oder …
von Küchenresten zur Osterkarte
Mein kleiner Wohnungs“garten“ hatte in den letzten Jahren wenig Aufmerksamkeit von meiner Seite her genossen. Die knapp 5,5 m2 verkümmerten zur Außenfläche für meine beiden Kater. Ich selbst hielt mich nur noch selten dort auf, goss die übriggebliebenen Pflanzen und Töpfe unregelmäßig, oder auch garnicht. Viele Pflanzenschätzchen waren seit Anfang 2022 in meinen Kleingarten umgezogen. Die Restbestände wuchsen in den Balkonkästen und Töpfen so vor sich hin, manches verkümmerte auf immer und ewig..
Ich fand, es ist nun Zeit, das wieder zu ändern.
Jeden Tag ein kleines Stück und in dieser Woche noch nicht abgeschlossen.

Ein Balkongarten mit einer wechselnden Bepflanzung, wie sie zur jeweiligen Saison in Baumärkten und Gartencentern angeboten werden, um dann auf den Kompost zu wandern, gab es bei mir schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr. Die Erde wird nur dann gewechselt, wenn der Balkonkasten Opfer der Witterung geworden ist. Einer ist demnächst wieder soweit.

Der Estragon wanderte irgendwann in diesen viel zu kleinen Topf, doch er zeigt auch dieses Jahr wieder frisches Grün. Den Wurzelballen mit einer dicken Stricknadel belüftet konnte ich ein wenig Gesteinsmehl einarbeiten. Das muss reichen.
Auch im nächsten kleinen Kasten finden sich Fundsachen, die sich irgendwann einmal anfanden oder mitgebracht wurden.

Hier und da stehen Pflanzen, die ihren Weg nie in einen Blumenkasten oder in den Garten gefunden haben.

Das Zimbelkraut zog in meinen Balkongarten nach einem Urlaub in Frankreich in den 1990ern ein und sät sich immer wieder aufs Neue aus.
Der Rosenwurz ist ein Mitbringsel aus Island. Beim Schuhwechsel auf einem Parkplatz lag ein winziger Knubbel davon vor mir, der „Nimm mich mit“ rief, bevor jemand drauf treten konnte. In dem kleinen Pflanzgefäß auf meiner Balkonbrüstung hat er sich inzwischen zwar vervielfacht, aber überschaubar. Rosenwurz überwintert völlig zusammengezogen in festen kleinen, braunen Knötchen. Bei ersten Sonnenstrahlen und länger werdenden Tagen zeigt er zuerst wieder grün, um sich dann langsam zu öffnen.

Trotz der Vernachlässigung hat sich einiges an Pflanzen überraschend gut erhalten. Es sind vor allem heimische Pflanzen, die sich von selbst ausgesät haben und sich entschieden haben zu bleiben.
Sie mögen zwar nicht so üppig blühen, wie Geranien & Co., aber die paar Blüten sind Magneten für etliche Insekten. Deshalb dürfen Gräser, Wegerich, Löwenzahn und Gundermann im Topf bleiben, werden sogar mit etwas Gesteinsmehl verwöhnt. Handelsüblicher Dünger würde sie völlig überfordern.

Im „Unterholz“ einer Miniaturrose, die ich meinen Eltern zur Diamantenen Hochzeit geschenkt hatte – schade, dass diese Gärtnerei auf der Reichenau nicht mehr existiert – haben sich ein Veilchen und ein Storchschnabel angesiedelt. Etwas aufgehackt, etwas Steinmehl dazu und Wasser, was auch hier reichen wird.

Den Natternkopf buddelte ich während Corona auf einem meiner Gänge zur Schule am Bahndamm aus. Er wächst in großen Flächen im Norden Ölands und dort wünscht/e ich mich so sehr hin. In diesem Winter platzte der Pflanztopf und nun steht er in einem neuen Gefäß.
Das Muskatellersalbei-Pflänzchen zog ich aus dem Weg vor meinem Garten, bevor es platt getreten werden konnte. Es hätte dort sowieso entfernt werden müssen. Nun steht es beim Löwenzahn auf meinem Balkon.

Als ich dann die Sitzmöbel abrückte, die Polster abklopfte und -bürstete und zu fegen begann, fiel mir auf, dass wirklich jedes Loch in den Möbeln, wie bei Insektenhotels, geschlossen war. Hier und dort klebten in den Ecken kleine Brutzellen aus Erdklümpchen, oder Wollfasern, die offensichtlich von Insekten geformt wurden. Sehr interessant. Ich werde es dieses Jahr besser beobachten.
Nun denn, die Hälfte Balkoniens ist geordnet und aufgehübscht. Die nächste Hälfte kommt später dran.
Aus meiner Werkstatt
Ich schaffte eine Miniauflage an Osterkarten, die ich gerade noch pünktlich auf den Weg brachte.
Im Grunde ist es beinahe peinlich zu sagen, was ich an Material verwendete – Küchenabfälle. Statt sie in den Kompost zu geben wurde gekocht, püriert, filtriert, gepresst und getrocknet, um ein Naturpapier herzustellen.
Aus diesem Fundus suchte ich mir Material heraus, aus Lauch und Kichererbsenhäutchen:

Die Auswahl der Klebstoffe entwickelte sich als eine Herausforderung und richtig glücklich war ich über das Ergebnis ebensowenig. Am Ende verzichtete ich auch auf die geplante Farbe.

Ich hoffe auf Nachsicht. Die Osterwünsche und -grüße kamen von Herzen.

Ansonsten
- ich pfeife auf diese Erkältung und die Allergie gegen Frühblüher und meine Bronchien pfeifen mit – ein alle Jahre wieder ohne Freude
- der Husten wird besser, langsam – noch mehr Zeit lässt sich die Energie wiederzukehren
- aus aktuellem Anlass ein Pflänzchen gekauft und ein Glas auf eine meiner liebsten Menschinnen getrunken, der Geburtstag meiner Großen

und komme zum …
Ohrwurm der Woche
Ich wünsche euch schöne Ostertage mit ein paar wärmenden Sonnenstrahlen.
Macht’s gut, bleibt gesund und bis die Tage

Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot
Kommentare
Wie schön es ist bei Dir! Überall kleiner, bunter Frühling und zu jeder Pflanze eine Geschichte. Das gefällt mir sehr!
Gute Besserung im Mühen gegen Pollen und Viren
Carina.
Mein Balkon beherbergt ein vielfältiges Sammelsurium, wie ich nun wieder entdecken konnte. Da herrscht mehr biologische Vielfalt, als auf dem Rasen davor.
Danke für die Besserungswünsche! Ich hoffe auf eine Expressgenesung in den nächsten 24 Stunden. 😅
Liebe Grüße
Karin
Oha, zur Allergie dann auch noch Erkältung, du Arme! Die Formulierung „mehr Vielfalt, als auf dem Rasen“ finde ich klasse. Das Zimbelkraut auch.
Hab dennoch eine schöne Zeit mit deinen Lieben!
💕lich
Astrid
Das Gebinde, dass die Husterei verursacht, hat nun verhindert, dass ich meine Lieben an Ostern in echt sehen konnte.
Einfach dankbar sein über die Möglichkeiten die Internet & Co. bieten!
Viele liebe Grüße und weiter eine schöne Osterzeit
Karin
Die Grasnelke hält sich bei mir auch tapfer unter ähnlichen Bedingungen 😉, Nelkenwurz und Hauswurz auch. Im Balkonkasten darf auch der Klee blühen. (Im Rasen auch, aber da kommt ab und an doch der Rasenmäher und muss ich wg Bienen so aufpassen!)
Ganz liebes, großes Dankeschön für Deine ganz besondere Osterkarte! Ich liebe sie!
Weiterhin Genesungswünsche und frohe Ostern!
Mit lieben Grüßen
Nina
Danke und gern geschehen. 😊
Mal schauen, wie sich mein Balkongrün entwickeln wird. Klee hatte ich schon eine gefühlte Ewigkeit keinen mehr im Balkonkasten, da er auf den viel gemähten Rasenflächen um Umkreis keine Chance zur Samenbildung hat. Was ich heute allerdings erledigte, ich zog jede Menge Buchen und Ahorn-Schößlinge aus den Blumenkästen, bevor sich dort ein Wald entwickeln kann.
Weiterhin eine schöne Osterzeit, mit vielen lieben Grüßen
Karin
Ein schönes Resultat auf deinem Balkon, dank dem dass du die Pflanzen fast sich selbst überlassen hast. Bei uns gibt es auch eine Ecke im Garten die bewusst vernachlässigt wird und immer wieder für eine Überraschung sorgt. Hoffentlich geht es dir besser, ich wünsche es dir.
L G Pia
Ich bin selbst gespannt, wie es jetzt auf meinem Balkon weitergehen wird. Danach hoffe ich wieder im Garten weitermachen zu können.
Dort hätte ich so gerne mehr Ecken, wo ich einfach die Natur (kontrolliert) sich entwickeln lassen könnte. Doch dagegen sprechen die Gartenregeln der Kleingartenanlage. Aber selbst in diesem Rahmen bestehen Möglichkeiten, die ich weiter ausloten werde.
Liebe Grüße
Karin
Ich danke ganz herzlich für deine wunderschöne Küchenkarte! Ich habe überlegt, welches Material du verwendet hast- auf Lauch bin ich nicht gekommen!
Schön, dass du dich dem Balkon gewidmet hast! Ich müsste das auch mehr tun, aber hier knallt den ganzen Tag die Sonne drauf, dass sogar der Lavendel ohne Dauergießens vertrocknet. Nur meine Semperviren, die ich aus meinem Garten mitgenommen habe, halten tapfer durch.
Dir gute Besserung! Meine Gräserallergie lässt auch nicht mehr lange auf sich warten.
Liebe Grüße von mano
Mein Balkon liegt in Richtung Süden und auch hier knallt die Sonne drauf. Ich habe zwar eine Markise, doch meist vergesse ich sie im Sommer morgens auszufahren. Alle meine Pflanzen dort müssen lernen durch durstige Phasen zu kommen, sonst überleben sie nicht. Auf dem Balkon bin ich darin erfolgreicher, als im Garten. Hier übe ich noch.
Gegen Gräser habe ich mich unter anderem hyposensibilisieren lassen, was mir mehr Freude am Sommer bringt.
Lauch auf eine Osterkarte zu kleben fand ich nach dem Abschicken selbst etwas befremdlich, aber im Moment des Entstehens gefiel es mir. 😊
Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche
Karin