Woche 40/2017

und …

Noch 14 Tage bis zum letzten Prüfungstag!

Diese Woche brachte der Schulbetrieb ein Komplettprogramm: Unterricht mit Vorbereitung und Korrekturen, Elterngespräche, Elternabend, Klassenkonferenzen und Schülergespräche. Vor allem letzteres beutelte mich sehr.

Schüler A, aus Afghanistan, hat seinen Abschiebungsbescheid bekommen. In der ersten großen Pause der Woche legte er mir das Papier auf’s Pult und fragte: „Darf ich ins Bürgeramt gehen? Ich muss da noch was erledigen.“ Ein Blick auf das Papier reichte um den Inhalt zu erfassen, nur musste ich mich schwer zusammenreißen um nicht in Tränen auszubrechen. Beinahe entstand die Situation, dass mich mein Schüler hat trösten müssen. Morgens hatte ich noch im Radio einen Kommentar von amnesty international gehört, die Abschiebungen nach Afghanistan als illegal bezeichnen, da dieses Land alles andere als sicher ist.  Ich mag mich nicht damit abfinden, dass einer meiner motiviertesten Schüler demnächst in ein Land reisen muss, aus dem er zwar kommt aber wo er kein Zuhause mehr hat.

Schüler B, geboren in Saudi-Arabien, hat jahrelang mit der Familie in Syrien gelebt. Bei Kriegsausbruch ist die Familie getrennt worden. Ein Teil der Familie kam nach Deutschland, ein anderer Teil flüchtete zurück nach Saudi-Arabien. Obwohl er sich in Deutschland gut eingelebt hat, sich mit der Familie des Onkels gut versteht, mit seinen Cousins vertraut ist wie mit Geschwistern möchte er doch zu den Eltern. Diese leben wieder in Saudi-Arabien und jetzt wird seit Monaten gerungen welche Staatsangehörigkeit Schüler B nun hat. Nach Aufenthaltsstatus darf er nur in sein Herkunftsland vor seiner Flucht ausreisen – also Syrien. Was soll er aber alleine in diesem Land? So wartet er, und wartet, und wartet, darauf, zu seinen Eltern in Saudi-Arabien ausreisen zu dürfen. Inzwischen findet er sich mehr und mehr mit der Situation ab, denn er hat Sorge zu viel von seinen Arabisch-Kenntnissen verloren zu haben um in Saudi-Arabien einen guten Schulabschluss machen zu können.

Zur Entspannung weite ich meinen Heimweg, ein Fußweg der eigentlich nur fünf Minuten dauert, aus. Ich laufe Schleifen, gehe über die Wiesen, in den Schulgarten. Unterwegs sammle ich immer ein paar Gegenstände mit denen ich meinen Herbstteller auf dem Esstisch peu à peu auffülle. Leider geht er immer wieder zwischen Büchern und Blättern und anderem Material unter.

Zuhause sieht es nicht nur in der Küche immer chaotischer aus. Ich komme immer wieder auf neue Ideen für die Abschlusspräsentation und für die mündliche Prüfung. Hier trocknen gerade Farbproben aus roter Zwiebelschale auf Baumwollstöffchen und Wolle zwischen den Küchengeräten. Auf der Herdplatte liegt ein anderes Farbergebnis und die Vorbereitung für die nächste Farbprobe. Daneben stehen Fläschchen und Gläser mit Samen, Auszügen in Öl oder Alkohol, und mehr.

Zum Kochen bin ich die Tage nicht viel gekommen, es wurde gegessen was gerade schnell verfügbar war, und so war heute Morgen der Blick auf die Anzeige der Personenwaage unerfreulich. Kein Wunder, dass meine Füße wieder so schmerzen. Bei der Gewichtszulage würde ich auch meutern. Kein Sport seit Anfang August rächt sich jetzt deutlich.

Dafür bekommt die Nase Luft! Zudem sind zehn Wochen ohne Rüsselpest einfach super. Da rutschen die Mehrkilos auf den Hüften und am Bauch erst einmal in die Ablage -> später zu erledigen.

Nicht zu erledigen waren dann jedoch ein paar Räumarbeiten. Sohnemann hat sich bei einem Telefonat ganz nebenbei für einen Besuch angemeldet: „Ach, übrigens, … ich komme dann mal wieder vorbei!“. Die anschließende Schrecksekunde (Wie bekomme ich das Zimmer auf die Schnelle besucherfertig?  bzw. Wo räume ich all‘ das Zeug für die Prüfung hin?) zeigte mir, dass dieser Besuch jedoch das Beste ist was mir in diesen Tagen passieren konnte.

Zum einen habe ich Sohnemann wieder um mich, was immer gut tut!

Zum anderen wurde mir beim Abräumen seines Schreibtischs, auf dem ich alle Präsentationsteile lagerte, klar, es reicht an Objekten, Beispielen, Mustern, …

Was mir beim Fotografieren in der Wohnung auch klar wurde, ist das mangelhafte Licht. In Zukunft muss der Baustrahler wieder aufgestellt werden. Für heute kam noch einmal kurz die Sonne heraus und das letzte Foto sollte auf dem Pflanzen-/Katzentisch gemacht werden.

Kater Angus war über so viel Platzübernahme wenig begeistert. Alle Lockversuche ihn vom Tisch zu holen waren vergebens. Sein Tisch! Zur Not wird mit Tatze und Kralle sein Territorium verteidigt.

Am Ende klappte es zumindest mit einem Bild von meiner wachsenden Farbsammlung. Pflanzenfarben zum Malen wie Schreib- und Zeichentinte werden Thema meines Präsentationstisches sein.

Ich habe für mich meine persönliche Nische in der Kräuterpädagogik gefunden: Farben aus der Natur. Meine bisherige Kenntnis hat durch die Ausbildung eine gute Portion Fundament bekommen. Zu wissen wo ich welche Pflanze finden kann, sie zu erkennen, über Inhaltsstoffe in den Pflanzen Bescheid zu wissen, eine bessere Kenntnis über Giftpflanzen zu haben gibt Sicherheit. Gleichzeitig bin ich vorsichtiger geworden bei Tipps aus Magazinen, Büchern und dem Internet.

Doch für heute genug.

Eine gute Woche wünsche ich allen LeserInnen.

 

Bis die Tage,

Karin

 

Beinahe vergessen,

ab heute, dem 9. Oktober, leuchtet wieder bis zum 8. Dezember das Laserlicht vom imagine peace tower in Reykjavik.

Woche 39/2017

und …

Prüfungsvorbereitung und ein Deko-Tipp aus Herbstlaub

Ich habe den Eindruck, die Zeit des Verzettelns scheint überwunden zu sein. Wenn es voran geht schmerzen Nachtschichten nicht so sehr.  Zudem ist nach dem Aufstehen die Freude groß, wenn das nachts Geschaffene im Tageslicht immer noch überzeugen kann.

Nach der Rückbesinnung auf frührere Jahre, als das Kinderzimmer für meine Große eher einer Intensivstation ähnelte, erinnerte ich mich an die optimale Zeit zum Schlafengehen, um morgens den Wecker nicht schlachten zu wollen oder ihn gleich völlig zu überschlafen – für mich ist es 1.00 Uhr bis 1.30 Uhr, aber dann muss der Kopf wirklich auf dem Kissen liegen! So klappt es mit dem ausgeschlafen wirkenden, pünktlichen Aufstehen für den Schulalltag. Das Nickerchen nach der Schule muss dann allerdings, im Gegensatz zu Jungmutterzeiten, sein. Das fordert die Natur inzwischen schon auf harten Stühlen ein. Bisher klappten mir nur die Augendeckel auf Sofa und Sessel zu, kaum dass ich mich nach dem Heimkommen hinsetzte. Inzwischen reicht sitzen völlig aus, ob im Wartezimmer beim Arzt, im Lehrerzimmer beim Korrigieren, am Esstisch, …, egal wo.

Doch bevor ich mich wieder vertüdel kommen jetzt einfach ein paar Bilder aus der Woche:

  • meine Sammlung aus den Versuchen mit Pflanzen Malfarben herzustellen ist fast fertig
  • die Testreihe hat sich ganz von alleine auf Färben mit Pflanzen erweitert – zum Auspressen der Pflanzensäfte hatte ich Stoff verwendet
  • zur Dekoration meines Präsentationstischs gibt es „Herbstrosen“ aus Laub meiner Lieblings-Spitzahornbäume – wer sie nacharbeiten möchte (nicht basteln!) schaut hier nach 😉
  • Sammeln, verwenden und Lernen in Einem ist am Besten – Färberhundskamille gesammelt, verarbeitet und die Familie der Korbblütler wiederholt (Zungenblüten, Röhrenblüten, …)

Weil ich wieder einmal nachts die Kraft und Muße hatte etwas auszuprobieren, das sich auf den Präsentationstisch der Abschlussprüfung gut machen würde, gibt es jetzt noch ein Rätselbild. Was ist das? Was habe ich ausprobiert? 😉

Ich hoffe nur, dass nach dem Trocknen das Ergebnis geglückt ist.

 

Jetzt wieder an die Arbeit. Der Tag ist kurz, die Nächte auch.

Viele Grüße und bis die Tage,

Karin

Naturfarben aus Pflanzen #3

oder …

Einblicke in (m)einen Workshop

Donnerstag konnte ich im Rahmen eines Workshops zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) einer Gruppe interessierter Kolleginnen und Kollegen einen kleinen Einblick in die Welt der Pflanzenfarben geben. In vier Stationen wurden Rotkohl, Karotte, Gelbwurzel und Spinat gerieben, gequetscht und gemörsert, bis sie in verwertbarer Menge ihre Farbstoffe abgegeben hatten.

Die Farbe aus dem Spinat, die eigentlich auf dem Papier verarbeitet werden sollte, landete nicht nur auf dem Malpapier. Es färbte an einer anderen Station noch die Knete (hell)grün.

Zu den vier selbst herzustellenden Farben hatte ich noch aus meinem Fundus Farben mitgebracht, zum Beispiel grün aus Salatgurkenschale und rot-violett aus Aroniabeeren, einen roten Saft und ein klitzekleines Fläschchen Rotwein. Vielleicht hätte einer der Teilnehmer oder Teilnehmerinnen Lust sich auf Udo Lindenbergs gestalterischen Wurzeln zu bewegen. Er malt mit Eierlilör und Rotwein. Den Eierlikör ließ ich zuhause, es musste der  Rotwein reichen, den man auf einer Pflanzenwanderung mit SchülerInnen auch eher in der Tasche lässt.

Ab jetzt begann das Auftragen der Farben auf pH-neutrales Papier und das Spiel mit den pH-Werten. Auf die Farbflächen wurde Kaiser-Natron geträufelt, oder Backpulver, Alaun, Kochsalz, Waschsoda, Essig, aber auch Gewürze wie Currypulver oder Rosenpaprika.

Die Effekte motivierten, wie bei meinen Schülerinnen und Schülern, die Kolleginnen und Kolleginnen zu weiteren Versuchen. Die Ergebnisse begeisterten und motivierten. Am Ende waren von meinem vorbereitetem Papier nur noch wenige Blätter übrig.

 

Es hat Spaß gemacht, den Teilnehmern wie auch mir!

 

 

Mittwochsloch

oder …

Alltagsallergie, oder so, und mein Gegenmittel

Reste von Avocadoschalen, Brokkoli, Tee, Aroniabeeren, Mahonienbeeren, Roter Bete, angebrannten und ausgekochten Zwiebelschalen als Farbe auf das Papier gebracht. Mein Entspannungsprogramm vom „Ahhh“…lltag  und die Ergebnisse aus den ersten Wochentagen, mit passender Altpapierunterlage. 😉 Alltag hat Allergiepotential. 😉 😉

 

Freitag ist der 12te und ich bin dabei bei 12von12!

 

Naturfarben aus Pflanzen #2 – ein paar Grundlagen

oder …

Einfache Chromatographie von Blattfarbstoffen

Mit Naturfarben aus Pflanzen zu malen funktioniert ein wenig anders, als mit Farben aus Mineralien. Pflanzenfarben entstehen durch sekundäre Inhaltsstoffe, die nur Pflanzen besitzen. Jede Pflanze besitzt eine ganze Reihe dieser, chemisch sehr unterschiedlich aufgebauten, Stoffe,von denen einige für die Farbgebung zuständig sind, zum Beispiel:

  • Carotinoide für orange, wie in Möhren
  • Anthocyane für rot/blau, wie in Rotkohl, Kirschen, Pflaumen
  • Flavonoide für gelb/orange wie in Ringelblumen, Goldrute, Birkenblättern

Das sind nur ein paar wenige sekundäre Inhaltsstoffe, die in den Pflanzen enthalten sein können und Farben erzeugen. Es gibt noch mehr und eine ungeheure Vielfalt, was die Natur aus ihnen zusammensetzen kann. Manche Farben sehen wir erst im Herbst, wenn sich das Chlorophyll in den Blättern abbaut und sich die Herbstfärbung vor dem Laubfall zeigt. Andere Farben verändern sich, wenn wir Pflanzen oder deren Früchte weiter verarbeiten. Ein aufgeschnittener Apfel reagiert bei Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft und er färbt sich braun. So verändert sich Rotkohl zu Blaukraut beim Kochen und wieder zu Rotkohl sobald ein Apfel mit verkocht wird. Doch darüber mehr im nächsten Blogpost, aber in Sachen Rotkohl/Blaukraut/Rotkraut schon einmal vorab dieser Artikel.  Hier und heute soll es erst einmal um das Auffinden der Farben in ganz normalen Blättern von Laubbäumen gehen.

Blätter von Laubbäumen um diese Jahreszeit? Nee, ich verbrachte meine Weihnachtsferien nicht im Sommer südlich des Äquators (wobei ich da nichts dagegen gehabt hätte) um an frisches Laub zu kommen. Diese Versuche habe ich Ende Oktober gemacht, als es noch Blätter hier auf den Bäumen oder darunter gab. Nur kamen die Bilder, wie der Text, nicht online, weil ich bei den Versuchen in der Schule meine Kamera vergessen hatte, ich nicht mit dem Handy fotografieren wollte und meine dokumentierte Prä-Test-Reihe zuhause mit Küchenutensilien durchgeführt wurde. Inzwischen finde ich es ganz gut zu zeigen, dass dieser Versuch zu den Pflanzenfarben auch mit einfachen Mitteln funktioniert.

Um an die verschiedenen Farben in den grünen Blättern zu kommen verwenden wir ein chemisches Verfahren, die Chromatographie, ein Trennverfahren  mit der wir die in ihnen versteckten Stoffe herauslösen und trennen können. Dazu braucht es ein paar rohe Kräfte und danach etwas Geduld 😉 .

(Optimale) Geräte:

Schere, Porzellan- oder Steinmörser, feines Sieb, Becherglas, Reagenzglas,Reagenzglasständer, starkes Filterpapier in Streifen geschnitten, eventuell Klammern

Küchengeräte:

Messer, Schere, Schneidebrett, stabiler Eierbecher, alter Löffel, hohes Wasserglas, Teefilter, dickes saugfähiges Malpapier, eventuell Wäscheklammer

Material:

Laub von verschiedenen Bäumen, Wasser, Spiritus, Sand (wer keine Vögel hat, der holt sich halt vom nächsten Sandkasten einen Esslöffel voll, aber absieben vor der Verwendung!)

Durchführung:

  • die Blätter klein schneiden, so klein wie möglich
  • im Mörser mit dem Stößel/Pistill, etwas Wasser und etwas Sand fein reiben
  • etwas Spiritus zugeben und die Masse weiter reiben
  • den Mörser abdecken und ca. 30min stehen lassen
  • die Masse filtrieren/absieben
  • ein starkes, saugfähiges Filterpapier/Malpapier (z.B. Fabriano) zu einem langen Streifen schneiden
  • an einem Ende des Streifens eine Markierung in 2 cm Abstand zur unteren Kante mit Bleistift! eine Linie zeichnen
  • diesen Streifen, zum Test in ein Reagenzglas stecken, so dass es ca.1,5 bis 2cm über dem Reagenzglasboden hängt und am oberen Ende abknicken
  • den Papierstreifen aus dem Reagenzglas nehmen
  • in das Reagenzglas etwas Spiritus füllen, bis auf ca. 1,5 bis 2 cm Höhe, und kippsicher abstellen
  • auf die Bleistiftmarkierung des Papierstreifens einen Tropfen, oder einen Strich der filtrierten Blattlösung geben und dieses trocknen gelassen – das habe ich drei Mal wiederholt
  • den Papierstreifen in das Reagenzglas mit dem Spiritus stellen, so dass der Streifen gerade so die Spirituslösung berührt
  • warten
  • beobachten

von links nach rechts: Hartriegel, Feldahorn, Hainbuche

Die Pflanzenfarben verlaufen, wenn sie Spiritus oder Alkohol enthalten, relativ schnell. Das ist auf dem Bild oben gut zu erkennen. Wenn die Papierstreifen im Spiritus stehen geht es jedoch noch schneller voran.

Hainbuche

 

Hartriegel

 

Feldahorn nach 30 Minuten

 

Feldahorn nach 1 Stunde

 

Dieser Versuch hilft zu verstehen warum sich Naturfarben, die man aus Pflanzen herstellt, nicht nach den Grundlagen des Farbkreises mischen lassen. Es sind schon Mischfarben und Mischfarben untereinander gemischt ergeben in der Regel ein unbuntes Graubraun. Aber nicht immer und davon erzähle ich später mehr.