oder …

Stricken und von Island träumen

Der Januar ist noch nicht vorbei und das dritte Strickwerk des Jahres liegt auf der Nadel – wieder ein Pullover für mich. Der nächste Winter kommt bestimmt und ich bin der Meinung, Pullover kann man nicht genug haben! Da ich es fertig bringe selbst in Ägypten zu frieren (nicht tagsüber ;-), aber nachts kann es sich schon empfindlich abkühlen) kann ein weiterer Pullover nicht schaden.

Wie auf dem Foto zu sehen ist stricke ich diesen Pullover nicht aus Knäueln, sondern mit einem Mitbringsel aus Island: Plötulopi.


Achtung: Plötulopi ist auch ein Markenname, deshalb fällt dieser Bericht unter Werbung.
Ich habe dieses Material unaufgefordert gekauft und berichte über meine Erfahrungen unbezahlt.


Das Wortteil lopi bedeutet ungesponnene Wolle, und wer das Garn in den Händen hält kann es nicht glauben, dass daraus tatsächlich tragbares Strickwerk herzustellen ist. Bei diesem Garn ist keine festigende Drehung bei den Fasern zu erkennen, wie sie beim Spinnen von Wolle entsteht.

Plötulopi heißt somit frei übersetzt Platte aus ungesponnener Wolle, Plattenwolle, obwohl mich das Material, so wie es verkauft wird, eher an runde Scheiben erinnert. Auf jeden Fall haben diese Wollplatten, so flach wie sie sind, ein optimales Stapel- bzw. Lager- und Transportvermögen.

Ostern 2013 füllte die grüne Wolle die Hohlräume in meinem Reisekoffer und im Sommer konnte ich in Kirkjubaejarklaustur – totally addicted – nicht an der grauen Wolle vorbeigehen.

Islandwolle ist mir nicht neu. Mit diesem Material machte ich während meines Studiums, Ende der 1970er Jahre, zum ersten Mal Bekanntschaft, als ich mir etwas zusätzliches Taschengeld durch Stricken verdiente.
Ein Auftrag war damals gewesen eine Jacke nachzustricken. Das hörte sich machbar an, die Jacke hatte auch kein anspruchsvolles Muster. Im Zeitrahmen von drei Wochen sah ich auch kein Problem und ich hatte den Job sofort angenommen. Etwas vorschnell, wie sich herausstellen sollte.
Als ich zuhause die Tüte auspackte, das Material aus den Tiefen der Tüte hervor holte, dachte ich erst einmal, da macht sich jemand einen Scherz mit mir! Aus diesem Fusselzeug wird NIE ein Strickwerk!!

Sechs Platten hatte ich zur Verfügung, die, teilweise durch Transportschäden entsprechend verrupft, etliche Fadenanfänge anboten. Das gestrickte Probestück war eine Katastrophe, doch ab dann wollte ich es mir selbst beweisen. Ganz so zuversichtlich war meine Mutter nicht. Meinen Kampf beobachtend, reparierte sie stillschweigend nebenher schon einmal die alte Jacke des Kunden, an der er so hing. Falls meine Bemühungen mit der neuen Jacke daneben gehen sollten, wäre die Reparatur wenigstens ein kleiner Ausgleich, dachte sie sich.

Für Anfänger mit festem Griff von Nadeln und Wolle ist Plötulopi nicht zu empfehlen. Für Strickerinnen und Stricker mit Erfahrung ist dieses leichte, fragile Garn eine tolle Sache.

Gestrickt wird die Plattenwolle mit zwei bis drei Fäden. Ich stricke mit zwei Fäden. Ein Faden wird aus der Mitte der Platte geholt und der zweite Faden wird von außen genommen. Manche wickeln zuerst Knäuel bevor sie mit dem Stricken beginnen. Mir ist es jedoch lieber direkt von der Platte weg zu arbeiten. „Verdünnisiert“ sich doch einmal ein Faden, wird das abgerissene Stück einfach wieder, etwas überlappend, angesetzt und man kann weiter stricken. Dabei muss nichts vernäht werden!

Auftrennen ist keine gute Idee! Erst denken, dann handeln, damit Fehler sich ersparen.

Im übrigen wurde es damals eine schöne Jacke!
Jedes abgerissene Fitzelchen hatte ich gesammelt und hinterher daraus einen stabilen Faden zum Zusammennähen gesponnen.

Nun ist mein Pullover in Tunikalänge aus Plötulopi im Entstehen.

Die Farben erinnern an das Land, das ich bei jeder Masche vor Augen habe.

Dazu gibt vor allem die graue Wolle, die in Folie eingeschweißt verkauft wurde, das passende, bis zum Auspacken konservierte, Schafaroma ab! Islandgefühl mit allen Sinnen! Fernweh!

Bis die Tage,

Die Bilder aus Island entstanden im Sommer 2013 auf der Halbinsel Reykjanes.

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Kommentare

Guten Morgen, habe vor Jahren in Finnland ungesponnene Wolle gekauft.
Kann ich die LETLOPI – Wolle von Ihnen beziehen ?

Vielen Dank für Ihre Antwort
und Gruß aus Ulm Helga Henseler (Textilgestaltung)
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Hallo Frau Henseler,
leider verkaufe ich diese Wolle nicht, ich verarbeite sie nur sehr gerne.
Wenn ich isländische Plötulopi, Lettlopi oder Einband brauche bestelle ich sie meist direkt in Island, zum Beispiel unter diesem Link: https://www.shopicelandic.com/collections/plotulopi
Bei der letzten Bestellung musste ich allerdings Zoll zahlen, was aber zu verkraften war. Selbstabholung wäre teurer 😉
In Deutschland sind diese Nordlandgarne am einfachsten hier zu bekommen: http://www.islandwolle-shop.de/islandwolle/ploetulopi-plattenwolle/
Ich hoffe ich konnte Ihnen weiter helfen!
Mit vielen Grüßen,
Karin Brinker

Hallo haben sie noch Interesse an Plötulopi (Plattenwolle). Ich habe ca 1000g und werde damit nicht fertig.
Farbe
Grau 200g
Blau. 200g
Grün. 220g
Rot. 360g
Dann bitte melden

Wie ist das Hautgefühl bei dieser Wolle?
Eignet Sie sich für das „nackte“ Tragen auf der Haut? Sie spricht mich sehr an, jedoch trage ich meine Pullover gerne „natura“.

Da ich einfach jede Wolle auf der Haut mag, und je nach Lebenslage ertrage, bin ich wahrscheinlich die falsche Ansprechpartnerin.
Was aber Plötulopi wirklich auszeichnet, die Pullover aus diesem Material gestrickt, sind für Wollpullover superleicht und wärmend.

Hallo zusammen,

ich habe mir auch diese Wolle aus Island mitgebracht. Mit welcher Nadel strickt ihr, wenn 2 Fäden genommen werden?

Danke für eure Antwort,
VG Birgit

Hallo Karin,
Deine Erfahrung mit der Plattenwolle aus Island gefällt mir. Macht Lust die mal auszuprobieren.

Als meine Kinder noch klein waren, hatte ich zuletzt die Stricknadeln in den Händen. Meine Schwester und ich, wir hatten damals für die Kinder fast um die Wette gestrickt. Dann kam die Wende und alle Kleidung war so billig im Anschaffungspreis, sodass ich nicht mehr strickte. Die Pandemie hat mir, gewissermaßen wieder dazu verholfen. Mit viel Freude strickte ich viele bunte Strümpfe (Socken) bis jetzt, wunderbar, ich trage nur noch meine Arbeiten, tolles Gefühl, warm und sitzen sehr gut.
Nach Anleitung strickte ich für mich, einen Pullover aus dicker Islandwolle. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und nun ist die Stricksucht im vollen Gange. Weil ich ganz gern neues ausprobiere hat mich Dein Bericht über die Plattenwolle auf Deine Seite geführt. Dank die dafür.
Liebe Grüße aus dem schönen Westerwald von eine Thüringerin

Es geht nichts über selbst Gestricktes!
Falls du Hilfe benötigst, wenn du die Plötulopi verstrickst, melde dich.
Liebe Grüße,
Karin

Hallo Karin,
Vielen Dank für Deine Rückmeldung. Z.Z. Verarbeite ich Einband. Wenn der Pullover irgendwann mal fertig ist, möchte ich eine Herrenjacke aus Plötulopi stricken. Hab mir schon einen Schwung bestellt, bin sehr gespannt. Nun ist noch Gartensaison, da komm ich noch nicht so viel dazu, aber irgendwann sind wir mit der Ernte fertig und ich kanns mir dann mit meinem Strickzeug gemütlich machen. 🙂 wenn ich Hilfe brauch, werde ich mich gern an dich wenden. Dankeschön
Liebe Grüße Anne

Hallo Karin, jetzt wirds so langsam Herbst und die langen Abenden werd ich sicher auch mit stricken verbringen. Jetzt arbeite ich an der Herrenjacke mit der Plattenwolle aus Island. Doppelt mit RstNd 5 + 6. Mir ist aufgefallen, daß meine RstNd schnell stumpf, also nicht glatt, wird. Das liegt sicher auch daran, dass die kunstoffummandelt ist und die Plattenwolle noch etwas mehr rückfettet als z.B. die Einband, die gedrillt und mehr weiterverarbeitet ist.
Nächste Woche bekomme ich andere RndStnd, aus irgendeinem Metall, da verspreche ich mir einen flüssigeren Lauf der Wolle über die Nadeln. Ansonsten fühlt sich das bisherige Strickstück schon richtig gut an. Wie du auch schreibst, in deinem Artikel, sie hat einen leichten Schaf – Geruch, was mich nicht weiter stört.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Gruß Anne

Das Wollfett ist sicher die Ursache, dass sich die Stricknadel stumpf anfühlt. Mit etwas Seifenwasser kann dem abgeholfen werden, oder du strickst mit Holznadeln. Die nehmen das Lanolin auf
Gutes Gelingen und viele Grüße,
Karin

Hallo Karin! Wollte mich kurz mal melden. Ich hoffe du bist ok in dieser schwierigen Zeit! Die Herrenjacke, die ich strickte, wird getragen, ist gut mit der Plötulopi geworden. Leicht und wärmend. Ich strickte Raglan in Runden von unten nach oben, in den Bündchen einen Streifen mit einem helleren ton, sonst weiter einfarbig. Schwierigkeit war das aufschneiden vom Strickstück für den Reißverschluss, hatte ich noch nie gemacht, klappte aber gut. Als Schmuck strickte ich mit dem Stricklieschen eine Schnur und fädelte die in den doppelten Stehkragen ein. Ich hatte meine Bedenken, ob ich mit der Wolle zurecht komm. Alle Zweifel sind ausgeräumt, ich arbeite zZ an einen zweifarbigen Pullover für mich, mit dieser Wolle, weil ich unbedingt auch so ein wohlig warmes Teil aus Plötulopi möchte.
Pass schön auf dich auf, einen schönen Tag
Gruß anne

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