Author Archives: karin

Woche 7/2018

oder …

Kleinigkeiten und Kontraste

Unterrichtsfrei und ohne schlechtes Gewissen durfte ich mich morgens im Bett noch einmal umdrehen. Die Nase konnte laufen, der Husten vor sich hin bellen, die Augen zufallen, wenn sie es wollten. Für Feriengefühl sorgten eine Reihe von Kleinigkeiten für die ich endlich Zeit fand:

  • die Kartierung vom Schulgarten ging voran
  • eine der Gartenbänke vom Schulgarten bekam von mir den letzten Anstrich,
  • parallel entstanden einige zehenfreundliche Türstopper,
  • einige Stäucher konnte ich in Ruhe schneiden und mir Gedanken machen, wie das Gartenjahr für meine Schüler beginnen kann,
  • das Zitronengras entwickelt erste Wurzeln – hoffentlich klappt es mit der Anzucht wieder so gut wie beim letzten Versuch.

 

 

Wichtigste Aktion war jedoch die Fortführung der Zahnbehandlung, hmpff, die noch viele Fortsetzungen haben wird, grummel; an die zu erwartenden Kosten denke ich mal lieber nicht. Das hat Zeit bis die Rechnungen kommen.

Deshalb nutzte ich Mitte der Woche den sonnigsten Ferientag für einen Ausflug nach Stuttgart um meinen Reiseplan des Jahres vorzubereiten. Es galt diesen Plan so in trockene Tücher zu bringen, dass Zahnkosten & Co. schon einmal kein Hindernis sein können diese Reise anzutreten. Inzwischen ist sie gebucht. Punkt. Was war ich beim Bezahlen aufgeregt! Nun heißt es warten, lange warten.

Valentinstag in Stuttgart, Schlossplatz mit Statue von Herzog Christoph (man beachte seinen „Hutschmuck“)

 

 

Meine Kater genossen meine Anwesenheit, die Sonne auf dem Balkon (inklusive dem Besuch einiger lebensmüder Kohlmeisen) und anfangs auch den einsetzenden Schneefall am Freitag (aber eigentlich schaute Chewie Eichhörnchen Erich hinterher). Winter scheint in dieser Saison immer auf das Wochenende zu fallen. Innerhalb kurzer Zeit kamen dieses Mal 10 Zentimeter aus den Wolken gerieselt. Nur schade, dass die Wolkendecke meist geschlossen blieb.

Angus Scotsman

 

Chewbacca
Frühsport = raus aus der Hütte, rein in die Hütte

 

Der letzte Sonnenuntergang vor dem Schneefall …

… und der Abendspaziergang einen Tag später.

 

Trotzdem ging es hinaus, denn es ist alles eine Frage der Kleidung. Meine Neuanschaffung, Spikes für die Schuhe, haben sich die letzten Tage bewährt. Draußen war ich auch nicht alleine. Auf dem Schlittenberg tummelten sich die ersten Rodler!

 

Doch welch ein Unterschied der Ansichten im Vergleich zum Wochenbeginn!

 

Zu meinem Ferienabschluss half mir ein gemeinsames Frühstück mit „meinen“ SPD-Frauen vor Ort für eine Weile zu vergessen, dass ich die nächste Woche nur halb auskuriert wieder in den Schulalltag einsteigen werde.

Positiv denken, die Heizung etwas höher drehen, das Radio anschalten, eine Tasse Tee bereit stellen und die Nähmaschine abdecken. Für die restlichen Stunden des Wochenendes habe ich mir ein kleines Nähprojekt vorgenommen.

 

Lieder der Woche

Ein Oldie, zwanzig Jahre alt, und ein aktuelles Stück begleiteten mich, im Radio gehört und dann nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

Das offizielle Video von The Script zeigt ihren Einsatz für die Organisation, die Charity  „A Sense of Home„, die sich für die Unterstützung erwachsener Pflegekinder und Waisen einsetzt.

 

Ich wünsche eine gute Woche,

bis die Tage,

Karin

 

12 von 12 im Februar 2018

und …

Rosenmontag

Heute bin ich wieder mit dabei, bei Caros Blogsammlung 12 von 12!

Als Faschings- und Karnevalsmuffel bin ich trotzdem allen Narren und Jecken dankbar. Durch sie habe auch ich am Ende der fünften Jahreszeit ein paar wenige arbeits- und unterrichtsfreie Tage.

Der Morgen begrüßte uns alle mit ein paar Schneeflocken und anschließendem blitzeblauem Himmel. Ich machte mich auf den Weg in die Innenstadt, warm eingepackt gegen die Kälte und ausreichendem Vorrat von Papiertaschentüchern.

1 Hoppla, kein Durchgang mehr

 

2 Der neue Weg durch die fast fertiggestellte Unterführung

 

3 und 4 Behördengang in der Altstadt

 

5 (Noch) Nichts los in der Innenstadt

 

6 und 7 Stöbern in Geschäften

 

8 Der Schlossbergring leert sich

 

9 Ruhe vor dem Umzug

 

10 Warten auf den Umzug

 

11 Sammeln für den Umzug

 

12 Sonne genießen

 

Den Nachmittag verschlief ich zum größten Teil. Kaum zuhause angekommen, und im Sessel gelandet, fielen mir die Augen zu. Der Heimweg war deutlich länger ausgefallen als erwartet. Er führte mich wie auf dem Hinweg zwar durch die neue Unterführung, aber der Trampelweg war nun gesperrt. Ich musste einen zusätzlichen Bogen laufen, wie auch viele Mütter, die ihre Kinder vom Kindergarten abholen wollten und unerwartet vor Gittern standen.

Es wird interessant, wenn die Schule wieder anfängt! 😀 Schätzungsweise 400 Schüler aus drei Schulen, die diesen Weg gehen, werden sich garantiert wieder etwas einfallen lassen!

Mehr Geschichten mit zwölf Bildern zum 12. Tag des Monats stehen bei Caro von „Darußen nur Kännchen“!

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

Woche 6/2018

und …

Punktlandung

In Ba-Wü haben die Faschingsferien begonnen, wie schön für manche Kinder, Eltern, Familien und Lehrer, wenn die Zeugnisse oder Halbjahresinformationen gut ausgefallen und die Eltern mit den Leistungen ihrer Sprösslinge zufrieden sind, manche losgelassen von allen Terminen in die Fasnet oder den Fasching einsteigen können, oder einige Familien zu einer Auszeit, ab zum Skifahren, unterwegs sind.

Ich schaffte es am Freitag noch zu einem Treffen mit einer meiner Kräuterfrauen aus der Ausbildung. Danach war aus die Maus.

Eselsmühle

 

Nach literweise Tee in verschiedenen Varianten konnte ich mich zumindest, bei der Versorgung der Wäsche, um die vernachlässigten Kater kümmern. Sie hatten mich in der vergangenen Woche nur selten gesehen.

Unterricht, drei Prüfungstage mit den dezentralen Englisch-Prüfungen, Zeugnisvorbereitungen (die mir zum allergrößten Teil dieses Mal mein Team-Kollege abnahm – Danke N.!!), Notenkonferenz, Elterngespräche, Zeugnisausgabe mit Schülergesprächen (wir haben eine Abschlussklasse), …, da kommen manche Dinge zu kurz. Glücklicherweise überlebten die Blumenzwiebeln im Kunstraum!

 

Ärgerlich schaute ich am Ende der Woche auf die Waage. Kein Wunder, dass ich zugenommen habe. Montag hatte ich für die zu erwartenden Tage einiges vorbereitet gehabt, damit ich die kommenden Tage gesund und lecker meine Pausen hätte genießen können – Hummus in drei Variationen, Obst, Gemüse und verschiedene Brotsorten. Jeden Morgen hatte ich mir ein Futterpaket vorbereitet und abends fast komplett wieder zurück gebracht, weil ich keine Zeit hatte mich in Ruhe hinzusetzen. Stattdessen griff ich mir im Vorbeigehen mal hier ein Stück Schokolade oder dort eine andere Kleinigkeit. Abends hatte ich dann Bauchschmerzen.

Das tat mir nicht gut.

Der Inhalt der Lunchboxen landete am Ende nicht in der Tonne. Obst und Gemüse verkochte ich mit einem kleinen Hokkaido-Kürbis und das Brot trocknete, zurechtgeschnitten, zu Croutons.

 

Gut taten mir die Spaziergänge nach Schulschluss. Die Sonne sah ich zwar nur im Untergang und an zwei Tagen pfiff mir auch der Wind ordentlich um die Nase, aber diese Wege machten meinen Kopf frei.

 

So krank war ich jedoch nicht, um beim Scrollen durch das Programm-Menü des Fernsehers diesen Fehler zu übersehen. Den Zuschlag bekam nach zwei Mal rauf und runter klicken der Aus-Knopf . Mir fielen selbst beim Scrollen die Augen zu.

 

Statt Fernsehen gab es schließlich Schlafprogramm und tags darauf meinen Lieblingssender am Küchenfenster: „Erich und seine Freunde“!

Von den Eichhörnchen vor meiner Tür habe ich schon das eine oder andere Bild geteilt, auf hierundfort einen Artikel veröffentlicht, und stelle wiederholt fest, dass die Burschen verflixt schnell lernen. 😀

Es sind mindestens zwei Erichs, die hier ihr Unwesen treiben, zumindest sah ich heute zwei durch die Äste huschen.

Man schafft es inzwischen in die Hütte!

 

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

Woche 5/2018

oder …

Momentaufnahmen

 

Schulweg

 

Noch steht die Unterführung, doch das Werkzeug zum Abriss liegt bereit.

 

Frühlingsgefühle

 

Verkettung. Keiner weiß, welche Schäden Abpumpen von Grundwasser letztlich verursacht.

 

Fußwege

 

Einer der letzten Fußwege der Woche führte mich zur Wahlurne. Böblinger Bürger waren am heutigen Sonntag aufgerufen ihren Oberbürgermeister zu wählen.

Nur 38% nutzten ihr Wahlrecht. Enttäuschend. Umso überraschender war das klare Ergebnis, das gegen 19:00 Uhr bekannt gegeben wurde.

Böblingen hat einen neuen OB. Eine Handvoll Wähler hat im ersten Wahlgang den amtierenden OB abgewählt und nun ist es an der Spitze grün (Link).

 

Eine gute Woche wünsche ich.

Bis die Tage,

Karin

Elf Fakten über mich und Spielzeug

und …

Erinnerungen an unbeschwerte Stunden

 

Astrid hatte auf ihrem Blog aufgerufen Geschichten über uns und unser Spielzeug zu teilen. Was für ein schönes Thema!

Den ersten Entwurf für meine Geschichten hatte ich schnell zusammen, doch dann fehlten die Fotos. Hatte ich anfangs gedacht, es reicht diesen oder jenen Schrank zu öffnen und dort liegen die Erinnerungsstücke zum Fotografieren bereit, wurde ich enttäuscht. Im Keller fand ich zwar sofort die Puppenküche. Aber wo der Karton mit der Einrichtung stehen sollte war Leere. ??? . Anderes Spielgerät steht unübersehbar im Regal, im obersten Fach, zu schwer um es alleine herunter zu wuchten. Schade aber auch.

In Kisten, Kartons und Fotoalben bewahrt liegen allerdings, wie ich inzwischen weiß, bei meinen Eltern noch kleine Schätze, von denen ich teilweise nicht mehr wusste, dass sie existieren. Herzensdinge, teilweise über Generationen gerettet, kamen in den letzten Tagen aus Kellerregalen und Schränken ans Tageslicht, liebevoll von meinem Vater verpackt und verwahrt. Ein paar Stunden packten wir aus, freuten uns an den Dingen, lachten über so manche Anekdote. Manchmal kam auch etwas Traurigkeit auf.

 

 

Zurück zu den Fakten

 

1 Den Anfang in Sachen Spielzeug machte mein Bär Ede, den ich von der Mutter meines Vaters bekommen habe, weil ich vor einem Schaufenster „eh,eh,eh“ gemacht haben soll, wo Teddys in der Auslage angeboten wurden. Oma ging, kaufte einen der Bären, gab ihn mir in meinen Kinderwagen und ich pfefferte ihn sofort wieder hinaus. So sagt es die Familienlegende. Ich habe Ede immer noch, völlig abgeliebt, inzwischen als treuen Bewacher und Stütze meiner Flöten und Fineliner.

 

2 Otto, meine erste Puppe, und das erste Weihnachten im „Westen“

Ich kann mich an dieses Weihnachtsfest nicht erinnern, habe aber noch blasse Erinnerungen aus der Zeit im Flüchtlingslager als Zweijährige, nachdem meine Eltern aus der damaligen DDR geflüchtet sind. Zu diesen Erinnerungssplittern gehört eine meiner ersten Puppen.  Otto war eine Babypuppe mit Löchlein im Mund zum Füttern und Loch am Po zum Auslaufen des von oben verfütterten Inhalts. Ich liebte Otto! Meine Mutter hatte ihr Baby, meinen Bruder, und ich hatte Otto. Ihn konnte ich in mit zu meinem Bruder in die Wanne schmeißen, wenn meine Mutter meinen Bruder badete (sie ging garantiert vorsichtiger mit ihrem Baby um!). Otto konnte auch trinken wie mein Bruder und hatte feuchte Windeln. Doch im Gegensatz zu meinem Bruder fing sich Otto in seinem Innern Schimmel ein. Immer wieder stank er zum Himmel. Trotzdem hatte ich überhaupt kein Verständnis dafür, wenn ich Otto ab und an, in der Nacht, in Einzelteilen zerlegt im Badezimmer vorfand. Mein Vater tat sein bestes um Otto zu retten, sein Überleben zu sichern. Ich liebte Otto!

Als meine Große sich irgenwann in eine Babypuppe verliebte, just in der Zeit, als ich schwanger mit ihrem Bruder war, zog der nächste Otto bei uns ein, allerdings ohne Versorgungs- und Entsorgungsöffnungen. 😀

 

3 Anneliese, die Puppe meiner Mutter aus ihrer Kindheit, mit Fluchterfahrung und Schäden aus Weltkriegstagen, hatte eine Paketreise von Ost nach West kurz nach dem Mauerbau auch noch überstanden. Kaum angekommen verlor sie noch einen Finger, durch die Zähne meines Bruders. Trotzdem liebte ich sie weiter und später noch meine Große. Inzwischen hat Anneliese seit Anfang der 1990er wieder alle Finger und auch eine geschlossene Schädeldecke. Die Puppenklinik in Stuttgart reparierte damals die Puppe in einen Zustand, das meine Mutter Tränen in den Augen hatte, als ich Anneliese nachhause brachte. Der Puppendoktor damals wollte Anneliese, da echte alte Zelluloidpuppe, lieber ankaufen als reparieren. Aber NÖ!

links meine Schildkrötpuppe, rechts die meiner Mutter

Wann meine eigene Schildkrötpuppe, Regine, einzog bekommen weder meine Eltern noch ich datiert. Ich hatte sie mir durch meine Spardose selbst zusammen gespart, wie meinen Puppenwagen. Zur Puppe steuerte mein Opa noch ein paar Mark dazu. Was ich toll fand, im Gegensatz zu Anneliese kann sie „Mama“ sagen, wenn sie gekippt wird (auch heute noch). Dass weder Anneliese noch Regine kämmbare Haare hatten, wie die Puppen meiner Spielgefährtinnen, war zwar im Spiel für mich nicht so toll, dafür hatten meine Puppen die beste Garderobe. Immer zum Geburtstag kam das Päckchen von der Oma aus „der Ostzone“, der damaligen DDR, mit neuer Kleidung für meine Puppen.

Nun standen meine Mutter und ich an der Puppenkiste und jede hatte eine Geschichte zu den Kleidchen, Mäntelchen, Hosen und was sonst für eine Puppe hergestellt werden kann: Das Stöffchen war einmal ein Kinderkleid meiner Mutter, das andere ein Rest eines Schlafanzugs, den Oma für uns Kinder genäht hatte.

 

4 Puppenspiele

Die Freundin, die mich die längste Zeit begleitet hat, lernte ich 1961 über Spielzeug kennen. Ohne Worte, wir beide etwas maulfaul, aus unterschiedlichen Gründen, hatten unsere erste Begegnung auf den Balkons unserer Wohnungen. Ich stand auf dem Balkon meiner Familie, sie auf dem ihrer Familie, wir schauten uns an und waren erst einmal etwas erschrocken. Huch, ein kleiner Mensch, wie ich! Also erst einmal verstecken, vorsichtig nachschauen, huch – die andere ist ja noch da, um wieder in der Versenkung zu verschwinden. Zwischen jedem Abtauchen und Auftauchen erweiterten wir das Programm und stellten unser Spielzeug vor. Ich zuerst Ede, Otto, …  am Ende ging mein neuer Regenschirm zu Bruch, der vier Stockwerke tief  gefallen Schaden nahm.

Wir beide verbrachten ganze Nachmittage als Puppenmütter und hatten so unsere Probleme meinen kleinen Bruder in das Spiel mit aufzunehmen. Als Kinder in dieser Zeit drückten wir Mädels dem armen Kerl zum Beginn des Spiels eine Tasche in die Hand: „Küss die Kinder und geh‘ auf Arbeit!“, machten die Tür auf, schoben ihn raus und machten die Tür wieder zu.

Dabei liebte mein Bruder das Spiel mit den Puppen weitaus mehr als ich und genoss es, wenn ich nicht zuhause war.

Übrig geblieben aus dieser Zeit ist ein Kissen aus dem Puppenbett, ein treuer Begleiter auf vielen Reisen. Wenn die Kissen in fremden Betten einmal nicht so vertrauenserweckend sind bleibt die vertraute kleine Fläche als Puffer. Auch im Augenblick ist es wieder unterwegs.

 

5 Lego – der erste Geburtstag, den ich in Erinnerung habe

Es muss mein vierter oder fünfter Geburtstag gewesen sein, als Plastikbausteine Teil meiner Spielwelt wurden. Ich sehe heute noch vor meinem inneren Auge, wie ich auf die graue Grundplatte einen weißen Baustein drücke. Was war ich begeistert! Leider, leider, leider reichten die Bausteine in dem Geschenkpaket nicht aus für mein Bauprojekt. Doch, kaum vorstellbar heutzutage, man konnte Bausteine nach Typ im Laden um die Ecke nachkaufen, wie zum Beispiel ein Päckchen mit zwanzig Dachbausteinen oder zehn Fenstern oder zehn schwarze Vierersteine. Was liebten meine Freundin und ich die Pflicht Schuhe zum Schuster zu bringen oder abzuholen! Abgesehen davon, dass wir beide den Geruch in der Schusterei liebten, wussten wir doch, in der Nachbarschaft können wir mit unserem bisschen Taschengeld, in der Poststraße, Nachschub für unsere Legobauwerke besorgen.

Diese Bausteine wurden später für meine Kinder mindestens ebenso wichtig. Viele Bausteine reisten zu meinen Nichten und Neffen über den Kanal. Die meisten Bausätze blieben im Ländle, kamen zu einem Namensvetter meines Sohnes, bis auf einige wenige, die im Keller auf neue SpielerInnen warten.

 

6 Belebte Spielwelt

In der dritten Klasse lernte ich stricken und es zog eine gestrickte Katze in die Spielwelt meines Bruders und mir ein. Für unsere Legoanlagen war diese Mieze zu groß. Leider. Deshalb bekam sie Babys, von mir gestrickt und vor allem gehäkelt. Warum wir all diese Nachkömmlinge „Mixen“ nannten ist mir und meinem Bruder bis heute ein Rätsel. Auf jeden Falle lebten diese Wesen in unseren gebauten Legowelten ihre Abenteuer. Wir bauten Wohnungen für sie, verbanden sie mit Straßen, in denen unsere Matchbox-Autos als Taxis dienten. Leider mussten wir abends unsere Aufbauten immer abbauen, denn sonst wäre kein Platz für unsere Klappbetten gewesen. Kein Problem, wir hatten unser System um am nächsten Tag die Mixen-Welt neu fix neu entstehen zu lassen.

Doch einmal war es ganz anders!

 

7 Bewegte Spielwelt

Eins meiner schönsten Weihnachten mit Spielzeug bescherte meinem Bruder und mir unser Vater. Über Jahre hatte er sich seinen Traum einer Märklin-Eisenbahn-Anlage Stück für Stück erspart. Aus einem Kreisverkehr wurde irgendwann eine Acht, dann eine Doppelacht. Doch an diesen ganz speziellen Weihnachtstagen bauten wir alle Bauteile durch die ganze kleine Wohung zusammen. Die Gleise führten durch den Flur ins Wohnzimmer und in unser Kinderzimmer, mit Schleifen in die Küche. Als Passagier, neben unseren Mixen, war unser Wellensittich Daisy immer mit dabei.

 

8 Kaspertheater

Irgendwann begann meine Oma in die Geburtstags- und Weihnachtspaketen Handspielpuppen dazu zu packen. Wir Kinder waren begeistert, und erkannten von selbst, das wir von unsere Großmutter was ganz besonderes erhielten.

Mein Bruder und ich spielten mit ihnen im Kaspertheater meiner Cousine. Viele Jahre später lernte meine Tochter mithilfe des Kaspers endlich mich 1 1/2 Jahren essen. Weitere Jahre später spielten meine beiden Kinder mit den Puppen, zu denen auch ein Wolf und ein Fuchs gehören. Statt sperrigem Kaspertheater hatte ich aus drei Duschvorhangstangen und Stoff eine Theatervorrichtung gebaut, die in den Türrahmen geklemmt werden konnte.

Wenn ich nur erfahren könnte, wie und aus welchem Material die Köpfe gefertigt wurden!

 

9 Kinderpost Postfiliale im Kaufladen

Nach langem Grübeln bin ich mir inzwischen sicher, die Kinderpost erhielt mein Bruder als ein Geburtstagsgeschenk und Weihnachten erhielten wir beide ein Erweiterungspäckchen. Auf jeden Fall waren wir im Postspiel beide voll dabei, fanden es allerdings auch voll daneben, wenn die Ware ausging. Wir schnitten und klebten Umschläge, malten Briefmarken und verloren erst einmal etwas die Lust am Postspiel. Alternativ konnten wir mit unserer Cousine und ihrem Kaufladen spielen. War ja so ähnlich. Am Ende eröffneten wir wohl die erste Postfiliale in einem Lebensmittelgeschäft, denn wir verkauften Waschmittel wie Briefumschläge und nahmen auch Pakete zum Verschicken an.

Für meine Kinder baute ich Jahre später einen Bausatz zu einen Kaufladen zusammen, den eine Wohnzeitschrift in einer Vorweihnachtsausgabe angeboten hat. Ich stand neben Schule, Haushalt, Krankenhaus mit meiner Großen, Betreuung meines Kleinen, jede freie Minute im Arbeitszimmer meines damaligen Schwiegervaters um diesen Laden zusammenzubauen. Das Bestücken mit Artikeln war die nächste Herausforderung.

Es ist das schwere Teil, das ich eingangs erwähnte. Irgendwann darf dieses Erinnerungsstück aufgebaut ans Licht, wie die Teile der Puppenstube.

 

10 Puppenstube bzw. Kinderküche und ein nostalgischer Nachmittag

Das Äußere der Puppenstube, Kinderküche oder Puppenküche lagerte zwar in meinem Keller, doch die ganze Ausrüstung fand sich bei meinen Eltern. Den Karton mit der entsprechenden Aufschrift und dem dazugehörigem Inhalt packten meine Eltern und ich heute gemeinsam aus. Im Nachhinein wäre es noch schöner gewesen, wenn meine Kinder dabei gewesen wären. Das Sammelsurium ist inzwischen ein Sammelsurium aus drei Generationen:

  • von meiner Tante und meiner Mutter stammen vor allem die Möbel, viele Teile des Geschirrs und Bestecks
  • in meiner eigenen Spielzeit kam das Äußere neu dazu, die Küche an und für sich, plus Elektrifizierung!
  • für meine Kinder kam wieder ein Herd dazu, mit dem tatsächlich geköchelt werden konnte (unter Aufsicht!!) und eine Menge anderer kleiner Details

 

11 Spielen, einfach so

Häufig benötigten meine Freundin, mein Bruder und ich kein ausgewiesenes Spielzeug. Draußen reichten ein Ball, ein Springseil und vielleicht etwas Kreide für ein Hüpfspiel. Vor der Kirche spielten wir „Hans, dreh dich um“, „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?“, „Fischer, wie tief ist das Wasser?“, „Kaiser welche Fahne weht heute?, … bis uns  – wir waren eine große Kindertruppe – der Küster vertrieb. An der Teppichstange wurde geklettert, geturnt, und ab uns an musste nach einem unglücklichem Absturz auch einmal ein Arztbesuch sein.  Meiner Freundin und mir reichten die Versandhauskataloge um uns eigene Anziehpuppen auszuschneiden. Die Kleidung gab es ein paar Seiten weiter. Wir sammelten ausgediente Gummibänder, knoteten sie zusammen um Gummitwist zu spielen. Wer ein nicht gestückeltes, brandneues Gummiband hatte war King & Queen in einem.

Das liebste Lieblingsspiel war aber ein einfaches Fadenspiel:

 

Gesellschaftsspiele, Brettspiele, Karten- und Würfelspiele habe ich bewusst nicht erwähnt, auch keine Spiele an Konsolen und dem Rechner. Irgendwie passten sie hier nicht hinein, genausowenig wie das eine oder andere Hobby.

 

Es hat Spaß gemacht mal wieder in der Vergangenheit zu graben.

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Woche 4/2018

oder …

Nur nicht hängen lassen!

 

Jeden Morgen summte in meinem Kopf ein Oldie seine Melodie und auf dem Heimweg gab es die Wiederholung. Ich werde wirklich langsam zu alt für diesen, meinen Beruf.

Auf meinem Schulweg – morgens in Begleitung vom Rotkehlchen, nach der Schule mit untergehender Sonne

 

In den 1980ern hörte ich spätestens Sonntagabend genau zu, wenn im Radio die Ergebnisse der Bundesliga und die Tabelle durchgegeben wurden. Fußball war DAS Gesprächsthema der kleinen Brecher am Montagmorgen. Wenn man da mitreden konnte, war das ein Garant für mangelnde Unterrichtsstörung: „Boah, Frau eS hat Ahnung!“. (Frau Be gab es erst Mitte der 80er.)

In den 1990ern musste man fit in angesagten Serien sein. Egal wie albern, ich schaute „Der Prinz von Bel-Air“ oder „Die Nanny“, die Favoriten  der Schüler und Schülerinnen, während meine Kinder „Full House“ und „Friends“ liebten. Da blieb nur selten Zeit für meine Lieblingsserien, „MacGyver“ und vor allem „Star Trek“.

Spätestens zu Beginn von 2K konnte eine Kenntnis von angesagten Musikgenres von Vorteil sein. Kein Problem für meinereine.

Seit 2010 frage ich mich, ob es überhaupt noch gemeinsame Interessen und Strömungen bei meinen SchülerInnen gibt, mit denen sie untereinander oder sonst jemanden ins Gespräch kommen. Klar, sie sind vernetzt in Facebook, Instagram, Whatsapp, Snapchat, …, diversen Spielen. Nebenbei gehen sie in die Schule. Da kann es schon auch mal passieren, dass da vergessen wird, wo man gerade ist, das Smartphone locker und ungesichert in der Hüfte sitzt, gefilmt wird, wo es nicht und was nicht erlaubt ist, und schwups ist das Filmchen online geteilt. Ich finde, das die Schulen und Lehrer ziemlich alleine gelassen werden in Sachen Smartphones. Jedes Bundesland hat durch die Kultushoheit eigene Regeln im Umgang, wie auf Handysektor gut aufgelistet ist. Doch was tun mit dem Gerät, das man eventuell eingezogen hat? Es sind Wertgegenstände und mir reicht es völlig auf meins aufzupassen. Nicht immer sind Rektorate so besetzt, dass Zugang zum Tresor gegeben ist und ich bleibe verantwortlich für diese nicht gerade günstigen Sachwerte. Am Ende kann ich ganz dumm dastehen, wenn ich zwar pädagogisch gehandelt habe aber gleichzeitig, bei nicht zeitnaher Rückgabe, eine Art Diebstahl beging. Ich mag allerdings nicht vor einer Klasse stehen, die zur Hälfte ihre Stöpsel im Ohr hängen haben, völlig selbstverständlich ihr Handy auf den Tisch positioneren, statt dem Wörterbuch (das für die Prüfung zugelassen ist) den Google-Übersetzer benutzen und bevor sie ihr eigenes Hirn einsetzen erst einmal googeln wollen. Daneben wird nicht mehr notiert oder abgeschrieben, sondern fix fotografiert. Mancher Schülerordner besteht fast komplett aus Ausdrucken von fotografierten Ordnern anderer Schüler. Was für eine Eigenleistung! Ist das noch zu bewerten?

Diese kleinen Dinger sind zwar in vielen Bereichen hilfreich, aber am Wochenende liegt meines vor allem in der Schublade. Unterwegs zum Einkaufen und beim Spazieren gehen reichen mir das gute alte, nicht internetfähige Handy, ein Stift und ein kleiner Block in der Jackentasche.

In meiner Klasse üben wir jetzt während des Unterrichts ohne Smartphones auszukommen. Die Dinger werden in einer Kiste im Pult geparkt und dürfen in den Pausen abgeholt werden – was für ein Gebrumm und Gesumm immer wieder aus den Tiefen durch die geschlossene Pulttür ertönt!

Doch es gab auch gute Momente in dieser Schulwoche.

Holzeisenbahn eines bärenstarken Mädchentrios, Teemesslöffel in Arbeit meiner 8er, die neue Smartphonegarage

 

Korrekturhelfer Angus

 

Das echte Ärgernis der Woche ist nur wenige Zentimeter groß, plagt mich schon seit Wochen und jetzt war es genug. Der Übeltäter blieb bei jeder Behandlung standhaft bis ich entschied, wir trennen uns. Das bedeutet zwar wieder monatelange Behandlung bis in der Lücke wieder ein Zahn sitzen wird, doch ich gönnte mir jetzt schon die Belohnung für Tapferkeit. Fällt doch schon wieder ein Kurzurlaub in den nächsten Ferien ins Wasser. Statt im Flugzeug werde ich beim Zahnarzt sitzen. Statt einem Flugticket gibt es ein Konzertticket und im Sommer geht es nach Köln zu U2 (hach <3).

Jetzt heißt es gesund zu bleiben, hmpf, die Substanz und die Freude am Leben zu erhalten. Dazu bestückte ich an meinem freien Montag den Kühlschrank mit Vorgekochtem, Geschnippelten und Müsliportionen für die Woche. Glücklicherweise war alles für Zahnkranke geeignet. (Es gibt keine Zufälle!)

 

 

Als dann am Mittwoch mein Kopf auf dem Heimweg ganz tief hing lag eine Überraschung im Briefkasten! Danke liebe Undine (von undiversell), deine Post mit lieben Worten kam im richtigen Moment! (Es gibt wirklich keine Zufälle.)

 

Zum Glück gibt es am Ende der Woche Wochenenden. Selbst wenn sie mit Korrekturen und Zeugnisvorbereitungen durchsetzt sind gibt es Zeit für Einkäufe (z.B. im Asia-Supermarkt), ein gemütliches Frühstück (endlich wieder mit Sonntagszeitung), hübschen Besuchern im Vogelhaus, zerstörerischen Katern und Frühlingsboten.

Nächste Woche rudere ich weiter, wie im Oldie, dessen Töne mir diese Woche in meinem Kopf rauf und runter dudelten.

 

Macht’s gut und bleibt gesund!

Bis die Tage,

Karin

 

 

Ab in die Nesseln

oder …

Geschichten und Wissenswertes über die Brennnessel

 

Donnernessel, Donnernettel, Dudelkolbe, Estekraut, Feuerkraut, Gichtrute, Große Neddeln, Hanfnessel, Nessel, Saunessel, Senznessel, Tausendnessel, Teufelskraut, Tissel, Tittenkölbl, Zingel, …

Das sind nur einige der vielen volkstümlichen Namen der Großen Brennnessel, Urtica dioica, einer Pflanzenart, die mich während meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin mehr und mehr fasziniert hat. Aus dieser Faszination heraus wählte ich sie, neben der Brombeere, zum Teil meiner Abschlussprüfung. Und die Faszination hält an.

Ja, die Brennnessel ist unangenehm bei Berührung und es gibt wenige, die sie nicht kennengelernt haben, denn sie steht immer zwischen einem selbst und den leckersten Beeren.

 

Redensarten und Sprüche zur Brennnessel gibt es viele, wie

sich in die Nesseln setzen – übersetzt, nach Redensarten-Index: sich selbst in eine unangenehme / unerfreuliche / missliche Lage bringen

oder

Das Kraut kenn‘ ich, sagte der Teufel, da setzte er sich in die Brennesseln.

Also doch Teufelskraut? Ganz und gar nicht!!

Die große Brennnessel gehört zu den von der Kommission E  untersuchten traditionellen Heilpflanzen, die eine Zulassung für den Einsatz zu phytotherapeutischen und medizinischen Zwecken erhielt. Toll was diese Pflanze anerkannterweise kann!

 

Verwendung der Brennnessel

Als Küchenkraut und Gemüse

Die Brennnessel ist weit mehr als nur ein Unkraut. Sie ist unglaublich vielseitig und lässt sich sowohl als Heilkraut und als Küchenkraut einsetzen, denn Brennnesselblätter sind sehr gesund durch reichlich Vitamin C, Eisen, Calcium, Magnesium und Eiweiß.

Junge Blätter und Triebe besitzen noch keine Brennhaare, so dass sie als nährstoffreiches Gemüse oder Salat verzehrt werden können.

Die schmerzenden Brennhaare älterer Pflanzen werden durch Kochen, Dünsten oder Trocknen unschädlich gemacht. Auch das Pürieren in einem Mixer zerstört die Haare des Krauts, so dass sich Smoothies oder Säfte problemlos zubereiten lassen.

Hildegard von Bingen beschrieb die Brennnessel in ihrem Buch Physica. Sie empfahl die Brennnesseln als Gemüse, das, verkocht, der Reinigung des Magens dienlich ist. Vom rohen Verzehr hielt Hildegard, aufgrund der Rauheit der Nessel, jedoch wenig, nur die ersten, frischen Triebe im Frühjahr fanden bei ihr roh Einsatz.

Mattioli, italienischer Arzt und Botaniker im 16. Jh., empfahl die Rezeptur Brennnesselblätter in Wein aufzukochen und zu trinken, sie „machen zur Liebe feurig, locken zur Unkeuschheit“.

Einer der Väter der Botanik, Brunfels, empfahl eine ganze Mahlzeit, gewürzt mit Brennnesselsamen, zur Unterstützung der Familienplanung:

„Wenn sie wollen eheliches Werck treiben, essen sie den samen mit zwiebeln und eys dotteren und Pfeffer“.

 

Brennesselbrot nach einem Rezept von Hildegard von Bingen

Zutaten:
  • 1 Zwiebel
  • 50 g Brennnesseln
  • 300 g Dinkelmehl
  • frische Hefe
  • 1 TL Honig
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Butter
Zubereitung:

Die Zwiebel schälen und fein hacken. Brennnesseln spülen, abtropfen lassen, dann die Blätterspitzen in Streifen schneiden.

Mehl in eine Schüssel geben, die Hefe zerbröckeln und hinzufügen. 150 ml lauwarmes Wasser, Honig und Salz zugeben und alles zu einem glatten Teig kneten.

An einem warmen Ort abgedeckt 15 Minuten ruhen lassen. Die Butter zerlassen und unter den Teig kneten. Einen runden Laib formen, auf das gefettete Backblech legen und noch einmal 30 – 45 Minuten ruhen lassen.

Bei 250°C im vorgeheizten Backofen auf mittlerer Schiene backen.

(Das Rezept ist aus dem Buch: „Backen nach Hildegard von Bingen“)

Lecker hört sich auch ein Rezept zu einer Kräuterlimonade nach Art von Hildegard von Bingen an, das ich auf der Internetseite PhytoDoc fand:

 

Kräuterlimonade

Zutaten für 4 Personen:

je einige Zweige von Brennnessel, Dost oder Majoran, Schafgarbe und Gundelrebe: Man kann junge und alte Triebe bzw. Kräuter sammeln. Je nach Alter der Kräuter ändert sich der Geschmack – eine alte Brennnessel macht einen sehr kräftigen Geschmack.

eventuell einige Blüten zum Dekorieren: zum Beispiel die Blüten von Majoran, Schafgarbe, Oregano, Königskerze, Malve, Borretsch, Lavendel, Salbei oder Ysop. Abzuraten ist von wilder Möhre und ähnlichem, weil die Verwechslungsgefahr mit dem Schierling hoch ist, und von Rainfarn, da Stoffe in ihm die Leber schädigen können.

1 Liter Apfelsaft, 2 Liter Mineralwasser , 1 Zitrone

 

Zubereitung:

Die Kräuter waschen und zusammenbinden, in einen großen Krug oder eine Flasche geben und mit Apfelsaft übergießen.

½ Zitrone in Scheiben schneiden und ½ Zitrone auspressen.

Beides dazugeben und über Nacht ziehen lassen.

Kräuter und Zitrone herausnehmen und die Limonade mit Mineralwasser auffüllen.

Vor dem Servieren die Gläser mit Blüten dekorieren.

 

Als Heilkraut in der Antike und im Mittelalter

Da die Brennnesseln häufig in der Natur zu finden sind, beinahe ganzjährig wachsen und nichts kosteten, waren sie ein begehrtes Hausmittel für viele Alltagsbeschwerden. Dazu gibt es Hinweise und Geschichten aus der Antike und dem Mittelalter.

Die zerstoßenen Blüten wurden in einem Sud erwärmt und bei Harnverstopfungen genutzt.

Für die Behandlung von einem hartem Bauch und Darmbeschwerden wurde in Wein ein Auszug aus Blättern und zermahlenen Samen angesetzt, gesüßt mit Honig oder Fruchtmus.

Brennnesselblätter in Salz zerstoßen sollten bei Hautverletzungen, bis hin zu Hundebissen, helfen.

 

Hildegard von Bingen empfahl die Pflanze bei Vergesslichkeit. Junge Blätter der Brennnessel zerstieß sie im Mörser und füllte den entstandenen Pflanzenbrei mit einer kleinen Menge Olivenöl auf. Mit diesem Saft die Schläfen und die Brust vor dem Schlafengehen einreiben. Das sollte lange (was immer das heißen soll) wiederholt werden.

 

 

 

Als (modernes) Superfood

Gerade im zeitigen Frühjahr, wenn die Menschen, ausgehungert durch die Winterzeit, unterstützt durch das heller werdende Licht, Lust auf frisches Grünzeug haben, ist die Brennnessel mit dabei. Sie gehört unter anderem in die Neunkräutersuppe, die traditionsgemäß an Gründonnerstag gegessen wird (mehr Infos plus Links sind auf meinem Blogpost „Wildkräutermenü“ zu finden).

Brennnesselblätter und die Stengel enthalten viele Mineralstoffe, unter anderem Kalium und Calcium, Kieselsäure, Flavonoide und Vitamin E. Eine ideale Mischung um im Frühjahr fit zu werden. Aber bitte in Maßen.

 

Ich machte Bekanntschaft mit der Brennnessel als essbares Gemüse während meiner Interrail-Zeit in den späten 1970ern. „Nässelsoppa“ stand auf einer Speisekarte in Trondheim/Norwegen und wir nahmen dann doch lieber Lapskaus. Die Wahl bereuten wir anschließend. Tage später in einer Herberge bei Nyköping/Schweden hatten wir sie dann doch, völlig unerwartet, auf dem Teller. Auf meine Frage, was da denn so Leckeres drin sei, zeigte der Finger des Kochs auf die Büschel vor dem Küchenfenster, Brennnessel. Echt? Yes!

 

Brennnesselsuppe

Zutaten für 4 Personen:
  • 2 Liter frisch gepflückte Brennnesseln (gepflückt werden vor allem die Spitzen oder jungen Blätter)
  • 500 ml Wasser und 500 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe (im Originalrezept werden 1 Liter Wasser und 2 Brühwürfel angegeben)
  • Salz
  • 1 – 2 Esslöffel Öl (im Originalrezept wird 1 Esslöffel Margarine verwendet)
  • 3 Esslöffel Mehl
  • 100 ml Sahne
  • optional 3 Esslöffel trockener Sherry
  • 2 Esslöffel gehackter Schnittlauch
  • 2 hart gekochte Eier

 

Zubereitung:

Nesselblätter zupfen und dicke Stengel entfernen.

Ca. 500 ml Wasser mit etwas Salz zum Kochen bringen. Die Brennnesseln dazu geben und ungefähr 5 min. blanchieren.

Die Brennnesseln in einem Sieb abgießen und dabei den Sud auffangen.

Danach die blanchierten Nesseln fein hacken und beiseite stellen.

 

Das Öl (im Originalrezept die Margarine) in einer Kasserolle erhitzen, Mehl dazu geben, anschwitzen, mit dem Brennnesselsud ablöschen.

Die Brühe dazugeben (im Originalrezept sind es das Wasser und die 2 Brühwürfel) und danach die gehackten Nesseln.

Alles zusammen aufkochen, die Sahne dazugeben und alles etwas simmern lassen.

An dieser Stelle setze ich, anders als im Originalrezept, den Pürierstab ein und püriere die Suppe kurz.

Abschmecken. Eventuell Salz dazugeben, pfeffern (Pfeffer steht nicht im Originalrezept, passt aber gut, genauso wie Chiliflocken).

Die hartgekochten Eier halbieren. Je eine Hälfte in eine Suppenschüssel oder auf einen Suppenteller geben. Teller oder Schüsseln mit der Suppe füllen und mit Schnittlauch bestreut servieren.

 

Dieses Rezept im Original – https://www.ica.se/recept/varens-nasselsoppa-2200/

Ganz ehrlich, ich liebe Brennnesselsuppe immer noch, liebe ausgebackene Brennnesselblätter, aber werde keine Freundin von grünen Smoothies. Mögen andere die Wildkräuter-Smoothie-Pakete in den Bio-Supermärkten kaufen, die häufig als Füllstoff Brennnesseln enthalten. Wer sie mag oder ausprobieren möchte findet Informationen und Rezepte z. B. auf diesem Link zu Grüne Smoothies & mehr.

 

Meine Brennnesseln landen vor allem, frisch oder getrocknet, in Tees. Ich verwende sie gerne, gerade im Frühjahr, mit anderen Kräutern gemischt, als Alternative zu Pfefferminze, die ich nach dem Winter einfach über habe. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe vieler Detox-Teemischungen zeigt, wie die Brennnessel längst schon in unsere Tassen wandert.

Neben dem Kraut stehen geröstete Brennnesselsamen auf meinem Speiseplan! Die sammle ich im Herbst selber, nicht vom Acker- oder Wegrand. Ich ernte nur Blätter und Samen aus dem Garten. Samen enthalten neben den Vitaminen A, B, C und E auch viel Eiweiß. Jeden Morgen wandert ein halber Teelöffel Brennnesselsamen in mein Müsli, keine Chia-Samen von wer-weiß-woher. Kurz im Mörser zerdrückt schmecken die Samen leicht nussig. Sie sollen hilfreich sein bei Müdigkeit, die Arbeit der Harnwege unterstützen, Haarausfall verhindern. Ob es hilft weiß ich nicht. Mir schmeckt es.

Die Samen enthalten ungefähr 30% Öl. Geröstet sind sie länger haltbar und nicht nur lecker. Sie gelten als Aphrodisiakum für Männer und Frauen. Auch Schafe lieben diese Samen, wie mir meine Schäferin berichtete. Tiere mögen den Geschmack der Brennnesseln in der Silage und regt Hühner zum Eierlegen an.

 

Als Dünger für den Garten

Brennnesseljauche ansetzen, damit Tomaten düngen oder Blattläuse vom Salat abzuhalten, machten schon erfolgreich meine Großeltern. Biogärtner haben das Ansetzen und die Verwendung von Brennnesseljauche wieder entdeckt, wie bei den folgendne beiden Links:

doch manchen stinkt dies zu sehr zum Himmel. In Frankreich ist, nicht nur deshalb, die Herstellung und Verwendung von Brennnesseljauche verboten (Link).

Wer noch tiefer in die Herstellung von Brennnesseljauche einsteigen möchte, verwendet neben (Ur-)Gesteinsmehl noch Mikroorganismen, die gekauft oder auch wieder selbst hergestellt werden können:

Anmerkung: Beide Rezepte habe ich noch nicht ausprobiert, weiß nicht ob und wie die Ergebnisse funktionieren.

 

 

 

Als Faserpflanze

Wer hat sich schon einmal gefragt, warum einfachstes Baumwolltuch Nessel heißt?

Ich, als kleine Karin. Mit zwei tollen Großmüttern, die perfekt schneidern konnten, erhielt ich meine Antworten noch ohne Internet. Nesseltuch, kurz Nessel, wurde ursprünglich tatsächlich aus Brennnesseln hergestellt, auch wenn man heute darunter einen aus den Fasern der Baumwolle hergestellten Stoff, bzw. Gewebe in Leinwandbindung versteht.

Kein Pächter opferte wertvollen Ackerboden zum Anbau von Leinpflanzen für seinen Eigengebrauch bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Wenn Nahrung knapp ist hat deren Anbau erste Priorität. Dagegen wachsen Nesseln ganz von alleine, fast überall, besonders gut an stickstoffreichen Stellen, wo Mensch und Tier ihre Bedürfnisse hinterlassen. Da trifft es sich gut, dass die Brennnessel in ihren Stengeln ähnlich tolle Fasern hat wie Lein! Deshalb wurde die Brennnessel tatsächlich geerntet, gedörrt, geröstet, gebrochen, gekämmt, versponnen und zu Tuch gewebt, zum Leinen der armen Leute, zu Nessel. Aus diesem Gewebe wurden Säcke für Mehl und Getreide hergestellt, aber auch Bettwäsche und Kleidung.

Meine Mutter, 1937 geboren, erzählte mir, dass sie von ihrer Mutter einen Rock und eine Jacke für die Schule aus Brennnesselstoff genäht bekommen hat. Sie liebte als ca. Achtjährige diese Kleidungsstücke, doch sie erinnert sich auch, wie schwierig die Prozedur nach dem Waschen war. Rock wie Jacke waren so hart, dass sie stehen konnten. Erst mühsames Bügeln machten sie wieder tragbar.

Doch zurück zur Geschichte. Baumwolle eroberte seit dem 14. Jahrhundert nach und nach Europa. Trotzdem versuchte man 1723 in Leipzig noch einmal im größerem Stil, in einer Manufaktur, Gewebe aus der Großen Brennnessel herzustellen. Kleinere Nesselmanufakturen überlebten länger. Noch bis 2009 wurden im Schwarzwald Brennnesseln angebaut und verarbeitet bis der letzte Tuchhersteller Konkurs anmeldete.

Wer danach reinen Nesselstoff kaufen wollte musste weit reisen oder das Internet bemühen. Mein Nesselstoff kommt aus Nepal. Hergestellt von einer Verwandten der Nessel, die bis zu 3m hoch werden kann, der Nilgirinessel, Girardinia diversifolia (Link zur Uni Hamburg).

Industrielle Großfertigung versucht inzwischen ein Unternehmen auf der Schwäbischen Alb. Die Firma Mattes und Ammann entwickelte eine neues Verfahren um an das Bast heranzukommen und hat seit Juni 2016 ein Patent darauf. Ich bin gespannt, wie sich diese Geschichte weiter entwickelt.

Mehr lesenswerte Informationen zu Brennnesselfasern kommen auch von der Alb …

http://www.brennnessel-textil.de/

 

Neugierig geworden versuchte ich selbst an die Fasern zu kommen. Das ist harte Arbeit und die Ausbeute, pro Stengel, wirklich gering. Das ist vielleicht der Grund warum sich manch einer überlegt, daraus ein Geschäft zu machen – das war zumindest mein Gedanke, als ich im Herbst 2017 auf dieses Angebot im Internet stieß:

Ein Faden aus Brennnesselfasern als Armband für die Gesundheit, zu 20,-€! Naja, …, hmpf, der Link.

Dagegen war der 100g-Knäuel Brennnesselschnur aus Nepal zu knapp 15€ ein echtes Schnäppchen, erstanden über das Wollkontor Erlangen.

Allerdings wusste ich jetzt etwas mit dem kleinen Erfolgsergebnis aus meiner Faserherstellung anzufangen. Es kam an mein Handgelenk. Dort trage ich es inzwischen seit Mitte Oktober 2017. Es wird heller und weicher, hat jedoch nichts von seiner Stabilität verloren. Im Dezember gab es ein zweites Bändchen dazu, das ich allerdings aus dem gekauften Garn herstellte.

Die Herstellungsverfahren von Brennnesselgarn, die im Internet kursieren, unterscheiden sich. Ich möchte vor allem auf Chemie soweit wie möglich verzichten, da man sich auch Gedanken mit der Entsorgung nach der Anwendung machen sollte. Bis ich an die ersten Fasern kam dauerte es seine Zeit. Als ich endlich verstand, dass mit Rösten kein Verfahren mit Wärmeeinsatz gemeint ist, sondern ein Prozess der Verrottung, kam es zu den ersten Erfolgen. Leider ging mir im Winter nun der Grundstoff aus und ich muss auf den kommenden Sommer warten. Dann geht es in die nächste Runde, vor allem nachdem Gabi von Filzkram eine funktionierende Video-Anleitung dazu im Internet gefunden hat und sie freundlicherweise auf ihrer Seite geteilt hat.

 

Kulturelles zur Brennnessel

 

In Brauchtum und in alten Geschichten kommt die Brennnessel immer wieder vor (Link).

Es gibt den volkstümlichen Rat, fünf Nesselblätter in der Hand zu halten, um frei von Furcht und bei kühlem Verstand – also innerlich rein – zu bleiben.

Zur Gesunderhaltung und zum Schutz des Viehs hängte man in der Johannisnacht hängte man Brennnesselbüsche an Stallfenster und –türen auf. Andernorts wurde zum gleichen Zweck Nesseln auf den Misthaufen gesteckt und mit Stöcken geschlagen wurden.

Am 1. Januar aß man Brennnesselkuchen, um sich ein gutes Jahr zu sichern, am Johannistag (Spargelsilvester), dem 24. Juni, Brennnesselpfannkuchen, um gegen Nixen- und Elfenzauber gefeit zu sein.

Die Brennnessel (Sammelzeit März bis August) gehörte traditionsgemäß in die Gründonnerstagsspeisen. Am Gründonnerstag gegessenes Brennnesselgemüse sollte für das folgende Jahr vor Geldnot schützen.

In Hans-Christian Andersens Märchen „Die wilden Schwäne“ webt das Mädchen Elisa stumm und ohne zu klagen von Friedhöfen gesammelte Brennnesseln, um ihre in Schwäne verwandelten Brüder die Menschengestalt zurück zu geben. Leider wird das rettende Nesselleibchen des jüngsten Bruders nicht ganz fertig, so dass dieser einen Schwanenflügel behält.

Zum Abschluss biete ich noch das Landeswappen Schleswig-Holsteins (Quelle).

Links die Löwen des Herzogtums Schleswig und rechts ein silbernes Brennnesselblatt für Holstein, als Symbol für Wehrhaftigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

Das war ein Auszug meiner Ausarbeitung zur Brennnessel für meine Abschlussprüfung zur Kräuterpädagogin, den ich gerne mit euch teilen wollte.

Bis die Tage,

Karin

 

 

Woche 3/2018

und …

 

Wechselhaft, wie das Wetter

 

Von den sieben Tagen ist der Montag eindeutig der Gewinner! Gegen Mittag holte ich unsere Patientin im Krankenhaus ab um sie wohlbehalten, nach zwei Wochen, in ihr Zuhause zurückzubringen. Was war sie glücklich! Auf meinem eigenen Heimweg lenkte mich der Navi dieses Mal vorbei am Wildpark in Pforzheim. Ich sah es als Fügung, hielt an und genoss einen ausgedehnten Spaziergang durch den von Besuchern fast verwaisten Park. Einzig ein paar Mütter mit Babys in Kinderwägen waren unterwegs, ein Großelternpaar mit ihrem Enkel, ein älteres Ehepaar, ein Fotograf, und dann noch ich mit Konstanze, die dummerweise wieder mit dem falschen Objektiv ausgerüstet war.

So schön wie an diesem Tag hatte ich noch nie die Luchse gesehen!

Ansonsten dümpelte dieser Januar weiterhin, außer in Sachen Schulalltag, noch abseits der Normalität, die ich mir für 2018 wieder gewünscht habe. Seit Mitte der Woche plagen mich jede Nacht Halsschmerzen. Die Idee, zur Bekämpfung dieser Plage, eine Weile die vegetarische Lebensweise auszusetzen, dauerte nur bis zur Beschaffung von Suppenhuhn und Ananas. Das Huhn landete im Gefrierfach, die Ananas reift noch, und ich fiel jede freie Minute in Tiefschlaf.

Freitag meinten meine 9er morgens, dass sich meine Stimme wie Mickey Maus anhören würde: „Ey, Frau Be, was los?“. Bis Mittag war mein internes Soundsystem wieder kalibriert. Gut so, denn eine Kollegin, ein Kollege der Realschule und ich nahmen eine Auszeichnung vom OB unserer Stadt entgegen. Unsere gemeinsame Weihnachtshütte im Dezember auf dem Weihnachtsmarkt hat wieder den 3. Platz der schönsten Hütte erreicht.

Wir nutzten den Anlass für ein gemeinsames Mittagessen, bei dem wir schon wieder Pläne für den nächsten Weihnachtsmarkt schmiedeten. An Ideen mangelt es uns nicht!

Mal nicht selbst zu kochen war lecker. Dagegen war der Test von alternativen Snacks, Mitte der Woche, eher ernüchternd. Die dunklen, sechseckigen Teile gefielen mir optisch richtig gut, aber essen dürfen die Dinger andere. Ich nicht wieder. Widerstand ist zwecklos garantiert, von mir. Yuck.

Samstagmorgen war die erste Rüsselpest seit meiner OP im August endgültig aktiv. Dafür war die Sonne dermaßen inaktiv, dass jedes Foto tagsüber beinahe im Schwarzweißmodus heraus kam.

Abends meldeten sich dazu noch Schmerzen zurück, die ich eigentlich zur Vergangenheit zählte. Ich holte zur Unterstützung eine meiner alten „Freundinnen“ aus dem Keller, achtete bei jedem Schritt und Tritt auf Technik und Untergrund um abends, für die vor Wochen angemeldete Hilfe bei einem Event, fit zu sein.

Nach einem Jahr Auszeit hatte ich mich so darauf gefreut endlich wieder den Kulturverein vor Ort, außer mit Geburtstagskarten, direkt zu unterstützen, bei Veranstaltungen dabei zu sein, und mich deshalb wieder in die Helferliste eingetragen. Angekündigt waren „Get shorties“, ein Abend mit Kurzgeschichten, vorgetragen von den Autoren und Autorinnen – eine meiner Lieblingsveranstaltungen. Trotz Regen, Schnee und Sturm war die Veranstaltung gut besucht. Ich hielt mit zwei Schmerztabletten durch und habe jede Sekunde genossen, ob in der Küche beim Gläser spülen oder beim zuhören. Am besten war jedoch das Zusammensein, Freunde und Bekannte zu treffen, das Gefühl dabei zu sein, Kultur hautnah zu erleben.

 

Sonntag zog es mich auf meine Runde über die Baustelle, aber nicht weiter. Die Schmerzen beeinträchtigten beinahe jeden Schritt und mich verlockte auch nicht die Sonne auf eine Verlängerung des Spaziergangs in Richtung Feld und Wald.

Dafür schaute ich im Schulgarten vorbei, wo ich mich über die ersten Frühlingsboten freute.

 

Zuhause durfte sich der abgebrochene Stengel der Christrose zu den vor zwei Wochen aus dem Sturm geretteten Weidenzweigen gesellen. Es sind die ersten Blühpflanzen, die ich mir, seit Beginn meiner Hyposensibilisierung, zuhause erlaube.

 

In dieser Woche schaute ich nicht ein einziges Mal bei Bloglovin vorbei um durch andere Blogs zu stöbern, Beiträge zu lesen, geschweige denn zu kommentieren. Das tut mir leid.

 

Bis die Tage,

Karin

 

Woche 2/2018

Woche 2/2018

 

oder …

Von „No good“ bis „Geht doch“ alles drin!

Unglaublich wie viel Sorgen ein kleines Stückchen am Ende des Blinddarms verursachen kann! Unglaublich die Geschichte, die ich miterleben und unser momentanes Sorgenkind in der Familie seit Jahresbeginn durchleben musste. Donnerstag wurde im Laufe des Tages nachoperiert. Dummerweise hatte ich genau an diesem Tag mein Handy zuhause vergessen und in der Schule fand sich kein Luftloch in den acht Stunden Präsenzzeit, um schnell mal nachhause, das um die Ecke liegt, zu kommen. Dafür liefen die Telefonleitungen heiß sobald ich zuhause war. Ein schlimmer Tag in der Schule und dann gab es, statt Entspannung zum Feierabend, noch eine Zugabe, Schlingenbildung vom Dünndarm und Darmverschluss.

Inzwischen geht es unserer Patientin endlich besser, das Ende ihres Krankenhausaufenthalts kommt in Sicht und ich kenne inzwischen, dank Navi, jede Menge alternativer Strecken von BB nach KA abseits der Autobahn. Alles hat seine zwei Seiten.

Meine Kater nahmen mir meine häufige Abwesenheit Tag für Tag weniger krumm, ganz anders als erwartet. Sie teilten sich sogar endlich den Kratzbaum (ein Jahr seitdem ich ihn aufgebaut habe). Selbst der Aussichtsplatz zum Katzenkino wurde geteilt! Dafür räumt Angus nach wie vor, wenn es ihm langweilig wird, meine Unterwäsche aus der Kommode.

Trotz aller Anspannung nahm ich mir die Zeit zum Kochen. Wenn ich es schon nicht schaffe Entspannung zu finden, muss zumindest der Plan gesund zu kochen eingehalten werden. So kann ich, wie angekündigt, eine Variante der im letzten Blogpost vorgestellten Erbsen-Pesto vorstellen (vegetarisch) in Kombination mit veganen Gnocchi; auch wieder in Anlehnung oder direkt nach einem Rezept von Ella Woodward (aus dem Buch „Deliciously Ella – genial gesundes Essen für ein glückliches Leben“, Seite 39).

Der ganz große Unterschied zum letzten Rezept ist die Wildkräuterzugabe in Form von Gartenschaumkraut, auch bekannt unter Behaartes Schaumkraut, Cardamine hirsuta. Als Kreuzblütler enthält diese Schaumkrautart Senfölglycoside, was an der Schärfe, wie bei Kresse, herauszuschmecken ist. Zusätzlich enthält Gartenschaumkraut noch Bitterstoffe und Vitamin C.

Normalerweise tauchen die ersten Blättchen dieses Unkrauts erst Anfang März auf. Durch den milden Winter grünt es jetzt schon Anfang Januar. Doch bitte nicht direkt am Wegrand ernten, wo Hunde Gassi geführt werden, und auch nicht pflücken, wenn man sich nicht ganz sicher ist ob es Gartenschaumkraut ist! Hilfreich zur Bestimmung für Anfänger kann das Buch „Wird das was – oder kann das weg“, von Bärbel Oftring sein, erschienen im Kosmos-Verlag.

 

 

 

Erbsenpesto-Variante #2

Zutaten:

1 Becher tiefgefrorene Erbsen (bei Becher spreche ich von den bunten 08/15 Trinkbechern aus Kunststoff des schwedischen Möbelhauses)

½ Becher Nüsse Paranüsse

1 Büschel frisches Gartenschaumkraut (ca. 30 g ungeputzt), alternativ geht auch Kresse – Wildkräuteranfänger sollten ihrem Magen zuliebe nur die Hälfte verwenden und den Rest mit Petersilie oder anderen frischen Kräutern ersetzen

1 klitzekleine Zwiebel

2 gehäufte Esslöffel geriebenen Parmesan oder, falls es vegan sein soll, 2 Esslöffel Nährhefe

2 – 5 Esslöffel Olivenöl

Salz

 

Zubereitung:

Die Erbsen entweder in der Mikrowelle oder auf dem Herd mit etwas Wasser und Salz bissfest kochen. Ich würze mit meinem eigenen Estragonsalz. Nach dem Kochen das Wasser abgießen.

Die Nüsse auf einem Brett mit einem großen Messer fein hacken.

Das Gartenschaumkraut waschen, welke Blätter und Wurzeln entfernen, und grob hacken. Kleine Besucher natürlich auch aussortieren.

 

Das Zwiebelchen fein würfeln.

Erbsen, Nussstücke, Schaumkraut, Zwiebelwürfel, geriebenen Käse mischen und mit etwas Öl entweder in einer Küchenmaschine oder mithilfe eines Pürierstabs zerkleinern. Je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Öl dazu geben. Auch diese Pesto schmeckt mir mit zu beißenden Stückchen besser.

Eventuell noch mit etwas Pfeffer und/oder Chiliflocken abschmecken.

 

Dieses Erbsen-Pesto kommt ganz nah an das Erbsengericht heran, das meine Kinder früher gerne gegessen haben. Statt Schaumkraut oder Kresse verwendete ich Estragon. Die Zugabe von vielen frischen Kräutern, zusammen mit Salz, hebt die Süße der Erbsen auf, aromatisiert sie auf eine neue Weise. Dazu gab es entweder Kartoffelpüree oder aufgebratene Schupfnudeln, die hier in der Gegend Bubenspitzle genannt werden. Ganz ähnlich werden italienische Gnocchi hergestellt, die ich auf veganer Art herstellte.

 

Gnocchi nach Ella

Zutaten:

500 g Kartoffeln

1 1/2 Esslöffel Apfelmus (ich verwende mein eigenes, ungesüßtes)

1 Becher Reismehl

Salz und Pfeffer

 

Zubereitung:

Die Kartoffeln mit der Schale in leicht gesalzenem Wasser kochen, bis sie gerade gar sind.

Die Pellkartoffeln schälen und entweder grob reiben, oder durch eine Kartoffelpresse drücken.

In die Kartoffelmasse das Reismehl, etwas Pfeffer und Salz, sowie das Apfelmus kneten. Statt dem Apfelmus kann alternativ auch ein Ei eingearbeitet werden. Beides dient der Bindung des Teigs. Ich verwendete, wie im Rezept, eben Apfelmus. Ich wollte auch wissen ob das tatsächlich funktioniert. Tut es. 😉

Wenn der Kartoffelteig gut durchgeknetet und glatt ist, wird er in vier Teile aufgeteilt. Aus jedem dieser Stücke wird daumendick eine Rolle geformt. Wenn nötig die Unterlage mit Reismehl bemehlen. Von diesen Rollen werden kleine Stücke abgeschnitten, die, um die typische Verzierung der Gnocchis zu bekommen, über einen Gabelrücken gerollt werden.

In einem Topf Wasser aufkochen, salzen und die Gnocchis dazugeben. Nach kurzer Zeit schwimmen die Gnocchis oben auf dem Wasser, das bedeutet, dass sie gar sind.

Die Gnocchis mit dem Pesto in einen Topf geben und kurz zusammen erwärmen.

Die Gnocchis lassen sich auch gut im Kühlschrank aufbewahren und schmecken aufgebraten fast noch besser.

 

Ich heiße Karin und bin Schafpatin

Zum Wochenende konnte beinahe Normalität in meinen Alltag einkehren. Ganz besonders freute ich mich auf den Samstag. An diesem Tag ging es zum Schafstall „meiner“ Schäfer in Magstadt, Krüger-Land. Seit letztem Jahr können Nichtschäfer deren Arbeit für den Natur- und Landschaftsschutz unterstützen, indem sie Schafpaten werden. Ich bin eine davon, die 20ste. Für die Patenschaft gibt es eine Urkunde und es darf eine Baumscheibe für das Stall- bzw. Scheunentor gestaltet werden. Dafür setzte ich endlich wieder mein heißgeliebtes neues Spielzeug, eine Dremel, ein.

Alle Schafpaten trafen sich diesen Samstagnachmittag um dem neuen Schafbock, der mit unserer Hilfe angeschafft werden konnte, seinen Namen zu geben. Demokratisch abgestimmt heißt er nun Ole und er erwies sich als kamerascheu.

Ole, bevor sich der alte Schafsbock, von rechts kommend, wieder komplett vordrängeln konnte

Wunderhübsch zeigten sich auch die Neuzugänge im Stall, die die letzten zwei Tage geboren wurden. Die ersten fünf Lämmer dieses Jahres tummelten sich zwischen ihren Mamas und Tanten. Jedes Muttertier kennt ihr Lamm ganz genau. Schnell mal eine bereitstehende Zitze nutzen geht nicht. Da wird auch einmal etwas derb weggeschubst.

 

Schöne Stunden, zwar in der Kälte, aber mit Glühwein bzw. Punsch, der Möglichkeit zu grillen und begleitet von vielen Gesprächen mit gleichgesinnten, neuen Bekannten. Alle ohne Knopf im Ohr genossen wir zudem das Blöken und die vielen Mähs, ungefiltert, ganz real, als Originalsound, mit allen Sinnen. Ich freue mich auf das nächste Treffen.

In den nächsten Tagen werde ich hoffentlich den immer wieder angekündigten Beitrag zur Brennnessel auf den Blog bringen.

 

Bleibt gesund und bis die Tage,

Karin