11 Fakten über mich und den Schulanfang

oder …

Mehr als ein halbes Jahrhundert Schule und immer noch nicht fertig!

Ich erinnere mich an eine Frage, vor Jahren, an meinen Sohn und seine Schwester gestellt, doch richtig im Gedächtnis blieb mir seine Antwort:

„Meine Schwester geht auf’s Gymnasium, ich auf die Realschule und Mutti, tja, die wird wohl auf der Hauptschule bleiben.“

Die Aussage kann man sehr verschieden auslegen. Die beste Grundschulempfehlung hatte meine Große, die beste Mittlere Reife hatte ich und das beste Abitur Sohnemann. So hat jeder sein Highlight aus der Schulzeit.

 

1 Das erste Schuljahr

1965 begann das Schuljahr noch zu Ostern, entsprechend wurde eingeschult. Die offiziellen Einschulungsfotos entstanden jedoch erst im Herbst, zum Glück, denn inzwischen hatte ich wieder Zähne im sichtbaren vorderen Bereich.

Im Fotoalbum fand ich noch ein anderes Foto, das mich zusammen mit meiner Freundin auf unserem ersten Schulweg zeigt. Noch hatten wir die Hoffnung zusammen in einer Klasse zu sein. Was waren wir traurig, dass dem dann nicht so war! Inzwischen bin ich noch viel trauriger sie nicht mehr auf dieser Welt zu wissen.

Wie stolz wir auf unsere Schultüten waren! Auch wenn sie unten in der Spitze mit Zeitung ausgestopft nicht arg viel Inhalt hatten, doch an den Luxus der Tafel Schokolade, den neuen Buntstiften und der Tüte Bonbons, nur für mich, kann ich mich noch gut erinnern! Und meine Tüte war sechseckig und nicht rund wie alle anderen!

Riesige Klassen waren es und viele. Ich ging in die 1e mit mehr als 50 SchülerInnen. Die junge Lehrerin teilte irgendwann die Klasse in zwei Leistungsstufen, ungeschickterweise mit den Namen „Wiesele“ und „Wusele“, die „Guten“ und die „Bösen“. Durch meine Rechtschreibschwäche landete ich bei den, … na was meint ihr? …, Wusele. Das traf mich schwer. Zudem schickte man mich in einen Sprachkurs, da ich wohl einen Sprachfehler hätte. Der Meinung war meine Mutter zwar nicht, doch sie brachte mich brav einmal die Woche ins Gesundheitsamt zur Sprechschule. Ich erinnere mich noch blass an Worte, die ich nachsagen sollte, wie „Schlüssel, Susi, russisch, …“. Irgendwann wurde ich als geheilt verabschiedet. Meine Mutter ist immer noch sicher, dass man mich mit jemand anderem verwechselt hatte. Doch die Damen und Herren ließen nicht mit sich reden, gaben ihr auch keine weitere Auskunft.

Nun denn, nach der „Heilung“ durfte ich nach einer erfolgreichen Lesenote zu den Wiesele wechseln!

Auszug aus meinem zweiten Schreibblock aus der 1. Klasse

 

2 Handarbeitsuntericht in der Grundschule

Was hatte ich mich auf diese Stunden gefreut und sie dann ganz schnell hassen gelernt. Wir lernten häkeln in der zweiten Klasse und sollten irgendwann unsere Puppen mit Eigenkreationen mitbringen. So saßen wir Mädels in dieser Vorstellungsrunde und präsentierten unsere Puppen. Nachdem ich meine Puppe hob und zeigte stellte mich Frau S. auf einen Tisch, mit den Worten: „So sieht eine Lügnerin aus!“. Ich verließ die Schule fluchtartig – ein völlig unverzeihliches Fehlverhalten in dieser Zeit. Irgendwie brachte meine Mutter wieder Frieden in die Sache, aber Spaß hatte ich keinen mehr bei Frau S. im Unterricht.

Für mich sind Erfahrung aus der Grundschulzeit Schlüsselerlebnisse, die mich so geprägt haben um viele meiner Handlungen wie Entscheidungen als Lehrerin heute noch zu beeinflussen.

 

3 Grundschuljahre = Kurzschuljahre

Nach der ersten Klasse, die noch Ostern endete kam es zur großen Änderung. In Zukunft sollten die Schuljahre im Herbst, nach den Sommerferien beginnen. Dazu wurden zwei Schuljahre auf jeweils ein Dreivierteljahr gekürzt und zogen als Kurzschuljahre in die Geschichte ein. So hatte ich nach eineinhalb Jahren die zweite und die dritte Klasse im Schnellverfahren erledigt. Dummerweise wurden in meiner Schule zwei Lehrerinnen krank und eine schwanger, was so viel hieß, dass in noch mehr Schichtdienst in den Klassen unterrichtet wurde, oder an einem Doppeltisch drei SchülerInnen saßen. Zudem schafften viele SchülerInnen es nicht das benötigtes Wissen in so kurzer Zeit zu verinnerlichen um es ins nächste Schuljahr zu schaffen. In der vierten Klasse, im ersten wieder regulär laufendem ganzen Schuljahr, waren viele bekannte KlassenkameradInnen durch Neuzugänge aus anderen Klassen ausgetauscht.

 

4 Realschule

Als eine der wenigen, die ohne Probleme die Kurzschuljahre überstanden hatten, saß ich als Zweitjüngste in meiner neuen Klasse nach der Grundschulzeit. Es war eine schwierige Entscheidung meiner Eltern gewesen mich in eine mir entsprechende weiterführende Schulart zu stecken. Die Realschule war in der Nachbarschaft zu Fuß zu erreichen. Zum Gymnasium gab es keine funktionierende Buslinie und den Fußweg von 30 Minuten quer durch die Stadt wollten mir meine Eltern ersparen. Den Zuschlag bekam die Realschule, die ich trotz ein paar, wenigen, Tiefen mit 15 Jahren, mit einem Megasuperzeugnis, abschließen konnte.

Absolut mistig hatte ich es gefunden, wie Mädchen und Jungen von vorne herein in hauswirtschaftlich/textile und handwerkliche Fächer aufgeteilt wurden. Ich wollte, nicht nur aus den unangenehmen Erfahrungen aus meiner Grundschulzeit heraus, nicht in Kochen und Handarbeit. Keine Chance! Mädchen gehörten laut Plan in die Küche und Jungs in den Werkraum. Irgendwann hatte ich den Mut und heulte mich nicht nur zuhause sondern noch bei meiner Klassenlehrerin und meiner Erdkundelehrerin aus. Beide konnten meinen Wunsch verstehen und traten eine Welle los in Richtung Schulleitung, Schulamt und weiter nach oben. Sie erreichten, dass meine Freundin und ich in der Parallelklasse am Werk-Unterricht der Jungs teilnehmen durften, zusätzlich zu unseren regulären Näh- und Kochstunden. Wir Mädels waren glücklich, drei Nachmittage lang. Danach verweigerte der Werklehrer uns weiter in den Stunden zu dulden. Wir würden die Jungs ablenken und demotivieren (wir hatten die Holzschale einfach schneller und besser aus dem Brett herausgeklopft gehabt und so etwas geht gar nicht!). Überhaupt, alles muss doch seine Ordnung haben. Punkt. Abgeheult bei meiner Klassenlehrerin bin ich seit dieser Zeit immer in irgendeiner Art und Weise sozial und politisch aktiv.

 

5 Wirtschaftsgmnasium

Dieser Weg zum Abitur zu kommen war eine Notlösung. Mir wäre das Technische Gymnasium lieber gewesen, doch schon bei der ersten Vorstellung dort kamen Aussagen wie: „Mädchen haben es potentiell schwierig hier. Mädchen halt!“. Die mangelhaft in Physik im 1. Halbjahr der 9. Klasse war dann ein Aufhänger, den die „2“ in der Mittleren Reife nicht wett machen konnte, für sorgenvolle Blicke über meine zu vermutenden Lücken in technischen Angelegenheiten. Blieben die Alternativen Hauswirtschaftliches Gymnasium und Wirtschaftsgymnasium.  Nun denn, vielleicht hätte ich doch lieber die erste Alternative gewählt, denn trotz aller mathematischer Kompetenzen fehlte mir die Bereitschaft mich auf wirtschaftliche und buchhalterische Strategien einzulassen. Trotz aller Perfektionierung von Spickzetteln und Entwicklung neuer Methoden zum Verbessern der schriftlichen Leistungen hatte ich meine Sorgen, ob ich das Abitur in den Wirtschaftsfächern bestehen würde. Wahrscheinlich hätte ich es sogar geschafft. Meine Glanzleistung beim Schummeln hatte ich bei meiner letzten Physikarbeit. Die Lösungen schrieb ich fast komplett aus den Unterlagen des Lehrers ab. Er hatte sie offen auf dem Lehrerpult liegen gehabt. Naja, ok, einmal habe ich in seinem Script umgeblättert und vor der Weiterarbeit an meiner Klassenarbeit erst einmal etwas Adrenalin abatmen müssen. Es war auch das letzte Mal. Mir war das zu anstrengend, die Sorge erwischt zu werden zu grtoß, da lernte ich doch lieber besser.

In den vielen Jahren danach als Lehrerin hat es nur ein Schüler geschafft mich in Sachen Täuschung zu übertrumpfen. Inzwischen selbst schon Vater begegne ich ihm ab und an und vielleicht verrät er mir seinen Kniff dann auch mal.

 

6 Die Stuttgarter Jahre und die Lehrerausbildung

Diese vier Jahre am Pädagogischen Fachinstitut und Fachseminar zähle ich zu meinen schönsten Schuljahren. Sie waren verflixt anstrengend, doch kreativ an allen Ecken und Enden. Endlich konnte ich Werken, mit Holz, mit Ton, mit Kunststoff und Metall. Viele Stunden waren mit praktischen künstlerischen Aufgaben zugepackt, dass ich im Nachhinein die nicht unerhebliche Anzahl an theoretischen Stunden mit Mathe, Deutsch, Englisch und pädagogisch-methodischen Fächern völlig vergesse. Die üblichen Hauptfächer mussten sein, denn neben der Lehrerausbildung sollte noch eine Fachhochschulreife erlangt werden.

Weit über 100 Bewerber hatten sich zu den drei Tagen Aufnahmeprüfung angemeldet, 30 wurden aufgenommen. Ein Grüppchen von acht Bewerbern verstand sich auf Anhieb und wir verbrachten die drei Tage auch in den Pausen zusammen. Alle von uns acht bestanden, eine trat die Ausbildung nicht an und von den sieben verbliebenen sind wir noch fünf, die auf irgendeiner Art und Weise regelmäßig im Kontakt sind.

Die künstlerische Freiheit, die man uns als Studenten gegeben hatte war enorm groß. Ob wir uns alleine in ein Eck zurückzogen und malten, oder als Gruppe skurrile Projekte entwickelten war im künstlerisch, kreativen Bereich akzeptiert, wie auch (wie auf dem Foto bei einer Feier zum zweijährigen) ein wenig Kabarett, oder satirisches. In Keramik, Holz und Metall ging es deutlich strikter zu. Material verstehen lernen und die Verwendung der passenden Werkzeuge, Werkstücke produzieren standen als Aufgaben im Vordergrund und danach kam es zum Freiraum für Eigenes. Unabsichtlich entwickelte sich aus dem Metallbereich eine Aufgabe – Teesiebe – als Dauernebenprojekt unserer Ausbildung. Wir sammelten, entwickelten, „sahen“ Teesiebe an allen Ecken und Enden und so wuchs eine nette Sammlung an funktionierenden, originellen, sonderbaren und witzigen Teesieben in einer der großen Vitrinen im Eingangsbereich unserer Ausbildungsschule. In der Nachbarvitrine veränderte sich einsam eine Birne mit Gesicht. Ende der 1970er, Anfang der 1980er stand dieses Obst für einen Politiker. Man ließ uns gewähren.

 

7 Der Dienstantritt

Auch 1981 entließ man Junglehrer nach der Ausbildung und sie mussten zusehen wie sie finanziell über die Sommerferien über die Runden kamen. Ich war diese Wochen in Schweden, half meinem Freund nach seinem Umzug nach Stockholm sich einzurichten. Alle zwei, drei Tage stand ich am Münztelefon und warf meine über die Tage gesammelten Kronenmünzen ein um meine Eltern anzurufen, ob endlich ein Bescheid zur Einstellung gekommen ist. Diese verflixte Maschine schluckte die Geldstücke schneller als ich sprechen konnte!

Nach fünf Wochen kam endlich der Bescheid, dass ich eingestellt werden würde, gefolgt von einem sehr gedämpften „Juhuu“. Damals noch in Oberschulamtsbezirke eingeteilt hatte ich gehofft zumindest im Bereich vom Oberschulamt Stuttgart eine Stelle zu bekommen. Es wurde Oberschulamt Freiburg, aber nicht entlang des Rheins zur französischen Grenze, nein, Hochrheingebiet, finsterste deutsche Provinz, 200 km weg von zuhause und 200 km weiter weg von meinem Freund. Dazu musste ich innerhalb von drei Tagen diese Stelle persönlich bestätigen.

Taschen gepackt, mich von meinem Freund tränenreich verabschiedet, in meinen 2CV4 gestiegen und mich mit 90km/h maximaler Stundengeschwindigkeit (bergab oder mit Rückenwind) auf den Weg nachhause gemacht. Passend zu meiner Stimmung kam einer der ersten Herbststürme auf. Wer schon einmal eine Ente gefahren hat weiß was Wind für dieses Fahrzeug bedeutet. Das Faltdach bläht sich auf, die Fensterflügel flattern, der Gebläseschacht über dem Armaturenblatt vibriert – man hat schon bei geringer Geschwindigkeit das Gefühl abzuheben um sich den Graugänsen am Himmel anzuschließen. Zumindest die Richtung stimmte! Ich fuhr durch bis Helsingborg, setzte über nach Helsingør, fuhr weiter durch Dänemark nach Rødbyhavn um nach Puttgarden überzusetzen. Der Wind nahm immer mehr zu. Auf der Fehmarnsundbrücke standen Laster auf einer Spur und bildeten einen Windschutz für die PKW, die nur noch im Schritt fahren konnten. Am Brückenende war ich so fertig mit der Welt, dass ich, obwohl es inzwischen schon spätabends war, eine Tante meines Freundes in Hamburg anrief und sie um Quartier bat. Ich hatte sie vorher erst einmal gesehen, doch was war ich glücklich bei ihr gegen Mitternacht wärmstens aufgenommen zu werden. Von oben bis unten verspannt, durch die Kraftanstrengung das Lenkrad in meinem beinahe Flugmobil auf der Spur zu halten, fiel ich wie ein Stein ins gemachte Bett. Zwei Tage später stand ich dann im Schulamt in Waldshut, wo man mir auf meine Frage, ob es denn eine Chance gäbe auf eine Stelle näher an Stuttgart, die Antwort gab: Wenn Sie diese Stelle nicht annehmen zeigen Sie ihr Nichtinteresse am Schuldienst in Baden-Württemberg.

Ich trat die Stelle an, als Fachlehrerin für musisch-technische Fächer, was damals hieß, mit Lehrbefähigung für die Fächer Kunst und Werken.

 

8 Das erste Dienstjahr

Mein lieber Mann, wenn ich mir das im Nachhinein so vorstelle! Ich war, alleine durch die Kurzschuljahre, gerade einmal 21 Jahre alt als ich meine erste Stelle als Lehrerin begann. Mein ältester Schüler in der 9. Klasse war 19! Wie oft hatten diese 9er mir meine Auto so zwischen zwei Bäume gehoben, dass sie meinten ich käme da nicht mehr weg. Wer jedoch seine Ente kennt, weiß sie aus dem engsten Parkplatz zu wuppen, auch alleine, blond, mit schmalen Schultern.

Aber mal ganz von vorne. Ich war geschockt als ich das erste Mal vor diesem Schulhaus on the edge of nowhere stand. Ich befand mich in einem Dorf, das an der einen Seite den Rhein hatte und auf der anderen Seite eine Hügelkette, die meine Ente in der Steigung kaum bewältigen konnte. Eingekesselt in der Einflugschneise zum Flughafen von Zürich ist das der einzige Eindruck von großer, weiter Welt, denn damals wie heute liegen fast alle näheren Sehenswürdigkeiten auch in der Schweiz. Vielleicht bin ich jetzt etwas ungerecht, doch immerhin wurde ich als Stadtkind mit hochtrabenden Ökotendenzen und Zurück-zur-Natur-Idealen von jetzt auf nachher geerdet.

Erste Besichtigung

Der erste Besuch der Schule zeigte zumindest einen ordentliche Bau, und ich konnte von einem intakten Werkraum träumen. Ausgeträumt war es am ersten Schultag, als mir ein Kellerrraum präsentiert wurde. Werkbänke waren vorhanden, auch ein Schrank mit ein paar Werkzeugblöcken. In einem Gelass stand eine Kreissäge, die der Hausmeister zu seinem Eigentum zählte (ich aber in diesem Zustand auch nie hätte benutzen wollen). Material – Fragezeichen. Elektrische Bohrmaschine – Fragezeichen. Drei schmale Fenster als Oberlichter mit wenig Eignung als Belüftung. Der junge, neue Rektor zeigte sich aufgeschlossen Gelder zu besorgen für neue Geräte. Aber wo besorgen? Ich hatte bis auf Mittwoch immer nachmittags Unterricht. Und am Mittwoch waren in der Kreisstadt Waldshut am Nachmittag alle Geschäfte geschlossen. So besorgte ich meinen Material- und Werkzeugeinkauf immer am Wochenende zuhause rund um Stuttgart und hatte auf dem Rückweg meine Sorgen all das Zeug zwei Mal über die Grenze zu bringen. Der schnellste und einfachste Weg führte über Schaffhausen in der Schweiz,

Andere Geschichte aus der Zeit im tiefen Süden. Meine Wohnung war eine zweigeteilte Angelegenheit, lag im Obergeschoss eines ehemaligen Stallgebäudes, über eine schmale Holzstiege an der Außenseite zu erreichen. Dafür war der Parkplatz mehr als großzügig. Von der Stiege aus gelangte man in einen Flur, von dem aus drei Türen gingen. Geradeaus kam man in eine abgeschlossene Wohnung. Meine „Wohnung“ hatte die Tür links zum Schlaf-/Wohnzimmer und die Tür rechts zu Küche, Bad und Balkon. Damit hätte ich mich irgendwie und irgendwann arrangieren können, aber dass die Heizung immer erst dann angeschaltet wurde, wenn mein Nachbar abends nachhause kam war vor allem in den Wintermonaten unerträglich.

Es waren noch etliche andere Dinge unerträglich, aber ein Ereignis hat sich in all den Ungeschichten eingeprägt, zusammen mit meinem auf der Autobahn liegen gebliebenen Auto nach der kältesten Nacht dieses Dezembers. Ich lag durchgefroren vom Tag, durchgefroren von einer Nacht ohne Heizung (der Nachbar war auf einer Dienstreise) mit Wintermantel im Bett als die Meldung zum Aufstehen im Radio kam, John Lennon war gestorben.

https://www.abendblatt.de/politik/ausland/article107064948/Der-Tag-an-dem-John-Lennon-starb.html

Von diesem Jahr könnte ich noch Geschichten erzählen, die ein Buch füllen würden. Aber ich beschränke es auf eine.

 

9 Der erste Schulunfall

Unfälle passieren, trotz aller Vorbereitung, Ermahnung, Sicherheitsbelehrung, … .

Heute bauten meine 10er die niegelnagelneuen elektrischen Dekupiersägen auf und durften sie nach einer Einweisung ausprobieren. Bis auf einen Schüler wollten alle sofort loslegen, waren ganz heiß auf Maschineneinsatz. Dieser eine Schüler fragte, ob er das Werkstück mit der Hand aussägen dürfte: „Nee, Frau Be. Lassen sie mal die anderen ran. Ich hab‘ da Schiss. Echt. Die Dinger sehen so harmlos aus und schon ist das Sägeblatt im Finger.“ Ich fand diese ehrliche Aussage sehr mutig im Beisein seiner Mitschüler. Doch sie gingen, nach dem Gehörten, sehr viel vorsichtiger an die Maschinenarbeit als sie es sonst gemacht hätten. Nur findet man nicht immer Vernunft in den Handlungen im Unterricht.

Doch zurück zum ersten Dienstjahr und dem ersten Unfall. Zweite Klasse, Kunstunterricht, es wurden Linien mit Bleistift und Buntstiften gezogen als ich zuerst ein „Oh“ hörte und dann einen Aufschrei. Eine Klasse im Zaum zu halten ist schon eine Sache für sich. Eine Klasse, die einen Schreck erfahren hat zur Ruhe zu bringen ist Schwerstarbeit auf ganz vielen Ebenen: selber Ruhe bewahren, zur Unglücksstelle kommen, betroffenen Schüler finden, die Unglücksursache herausfinden, die umstehenden Schüler beruhigen, die Sachlage begutachten, den betroffenen Schüler beruhigen, die anderen Schüler beruhigen, zwei/drei Schüler bestimmen die Hilfe holen, zwei/drei Schüler bestimmen die den betroffenen Schüler trösten, den Rest der Schüler mit irgendwelchen Beschäftigungen stetig und langsam aus dem Unfallgebiet holen und so beschäftigen, dass sie auch beschäftigt sind, … ,

Was passiert war? Ein Schüler hatte sich einen Buntstift in die Hand gestoßen, dass er auf der Handfläche herauskam. Ich frage mich heute noch wie das passiert ist, denn es war für eine zweite Klasse ruhig gewesen, keiner hatte groartig gehampelt. Es ist passiert. Die Mutter sah es völlig entspannt, als sie den Burschen abholte. Es blieb auch kein Schaden, denn der Stift ist zwischen Sehnen und Knochen glatt durch die Hand gegangen. Aber ich hatte nun die Realerfahrung hinter mir, von wegen Handeln in Notfallsituationen. Es sollte nicht die einzige bleiben.

 

10 Versetzung, Abordnung, noch eine Versetzung usw.

Lauter neue Schulanfänge folgten nach dem ersten Schuljahr als Lehrerin im südlichsten Süden. Eine Woche vor dem Beginn meines zweiten Dienstjahres kam die Versetzung ins Schulamt meiner Wahl. Meine Vermieterin hatte es schneller erfahren als ich und hatte mich buchstäblich vor die Tür gesetzt. Kurz vor Ferienende fanden meine Eltern alle meine Besitztümer aus der „Wohnung“ geräumt im Flur, die Zimmer mit neuen Schlössern versehen. Sie hatten eigentlich ein paar Tage Ferien dort in der Gegend machen wollen und standen trotz bezahlter Miete vor verschlossenenen Türen. Egal, ich war versetzt worden. Gut. Wobei auch Gut manchmal zwei Seiten hat, denn in den nächsten sieben Jahren folgten vier neue Schulen bis ich mir die fünfte selbst aussuchen konnte. An dieser Schule bin ich heute noch, inzwischen seit über 20 Jahren.

Viele Höhen und vor allem Tiefen hat es gegeben. Ein Stück weit habe ich neben viel Herzblut für die Belange meine Schüler auch Gesundheit gelassen. Ich liebe den Neuanfang des Schulgartens und wenn ich in „meine“ Werkräume gehe fühle ich mich in der Seele einfach wohl. Trotzdem habe ich in diesem Sommer beschlossen, nach 39 Jahren im aktiven Schuldienst, die Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, mit Abzügen, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Keine sieben Jahre mehr, sondern nur noch fünf. Die Nase ist zu, trotz OP, durch Holzstaub, Allergie und was immer auch. In der Lunge pfeift es wieder, obwohl ich brav meine Sprays nehme.

 

 

11 Kräuterschule

Beinahe hätte ich diesen Schulanfang vor einem Jahr vergessen! Wie konnte ich nur, da ich doch mitten in der Prüfungsvorbereitung stecke! So also funktioniert der Verdrängungsmechanismus. 😉

Hinter der Intention die Ausbildung zur Kräuterpädagogin zu beginnen lag der Wunsch die Pflanzenwelt rund um unser sehr großes grünes Schulgelände zu bekommen um das auch in den Unterricht einbringen zu können. Vieles konnte ich mir im Internet anlesen, doch manchmal verwirrten mich unterschiedliche Informationen. So machte ich Nägel mit Köpfen,

Ich wollte es noch einmal wissen, noch einmal anpacken, noch einmal lernen für einen Abschluss. Inzwischen weiß ich wie schwierig es ist sich auf eine Prüfung vorzubereiten wenn man nicht mehr quirlige 15 sondern Endfünfzigerin ist. Wenn dazu noch der Berufs- und der normale Alltag zur Zufriedenheit aller erfüllt werden ist die Luft noch schneller raus.

Daumen drücken zwischen dem 20.10. und 22.10.2017!

Wenn ich die Prüfung nicht schaffen sollte, auch gut. Es war eine Erfahrung und irgendwann muss auch mal gut sein.

 

Jetzt ist es doch mehr geworden als ich beabsichtigt hatte, wobei ich an mancher Stelle etwas das Thema verfehlt habe 😉 und an anderer etwas weg ließ. Ich bin traurig was nach vielen Reformen von der Hauptschule übrig geblieben ist. Der Facharbeitermangel ist eine hausgemachte Sache. Wie sollen SchülerInnen denn Zugang zu praktischen Arbeiten haben, wenn diese Fächer immer mehr aus den Bildungsplänen gestrichen werden? Die wenigsten Kinder haben von Haus aus ein Werkzeug gesehen und kennen von klein auf eher Computer & Co. Hatten vor zwanzig Jahren Hauptschüler drei Stunden Technik und drei Stunden Hauswirtschaft mit textilem Werken in der 8. Klasse ist für praktisches Arbeiten in nur noch ein Bruchteil davon übrig. Wenn es hoch kommt sind es sechs Wochen à drei Unterrichtsstunden für Technik.

Umfasste mein Lehrplan am Anfang meiner Lehrerzeit nur ein paar DinA5-Seiten stecke ich in einem wer weiß wie vieltem Neuanfang eines Bildungsplans, dessen Inhalt inzwischen so groß ist, dass wir diesen auf einem Datenstick erhielten. Meine studierten Fächer muss ich in neuen Fächern und Fachverbünden zusammensuchen. Ich weigere mich innerlich musisch-technische Erziehung auf Technik und als verkopfte Erziehung zum technischen Verständis so reduziert zu sehen, oder als Basteleinheit in Kunst wiederzufinden. Das Kompaktstudium, dass ich vor einigen Jahren für den Fachverbund Materie-Natur-Technik absolvierte, bringt mir inzwischen wenig. Dieses Fach gibt es so auch nicht mehr.

In meinem Klassenzimmer hängt ein Spruch von dem ich nicht mehr weiß wann ich den gehört habe:

Wenn jeder zur Universität gehen würde wer baut sie dann?

 

 

Doch noch ein Wort zum Abschluss,

ich gehe immer noch gerne in die Schule.

 

Bis die Tage,

Karin

 

Ehe ich es bei diesem Faktenblog wieder vergesse, er ist mit Astrids Blog verlinkt, wo es auch andere Schul- und schulanfangsgeschichten nachzulesen gibt!

12 von 12 im September 2017

oder …

Der zweite Schultag nach den Sommerferien

Keine positiven Gefühle wenn sich der Wecker meldet. Zwei Gründe:

  • es fühlt sich herbstlich an mit den kürzer werdenden Tagen und
  • 5:50 Uhr ist wieder Dunkel-Zeit zum Aufstehen

Zwei Fakten:

  • Ich werde nie ein munterer früher Vogel!
  • Ich hasse Wecker! – Ich glaube, ich wiederhole mich mit dieser Aussage!

1 Den ersten Tee gibt es nach Ferienende wieder im Pott und mit Beutelware, dunkelschwarz, stark, leicht gesüßt, mit Milch, denn es muss schnell gehen

2 Eine Runde Therapie zum Durchatmen bevor ich im Bad in den Spiegel schaue, ohne Brille, und ich erinnere mich an eine Aussage von Jerry Hall in diesem Interview von 2014:

… „Jerry added: “I just can’t see very well now so when I look in the mirror, I think I look OK. I never put my glasses on to look in the mirror.“

Ich stimme ihr nach wie vor zu – meine Brille hat morgens Besuchsverbot im Bad, obwohl ich kurz nach dem Aufstehen auch mit Sehhilfe nicht fähig bin scharf zu sehen. Es braucht seine Zeit bis sich meine Augendeckel öffnen. Zum Glück geht Zähneputzen im Dunkelzustand bis sich die Lider von alleine heben, mit dem Glücksmoment im ersten trüben Licht:

„Männo, cool, total faltenfrei!“ 😀

3 Die Brotdose gerichtet und sie aus Zeitnot nur mit Notfallfutter gefüllt. Voll öko, no plastics, alles bio … in den Grundbestandteilen ein gesundes Schulfrühstück und vor Ort gleich rückfällig geworden. KEKSeee! Wieso eigentlich? Ich bin so überhaupt nicht auf Süßes konditioniert, doch kaum in der Schule kommt es über mich.

4 Schulweg im Schülerpulk, denn fast alle kommen durch all die Baustellen selbst als Fußgänger nicht mehr direkt zur Schule. Egal aus welcher Richtung kommend müssen alle Umwege in Kauf nehmen und laufen jetzt meinen Weg. Die Schüler meiner Schule und der Realschule laufen in eine Richtung, die zum Gymnasium in die entgegengesetzte und alles auf einem schmalen Gehweg einer Seitenstraße – gefällt mir gar nicht. Ich nehme mir vor in Zukunft früher aufzustehen und noch früher loszulaufen.

5 Vormittagsunterricht erst mal in der eigenen Klasse – zwischen 14 und 16 Jahren wachsen sie enorm in den Ferien und vorher meine Kleinen füllen als 9er jetzt das Klassenzimmer gewaltig aus, in Masse und, sorry, Ausdünstungen.

6 Es gibt Englisch in den ersten beiden Stunden. Smalltalk about holidays und dann geht es mit dem Buch weiter:

7 Die Baustelle vor den Fenstern ist ein Graus! Störungsfreier Unterricht hört sich anders an.

8 Kunst gibt es nicht wie geplant in der Parallelklasse,  sondern in meiner. Die ersten Vertretungsstunden im neuen Schuljahr und sie machte uns allen Spaß: „Spiel mit grafischen Elementen“, ein Grafikprojekt, das im Laufe des Schuljahres weitergeführt werden wird.

Von den letzten beiden Stunden des Vormittags gibt es leider kein Bild. Wirklich schade Zurück in meiner Klasse für zwei Stunden MNT, Materie-Natur-Technik, einer sinnvollen Fächerkombination für Haupt-, bzw. Werkrealschulen, die in Ba-Wü nun wieder in Biologie, Chemie und Physik aufgedröselt wird. Sehr, sehr schade.

Knappe Mittagspause, die ich für Therapien genutzt mit der Grippeschutzimpfung abgeschlossen habe: Widerstand gegen „The first contact“ von all den Mitbringseln aus aller Herren Länder.

9 Zuhause überrasche ich das Eichhörnchen im Vogelrestaurant aka Katzenkino, per Handy unscharf eingefangen, natürlich.

10 Wie das Eichhörnchen muss ich feststellen, die Gästeräume sind leergefuttert und wie sauber ausgefegt! Sechs Stunden nach dem Auffüllen!!

11 Luxus gegönnt. Friseur mit allem drum und dran. Tochter sagt immer: „Mutti, Du hast keine Haare, sondern Federn!“ und das ist auch so, echt! Immer fusselig, flusig, egal wie geschnitten und föhnen ist vergeudete Liebesmüh‘. Aber diesen Sommer gingen so wenig bleichende Sonnenstrahlen über das Gefussel auf meinem Kopf, dass sich meine ursprüngliche Haarfarbe in die Haarspitzen verflüchtigte und sich ein Straßenköterblond breit machen konnte. Nee, geht nicht. Einmal hole ich mir das „alte“ Blond zurück, bevor das Grau dazwischen den Straßenköter von alleine aufhellt.

So, die Haare sind wieder schön. Und wieder, immer noch, bzw. schon wieder so lang wie auf dem Bild im Hintergrund

12 Kater getröstet. Nach Wochen selten lange alleine zuhaus‘ mochten sie die ersten Tage mit vielen Stunden ohne mich gar nicht so gerne.

Der normale Alltag ist wieder in da!

 

Das sind meine zwölf Bilder, Geschichten, Eindrücke die ich vom zwölften Tag dieses Monats zusammengefasst habe und nun bei „Draußen nur Kännchen“ von Caro in den Pool mit ganz vielen anderen 12 von 12 – Geschichten werfe.

 

Bis die Tage,

Karin

 

Woche 30/2017

oder …

Schuljahresende und Ferienbeginn etwas anders

Zwei Ereignisse bestimmten hauptsächlich den Ablauf dieser Woche. Sie beanspruchten so viel Energie, dass die üblichen wichtigsten Geschehen in solchen Tagen in den Hintergrund rutschten – das Ende des Schuljahres und der Beginn der Sommerferien.

Mitte der Woche begann ein großes Sportereignis in Böblingen, die Partnerstadtolympiade. Dazu reiste aus Bergama (Türkei), Geleen (Niederlande), Glenrothes (GB, ähm Schottland ;-)), Krems (Österreich), Alba (Italien) und Pontoise (Frankreich) die Sportjugend an, um sich in verschiedenen Sportarten drei Tage lang zu messen. Dazu mussten einige Schulen vor dem Ferienbeginn schon (auf)geräumt und Betten in den Klassenräumen aufgebaut werden. Ich musste neben meinem Klassenzimmer auch noch meinen Kunstraum so vorbereiten, dass nicht allzuviel kaputt gehen kann. Nebenbei wurde plötzlich repariert, was das Zeug hielt, darunter auch noch Schäden auf deren Behebung schon so lange gewartet worden war, dass sich manche Kollegen nicht mehr an ihre Entstehung erinnern konnten. Aber es wurden auch Lampenabdeckungen mit Kabelbindern an den Platten der abgehängten Decke fixiert, damit ja kein Gast beim Schlafen zu Schaden kommen wird. Meine Frage, ob solche Teile nur nachts die Tendenz zum Fallen haben, da unsere Schüler tagsüber seit Jahren darunter sitzen, erhielt keine Antwort. Ich dachte nicht mehr nach, versuchte die Klasse zu beschäftigen, brachte mit ihr wertvolle Geräte und Unterlagen unter Verschluss, verließ die kabelbindenden Lampenabdeckungsfixierer und ging in den Schulgarten. Der Lohn für den Aufwand, einen Tag früher Ferienbeginn, hörte sich ganz nett an. So geht es allerdings nach den Ferien ans Zurückräumen und wirkliche Aufräumen vom Klassenzimmer. Viel lieber hätte jedoch ich den gewohnten, ganz normalen Schuljahresendwahnsinn gehabt.

Das zweite Programm soll mir wieder mehr Luft bringen und füllte die Tage mit einer Reihe an Untersuchungen und Facharztbesuchen. Nach etlichen Jahren erhöhter Infektanfälligkeit, Dauerrüsselpest und Husten scheint die Ursache wohl gefunden, bzw. präziser, wird eine Reaktionskette diagnostiziert, die mich noch eine Weile beschäftigen wird. Um das herauszufinden saß ich mich durch die etlichen Wartezimmer und Untersuchungsräume. Während andere ihre Urlaubstaschen packten plante ich mein „Reisegepäck“ für die kommende Woche, statt einer Auffrischung für die Reiseapotheke holte ich mir meinen „Proviant“ aus der Apotheke.

Was die Woche sonst noch so brachte:

Regen zum Ferienbeginn und was für eine Menge, dazu noch wenig sommerliche Temperaturen!!!

endlich die Steuererklärung fertig bekommen und auf den Weg gebracht – yeah!

ohne Zeitdruck zur Ruhe gekommen und viel spazieren gegangen, dabei fotografiert und KEINE neuen Pflanzen für das Herbarium gesammelt. Es ist genug!

wieder Spaß gehabt als ich ein wenig mit Pflanzen bzw. Pflanzenfarben experimentiert habe – ich plane so schon für meine Prüfung im Oktober

vernünftig gekocht und leckeres Liebstöckelpesto zusammengemixt. Bei den Vorbereitungen wieder eine Idee gehabt, mal sehen was daraus wird

in Schulgarten immer wieder Präsenz gezeigt, damit bei all dem Trubel auf dem Gelände nicht zu viel kaputt geht

mein Schuljahresbeginn-Geschenk aus dem Briefkasten geholt kann auch als Zielvorgabe von meinem Sommerferien-Genesungsprogramm angesehen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt muss ich fit sein! Selbst wenn ich wohl die älteste Teilnehmerin an diesem Konzert sein werde fahre ich dort hin.

Bis die Tage und geht sie in Ruhe an,

Karin

Woche 29/2017

oder …

Land unter und wieder aufgetaucht – eine Achterbahnfahrt.

Tripsdrill

Jedes Jahr stelle ich mir Mitte/Ende Juli die Frage, warum landläufig angenommen wird, dass Wochen vor den Sommerferien nichts mehr in der Schule laufen würde, außer Ausflüge, wie nach Tripsdrill.

Jedes Jahr stelle ich mir in diesen Tagen die Frage, warum so gegen Noten und dem daraus resultierenden Druck gewettert wird, und die (oft mühsam zusammengestellten) Angebote für SchülerInnen nach Notenkonferenzen etc. als Pillepalle angesehen werden – gibt ja keine Noten, pfft. Kann man schon in Urlaub fahren.

Jedes Jahr sitze ich zum Schuljahresende, trotz diesem Gegenwind, mit meinen Teamkollegen zusammen um die letzten Tage des Jahres mit Schule zum „Es-lohnt-sich-hinzugehen“ zu füllen.

Jedes Jahr wünsche ich mir egal welches Noten-/Zeugnisprogramm zum Teufel und die Papierform zurück, dieses Jahr ganz besonders. Mein Kollege und ich waren fertig mit der Noteneingabe (kein Kommentar zur Anwenderfreundlichkeit dieses Ah-grr-pff 🙁 muss-wohl-sein-Teils) um dann festzustellen, dass das falsche Zeugnisformular im Programm eingegeben war. ARGGH! Alles futsch und noch einmal von vorn, Noten, bestes Fach in Sport/Musik/Kunst, plus Texteingaben, wie an teilgenommenen AGs, Streitschlichtung, SMV, … inklusive versetzt (aber bitte ohne Punkt oder sonstigem Satzzeichen nach diesem Wörtchen, weil dann nicht korrekt) … Ich. Hasse. Zeugnisse!!!

Dieses Jahr beschäftigt mich zudem meine Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Im Oktober ist die Abschlussprüfung. Das prüfungsrelevante Herbarium sollte vorab schon einmal vorgelegt worden sein. Noch fehlen die Pflanzenbeschreibungen, aber die Pflanzen in den Ordnern sind fertig und als korrekt beschriftet abgesegnet. Eine Hürde ist überwunden.

Donnerstagabend hatte ich, zurück von einem verregnetem Ausflug mit meiner Klasse, dann noch ein krankes Kater-Onkelchen. Eine knappe Stunde suchte ich Chewbacca in meiner Wohnung bis er von alleine aus irgendeinem Versteck auftauchte. Normalerweise ein Schwätzer schaute er mich tonlos an, um sich danach, alle Viere von sich streckend, Pfoten grätschend und rutschend, abzulegen – sieben Kilo schlaffer Kater, den ich tags drauf mit schmerzenden Muskeln zum Tierarzt schleppte.  Nicht gut, aber inzwischen sind wir beide auf dem Weg der Besserung.

Für mich bedeutete alles zusammen, in der Summe, eine Reihe von Nachtschichten, aber auch tolle Ergebnisse aus einem Projekt meiner Schüler. Leider, leider, leider ohne verwertbare Fotos entstanden richtig tolle Boote aus „Müll“! Vielleicht schaffen wir es in den allerletzten Schultagen noch zu unverwackelten Fotos. Das regenbogenfarbige Testgebiet, ein aufblasbares Kinderplanschbecken, steht so lange noch im Schulgarten. 😉

Leider planschte es diese Woche auch reichlich von oben und wir mussten feststellen, dass im Schulgarten weiter geklaut wird. Von den schwarzen Johannisbeeren konnten wir nichts ernten und nun „verschwinden“ die Brombeeren.

 

Bis die Tage!

 

Woche 27/2017 – Mein Herbarium entsteht

und …

Pflanzenkunde rund um die Uhr

Als Untertitel hatte ich „Under Pressure“ geplant, denn seit Tagen sitze ich daran all die gesammelten Pflanzen und Pflanzenteile, die ich seit dem Beginn meiner Ausbildung zur Kräuterpädagin im September 2016 zusammengetragen habe, in eine sinnvolle Ordnung zu bringen. Ich muss zur Prüfung im Oktober 2017 ein Herbarium vorlegen (hätte ich doch bloß nicht für den Link hier auf Wikipedia vorbeigeschaut!) und sitze seit Tagen, bzw. Nächten, daran die Menge an gesammelten Pflanzenteilen zu laminieren, zu beschriften, zu sortieren, abzuheften, umzusortieren, wieder rauszunehmen, neu zu sortieren, … arghh!

Dazu bekam ich Dienstagabend die Aufgabe meine Klasse, die sich Dienstagmorgen am Bahnhof für einen Ausflug einfinden sollte, einzusammeln um sie in Anschluss mit ein paar Stunden Unterricht zu versorgen.

Auf dem (Fuß-)weg zum Bahnhof – Auto ist keine gute Idee morgens in dieser Stadt – hatte ich meine Unterrichtsvorbereitung zuhause gelassen. Ich wohne gleich neben der Schule und wollte den ganzen Kladderadatsch nicht 20 Minuten in eine Richtung und dann, mit einem meuterndem Haufen, mindestens 30 Minuten zurück schleppen. Dieses Gepäck wollte ich mit einem kleinen Abstecher, Klopause für die kids vor Ort, nach der Ankunft abholen. Brauchte ich aber nicht.

Unterwegs zum Bahnhof ging mir durch den Kopf, wie oft ich diese Strecke 2016, nach meinem Armbruch, gelaufen bin. Mir war in diesen Wochen aufgefallen wie viele Pflanzen entlang der Wege, auf den Brachflächen und entlang der Bahnstecke wuchsen, ohne ihre Namen zu kennen. Das sah dieses Mal ganz anders aus! Woohooo!! Motivationsschub für die kommende schwere Aufgabe!

Bei der ersten noch nicht für das Herbarium gesammelten Pflanze fiel mir auf, dass ich tatsächlich ohne Plastiktüte in der Hosentasche unterwegs war. Seit dem Beginn der Ausbildung fehlte diese als Ausrüstung NIE, doch ich hatte am Wochenende zuvor geschlossen gehabt: Schluss, und alles Tütenmaterial zum Pflanzen sammeln weggepackt. Hmm, es fiel schwer vorbeizugehen. Bei der zweiten Pflanze grummelte es in mir, bei der dritten kam mir die Idee und danach zählte ich rechts und links nur noch die verschiedenen Pflanzen. Ich zählte 24. Danach zählte ich meine Schülerzahl im Gedanken durch, 21, passt, YES! Die zuhause liegende Unterrichtsvorbereitung benötigte ich nicht mehr.

Wie erwartet war meine Klasse nicht erfreut, als ich ihnen um 8:00 Uhr am Bahnhof das Ende des Ausflugs verkündete. Die Begeisterung, nun gemeinsam in die Schule zu gehen, hielt sich in Grenzen, denn dienstags haben sie in der Regel erst um 9:30 Uhr Schule. Mein Ziel war es alle, gemeinsam, zurück zu bringen, ohne Stress, mit einer Aufgabe. Die hatte ich mit zwei hübschen, blühenden, duftenden Hilfsmitteln in der Hand dabei.

 

Pflanzenkunde in den Schulalltag umgesetzt!

Meine Ansage: Ich habe 24 verschiedene Pflanzen von hier bis zur Schule gezählt. Das bekommt ihr doch auch hin! Schaut euch an was da wächst, beobachtet, vergleicht, sprecht miteinander!

Alle SchülerInnen hatten die Aufgabe unterwegs eine blühende Pflanze zu sammeln (ohne in Gärten einzusteigen). Jede/r sollte eine andere Pflanze haben. Um das zu gewährleisten machte es Sinn, dass alle zusammen blieben, damit die neue Fundsache verglichen werden konnte!

Der Anfang war schwer, denn die fixen aus der Klasse fackelten nicht lange und rissen ab, was da so da gerade so neben ihnen wuchs. Blöd nur, dass von fünf Pflänzchen vier die gleichen waren. Die vier mussten sich entscheiden, wer diese Pflanze/n weiter tragen durfte. Schülerin fünf hatte Glück und ich auch, denn der Rest der Klasse hatte verstanden wie das Spiel geht.

An der Schule angekommen hatten wir sogar 28 verschiedene Pflanzen gesammelt!

Aufgabe 2: Bestimme deine gefunde Pflanze. Nutze die Schülerbücherei und das Internet.

Tatsächlich konnten in der verfügbaren Zeit 21 von den 28 Pflanzen bestimmt werden. Dabei gab es viele „ahhs“ und „ohhs“. Beim Jakobs-Kreuzkraut hingen dann etliche SchülerInnen an einem Computer: „Boah, wie ist das schlimm!“.

Aufgabe 3: Presse deine gesammelte Pflanze! Lege deine gesammelten Informationen dazu!

 

Es macht wirklich richtig Sinn Pflanzen beim Pressen so viel wie möglich Informationen mitzugeben. Nach zwei Wochen Trocknungszeit weiß niemand mehr so richtig wo und wann dieses Exemplar gesammelt wurde, da sich nicht nur die Farben der Blüten verändert haben. Das wollte ich bei meiner Klasse verhindern. Erfahrung halt.

Nicht immer ordentlich vor dem Pressen beschriftet, gibt mir das eine oder andere Pflänzchen meiner Sammlung eine Rätselaufgabe auf, für die ich zum Lösen eigentlich keine Zeit habe. Wer jedoch schon einmal Pflanzen gepresst hat, der weiß mit welch einem Aufwand das verbunden ist. Und wenn dann solch ein Exemplar ohne Beschriftung auch noch richtig hübsch ist will man ich auf jeden Fall wissen was das nun ist. Arbeit, die ich mir hätte ersparen können.

Doch nun ist der Grundstock meines Herbariums fertig. Es fehlen nur noch 30 inhaltliche Ausarbeitungen. Nur! Plus einer Hausaufgabe. Ich habe dummerweise das Heidekraut gezogen. Das wächst nicht um die Ecke, findet sich deshalb auch nicht in meinem „Musterbuch“ und wieder ist Kreativität in der Grübelei gefragt.

 

Katerchens mopstens ich einiges in dieser Woche, es war ihnen zu warm und überhaupt … – Angus liebte den noch feuchten Wassereimer nach dem Gießen.

Chewie belagerte lieber meinen PC oder andere Arbeitsplätze und schaffte es tatsächlich auch einmal ohne Knurren viele Mußeminuten mit seinem Neffen auszuhalten!

 

Pflanzen- und Kräuterkunde in der Küche

Frischen Estragon zu Kräutersalz verarbeitet und dann noch Erdbeer-Essig angesetzt. Jeden Tag freue ich mich über die Veränderung im Essig-Glas, wie sich der Frühsommer für den Herbst- und Wintergenuss konserviert!

 

Pflanzen- und Kräuterkunde beim Arzt

Nee, nicht Heilpraktiker oder sonstwie, ganz konservativ. Ich sitze mich wieder durch eine Reihe an Wartezimmern von Fachärzten. Es ist Sommer und ich schnupfe und huste weiter, zwar nicht in dem Ausmaß wie zwischen November und März, aber eben doch schnief, schnupf, schneuz, hust.

Erstes Ergebnis: Einmal Allergiker, bleibt Allergiker. Nach zwanzig Jahre ohne Beschwerden habe ich wieder ein Ganzjahresgebinde zusammen.

Das zweite Ergebnis hat zwar nichts mit Kräutern etc. zu tun, aber schickt mich in meinen Sommerferien ins Krankenhaus.

Hauptsache durchatmen zu können!

 

Pflanzen und Kräuter aus dem Schulgarten

Mädesüß geerntet und Samen der Knoblauchsrauke. Die Wildhummeln tummeln sich an den Zwiebelblüten.

 

 

Und ganz am Ende der Woche mein Konzept vom Herbarium noch einmal umgeschmissen und zum Sammeln in die Wiese gegangen. Dabei wollte ich nicht mehr mit Sammeln, Pressen etc. anfangen. Aber Angus freute sich!

 

Jetzt habe ich den unfertigen Mittwochs-Blogpost doch noch mit in den Wochenrückblick zusammengemischt bekommen. 😉

 

Was mich sonst noch bewegte:

die Tatsache, dass Deniz Yücel immer noch in Haft sitzt, ohne Anklageschrift

die Aktion mit den 100o grauen Gestalten in Hamburg

die furchtbare Aggression einiger Gruppierungen während des G20-Gipfels in Hamburg

und ein Zitat, das ich leider nur am Rande beim Radiohören mitbekam, SWR3 am Freitagabend, zum Thema Tattoos: „… es würde ja auch niemand einen Aufkleber auf  seinem Bentley anbringen …“

 

Bis die Tage!

 

Woche 17/2017

oder …

Mit Hechtsprung in den Alltag!

 

Am ursprünglichen Untertitel tüftelte ich ständig beim Schreiben des Blogposts herum. Alle Varianten kamen mir viel zu passiv vor, denn ich weiß doch wie Schule funktioniert, vor allem nach den Schulferien. Egal wie ausgeschlafen und erholt ich mich auf meinen kurzen Schulweg mache, gut vorbereitet für den Unterricht und ausgewogener Zwischenmahlzeit in der Tasche, spätestens nach 15 Minuten ist Schluss mit jeglichem Wunschdenken. SchülerInnen sitzen nach den Ferien nicht erholt und ausgeschlafen an ihren Plätzen, schon gar nicht gierig nach dem Wissen, das ich ihnen vermitteln möchte. Was sie wissen wollen sind die Geschichten ihrer Schulkameraden und -kameradinnen, die nicht über Social Medias geteilt worden sind. Doch eigentlich ist es egal, ob schon auf Whatsapp, Facebook, Instragramm, … breit getreten, alles muss noch einmal durchgekaut werden, möglichst laut und lebhaft. Einige SchülerInnen fehlen, dafür ist eine Schülerin aus ihrer Kur zurück und hat ungeheuren Mitteilungsbedarf. Es ist 9:15 Uhr und die erste große Pause scheinbar ein Segen. Doch im Lehrerzimmer liegen bei einigen KollegInnen die Nerven blank. Der Prüfungszeitraum hat begonnen, zumindest in in den Köpfen der Lehrer. Die SchülerInnen sehen das eher locker, weshalb sich erstere ihren Kopf machen. Ich stehe an der Lehrerzimmertür und überlege mir ob ich hineingehen soll, oder lieber eine kurze Runde spazieren gehe. Ich kapituliere, denn Schulalltag geht nur ganz oder gar nicht, nehme Anlauf und tauche aktiv ein.

Was sonst noch in dieser Woche geschah:

  • Sonntag auf Montag mich erst einmal über das Wahlergebnis in Frankreich gefreut!
  • Low carb Knäckebrot gebacken, wenn man das backen nennen möchte. Versuch 1 war allerdings richtig lecker, so lecker, dass das katzengraue Krümelergebnis Nr. 2 mich nicht ins Enttäuschungsloch fallen ließ. Vorübergehend. Tags darauf war ich beim hungrigem Geschmackstest etwas zwiespältig. Knäckebrot 1 hatte zur zähen Schuhsohle mutiert und Knäckebrot 2 holte auf. An Tag 3 legte ich Versuch 1 den Vögeln raus, die es, trotz hohem Leinsamenanteil, nicht in ihren Menüplan aufnehmen wollen. Es liegt noch. Versuch 2 ist noch knusprig, aber nee. Chia mag seinen Stellenwert zwar als Superfood mit Recht haben, doch wir zwei werden keine Freunde werden. Nach dieser „Back“-Erfahrung naht der Abschied. Die vielen verbliebenen Chia-Kügelchen werde ich verschenken (als Glibber im Müsli finde ich sie ebenso unerträglich) und das „Brot“ stelle ich auf den Knabbertisch im Lehrerzimmer gleich dazu. Bäh. Und, siehe da, Geschmäcker sind unterschiedlich, wie schön. Meine vegan lebende Kollegin fand das Chia-Knäcke richtig lecker und deshalb gibt es hier einen Link zum Rezept.
  • Pflanzenfarben ausprobiert, dieses Mal Efeubeeren, und die Reste aus den Wein- bzw. Saftflaschen, bevor ich sie in den Altglascontainer brachte, auf Papier gekippt, ein wenig Pülverchen aus dem Haushalt darüber gekrümelt und am nächsten Morgen überrascht gewesen über das Ergebnis (Bild oben).

 

  • mich beinahe im Kühlschrank vergriffen; statt den eingeweichten Morcheln die Dornentinte erwischt. Es wird langsam unübersichtlich, deshalb sortierte ich heute um – mittleres Fach rechts lieber nicht essen! 😉

  • auf dem Markt meine Spargelverkäufer glücklich gemacht – Spargelpapier verschenkt.
  • Schüler glücklich gemacht und mit ihnen mikroskopiert. Mindestens ebenso toll fanden sie es, dass ich ihnen erlaubt hatte ihre Untersuchungsergebnisse mit den Handys zu fotografieren und es sogar funktionierte.

  • mich von einem Maschinen-Fehlkauf getrennt, nachdem ich mich reichlich geärgert, und hier, Mitte der Woche, berichtet hatte.
  • mich beschenkt und mich zu einem Kurs am Bodensee auf der Mainau angemeldet: Vom Schulgarten auf den Teller – Gemeinsam gärtnern und kochen. Dafür muss ich dann zwar morgens reichlich früh aus den Federn und abends wieder zurück. Doch ich bin gespannt.
  • Riesenschreck – Kater Chewie musste unbedingt auch einen Vergiftungsfall herbeiführen! Zum Glück konnte ich das Schlimmste verhindern!! Katerchen liebt Gras und alles, was irgendwie nach Gras aussieht, auch die Gräser aus den Blumensträußen. Deshalb stehen solche Pflanzen und Sträuße nicht auf dem Tisch oder auf dem Fensterbrett, außer wenn es ok ist, dass er sie anknabbert. Jetzt, mit knapp sieben Jahren, hat er mir zuerst meine selbst gezogenen Chilipfänzchen weg gefuttert und wollte nun an die Narzissen! 15 Minuten nach der Missetat begann das Übel, doch zwei Stunden später war wohl alles aus seinen Eingeweiden, denn Katerchen stürzte sich ausgehungert auf das Futter und das Wasser in der Tränke – noch einmal gut gegangen (und die Wohnung durchgeputzt)!
  • im Schulgarten gearbeitet und zwei Mal ordentlich nass geworden – es ist eben doch noch April. Jetzt können die Schüler, sofern das Wetter mitspielt, nächste Woche weiter arbeiten. Bei den Beeten mit den Färberpflanzen geht es gut voran, dagegen stagniert das „schwarze“ Beet. die schwarz blühenden oder fruchtenden Pflanzen passen von ihren Ansprüchen her nicht so optimal zueinander. Mal sehen, wie dieses Projekt weiter geht.
  • das Mega-Riesen-Stickwerk Njálurefill in Island hat seine 5o m (von 90 m) erreicht! Ein paar Partikel habe ich 2013 und 2015 mit gestickt. Gerne würde ich öfter dabei sein, doch liegt Hvolsvöllur nicht gerade um die Ecke. Per Zufall fand ich dazu einen Fernsehbeitrag mit der Designerin Kristín Ragna Gunnarsdóttir, allerdings nur auf isländisch. Da kämpfte ich mich mit meinen paar Schwedisch-Kenntnissen durch ;-). Die im Laufe des Beitrags gezeigten Bilder geben auf jeden Fall einen Eindruck von disem Gemeinschaftswerk. Die Saga von Njal ist eine der beliebtesten Sagas Islands. Daneben ist sie nicht nur die längste Saga, sondern die einzige die im Süden Islands spielt. Die Motive, die die Designerin entwickelt hatm sind teilweise richtig witzig und voller Hintersinn. Wer sich durch den ca.20-minütigen Bericht klicken möchte, hier der Link.
  • das erste Frühstück im Freien dieses Jahr, nur leider ohne „richtige“ Zeitung. Die Katzen genießen die Sonne, wie ich.

Beim genauen Hinsehen hat es sich Angus bequemer gemacht, als Chewie. So verrenkt ist bestimmt kein gemütliches Schläfchen möglich, aber man muss den Neffen ja im Auge behalten!

  • Ach ja, bevor die Hexen losziehen, noch etwas zum Schmunzeln von dieser Woche.  …

 

Ich wünsche allen einen schönen 1. Mai!

 

Woche 12/2017

oder …

Frühlingsgelb zum Frühlingsanfang etc.

Huflattich

So langsam sind die längeren Tageszeiten zu spüren, selbst wenn Hochnebel oder Regenwetter der Sonne im Weg stehen. Montag und Dienstag war es zumindest teilweise trocken und die Sonnenstunden am Nachmittag halfen einer meiner Projektprüfungsgruppen einiges an Außenarbeiten zu erledigen, bevor am Mittwoch der Himmel für Stunden seine Schleusen öffnete. Die Natur braucht den Regen, ich weiß! Das Timing der Wetterfee, irgendeines Wettergottes, oder von Petrus war diese Woche allerdings nicht optimal für ein ökölogisches Thema in der freien Natur. Aber sie schafften ihr Ziel:

Renovierung eines Insektenhotels für die Schule!

Drei aufgeregte junge Menschen drückten mir, von linker zu rechter Backe breit wie glücklich strahlend, am Freitag pünktlich um 12:00 Uhr ihren Ordner mit der Dokumentation der Woche und ihren Datenstick in die Hand: „Frau Be, wir sind fertig! Wir. sind. fertig. FERTIG. Ahhh! Pünktlich! Und aufgeräumt haben wir auch.“ Gerade der letzte Punkt war ihnen besonders wichtig, nachdem sie in der Durchführungswoche dieser Prüfung ihren Arbeitsplatz ab und an in katastrophalem Zustand hinterlassen hatten.

 

Was die Woche sonst noch brachte:

  • Zeitumstellung und die letzte Frankfurter Sonntagszeitung – Sommerzeit heißt für mich Lesepause, bzw. Zeit vielleicht mal die Zeit oder eine andere Zeitung zu lesen
  • Planung des 80. Geburtstags meines Vaters und dann Kommando zurück, stattdessen musste er zum Arzt
  • der 1. Geburtstag meines kleinem Chaotenkaters – höre ich es etwas wieder auf dem Balkon scheppern? Blumentöpfe sind nicht einmal auf dem Fußboden gestellt bruchsicher genug, wenn Angus drüber weg rennt
  • Besuch vom Sohnemann – immer schön! und hilfreich in technischne Fragen 😉
  • nette Geschichte über einen anderen cleveren Sohn im Internet zugespült bekommen. Ein Vierjähriger hat wohl mit dem Handy seiner Mutter das Leben gerettet. Hier der Link zu einem von vielen Berichten
  • Ideen gesammelt, wie ich mein Herbarium gestalte, das ich zur Prüfung im Herbst vorlegen muss
  • Frühblüher für das Herbarium gesammelt und die schon gepressten Pflänzchen gesichtet
  • auf die Filder gefahren – es ist doch viel schöner Mal- und Zeichenartikel im Fachmarkt auszusuchen, als aus dem Katalog oder Internet zu bestellen. Leider wird man dann auch mehr Geld los 😉
  • VERA 8, die Vergleichsarbeiten, korrigiert und eingegeben – was für ein Aufwand
  • mit Schülern Obstkisten gestrichen – ich möchte Unkrautbeete anlegen mit essbaren Unkräutern, damit wir sie im Jahresverlauf beobachten können
  • am Samstag das herrliche Wetter genossen und zu einem meiner Lieblingsplätze im Schönbuch gelaufen – erschreckend, wie viel Bäume abgeholzt wurden. Keine Ahnung ob es am Asiatischen Laubholzbockkäfer liegt oder die Bäume eine andere Krankheit hatten (hier ein Link zu den Problemen mit dem Käfer in meiner Region)
  • den ersten Bärlauch gepflückt – ich freue mich jetzt schon auf das erste frische Bärlauchpesto, obwohl ich erst vor zwei Wochen eins aus den letzten Vorräten vom Vorjahr zubereitet hatte (Tiefkühler und Einlegen machte es möglich!)
  • Flechten gesammelt, weil sie so schön aussahen. Noch weiß ich nicht wirklich, was ich daraus machen werde. Bis ich das weiß bildet ein Teil der Sammelware die Basis für die Osterdekoration

  • mich über die neuen Markierungen auf der Straße gewundert; wenn die Vermessungstechniker schon keine Ahnung haben, wie sollen dann die Arbeiter verstehen, was zu tun ist? Böblingen und seine Straßenbaustellen sind eine Sache für sich. Doch das was wir bisher an Sperrungen und Umleitungen haben ist noch gar nichts. Richtig eng wird es, wenn für ein Jahr ein Teilstück der B 14 gesperrt sein wird.
  • zu viel in dieser Woche auf den Füßen gewesen, was ich heute büßen muss – aber es war herrlich draußen. Ist es heute zwar auch, aber Fuß sagt: Nö. Zuhause bleiben. – Ok. Auf dem Balkon ist es auch ganz schön, wenn die neuen Scherben weggreräumt sind: „ANGUS, nein!“

 

Eine schöne Woche wünsche ich, und Danke wenn ihr bei mir vorbei geschaut habt!

 

Wer jetzt noch Zeit und Lust auf ein paar Bilder von meinem Schönbuch-Spaziergang hat, die sind einen Klick weiter, auf meinem anderen Blog, hierundfort.

 

 

 

Woche 6/2017

oder …

Die Woche der Versuche und Prototypen!

Ich weiß nicht, wie es euch so ging, für mich war diese Woche viel zu kurz. An manchen Tagen wünschte ich mir ein paar Stunden Verlängerung, denn wenn sich bei mir eine kreative Idee entwickelt, wollen meine Hände immer sofort loslegen. Das geht in einem (Schul-)Alltag natürlich nicht, aber nach Unterrichtsschluss nutzte ich die Chance dafür in meinen Werkräumen und an den Maschinen – sehr zum Missverfallen der Reinigungstruppe (und meine Ärzte brauchen das auch nicht wissen!).  Dabei kann ich völlig das Zeitgefühl verlieren, dass ich alles andere völlig vergesse. Das bestellte Paket musste ich dann bei der Post abholen. Die Apotheke hatte schon geschlossen und ich durfte die Nacht büßen. Die gewaschene Wäsche lag zu lange in der Waschmaschine und benötigte eine Extrarunde. Die Pflanzen zuhause ließen die Köpfe hängen und meine Kater legten sich demonstrativ vor die Wohnungstür, wenn ich, kaum angekommen, die Jacke wieder anzog um den Müll wegzubringen – es könnte ja länger dauern 😉 .

 

Aus der Werkstatt:

  • Rahmen mit Waldoptik und Elchen nach einer Idee aus Pinterest
  • Meisenknödelhalter aus Asthölzern, auch nach einer Idee aus Pinterest
  • Minigewächshaus aus Bausatzresten
  • Versuche an Schreibwerkzeugen aus Gänsefedern, Schilfrohr und Bambusrohr (noch nicht reif für Bilder)
  • polierte Baum- bzw. Astscheibe mit Geschichte

Mit Bausätzen und manchen Anleitungen habe ich so meine Probleme. Auch wenn sie irgendwie funktionieren gibt es, so empfinde ich es, immer Arbeitsschritte an denen bei mir eine Alarmglocke angeht. Deshalb bestelle ich, wenn ich für meinen Unterricht etwas Neues anbieten möchte, in der Regel zwei Bausätze, einen für die Punkt-für-Punkt-Folge der Anleitung und einen für meinen Weg, inklusive Modifikationen. Privat lasse ich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, wie beim Schal fürs Leben, die Finger von Bausätzen und Materialpackungen. Mich stört, abgesehen von den oft ungenau beschriebenen Arbeitsschritten, meist der Resteberg, der nach der Fertigstellung übrig bleibt. Beim Schal hatte ich nach zwei, aus den Materialpaketen gestrickten, Exemplaren genug Wolle für einen dritten Schal übrig. Nur eine Farbe fehlte, die mir mein Wollladen, obwohl die Farbe vergriffen war, irgendwie besorgte. Glück gehabt.

 

Weniger Glück hatte ich bei einer Fundsache. Ich fand bei Aufräumarbeiten an verschiedenen Stellen gleich große Leisten und Folien, von denen ich nicht wusste, für was diese ursprünglich gut waren. Spätestens ab 10 Stück suche ich mir ein Sammelbehältnis und am Ende hatte ich bei dieser Sammlung zwei kleine Kartons voll. Dann tauchte eine geschlossene Plastiktüte auf, gefüllt mit solch Material, ein Originalbausatz, und verriet durch einen Aufkleber, was daraus hergestellt werden kann, ein Mini-Gewächshaus. Keine Anleitung! Trotzdem fanden meine 9er Schüler in Technik diesen Fund nur cool. Als dann noch ein paar knittrige technische Zeichnungen und einige halbfertige Bauteile gefunden wurden, schien das genug Information, dass meine 9er-Schüler motiviert waren, sich nicht abbringen ließen: Wir bauen Mini-Gewächshäuser.

Meine Reaktion: Luft holen, noch einmal durchatmen, Schüler machen lassen, nach der kompletten Anleitung recherchieren und ganz schnell feststellen, nee nee, das geht so nicht, bzw. ist technisch falsch. Was soll das für ein Gewächshaus sein, bei dem nur die Seitenteile mit Kunststofffolie verglast werden und die Giebelseiten offen bleiben? Und warum sollen die Dachteile mit Scharnieren verbunden werden, wenn das Dach, laut Anleitung, nur auf die Giebelschrägen aufgelegt werden soll? Da musste ich tüfteln und modifizieren!

Bei Ideen, die Pinterest liefert erwarte ich keine funktionierende Anleitung. Mir reicht die Idee, im Wissen, die Details muss ich mir selbst überlegen. So ging es mir mit denEntdeckung der „Vogelfutter-Diamanten“ auf Pinterest. Sieht toll aus, aber in der Praxis sind Apfel, Meisenknödel & Co. nur zur Deko hier gut aufgehoben. Meine Eichhörnchen würden bei diesem Angebot sofort zuschlagen und den Fettfutter fressenden Piepmätzen, bevor sie nur die Schnäbel ansetzen können, den Tisch abräumen. Ein eingebauter Nagel ist die Lösung, aber noch sitzt dieser hier nicht perfekt und stabil genug.

Auch von Pinterest inspiriert (Quelle werde ich noch angeben), aber mit eigenen Schablonen für die Elche, entstehen im Unterricht dekorative Fenster- und Wandbilder

Als mir aus meinem Sammelsurium eine halbfertiges Werkstück in die Hand fiel ging dann so etwas wie Sonne in mir auf!

Sie stammt noch aus meiner frühen Zeit als Mutter und Lehrerin. In den Herbstferien fuhr ich viele Jahre für einen Tag nach Zürich. Hier hatte ich in meinem ersten Jahr als Lehrerin viel Zeit verbracht, schöne Plätze gefunden, Bekanntschaften gemacht. Meinen Kindern erzählte ich, ich fahre auf die Weihnachtswiese (in Anlehnung an Peterchens Mondfahrt) und besorgte dort tatsächlich viele Weihnachtsgeschenke für sie. In Zürich gab es in dieser Zeit eines der besten Geschäfte für Holzspielzeug. Daneben besuchte ich an diesem mir sehr speziellen Tag oft die Kunsthalle, ging im nahe gelegenen Restaurant von Agnes Amberg essen (sie hat 1991 schon bewiesen, wie lecker vegetarisches Essen sein kann)  und traf Freunde. An einem dieser Treffen sprachen wir über Schmuck aus Holz: gesägt, gefeilt, geklebt, gefräst, aus Furnier verklebt, gebeizt, gebohrt. Heute polierte ich die Astscheibe, die ich damals frisch geschnitten geschenkt bekommen hatte.

Plötzlich erscheint im Grau des Tages die Sonne! Neu überschliffen, mit Stahlwolle bearbeitet und mit Bienenwachs poliert, glänzt mich in diesem Licht, schmeichelnd glatt, das Scheibchen an.

Nur, leider leider, kann sich die Sonne wieder nicht behaupten. Sie verschwindet in wenigen Minuten im Wolkendunst.

Und dunkel wurde es auch schon! Wieder die Zeit vergessen. Und die sonstigen Höhen und Tiefen der Woche 6? Abgehakt! Wusch, weg!