oder …

2020 #35 – mit einem Hauch von Herbst

Der Blick fiel am vergangenen Wochenende auf meiner morgendlichen Runde durch meine vier offenen und geschlossenen Wände auf die Besenheide im Blumenkasten. Sie blüht! Daneben beobachtete ich nicht nur bei meinen Kontrollrunden zum Schulgarten die länger werdenden Schatten.

Was sagt der phänologische Jahreskalender dazu? Es ist Spätsommer. Die Hundstage sind vorbei, pünktlich wie gewohnt. Wenigstens eine Konstante in Zeiten des Klimawandels. Die Beweislage findet sich nicht nur in meinem Fotoalbum, denn viele August-Geburtstagskinder im Familien-, wie Freundeskreis können besondere Sommer-Geburtstags-Geschichten über die Jahre dokumentiert zeigen und erzählen. Dazu brauchen wir eben nur die Fotoalben aufschlagen! Knalleheiß begonnene Geburtstagsfeiern, die am Ende durch Wind und Wetter runtergekühlt, schlotternd und bibbernd, in Garagen (später kamen vorsorglich aufgestellte Party-Zelte dazu) beendet wurden.
Ein Gruß nach oben, an eine liebe Freundin!
Dein Geburtstag hätte uns dieses Jahr am Anfang nasse Füße beschert, später jedoch noch einen schönen Gartengeburtstag erlaubt. Wir vermissen dich!

Abgekühlt hatte es sich zum Wochenstart und ich holte mir die Strickjacke aus dem Schrank, als ich mich zum Tee zum Kater ans Katzenkino gesellte. Kurz wieder daran denken müssen, dass ich jetzt Papageientaucher und Möwen hätte sehen können. Stattdessen schaute ich den Spatzen und Meisen zu und wartete auf einen Erich.

Statt dem Eichhörnchen kamen Briefträger und Paketzusteller, erfreulicherweise mit Dingen, die das Leben aufhellen. Die erste Lieferung brachte den zweiten Teppich, den mir in diesem Jahr einer meiner Lieblingsmenschen geknüpft hat. Jetzt zeigt nicht nur sein Knüpftisch Materialermüdung.
Gespannt, geschoren und mit versiegelter Rückseite sieht das gute Stück noch ein wenig besser aus, als frisch fertiggestellt. Davon musste sich mein Vater dann auch gleich selber überzeugen!

1,50 m x 0,80 m Teppich, in Wirklichkeit auch rechtwinklig 😉

Mit der zweiten Post hatte ich überhaupt nicht gerechnet! Deshalb war die Überraschung groß, aus dem Briefkasten einmal keine Rechnung zu holen, sondern Päckchen und Karten für mich. Danke, liebe Astrid. You made my day!!
An die Nichte puste ich ein Küsschen über den Kanal. Dort hatte meine Geburtstagsüberraschung prima geklappt, wie sie mir schrieb.

Unerfreulich waren wieder einmal Katerschäden. Beide, auf Krawall gebürstet, räumten sie Topfpflanzen ab und ich den Balkon auf.
Die positive Seite daran, ich bekam Platz für die dritte Ingwerpflanze. Jahrelang habe ich versucht mir eine Pflanze zu ziehen, was einfach nicht klappen wollte. Mit Zitronengras und Gelbwurzel (Kurkuma) war ich erfolgreich, aber nicht mit Ingwer. Dieses Jahr grünt jetzt schon die dritte Knolle, ganz von selbst. In einem kleinen Krug aufbewahrt schaute nun die grüne Spitze oben heraus. Ihre beiden Kollegen sind inzwischen einen stattlichen Meter hoch!

Zum Wochenende hin, kurz bevor der nächste Regen kam, genoss ich schöne Stunden im Grünen. Meine Schäferin bat um technische Unterstützung bei einem Fototermin für ihr Jahresprojekt. Gerne half ich.

Mit gepackten Körben, ausgerüstet mit den nötigen Geräten und Utensilien, ging es in ihren Garten, wo ich auch den Herbstboten vom Titelbild fand.

Um was es an diesem Tag ging ist spätestens mit dem nächsten Bild erklärt.

In „meinen“ Gärten riefen die Pflanzen nach Wasser. Das bekamen sie auch, reichlich, erst von mir dann von oben.

Nächste Woche werde ich die Ernte verarbeiten, die sich bei mir inzwischen ansammelt.

Im Schreiben unterbrochen worden. Einem meiner Lieblingsmenschen ging es nicht gut und benötigte ärztlichen Rat. Am Wochenende, wie in den Abendstunden ist das nicht so einfach. Hier führt der Weg zur ärztlichen Notbetreuung, die sich im Krankenhaus befindet.

Wie funktioniert ein Gang ins Krankenhaus momentan? Na?
Mit Hürden.
Fast wie im Restaurant.
Erst einmal ein Papier ausfüllen, mit Ankreuzfeldern und Angabe der Personalien.
Meinen Bogen auszufüllen hätte ich mir schenken können, da mein Vater noch selber gehen und sich selber verständigen konnte. Der Sicherheitsmensch ließ nur ihn passieren. Ich musste mit anschauen, wie mein 83-jähriger Lieblingsmensch alleine in den Flur wankte.
Verzeiht mir – ich fand das zum Kotzen!

Zurück im Auto musste ich erst einmal abatmen – ok, ich heulte mal wieder, um ehrlich zu sein.
Im Radio verfolgte ich die Nachrichten von den Demos in Berlin. Keine Masken. Kein Sicherheitsabstand. Zehntausende, die sich mit Menschen gemeinsam auf die Straße begeben, die jenseits von Rechtsstaatlichkeit denken. Ich könnte wieder heulen K*****!

In meinem Kopf kreisten Gedanken, die mir selten kommen. Meine demokratische, sozial geprägte Grundeinstellung, gepaart mit den ethisch-moralischen Grundsätzen meiner Erziehung, zusammen mit meinen gelebten Erfahrungen erden mich.
Wer je an einem Krankenbett eines geliebten Menschen saß und um sein Überleben mit gekämpft hat müsste doch Demut kennen, das Leben schätzen, auch das Leben anderer! Jahrelang habe ich meine Hände selbstverständlich desinfiziert, einen Schutzkittel angezogen und eine Maske getragen, denn es ging um die Gesundheit meiner Tochter, wenn ich sie im Krankenhaus besuchte. Jahrelang hielten wir in ihren Zuhausezeiten Hygieneregeln ein, die heutzutage Menschen auf die Straße bringen, weil sie diese anzweifeln.

Doch heute saß ich hier, mit Sorgen über den Lieblingsmenschen, den ich nicht begleiten durfte und dem anderen, kranken, zuhause, im Auto, und ich wünschte mir eine flächendeckende Gesichtserkennung der Demonstranten in Berlin oder sonstwo. Wenn eine/r von denen ein Intensivbett benötigen sollte, soll sich der/die, als DemonstrantIn indentifiziert, bitte hinten anstellen, wenn die intensivmedizinische Versorgung knapp wird!

Haben die Pandemie-Leugner keine Eltern, Großeltern, Kinder?

Mir ging durch den Kopf, wie durch Demonstrationen wie diese, Geld verschleudert wird, das hilfreicher bei den Menschen eingesetzt wäre, denen es wirklich fehlt. Damit die Sicherheit der Demonstranten gewährleistet ist braucht es Personal und am Ende wieder, wenn der hinterlassene Dreck beseitigt werden muss.

Schlimme Minuten, sich so nutzlos fühlend herumzusitzen.

Entwarnung. Nach einer Stunde konnte ich den Lieblingsmenschen einsammeln und ihn, mit einem Umweg über eine Apotheke, zurück zum bang wartenden anderen Lieblingsmenschen zu bringen.
Was für ein Nachmittag!
Glücklicherweise nicht das Corona-Virus, was er sich eingefangen hat!
Es reicht, dass das Virus in meiner direkten Nachbarschaft angekommen ist, bei Menschen, die sich an die Regeln halten, keine Demo-Teilnehmer sind, geregelt ihrer Arbeit nachgehen und es dort aufgeschnappt haben.


Angeschaut. Gelesen. Gehört.

Videokommentar zur Corona-Demo Anfang August in Berlin, auf der Seite von Christian Springer gefunden, das meines Erachtens zu wenige gesehen und gehört haben. Vor allem wurde es nicht bis zum Schluss angehört und nicht verstanden! – vom 03.08.2020 – sonst wären heute weniger Teilnehmer vor Ort gewesen

Zitat von Udo Lindenberg in einem Artikel aus Der Spiegel, vom 27.08.2020:
„Wenn die hirntoten Risikopiloten durch die Aerosole zischen, wird es ganz viele noch erwischen“, …

Noch ein Artikel aus Der Spiegel: Wie Luftfeuchtigkeit die Aerosole beeinflusst – vom 18.08.2020

Der Zugluft-Mythos – Kann Zug durch offene Fenster wirklich Erkältungen verursachen? -ein Artikel aus Der Tagesspiegel, vom 19.08.2020, zu dem ich eigentlich noch etwas schreiben wollte – meine Erfahrung aus fünfzehn Jahren Unterricht in einem Klassenzimmer mit Dauerbelüftung durch undichte Fenster.

Zum Schluss noch mein Ohrwurm-Oldie der Woche:

Jetzt bin ich platt. Matt. Schachmatt.

Macht’s gut und bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot.

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Kommentare

Oh weh, was für eine Woche! Die Geschichte um Deinen Lieblingsmenschen kann ich im Moment so gut nachvollziehen, da hier auch ein ähnlicher Fall in der Familie ist. Gut, dass er wieder heim konnte! Warum Menschen diese Maske und die damit verbundenen Kontrollverlust Ängste zum Anlass nehmen, auszurasten, werde ich nie verstehen. Ich hoffe jedenfalls, Du kannst Dich am Wochenende gut erholen, am Teppich erfreuen. Die „Schäferinnen Bilder“ gefallen mir sehr!
Schönen Sonntag noch und liebe Grüße
Nina

Danke, Nina.
Wirklich geholfen hat man meinem Vater nicht und ich ärgere mich inzwischen, nicht darauf bestanden zu haben, ihn zu begleiten. Was bin ich froh, diese schöne Zeit im Obstgarten der Schäferin gehabt zu haben.
Liebe Grüße,
Karin

Oh weh, eine Woche, die es wirklich in sich hatte. Da verstehe ich, dass du mit den Nerven am Ende warst, als du deinen Vater nicht mehr begleiten durftest. Aber wie schön, dass du ihn wieder mit nach Hause nehmen konntest. Ich wünsche ihm gute Besserung und hoffe, du hast dich inzwischen wieder ein bisschen gesammelt.
Die Fotos bei der Schäferin sind sehr schön! Und so wundervolle Post hast du bekommen.
Ich verstehe die Menschen, die in Belarus auf die Straße gehen und ich hoffe für sie, dass sie ihr Ziel erreichen. Doch für die Demonstranten in Berlin habe ich keinerlei Verständnis und kann mir nur an den Kopf fassen. In was für einer Welt leben wir…
Wünsche dir eine gute Woche! Genieße deine Ferien!
Liebe Grüße
Ingrid

Für die Proteste in Belarus habe ich Verständnis, denn dort geht es wirklich um freiheitliche Grundrechte.
Was hier auf Corona-Demos eingefordert wird ist durch die Mischung verschiedenster Organisationen, Gruppierungen, Verquerdenker in der Zielrichtung abstrus.
Eine schöne Woche wünscht,
Karin

Meine Sympathie aus England. Auch hier wird die Sorge geteilt über den Vater.
Dein Blog gibt mit dennoch immer wieder Hoffnung. In Zeiten wie diesen schöne, lohnende Beschäftigung zu finden ist eine Kunst die ich bewundere.
…und Udo bringt auch die Coronosache auf den Punkt. Ganz lieber Gruß

da hat udo lindenberg in seiner schnoddrigen art mit seinem text genau das richtige ausgedrückt! schlimm, was einem in krankenhäusern und besonders in der notaufnahme (nicht nur in corona-zeiten, ich kann lieder davon singen…)zugemutet wird.
alles liebe für dich und deine lieblingsmenschen! kleine zwischendurch-freuden müssen einfach sein!
mano

Bloß nicht Notaufnahme oder Notambulanz, das weiß ich seit meinem Armbruch vor vier Jahren. Und trotzdem steckte ich jetzt immer wieder genau dort. Meine Standard-Gepäcktasche, gefüllt mit Wasserflasche, Apfel, Banane und Wolldecke ist seit den Erfahrungen bei meiner Mutter immer dabei.
Mit vielen Grüßen,
Karin

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