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Eisengallustinte nach Rezepten

 

Bei den gängigen Rezepturen zur Herstellung von Schreib- und Zeichentinten aus Eichengallen werden die Galläpfel zuerst in Wasser ausgekocht. Parallel dazu kommt rostiges Eisen in eine Essiglösung. Haben beide Lösungen die richtige Konsistenz kann aus beiden die Tinte gemischt werden. Ein paar Zusatzstoffe machen sie haltbarer und schreibfähiger.

So in etwa lauten alle Rezepte, wenn man sie in aller Kürze zusammenfasst.

Meine Zutatenliste:

 

Vorbereitungen:

Die Galläpfel, oder Eichengallen sammelte ich selbst. Sie sind vor allem jetzt, im Spätsommer und Herbst, auf der Blattunterseite von Eichen zu sehen. Dort finden sich die kirschgroßen Gelege der Gallwespen.

Eine kleine Handvoll sammelte ich mir für diese Versuche und habe nur vier gebraucht.

 

Alle Geräte, die zur Herstellung verwendet werden, bitte hinterher nicht mehr in der Küche zur Nahrungsmittelherstellung einsetzen!!

 

Geräte und Werkzeuge:

 

Herstellung:

1. Die Galläpfel grob mit dem Hammer auf einer festen Unterlage zerstoßen. Die Stücke in einen Topf geben, mit Wasser bedecken, aufkochen und bei niedriger Temperatur köcheln lassen. Ich wartete nicht ab, bis es, wie in vielen Rezepten beschrieben, ein klebriger Sirup wurde. Mir reichte eine sahneartige Konsistenz. Diese Flüssigkeit siebte ich ab und stellte sie kühl, da sie schnell schimmeln kann.

2. In ein Glas legte ich rostige Eisenteile und übergoss sie mir Haushaltsessig. In manchen Rezepten wird der Essig mit zwei Teilen Wasser verdünnt. Ich verwendete ihn für meine kleine Menge pur und ließ die Mischung stehen. An dem Eisen bilden sich Bläschen.

Wenn sich keine mehr bilden ist die Lösung fertig und meist orange-braun. Bevor sie verwendet werden kann muss sie durch ein feinmaschiges Sieb oder ein Stoffstück gefiltert werden. Achtung: Handschuhe anziehen! Kleidung schützen! – Das Zeug färbt!

Zu lange gewartet – eine Rostschicht bildete sich auf dem Essig

Bis zur fertigen Tinte sind es nur noch ein paar Tropfen!

3. Mit dem Röhrchen einen kleinen Tropfen der Eisen-Essig-Lösung einfangen (Röhrchen in die Flüssigkeit stellen und das andere Ende mit einem Finger schließen). Das Tröpfchen anschließend in die Eichengallenflüssigkeit fallen lassen. Den Vorgang so oft wiederholen, bis sich beim Rühren eine  dunkle Flüssigkeit gebildet hat.

4. Eine Prise Salz macht die Tinte haltbarer.

5. Ein paar Tropfen Gummi arabicum erhöhen die Fließfertigkeit der Tinte – nicht zu viele, sonst wird die Tinte klebrig und zäh.

 

Über den Säuregehalt dieser Tinte machte man sich vor Jahrhunderten keine Sorgen. Hauptsache, die Tinte war benutzbar und dunkel. Der teilweise zu hohe Säuregehalt der damals verwendeten Tinten macht inzwischen  Kopfzerbrechen. Sie zerfrisst historische Dokumente und Buchbestände. Trotz alledem wird Eisengallustinte nach wie vor eingesetzt, zum Beispiel wenn Staatsverträge unterzeichnet werden.

Eisengallustinte ist absolut lichtecht.

 

Die dunkle Farbe der Tinte entsteht durch die Reaktion der Essig-Rost-Lösung mit den Gerbstoffen der Galläpfel.

Auch andere Stoffe enthalten Gerbstoffe oder Tannine, wie zum Beispiel Nadelholz. Als Test strich ich ein Stück Leiste aus Kieferholz mit der Lösung ein, die sich als perfekte Beize zeigte! Das helle Holz entwickelte einen dunklen Farbton, der an Nussbaum erinnert. Doch, wie oben schon erwähnt, Hände und Kleidung schützen! Die Flecken sind ebenso wasch- und lichtecht, wie auf dem Material.

 

Wer sich selbst noch weiter einlesen möchte, wird bei dieser Link-Auswahl fündig.

Links

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

😉 Anmerkung vom hungrigen Kater:

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10h

 

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22. August 2018

Kommentare

Danke für diese so genaue Anleitung! Also ist die Tinte tatsächlich farbecht, das war ja meine Frage beim letzten Post.
Wenn ich Gallen finden sollte, will ich dieses Rezept auch einmal ausprobieren.
Liebe Grüße Ulrike

Ich hatte deine Frage/deinen Kommentar beantwortet. Lichtecht ist Eisengallustinte. Inwieweit sie sonst noch farbecht ist weiß ich nicht zu beantworten.
Die Essig-Rost-Lösung als Holzbeize ist im Sinne von Farbechtheit lichtecht, waschecht und reibfest – das Holzstück hat Wochen im Freien gelegen – und mein Daumen ist seit Tagen immer noch etwas dunkel überhaucht 😉
Auf jeden Fall ist die Herstellung von einer eigenen Tinte immer spannend!
Viele liebe Grüße,
Karin

Schön, das Prozedere zu sehen, vielen Dank! Ich habe vor zwei Jahren ein Tütchen mit Äpfeln geschenkt bekommen, mich aber noch nicht daran getraut.Das Rostwasser gefiltert ist auch schön zum schreiben und grundieren, hoffentlich hast du es aufgehoben.
VG kaze

Du brauchst nicht viele Galläpfel für einen Test.
Das Rostwasser gehört inzwischen zu meiner Basisausrüstung, auch für das Färben von Stoff und Wolle.
Viele Grüße,
Karin

Die Schrift ist die meine, Alltagsausgangsschrift, in Muße ausgeführt (weil die vermaledeite Feder keinen schnellen Zug vertrug!). Auch ein Grund warum früher die Schreibschriften lesbarer waren, als die heutigen.
Liebe Grüße,
Karin

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