Rosettenbroschen – gehäkelt und angesteckt

oder …

Der lange Weg von der Idee bis zum Eimer Abschluss

Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich die erste Idee zu diesem Projekt, entstanden, wie so oft, beim Aufräumen und Aussortieren und Wegwerfen. Wieder einmal war eine halbe Tüte altes Material auf dem Weg zum Müllhaus, nach einem Gedankenblitz, zurück in meinen Haushalt eingewandert. Wenn ich gewusst hätte auf was für einen Aufwand ich mich für ein paar Kleinigkeiten einließ, würde ich mir heute wahrscheinlich mal kurz ein kräftiges „was geht?“ in Schülermanier angedeihen lassen. Doch nun sind sie fertig, meine Broschen, die (etwas) im (Halb)Dunkel reflektieren – jedes einzelne Stück ein „reklekding„.

Die Idee

Der erste Gedanke kam mit den Fimo-Resten, teilweise noch aus Deutsche-Mark-Zeiten stammend, die eigentlich in die Tonne sollten. Obwohl das Zeug alt und bockelhart bei Knetversuchen meist erst nach Hammereinsatz erste Veränderungen zeigte und danach erst einmal nur bröselte, wurde es durch vieles Drücken, Kneten, Klopfen, Rollen irgendwann tatsächlich wieder formbar! Super, DIE Gelegenheit, endlich einmal auszuprobieren, ob ich Knöpfe mit Spiralmuster hinbekomme. Es gelang nach einigen Versuchen, nur fehlten mir dann ein paar Farben! Statt Abbau, bzw. Auflösung des Fimo-Materiallagers wurde es aufgerüstet!

In den Bastelgeschäften, die ich aufsuchte, machten mich die reflektierenden Massen neugierig und der nächste Gedanke war geboren: Knöpfe aus Fimo mit reflektierendem Spiralstreifen! Das musste doch hübsch sein für die dunkle Jahreszeit!!!

Was habe ich herumprobiert, getestet, Materialien gewechselt, gegoogelt, …! Kein Ergebnis zeigte, egal bei welchem Lichteinfall irgendeine Reflexion. Frustriert packte ich alles in die nächste Mülltüte, jedoch wurde ich von meiner Mutter beim Wegwerfen gebremst: „So viel Arbeit und zu hübsch zum Wegwerfen! Lass die mal vier Wochen liegen. Wegwerfen kannst Du sie immer noch.“ Das war im Herbst 2014.

Häkelfieber

Das Werkeln mit nur einer Nadel überkommt mich seit meinen Kindergartenjahren (den eigenen) alle Jubeljahre, obwohl die Häkelei nicht meine favorisierte Handarbeitstechnik ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich diese in sehr jungen Jahren sehr exzessiv ausgelebt hatte – Kilometer an Luftmaschenketten für Wäscheleinen, Topflappen, Spültücher, alle Plüschtiere und Puppen wurden behäkelt, alle Kissen neu eingekleidet und es gab keinen einzigen unbekleideten Kleiderbügel in der Familie mehr. Als die Bekleidung der Familienmitglieder an der Reihe war begann meine eigene Schulzeit und ich entdeckte, nach dem Lesenlernen, zum Glück aller 😉 , meine Liebe zu Büchern. OK, mit der Liebe zu Büchern hapert es gerade ein wenig, aber, es bleibt das Häkeln. So ambivalent mein Verhältnis zum Häkeln ist, es überkommt mich ab und an, meist kurz aber heftig, wie auch kürzlich wieder. Nach meinem Armbruch trug es auf jeden Fall viel dazu bei, dass das Handgelenk beweglicher wurde.

Die Entwicklung

Nach dem unbefriedigendem Ergebnis meiner reflektierenden Spiralknöpfe aus Fimo fiel mir beim Kramen in einer meiner Nähschubladen eine Spule mit einem kleinen Rest von reflektierendem Einstrickgarn in die Hand. Wieso diese bei den Nähutensilien gelandet ist ist mir schleierhaft, aber sie kam mir gelegen. Als Beilauffaden verarbeitete ich sie in einer Häkelrosette für eine Wollmütze. In meinem Kopf machte es nicht nur einmal bling, als sich, gedanklich schon Schritte voraus, die nächste Idee entwickelte: Wenn die halbfertigen Knöpfe nicht reflektieren, dann könnte ich sie doch ins Zentrum einer Rosette setzen, die durch entsprechendes Garn reflektiert?! Bloß wo bekomme ich das entsprechende Garn her? Im ersten Wollgeschäft hatte man davon schon gehört, in einem anderen hatten sie reflektierendes Stickgarn. Also doch googeln und online verschiedenes an Beilauffäden bestellt, probierte ich etliche Rosettenmuster aus ,bis ich mir eines selber „strickte“. Der erste Prototyp war im Herbst 2015 fertig.

Bis ich Mitte November auf die Rosettenkiste den Deckel drückte waren es geschwind mal zwanzig Stück geworden, die ich zur Hälfte während der Weihnachtszeit verschenkte. Die anderen wollte ich bei Dawanda einstellen, doch mir fiel einfach keine gescheite Verpackung ein. Und überhaupt, mir fehlte die Reflexion im Zentrum der Rosetten. Das Ganze musste deshalb erst wieder ruhen.

Im Frühjahr 2016 ging es in die nächste Runde, als ich eine naturfarbene Rosette zum Verschenken brauchte. Nur hatte ich keine und, als sie gehäkelt war, gefiel mir keiner der Spiralknöpfe, auch keiner in meiner Knopfschublade, aber ein Holzknopf machte sich ganz nett. Also, nächster Schritt, ein Holzknopf in passender Größe und Farbe musste hergestellt werden. Gleich der erste Versuch klappte und, mit reflektierendem Garn bestickt, ergab sich endlich auch die Wirkung im Zentrum der Brosche.

 

Die fertigen Häkelrosettenbroschen

In den Sommerferien 2016 setzte ich mir das Ziel, dieses Projekt fertigzustellen oder diese Kiste aufzulösen. Die Rosetten wurden dann doch endlich fertig und fotografiert. Der reflektierende Faden leuchtet nur bei bestimmten Lichteinfall, ist somit nur ein hübscher Glitzereffekt und erreicht nicht das, was versprochen wird, einen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in der dunklen Jahreszeit. Sie machen sich einfach nur hübsch auf dicken Wintermänteln.

 

Die Verpackung

Die einfachste und schnellste Möglichkeit der Verpackung – Tüte auf, Ding rein, Tüte zu – ist normalerweise mein Stil. Ich verpacke Geschenke oft gar nicht richtig, sondern beschränke mich zum Beispiel auf Schleifen oder Banderolen. Bis diese so sind, wie ich es mir vorstelle, kann das allerdings auch etwas Zeit brauchen. Wenn ich dann einmal einpacke, dann richtig und das kann Tage dauern. So auch bei diesen kleinen Teilen wieder. Ich brauchte Wochen bis alles durchdacht, wie ausprobiert war und alles passte. Es ist eine Schachtel geworden und während dieser Entwicklung bekamen die Broschen, die Dinger, auch ihren Namen – reflekding.