oder …

2020 #39 – mit der zweiten Schulwoche unter Pandemiebedingungen

Manche Regeln haben sich eingespielt, ohne dass groß darüber diskutiert wird. An meinem Schulkomplex gilt die Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände und des Schulgebäudes, bis auf die Klassenzimmer. Möchte dort ein Schüler Unterstützung am Platz gilt Maske auf. Das klappt ganz gut.
Daneben werden natürlich die Grenzen ausgetestet, denn wer isst und trinkt, darf die Maske absetzen. Man schlendert in Gruppen in den Pausen auf dem Gelände, einer mit einer Chipstüte in der Hand, die Freunde rechts und links greifen zu, die Masken hängen am Kinn. Ist das essen? Dazu die alljährliche, aus dem Urlaub eingeschleppte, Unsitte sich mit Sonnenblumenkernen aus der Hosentasche von der Hand in den Mund durch den Tag zu knabbern. In Schultagen vor Sars-CoV-2 war die Sauerei durch die Schalen, die überall landeten, nur nicht im Eimer, schon ein Übel. Jetzt meinen manche, das Knabbern, Knuspern und Naschen als Teil der Grundernährung zu zählen sind und Maskenbefreiung erfordern. Nun denn, man kann es ja probieren.

Inzwischen hat sich mein Unbehagen in der Schule eher gesteigert, nachdem eine Befürchtung eingetreten ist. Es sind Kinder und pubertierende Jugendliche, die, wenn sie in Gruppen und unter Freunden sind, gerne mal zu Kindsköpfen mutieren. Was am Ende herauskommt, wenn sie in ihren Aktionen vor lauter „lustig“ immer noch etwas draufsetzen, um sich gegenseitig zu überbieten, kann auch richtig daneben sein. Da setzt der Verstand, wie der Gedanke: Wir leben in Corona-Zeiten, erst hinterher wieder ein, wenn die Sache passiert ist.

Die Woche, in Auszügen

Am Montag noch im Schulgarten geschwitzt, machte ich heute, bevor ich mich an den Rechner setzte, die Heizung an!
Gut, dass ich die Nachmittage noch einmal ausgiebig die Liegewiese auf Balkonien genutzt hatte. Bei drei Tagen mit Nachmittagsunterricht blieben dafür nicht so viele Stunden, doch ich will nicht meckern.

Herrlich fand ich, wieder gemeinsam mit SchülerInnen die Schulgärten in dieser Woche zu beackern. Richtig viel wurde von meinen neuen schwierigen Jungs erledigt und dann gab es noch Zulauf in der Garten-AG. Als jedes der Kinder mit einer Tüte selbst gepflückter Tomaten nachhause ging, gab es nur glückliche Augen.

Kalt und nass war es am heutigen Samstag in der Frühe auf meinen Wegen, draußen vor der Tür. Egal wie das Wetter ist, Bewegung muss sein, nur nicht übertreiben, wie am Donnerstag!

Nicht nur SchülerInnen denken erst hinterher nach. Ich kann das auch! Das rächte sich! Mein kranker Fuß war beleidigt und über Nacht setzten die Schmerzen ein. „Prima“, dachte ich und bestellte mir tags drauf Wolle für ein neues Strickwerk um mich unter der Woche etwas mehr anzupflocken. Dazu gönnte ich mir ein paar Lilien beim Wocheneinkauf.

Das waren dann die letzten Sonnenstrahlen, bevor Donnerstagabend der Regen einsetzte. Nachmittags hatte ich mit den Gartenkindern noch gegossen und die Wasserbehälter gefüllt. 😀

Der Freitag begann herbstlich, mit Pfützen zu Füßen und Getröpfel von oben. Pulloverwetter. Gut, dass ich mich für einen am Morgen entschieden hatte. In meinen Fachräumen konnte nämlich zum ersten Mal erfühlt werden, wie fröstelig regelmäßiger Durchzug ist und auf was wir uns in den kommenden Wochen einzustellen haben.
Da ich auf Maskenpflicht in diesen fachpraktischen Räumen bestanden hatte bleiben wenigstens die Backen warm. Auch in dieser Sache gut, damit eisern geblieben zu sein. Pustet mir doch ein Schüler bei einer Geräteeinweisung, statt mir zuzuhören und zuzuschauen, sondern Grimassen schneidend mit seinen Kameraden, völlig im „ist-doch-lustig-Rausch“, ins Gesicht! Bloß gut, dass alle ihre Masken trugen!! Die Nerven bewahrt bis alles aufgeräumt war und dann erst einmal fertig mit der Welt.
Blieben noch drei Stunden in einem Fach, das ich in Teilen nicht studiert habe und das letzte Mal vor einer gefühlten Ewigkeit unterrichtete. AES = Alltagskultur, Ernährung, Soziales, ein Konstrukt, das ebenso wie das Fach Technik nur noch wenig gemeinsam hat mit Hauswirtsschaft/Textiles Werken oder Werken/Technik, meine eigentliche Domäne neben Kunst. Das wirklich Interessante, das Tun, der direkte Umgang mit Nahrungsmitteln, Textilien und Fasern, wie die Verarbeitung der verschiedensten Werkstoffe stehen im Hintergrund. So schade.
Nein, der Schulfreitag war nicht der beste Tag, auch wenn am Ende die gesammelten Küchenkräuter noch so hübsch die Fensterbank zieren.

Angeschaut. Gelesen. Gehört.

Wieder wenig.

Wer ist Alexej Nawalny? – eine Kolumne auf Zeit-Online, vom 25.09.2020

DJ über seine Corona-Erkrankung: „Für manche noch abstrakt“ – ein Gespräch aus der taz, vom 17.09.2020

Warum bestimmt immer nur ein Thema den öffentlichen Diskurs? – ein Interview bei jetzt, vom 16.09.2020

Covid-19-Schutz für den Winter: Zu diesen 4 Corona-Regeln rät die Leopoldina – ein Artikel in Der Tagesspiegel, vom 23.09.2020

Brexit in Großbritannien: Boris Johnson ist die Folge von Margaret Thatchers Politik – ein Artikel aus der Frankfurter Rundschau, vom 23.09.2020

Mein Ohrwurm der Woche wollte nichts lautes mit Wumms werden, obwohl mir danach war. Es wurde ein Lied von einem isländischen Musiker, Ásgeir, in dessen „Hometown“ ich ungeplant auf einer meiner Reisen landete.

Hier ein Interview mit Àsgeir bei SBS, Australien, Stand 09.11.2017

Wochenende. Alle aushäusigen Aufgaben erledigt, muss ich nicht unter Leute und werde versuchen es mir gut gehen zu lassen. Doch vorher noch schnell das Bett beziehen, bevor der junge Wilde das bemerkt! Es ist sein Lieblings-„Spiel“ und es gilt die Bettwäsche vor weiteren Krallenschäden zu schützen.

Den beiden Grauen ist schlafend nicht zuzutrauen, zu was sie im Wachzustand fähig sind. Momentan sind Onkelchen und sein Neffe wieder Zankäpfel, Kampfkater, denen es gar nicht gefällt, wenn ich morgens die Türe von außen schließe.

Macht’s gut und bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot.

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Kommentare

Mein Gehirn ist momentan auch überfordert, vor allem von fordernden Kommentatorinnen, die mal ins Blog reinschneien uund dann schon zu einem Urteil über einen in der Lage sind. Ich bin zusehends vom Bloggen frustriert. Die Berichte über deine stetigen „Kämpfe“ in der Schule lassen mich dann aber ganz demütig werden…. Gut, wenn du Mechanismen der Selbstfürsorge entwickelt hast! Scheint mir Vorang in diesen Zeiten zu sein.
Wochenendgrüße!
Astrid

Ich bekomme das irgendwie hin – schnarchender Kater zu Füßen – doch passe auch Du auf dich auf! Bloggen frustriert mich ebenso ab und an. Dazu mehr in den kommenden Tagen bei Andreas Monatsmotto.
Viele liebe Grüße,
Karin

Unter Pandemie-Bedingungen zu unterrichten, ist bestimmt wahrlich kein Zuckerschlecken. Es sind und bleiben halt Pubertierende. Und dein Fuß gemahnt dich ja auch, dass man auch selber unbedacht bestimmte Vernunftsgrenzen überschreitet. Gute Besserung…
Gut, dass Du Dich ums eigene physische und psychische Wohlergehen sorgst. Die beiden grauen Herren bemühen sich bestimmt ebenso um Heiterkeit und Gleichmut 😉
Liebe Grüße
Andrea

Wie ich schon Astrid kommentierte, ich sitze gerade hier mit schnarchenden Katern zu Füßen :D, herrlich beruhigend das Duett!
Die Gedanken an Montag und die kommende Woche blende ich gerade aus.
Viele liebe Grüße,
Karin

Oha, dann erst Mal Genesungswünsche. Auf dass der Fuß schnell wieder besser wird!
Das Unterricht gerade eine Herausforderung ist, glaube ich gern. Der Jüngere erzählt…
Bei den Kräutern hatten die Schüler Vorgaben, was sie bestimmen und finden sollten? Die Idee, es zum Trocknen und Aufbewahren in die Holzschächte lachen zu tun, finde ich sehr gut. Auch der Trocknungsvorgang ruft unterschiedliche Möglichkeiten und Erfahrungen hervor. Das vergisst man manchmal.
Dann erhole Dich nun gut!
Liebe Grüße
Nina

Bei der Kräutersammlung ging es darum, dass sich jedes Kind seine Lieblingskräuter für eine Kräutermischung (eventuell als Kräutersalz weiter verarbeitet) bei unserem Gartenrundgang sammeln sollte. Alle durften schnuppern und kosten, bevor sie sich entschieden, was in ihre Schachtel kommt.
Die Käseschachteln aus Holz hatte ich ursprünglich für ein Kunst-Projekt gesammelt. Nun haben sie eine andere Bestimmung gefunden.
Viele Grüße,
Karin

ich bewundere alle, die in diesen zeiten in schulen unterrichten müssen, die überhaupt nicht auf die pandemie vorbereitet sind. da berichten freundinnen von nicht vorhandenen waschbecken, von nicht zu öffnenden fenstern (außer einem…), von schülern, denen abstand schietegal ist etc etc. ich drücke dir alle daumen, dass in deiner schule alles gutgeht und sich keiner infiziert und womöglich noch weiterträgt.
handarbeiten, musikhören, lesen, kerzen anzünden und teetrinken wird uns die nächste zeit zu hause begleiten. ich freu mich darauf!
dir noch eine gute woche und liebe grüße
mano

Im Augenblick leeren sich die Stühle in den Klassenzimmern, vor allem mit saisonalem Schnupfen und Husten. Kleinere Klassen sind fein, wenn da nicht hier und da ein Abwarten auf ein Testergebnis wäre. Das drückt und erschwert zusätzlich den Schulalltag.
Ich habe inzwischen eine Scheuerstelle vom Maskenrand, der unter der Brille liegt. Doch lieber Maske, als sich anstecken.
Liebe Grüße,
Karin

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