Stulpen für Hände und Arme – noch ein Versuch

oder …

Hauptsache die Finger sind frei und das Handgelenk schön warm!

 

Ich liebe Stulpen! Seit Jahren probiere ich neue Varianten und bin immer noch nicht zufrieden mit den Ergebnissen. Die perfekte Arm- oder Handstulpe oder der perfekte Pulswärmer scheint nicht erreichbar zu sein, egal ob gehäkelt oder gestrickt.

Hand-/Armstulpen 2016

Knackpunkt ist immer wieder der Daumen bzw. die Frage, ob er eine eigene Öffnung bekommt. Wenn die Antwort „ja“ lautet geht das Grübeln und Entscheiden weiter:

  • senkrechter Schlitz?
  • waagerechter Schlitz?
  • angestrickter Daumen?

Den besten Sitz hat eine Stulpe, wenn ein Daumenansatz wie bei Handschuhen angestrickt wird. Aber wenn man, wie ich, immer wieder die Stulpen von den Handflächen zu den Handgelenken streift muss der Daumen aus seiner wärmenden Hülle gezogen werden und dieser Zipfel sieht nicht so hübsch am Handgelenk aus. Deshalb lasse ich häufig diesen angestrickten Daumenteil weg und stricke über ca. drei cm einen Schlitz. Aber das sieht beim Hochstreifen auch nur gut aus, wenn die Stulpen richtig lang sind.

Das Modell 2009 – kurz, mit angestricktem Daumen

Stulpenstrickpause. Monate. Zeit zum Überdenken, Suchen, selbst entwickeln, … bis irgendwann durch Vieltragen der Verschleiß nach Nachschub ruft und ein hübsches Bild via Pinterest und Blog von schönstricken.de einfach Lust auf Weitermachen – egal wie – machte.

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Leider. Leiderleiderleider machte ich mir keine Notizen bei der Arbeit. Darüber ärgere ich mich vor allem selbst. Jetzt muss ich mich vor dem Beginn des neuen Pärchens ans Zählen machen. Nervig! Doch ich habe von den Handflächen aus hin zu den Armen gestrickt, einen senkrechten Schlitz für den Daumen eingearbeitet, am Handgelenk ein Bündchenmuster gestrickt und von dort aus in regelmäßigen Abständen Maschen zugenommen.

Als Material verwendete ich für diese Stulpen ein einfach gesponnenes Garn aus Schurwolle von Rowan, das bei mir seit mindestens 20 Jahren liegt und irgendwie nicht weniger zu werden scheint. Das hat auch sein Gutes. Schauen wir mal, wie viel Wärmendes aus den „Resten“ noch entstehen wird.

 

 

Wollkämmstation

oder …

 

Geld gespart durch selbst ist die Frau.

 

Rohwolle zum Verarbeiten vorbereiten ist anstrengend, egal ob sie gekämmt oder kardiert wird. Zum Kardieren hatte ich mir schon einmal eine Kardiermaschine geliehen. Tolles Gerät, von dem ich hier berichtet hatte. Allerdings war dieses Gerät bei reinem Katzenhaar überfordert.

Nun hat mein Hauptlieferant für Tierhaare, Francis, wieder einiges an Material von seiner Besitzerin herausgekämmt bekommen. Diese Lieferung wollte ich nun kämmen. Ich erkundigte mich im Internet, wie solche Kämme aussehen bzw. wie sie hergestellt werden können und traf sehr schnell auf ein Video über Benjamin Green’s Woolcombing kit. Cool, dachte ich mir. Das brauche ich. Am liebsten hätte ich mir eins dieser Teile bestellt. Leider war der Link zum Etsy-Shop Jahre alt und dann siegte die Sparsamkeit und die Lust auf Eigenbau.

 

Es brauchte ein paar Wochen grübeln, zeichnen, messen, ausprobieren, Material zusammensuchen, zusägen, usw. um am Ende auch noch die Zwingen selbst zu bauen. So entstand meine Wollkämmstation fast komplett aus Resten, bis auf die Nägel und zwei Flügelmuttern.

 

Auf die Zwingen bin ich besonders stolz. Sie entstanden aus Rundstahl, den ich am Anfang meiner Lehrerzeit aus einem Container einer Kinderwagenfabrik holen durfte (immer erst fragen, wenn man was aus dem Müll einer Firma holt!). Beim Aufräumen des Materiallagers meiner Werkräume entdeckte ich einen Rest davon und daneben ein alten Staubsaugerrohr.

Es hat so sein sollen. Rohr = Hebel! Ah!! Ruckzuck ließen sich die Stangen abwinkeln. Jetzt nur noch das Gewinde schneiden. Voilà, geht doch. Auch das ist wie Schwimmen und Radfahren. Einmal gelernt fehlt beim Ausprobieren nach Jahren nur die Übung. 😉

 

Alle Holzbretter sind Reste aus der Produktion von Vogelhäusern und Holzlastern. Für den Boden musste ich mehrere Teile verleimen.

Die Holzkugeln sind Überbleibsel eines Spiels.

Die dickeren Rundhölzer kommen aus meinem Keller und gehörten einmal zu einer Werkzeugkiste.

Die dünnen Rundhölzer und nicht zu sehenden Dübel kommen aus der Rundholz-Restekiste.

Arbeitszeit: Leider nicht dokumentiert. Schätzungsweise, ohne Planung, Trockenzeiten, 8 Stunden.

Gestrickte Kissenbezüge

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Der Kissen neues Kleid leert volle Wollkörbe

Ein Schrank voller Wollpullover, von denen ich mich schwer trennen kann, und davor, daneben, oben darauf stehen die Körbe voller übrig gebliebener Wollknäuel. Klar weiß ich, dass restliche Wollböppel gegen Kassenzettel oft zurück gegeben werden können. Manchmal nutze ich diesen Service tatsächlich, meist bin ich jedoch froh sie behalten zu haben. Allzuoft trenne ich das erste Strickwerk wieder auf und mache was anderes daraus. Dann bin ich froh über die Reste.
Nun sind wieder einmal alle verfügbaren Körbe voll. Es kullert aus allen Ecken und Enden wenn der Kater auf seinen morgendlichen Spritztouren quer durch die Wohnung dem Aufbewahrungssammelsurium zu nahe kommt.
Viele Jahre brachte ich bei jedem Viel-zu-viel-Status der Wollreste den ganzen Schwung in meine Schule, wo meine Kollegin und ich eine nach Farben sortierte Sammelstation eingerichtet hatten. Viele Kolleginnen beteiligten sich mit ihren Wollresten an dieser Sammlung und so lohnte sich ab und an ein Blick in die Kartons, bevor der Inhalt im Unterricht verarbeitet wurde.
Ich bin mir sicher diese Kartons existieren noch. Doch bevor ich mich auf die Suche nach ihnen mache um meine Knäuel dort einzusortieren, ging ich meinen Bestand noch einmal durch und entschied mich aus einigen Resten wieder Kissenbezüge herzustellen.
Dieses Mal sollen es keine runden Häkelkissen werden und auch keine runden Strickkissen, sondern Exemplare mit dem (den) Prädikat(en) quadratisch praktisch einfach schlicht.

 

Kissen #1 entstand aus den Resten von Strickwerk 2013 #4, einem braunen Alpakagarn. Die beiden Kissenplatten sind rauh rechts gestrickt, also in der Hin- wie der Rückreihe immer mit rechten Maschen.

 

Jede Kissenplatte umhäkelte ich vor dem Zusammennähen mit zwei Reihen fester Maschen, um, wie bei den Kindle-Hüllen, einen Eindruck von gestricktem Rand zu erreichen.

 

Lange überlegte ich, ob ich, oder wie ich eine Öffnung bzw. einen Verschluss in den Kissenbezug anbringen kann. Kurz bevor ich die zwei Teile einfach komplett zusammen nähte fand ich einen farblich passenden Reißverschluss noch aus DM-Zeiten zum Sparpreis von DM 2,45. 😉

 

Reißverschluss von Hand eingenäht und passt, der Reißverschluss.

Für die Füllung musste ich ein zweites Kissen in den Bezug stecken, da der Bezug durch das Rauh-Rechts-Muster elastischer ausfiel als erwartet.

 

Inzwischen ist Kissen #2 in Arbeit, wieder aus Resten eines Pullovers, mit 50 Maschen plus 2 Randmaschen als Anschlag. Gestrickt mit Nadelstärke 5.

 

Schwein gehabt und schon verschenkt

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Frustabbau mit „saumäßigem“ Ergebnis

Eigentlich sollte spätestens heute der zweite Teil meines Berichts vom Filzkurs in Oberrot hier stehen. Ist nicht so, leider. Er kommt noch, versprochen.

Mich hatte die letzten Tage eine emotionale Keule erwischt, die ich verarbeiten musste. Von „ich kündige“ bis „ich wandere aus“ gab es sogar kurz den Gedanken meinen Paladin bei ‚World of Warcraft ‚ zu aktivieren um ordentlich hauen und stechen zu können.
Eine gute Portion Zorn gepaart mit Enttäuschung von menschlicher Seite wollte abreagiert werden und ich fand den kleinen Weg dafür:

Nadeln stechen auf eine Kugel Rohwolle!

Es floss Blut! – Meins. War keine Absicht. Nicht sauber gezielt. Falsch getroffen. Dumm gelaufen.

Trotzdem weiter gemacht. Dabei etwas ruhiger geworden und langsam wieder geerdet ein rosa Schwein zusammengenadelt vor mir liegen gehabt. Das sollte wohl so sein!

 

 

An dieser Stelle wusste ich dann auch, dass sich der Weg von Schwein und mir trennen wird! Bald, gleich am nächsten Tag, zum Geburtstag einer lieben Kollegin.

Dazu musste allerdings noch einmal Blut fließen, beim Schneiden der Rosen in meinem Mini-vor-dem-Balkon-Garten, denn solch ein Schwein in Papier zu verpacken geht gar nicht! Solch ein Schwein passt am besten in einen rosa Rosenstrauß hinein!

 

Naja, am Anfang versuchte sich die kleine Sau noch zu verstecken! Aber dann … 😉

 

 

Großes Glück der kleinen Sau – sie ist NICHT essbar!

Tiere filzen ohne Ende #1

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Kreativfreizeit mit langen Tagen und kurzen Nächten

Da stehen sie, die ersten „Viecher“ aus der Tiermenagerie, die von uns zwölf Teilnehmerinnen in einem dreitägigen Filzkurs in Oberrot entstanden sind.
Gabi von Filzkram hatte uns im Rahmen des Kursprogramms von Wollknoll gezeigt, wie sie ihre genialen Tiere herstellt und sich sehr viel Zeit für uns Frauen genommen. Danke!

Auf die Idee selbst ein Tier, oder besser eine Katze, zu filzen kam ich Mitte 2013, als ich auf Gabis Blog ihren Beitrag zu „Ostfriesenmiezen“ fand. Bis zu meinem ersten „Schwabenkater“ brauchte es seine Zeit und ich übte so vor mich hin, bis Monate später die „Heidekätzchen“ entstehen konnten.

Als Autodidaktin blieb mir die Unsicherheit, ob ich technisch auch korrekt arbeite. Was es an Büchern und im Internet an Informationen zum Filzen gab, überzeugte mich oft nicht oder ich konnte es nicht nachvollziehen. Das Kursangebot unserer Volkshochschule überzeugte mich noch viel weniger und nun bin ich froh abgewartet zu haben, bis Gabi einen ihrer Kurse in Süddeutschland anbieten konnte! DIE Chance DAS zu lernen was ich möchte und dazu noch die kreative Seele hinter den Filztieren mit Charakter kennenzulernen!

Drei lange Tage und zwei kurze Nächte liegen hinter mir und ich weiß nun:

Auch beim Filzen von Tieren gilt – Am Anfang ist das Ei!

Und daraus entstehen dann Hühner, Raben, Fische, Esel, Frösche, Schafe und natürlich auch Katzen! 😉

Viktor und Vitali sind zwei meiner Katzen, die in diesen Tagen unter Anleitung entstanden sind. Naja, bis auf Vitalis Tutu und Unterhose. Diese sind eigene Kreationen. Wobei es eigentlich von meiner Seite her nicht unbedingt eine Notwendigkeit gab ihm eine Unterhose zu verpassen.

Aber nachdem die Maus so neugierig unter seinen Rock, öhm – sein Tutu, schaute, machte ich mich an die Arbeit.

 

Der erste Tag

Filzkater Viktors Embryonalstadium:

Viktor mit allen Körperteilen an Ort und Stelle und fertig für sein erstes Bad. Er hatte den Luxus dazu einen eigenen Eimer zu bekommen, so klein wie er war. Alle anderen mussten sich die Wannen teilen.

 

 Streifenkater Vitali entstand in einer Abend- und Nachtschicht.

 

 

Der zweite Tag

Aus den Bädern genommen wurden die Tiere gewalkt in Form gebracht und mit Kleidung versorgt.

 

Was für ein Spaß, als die Truppe sich anfing zu versammeln! Der kleine Dicke rechts im Vordergrund ist mein Viktor.

 

Der dritte Tag

Nun ging es an kleine eigene Projekte (ich werde über meines extra berichten) und die Feinbearbeitung unserer Tiere. Es fehlten ja bei allen Tieren noch Gesicht und Augen!

 

 

Und je später es Nachmittag wurde umso mehr leerte sich die Trockenbank … es wurde Zeit zum Abschied nehmen. Noch feucht hinter den Ohren gingen Fuchs, Katze, Maus & Co. auf Heimreise mit ihren Schöpferinnen!

Liebe Gabi, liebe Filzkolleginnen, es war eine schöne Zeit mit euch!

Nachtrag:
Noch mehr Bilder gibt es hier von Gabi.

Pullover-Tunika aus Islandwolle mit Anleitung

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Strickwerk 2015 #3

Niemand will im April an den nächsten Winter denken! Die Nächte erinnern noch genug an die kalte Jahreszeit und jedermann und -frau sucht sich doch lieber ein windgeschütztes sonniges Fleckchen um den warmen Pullover auszuziehen.

Tja,
damit hätte ich mir diesen Blogpost eigentlich schenken können. 😉

Wenn ich da nicht diesen Pullover aus Islandwolle, Plötulopi, über dessen Anfänge ich im Januar berichtet hatte, nicht nur fertig gestrickt, sondern inzwischen auch Probe getragen und erfolgreich gewaschen hätte.

Und ich weiß eines gewiss, was ich mir von meiner nächsten Reise nach Island von dort mitbringen werde!
Jedes noch so kleine Eckchen in meinen Taschen werde ich mir mit Plötulopi stopfen!!!

Da es außer mir noch andere weibliche Islandreisende gibt, die gerne stricken, nicht empfindlich gegenüber „kratzende“ Wolle sind und warme, superleichte Pullover lieben gibt es hier meine Anleitung für diesen Pullover.

 

 

Ich wollte die Anleitung nicht mit einem „Wasserzeichen“ verhunzen, deshalb gibt es sie hier nur in klein. Wer sie in höherer Auflösung haben möchte kann mir ein Email schicken.

Noch mehr Katzenwolle

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Andere halten sich ein Schaf

Es ist kaum zu glauben wie viel Haar manche Katze (oder Hund) im Laufe ihres Lebens verliert! Was der Staubsauger nicht schafft landet unerfreulicherweise auf der dunklen Hose, dem schwarzen T-Shirt und auch schon einmal auf dem Brötchen. Meine Staubsaugerbürste verweigert seit einigen Tagen gleich ganz den Dienst. Selbst nach dem allmonatlichen Reinigungsritual – aufschrauben, entfusseln, enthaaren, abpinseln und wieder zusammensetzen – dreht sich die Bürste nicht mehr. Wieder ein Gerät, das nicht hält, was es verspricht, zum Devil aber auch! Garantie hin oder her, der Fachverkäufer wird sicher nicht erfreut sein mich wieder zu sehen. Vielleicht aber doch, denn bei der Häufigkeit, die wir uns sehen, kennt man sich ganz gut mittlerweile. Aber Freunde werden wir wohl nicht.

Dabei tu ich doch alles, damit es dem Staubsauger gut geht!

Frei nach dem Motto: ‚Wehret den Anfängen!‘ musste Kater Harry regelmäßig unter dem Ferminator Haare lassen, damit die Staubsaugerbürste geschont werden konnte. Nachbarskater Francis kennt als langhaariger Maine-Coon diese Prozedur auch, mag diese (im Gegensatz zu Harry) ganz und gar nicht, sehr zum Leidwesen seiner Menschen. Trotzdem flockt es munter weiter aus unseren tierischen Freunden und den optimalen Staubsauger, der mich nicht ins Armenhaus bringt, habe ich noch nicht gefunden. Also muss Francis weiter gebürstet werden und was ist der Bursche ergiebig!

Hier liegen knapp 350 g kardierte Maine-Coon-Wolle, die Francis meist nicht freiwillig zur Staubsaugerentlastung und zum Wohlergehen seiner Menschen in den letzten ein bis zwei Jahren lassen musste.

Den Haufen von Hand aufzuarbeiten gab ich bald auf. Um den Nadelbelag meiner Handkarden stand es nicht zum besten und es dauerte ewig bis ein Haarbällchen entknubbelt war. Die Anschaffung einer Trommelkardiermaschine reizte mich, aber diese Geräte sind nicht unbedingt billig zu nennen. Außerdem fürchtete ich, der Kardiermaschine wird es genauso gehen, wie meiner neuen Nähmaschine. Diese wartet seit dem Kauf immer noch auf ihren ersten Einsatz.

Irgendwann kam mir im Baumarkt die Idee: Wenn man teure Maschinen bzw. Werkzeuge leihen kann gibt es diese Möglichkeit vielleicht auch für eine Karde.
Suchanfrage in Google modifiziert und im Internet tatsächlich fündig geworden. Das-Wollschaf.de macht es möglich! Knapp zwei Wochen später stand eine niegel-nagel-neue Trommelkarde bei mir … bloß ich hatte völlig unverhofft einen zusätzlichen Kübel Arbeit über mich geschüttet bekommen und keine Zeit sie einzusetzen.

Aber jetzt!!

Trotz der Trommelkarde war es nicht einfach das Katzenhaar in Form zu bekommen. Die Maine-Coon-Fasern sind zwar deutlich länger, als die von meinen „Briten“, aber sehr fein und weich. Das Zeug flutschte wo es nur konnte auf die vordere Walze und lud sich ständig elektrisch auf.

 

Zuletzt klappte es dann doch! Haarbällchen nach Haarbällchen landete auf der großen Nadelwalze und dann als kardiertes Vlies zuerst auf den Tisch.

 

 

Jedes Vlies ließ ich zwei Mal durch die Kardiermaschine laufen. Bei einem kleinen Teil ließ ich meinen letzten Rest Merinowolle mitlaufen. Das war eine gute Entscheidung. Das Vlies ist deutlich stabiler.

Arbeit erledigt und ich weiß immer noch nicht, was ich aus dem Material machen soll. Deshalb packte ich alle Vliese in Seidenpapier ein. Vielleicht nehme ich sie zum Filzkurs mit, zu dem ich mich im Juni angemeldet habe.

Fachkundige Kontrolle von Kater Chewie, der, zu seinem Glück, nicht so viele Haare verliert und eher selten den Ferminator an sich lassen muss.

Noch einmal ein Eindruck von der Menge, die ein Maine-Coon-Kater liefern kann. Die Ausbeute kann sich zeigen lassen.

Morgen wird das Gerät abgebaut, wieder eingepackt und es kann seine Rückreise antreten. Die Ausleihgebühr von 20 € haben sich wirklich gelohnt.

Plötulopi auf der Nadel

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Stricken und von Island träumen

Der Januar ist noch nicht vorbei und das dritte Strickwerk des Jahres liegt auf der Nadel – wieder ein Pullover für mich. Der nächste Winter kommt bestimmt und ich bin der Meinung, Pullover kann man nicht genug haben! Da ich es fertig bringe selbst in Ägypten zu frieren (nicht tagsüber ;-), aber nachts kann es sich schon empfindlich abkühlen) kann ein weiterer Pullover nicht schaden.

Wie auf dem Foto zu sehen ist stricke ich diesen Pullover nicht aus Knäueln, sondern mit einem Mitbringsel aus Island:

Plötulopi.

 

Der Wortteil lopi bedeutet ungesponnene Wolle, und wer das Garn in den Händen hält kann es nicht glauben, dass daraus tatsächlich tragbares Strickwerk herzustellen ist. Bei diesem Garn ist keine festigende Drehung bei den Fasern zu erkennen, wie sie beim Spinnen von Wolle entsteht.

 

Plötulopi ist dann frei übersetzt Platte aus ungesponnener Wolle, Plattenwolle, obwohl mich das Material, so wie es verkauft wird, eher an runde Scheiben erinnert. Auf jeden Fall haben diese Wollplatten, so flach wie sie sind, ein optimales Stapel- bzw. Lager- und Transportvermögen.

Ostern 2013 füllte die grüne Wolle die Hohlräume in meinem Reisekoffer und im Sommer konnte ich in Kirkjubaejarklaustur nicht an der grauen Wolle vorbeigehen.

Islandwolle ist mir nicht neu. Mit diesem Material machte ich während meines Studiums, Ende der 1970er Jahre, zum ersten Mal Bekanntschaft, als ich mir etwas zusätzliches Taschengeld durch Stricken verdiente.
Ein Auftrag war damals gewesen eine Jacke nachzustricken. Das hörte sich machbar an, die Jacke hatte auch kein anspruchsvolles Muster. Im Zeitrahmen von drei Wochen sah ich auch kein Problem und ich hatte den Job sofort angenommen. Etwas vorschnell, wie sich herausstellen sollte.
Als ich zuhause die Tüte auspackte, das Material aus den Tiefen der Tüte hervor holte, dachte ich erst einmal, da macht sich jemand einen Scherz mit mir! Aus diesem Fusselzeug wird NIE ein Strickwerk!!

Sechs Platten hatte ich zur Verfügung, die teilweise durch Transportschäden entsprechend verrupft etliche Fadenanfänge anboten. Das gestrickte Probestück war eine Katastrophe, doch ab dann wollte ich es mir selbst beweisen. Ganz so zuversichtlich war meine Mutter nicht. Meinen Kampf beobachtend, reparierte sie stillschweigend nebenher schon einmal die alte Jacke des Kunden, an der er so hing. Falls meine Bemühungen mit der neuen Jacke daneben gehen sollte, wäre die Reparatur wenigstens ein kleiner Ausgleich, dachte sie sich.

Für Anfänger mit festem Griff von Nadeln und Wolle ist Plötulopi nicht zu empfehlen. Für Strickerinnen und Stricker mit Erfahrung ist dieses leichte, fragile Garn eine tolle Sache.

Gestrickt wird die Plattenwolle mit zwei bis drei Fäden. Ich stricke mit zwei Fäden. Ein Faden wird aus der Mitte der Platte geholt und der zweite Faden wird von außen genommen. Manche wickeln zuerst Knäuel bevor sie mit dem Stricken beginnen. Mir ist es jedoch lieber direkt von der Platte weg zu arbeiten. „Verdünnisiert“ sich doch einmal ein Faden, wird das abgerissene Stück einfach wieder, etwas überlappend, angesetzt und man kann weiter stricken. Dabei muss nichts vernäht werden!

Auftrennen ist keine gute Idee! Erst denken, dann handeln, damit Fehler sich ersparen.

Im übrigen wurde es damals eine schöne Jacke!
Jedes abgerissene Fitzelchen hatte ich gesammelt und hinterher daraus einen stabilen Faden zum Zusammennähen gesponnen.

Nun ist mein Pullover in Tunikalänge aus Plötulopi im Entstehen. Die Farben erinnern an das Land, das ich es bei jedem Stich vor Augen habe.

 

 

Dazu gibt vor allem die graue Wolle, die in Folie eingeschweißt verkauft wurde, das passende, bis zum Auspacken konservierte, Schafaroma ab! Islandgefühl mit allen Sinnen! Fernweh!

 

 

Ein langer Pullover wird Strickwerk 2015 #1

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Aus alt mach neu!

Feiertage heißen schlemmen und genießen mit geruhsamen Stunden, vor allem an Weihnachten. Ich schaffte es noch den Kühlschrank zu füllen, ein paar Flaschen Wein ins Weinregal zu stellen und einen Kasten Wasser in die Garage zu bringen um mich dann zusammen mit einer Wärmflasche auf die geruhsamen Stunden zu beschränken. 🙁

Glücklicherweise bot das Fernsehen über die Feiertage ein umfangreiches Programm für eine Krankenstube. Nach der x-ten Wiederholung von „Stirb langsam“, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Tatsächlich Liebe“ bin ich die Tage bei „Drei Männer im Schnee“ angekommen, immer noch nicht gesund aber mit einem fertigen Pullover!

Einfach nur so vor der Glotze zu hängen war mir auf die Dauer zu wenig Ablenkung von den Leckereien in der Küche. Zu umtriebig durfte das Begleitprogramm jedoch nicht sein, damit das aufgeheizte Kirschkernkissen nicht vom Bauch rutschen konnte.

Stricken – JA!
Sessel, Kuscheldecke, Tischchen mit Teetasse rechts, Strickkorb links, Kater mittendrin – tolle Idee!
Aber mit was?
Der Kühlschrank voll (wenn man nichts essen kann muss man IMMER zuerst daran denken) aber in den Wollkisten und -körben nichts richtig motivierendes in ausreichender Menge! Wie blöd ist DAS denn?!
Auf meiner Materialsuche opferte ich den Pullover aus dem Kleiderschrank, den ich am seltensten angezogen habe und ribbelte ihn auf. Das war das Ende von Strickwerk 2012 #1.

Höre ich nach dem Klick auf den Link einen Aufschrei?

Lohnt sich nicht!

Gelohnt hat sich dafür das neue Strickwerk. Aus dem teilweise sehr filigranem Strickpullover entstand ein wirklich tragbarer, einfacher, langer Pullover in der Länge einer Tunika – ohne Anleitung, Reihe für Reihe passend auf meine körperlichen Gegebenheiten gearbeitet, die je nach Körperpartie irgendwo zwischen Größe 38 und 42 liegen. Wie das eben so ist bei Frauen Mitte/Ende 50.

 

Es ist mein momentaner Lieblingspullover und ich überlege ihn mit Islandwolle noch einmal in Variation zu stricken. Dann gibt es die Anleitung in Reinschrift.

Das Aus für meinen Filzstein-Teppich

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Ungebetene, verfressene Gäste

Tierfreund hin oder her, bei manchem Getier hört es dann aber wirklich auf! Den Regenwurm rette ich, über die Wespe wird ein Glas gestülpt damit ich sie wieder nach draußen befördern kann, Spinnen liebe ich und finde sie nur toll (die Netze sollen sie aber bitte woanders platzieren 😀 ), Ameisen und ihre Straßen sind einfach faszinierend, aber bei Fliegen, Mücken, Pferdebremsen hört es dann so langsam auf. Ok, Fliegen kackern eigentlich nur die Fensterscheiben voll, allerdings machen  sie Geräusche und stören den Nachtschlaf. Das ist Frevel genug um in die Klatsch-mich-Liga der stechenden Schwirrer eingeordnet zu werden. An dieser Stelle überspringe ich Silberfischchen & Co. (Yuck!) und komme zu meinem Gruselthema des Tages (Igitt!).

Die Natur hat eine wunderschöne Gattung herausgebracht, die der Schmetterlinge, und die kleine Raupe Nimmersatt war eines der Lieblingsbilderbücher meiner Kinder. Doch wie jede Gattung hat auch die der Schmetterlinge ihre schwarzen Schafe, die Motten! Egal ob in der Küche oder in der Kleidung – sie sind die Pest! Vor Jahren hatte ich mit einer Packung Grieß eine lebensmüde Abart eingeschleppt, die sich über eine Tüte Chilipulver in meiner Küche hermachte, dies überlebte und hoch errötet im Larvenstadium entlang der Küchenwände das Weite suchte!

Doch in meiner Wolle hatte ich über all die Jahre die ich stricke, spinne und nähe NIE einen Besucher der Familie Schmetterling, bis jetzt, und ich habe keine Ahnung wie diese an Lavendel, Sandelholz und anderen Gegnern vorbeigekommen sind. Hier gibt es eigentlich keine Chance für Kleidermotten trotz all der Wolle und der Stoffe um mich herum – taucht eine auf lasse ich alles stehen und liegen und kenne keine Gnade mit ihr. Klatsch und fertig! Dachte ich. Bis heute.

Heute wollte ich beginnen meine über Monate erarbeitete Sammlung an gefilzten Kieselsteinen zu einem Teppich zusammennähen. Und da lag der erste Teil meiner Filzsteine auf meinem Wohnzimmertisch.

 

Was mich irritierte, waren die vielen kleinen Krümel, die mit den Filzkieseln aus den Sammelbehältern rieselten. Ich ahnte ja schon einiges und setzte mir die etwas schärfere Brille auf. Pfui Teufel, was sich da bei näherem Hinsehen zeigte! Teilweise ähnelten die Filzsteine in der Struktur dem Schweizer Käse oder hatten eine zerklüftete Mondlandschaft als Oberfläche.

 

Bei allem Ekel setzte sich mein Forscher-Gen und die Neugierde durch. Also holte ich die Kamera heraus um das ganze Desaster zu dokumentieren, als beim fotografieren Bewegung auf den Steinen entstand! Uhh! Nein, solch einen Wurm hatte ich bisher noch nicht in Wolle gesehen!

Das wollte ich mir dann noch etwas näher betrachten und ich erinnerte mich an die DIY-Bastel-Makrolinse für mein iPhone. YES! Und ich fand es auch sofort – ist ja ein ordentlicher Haushalt, bis auf kleine Monster in und auf meiner Wolle. ARGH! Da bewegte sich das Teil schon wieder!

Irgendwie sah mein Forschungsobjekt schon interessant aus, wie ein filziger Fussel, der tatsächlich mit ein wenig Geduld sein Vorne und Hinten zeigt.

Vorne streckt sich die Larve etwas aus dem Fussel heraus, hält sich auf dem Untergrund fest und zieht den Rest dann hinter sich her.

 

 

Inzwischen weiß ich mit wem ich es zu tun habe, einer Verwandten der Kleidermotte (Tineola bisselliella), der Pelzmotte (Tinea pellionella). Die Larven der Pelzmotten spinnen sich eine schützende Röhre und tragen diese mit sich herum, das ist typisch für diese Art, was sie wie wandernde Fussel aussehen lässt.

Ich habe mich nun von allen Naturmaterialien und Werkstücken aus meinem Arbeitseck Filz getrennt und hoffentlich nimmt keiner die Maisstrohmatten, die auch in dem Eck standen und die ich vorsorglich mitentsorgt habe wieder aus dem Müllcontainer! Leider war unter den von den Motten befallenen Rohmaterialien auch mein angefangenes Filzkaterchen und Katzenhaar von meinem verstorbenen Kater Harry.

Für heute habe ich genug vom Dasein als Forscher, Entsorger und Kammerjäger. Morgen geht es weiter. Doch zuerst werde ich wieder Tierfreund sein, also Katerchen füttern und sein „Katzenkino“ (das Vogelhaus vor dem Küchenfenster) versorgen 😉 .