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Szenen aus 2019 #3

Rote Taubnessel am Schulgarten-Bauhof

Die erste Arbeitswoche nach langer Auszeit, mit dem Entschluss, dem Plan und dem Willen, mich in meinen Pausen hinzusetzen und nichts im Stehen oder Gehen zu essen oder zu trinken. Der Wille war nach zwei Tagen verpufft, der Plan an den Nagel gehängt und der Entschluss im Eimer. Bevor in diesem auch die ersten Genesungserfolge landen konnten, sorgte ich für Beschäftigung mit Schönem in der Freizeit und rüstete meine gerade aufgeräumte Küche wieder um.

Anfang der Woche hatte ich die Wollwerkstatt aufgelöst, nachdem ich mich in den letzten Wochen viel mit meiner Rohwolle beschäftigt hatte.

Die freien Flächen wurden umgehend neu belegt, die Kräuterwerkstatt eröffnet.
In meinem Zeichenraum in der Schule überwintern meine exotischen Kräuter und Stauden. Dazu gehört auch das Zitronengras, das dringend geschnitten werden musste.
An ein Foto dachte ich erst nach dem Schnitt. Da die Pflanze an und für sich nicht so attraktiv ist, ist das kein Manko. Dagegen liegt der Duft schon nach den ersten abgeschnittenen Grashalmen zitronig lecker in der Luft. Das rief nach einer Tasse Tee! Sofort!

Der Rest wurde getrocknet, um meine Teevorräte aufzustocken. Auch sehr lecker ist, ein paar Zitronengrashalmstückchen in den zweiten Aufguss von grünem Tee zu geben!

Schon einmal beim Werkeln im Kräuterregal sortierte ich aus, was über seiner Zeit ist, ich nicht mag oder nicht mehr vertrage. Allen voran flogen die Kamillenblüten raus und danach knüppelhart getrocknete Aroniabeeren. Bis in die Eimer schafften es ihre Flugbahnen jedoch nicht. Sie drehten eine Kurve und landeten im Topf, zum wer-weiß-wie-vieltem Versuch Farbpigmente aus Pflanzen herzustellen.

Aroniabeeren

Auszüge herzustellen, oder einen Farbsud, bereitet kein Problem. Ein trockenes, haltbares Farbpigment zu erhalten ist und bleibt meine große Herausforderung. Alle recherchierten Rezepte gelangen mir nicht in der Umsetzung.

Vielversprechend sehen die eingekochten, getrockneten Bestandteile aus dem Kamillensud aus.

Kamille

Zumindest weiß ich jetzt, wie farblose und muffig riechende Kamillenblüten eine zweite Chance bekommen können.

Mulltücher, gefärbt mit Kamillenblüten und Aroniabeeren

Wiederverwendung fanden selbst meine verblühten Tulpen. Viel zu schade für den Kompost, fand ich, und zupfte Blütenblätter und Staubgefäße vorsichtig ab.

Sie warten nun auf den Kochtopf. Ich bin gespannt, wie viel Farbe herauskommen wird.

Bis daraus vermalbare Farbe wird konnte ich nicht abwarten. Ich musste mich auf den Weg zum Mekka der Kreativen auf die Filder machen. Die Stausituation auf der A8 erforderte eine Überlandfahrt. Dummerweise nahm ich den Weg über Echterdingen bzw. Flughafen/Messe. In diese Richtung zog es schon seit Mitte der Woche ganze Völkerscharen, die große Reisemesse CMT als Ziel! Am Samstag ging es schon morgens weder vor- noch rückwärts. Prima Klima!

Ich verbringe meine freie Zeit doch lieber etwas geruhsamer, wie am Samstagnachmittag.
Wir Schafpaten von Krügerland trafen uns zum ersten Mal im neuen Jahr bei Schäfern und Schafen zum Füttern und lernten den neuen Schafbock kennen.

Schon einmal an der Quelle brachte ich mir auch gleich Nachschub für mein Wolllager mit. Ich habe einen großen Plan.

Das frühlingshafte Wetter, das in der vergangenen Woche die Vögel in den Mittagsstunden zum Zwitschern brachte, legt anscheinend eine Pause ein.

Mit der kalten Wetterfront im Anzug veränderte sich auf meiner Heimfahrt der Himmel am Samstagabend hochdramatisch.

In einer Richtung schien noch die Sonne, in der anderen regnete es. Kurz bevor ich zuhause ankam überraschte mich ein Schauer mit Schneegrieseln von hinten, während vor mir ein Sonnenuntergang am blauen Himmel strahlte.

Sonntag. Statt einen großen Spaziergang zu unternehmen lockte mich der Blick nach draußen eher an Beschäftigungen im Haus, wie mich ans Tagebuch zu setzen oder, wie jetzt, an den PC zum bloggen.

Die neuen Buntstifte wollten doch ausprobiert werden. Zudem stehen an diesem Platz auch die zwei Überraschungen, für die Astrid und Andrea gesorgt haben. Vielen lieben Dank euch beiden!

Ich komme zum Schluss.
In der Küche warten Bitterorangen seit einer Woche auf ihre Verarbeitung. Orangenmarmelade, „marmalade“ nach englischen Rezept, soll aus ihnen werden und für eine neue Farbe auf dem Frühstücksbrot sorgen. Für die Vorarbeit habe ich mir Hilfe organisiert und die ist auf dem Weg.

Übrigens, die Rosen auf dem Titelbild sind kein Fake. Sie blühen tatsächlich im Garten meiner Tochter.

So long. Macht’s gut, zieht euch warm an und habt eine gute Woche.
Bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot.

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19. Januar 2020

Kommentare

Stimmt, entspannt hört sich deine Woche wirklich nicht an. Aber dafür sehr bunt und kreativ! Toll, wenn Einfallsreichtum und Experimentierfreude auch noch so wunderschön belohnt werden.
Dass die Kamillenblüten so ein herrliches Gelb ergeben würden, hätte ich nie gedacht.
Liebe Grüße
Andrea

Das Gelb hat auch mich völlig überrascht! Das Mulltuch war nur zum Auspressen gedacht. Ungebeizte Pflanzenfaser ist normalerweise nicht so aufnahmefreudig für Farben. Die restlichen Lamilleblüten werden jetzt gehütet wie ein Schatz. 😀
Viele Grüße, Karin

Die Rosen sind unter Klimawandelsbedingungen übergeschnappt. Hab auch noch welche im Garten, bei der Schwester auch. Die Blätter solltest du vielleicht nach der Gefruertrocknung demnächstveinsammeln, kann ja sein, dass sie auch für Überraschungen gut sind. Und du steckst in deiner Zauberküche offensichtlich voller Ideen…
Ich wünsche dir in puncto „Selbstverteidigung“ oder Interessenvertretung mehr Erfolg.
❤️ lich
Astrid

Auch bei mir im Garten blühen noch immer die Rosen und die Blätter sind schön Grün. Marmelade aus Bitterorange hatte ich schon lange keine mehr. Aber es gibt bei uns auch keine Bitterorangen zu kaufen, schade. Die Farben deiner Mulltücher sind verblüffend, sind die Fotos mit trockenen Tüchern gemacht worden?
L G Pia

Der Marktstand, bei dem ich treue Kundin bin, hat immer mal wieder Überraschungen parat, wie eben diese Bitterorangen.
Das Gelb auf dem Tuch hat mich selbst verblüfft, da Mull aus Baumwolle ist und Pflanzenfasern nicht so stark Farbe annehmen, vor allem nicht unbehandelt.
Die Tücher weiche ich immer in Wasser ein, bevor ich sie zum Auspressen von Pflanzenfarbe einsetze. In Kursen mache ich das nicht, wasche die Stoffe aber vorher.
Viele Grüße,
Karin

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