oder …
Cochenille und immer noch nicht der richtige Farbton
Auf meinem Herd stehen wieder die Farbtöpfe, nachdem ich Nachschub zum Färben gesponnen und in die Alaun-Kaltbeize gelegt hatte.

Irgendwann war mein innerer Widerstand gegen den neuen Farbstoff, den ich ausprobieren möchte, Geschichte und ich packte das bestellte Päckchen mit Cochenille-Schildläusen aus. Nach wie vor habe ich einen Aber Tiere zum Färben zu verwenden, auch wenn sie tot und getrocknet sind – ich mag zum Färben oder zur Herstellung von Tinten und Pigmenten auch keine Lebensmittel nutzen. So, nun hatte ich diese Läuse und googelte erst noch etwas über sie. Interessant, dieser Farbstoff, den wir alle als Karmin kennen und davon, laut Wikipedia, als E 120, Karminsäure, ca. 1 bis 2 Tropfen im Jahr über die Nahrung zu uns nehmen. Lecker! Früher wurde auch Campari damit eingefärbt.
Die Schildläuse kamen ab in den Mörser. Es gibt sie auch bereits gemahlen zu kaufen, aber wenn schon, denn schon, ziehe ich das ganze Programm durch. Sie ließen sich ziemlich zügig verreiben und schon nach kurzer Zeit kam der rote Farbton zum Vorschein.

Das feine Pulver füllte ich in ein von Hand genähtes Baumwollsäckchen. Für den Aufbau der Nähmaschine war es mir zu spät und ich hätte für sie Platz schaffen müssen. Die drei kurzen Nähte waren auch so ruckzuck erledigt. Es ist zudem ganz gut, dass die Maschine in ihrem Eck bleibt, bis ich mit dem Projekt „Rosa für den Teppich“ weiter gekommen bin.
Das Säckchen mit dem Färbegut war kaum im Topf, als es schon reichlich Farbe abgab und erst recht, als der Sud kochte. Am nächsten Morgen war die abgekühlte Küpe so farbintensiv, dass ich sie noch etwas verdünnte. Trotzdem nahm der hineingehängte Wollstrang sofort Farbe an.

Vier Mal nutzte ich diese Farbküpe für Färbungen und ich erinnerte mich lebhaft an den Hype aus den 1970er-Jahren, als diese Farben so absolut in waren. Aus diesen Jahren stammt auch mein ältestes Färber-Handbuch und ich hatte es kaum in der Hand, als ich mich erinnerte, dass mir zum Färben mit Cochenille ein /zwei Zutaten fehlten: Weinsteinrahm und Kleie. Egal. Ich habe sowieso noch nicht DAS Rosa hinbekommen, das ich für den Teppich benötige und ein paar Gramm Läuse habe ich noch.

Strang 3 hängt zum Trocknen und Strang 4 liegt noch zum Auskühlen im Farbbad. Die Bilder werden nachgereicht.
Strang 3 und 4 sind fast trocken und können sich zu den ersten beiden Ergebnissen gesellen. Die Farben täuschen etwas. Das linke Bild wurde abends gemacht, das rechte im Morgenlicht.

So langsam scheine ich mich an das gewünschte und benötigte Rosa heranzutasten.

Der Plan:
Als nächstes werde ich die ausgekochte Krapp-Küpe mit der restlichen Cochenille-Küpe mischen und schauen, was dabei herauskommt.
Auch mache ich mir Gedanken, was ich mit all der Wolle in Rosafarbtönen hinterher anstellen soll.
Vor allem brauchten meine Augen etwas Farberholung. Die fand ich beim Spinnen und Wickeln einiger nicht beschrifteter Färbeproben aus dem vergangenen Jahr und im Garten.

Gartenzeit
Es ist trocken und auch wenn es heiß ist habe ich mich relativ viel im Garten aufgehalten. Vergangene Woche kam mir beim Gießen eine Idee für eine Umgestaltung eines Beets, das ich schrittweise angegangen bin. Dazu gehörte auch ein kleiner Kraftakt mit der Spitzhacke, ein Besuch im Baumarkt, einer im Gartencenter, dann noch einmal zum Baumarkt. Wie so oft bei mir entwickelte sich die eine Idee bei der Arbeit weiter und inzwischen ist das Himbeerbeet umgestaltet, eine Beetreihe wurde umstrukturiert und für die Sonnenschirme fand ich eine neue Lösung. Es ist Zeit für einen weiteren Beitrag aus meiner Parzelle 108.
Die neu angelegten Flachkomposter füllen sich mit Vertrocknetem und im Färberpflanzenbeet sieht es einfach nur traurig aus. Selbst der Wärme liebende, genügsame Färberknöterich lässt seine Blätter schlaff hängen.

Die beiden Baumwollpflanzen kamen gut mit der Wärme zurecht, schluckten jedoch, trotz dicker Mulchschicht reichlich Wasser. Die Hochlandbaumwolle hat das schönere Laub, doch bisher blühte sie noch nicht. Die Baumwollpflanze aus dem Saatgut der Baumwollbörse blüht weiterhin regelmäßig und es bilden sich immer mehr Kapseln.

Abendstimmung …

Ansonsten
- vom 12ten Tag des Monats habe ich hier berichtet, bevor ich in den Garten und zum Schauen des Tagesereignisses ging
- partielle Sonnenfinsternis und auf dem Feldweg sammelten sich wieder so viele Menschen, wie seit den Anfängen der Einschränkungen durch Corona nicht mehr – das Schattenstühlchen steht nach Tagen immer noch

- das Treffen mit den Spinnerinnen im Haus der Handweberei hat großen Spaß gemacht, dass ich mich jetzt schon auf das nächste im September freue. Erfreulicherweise waren die Kater friedlich, als ich mit großer Verspätung heim kam, Futterzeit längst überfällig …

- die Gurken sind in den Gläsern, endlich!

Ohrwurm der Woche
Mal Moby, …
Was mir das Wochenende bringen wird? Färben, Gießen und auf Regen warten.
Macht’s gut, bleibt gesund und bis die Tage

verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot