Verhaltensweisen, die ein Männerschnupfen erfordert, ausgesprochen.
Schon krass, dass in Schulen an Handtüchern und Seife gespart wird.

Ich hoffe Deinem Sohn geht es inzwischen besser.

Das mit den Handtüchern und der Seife zeigt die Gratwanderung zwischen Nachhaltigkeit, Hygieneverordnung und dem Weiterreichen vom schwarzen Peter zwischen den Verantwortlichen, wenn in den Kommunen gespart werden muss.
Inzwischen steht Seife parat, Einmalhandtücher in Reichweite, Ersatzpakete in Lieferbereitschaft.
Viele Grüße,
Karin

Bei uns kommen beim Einkauf der deutschen Hamsterer dann noch die Schweizer Einkaufstouristen dazu, die sowieso nur in handelsunüblichen Mengen ihre Wagen bis oben hin vollladen. Die schieben jetzt natürlich auch Panik.
Im Bio-Supermarkt habe ich noch Trockenhefe bekommen. Die letzte Packung.
Als ob wir jeden Moment die Invasion von Aliens erwarten würden.
Hoffentlich überstehst du die umhertreibenden Viren und Bakterien gut und kannst deinen Lieblingsmenschen bald wieder gesund aus dem Krankenhaus abholen.
Liebe Grüße
Andrea

Ich bin heute mit Lieblingsmensch beim Besuch aus dem Krankenzimmer in einen Tagesraum geflüchtet. Die Besuchszeiten werden inzwischen eingeschränkt und auch die Besucherzahlen. Es sind jetzt drei Wochen und wir kennen uns inzwischen im Klinikum aus, wo es gemütliche, warme Rückzugsplätze gibt. Zwei weitere Wochen Behandlung stehen noch mindestens an.
Mit vielen Grüßen,
Karin

Ich wundere mich, dass ihr eine Pandemie auf die leichte Schulter nehmt. Die Krankheit ist so ansteckend, dass man in Norwegen jetzt alle Schulen schliesst, Arrangements absagt, Frisörsalongs und ähnliches zumacht, die Kirche stellt Gottesdienste ein und mehr. Das ist keine Panikmache, sondern ein Versuch, die Krankheit einzugrenzen, damit sich nicht noch mehr Leute anstecken. Sonst hat man nicht genug Krankenhausbetten, wenn die Menschen einen Respirator brauchen. Besonders schwache Gruppen sind betroffen, Ältere, aber auch andere mit Zusatzerkrankungen. Wir sind mittendrin in der Problemstellung hier in Norwegen, wo sich die Krankheit in Windeseile ausgebreitet hat. Andere Dinge erscheinen da weniger wichtig.

Sylke, mir ist der Ernst der Lage sehr bewusst! Ich gehöre zur Risikogruppe, wie auch Familienmitglieder.
Diesen Blogpost schrieb ich vor einer Woche, mit meinen Erfahrungen in der zu dieser Zeit aktuellen Infektionslage.
Auf die leichte Schulter genommen wurde bei mir in der vergangenen Woche nichts, und auch nicht in meinem Umfeld.
Was sich inzwischen getan und verändert hat wird Inhalt für den neuen Wochenrückblick abgeben.
Schade, dass man bei Dir nur noch über Google kommentieren kann. Ich habe keinen Google-Account mehr. Aber vielleicht kann ich Dir hier, auf diesem Weg, zu Deinem Buch gratulieren. Super!
Viele Grüße,
Karin

Liebe Karin, vielen Dank für deine Rückmeldung! Du hast recht, die Situation hat sich sehr schnell verändert. Ich war etwas konstaniert beim Lesen hier, bei uns steht im Moment alles auf dem Kopf. Ich wünsche dir und deiner Familie, dass ihr gesund bleibt!
Danke für die Glückwünsche zum Buch. Das wird jetzt allerdings auch erst mal ausgesetzt wegen Corona. Besser zu warten, bis der Markt wieder besser wird.
Ich habe die Einstellung mit dem Google-Konto (hatte ich wegen Spam gemacht) wieder rückgängig, so dass du jetzt wieder kommentieren können solltest. Ich habe den Captcha wieder aktiviert, der ja auch einiges an Spam verhindern sollte. Versuch doch mal zu kommentieren, ich hoffe es klappt. 🙂
Liebe Grüsse und alles Gute, Sylke

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