oder …

Sägen, bohren, schrauben, statt Ostereier färben

Ostern fällt für meine Familie aus. Keine Ostereier gefärbt. Keine Osterpost gestaltet und verschickt. Nichts gebacken. Kein Osteressen geplant. Der Verlust der Lieblingsmenschin geht noch zu nah, wäre sie doch an diesem Karsamstag 85 geworden!

Die Mutter hätte in dieser Woche fleißig Osterlämmchen gebacken und sie in der Familie, wie in der Nachbarschaft verteilt. Kurz war der Gedanke da diese Tradition aufzunehmen, doch es war Mutters Ding, nicht meines. Vielleicht backe ich in ein paar Jahren wieder Lämmchenkuchen zum Verteilen, nach ihrem Rezept und bin glücklich damit. Dieses Jahr bin ich erst einmal froh, dass die Backformen noch nicht aufgetaucht sind!

Die kurze Schulwoche vor den Osterferien ging wirklich flugs vorbei. Das Highlight war die Fertigstellung des gemeinsamen Patchworks der 9er-Gruppe. Es fehlen noch Füllung, Rückseite und Rand um einem echten Quilt näher zu kommen. Viele Stunden haben wir nicht mehr bis zu den schriftlichen Prüfungen!

Vor der Tür wartete der erste große Container. Bis zu den Sommerferien soll der Teilabriss dieses Gebäudeteils, alter Schulgarten inklusive, vorbereitet werden.

Frust gab es auch wieder im neuen Schulgarten. Der Deckel der Wassertonne mag zwar dekorativ am Zeun hängen, doch er gehört definitiv nicht dorthin!

Komme ich doch lieber auf das im Titel angekündigte Thema. In den freien Minuten grübelte ich nämlich an meinem Vorosterwochenprojekt, ließ mich zwischen zwei Lieblingsplätzen pendeln – dem Maschinenraum in der Schule und dem Garten. Mittwoch, nach Unterrichtsschluss, war ich dann soweit und begann mit dem Zuschnitt. Das tat so gut!

Ein Tisch sollte es werden, für den Garten, mit einer Deckelklappe über einem Stauraum für Gartengeräte und einem Regalfach. Zum Bau wollte ich so wenig Material, wie möglich, dazukaufen. Tatsächlich holte ich mir aus dem Baumarkt nur …
ein Leimholzbrett
zwei auf Maß zugeschnittene Fachböden
und Schrauben.
Der Reste, bzw. die Reste kamen aus meinem und dem Schulfundus – alte Möbelstücke aus Holz finden hier oft ein nützliches Zwischenlager, bis aus ihnen Neues entsteht.

die letzten Reste von der ehemaligen Gerätekiste aus dem Garten

Die erste Planänderung kam, als ich die Seitenteile von einem Bettgestell fand. Die aufgesetzten Leisten, die für die Auflage vom Lattenrost dienen, brachte mich auf die Idee, sie für den Stauraumboden zu nutzen.

Gesägt, gebohrt, geleimt, geschraubt – die fertigen Seitenteile.

Alle anderen Teile bereitete ich, zugeschnitten und gebohrt, so vor, dass ich an Ort und Stelle nur noch alles montieren musste. Das schwerste und schwierigste war das Verladen meiner alten Küchenplatte, die seit meinem Küchenumbau in der Garage gewartet hatte. Aus massiven Buchenholz war sie mir zu schade zum Wegwerfen gewesen.

Normalerweise treffe ich immer jemanden an den Garagen, doch an diesem Tag wartete ich eine gefühlte Ewigkeit und es kam niemand vorbei. Also würgte ich das schwere Teil alleine aus seinem Eck und hinein ins Auto. Kaum drinnen und … kam ein ehemaliger Schüler, dann eine Nachbarin, usw. … Manchmal ist eben der Wurm drin und wenn es der einzige an diesem Tag sein sollte, auch gut.

Die ersten Schritte der Montage auf der Terrasse vom Gartenhäuschen liefen glatt. Immer wieder horchte ich, ob sich jemand von den GartennachbarInnen zeigt. Stille! Doch irgendwann traf eine junge Familie ein! Erleichterung, als mir der Vater beim Transport der schweren Platte half!

Die Scharniere für den Klappmechanismus verwendete ich von der alten Gerätetruhe, da sie einfach noch gut aussahen und intakt waren. Das Anschrauben war etwas tricky, da ich die verkehrten Bohrer zum Vorbohren eingepackt hatte. Trotzdem wurde das Möbelstück bis zum Abend fertig.

Da steht er nun, der selbst bebaute Tisch, …

… mit Klappdeckel …

… und Stauraum …

… für die Gartengeräte!

Für die Sicherheit werde ich noch eine Stütze mit Kippschutz am Deckel einbauen.

Was mir gefällt sind die verschiedenen Gebrauchs- und (Ver-)Witterungsstufen der Hölzer:
das unbehandelte, Wind und Wetter ausgesetzte Nadelholz der alten Gerätetruhe,
das lackierte und vergilbte Holz vom Bettgestell,
das gelblich, lasierte Nadelholz aus den Resten der Schulgartenhütte, und
die voller Spuren einer gelebten Küchenvergangenheit auf der Buchenholzplatte.

Ich bin stolz auf mich, das noch einmal geschafft zu haben, frei nach selbst-ist-die-Frau!

Die Ostertage können kommen. Ein kurzer Sohnemannbesuch ist angekündigt und ich möchte mir Lesezeit inm Garten nehmen. Wenn es mit letzterem nicht klappt, habe ich zumindest schon einmal Zeitungen zum Abdecken parat, denn die Hütte benötigt dringend einen Anstrich.

Ein wenig Ostern kam heute mit der Post, von Ingrid. Der Ostereihase durfte, auch zu seiner Sicherheit, gleich ans Fenster. Vielen Dank!

Gelesen. Gesehen. Angehört.

Umweltökonom: „Wir sind zu Konsumdeppen geworden“ – ein Interview im Der Standard, Stand vom 01.04.2022

Ohrwurm der Woche.

Fundsache aus Lwiw, aus dem Jahr 2018, als die Welt dort noch in Ordnung war – eine Straßenmusikerin spielt „Zombie“ von den Cranberries.

Dieses Stück gilt als Protestsong gegen den Nordirlandkonflikt, der zum Zeitpunkt der Entstehung des Lieds anhielt, und nimmt auch Bezug zu den Auseinandersetzungen im Jahr 1916 (Wikipedia).

Bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot und bei Andrea, die Zitronenfalterin und den Jahresprojekten 2022, das für mich lautet: Nur nichts verkommen lassen – mach Platz für Neues 2022


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Kommentare

Anfang des Schuljahres schrieb ich in den Ferienkalender die Arbeitstage rückwärts gezählt. Es waren 183 Arbeitstage. Jetzt sind es noch 52 und ich streiche jeden dieser Tage ab.
Auf meinen Tisch bin ich richtig stolz!
Liebe Grüße und schöne Ostern,
Karin

Chapeau! Das ist ja eine geniale Holzresteverwertung! Hätte einem Pa gefallen…
Es freut mich, dass dich der eigene Garten so fordert und motiviert. Und demnächst gibt es dort sicher auch nen Liegestuhl…
Hab ein entspanntes Osterfest!
❤️lich
Astrid

Mein Vater hat das Gartenprojekt sehr gefallen – seine Tochter, usw. 😀 und dabei hätte er so gerne geholfen. Jetzt hofft er sich zu berappeln, damit er mich bei kleinen Tätigkeiten im Garten unterstützen kann. Das wird ihm sicher ablenken und helfen.
Der Liegestuhl wird kommen, wenn es Platz für ihn zum Aufbewahren gibt und die erste Aussaat erledigt ist.
Die Ostertage werden ruhig verlaufen, nachdem wir den heutigen Tag angenehm im kleinen Kreis verbracht haben. Die Mutter hätte der gedeckte Tisch, anlässlich ihres Geburtstags, gefreut.
Mit herzlichen Grüßen und schöne Ostertage,
Karin

Was für ein schönes Tischwerk! Ich mag es auch, wie die verschiedenen Hölzer zur Geltung kommen! So oft kommt man beim Sperrmüll an „richtigem“ Holz vorbei. Leider habe ich erstens zu wenig Platz und zweitens nicht die Werkzeuge…aber das ein oder andere Schätzchen fand hier auch auch Verwendung.
Und wie ich den Kommentaren entnehme, wurde er schon schön gedeckt und Dein Vater wird sicher bald etwas schlechtes Gewissen abschütteln können und auch Mal einfach im Garten sitzen können. Das es ein trauriges Osterfest wird, glaube ich. Gerade zu besonderen Tagen wird einem das Herz schwer(er).
Dein Musiktipp passt perfekt und ich hatte sofort wieder Kopfkino vom Video (und Ohrwurm, was etwas blöde, da mitten in der Nacht und eigentlich will ich wieder einschlafen, aber der riesige Vollmond erhellt alles)
Hab ein erholsames österliches Wochenende und ganz liebe Grüße
Nina

Im örtlichen Baumarkt gibt es inzwischen eine Ecke mit Altholz zum Kaufen, zu satten Preisen! Da bin ich froh darüber noch die Möglichkeiten der Schule nutzen zu können. Das hoffe ich auch nach Beginn meines Ruhestands zu dürfen, es war mein Wunsch zum Abschied, nichts zum Hinstellen und Abstauben.
Wir machten das beste aus Mutters Geburtstag, aber österliche Gefühle kamen nicht auf.
Gut, dass ich meinen Ohrwurm abgeben konnte, bloß die Uhrzeit war nicht eingeplant! 😉 Ich habe schon den nächsten.
Liebe Grüße und noch einen schönen, erholsamen Feiertag,
Karin

dein selbstgebauter upcycling-gartentisch ist einfach genial geworden und du kannst mit recht total stolz auf dich sein! deinen vater wird es auch bestimmt freuen, wenn er dir ab und zu zur hand gehen kann, auch wenn es erst nur kleine tätigkeiten sind. gebraucht zu werden ist doch so wichtig!
ich wünsche dir noch einen schönen ostermontag im garten! osterpost fiel bei mir auch gänzlich aus, aber da kommt noch was, wenn ich mehr zeit und energie habe.
liebe grüße von mano

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