oder …

2020 #12 – Alltag neu einrichten

Montag
Dienstbesprechung.
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Klassenlehrerunterricht mit Materialausgabe an die SchülerInnen für die nächsten Tage. Die SchulCloud wird vorgestellt. Unterricht ausgebremst.
Nicht alle Kinder freuen sich über die freien Tage mit Schule zuhause!

Mein Werkraum – Empfangshalle im Krankenhaus.
Die Bilder gleichen sich.

Warten auf die Entlassung meines einen Lieblingsmenschens aus dem Krankenhaus. Die Parkplätze waren fast leer. Security am Eingang. Ich kam nur bis zur Information. Die Damen dort telefonierten hin und her, zur Station, zur Ärztin, zur Station, … : „Frau Be möchte ihre Mutter abholen.“ Ich durfte im Eingangsbereich Platz nehmen und warten. Kein Handynetz! Langes, sehr langes Warten. Es dauerte, bis aus dem Fahrstuhl, hinter der Absperrung, mein Lieblingsmensch mit Sack und Pack hinaus begleitet und mir übergeben wurde.

Von A nach B, weiter zu C, um trotz geschlossener Hausarztpraxis alle nötigen Medikamente und sonstiges zu besorgen, dass meine wieder vereinten Lieblingsmenschen ein paar Tage auskommen.

Endlich zuhause war mir nach Ruhe und Füße hoch legen, doch ich begann dummerweise auf den im Umfeld grassierenden Putzvirusfimmel aufzusitzen. Mit allerlei Haushaltsgerät bewaffnet ging ich gegen die Katzenhaare vor. Ich schob etwas hierhin, anderes dorthin, sammelte Spielzeug der Kater ein, säuberte ihre Kratzrolle und legte diese, abgelenkt, nicht wieder an Ort und Stelle. Ein Fehler! Nicht mehr an die Rolle gedacht trat ich auf diese, mit Schwung. Die Rolle tat das, wozu sie da ist, rollen. Ich flog in einem Viertelsalto rückwärts mit unsanfter Landung auf den Rücken.

Mein erster Gedanke: NICHT JETZT!
Der zweite Gedanke: NICHT in die zentrale Notaufnahme, NICHT ins Krankenhaus!
Atmen. Knochen durchzählen. Schmerzzonen realisieren.
ALLEN Schutzgöttern und Engeln, egal welcher Konfession, Religion oder Natur, gedankt, mir zur Seite gestanden zu haben.
Hätte ich doch meiner ersten Eingebung nachgegeben und gleich, gemütlich, die Füße hochgelegt!

Dienstag
Schmerzen ertragen. Wunden geleckt, vor allem die vom angekratzten Ego.

Mittwoch
Aufgerappelt und wenigstens eins der neuen Hochbeete fertig mit Folie ausgeschlagen, damit ich es mit Erde befüllen kann. Das hätte ich an diesem Tag mit meinen 10ern gemacht. Nun machte ich das eben alleine, im motorisch eingeschränktem Schneckentempo. Trotz Zwicken und Zwacken in jedem Muskel und Knochen im Rücken munterte mich diese Beschäftigung auf. Mit diesem guten Gefühl zog ich noch einmal mit der Kamera zu einem meiner 12tel-Blicke.

Wer weiß, ob ich in diesem Monat noch einmal dorthin komme? Wenn weiter auf den Sportplätzen in Mannschaften gespielt wird, Partys in den Anlagen gefeiert werden und zu Kaffeekränzchen getroffen wird kommen spanische Verhältnisse, wo nur Hundebesitzer das Recht auf Spaziergänge zum Gassigehen haben. – Ende dieser Woche sind wir durch die Unvernunft von jung wie alt fast soweit!

Donnerstag
Ich entschied mich meinen üblichen Marktbesuch am Samstag auf den Donnerstag zu verlegen und mit dem Einkauf für die Lieblingsmenschen zu koppeln – gute Entscheidung. Noch besser war, dafür früh aufzustehen.

Die Marktstände waren, im Gegensatz zum vergangenen Wochenende mit größeren Abständen aufgestellt worden. So konnten die Kunden leichter Abstand zueinander halten. Weniger Einsicht zeigten, selbst nach der Ansprache der Kanzlerin am Vorabend, die KundInnen am benachbarten Drogeriemarkt.

Vom anschließenden Waldspaziergang drehte ich schon, bevor ich den Waldrand erreicht hatte, um. So viele Spaziergänger begegne und sehe ich morgens sonst nie! Ich setzte mich deshalb ins Auto um im Schönbuch spazieren zu gehen. Bis Mittag hatte ich die aufgesuchte Waldwiese für mich allein.

Ich genoss die Ruhe und sammelte reichlich Wildkräuter. Der Bärlauch ist leider noch nicht soweit.

Ab dem frühen Nachmittag wurde es umtriebiger auf den Waldwegen und der Parkplatz war besetzt wie an sonnigen Wochenenden.

Also ist dieser Ort nun auch für mich gestrichen. Deshalb begann ich Balkonien aufzurüsten. Mal sehen was alles in den Töpfen und Blumenkästen überlebt und sich ausgesät hat.

Die Rosenwurz wacht auf und auch der arktische Huflattich

Freitag
Die morgendliche Geräuschkulisse ist inzwischen spürbar gedämpft, so heruntergefahren, dass Einsatzfahrzeuge von Polizei, Notdienste von Feuerwerk bis Krankentransporte schon aus weiter Ferne zu hören sind. Fast kein Flugzeug ist in der Einflugschneise nach Stuttgart Echterdingen unterwegs.
Mit nachlassenden Schmerzen kann ich die Morgenstunden langsam genießen und mir den Beobachtungsplatz zum Katzenkino länger mit meinen beiden pelzigen Gefährten teilen. Einer der Erichs bereitete mir dabei viel Spaß!

So beweglich möchte ich sein!

Samstag
… und kein Markttag. Ungewöhnlich, denn den Marktgang lasse ich nur ausfallen, wenn ich im Urlaub bin oder zu krank.
Ungewöhnlich ist auch meine Freude über das nasskalte Wetter draußen vor der Tür. Das hält sicher einige der Teens und jungen Erwachsenen im Haus, die sich gestern Abend noch auf dem Schulparkplatz und dem Gelände aufgehalten haben. Damit hat sich das Problem der Grüppchenbildung wahrscheinlich nicht gelöst und eher verlagert, aber hoffentlich etwas verringert. – Falsch gedacht! In der Straße wird ein Umzug durchgeführt! Alle Alterstufen vertreten, dicht an dicht, … 🙁 , allerdings sind Umzüge noch erlaubt. Nachvollziehen kann ich das jedoch nicht.

Gelesen

Gedanken

Mit meiner Tochter durchlebte ich in ihren ersten Lebensjahren etliche Lungenentzündungen. Bange Stunden der Beatmung und unter dem Zelt liegen hinter uns, sind unvergessen.
Meine letzte Lungenentzündung liegt gerade vier Jahre zurück.
Das sind Erfahrungen, die ich hinter mir glaubte; Erfahrungen, die kein Mensch braucht! Ganz ehrlich, ich habe Angst noch einmal zu erleben, den Mund zu öffnen und bei jedem weiteren Atemzug zu spüren, wie es immer enger im Hals wird. Das ziehende Geräusch bei jedem Luftholen, die Atemnot, die Schmerzen im Brustkorb, die Angst zu Ersticken. Das Szenario bei einem geliebten Menschen mitzuerleben ist schwer zu ertragen. Die Aussicht diesem geliebten Menschen im Krankenhaus nicht beistehen zu können mag ich mir nicht vorstellen.

Bleibt zuhause. Macht es euch gemütlich.
Bleibt gesund und bis die Tage,

Bis die Tage,


Verlinkt mit dem Samstagsplausch von Andrea Karminrot.

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Kommentare

Ein wenig Bewegung draußen in der Natur tut einfach gut! Heute kamen in das Beet die Färberpflanzen hinein, die den Umzug von Garten zu Garten überlebt haben.
Viele Grüße,
Karin

Liebe Karin,
hihi wir aktivieren auch gerade das Hochbeet. Jetzt zum Frühlingsanfang ist die beste Zeit dafür. Schöne Bilder vom Eichhörnchen hast du eingefangen, hast du die Fotos mit einer Spiegelreflexkamera gemacht? Falls ja, mit welchem Objekt? Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende und eine gute Zeit.
Herzliche Grüße
Annette

Hallo Annette,
ja, die Fotos vom Eichhörnchen sind mit einer Spiegelreflexkamera entstanden, meiner „Konstanze“, vom Küchenfenster aus. Auf diese Distanz nehme ich ein kleines Teleobjektiv von Nikon, Brennweite 55-300mm und 1:4,5-5,6
Viele Grüße,
Karin

Oje, der Salto war gewiss sehr schmerzhaft. Hoffentlich heilt jetzt alles schnell und folgenlos!
Wir treffen auch hier auf den sonst einsamsten Pfaden Spaziergänger, aber man kann sich noch aus dem Weg gehen. Das Wetter lädt ja wenigstens in der nächsten Woche niemanden dazu ein, sich gruppenweise am Seeufer zu vergnügen.
Liebe Grüße und gute Besserung!
Andrea

Samstag, bei dem fiesen Schneeregen-Wetter war deutlich weniger draußen los, als am heutigen Sonntag. Es ist heute zwar kalt und ziemlich windig, aber es scheint die Sonne. Das lädt zum Spazierengehen ein, was ja ok ist. So lange ich darf genieße ich eine Stunde im neuen Schulgarten, alleine, und mache nur so viel ich kann. Die Schmerzen im Rücken zeigen meine Grenzen.
Viele liebe Grüße,
Karin

Deine letzten Zeilen haben mich tief berührt. Die Vorstellung einen geliebten Menschen so leidend zu wissen und dann keine Hand mehr halten, die Stirn abwischen zu können, wie das nun in Italien tausendfach der Fall ist, ist mir unerträglich. Ich habe in den vergangenen 8 Jahren 5 Lieblingsmenschen verloren. Und was für mich die Verluste annehmen ließ, war, dass sie nicht alleine waren. Ich kann mir vorstellen, dass du einerseits froh warst, deine Mutter aus dem Spital zu holen, aber natürlich jetzt auch zu Hause im Ungewissen zu lassen.-Pass gut auf DICH auf! Diese häuslichen Unfälle kenne ich nur zu gut und ich habe mich in dieser Woche immer wieder gezügelt, wenn ich leichtsinnig zu werden drohte…
Drücker, virenfrei, da virtuell!
Astrid

Du hast die passenden Worte gefunden.
Fühle dich auch gedrückt! Eine weiterhin virenfreie Woche wünsche ich Dir und Deinem Gefährten,
Karin

Ja wir sollten nicht nur zu Hause bleiben, wir sollten auch möglichst keine zusätzlichen Norfälle verursachen, das ist so schnell passiert wie du selber beschreibst. In unserm Bekanntenkreis kam ein Baby zur Welt und der Vater durfte nicht mit in die Klinik. Ist doch auch tragisch.
Ach wenn das doch hoffentlich bald ein Ende hat.
L G Pia

Ich gehe davon aus, dass es noch eine Weile dauern wird, bis sich der Alltag wieder normalisieren kann. Allerdings denke ich, dass der neue Alltag ein anderer sein wird.
Kliniken handeln bei Geburten ganz unterschiedlich. Hier darf der Vater dabei sein, im Nachbarort nicht. Hauptsache aber, Mutter und Kind geht es gut!
Liebe Grüße,
Karin

Stimmt, gestern waren so viele Menschen in der Natur unterwegs, wie sonst nie… aber ich selbst musste einfach mal raus!
Über Nacht bin ich quasi auch, ausgerechnet jetzt, zum Notfallpatienten geworden, Zahnweh, dicke Backe…Gedanken, ob ich morgen in Praxis überhaupt behandelt werde…
Pass auf dich auf. LG Ulrike

Zahnärzte arbeiten noch und trotzdem habe ich meinen Kontrolltermin, inklusive Zahnpflege, verlegt. Die Mitarbeiter der Praxis schienen nicht unglücklich darüber. Notfälle ja, alles andere, planbare versuchen sie zu verschieben.
Gute Besserung, mit lieben Grüßen,
Karin

Liebe Karin, ich hoffe, die Blessuren heilen schnell. Ich habe so geschmunzelt, dass Deine Eichhörnchen „Erich“ heißen. In Braunschweig hießen sie „Heinzi“, hier in Hamburg (glaube ich zumindest) einfach nur ganz langweilig „Eichhörnchen“. Dafür bedienen sie sich hier gerne, häufig kopfüber, am Vogelfutterspender, was wirklich ein Bild für Götter ist.
Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du in die Deinen unbeschadet diese schwere Zeit überstehen.
Liebe Grüße von Gabi

Schau mal hier auf meinem anderen Blog. Es ist immer wieder interessant und amüsant, was sich die Räuber alles einfallen lassen um an Futter zu kommen.
Viele Grüße,
Karin

Uff.. nachdem ich den ersten Schreck verdaut habe ( Bitte lege nächste Woche öfter die Füße hoch) mich über den Lieblingsmenschen gefreut habe… bitte was meinst du mit Umzüge sind erlaubt? Ich hoffe es ist bloß Schweiz-österreichische Sprachverwirrung. In der Schweiz sollten jetzt, wie bei uns alle echt mal eine Ruh geben… Umzüge… kopfschüttel…12zel Bild 😘

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