Kassel

Zurück von der dOCUMENTA 13 #2

oder …

Was mich beeindruckt hat!

Vorab für diejenigen, die die Documenta nicht kennen: Es ist eine internationale Kunstausstellung, die alle fünf Jahre für 100 Tage in Kassel stattfindet.
Meine zweieinhalb Tage dort waren viel zu kurz, für einige Ausstellungsorte blieb mir nicht die Zeit und ich hätte gerne das eine oder andere Objekt noch ein zweites Mal angeschaut.
Zum Glück hatte ich mir kurz vor der Abreise nach vielen Hin- und Herüberlegungen doch die „richtige“ Kamera in den Koffer gepackt und kann jetzt der Erinnerung mit einem Berg an Bildern auf die Sprünge helfen.

Ich picke aus meiner Bilderflut die vier Künstler heraus, die ich gerne noch ein zweites Mal auf der Documenta „besucht“ hätte oder von denen ich mehr Werke an anderen Orten sehen möchte.

Haegue Yang, Kulturbahnhof

Über einem still gelegtem Gleis hängen Jalousien, die sich einzeln oder in Gruppen öffnen und schließen, wie Züge in Bahnhöfe ein- und ausfahren. Das Surren der Motoren, oder der Lichteinfall der Neonröhren verändern so immer wieder den Gesamteindruck. Auf dem ersten Blick nicht spektakulär, aber es verleitet zum Verweilen.

 

Geoffrey Farmer, Neue Galerie

Seine imposante Collage ist auf dem Deckblatt der Sonderausausgabe vom Kunstmagazin art zur Documenta 13 zu sehen. Es ist eine gewaltige Sammlung von ausgeschnittenen Bildern aus Ausgaben des Magazins Life von 1935 bis 1985, die wie Schattenspielfiguren auf Stäbe montiert und, neu sortiert, zu Leaves of Grass angeordnet wurden. Eine Art Tagebuch der besonderen Art.

 

„Kopfende“ von Leaves of Grass

 

Leaves of Grass von außen – die 11 Fenster im ersten Stock!

 

Yan Lei, Documenta-Halle

Das Limited Art Project dieses Künstlers aus China zeigt 360 Einzelbilder, die der Künstler als Bildausschnitte je nach Laune aus Quellen im Internet entnommen und auf Leinwand übertragen hat – ein chinesisches Jahr lang. Diese Bilder hängen von der Decke oder an der Wand eines Raumes, oder stehen in Lagerregalen. Während der Documenta wird vom Künstler und seinem Team ein Bild abgehängt, in einer Autofabrik mit einer Farbe übermalt und wieder an seinen ursprünglichen Platz angebracht.

 

 

Das fehlende Bild des Tages

 

Llyn Foulkes, Fridericianum

Im Magazin art wurde im Juni 2012 wurde dieser Künstler mit den Worten beschrieben: Mit 76 Jahren  immer noch ein Geheimtipp.

 

Für mich war Llyn Foulkes ist ein ganz besonderes Erlebnis auf der Documenta.  Nicht nur seine dreidimensionalen Bilder sind ein Erlebnis, er beeindruckt auch musikalisch. Die ersten Tage auf der Documenta konnte man ihn als One-Man-Band-Musiker mit seiner „machine“ öffentlich auftreten sehen. Doch auch die Videoaufzeichnungen waren beeindruckend, die, dank youtube, auch online zu sehen sind. Er lebt seine Aussage, Kunst ist eine Qual und Musik seine Freude. Einfach mal bei youtube nach seinen Auftritten googeln oder hier klicken, wer sich ein Ohr von ihm an seiner machine machen möchte. 2013 soll es eine große Retrospektive zu seinen Arbeiten im Hammer Museum in L.A. geben. Schade, Kalifornien ist sooo weit weg!

Genauso schade fand ich bisher keine Aufzeichnungen von den Exponaten zu haben, die mit Bild und Klang vorgestellt wurden, wie zum Beispiel das Video-Schattenspiel von Nalimi Malani oder die Installation der betenden Automotoren von Thomas Bayrle in der Documenta-Halle. Aber, wie ihr seht, ich wurde auch dazu im Internet fündig.

Und dann wären da noch Sopheap Pich, Khadim Ali, Seth Price, Susan Hiller, Lara Favaretto mit ihren Schrottbergen, István Csákány mit seiner Nachbildung einer Nähwerkstatt in Holz, Fiona Hall, Sam Duran mit seiner „schwebenden“ Galgenkonstruktion – die Karlsaue hatte einiges an Kunstobjekten zu bieten – und Goshka Macuga. Von ihr hängt ein fotorealistisch gewebter Wandteppich im Fridericianum und ein Gegenstück in Kabul.

 

Mittlerer Ausschnitt vom Wandteppich

 

Detailansicht

 

An dieser Stelle wurde es deutlich, dass zu dieser Documenta gleichzeitig Parallelveranstaltungen an anderen Orten auf dem Globus laufen und liefen, wie in Kabul, Alexandria, Kairo und Banff.

Ein tolles Erlebnis und nun heißt es wieder fünf Jahre warten.

 

 

 

Zurück von der dOCUMENTA 13 #1

Jedes internationale Multi-Kulti-Treffen für Spiel, Sport, Spannung … Kunst … braucht in der Regel ein paar Tage zum Teilnehmen und danach ein paar Tage zum „Absetzen“. Jede Menge Erinnerungen spulen sich im Kopf hin und her, kreuz und quer. Deshalb gibt es einen Zweiteiler zu meinem Documenta-Besuch in Kassel, der mit der Unterkunft für die letzten drei Nächte beginnt.

Die Elwe

Wer sich für einige Tage auf einen Kunstbesuchsmarathon begibt braucht eine Bleibe. Die Füße müssen mal hochgelegt und der Kopf zum Ruhen gebettet werden. Und dann gibt es noch einige andere körperliche Bedürfnisse zu befriedigen – eine Unterkunft muss her, sauber, zentral gelegen und bezahlbar. Gibt es, bzw. gab es während der Documenta 13 in einem ehemaligen Gefängnis in der Leipziger Straße 11 (elf = elwe in der Umgangssprache), der Elwe, dem Knasthotel.

Das Ankommen war befremdlich, denn wer von uns Otto-Normal-Menschen war schon einmal in einem Gefängnis? An der Rezeption gab es zuerst ein Bündel Bettwäsche zum Bett beziehen, ein Handtuch und … Schlüssel, einen für die Zelle und einen für den Ausgang. Was für eine Beruhigung!

 

Erdgeschoss – auf dem Weg zu meiner Zelle

 

„Zuhause“

 

Ein Bett, ein Tisch, ein Waschbecken, eine Toilette, …

 

Ausgang

 

 

Erster Innenhof

 

 

Im Freiganghof

 

 

Blick in den Freiganghof

 

Manch einer fand diese Art der Unterkunft beängstigend. Ich schlief die Nächte in der Elwe überraschenderweise richtig gut. Ob das an der vielen Bewegung von einem Ausstellungsort zum anderen lag oder an der guten Luft in den spartanisch eingerichteten Zellen, weiß ich nicht. Zumindest gab es keinen Firlefanz rundherum, in dem eine Milbe oder ähnliches Gefallen zum Bleiben gefunden hätte. Die Gemeinschaftsduschen waren sauber und wer seine Zellentoilette nicht benutzen wollte hatte gepflegte Ausweichmöglichkeiten auf den Fluren. Einziges Manko war die fehlende Gastronomie in der direkten Nachbarschaft.

 

 

 

Auf dem Weg …

zur

dOCUMENTA (13)

1977 besuchte ich zum ersten Mal eine Documenta in Kassel, die Documenta 6. Das pädagogische Fachinstitut und Fachseminar in Stuttgart, wo ich zu dieser Zeit in der Ausbildung war, wurde für ein paar Tage geschlossen und Studenten, Kollegium wie Personal machten sich gemeinsam auf den Weg um drei Tage Kunst pur zu genießen..

Die Documenta ist für Kunstinteressierte das Zentrum für eine Art Bestandsaufnahme zeitgenössischer Kunst. Sie findet alle fünf Jahre in Kassel statt und läuft 100 Tage.

Mein Koffer ist gepackt und nun bleibt Zeit um mich noch einmal durch die Bilder der letzten Documenta zu klicken.

Documenta 12 mit Blick auf das Fridericianum

 

Documenta 12 – vom Fridericianum mit Blick auf den Rahmenbau von der Documenta 6

 

Homepage der Documenta 13 vom September 2012

Und natürlich werde ich mir auch die Begleitveranstaltung Caricatura im Kulturbahnhof anschauen, die mir 2007 so viel Spaß gemacht hat.
Wer keinen Sinn für Kunst aber dafür Freude an Karikaturen hat, anschauen!