oder …

12tel-Garten-Blick 2022 – #1 bis #3

Zum Jahreswechsel berichtete ich im Wochenrückblick über mein neues Projekt, dessen Planung und Vorbereitung ich lange für mich behalten hatte. Ich wollte erst alles unter Dach und Fach wissen, die Chancen und Gelegenheiten minimieren, um mir dieses Vorhaben auszureden. Im Dezember 2021 war es schließlich soweit, mit einem Garten für mich, bzw. mit einer kleinen, gepachteten Parzelle in einer der hiesigen Kleingartenanlagen! Yeah!
Das kommt an meinen lange gehegten Traum vom eigenen Häuschen mit Garten so dicht heran, dass ich Frieden schließen kann mit dem, was ich erreicht habe:
hier meine eigene kleine Wohnung, dort ein Stückchen Land zum Genießen und Bewirtschaften. Letzteres darf ich zwar nur unter Berücksichtigung diverser Regeln, doch damit lässt es sich bis jetzt ganz gut leben.

Mitte Dezember 2021

Entscheidung und erste Schritte

Über Jahre war er immer wieder hochgekommen, der Wunsch, der Traum vom eigenen Garten. Eine Suche in der Zeitung, in diversen Internetportalen, bei Maklern und unter Bekannten, zuletzt in Zeiten mit Corona, ließ mich beinahe wieder von diesem Plan abkommen, so aussichtslos schien die Lage. Alle Nachbarn mit Kleingärten winkten ab, wenn ich nach frei werdenden Gartenplätzen fragte. Vielleicht doch Lotto spielen? Für viel Geld waren Gartengrundstücke schon noch zu finden und zu haben.
Dann probierte ich es doch und schrieb eine hochemotionale Bewerbung an den Vereinsvorstand der Kleingärten, nachdem im vergangenen Sommer wiederholt Vandalen im Schulgarten ihr Unwesen getrieben hatten.

Ich wartete auf Antwort. Eine Woche. Zwei Wochen. Drei Wochen, und erhielt einen Anruf, ob ich denn noch an einem Garten interessiert sei, da ich mich auf deren Antwort nicht zurückgemeldet hätte! Sie würden sich über ein Kennenlernen, wie Vorstellungsgespräch freuen! – Ja, super! Öfter den Spam-Ordner vom Email-Postfach sichten macht tatsächlich Sinn.

Das Gespräch lief gut und mein mitgebrachtes Kräutersalz war das i-Tüpfelchen. Nachhause nahm ich das Gefühl, dass die Lage nicht ganz aussichtslos ist, trotz langer Warteliste auf eine Parzelle. Allerdings stand ein weiteres Gespräch an, mit den Vorständen der Gartenanlage, bei der eventuell im Winter ein Garten frei werden könnte. Böblingen hat vier Kleingartengelände und ich gab schon einmal die Zusage für eine Anlage, obwohl ich diese überhaupt noch nicht kannte! Ich bin hier aufgewachsen und hatte in dieser Richtung des Stadtgebiets beinahe einen blinden Fleck! Egal, denn es war eine gute Wahl!

Vorerst hieß es wieder Warten. Gartenparzellen werden zum Jahresende gekündigt und vor der Weitergabe begutachtet und bewertet. Mir wurde frühestens für Frühjahr 2022 ein Garten in Aussicht gestellt. Umso überraschter war ich Mitte Dezember über einen Anruf: „Frau Be, wie wär’s? Wir hätten einen Garten für Sie. Haben Sie Samstag Zeit?“ Ich hatte, bzw. nahm mir die Zeit, warm angezogen, denn es war ein bitterkalter Tag!
Angeschaut, das Wochenende drüber geschlafen, im Traum schon Sträucher versetzt und zugesagt.
Die Übergabe und das Auslösen der Parzelle waren mein Weihnachts- und Neujahrsgeschenk! Ich berichtete darüber im letzten Wochenrückblick 2021 (Link).

Ankommen und Kennenlernen

Es fühlte sich richtig und gut an, als ich zum ersten Mal alleine auf diesem Fleckchen stand.
265m2.
Meins!

Leider war das Innere der Hütte nicht ganz so leer geräumt, wie es bei der Übergabe den Anschein gehabt hatte. Frisch geimpft und ziemlich angeschlagen an diesem Tag, ging mir einiges durch, was mir bei klaren Verstand nicht passiert wäre. Wieder fit übertrafen mich dann doch meine schlimmsten Erwartungen, als ich manche Schränke öffnete!

Zudem war die alte Hütte doch nicht in dem guten Zustand, wie es der erste Anschein vermittelt hatte. Nachdem der Boden freigeräumt und einiges Inventar weggegeben oder entsorgt war, zeigte sich ein Übel, das mich noch beschäftigen wird. Der Fußboden weist auf einen Forscherauftrag hin. An einer Stelle sackt der Bodenbelag federnd in ein großes Loch ab! Mein erster Lösungsansatz: Brett drauf, Problem gelistet und erst einmal gut.
Mitte April, es liegt immer noch kein Brett , Prioritäten ändern sich.

Die erste Gartenwoche, noch im Dezember 2021

Tatendrang! Kaum war an der gewünschten Stelle für das zukünftige Färberpflanzenbeet der Boden aufgetaut, legte ich ein Beet für meine Färberpflanzen an! Sie waren die ersten, die aus dem Schulgarten an ihren neuen Standort umziehen durften. Einige von ihnen brauchen eine Bremse gegen ihren Drang sich auszubreiten, wie die Kanadische Goldrute oder der Färberkrapp. Die Goldrute muss erst einmal in ihrem alten Topf bleiben. Mit unter den Färberpflanzen zog noch die Färberkamille um. Der Waid kam erst im März nach. Ob der Färberwau noch keimen wird bezweifle ich. Er kommt jedoch oft erst im zweiten Jahr nach der Aussaat. Wenig Hoffnung macht mir die Färberhülse, doch von dieser habe ich erfreulicherweise noch Samen.

Über alles wachen meine bunten Holzblumen von meinen Gartenkindern und der geerbte Adler-Geier!

Die blau gestrichene Holzverschalung des Wasserauffangbeckens muss auf jeden Fall weg, nicht nur weil sie an einigen Stellen ziemlich morsch ist. Aber ich merkte bald, es gibt wichtigeres und diese Angelegenheit bleibt erst einmal vertagt.

Erste Priorität hatten die beiden großen, wenig und schlecht gepflegten Obstbäume und ich rätselte, wie ich dieses Problem angehen konnte.

Damit ein Arbeiten auf dem morastigen Boden überhaupt möglich war sichtete ich jeden Fundus, sammelte Bretter und Bohlen, damit ich zumindest einmal an den größten Baum herankam.

Der erste Gartenmonat

Die drei übernommenen Komposter erwiesen sich als Schrott. Mit Drähten zusammengehalten zerbröselten mir die Scharniere an einem Teil schon beim ersten Öffnen des Deckels. Der zu kompostierende Inhalt überzeugte mich auch nicht besonders. Im Hauruckverfahren zerlegte ich die beiden Komposter und bestellte mir eine erste neue Kompostmiete. Nach viel Hin-und Herüberlegung entschied ich mich für ein Steckmodell aus Metall. Ich hätte mir selbst einen Komposter bauen können, oder meine schwierigen Jungs zum Bau eines aus Holz überzeugen, aber nun ist es einer aus Metall.
A*schkalt war es an dem Tag, als er geliefert wurde und ich ihn aufbaute, alleine, fluchend, aber nicht hilflos. In der Hütte hatte ich inzwischen genügend Werkzeuge zusammengesammelt, um mir mit diesen helfen zu können.

„Tolles Teil“, kam als Lob an einem der darauf folgenden Tage von einem Gartennachbarn. Das tat gut!
Wenn der Inhalt aus dem verbliebenen Plastikkomposter portionsweise umgeschichtet ist, gibt es nach dessen Abbau noch einen zweiten. Ob es ein weiterer von dem aktuellen Modell wird, oder einen der Marke Eigenbau, wird sich zeigen.

der neue Komposter steht

Für den Krapp gab es eine Sonderanfertigung aus einer Mörtelwanne – den Boden weggesägt und die nun wabbelige Wanne in den Gartenboden versenkt, bot sie einen idealen Platz. Leider bekam ich das Ganze nicht so mittig ins Beet, wie es meinem Auge gefällt. Aber das grüne Gestrüpp wird im Sommer dieses Manko verdecken, Platz zum Ausbreiten hat das Gewächs ja nun.

Zwei Hauptaufgaben stellte ich mir im Januar – der Hütteninhalt musste weiter gesichtet, ausgemistet und radikal reduziert werden. Für einige Tage wurde ich zum Stammgast beim Wertstoffhof. Vieles (für mich nicht) Brauchbares verschenkte ich oder brachte es zum Beispiel in die Schulküche. Wer zum Kuckuck benötigt zwanzig Flaschen Spülmittel?

Zwischendurch reparierte mir der Vater ein marodes Fenster und war als ausgebildeter Glaser wieder voll in seinem Element!


Der übernommene Gasherd erwies sich, beim Blick auf die Zuleitungen, als wenig Vertrauen erweckend. Ich ließ es erst einmal mit der Besorgung einer Gasflasche.

Ein paar Pflanzen aus meiner Wohnung zogen in die Gartenhütte, als Winterquartier, ein, zusammen mit einem von meinem Technik-Kollegen geerbten Regal. Zumindest diese Seite sieht nun etwas nach mir aus!

Nachdem die Gardinen gewichen waren nahm ich die Bilder ab – die Maria durfte noch bleiben – und ich ersetzte eine wackelige Hakenleiste mit einer, nach dem Wohnungsumbau übrigen, Hakenleiste aus meinem Kellerfundus. Sie passte perfekt und ohne Nacharbeit in diese Nische!

Die zweite Aufgabe führte mich zu den übernommenen Bäumen, die, seit Jahren nicht und notdürftig nachgeschnitten, in zweifelhaften Zustand waren. Als erstes nahm ich mir den Apfelbaum vor. Da bin ich durch den Schulapfelbaum etwas sicherer, wie, wo, was getan werden muss und kann. Der andere Baum, ein Pfirsich, oder auch nicht, mitten in der angelegten Ackerfläche, machte mir Bauchschmerzen. Was soll unter solch einem großen Laubdach im Sommer eigentlich wachsen können? Wie soll ich diesen schneiden und mit welchen Werkzeugen?

Inzwischen hatte ich Geschichten zu diesem Baum gehört, die zwar nicht zusammenpassten, es mir aber erleichterten, zu einer Entscheidung zu kommen. Ich schenkte mir eine Minikettensäge und stutzte damit den Baum radikal!


Argh! Ich Baumfreundin killte einen Baum! OK, nur halbdreiviertel, bis kurz vor dem Stamm, weil meine Maschinentechnik für mehr nicht reichte. Aber, falls die Restbestände wieder austreiben sollten, darf er bleiben, ansonsten wird ein Insektenhotel daraus.
Mitte April, die ersten Triebe sind zu sehen! Ja gibt’s denn sowas?

Februar, der zweite Gartenmonat

Der Garten wurde zu meinem Therapieplatz. Die Sorgen um die Lieblingsmenschen ließen sich an diesem Ort am besten ertragen und kompensieren. Je nach Gemüts-, Kraft- und Wetterlage nahm ich mir etwas vor und übernahm damit in kleinen Schritten, in winzigen Teilen, diesen Garten für mich. Dazu „steckte“ ich mir, unter anderem, mit all den Latten und Brettern, die ich inzischen angeschleppt oder auf dem Gelände gefunden hatte, schon einmal etwas Struktur.

Das abgesägte Holz musste versorgt, entsorgt, genutzt werden. Hilfreiche Gartennachbarn boten sich an, den Astschnitt auf den Häckselplatz zu bringen. Doch ich sägte und hackte, nachdem sich zu der Minisäge noch eine Axt meinem Werkzeuggebinde dazu gesellte.

nur noch zwei Äste und dann kommt das Tomatengerüst (links) auch weg

Das Wetter ließ inzwischen einen weiteren Umzug von Pflanzen zu. Doch wohin auf diesem Gelände? Mädesüß, Rhabarber, Andorn, Lorbeer, Rosmarin, … wurden erst einmal zwischengeparkt, weil ich nicht weiß, was alles in der Erde schlummert. Die beiden Faserpflanzen, Silphie und Fasernessel, müssen, bis sie ihr Hochbeet haben, auch erst in ihren Töpfen bleiben, der japanische Staudenknöterich sowieso! Alle drei sind mit ihrem Wurzelwerk übergriffig! Zu meiner Freude scheinen sie sich in ihrer neuen Umgebung wohlzufühlen!

Der Beschluss: Der Adler-Geier darf bleiben, an einem neuen Platz!

Und dann kam er wieder, der Schnee!

Der März, Monat drei in meinem Garten

Anfang März, zuhause lief die Anzucht von Chilis und Tomaten, Gartenbücher wurden gewälzt, Anbaupläne entwickelt, Beete festgelegt, noch einmal die Weinreben geschnitten und dem Drang nachgegeben etwas im Freiland zu säen, Radieschen. Die ließen auf sich warten, dafür beeilten sich die Mädchenaugen, Coreopsis, für das Färberpflanzenbeet.

Kaum hatte ich die Bohlen als Beetumrandung im Erdreich versenkt reichte ich vorausschauend, oder durch Hummeln im Hintern, einen Bauantrag für ein Hochbeet ein. Keine Ahnung, wie lange eine Bewilligung dauert, dachte ich und mach mal. Einen Platz hatte ich mir schon ausgeguckt und zur Nachbargrenze vermessen – es gilt Abstände und Kleingartenregeln zu beachten.

Bei jedem Gartenbesuch beobachtete ich die Entwicklung zu meinen Füßen und was sich aus der Erde zeigt. Ich mag Flockenblumen und wollte immer gerne welche im Schulgarten haben, doch dieser Garten ist von Flockenblumenablegern total verseucht und verhindert die Vielfalt, die ich haben möchte. Nicht alle Pflänzchen dieser Art werden jedoch auf dem Kompost landen, denn ich habe schon wieder eine Idee. An einer frei geräumten Stelle zogen Schlüsselblumen, Vergissmeinnicht und Leberblümchen ein und eine Kletterrose. Der übernommene Rosenbogen ist zwar sowas von schräg, wie morsch, aber die Rose lachte mich an und musste einfach sein.

Ende des Monats nahm ich einen Störfaktor in Angriff, den Abbau einer überdimensionalen Gerätetruhe, die mir den überdachten Freisitz zustellte. Der Plan war, sie zu zerlegen und aus dem Gestell einen Pflanztisch zu bauen. Wieder gab es erst einmal Gerümpel und Geräte zu verteilen und zu entsorgen!


Es war sowas von mühsam die extreme Menge an verwendeten Schrauben zu lösen, wenn es überhaupt möglich war. Zum Schluss half nur noch rohe Gewalt, um die Truhe in handliche, wiederverwertbare Teile zu zerlegen.

Der Blick nach getaner Arbeit – es geht voran.

Hier und da grünt es sogar schon in den Ackerbeeten!

Die Übersicht

Fortsetzung folgt!

Macht’s gut und bis die Tage,


Verlinkt mit dem 12tel-Blick bei Eva von verfuchstundzugenäht.

Und hier entlang geht es zu meinem anderen 12tel-Blick auf hierundfort.

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Kommentare

Das war ja ein umfangreicher Beitrag zu Deinem Jahresprojekt Schrebergarten neu anlegen! Und Du hast ja wirklich schon so viel geschafft. Sogar Dein Vater konnte helfen, wie schön! Bei den Obstbäumen bin ich dann Mal sehr gespannt. Mit Pfirsich im Garten habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht, die Kräuselkrankheit hat nach einigen Jahren Kampf dafür gesorgt, dass ich den gepflanzten Baum (so viel Blätter könnte ich gar nicht entsorgen und entsprechend mickerlich,) entfernen musste. Aber Deiner ist ja richtig groß und stark. Ich finde es unglaublich spannend, ein wenig mitzubekommen, was alles bei Dir entsteht. Übrigens, die Maria wäre bei mir auch geblieben, so ein herrlich kitschiges Bild.
Weiter viel Freude, Therapie und Erholung mit lieben Grüßen
Nina

Von Gartennachbarn erfuhr ich nun, dass es noch einen zweiten Pfirsichbaum gab, der wirklich gut getragen haben soll – das erklärt die Unmenge an Pfirsichkernen im geerbten Kompost! Allerdings fehlt dieser Baum. Mit überließ der Vorpächter eben dieses ungepflegte, falsch geschnittene Monstrum, das tatsächlich wieder ausschlagt. Mal sehen, wie sich das weiter entwicln wird.
Die Magnolie scheint tatsächlich noch ein paar Blüten öffnen zu wollen und der Apfelbaum steht kurz vor der Blüte. 😀
Die Maria ist, zusammen mit dem Adler-Geier, wert den Garten weiter begleiten zu dürfen.
Liebe Grüße,
Karin

ich hab deinen bericht wirklich voller begeisterung gelesen und freu mich, mit wie viel elan du den garten bearbeitest und in deinem sinne veränderst. gut, dass du selbst handwerkliche fähigkeiten mitbringst (die gehen mir völlig ab…) und dass dein vater dir ein wenig helfen konnte. das tut ihm bestimmt auch gut!
ich bin schon gespannt auf weitere berichte und schicke liebe grüße!
mano

Ich habe schon wieder neue Ideen, nur meckert gerade das eine oder andere Fingergelenk und lassen nur kleine Tätigkeiten zu. Auch gut, so bleibt auch mehr Zeit zum Genießen. Eine Woche Ferien habe ich ja noch, herrlich!
Liebe Grüße,
Karin

wow
ein toller Bericht
sehr interessant was du schon alles bewerkstelligt hast
da hast du ja einige Altlasten übernommen was zusätzliche Arbeit ist
aber ich denke auch die Nachbarn sind froh dass du so tatkräftigt bist
ein vernachlässigter Garten wird ja nicht so gerne gesehen
ich bin auch dabei den Garten von meinem Vater etwas zu pflegen und umzugestalten

liebe Grüße
Rosi

Das Ausmaß der Vernachlässigung zeigt sich nun mit dem Beginn der Wachstumsperiode erst wirklich, im Garten und der Hütte!
Die Gartennachbarn müssen sich gedulden und erdulden :D, denn einen englischen Rasen brauche ich nicht, eher eine Wiese, mit Wildkräutern. Dafür ertrage ich Gartenzwerge und seltsame Solarleuchten.
Viel Spaß mit Gärtnern beim Vater,
mit vielen Grüßen,
Karin

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