oder …

Beim Wachsen zuschauen

Eselsdistel am 06.06.2023

Sonntagmorgen setzte ich mich, fast schon mit Todesverachtung, endlich an die Steuererklärung. Ich wusste, das wird dieses Mal tricky, mit zwei Lohnsteuerbescheinigungen durch den Eintritt in den Ruhestand 2022. Passend dazu bockte mein Steuerprogramm auf dem Rechner. Die Service-Hotline , die sonst auch sonntags zur Verfügung stand, hat diesen Wochenendservice eingestellt. Nee, unter solchen Voraussetzungen mochte ich dieses Sache noch viel weniger erledigen und fuhr den Rechner runter. Sch**ß-Technik. Sch**ß-Steuererklärung. Irgendwie erinnert mich dieser Mist immer an die Schul-Zeugnisse: Wer am Besten tricksen kann bekommt die besten Noten/Auszahlungen. Zeugnisse und Steuererklärungen hat der Teufel erfunden!

Da ich mir für diesen Sonntag die Steuererklärung vorgenommen hatte schaltete ich den Rechner wieder an – wat mutt dat mutt – und öffnete den „roten Faden“ im Steuerprogramm. Die ersten Dateneingaben machte ich ohne große Hoffnung, dass sie nun in den entsprechenden Zellen auch wirklich bleiben würden – mein Jahressalär wusste ich nach den vorausgehenden Fehlversuchen auswendig. Wohoo, eine Eingabeseite weitergeschaltet und die korrekten, gerade eingegebenen Zahlen waren drin! Mit Mut zur Lücke zog ich dann alles durch und drückte auf Abschicken. Was für ein Akt, aber erledigt!

Der nächste Akt, Eigentümerversammlung meiner Wohnanlage – erledigt. Das ist auch keine meiner Lieblingsgeschäfte, bzw. -veranstaltungen. Dieses Mal ging es allerdings richtig flott durch die Tagesordnungspunkte, dank einer sehr kompetenten Versammlungsleiterin. Wir haben ein paar schwierige Miteigentümer, die es gut meinen, aber bis auf den letzten Cent sparen wollen, oder vor Gericht ziehen, gegen den Rest der EigentümerInnen. Es wurde eine gute Versammlung, mal sehen, ob die Ergebnisse von allen akzeptiert werden.
Innerlich angehoben hat mich dann der Anblick in direkter Nachbarbarschaft von unserem Versammlungsort. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, wie nah die Aktivitäten dieses etwas undurchsichtigen, global wirkenden Milliardärs zu finden sind, nämlich fast vor meiner Haustür!

Das musste, kaum zuhause, recherchiert werden. Mannomann, dass mir das so durchgegangen ist!

Da verfolgt frau die Entwicklung dieser Megafabrik in Brandenburg und merkt nicht, was in der Nachbarschaft passiert! Ich habe so die Faxen dicke von all den riesigen Protz-Autos, die in meiner Region gebaut und gefahren werden. Kleine (E-)Autos sind die Ausnahme und ich mag die Erklärung nicht mehr hören, dass nur große Autos für die E-Mobilität Sinn machen, weil sie Platz für große Akkus bieten.
Ich sagte heute meinem 23 Jahre altem fahrbaren Untersatz mit Verbrennungsmotor, der die Abwrackprämie 2009 überlebt hat, ich würde mich freuen, wenn wir noch ein paar Jahre zusammen bleiben könnten. Wir hatten eine gute Zeit miteinander und der im August anstehende TÜV wird uns hoffentlich nicht trennen.

Mann, Frau und Ding kommt in die Jahre. Mir macht mein Lieblingsmensch Sorgen. Er hatte keine gute Woche. Nicht nur an unserem Einkaufsmittwoch, den er sonst so genießt, lief es nicht rund.

Der Feiertag, Fronleichnam, und mich lud eine ehemalige Kollegin zum Plaudern mit Kaffee ein. Gewitter waren angesagt. Wir beobachteten von ihrem Balkon aus wie sich die Regenwolken über der Schwäbischen Alb abregneten und weiter wanderten. Irgendwann wurde es auch über Böblingen und Sindelfingen dunkel, doch es regnete hier gerade mal einen Esslöffel voll. Starkregen gab es in den umliegenden Gemeinden. Ob da nicht wieder Flugzeuge mit Silberjodid unterwegs waren, um die nagelneuen, frisch produzierten Edelkarossen der örtlichen Autoindustrie zu schützen?
Let it be.

Ich verließ die Freundin mit einer guten Handvoll an Mini-Pflastersteinen, von denen ich mir noch mehr holen darf. Bis ich im Garten ankam hatte ich eine Idee, was ich mit den Steinen anfangen könnte und es wurde wieder nichts mit einer entspannten Kreativzeit. Doch dann kam es, wie immer in diesem Garten: Setze den Spaten an und da ist eine Wurzel, eine lange, weit verzweigte.

Nach den ersten zwei Platten mussten weitere raus, damit das meterlange Wurzelwerk ausgebuddelt werden konnte.

Wie schön dann zwischendurch der Blick ins Hochbeet.

Der Salat, der anfangs so schwächelte ist erntereif. So kann ich jeden Tag für meine Mahlzeiten ernten.

Mit viel eigenem Grünzeug gestärkt ist zumindest der erste Teil vom Platten verlegen erledigt. Für die undichte Zisterne liegt Teichfolie parat und das Vlies als Unterlage wird demnächst geliefert. Es geht voran.

An der Schulhausbaustelle steht nach den Aushubarbeiten der erste Kran.

Was für eine Baugrube!

Zum Abschluss noch ein paar Bilder von meinen pelzigen Mitbewohnern. Selten sitzen sie so nahe beieinander. Man mag sich nicht, vor allem mag der „Große“, den „Kleinen“ nicht.

Am besten wusch weg und immer ein Auge offen halten, wo sich das kugelige Monster gerade befindet.


Gelesen. Gesehen. Angehört.

Duftstoffforschung: Diese Gerüche locken Mücken an – ein Bericht in der ARD-Tagesschau, vom 27.05.2023

Natur Faktencheck: Schadet mittags gießen den Blättern? – ein Artikel in den Stuttgarter Nachrichten, vom 01.06.2023

Kernkraft-Utopien: Ein Rückblick auf die nukleare Zukunft – ein Beitrag in golem.de, vom 22.05.2023

Mars oder Manhattan? New York in Rauch von Waldbränden gehüllt – No Comment in Euronews, vom 07.06.2023

Re: Abfallprodukt Schafwolle – Ist der Rohstoff noch zu retten? – ein Bericht auf arte, vom 07.06.2023, verfübgar bis 05.06.2024

Ohrwurm der Woche.

Iko Iko lief diese Woche so häufig im Radio, dass es nicht aus dem Ohr zu bekommen war. Ich bevorzuge eigentlich die originale Version von den Dixie Cups, oder, wenn schon Cover, von Zap Mama, wie bei Mission Impossible 2 – ich, selbst beim Zuschauen im Kino nicht schwindelfrei, nur zugehört 😀
Diese Version von Cindi Lauper war dann für diese Woche the winner (das überlange Ende kann dann weggeklickt werden)..

Was das Wochenende bringen wird?
Jag vet inte.
Das ist schwedisch und bedeutet: Ich weiß (es) nicht.
Ich brauche dringend etwas skandinavisch-isländisches mañana.

Eselsdistel am 09.06.2023

Macht’s gut, bleibt gesund und bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot.


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Kommentare

Die Distel ist ja toll! Und dein Fleiß im Garten ebenso.
Es tut mir leid, dass dein Vater nicht mehr so gut drauf ist. Ich kann es mir irgendwie vorstellen: Den engsten Partner zu vermissen ist furchtbar. Ich verfluche jeden Morgen beim Aufstehen meinen Witwenzustand. Irgendwie wird es nicht besser, eher im Gegenteil. Und wenn man dann ein gewisses hohes Alter erreicht hat, geht einem der Sinn des Ganzen flöten. Ich frag mich auch immer öfter danach…
Hier wird es heute richtig heiß und ich verziehe mich hinter meine dicken Mauern.
Dir alles Liebe!
Astrid

Zweiter Versuch zu antworten – der runde Kater musste über die Tastatur laufen und löschte, was ich schon geschrieben hatte. Nun kann er das ebenso, wie den Drucker zu aktivieren, bis das Papier alle ist.
Die Distel! Sie bietet so viele Gesprächsanlässe mit GartennachbarInnen. Dazu wird sie täglich größ, wenn ich on tour bin.
Nach so vielen Jahren Gemeinsamzeit, in der man Dinge geteilt und sich ergänzt hat, immer einen Gesprächspartner hatte, im Guten und NichtsoGutem, alleine Fuß zu fassen, mag ich mir nicht vorstellen. Mir reicht Vaters Blick wenn seine Gedanken abschweifen, und die Erinnerung, wie alleine ich mich nach nur dreizehn Ehejahren fühlte.
Fühle dich gedrückt!
Mit vielen lieben Grüßen,
Karin

Die Distel steht noch, Lästiges wurde erledigt und das Essen kann im Garten geerntet werden. Das hört sich doch nach einer feinen Woche an. Mein Schwiegersohn warf auch einen leicht abfälligen Blick auf meinen kleinen Old-school Skoda. Aber ich will gar nicht mit seinem E-Auto tauschen. Nicht wegen E, sondern wegen des ganzen anderen technischen Gedöns, das ich nicht brauche. Deine Miezen strahlen so viel Gemütlichkeit aus. Manchmal vermisse ich eine Katze.
Liebe Grüße
Andrea

Oh, ja! Die Distel darf stehen bleiben und ist beinahe ein Publikumsmagnet. Ich bin wirklich gespannt wieviel größer sie noch wird und wie sie sich weiter entwickelt.
Die Blicke auf meinen 23 Jahre alten fahrbaren Untersatz sind zwiespältig, doch noch habe ich die grüne Plakette und darf damit nach Stuttgart hinein fahren. Vieles vom Firlefanz, mit dem neue Autos ausgestattet sind, machen sie meines Erachtens nur unnötig teuer. Wenn ich – vor Corona – ein Auto bei einer Urlaubsreise gemietet hatte fragte ich nach Licht, Scheibenwischer und Rückwärtsgang und hoffte immer, es wird nichts anfangen zu piepen. Im Ernst, so schlecht war mein allererstes Auto nicht, ein 2CV4. Da wusste ich noch, was sich sehr übersichtlich unter der Motorhaube befand und das konnte ich reparieren. Hast du mehr Schnickschnack, kann auch mehr kaputt gehen.
Gemütlich sind meine Miezen nur manchmal, wenn sie so dicht aufeinander sitzen. Und manchmal wünsche ich mir, dass sie weder auf meiner Hand auf der Maus sitzen oder über die Tastatur laufen. Sie bleiben meine Gefährten auf Zeit und bekommen trotzdem gleich noch ihr Betthupferl.
Viele liebe Grüße,
Karin

Liebe Karin,
diese Terrassenplatten sind erfahrungsgemäß sehr schwer. Klasse, was du alles in Angriff nimmst! Die Distel ist richtig toll.
Wir waren heute auch im Garten, mal arbeiten, mal im Stuhl sitzen. Es geht einfach nicht mehr so, wie in jungen Jahren.
Dein Vater hat mein Mitgefühl. Der Arme! Ich hoffe, er kommt wieder raus aus seinem Tief.
Dir wünsche ich weiterhin viel Gartenspaß und einen schönen Sonntag!
Liebe Grüße
Ingrid

Größer als 40cm x 40cm dürfen die Platten nicht sein, sonst suche ich mir Hilfe. Die Distel 😀 ja, die würde wahrscheinlich auch in Nachbargärten stehen. Doch da wird alles weggekratzt, was irgendwie und wo aus dem Boden herauskommt. Ich entschied mich vergangenes Jahr diese Pflanze stehen zu lassen und nun habe ich dieses Monster pls Freude daran.
Dem Vater geht es besser, zum Glück.
Liebe Grüße,
Karin

Unter Gartenfreunde gibt es doch immer wieder Gesprächsstoff, so eine grosse Distel fasziniert sicher jeden, der daran vorbei läuft. Ja die leidige Steuererklärung, für viele ein lästiges Übel, dabei geht es heute ja Ruck-Zuck am Rechner, gegenüber Früher. Jetzt hast du aber den Ballast erledigt und kannst dich erholen im Garten.
L G Pia

Was einem die Steuererklärung tatsächlich erleichtert, dass man nach getaner Arbeit nicht noch eine gefühlte Ewigkeit im Finanzamt in der Schlange steht, um sie abzugeben. Es bleibt ein lästiges Übel.
Die Eselsdistel wächst übrigens immer noch!
Liebe Grüße,
Karin

Oh Katzenfotos.. *grins*.
Ich bewundere gerade Deine Gründlichkeit beim Wurzeln ausgraben. Ich bin da viel zu faul zu… Und was Du mit „dahindümpeln“ schaffst.. da brauch ich Wochen, ach was sag ich: Monate für…
Liebe Grüße von hier
illy
*die den Ohrwurm jetzt vermutlich heute nicht mehr los wird.. *sing..

Es gibt Wurzeln, die möchte ich einfach raus aus dem Boden haben, damit sie mich nicht immer wieder bei Spatenstichen stören. Die nächsten großen Kandidaten werden die vom Soll-ein-Pfirsichbaum sein. Denn der Baum fällt im nächsten Winter, garantiert.
Es war schon eine Dümpel-Woche, nichts Aufsehen erregendes, ein wenig hier, ein bisschen da … Ferienzeit, Rentner-Dasein 😉
Liebe Grüße,
Karin

Ach, auch ich muss einmal die Distel loben. Wenn sie blüht, werden wir sicher mit Fotos verwöhnt, aber sie ist jetzt schon prächtig. (Vor den Vogeln also Samen sammeln)
Mit Deinem Vater das tut mir so leid. Es sind die vielen kleinen Dinge, dass alleine sein im Alltag. Eine Hälfte fehlt. Ich hoffe sehr, es wird besser.
Weiterhin viel Erfolg (Dein Hochbeet ist super) im Garten, aber nicht noch mehr Wurzeln finden 😉
Und ich drücke die Daumen für Dein Auto! Und so liebe Katerfotos 😊
Liebe Grüße und schönen Sonntag noch
Nina

Die Distel wächst immer noch! Klar, dass ich dann auch auf Samen achte, obwohl ich das meiste den Vöglen lassen werde. Ich habe tatsächlich Spatzen im Vogelhaus meiner Hütte und leider, leider den Abflug der Jungvögel nicht dokumentiert bekommen. Aber es wird wieder gebrütet.
Wurzeln! Ich glaube, ich finde sie nicht, sie finden MICH! In der Hitze der Mittagszeit hörte ich wieder ein eindeutiges „tschonk“ beim Spatenstich. Das Problem löste ich dann anders und war zu schnell für Fotos für den 12tel-Blick. Egal.
Danach gab es heute herrliche Kreativzeit, was richtig gut tat.
Liebe Grüße,
Karin

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