Vielseitige Brombeere

oder …

Lecker zum Essen, gesund zum Trinken, interessant zum Malen und Zeichnen

Zum Essen – sauer oder süß?

Brombeeren als Beerenfrüchte sind lecker, ob frisch oder verkocht oder als Auszüge. Kulinarisch verarbeitete ich im Sommer 2017 Brombeeren in Essig zusammen mit Rosmarin. Ich finde es immer wieder interessant zu beobachten, wie sich von Wenden zu Wenden bzw. Schütteln, Tag für Tag die Farbe der Flüssigkeit verändert. Vom sanften Goldgelb des verwendeten Bio-Apfelessigs ist nach zwei Wochen nicht mehr viel übrig. Das Rot kommt langsam durch. Ende September wurde der Essig-Auszug Ende September abgesiebt und ich liebe das herb-fruchtige Aroma.

 

Die Beeren stammten aus dem Schulgarten und ich sammelte in den Sommerferien fleißig die reifen Beeren. Einige warten im Tiefkühlgerät auf die weitere Verarbeitung in der Schulküche.

 

Zum Trinken – herb oder aromatisch?

Nach der ersten Beerenernte entwickeln sich am Brombeerstrauch die ersten neuen Triebe. Diese jungen Blätter sammle ich, lagere sie im 0°C-Fach meines Kühlschranks, bis ich eine gute Menge zusammen bekommen habe. Eigentlich können diese Blättchen einfach so für Tee getrocknet werden. Allerdings beinhalten Brombeerblätter eine ganze Menge an Gerbstoffen, was aus dem Tee später herb herausschmeckt. Ich fermentiere deshalb meinen Brombeerblätter-Tee. Schwierig ist das nicht, aber etwas aufwendig. Im Internet kursieren etliche Anleitung zum Fermentieren von Brombeerblättern, zum Beispiel von:

Ich persönlich fermentiere seit Jahren Brombeerblätter nach Art der Kräuterfrau aus der Schweiz.

Zarte Brombeerblätter von den Trieben pflücken und erst einmal im Schatten anwelken lassen.

Die Brombeerblätter in feine Streifen schneiden. Ich verwende dazu inzwischen auch die Schere, wie die Schweizer Kräuterfrau.

Die zerschnittenen Brombeerblätter auf einem sauberen Küchentuch aus Baumwollstoff, das ansonsten keine Verwendung mehr hat, ausbreiten.

Alle Brombeerblätter mit Wasser besprühen und mit dem Nudelholz kräftig bearbeiten – rollen, nicht klopfen. Immer wieder auflockern, neu besprühen und bearbeiten. Die Blattstreifen müssen richtig schlapp sein.

Die schlaffen Blattstreifen mit fein abgeschnittener Zitronenschale belegen.

Alles nicht zu fest zusammenrollen (aber auch nicht zu locker), in eine Plastiktüte packen und an einem warmen Ort in die Sonne legen. Am besten klappt das während einer warmen Sommerperiode. Es funktioniert jedoch auch auf einem hellen, warmen Fensterbrett.

Nach ungefähr vier bis sechs Tagen hat es im Bündel kräftig „gearbeitet“. Das Päckchen kann aufgeschnürt und ausgerollt werden. Die Blätter sind deutlich dunkler geworden und ich freue mich jedes Mal über den herrlichen, herb zitronigen Geruch.

Jetzt müssen die fermentierten Blätter noch im Backofen oder im Dörrautomat getrocknet werden, bevor ich mit diesen Blättern meinen Jahrestee zusammenstelle. Dieses Jahr hatte ich die Idee bei der zweiten Ernte, die Zitronenschale nicht mehr in so dicken Streifen beim Fermentieren zu verwenden. Ich schnitt mit einem speziellen Schneider Zesten in die Blätter, die ich nach dem Fermentieren nicht entfernte, sondern mit trocknete und im Tee ließ. Ich finde es lecker.

Eine erste Probe musste jedoch schon einmal sein: fermentierte Brombeerblätter, Sonnenblumenblütenblätter, Brennnessel und etwas getrocknete Zitronenschale.

 

Anmerkung:

Tee kann auf diesem Weg auch mit Himbeerblättern und Erdbeerblättern hergestellt werden. Tee aus fermentierten Brombeerblättern, und Mischungen mit anderen Blattarten, ist eine Alternative zu Schwarztee, wenn man auf Koffein verzichten möchte. Diese Teemischungen sind auch bekannt als „Deutscher Tee“.

 

Zum Malen, als Farbe für Fasern – in Fruchtfarbe oder Gerbstoff-braun?

Wie am Baumwolltuch vom Fermentieren gut zu erkennen ist, Brombeerblätter färben braun, nicht tiefdunkelbraun, eher goldbraun. Mit Blättern und Trieben lässt sich Stoff färben und auch Malfarbe herstellen.

Im Winter geschnittene Triebe eignen sich zusammen mit Schlehen- und Weißdornzweigen zur Herstellung von Dornentinte (Link). Die Schreibtinte aus den im Sommer geschnittenen Triebe blieb sehr hell, leider.

Bleiben die Früchte, die beim Essen nicht nur die Zunge bläulich rot färben und beim Kleckern oft „echte“ Flecken auf der Kleidung hinterlassen. Tatsächlich wurden mit Brombeeren schon im Mittelalter und in grauer Vorzeit Fasern gefärbt. Der Trester nach der Saftherstellung landete früher nicht auf dem Müll. Solange irgendwelche nahrhaften Inhaltsstoffe zu erwarten waren konnte zumindest das Vieh damit glücklich gemacht werden. Beerentrester eignet sich vor dem Verfüttern jedoch noch zum Färben von Fasern und Stoffen. Die Farbintensität ist auf ihnen geringer, da viele Farbanteile schon im Saft gelandet sind, wenn der Trester wieder mit Wasser verdünnt wird. Andere Techniken verwenden den noch feuchten Trester direkt auf Stoffe, indem die Restflüssigkeit eingeklopft oder eingepresst wird.

links Baumwollstoff mit Brombeertrieben gefärbt, rechts ein Presstuch aus Baumwolle vom Entsaften von Brombeeren

Mich hat der Umfang der Farbpalette, die mit Beeren der Brombeere auf Wolle und Seide erreicht werden kann schon als junge Erwachsene fasziniert. Damals entdeckte ich für mich die Tresterfärbung und ich liebte vor allem die ungleichmäßigen blass-blau-altrosa Färbeergebnisse. Arme Leute erkannte man im Mittelalter auch an der Farbe ihrer Kleidung, denn sie war meist ungleichmäßig, fleckig gefärbt. Ganz klar, denn Essen geht vor. Mir ging es als junger Studentin in etwa ähnlich.

Gerade habe ich nachgelesen, dass aus den Wurzeln der Brombeere ein braunschwarz bis schwarz gefärbt werden kann. Das werde ich ausprobieren. Nicht sofort!

 

Brombeerentraditionen und Geschichten

Schon einmal etwas vom Brombeermann gehört oder kennt ihr die Verbindung von Frau Holle zu den Brombeeren?

Nicht? Keine Sorge, ich lernte diese Geschichten auch erst im Laufe meiner Prüfungsvorbereitung zur Kräuterpädagogin, während meiner Recherchen, kennen.

Der Brombeermann ist eine wichtige Figur im hessischen Ort Wanfried, der in der Nähe von Eisenach liegt. Wenn im Juli das Schützenfest stattfindet übernimmt er sogar für ein paar Tage die Herrschaft im Ort. (Nachzulesen auf der Internetseite von Wanfried, im Archiv der Westfälischen Nachrichten und bei Wikipedia).

Grob nacherzählt hat der Lieblingszwerg der Frau Holle zu heftig mit ihrer Perlenkette gespielt. Als sie zerriss verwandelten sie sich in Beeren, die er im Laufe des Tages alle einsammeln musste um sie wieder zu Perlen werden zu lassen. Wenn er dies nicht bis zum Sonnenuntergang schafft hängen alle Beeren wieder an den Pflanzen und Sträuchern und das Spiel geht am nächsten Tag wieder von vorne los. Zum Glück hatte Frau Holle nach tausend Jahren ein Einsehen und erlöste den Wurzelmann von diesem Fluch.

Eine andere Legende aus England erklärt, warum man nach dem 11. Oktober keine Brombeeren mehr ernten sollte. An diesem Tag soll der Teufel aus dem Himmel vertrieben worden sein und er fiel dabei in einen Brombeerstrauch. Darüber war er so erbost, dass er ihn daraufhin verfluchte  und seine Früchte ungenießbar machte. Andere Versionen der Legende erzählen, der Teufel hätte vor Zorn über seine Verletzungen auf die Früchte gespuckt und sie somit zu Teufelsbeeren gemacht. Ich habe allerdings in diesem Jahr noch leckere Früchte nach dem Stichtag geerntet bis ich tatsächlich eine der ekelhaftesten Beeren, die ich je gegessen habe, erwischte. Pfui Teufel aber auch! Allerdings hat das Phänomen nichts mit der mangelhaften Treffsicherheit des Teufels beim Spucken zu tun. Verantwortlich sind Beerenwanzen, die nicht nur Brombeeren, sondern unter anderem auch Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren aussaugen und im Austausch Verdauungssäfte in der Beere hinterlassen. Das machen sie auch schon vor dem 11. Oktober. Allerdings ist es immer nett einen Schuldigen für Teufelszeug die Teufelsbeeren zu haben.

 

Tatsächlich gehört die Brombeere mit zu den ältesten bekannten Heilpflanzen. Man fand Reste von Brombeeren in Keltengräbern. Theophrast, ein Schüler des Aristoteles, hat schon ca. 350 Jahre v. Chr. über die Brombeere berichtet, wie auch Galen als griechischer Arzt in Rom praktizierend 500 Jahre später. Viele Kräuterbücher aus dem Mittelalter bieten Rezepte mit allen Pflanzenteilen der Brombeere um Mensch wie Tier gesund zu erhalten bzw. zu heilen.

Alles kommt wieder. Heute fand ich im Gemüseangebot eines Bio-Supermarkts in einer Blatt- und Kräutermischungen für grüne Smoothies Brombeerblätter. Wer es mag.

 

Was mir an der Brombeere gefällt ist vor allem die Ausdauer und ihre Robustheit. Irgendwie schafft sie es, zum Kummer vieler Kleingärtner, immer wieder zum Vorschein zu kommen. Auch im Winter ist sie einfach immer da, schließt mit Dornen und Blattwerk viele Hecken, und wenn sie im Frühjahr blüht zeigt sie ihre Pracht als Rosengewächs mit hübschen Blüten.

Brombeerranken an einem frostigen Morgen im November

 

 

Das war ein Auszug meiner Ausarbeitung zur Brombeere für meine Abschlussprüfung zur Kräuterpädagogin, den ich gerne mit euch teilen wollte.

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

Woche 40/2017

und …

Noch 14 Tage bis zum letzten Prüfungstag!

Diese Woche brachte der Schulbetrieb ein Komplettprogramm: Unterricht mit Vorbereitung und Korrekturen, Elterngespräche, Elternabend, Klassenkonferenzen und Schülergespräche. Vor allem letzteres beutelte mich sehr.

Schüler A, aus Afghanistan, hat seinen Abschiebungsbescheid bekommen. In der ersten großen Pause der Woche legte er mir das Papier auf’s Pult und fragte: „Darf ich ins Bürgeramt gehen? Ich muss da noch was erledigen.“ Ein Blick auf das Papier reichte um den Inhalt zu erfassen, nur musste ich mich schwer zusammenreißen um nicht in Tränen auszubrechen. Beinahe entstand die Situation, dass mich mein Schüler hat trösten müssen. Morgens hatte ich noch im Radio einen Kommentar von amnesty international gehört, die Abschiebungen nach Afghanistan als illegal bezeichnen, da dieses Land alles andere als sicher ist.  Ich mag mich nicht damit abfinden, dass einer meiner motiviertesten Schüler demnächst in ein Land reisen muss, aus dem er zwar kommt aber wo er kein Zuhause mehr hat.

Schüler B, geboren in Saudi-Arabien, hat jahrelang mit der Familie in Syrien gelebt. Bei Kriegsausbruch ist die Familie getrennt worden. Ein Teil der Familie kam nach Deutschland, ein anderer Teil flüchtete zurück nach Saudi-Arabien. Obwohl er sich in Deutschland gut eingelebt hat, sich mit der Familie des Onkels gut versteht, mit seinen Cousins vertraut ist wie mit Geschwistern möchte er doch zu den Eltern. Diese leben wieder in Saudi-Arabien und jetzt wird seit Monaten gerungen welche Staatsangehörigkeit Schüler B nun hat. Nach Aufenthaltsstatus darf er nur in sein Herkunftsland vor seiner Flucht ausreisen – also Syrien. Was soll er aber alleine in diesem Land? So wartet er, und wartet, und wartet, darauf, zu seinen Eltern in Saudi-Arabien ausreisen zu dürfen. Inzwischen findet er sich mehr und mehr mit der Situation ab, denn er hat Sorge zu viel von seinen Arabisch-Kenntnissen verloren zu haben um in Saudi-Arabien einen guten Schulabschluss machen zu können.

Zur Entspannung weite ich meinen Heimweg, ein Fußweg der eigentlich nur fünf Minuten dauert, aus. Ich laufe Schleifen, gehe über die Wiesen, in den Schulgarten. Unterwegs sammle ich immer ein paar Gegenstände mit denen ich meinen Herbstteller auf dem Esstisch peu à peu auffülle. Leider geht er immer wieder zwischen Büchern und Blättern und anderem Material unter.

Zuhause sieht es nicht nur in der Küche immer chaotischer aus. Ich komme immer wieder auf neue Ideen für die Abschlusspräsentation und für die mündliche Prüfung. Hier trocknen gerade Farbproben aus roter Zwiebelschale auf Baumwollstöffchen und Wolle zwischen den Küchengeräten. Auf der Herdplatte liegt ein anderes Farbergebnis und die Vorbereitung für die nächste Farbprobe. Daneben stehen Fläschchen und Gläser mit Samen, Auszügen in Öl oder Alkohol, und mehr.

Zum Kochen bin ich die Tage nicht viel gekommen, es wurde gegessen was gerade schnell verfügbar war, und so war heute Morgen der Blick auf die Anzeige der Personenwaage unerfreulich. Kein Wunder, dass meine Füße wieder so schmerzen. Bei der Gewichtszulage würde ich auch meutern. Kein Sport seit Anfang August rächt sich jetzt deutlich.

Dafür bekommt die Nase Luft! Zudem sind zehn Wochen ohne Rüsselpest einfach super. Da rutschen die Mehrkilos auf den Hüften und am Bauch erst einmal in die Ablage -> später zu erledigen.

Nicht zu erledigen waren dann jedoch ein paar Räumarbeiten. Sohnemann hat sich bei einem Telefonat ganz nebenbei für einen Besuch angemeldet: „Ach, übrigens, … ich komme dann mal wieder vorbei!“. Die anschließende Schrecksekunde (Wie bekomme ich das Zimmer auf die Schnelle besucherfertig?  bzw. Wo räume ich all‘ das Zeug für die Prüfung hin?) zeigte mir, dass dieser Besuch jedoch das Beste ist was mir in diesen Tagen passieren konnte.

Zum einen habe ich Sohnemann wieder um mich, was immer gut tut!

Zum anderen wurde mir beim Abräumen seines Schreibtischs, auf dem ich alle Präsentationsteile lagerte, klar, es reicht an Objekten, Beispielen, Mustern, …

Was mir beim Fotografieren in der Wohnung auch klar wurde, ist das mangelhafte Licht. In Zukunft muss der Baustrahler wieder aufgestellt werden. Für heute kam noch einmal kurz die Sonne heraus und das letzte Foto sollte auf dem Pflanzen-/Katzentisch gemacht werden.

Kater Angus war über so viel Platzübernahme wenig begeistert. Alle Lockversuche ihn vom Tisch zu holen waren vergebens. Sein Tisch! Zur Not wird mit Tatze und Kralle sein Territorium verteidigt.

Am Ende klappte es zumindest mit einem Bild von meiner wachsenden Farbsammlung. Pflanzenfarben zum Malen wie Schreib- und Zeichentinte werden Thema meines Präsentationstisches sein.

Ich habe für mich meine persönliche Nische in der Kräuterpädagogik gefunden: Farben aus der Natur. Meine bisherige Kenntnis hat durch die Ausbildung eine gute Portion Fundament bekommen. Zu wissen wo ich welche Pflanze finden kann, sie zu erkennen, über Inhaltsstoffe in den Pflanzen Bescheid zu wissen, eine bessere Kenntnis über Giftpflanzen zu haben gibt Sicherheit. Gleichzeitig bin ich vorsichtiger geworden bei Tipps aus Magazinen, Büchern und dem Internet.

Doch für heute genug.

Eine gute Woche wünsche ich allen LeserInnen.

 

Bis die Tage,

Karin

 

Beinahe vergessen,

ab heute, dem 9. Oktober, leuchtet wieder bis zum 8. Dezember das Laserlicht vom imagine peace tower in Reykjavik.

Woche 39/2017

und …

Prüfungsvorbereitung und ein Deko-Tipp aus Herbstlaub

Ich habe den Eindruck, die Zeit des Verzettelns scheint überwunden zu sein. Wenn es voran geht schmerzen Nachtschichten nicht so sehr.  Zudem ist nach dem Aufstehen die Freude groß, wenn das nachts Geschaffene im Tageslicht immer noch überzeugen kann.

Nach der Rückbesinnung auf frührere Jahre, als das Kinderzimmer für meine Große eher einer Intensivstation ähnelte, erinnerte ich mich an die optimale Zeit zum Schlafengehen, um morgens den Wecker nicht schlachten zu wollen oder ihn gleich völlig zu überschlafen – für mich ist es 1.00 Uhr bis 1.30 Uhr, aber dann muss der Kopf wirklich auf dem Kissen liegen! So klappt es mit dem ausgeschlafen wirkenden, pünktlichen Aufstehen für den Schulalltag. Das Nickerchen nach der Schule muss dann allerdings, im Gegensatz zu Jungmutterzeiten, sein. Das fordert die Natur inzwischen schon auf harten Stühlen ein. Bisher klappten mir nur die Augendeckel auf Sofa und Sessel zu, kaum dass ich mich nach dem Heimkommen hinsetzte. Inzwischen reicht sitzen völlig aus, ob im Wartezimmer beim Arzt, im Lehrerzimmer beim Korrigieren, am Esstisch, …, egal wo.

Doch bevor ich mich wieder vertüdel kommen jetzt einfach ein paar Bilder aus der Woche:

  • meine Sammlung aus den Versuchen mit Pflanzen Malfarben herzustellen ist fast fertig
  • die Testreihe hat sich ganz von alleine auf Färben mit Pflanzen erweitert – zum Auspressen der Pflanzensäfte hatte ich Stoff verwendet
  • zur Dekoration meines Präsentationstischs gibt es „Herbstrosen“ aus Laub meiner Lieblings-Spitzahornbäume – wer sie nacharbeiten möchte (nicht basteln!) schaut hier nach 😉
  • Sammeln, verwenden und Lernen in Einem ist am Besten – Färberhundskamille gesammelt, verarbeitet und die Familie der Korbblütler wiederholt (Zungenblüten, Röhrenblüten, …)

Weil ich wieder einmal nachts die Kraft und Muße hatte etwas auszuprobieren, das sich auf den Präsentationstisch der Abschlussprüfung gut machen würde, gibt es jetzt noch ein Rätselbild. Was ist das? Was habe ich ausprobiert? 😉

Ich hoffe nur, dass nach dem Trocknen das Ergebnis geglückt ist.

 

Jetzt wieder an die Arbeit. Der Tag ist kurz, die Nächte auch.

Viele Grüße und bis die Tage,

Karin

Naturfarben aus Pflanzen #3

oder …

Einblicke in (m)einen Workshop

Donnerstag konnte ich im Rahmen eines Workshops zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) einer Gruppe interessierter Kolleginnen und Kollegen einen kleinen Einblick in die Welt der Pflanzenfarben geben. In vier Stationen wurden Rotkohl, Karotte, Gelbwurzel und Spinat gerieben, gequetscht und gemörsert, bis sie in verwertbarer Menge ihre Farbstoffe abgegeben hatten.

Die Farbe aus dem Spinat, die eigentlich auf dem Papier verarbeitet werden sollte, landete nicht nur auf dem Malpapier. Es färbte an einer anderen Station noch die Knete (hell)grün.

Zu den vier selbst herzustellenden Farben hatte ich noch aus meinem Fundus Farben mitgebracht, zum Beispiel grün aus Salatgurkenschale und rot-violett aus Aroniabeeren, einen roten Saft und ein klitzekleines Fläschchen Rotwein. Vielleicht hätte einer der Teilnehmer oder Teilnehmerinnen Lust sich auf Udo Lindenbergs gestalterischen Wurzeln zu bewegen. Er malt mit Eierlilör und Rotwein. Den Eierlikör ließ ich zuhause, es musste der  Rotwein reichen, den man auf einer Pflanzenwanderung mit SchülerInnen auch eher in der Tasche lässt.

Ab jetzt begann das Auftragen der Farben auf pH-neutrales Papier und das Spiel mit den pH-Werten. Auf die Farbflächen wurde Kaiser-Natron geträufelt, oder Backpulver, Alaun, Kochsalz, Waschsoda, Essig, aber auch Gewürze wie Currypulver oder Rosenpaprika.

Die Effekte motivierten, wie bei meinen Schülerinnen und Schülern, die Kolleginnen und Kolleginnen zu weiteren Versuchen. Die Ergebnisse begeisterten und motivierten. Am Ende waren von meinem vorbereitetem Papier nur noch wenige Blätter übrig.

 

Es hat Spaß gemacht, den Teilnehmern wie auch mir!

 

 

Mittwochsloch

oder …

Alltagsallergie, oder so, und mein Gegenmittel

Reste von Avocadoschalen, Brokkoli, Tee, Aroniabeeren, Mahonienbeeren, Roter Bete, angebrannten und ausgekochten Zwiebelschalen als Farbe auf das Papier gebracht. Mein Entspannungsprogramm vom „Ahhh“…lltag  und die Ergebnisse aus den ersten Wochentagen, mit passender Altpapierunterlage. 😉 Alltag hat Allergiepotential. 😉 😉

 

Freitag ist der 12te und ich bin dabei bei 12von12!

 

Naturfarben aus Pflanzen #2 – ein paar Grundlagen

oder …

Einfache Chromatographie von Blattfarbstoffen

Mit Naturfarben aus Pflanzen zu malen funktioniert ein wenig anders, als mit Farben aus Mineralien. Pflanzenfarben entstehen durch sekundäre Inhaltsstoffe, die nur Pflanzen besitzen. Jede Pflanze besitzt eine ganze Reihe dieser, chemisch sehr unterschiedlich aufgebauten, Stoffe,von denen einige für die Farbgebung zuständig sind, zum Beispiel:

  • Carotinoide für orange, wie in Möhren
  • Anthocyane für rot/blau, wie in Rotkohl, Kirschen, Pflaumen
  • Flavonoide für gelb/orange wie in Ringelblumen, Goldrute, Birkenblättern

Das sind nur ein paar wenige sekundäre Inhaltsstoffe, die in den Pflanzen enthalten sein können und Farben erzeugen. Es gibt noch mehr und eine ungeheure Vielfalt, was die Natur aus ihnen zusammensetzen kann. Manche Farben sehen wir erst im Herbst, wenn sich das Chlorophyll in den Blättern abbaut und sich die Herbstfärbung vor dem Laubfall zeigt. Andere Farben verändern sich, wenn wir Pflanzen oder deren Früchte weiter verarbeiten. Ein aufgeschnittener Apfel reagiert bei Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft und er färbt sich braun. So verändert sich Rotkohl zu Blaukraut beim Kochen und wieder zu Rotkohl sobald ein Apfel mit verkocht wird. Doch darüber mehr im nächsten Blogpost, aber in Sachen Rotkohl/Blaukraut/Rotkraut schon einmal vorab dieser Artikel.  Hier und heute soll es erst einmal um das Auffinden der Farben in ganz normalen Blättern von Laubbäumen gehen.

Blätter von Laubbäumen um diese Jahreszeit? Nee, ich verbrachte meine Weihnachtsferien nicht im Sommer südlich des Äquators (wobei ich da nichts dagegen gehabt hätte) um an frisches Laub zu kommen. Diese Versuche habe ich Ende Oktober gemacht, als es noch Blätter hier auf den Bäumen oder darunter gab. Nur kamen die Bilder, wie der Text, nicht online, weil ich bei den Versuchen in der Schule meine Kamera vergessen hatte, ich nicht mit dem Handy fotografieren wollte und meine dokumentierte Prä-Test-Reihe zuhause mit Küchenutensilien durchgeführt wurde. Inzwischen finde ich es ganz gut zu zeigen, dass dieser Versuch zu den Pflanzenfarben auch mit einfachen Mitteln funktioniert.

Um an die verschiedenen Farben in den grünen Blättern zu kommen verwenden wir ein chemisches Verfahren, die Chromatographie, ein Trennverfahren  mit der wir die in ihnen versteckten Stoffe herauslösen und trennen können. Dazu braucht es ein paar rohe Kräfte und danach etwas Geduld 😉 .

(Optimale) Geräte:

Schere, Porzellan- oder Steinmörser, feines Sieb, Becherglas, Reagenzglas,Reagenzglasständer, starkes Filterpapier in Streifen geschnitten, eventuell Klammern

Küchengeräte:

Messer, Schere, Schneidebrett, stabiler Eierbecher, alter Löffel, hohes Wasserglas, Teefilter, dickes saugfähiges Malpapier, eventuell Wäscheklammer

Material:

Laub von verschiedenen Bäumen, Wasser, Spiritus, Sand (wer keine Vögel hat, der holt sich halt vom nächsten Sandkasten einen Esslöffel voll, aber absieben vor der Verwendung!)

Durchführung:

  • die Blätter klein schneiden, so klein wie möglich
  • im Mörser mit dem Stößel/Pistill, etwas Wasser und etwas Sand fein reiben
  • etwas Spiritus zugeben und die Masse weiter reiben
  • den Mörser abdecken und ca. 30min stehen lassen
  • die Masse filtrieren/absieben
  • ein starkes, saugfähiges Filterpapier/Malpapier (z.B. Fabriano) zu einem langen Streifen schneiden
  • an einem Ende des Streifens eine Markierung in 2 cm Abstand zur unteren Kante mit Bleistift! eine Linie zeichnen
  • diesen Streifen, zum Test in ein Reagenzglas stecken, so dass es ca.1,5 bis 2cm über dem Reagenzglasboden hängt und am oberen Ende abknicken
  • den Papierstreifen aus dem Reagenzglas nehmen
  • in das Reagenzglas etwas Spiritus füllen, bis auf ca. 1,5 bis 2 cm Höhe, und kippsicher abstellen
  • auf die Bleistiftmarkierung des Papierstreifens einen Tropfen, oder einen Strich der filtrierten Blattlösung geben und dieses trocknen gelassen – das habe ich drei Mal wiederholt
  • den Papierstreifen in das Reagenzglas mit dem Spiritus stellen, so dass der Streifen gerade so die Spirituslösung berührt
  • warten
  • beobachten

von links nach rechts: Hartriegel, Feldahorn, Hainbuche

Die Pflanzenfarben verlaufen, wenn sie Spiritus oder Alkohol enthalten, relativ schnell. Das ist auf dem Bild oben gut zu erkennen. Wenn die Papierstreifen im Spiritus stehen geht es jedoch noch schneller voran.

Hainbuche

 

Hartriegel

 

Feldahorn nach 30 Minuten

 

Feldahorn nach 1 Stunde

 

Dieser Versuch hilft zu verstehen warum sich Naturfarben, die man aus Pflanzen herstellt, nicht nach den Grundlagen des Farbkreises mischen lassen. Es sind schon Mischfarben und Mischfarben untereinander gemischt ergeben in der Regel ein unbuntes Graubraun. Aber nicht immer und davon erzähle ich später mehr.