und …

kurz mal weg

Da lag der Puschel Wolle von den Herdwicks meiner Freundin mitten in meinem Auf- und Wegräummodus. Statt dieses wegzuräumen kam es zum Waschen, Spülen, Trocknen, bevor es zum Kämmen und Kardieren ging. Und wieder, so sehr ich den Grauton dieser Schafe mag, diese Wolle bestätigt alle Argumente der Schafwolle-kommt-mir-nicht-auf-die-Haut-Verfechter. Sie ist etwas ganz besonderes, aber kratzt und sticht.

links ungewaschen, rechts gewaschen und getrocknet

Herdwicks – Link zu Wikipedia – haben feines Unterhaar und darüber ein Deckhaar, das sie in der Region, wo diese Schafe vorkommen, vor den Witterungseinflüssen schützen. Die Lämmer werden mit schwarzem Fell geboren, was über die Jahre immer grauer wird. Egal, was Alter und Wetter bringen, sie scheinen immer zu lächeln.

Ihre Heimat ist der Lake-District im Norden Englands und wahrscheinlich sind sie eine Kreuzung aus den Schafen, die von Wikingern auf die britischen Inseln gebracht wurden und den bis dahin einheimischen Tieren. Wollfilz aus Herdwick-Wolle hergestellt schützt besonders gut vor Wind und Wetter, doch meist wird sie inzwischen fast nur für Teppiche verwendet..

Zurück zu meinem Wollpuschel.

Bei der gewaschenen Wolle kam nach dem Kämmen das feine Unterhaar hervor.

Übrig blieb neben viel haarigem Gekrümel ein großer Rest, der sich zu einem Vlies kardieren ließ. Wieder mit haariger Krümelei.

links unter der Kammzug

Kammzug und kardiertes Vlies liefen danach durch das Spinnrad.

Selbst beim Aufwickeln bröselten die Deckhaare, die Stichelhaare weiter heraus. Doch nun ist der Unterschied in der Textur von Deck- und Unterhaar deutlich erkennbar.

am Pinselstiel der Knäuel aus dem Kammzug vom Unterhaar, an der Häkelnadel der vom Deckhaar

Mit dem Garn vom Kammzug wickelte ich die Kette auf den Inkle-Loom, dem Bänderwebstuhl, und mit dem weniger gleichmäßigen Garn aus dem Vlies webte ich das Herdwick-Band. Es krümelte weiter.

Herdwick-Wolle ist ein tolles Material zum Filzen, vor allem für dichte, wetterfeste Filzstoffe und -kleidung. Auch als Teppichwolle ist die Wolle viel besser geeignet, als jegliche Merinowolle.

Anyway, ich habe zweieinhalb Meter Band aus Herdwick-Wolle, kratzig, stabil, 100% Handarbeit. Mag es ein wenig an einen Rollladengurt erinnern, egal.

Ansonsten

Unterwegs

… nach Spanien und einfach Zeit mit der Freundin genossen, die ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen habe

Mimosenzweige auf dem Markt, Nickender Sauerklee im Pinienwald

Ohrwurm der Woche/n

vamos a la playa … was für ein schrecklicher alter Schinken … 😊 … aber er blubberte immer wieder auf, als ich Wasser und Meer schnupperte

Macht’s gut, bleibt gesund und bis die Tage


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot 

#######

Kommentare

Lächelnde Schafe, ein fabelhaftes Band und die Sonne Spaniens – alles so wunderbar!
Über das nicht abgeschlossene Auto habe ich herzlich gelacht (dachte ich doch, sowas passiert nur mir 🙃).
Hab eine gute Zeit
Carina.

Bin ich erleichtert, dass solche Vergesser nicht nur mir passieren.😅
Auf das doppelte Durchlaufen der Sicherheitskontrollen hätte ich zwar gern verzichtet, aber Übung macht die Meisterin.
Die Zeit in der Wärme – von oben und die für die Seele – haben gut getan und nun bin ich bereit für neue Ideen zum ausprobieren.
Liebe Grüße
Karin

Ach, ich freue mich so für Dich und hoffe eigentlich, dass Du noch im Süden weilst. Deine Wollarbeit ist wieder beeindruckend! Ich fragge mich nur, was Du mit dem „Gurt“ machst. Gefilztes, Gestricktes, Wärmendes ist bei mir immer das Erste, was ich mir aus kratziger Wolle machen wollte 😉
Aber manchmal erfüllt einen vor allem das Tun
Liebe Grüße
Nina

Leider sind die Tage in Spanien schon vorbei. Ich tröste mich mit … die Qualität macht’s, nicht die Quantität. Zum Glück hat der Sorgenkater meine Abwesenheit gut verkraftet.
Das Band wird wahrscheinlich zum Kanten einfassen eines Filzwerks verwendet werden, werde aber wahrscheinlich dazu noch ein zweites benötigen. Im April werden die Schafe meiner Freundin geschoren und dann entscheide ich, ob ich bereit bin mich mit Stichelhaar beschäftigen zu wollen.
Du sagst es, manchmal ist es einfach das Tun, das Erleben des Prozesses, das so gut tut.
Schönen Sonntag und liebe Grüße
Karin

Ich mag alle Schafe, auch wenn die Wolle kratzt. Sie muss ja dann nicht zum Pulli verarbeitet werden. Dein Band ist mega schön. Einen Bandwegkamm habe ich von der Weiterbildung im Januar … Liebe Grüsse von Regula

Du hast recht, alle Schafe sind schön. Aber … 😊 … meine allerliebsten sind die Walliser Schwarznasen. Deren Wolle ist ein Traum und lässt sich toll verarbeiten. Es ist grober, als Merino, doch die langen Fasern sind gut zu verarbeiten und sehr vielseitig einzusetzen.
Viele Grüße
Karin

danke für das liebenswerte herdwickschaf-foto! sie sind mir die allerliebsten – eben weil sie einen gefühlt immer anlächeln. leider ist die herde, die ich früher öfter sah, verschwunden, was ich sehr schade finde. die kratzige wolle allerdings könnte ich bei meiner wollallergie nur aus der ferne betrachten und die krümel würden wohl einen niesanfall auslösen. ja, leider!!
wie schön, dass du eine so feine auszeit in wärmeren gefilden hattest. das hat körper und seele bestimmt sehr gut getan!
ich muss übrigens immer dreimal gucken, ob ich das auto ausgeklickt habe… dem kater gute besserung!!
liebe grüße von mano

Freut mich, dir eine Freude gemacht zu haben. 😊
Nach meiner Recherche gibt es nicht so viele Herdwicks außerhalb vom Lake District. Meine Freundin hält sie auf Wunsch ihres Mannes – S., verbessere mich, falls es einen anderen Grund gab. Sie mögen zwar lächeln, sind auch geduldig, aber sie finden jedes Loch im Weidezaun.
Ich werde bei der Schur im April wieder ein wenig Herdwick-Wolle mitnehmen. Davon werde ich nur das ausgekämmte Material verwenden und den Rest zum Düngen im Garten.
Wenn mir jemand erzählt, ihr/ihm wäre(n)/würden solche verpassten Dinge wie Herd/Kaffeemaschine ausschalten, Fenster schließen, Haustür oder Autotür abschließen … nie passieren, denke ich, auch du wirst einmal dran sein! Ich gehe vor Reisen nach einem Punkteplan aus dem Haus. Erfahrung macht klug.
Viele liebe Grüße
Karin

Antworte auf den Kommentar von mano Antwort abbrechen