Roggenbrot aus der Milchtüte

oder …

Ein Stück Island für den Gaumen

und Brot backen mal ganz anders – isländisches Roggenbrot, Rúgbrauð.

Ich bin eine Mutter, die, wenn ihre Kinder in der Weltgeschichte unterwegs sind, mit dem Finger auf der Landkarte mit reist. Das beginnt schon beim Flug, den ich, dank Apps, verfolge.

Bildschirmfoto vom 2016-06-15 um 15.19.24 über flightradar24

Mir macht das Spaß, lindert etwas meine vor Dauer-Reiselust scharrenden Hufe, aber es kann auch mal richtig nervös machen, wenn der Flieger vom Bildschirm verschwindet. Zum Glück flog Sohnemann dieses Mal nicht über China (da war auf seinem Japan-Flug mal schwupps das Flugzeug weg vom Bildschirm), sondern nur über Nordsee und Atlantik ins Land seiner und meiner Sehnsucht … nach Island. Ein Grund durch die Fotos vom letzten Sommerurlaub zu gehen und ein Anlass zwei unfertige Blogposts fertigzustellen (diesen hier und den überarbeiteten Reisebericht über Islands Norden).

Die Arbeit konnte ich mir etwas versüßen, denn im Tiefkühlgerät hatte ich noch einen Würfel selbst gebackenes Roggenbrot eingefroren. Das Rezept brachte mein Sohn von seinem ersten Aufenthalt aus Island mit, machte seine Schwester damit süchtig glücklich und ich backte das Brot dieses Frühjahr nach. Ein Brot, dass nicht geknetet werden muss war ideal in der Zeit, als ich durch den Armbruch eingeschränkt war und trotzdem gerne frisches, eigenes Brot essen wollte.

In Island wurde und wird dieses Brot, in Gegenden wo Geothermie sichtbar wie riechbar ist, häufig in Erdlöchern bzw. Spalten in Lavafeldern gegart, zum Beispiel in der Gegend rund um den See Mývatn im Norden. Überspitzt gesagt geht dort die Hausfrau einmal am Tag raus aufs Lavafeld, schiebt ein paar Steine weg, hebt einen Deckel, holt den Broteimer vom Vortag heraus und stellt neues Gargut in das Loch, bevor sie es wieder sicher abdeckt. Neben Brot lässt sich so auch anderes Backwerk herstellen und Eintopfgerichte garen.

Nun hat die deutsche Hausfrau keine geeignete Geothermie vor Ort, in Böblingen ist Geothermie eher ein unangenehmes Reizwort, und es muss der heimische Backofen genutzt werden. Wie das ganz genau vorgeht kann auf dem Blog meiner Tochter, Der Klang von Zuckerwatte, nachgelesen werden: Von leeren Milchkartons und isländischem Rúgbrauð. lch halte mich hier etwas kürzer. 😉

Sicher stellt sich der/die LeserIn an dieser Stelle die Frage, die ich mir ursprünglich auch gestellt hatte: „Nicht geknetetes Brot und dann noch im Milchkarton gegart statt richtig gebacken? Und das soll funktionieren?“ – Ja! Doch man muss Zeit und Geduld mitbringen, etwas was man von Isländern lernen kann. Was Roggenbrot üblicherweise in der Vorbereitung mit Sauerteig und später während des Gärprozesses an Zeit benötigt, verbringt diese Form von Roggenbrot vor allem im Ofen in der Milchtüte. Man kann sich tatsächlich für Stunden gemütlich zurück lehnen und es verkokelt im Backofen nichts!

Zutaten für ein isländisches Roggenbrot – Rúgbrauð

  • 200 g Roggenmehl
  • 40 g Vollkornmehl (Weizen oder Roggen)
  • 75 g Zucker
  • 1/2 Päckchen Trockenhefe
  • 1/4 TL Salz
  • 225 ml Milch

Alles verrühren, was selbst mit einem Gipsarm klappte, ab in die Tüte, abdecken und für 12 Stunden in den Backofen bei 100°C. Bei dieser langen Backzeit lohnt es sich gleich ein paar Brote gleichzeitig zu backen. Es lässt sich sehr gut einfrieren und verschenken!

Die erste Version wurde etwas heller, als ich es bisher kannte. Es lag wahrscheinlich daran, dass ich kein Roggenvollkornmehl verwendet hatte, sondern Dinkel.

Der zweite Versuch mit 100% Roggenmehl gelang deutlich dunkler und schmeckte fast wie das Brot in Island. Wahrscheinlich fehlte die Schwefelkomponente vom „raucht-und-stinkt“! Man könnte ja einen aromatischen Zusatzstoff entwickeln. 😉

Superlecker das süßliche Brot mit salziger Butter!

Die Variation mit Spiegelei und eingelegten Bärlauchstielen kam auch gut an.

 

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