Weihnachtskarten Edition 2017

und …

Die Weihnachtspost ist unterwegs

Mein Alle-Jahre-wieder-Projekt Weihnachtskarte ist fertig und eigentlich könnten jetzt ein paar Wunderkerzen ein Minifeuerwerk liefern, denn es ist die 20. Edition einer von mir entwickelten und hergestellten Weihnachtskarte oder Karte zum Jahreswechsel (wenn ich mal spät dran war) in lückenloser Folge!

Davor produzierte ich auch schon Karten, oder verpackte Jahresbüchlein für die Großeltern meiner Kinder, aber alles eben nicht regelmäßig. Eine kleine Zusammenfassung der Editionen postete ich bevor die Edition 2014 verschickt wurde, und mit einem Klick geht es zu 2015 und 2016.

Jetzt aber zur 2017er-Karte.

 

Wie alle Jahre wieder fehlte mir lange eine Idee. Sie kam, wie immer, ganz nebenbei. Dieses Mal lief ich Mitte November entlang der Straße auf und ab, als ich auf mein Kolleginnen-Taxi wartete, das sich etwas verspätete. Unter meiner Lieblingsbirke schob ich mit den Füßen Herbstlaub hin und her, als es, mit Blick nach unten „bling“ in meinem Kopf machte (ich hab’s!). Birkenblätter sammelnd musste meine inzwischen angekommene Kollegin dann  auf mich warten. Aber sie kennt mich.

 

Die Idee

Die kleinen Birkenblätter ließen mich an Kerzenflammen denken. Diese wollte ich so auf einer Karte platzieren, dass sie stilisiert vier Adventskerzen darstellen. Doch für die Kerzen einfach lange Papierstreifen  in kerzenlange Stücke zu schneiden? Nee, nicht mein Ding. Doch wie sollte es anders gehen?

Um ja nicht gedanklich blockiert zu werden verordnete ich mir absolutes Pinterest-Verbot! Und auch kein Google oder Youtube.

Die Idee kam über Nacht. Prägen und dann kleben!

Einen Tag später zeigte ich meiner Kollegin den Prototyp der Karte, den dann auch unser Schulleiter sah: „Kannst Du für die Schule auch ein paar machen?“, was dann schon wieder eine größere Produktion bedeutete.

Eine Karte macht Spaß. Ab zehn Karten muss ein System her. Jede Karte über fünfzig in Handarbeit artet in echter Arbeit aus. Doch egal ob eine, zehn, 20 oder 50 oder 110 Karten entstehen sollen, es wird Material und Werkzeug benötigt.

 

Material

für die Karte

  • weißes, stärkeres Papier – ich verwendete 135 g/min DIN A4
  • braunes Kraftpapier – 300 g/m
  • Birkenblätter mit Herbstfärbung

für den Prägestempel

  • beschichteter Karton in 2 mm Stärke
  • glatte Baumwollschnur in 2 mm Stärke
  • optional Kunststoffreste in 0,2 bis 0,5 mm Stärke

Werkzeuge

  • Bleistift
  • Teppichmesser oder Skalpell
  • Lineal
  • Schere
  • Flüssigkleber und Klebestift
  • Falzbein
  • Stopfnadel
  • Gelschreiber weiß
  • Druckwalze

Meine mitdenkende Kollegin stellte mir wenig später eine Kiste Bücher, mit der Notiz „Herbstlaub inside“, in meinen Zeichenraum. Dreisatz war für die Schüler gefragt, oje, 😉

1 Karte benötigt 4 Blätter

2 Karten benötigen 8 Blätter

110 Karten benötigen   X

OK 😀

Jetzt fehlte nur noch ein geeignetes Hilfsmittel zum Prägen.

 

Prägestempel

Jeder Prägestempel besteht aus zwei Teilen, Matrize (der Mutterform) und Patrize (dem Gegenstück). Für die Matrize setzte ich Kartonstreifen auf eine Unterlage. Dort, wo später die Karte gefaltet werden soll schnitt ich eine Kerbe aus.

Dazu kam dann das Gegenstück, die Patrize, mit Aussparungen, bzw. wie hier, durch die Schnur, erhabene Bereiche. Die Schnur drückt später das dazwischen liegende Papier in die Kerbe der Matrize und markiert den Falz der Karte. Wichtig ist die Materialstärke des Papiers zu berücksichtigen und die Aussparungen deshalb ca. 1 mm größer, als bei der Matrize, schneiden

Die ersten Testläufe liefen super durch die Druckwalze in der Schule.

 

Prägen

Papier zwischen Matrize und Patrize legen. Oben und unten mit einer Hartfaserplatte abdecken und durch die Walze drehen.

Aber bitte immer nur ein Blatt Papier und nicht mehr prägen. Es führt sonst zu einer Überbeanspruchung des Prägestempels und das Prägeergebnis wird Blatt für Blatt schlechter.

Der erste Druckdurchgang, von meinen Schülern durchgeführt, hatte 50 % Ausschuss und der Prägestempel war hinterher unbrauchbar. Das Papier schräg eingelegt, oder zwei, drei, vier Blätter auf einmal versucht zu prägen macht hinterher doppelte Arbeit. Um die Matrize weiter verwenden zu können verstärkte ich sie mit Kunststoffstreifen und überwachte das Prägen mit Argusaugen.

 

Schneiden, Falten, Vorstechen, Kleben

Quadratisch geschnitten konnte die Karte schnell an der vorgeprägten Linie gefaltet werden.

Im nächsten Schritt sollte an jeder Kerze am Dochtansatz ein Loch gestochen werden. Wenn der Blattstiel jedes Blattes beim Festkleben zur Flamme hier eingeführt wird, hält das Birkenblatt besser, der Stiel steht auch nicht ab, was beim Eintüten in den Umschlag Schwierigkeiten machen könnte. Ich verwendete zum Vorstechen eine Stopfnadel.

 

Mit Schülern allein waren diese Karten nicht zu schaffen. Nach den ersten Fehlprägungen schnitten sie noch einige Karten an der flaschen Seite quadratisch ab. Die ersten 60 Karten für die Schule dauerten doppelt so lange wie die, die ich für mich danach selbst produzierte, den paar schwarzen Schafen.

 

Ausarbeitung

Zur Stabilität und zum Schutz der Blattstiele  deckte ich die Innenseite mit Prägung mit braunem Kraftpapier ab. Dazu drittelte ich die braunen Blätter und schrieb das vorgesehene Zitat für die Weihnachtspost von Hand, mit weißem Gelschreiber.

Das Zitat für die Karte dieses Jahres stammt von Bettina von Arnim 81785 -1859):

Wer sich nach Licht sehnt,

ist nicht lichtlos,

denn die Sehnsucht ist schon Licht.

 

Leider fehlten mir einige Adressen. Gerne hätte ich auch der einen oder anderen Bloggerin, die meinem Blog in diesem Jahr gefolgt ist, eine Karte zukommen lassen, aber, wie gesagt, ohne Adresse auf dem Impressum … schade.

Es sind auch so einige Karten zusammen gekommen, die bei Nacht und Nebel im gelben Briefkasten landeten. Dummerweise hatte ich bei einigen vergessen meine Adresse als Absender aufzustempeln! Dabei hatte ich mir extra für die Weihnachtspost einen neuen Adressstempel besorgt! Noch blöder, auf einem Umschlag fehlte am Ende die Marke – glücklicherweise handelte es sich um einen auf den ich gestempelt hatte. Er kam zurück und ich schickte ihn wieder auf die Reise, mit Marke.

 

Für mich gehört die Weihnachtspost mit Postkarten zu Weihnachten dazu wie Kerzenlicht und Kekse.

Fünf Karten habe ich übrig. Auch fünf Briefmarken. 😉

 

Bis die Tage,

Karin

 

Weihnachtskarte 2016

und …

Willkommen Weihnachtsstimmung!

Wie das Wetter auch ist, die letzten Tage war und noch werden wird ist mit weißer Weihnacht nicht zu rechnen. Mich macht fehlender Matsch oder Eis auf den Fußwegen und Straßen nicht unglücklich. Dagegen haben mich in den letzten Tagen Frühnebel und dessen Auflösung fasziniert. Leider fehlte mir auf meinem morgendlichen Schulweg die Zeit für Fotos, aber ich hatte meine Idee für die Weihnachtskarte in diesem Jahr.

Bis alle SchülerInnen an ihren Plätzen bei der Arbeit an ihren Werkstücken waren hatte sich die Silberscheibe vom untergehenden Mond leider schon verzogen und ich bekam nur noch dieses Stimmungsbild fotografiert.

Blick in Richtung Felder frühmorgens aus meinem Werkraum

Ich liebe besonders den Moment wenn die Sonne herauskommt und sich die Nebelschicht etwas angehoben hat. Jedes Jahr nehme ich mir morgens vor am Wochenende früh genug aufzustehen um diesen Moment ohne Zeitdruck zu beobachten und Konstanze dabei zu haben. Meist lässt mich die Chance auf die zusätzliche Stunde Schlaf an Nichtschultagen den Wecker ignorieren und wenn ich dann den Hintern aus dem Bett bekomme ist draußen nur graue Soße, wie heute morgen.

Im Kopf blieben die Bilder von Nebel, Silhoutten von Bäumen und der Mondscheibe, die ich auf meine Weihnachtskarte bringen wollte. Deutsche Weihnachten mit Schnee ist einfach unrealistisch. Vom Mond verabschiedete ich mich schnell, denn den würde ich nur durch Prägen vernünftig auf bzw. ins Papier bekommen. Dafür war ich einfach zu spät dran. Ein Stern musste reichen, passt ja auch als Morgenstern, Abendstern, Weihnachtsstern. Beim Prototyp steckte die stilisierte Tanne mit ihrer Spitze in einem Schlitz in der Karte. Als Spitze schnitt schnitzte ich ein Glitter-Maskingtape zurecht. Irgendwie erinnerte mich das zu sehr an Pyramide und das Einfädeln der Baumspitze in den Schlitz fand ich nicht so optimal. Da fiel mir ein Korkrest beim Aufräumen im Werkraum in die Hand und die alternative Notlösung mit Stern aus Kork entpuppte sich bei der weiteren Herstellung als ideale Halterung für das  Baumdreieck.

 

Irgendwann waren die Karten zwischen 2. und 3. Advent halb fertig. Halb? Ja halb, denn es fehlten noch Text/Gedicht und Inhalt, Umschlag plus Adresse! Darum kümmerte ich mich zwischen 3. und 4. Advent. Auf einen zusammenfassenden Jahresrückblick verzichtete ich dieses Jahr. Mit Blick auf meinen immer dünner besiedelten Adventskalender entschied ich mich nur den Freunden und Bekannten eine Karte zukommen zu lassen, die mir in den letzten Jahren auch eine geschickt hatten. Die dadurch übrig gewordenen Karten sind dafür zu ganz neuen Adressen unterwegs.

An dieser Stelle muss, möchte ich ein Dankeschön aussprechen. Im letzten Blogpost hatte ich erwähnt wie ich letztes Jahr meine Adventskalenderschnur nach dem Auspacken der anfangs daran hängenden Päckchen Stück für Stück mit Weihnachtskarten auffüllte und sich dieses Jahr gähnende Leere ankündigt. Zwei Tage später erhielt ich völlig unerwartete Weihnachtspost für meine Adventskalenderstrippe. Was für eine liebe Überraschung!! Ich freue mich jeden Morgen über diese Karte, die inzwischen etwas Verstärkung bekommen hat. Vielen, vielen Dank Juliane!

Freitag vor dem 4. Advent ging es dann an die wirkliche Fertigstellung und an die Versandvorbereitung. Ganz ehrlich, mir hat das Herstellen der Karten deutlich mehr Spaß und Freude gemacht, als dieser Akt. Wer weiß wie viele Umschläge öffnete ich wieder, weil ich nicht mehr wusste, ob ich den richtigen Brief eingetütet hatte. Etliche Male schrottete ich eine Karte durch Schreibfehler ‚argh‘ und schluckte den Frust mit Zitaten von Joachim Ringelnatz (seine Dichterkunst landete auf und in diesen Weihnachtskarten).

Zum Durchhalten und Einstimmen auf Weihnachten holte ich mir reichlich Herz-Schmerz-Tränentrief-Unterstützung aus meinem Fernsehspeicher. Für „Der kleine Lord“ war es mir zu früh. Auch „Die drei Haselnüsse“ mussten noch in die Warteschleife. Mir war es erst einmal nach etwas Bollywood-Theater „Und ganz plötzlich war es Liebe“ um dann zu „Liebe braucht keine Ferien“ zu wechseln und weiß nun wieder wo ich den Spruch „Man sollte in seinem eigenen Leben die Hauptrolle spielen.“ gehört habe. Was war ich froh meine Karten mit wasserfester Farbe gearbeitet zu haben 😉 ! Auf jeden Fall ist meine Weihnachtspost jetzt on tour!

Mein Tisch ist (fast) leer, die Arbeitsgeräte zusammensortiert, fertig für Akt 2 = Geschenke verpacken!

Auf dem Speicher meines Entertain-Teils darf jetzt noch zur Unterstützung der eine und andere Winter-Weihnachts-Schmachtfetzen zutage kommen. „Tatsächlich Liebe“ steht unter anderem in den Startlöchern.

Chick flicks bis zum Abwinken, yeah!

 

Hier geht es zu meinen Weihnachtskarten der letzten Jahre:

2015

2014

Mehr Karten aus vergangenen Jahren