oder …

Von der Rohwolle zur Flocke – Scheren, Sortieren, Waschen

Als ich im Frühjahr 2019 als Schafpatin die Chance hatte an frisch geschorene Wolle zu kommen, tauchte aus meinem Ideenfundus ein uraltes Wunsch-Projekt auf. Ich wollte immer schon einmal vom Schaf bis zu einem brauchbaren Wohn- oder Kleidungsgegenstand alle Schritte selber ausführen, erfahren und dokumentieren.

Jetzt ist es soweit und ich werde in loser Folge zum Stand der Dinge berichten.


Normalerweise kaufe ich meine Rohwolle fertig gewaschen und aufbereitet bei einem Großhändler, bevor ich mich ans Spinnen oder Filzen setze. Dieses Mal kannte ich die Schafe persönlich. Eine völlig andere, schon vergessene, Erfahrung!

An ihrer Wolle, einer Waliser Schwarznase, war ich interessiert und an der von einem Schaf der dunklen Texel-Kreuzungen.

Nach der Schur und Fußpflege wusste das Schaf, dass es jetzt eine Belohnung gibt. Es lief zielstrebig zum Futter.


Der erste Gedanke direkt nach der Schur:
Bis ich diesen Berg an Wolle in einem verwertbaren Zustand vor mir liegen haben werde wird einige Zeit ins Land gehen!

Der zweite Gedanke, als ich mich an die Arbeit machte:
Oje, auf WAS habe ich mich da eingelassen?

Es wurden Monate.
Bezahlarbeit, Haushalt, Familie, Haustiere, Gesundheit und noch eine Reihe anderer Dinge hielten ab und bremsten den Tatendrang. Wenn alles im Lot schien entschied das Wetter über das Vorankommen.

Vorbereitungen

Zuerst musste ich diesen Berg an Wolle vorsortieren. Stark verschmutzte Wolle kam gleich in die Gemüsebeete und in den Kompost. Die Tomaten dankten es üppig.

Verschmutzte Schafwolle eignet sich im Garten als Wasserspeicher und Dünger.

Was übrig blieb musste gewaschen werden. Ein Kraftakt, für den ich den Schulgarten nutzte. Hier hatte ich genügend Bottiche, Eimer und vor allem Wasser.

Warten auf das richtige Wetter

Mehrere Kilo frisch geschorene Wolle zum Waschen vorzubereiten und zu waschen benötigt Platz, den eine normale Stadtwohnung ohne Garten nicht bietet – aber die Schule und der Schulgarten 😀
Bis das Wetter passte lagerte die Wolle in meinem Kunstraum, mit sehr unterschiedlichen Reaktionen meiner SchülerInnen.
Von „Boah, was stinkt da?“, über „Das riecht ja wie im Stall von meinem Opa!“ bis „Frau Be, ist das wirklich Wolle in den Eimern?“, gab es eine Bandbreite an Reaktionen.
Es dauerte allerdings ein paar Wochen, bis das Wetter passte.

So idyllisch das aussehen mag, es war reine Knochenarbeit! Schafwolle hat eine unglaubliche Aufnahmefähigkeit von Wasser.
Falls ich mir das noch einmal zumute (wonach es aussieht) werde ich mir eine alte Wäscheschleuder organisieren.

Noch einmal Sortieren

Für die dunkle Wolle hatte ich mir deutlich weniger Zeit genommen sie vorzusortieren. Das musste ich nun büßen, vor allem, da ich bei ihr bewusst weniger Fett, das Lanolin, herausgewaschen hatte.
Je fettiger die Wollfasern sind umso mehr haften sie aneinander.

Beim zweiten Sortieren und Zupfen der Wollfasern ging ich sorgfältiger vor.

Dieser Teil der dunklen Wolle ist fertig für den nächsten Schritt.

Mit Anlaufschwierigkeiten und Pausen und Durchhängern bin ich, im wahrsten Sinn des Wortes, aus dem Gröbsten heraus!

Was ich aus den Fasern herstellen werde wird sich im Laufe der Vorarbeiten entwickeln. Ideen habe ich jetzt schon, in Hülle und Fülle.

Ein Filzsteinteppich wäre eine davon, denn ich trauere dem ersten Versuch noch sehr nach. Er war Opfer von Motten geworden – Link :(.

Fortsetzung folgt – hier und hier!

Bis die Tage,

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Kommentare

Ich musste sofort an das schöne alte Kinderbuch „Pelles neue Kleider“ von Elsa Beskow denken. Kennst du es? Da wird diese Reise vom Schaf zur Kleidung den Kindern nahe gebracht.
So viel Arbeit bedeutet das. Ich habe das einmal in Ansätzen durch (An den Geruch der Rohwolle in der Badewanne kann ich mich noch gut erinnern…).
Wenn man die Schafe auch noch persönlich kennt, ist das ein ganz besonderes Werk!
Liebe Grüße
Andrea

Der Geruch ist schon unvergleichlich! 😀
Ein Drittel der Wolle wartet noch ungewaschen in der Garage und ich öffnete die Tage eine der Boxen aus Versehen.
Für Pelle würde meine Ausbeute an gewaschener und gesponnener Wolle inzwischen reichen und deshalb mache ich mich nun auf die Suche nach dem Buch. Es steht nicht da, wo es sein sollte!
Viele Grüße,
Karin

Welch Mühsal!
Ich mag ja Schafe, aber mit Wolle bei Bekleidung habe ich es so gar nicht: Bei mir musste die Mutter alle Pullover ( Bleyle – vielleicht ist dir die damalige Qualitätsware ein Begriff ) mit Baumwolle füttern, damit ich sie trug. Spätere Versuche -als Liebhaberin von Festland-Griechenland musste das sein – mit entsprechenden Jacken gingen ebenso schief. Nur der Flokati wurde geduldet in eine studentischen, fußbodennahen Sitzlandschaft. Inzwischen akzeptiere ich in kalten Winter Wollschals. Aber die Devise „Was warm macht, macht auch kühl“ meines Vaters habe ich nie nachvollziehen können.
Ich wünsche dir erhebliches Stand erwögen!
Astrid

😀 Gut, dass es unterschiedliche Menschen gibt. Ohne Wolle auf der Haut wäre ich wohl schon erfroren. Ich komme mit Baumwolle nicht zurecht. Pullover daraus sind mir zu schwer und ich halte es für ein Gerücht, dass BW wärmen kann.
Wenn ich Bleyle höre denke ich an Stuttgart (das alte Firmenhaus liegt auf meinem Weg in die Stuttgarter Innenstadt) und den Matrosenanzug. Mein Schwiegervater hatte als Junge noch einen tragen müssen.
Und nun ziehe ich mir meine griechische Hirtenjacke an ;-), um zurück zur Schule in den Nachmittagsunterricht zu gehen.
Viele Grüße,
Karin

Wenn du irgendwann mal Bedarf an Skuddenwolle hast, kann ich dir gerne ein Vlies (Farbe nach Wunsch) zukommen lassen. Scheren werde ich voraussichtlich Mitte bis Ende Mai.
LG Martina

Oh, fein! Danke für das tolle Angebot. Skudden hatte ich noch nicht auf dem Spinnrad oder auf der Nadel. Ein helles oder mitteleres Braun vielleicht?
Viele Grüße,
Karin

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