oder …

hausgemachtes Drama, holpriger Wochenstart und Pillepalle-Alltagskrisen

Samstag auf Sonntag, Nervenkitzel zum Wochenabschluss.
Mitternacht, auch für Nachteulen Zeit zum Schlafengehen, und ich suchte meine Siebensachen zusammen. Dazu gehört das mobile, kleine Allroundteil, das neben Telefonieren noch ganz viel anderes kann. Es ließ sich nicht auf Anhieb finden, also tat ich das, was ich sonst unternehme, um die Suche zu beschleunigen, es vom Festnetz aus anrufen.
00:05 Uhr – Anruf auf das Handy – es tutete im Hörer vom Festnetz, ansonsten tut/tat sich nichts.
Huch!
Gedanken!
Stumm geschaltet?- Nein. Akku leer? – Kann nicht sein. – Liegen gelassen? Wahrscheinlich! Doch WO?
0:15 Uhr – alle benutzten Taschen und Körbe des Tages ausgeräumt und wieder eingeräumt. Alle Wege durch die Wohnung gegangen, geräumt und gesichtet. Alle Wege außer Haus durchgegangen. Im Auto nachgeschaut.
0:40 Uhr – auf die Idee gekommen die Suchfunktion „Wo ist?“ am Computer auszuprobieren. Die Ortung zeigte die Gegend rund um meine Wohnung an.
1:45 Uhr – nachdem alle Suchoptionen vor Ort x-fach durchgegangen waren, ohne Erfolg, entschied ich mich den Suchradius zu erweitern, beginnend beim Garten, wo ich ganz sicher das Handy noch hatte.
Ich griff den Autoschlüssel und ins Leere, wo eigentlich die Maske des Tages liegen sollte – hatte ein Bild vor den Augen – und wusste wo das verflixte Handy lag.
2:00 Uhr – ich saß auf einer Bank auf dem Schulgelände, schaute in den Himmel, hielt das vermaledeite, verloren geglaubte Handy fest in der Hand, und eh ich mich versah war eine weitere Stunde weg – die Zeitumstellung.
Was für ein Start in die Sommerzeit.

Nun denn, es war ein kurzer Sonntag, nachdem ich endlich ausgeschlafen hatte. Handy in Sichtweite!

Apropos Sicht, Wichtigkeit und Wertigkeit.
Es ist Wochen her, dass ich mir meine Brille verlegt hatte. Ohne Brille bin ich nur begrenzt funktionsfähig. Eine einfache Lesebrille kann mein Seh-Manko nur teilweise auffangen. Autofahren geht gar nicht ohne einen Scharfseher. Nach dieser Such- und Verlusterfahrung besorgte ich mir noch eine Ersatzbrille.
Für den materiellen Wert einer Brille könnte ich mir locker ein megagutes Handy leisten. Beim Verlust der Brille war ich jedoch deutlich entspannter, als während diesen „Wo-ist-das-Handy?“-Stunden! Das machte mich nachdenklich.
Ein Handy kann in Nullkommanichts ersetzt werden, wenn es nicht gerade ein neues, aktuelles Modell sein soll. Eine Simkarte kann gesperrt, eine neue angefordert werden.
Eine Brille, als echte Sehhilfe, ist, wie eine Prothese, maßangefertigt, was nicht von heute auf Morgen erledigt werden kann.
Und dann bekomme ich Schnappatmung beim Verlust des Handys!
Krass!!

Montagmorgen. Verwirrung, als im Schulgebäude gegen 7:00 Uhr in fast allen Klassenzimmern das Licht anging. Ich war noch beim Aufbrühen meines Frühstückstees und überlegte kurz, ob ich nicht doch die Zeitumstellung in die verkehrte Richtung vorgenommen hatte. Der Tee war gerade fertig gezogen, als ein Polizeifahrzeug am Schulgelände vorbeifuhr und ich wusste, dass dieser Schultag kein normaler sein wird.
Es war eingebrochen worden und es dauerte, bis die Schule und die Klassenzimmer nach der Spurenaufnahme betreten werden konnten.
Ich grüble immer noch, der wievielte Einbruch es war, den ich an dieser Schule erlebte und ich denke mir immer wieder, wie bekloppt das ist! Wir bekommen an den Schulen doch keine super-trooper-Edelgeräte, für die sich so ein Bruch lohnt! Was den SchülerInnen vor allen schmerzt sind jedoch die Verwüstung und die entwendeten Klassenkassen, mit den mühsam zusammengesammelten Euros und Cents.

Zum Glück gab es bis zur Wochenmitte reichlich Sonnenstunden im Garten, meinem Rückzugsort. Viele WegbegleiterInnen wundern sich, wie sehr mich der Verlust der Lieblingsmenschin aus der Bahn geworfen hat. Ich dagegen frage mich, ob ich in die alte Spur zurück möchte. Dadurch bleibt momentan viel kreatives Tun auf der Strecke. Weder Strick- noch Stickwerk, die Wollwerkstatt ruht, für Farbe, Stifte und Pinselstrich fehlen mir Inspiration und die Muße. Hilfreich empfinde ich dagegen die Erde zwischen meinen Fingern oder die Beschäftigung mit der Anpassung meiner Gartenhütte an meine Bedürfnisse. Dabei kommen dann doch neue Ideen, auch wenn sie sich diese Woche nicht auf Anhieb verwirklichen ließen. Etliche korodierte Schrauben standen dem im Weg.

Zum Schluss wurde nichts aus alt-mach-neu durch schonende Zerlegung, sondern rohe Kräfte mussten ran. „Hat’s Spaß gemacht?“, fragte der Schwiegersohn bei den gezeigten Bildern, mit Schalk in seinem Blick. 😀 Oh, ja!

So ein wenig, gezieltes Kaputtmachen, hat schon was, vor allem, wenn das Ziel gefällt! Die riesige Werkzeugkiste ist Geschichte und ich habe Platz für einen neuen Pflanztisch.

Zudem komme ich inzwischen endlich an frischen warmen Tee oder Kaffee, nachdem ich die Technik eines Raketenofens verstanden hatte. Bei den ersten Anläufen räucherte ich mich ziemlich durch. Nun arbeitet das Gerät tatsächlich raucharm und fix, wie es in der Anleitung heißt.

Fix waren dann auch meine schwierigen Jungs, zumindest ein paar wenige. Vor Wochen hatte ein Sturm die Dachpappe auf dem Dach der Schulgartenhütte an einer Stelle losgerissen. Nicht weiter tragisch, denn das hätte schnell mit ein paar Nägeln wieder fixiert werden können. Leider vergriffen sich daran ein paar unliebsame Besucher in einer Nacht-und-Nebelaktion und rissen daran weiter herum. Nachdem die Bäume für den geplanten Schulhausneubau gefällt sind, ist – Ironie an – dazu ja auch mehr Platz – Ironie aus.


Zwar ist noch nicht geklärt, was mit der Gartenhütte passieren wird, doch ich wollte sie nicht weiter herunterkommen lassen. Das wollte zumindest einer meiner schwierigen Jungs ebensowenig – vor allem wollte er nicht im Klassenzimmer sitzen. Er versprach mir auch hoch und heilig NICHT auf das Dach der Hütte zu steigen, … hmpf!
Nichts passiert, außer Schäden an Werkzeugen, enormen Nagelschwund – die Schachtel mit Nägeln war, nur mal so, vom Dach gerutscht. Die Dachpappe ist festgenagelt, das Dach so dicht wie möglich, der Schneefall konnte kommen.

Gelesen. Gesehen. Angehört.

Sehr einseitig war mein Lesestoff in der vergangenen Woche, was sich hoffentlich heute ändern wird, wenn ich mich an den Stapel der Wochenzeitungen setzen werde.

Gérard Depardieu kritisiert Putin scharf – Kreml reagiert – ein Bericht bei t-online, vom 01.04.2022

Kiew oder Kyiv?: Vier Buchstaben für die Freiheit – ein Artikel der Süddeutschen Zeitung, vom 20.03.2022

Kreml-Führungszirkel: Brisanter Rücktritt zeigt Brüche auf – ein Bericht in den ORF-news, vom 23.03.2022

Hungern, leiden, fliehen: Putins Armee ist eine Sklavenschule – ein Artikel im Tagesspiegel, vom 30.03.2022

Abwechslung brachte eine Dokumentation mit Mirko Drotschmann, die mich interessierte:
Tutanchamun – Der Junge hinter der Goldmaske, ZDF, vom 20.03.2022, verfügbar bis 20.03.2032

Ohrwurm der Woche.

An diesem kalten, verschneiten Wochenende werde ich es ruhig angehen. Der Garten kann warten.

Bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot.

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Kommentare

Das Leute einem immer Absprechen, dass ein Tod menschlich verarbeitet werden muss…
Die Wertigkeit von Handy & Brille finde ich auch sehr interessant. Und deine Lesetipps sowieso, besonders der zum Sklavenstatus russischer Soldaten. Ähnliche Berichte habe ich auch schon gehört und gelesen von Männern, die wissen, über was sie berichten.
Dir alles Liebe, vor allem Ruhe!
Herzlich
Astrid

Vor lauter Ruhe bin ich nun schon spätnachmittags müde gewesen. Sowas aber auch! 😀
Der Artikel über die russischen Soldaten deckt sich mit den Erfahrungen meiner Eltern aus ihrer Kindheit. Entsetzlich, dass nach so vielen Jahren so wenig zum besseren verändert hat.
Viele liebe Grüße,
Karin, die nächste Woche wieder einmal für einen Tag in Adelsheim sein wird.

Das war ja mal eine ziemlich bewegte Woche mit großem brachialen Krafteinsatz… Wenn mein hormonverwirrter Hund wieder bei Verstand ist, werde ich ihn mal auf das Suchen von verlorenen Handys und Schlüsseln trainieren. Handschuhe findet er schon mal gerne (die lassen sich ja auch knautschen…).
Liebe Grüße
Andrea

Ein solcher Suchhund wäre klasse, vor allem ein Schlüsselhund!
Obwohl meine Kater beide kastriert sind melden sich trotzdem Frühlingsgefühle, die heute wieder einmal zu Bruchsachen geführt haben. Wenn sie doch einmal angeschlagenes Geschirr zertöppern könnten!
Viele liebe Grüße,
Karin

Das mit dem selbst anrufen kenne ich auch. 🙂 Dummerweise steht das Auto aber zu weit weg und der Allrounder ist aus der umgekippten Handtasche gefallen, unbemerkt… Hauptsache wieder da!! Wie geht der blöde Spruch noch: „Schlaf wird überbewertet“. Ich hoffe, Du konntest etwas etwas nachholen.
Den Tutenchamun Beitrag fand ich auch toll. Schön als Kind habe ich ein älteres Buch von meiner Mutter űber die Grabentdeckung gelesen, wollte danach am liebsten Archäologie studieren. Dem Garten, allen Gärten drücke ich fest die Daumen bei der Kälte.
Erhole Dich etwas und liebe Grüße
Nina

Schlafen könnte ich dieses Wochenende, kaum von einem Nickerchen aufgewacht. Derer gab es viele. Also werde ich diese gebraucht haben.
Bei mir war es der Roma Götter, Gräber und Gelehrte von C.W. Ceram, das mich als Kind davon träumen ließ Archäologin oder zumindest Restauratorin zu werden. Nach den ersten Folgen von Star Trek und der Mondlandung wechselte der Traum zu Raumfahrtwissenschaftlerin oder Astronautin. 😀 Aus diesen Träumen wurde nichts, aber das Interesse an Themen aus diesen Bereichen blieb, einschließlich Star Trek.
Viele liebe Grüße,
Karin

wie lustig! auch ich las „götter, gräber und gelehrte“ und so war auch mein traum sehr lange zeit archäologin zu werden. leider habe ich das mit der zeit aus den augen verloren. dafür aber zu studizeiten in fast allen semesterferien bei ausgrabungen gejobbt, weil zwei freunde von uns diese durchführten. leider hab ich mich nicht getraut (bzw. aus finanziellen gründen), nach 4 semestern mein päd.studium nochmal zu wechseln. das habe ich oft bedauert.

Ich wollte nach dem Pädagogikstudium eine Ausbildung zur Buchrestauratorin beginnen. Alle Papiere fertig und dann kam alles anders.

da war dein start in die sommerzeit ja nicht gerade erholsam… ich hoffe, du findest dieses wochenende genügend ruhe und muße. für gartenarbeit ist es wohl auch bei euch zu frisch, oder? hier hatten wir am freitag 10 cm schnee. jetzt, 8 uhr am morgen noch minus 2,7 grad. brr!! da warte ich doch noch ein paar tage mit der aussaat von geliebten blumen wie cosmeen oder kapuzinerkresse.
den bericht über den jungen hinter der goldmaske schau ich mir bestimmt noch an.
liebe grüße
mano

Es hat bis heute Nachmittag immer wieder geschneit. Dazu ein fieser Nordwind, der mich nur kurz draußen hielt. Auch gut, denn Entspannung tat gut vor der Woche mit reichlich Aufgaben. Auf eine freue ich mich jedoch. Ich werde darüber berichten.
Liebe Grüße,
Karin

Hey, das Buch hab ich auch gelesen, gleich nach dem Buch von Charter. Und da ich mit dem Vater immer mal wieder abends etwas Star Trek sehen durfte, würde auch da der Samen gepflanzt.
Der Berufswunsch wechselte dann zu „etwas mit ganz viel Wald und Natur“.
Noch mal Sonntagsgrüsse dalassend
Nina

Liebe Karin,
oh weh, da hat der Monat April ja wirklich mit viel Aufregung um Mitternacht angefangen. Wie gut, dass du dein Handy wieder gefunden hast. Ich glaube, ich hätte da die Suche auf den nächsten Tag verschoben…
Dass in den Schulen immer wieder eingebrochen wird, ist echt blöd. So viel ist doch da nicht zu holen. Und die Klassenkassen mitzunehmen, ist so gemein.
Die Dokumentation Tutanchamun werde ich mir die nächsten Tage einmal angucken, danke.
Ich wünsche dir eine gute neue Woche!! Hoffe, der Schnee macht sich bald wieder vom Acker – und du kannst zum Abschalten wieder in deinem Garten werkeln.
Ganz liebe Grüße
Ingrid

Die Suche nach der verlegten Brille hatte ich tatsächlich auf den nächsten Tag verschoben, aber beim Handy musste es sofort sein. Wahrscheinlich reagiere ich beim nächsten Verleg- und Suchdrama anders, denn normalerweise lasse ich die Sucherei recht schnell und vertraue auf unverhofftes Finden der Verlustsachen.
Auch dir eine gute Woche, wünscht,
mit vielen Grüßen,
Karin

Ich finde es macht Sinn, dass du lieber in der Erde wühlst als feine Stricksachen zu produzieren. Auch das du die Energie lieber in brutale „Zerstörung“ schiebst, finde ich völlig normal. Mach mal so, wie dir dein Kopf/Bauch empfiehlt.
Du schaffst das
Andrea

So gab es heute statt neuer Stricknadeln einen Vorschlaghammer, damit ich die Bodenhülsen für das geplante Buchbeet eingeschlagen bekomme. Zur Abwechslung Aufbauarbeit mit schwerem Werkzeug. Nach Feinmotorik ist mir gerade wirklich nur, wenn es für die Arbeit sein muss.
Es wird schon.
Viele liebe Grüße,
Karin

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