Ein Wildkräutermenü im Frühling

oder …

Auf in die Brennnesseln

Wie ich schon mehrfach berichtet habe bin ich dabei mich im Kräuterwissen fit zu machen. Am ersten April-Wochenende war es wieder soweit. Samstag gab es von nine to five two eine große Portion Theorie, bevor wir uns eine Wiese suchten, die möglichst naturnah abseits von Straßen lag, nicht gedüngt wurde, keine Beweidung durch Nutztiere hat, auch keine Schafe … gar nicht so einfach, eine solche Fläche im Großraum Stuttgart zu finden. (Wenn jemand ein solches Wiesenstück im Kreis Böblingen kennt, bitte melden, please!)

Am Samstag sammelten wir jede Menge Wildkräuter, die wir dann am Sonntagnachmittag verarbeiteten.

Auf dem Menüplan standen:

  • Neunkräutersuppe
  • Wildkräuter-Schneckennudeln
  • Unkrauttaschen nach griechischer Art
  • Brennnessel in Bierteig mit Hägemark
  • Frankfurter grüne Soße mit Wildkräutern
  • Chicoreesalat mit Scharbockskraut und Orange
  • Sekteis/Sektsorbet mit Veilchenblüten, alternativ Apfelsaftsorbet mit Veilchen
  • Sahneeis mit Sauerampfer und Heidelbeerkompott
  • Erdbeeren mit Basilikumzucker
  • Waldmeister- und Wildblumenblüten im Apfelsaft

G.E.N.I.A.L.

Doch zuerst ging es auf die Wiese und danach in die Küche.

Ein Teil der Ernte mit Scharbockskraut, Sauerampfer, wildem Schnittlauch, Giersch, Vogelmiere, Weidenröschen, Sauerampfer, Gartenschaumkraut und Brennnesseln

Zur Vorspeise gab es eine Neunkräutersuppe, traditionell ein Frühlingsgericht. Sie gehörte früher vor allem am Gründonnerstag auf die Teller. Nach den langen Wintermonaten, wenn alle Vorräte aufgebraucht, oder nicht mehr allzu lecker waren, hatten unsere Vorfahren Lust auf frisches Grün. Die verwendeten Kräuter variieren je nach Landstrich, Höhenlage, Wetter und Jahreszeit. Dieses Jahr liegt Ostern sehr spät und so lässt sich auf den Wiesen deutlich mehr Grünzeug finden, als Ende März. Wenn ich jetzt spontan in den Garten gehen würde kämen bei mir momentan junge Triebe vom Giersch, Brennnesseln, Knoblauchsrauke, Gartenschaumkraut, Vogelmiere, Löwenzahn, Wiesenkerbel, Weidenröschen und Wiesenschaumkraut in den Korb und zum Garnieren ein Schlüsselblumenblütchen aus dem Garten (bitte wirklich nur von hier!). Möglich sind noch viele andere wilde Kräuter. Da manche durch ihren Gerbstoffgehalt eher streng schmecken, wie Gundermann, sollten diese eher nur wenig verwendet werden. Und wirklich nur die Wildpflanzen verwenden, die man ganz genau kennt! Alternativ können auch übliche Küchenkräuter in die Neunkräutersuppe wandern. Rezepte zur Neunkräutersuppe, wie auch wir sie zubereitet hatten, sind auch leicht im Internet zu finden, z.B. hier, hier und hier (das Gänseblümchen nicht als Ganzes essen, schmeckt so eher bäh). Und Sarah von Das Kräuterkörbchen gibt noch mehr Informationen, insbesondere erklärt sie wie die 9 in die Suppe kam!

In der Tiefe der Tasse hatte sich bei uns ein Bärlauchnockerl versteckt, die unsere Köchin in der Runde, Katharina, vorbereitet hatte.

In der Menüfolge passten im Anschluss passten in Bierteig ausgebackene Brennnesseln, die mit einem Klecks Hagebuttenmark, oder wie wir hier sagen Hägemark, garniert waren. Das Hägemark brachte den letzten Pfiff, bildeten das Tüpfelchen auf dem i.

Der Hauptgang …

Chicoreesalat mit Wildkräutern und Orangen, Unkrauttaschen, Kartoffeln, Ei und dazu grüne Soße aus Wildkräutern

… und im Anschluss ein Nachtisch nach dem anderen, die gar nicht so schnell fotografiert werden konnten, wie sie wegschmolzen sind bzw. in unseren Mägen landeten. Vor allem das Eis mit Sauerampfer traf genau meinen Geschmack. Ich, die in der Regel den Nachtisch weiter gibt, kratzte die Eismaschine leer, weil das Zeug zu lecker war um weggespült zu werden. Deshalb gibt es auch von dieser Leckerei keine Bilder, aber vom letzten Teil, den Erdbeeren mit Basilikumzucker.

 

Zum Schluss stelle ich die verwendeten Kräuter im Einzelnen vor:

Nicht im Einzelnen abgebildet fehlen Gartenschaumkraut, Waldmeister (der hing schon im Saft), den Veilchenblüten (froren schon eine Nacht im Sekt bzw. Apfelsaft) noch Kohldistel und ein Kraut, an dessen Namen ich mich erinnern kann. Irgendwann wird es mir wieder einfallen, vorzugsweise in der Nacht 😉

So lecker satt zu sein, nach so viel Bücken, Pflücken und Lernen, war herrlich! Leider war die Schlange auf dem Markt in Stuttgart so ewig lang, dass ich meinem Besuch das lange anstehen für Sauerampfer nicht zumuten wollte. Doch vielleicht finde ich am Wochenende welchen in freier Natur. Die Sahne wartet im Kühlschrank!

 

Schöne Ostern!

An, in und unter den Linden

oder …

Lindenblüten – duftende Helfer

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Es blühen die Linden! Was für ein Duft!

So riecht für mich der Beginn des Sommers – Lindenblütenduft!

Erst kommt er von der Sommerlinde, dann legt die Winterlinde nach. Jetzt ist es an der Zeit um diesen Duft einzufangen und für die Erkältungszeit im Winter zu präparieren. Ende Juni, Anfang Juli ist ein optimaler Zeitpunkt um Lindenblüten zu ernten und zu trocknen. Lindenblütentee ist schweißtreibend und lindert Atemwegsbeschwerden bei Erkältungen.

In meiner direkten Umgebung stehen einige Linden, von denen ich sonst immer meinen Wintervorrat schneide. Was war ich verblüfft, dass sie dieses Jahr in erreichbarer Höhe schon „abgeerntet“ waren, bis ich dazu kam. Auf der Suche nach neuen Erntestellen erlebte ich die nächste Überraschung – die Menge an Linden in meiner Stadt, vor allem entlang den Hauptverkehrsstraßen, war mir bisher nicht aufgefallen. Allerdings macht es wenig Sinn Blüten für Tees von Bäumen so dicht an den Straßen zu ernten, da Linden mit ihrer Fähigkeit optimal Luft filtern zu können, Schadstoffe entsprechend gut speichern. Nachdem ich lange nach DER idealen Linde gesucht hatte, sie fand und meine Lindenblüten geerntet und getrocknet habe, entdeckte ich heute tatsächlich eine noch bessere Quelle! Direkt auf dem Schulhof, fernab einer Straße, … , und ich dachte, ich weiß was auf unserem Schulgelände wächst!

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Der erste Schwung an Lindenblüten ist nach der Ernte …

 

… frisch getrocknet schon in der Teeschüssel gelandet!

 

Lindenblütentee lindert nicht nur im Winter eine Erkältung, er ist auch hilfreich bei Auswirkungen des deutschen Sommers!

Das Ende der Bärlauch-Zeit

oder …

Der Mai ist gekommen!

Kaum zu glauben, der April ist vorbei. Ganz einfach so. Wo ist der Monat nur geblieben? Ohne Fotoausflüge in den Schönbuch und zur Obstbaumblüte ins Gäu fehlt mir dieses Jahr ein kleines Stückchen Frühlingserwachen. Sicher hätte ich eine Chauffeuse oder einen Chauffeur für eine Ausfahrt gefunden: „Sag’s, wenn ich dir helfen kann!“. Doch ohne Konstanze einfach so durch die Landschaft tappen? Mit der/m ruhig gestellten Hand/Arm war seit dem Armbruch kein Fotografieren mit der Spiegelreflexkamera möglich. Aber es geht voran.

Seit gestern kann ich, wenn ich mit der rechten Hand die Kamera halte, mit der linken den Objektivdeckel aufschnippen. Tolle Sache! Kleines Stückchen Glückseligkeit. Zum Schließen muss ich mich bücken und suchen, wo das Teil hingeflogen ist. Um den Deckel wieder aufzusetzen brauche ich noch die rechte Hand.

Heute schaffte ich mit links den Wasserhahn im Spülbecken der Küche zu öffnen. Yeah! Es ist ja „nur“ ein Hebel und es klappte super – fragt meinen Kater! 🙂 Das Ergebnis war eine Riesensauerei, hatte die Qualität ‚Zustand nach Wasserschlacht‘. Aber ich habe den Wasserhahn öffnen können, grobmotorisch zwar, auch noch etwas schmerzhaft, doch effektiv. 😀 Allerdings werde ich den zweiten Versuch mit dem Hahn besser erst nach der nächsten Ergotherapiesitzung versuchen. Habe ich Katerchen versprochen, denn er fand die Springflut aus der Spüle gar nicht lustig. 😉

Doch zurück zum verpassten Frühling draußen in der Natur.

Mit dem Cast rund um Hand und Unterarm konnte ich dieses Jahr auch nicht zu meinem Plätzchen zur Bärlauchernte radeln. Schade! Ich tröstete mich mit ein, zwei gekauften Bünden vom Markt. Als Pesto verarbeitet war es ruckzuck weg gefuttert. Bei den nächsten vier gekauften Bünden hatte ich dann das Pech, dass sie, wohl nass gepflückt und gleich eng gebündelt, im Bund schon schimmelten – bei einem Preis von 1,50€ pro 100g recht ärgerlich. Ich fand mich damit ab dieses Jahr ohne Bärlauch-Depot auszukommen.

Und dann kam ein Gespräch unter Nachbarn, denen ich eigentlich nur ein Päckchen angenommen hatte und ihnen nur abgeben wollte. Als Dankeschön hatte ich von ihnen eine Tüte selbst geernten Bärlauch in die Hand gedrückt bekommen!

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Drei Tage später fragte mich mein Nachbar, ob er mir noch einmal Bärlauch mitbringen soll/kann. Ich antwortete: „Oh, das wäre schön. Ein wenig könnte ich noch brauchen.“ – Wenig ist eine vage Aussage, die unterschiedlich interpretiert werden kann.

Frischer Bärlauch in Salaten ist lecker. Nur leider kann er nur kurze Zeit im Frühjahr geerntet werden. Deshalb verarbeite und konserviere ich jedes Frühjahr einen Teil meiner Ernte um auch später im Jahr Bärlauch genießen zu können.

Bärlauchpesto auf Brot oder zu Spaghetti ist ein toller Einsstieg in die (Basilikum-)Pestosaison, oder auch eine Alternative dazu, denn Bärlauchpesto kommt im Gegensatz zu der mit Basilikum ohne Knoblauch aus. Das hat schon Vorteile! 😀

Von meiner unerwarteten Bärlauchschwemme habe ich

  • die Blätter in Öl püriert
  • die Blätter in Öl püriert, mit Mandeln und Parmesan zu Pesto verarbeitet (Verhältnis Bärlauch:Mandeln:Parmesan – 1:1:1 in Gramm, Öl nach Gefühl und Konsistenz)
  • die Blätter eingefroren
  • die Blätter im Dörrautomat getrocknet
  • die Stengel, wie Gurken, süß-sauer eingelegt
  • die Knospen in Öl eingelegt
  • die restlichen Knospen einfach blühen lassen.

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Tipps aus dem Internet, die ich ausprobiert habe:

Bärlauch haltbar machen

Das ganze Jahr über Bärlauch

Und was ich noch ausprobieren möchte:

Bärlauchkäse – vegan

 

Der Frühling scheint nun wirklich angekommen zu sein!

 

 

Müsli geht immer – selbst gemachtes noch besser

oder …

Was macht der Arm(bruch)?

Tag 18 nach dem Bruch, Tag 12 mit Gips, Tag 3 ohne Schmerzmittel – es geht voran, langsam. Katerchen begreift endlich, dass er irgendwie geartete Kuschelversuche mit den Fingern, die aus diesem blauen, inzwischen müffelnden, Gebilde ragen, lieber lässt. Meine Stimmung ist vergleichbar muffig. Nichts geht so richtig mit dem ich mich sonst gerne beschäftige. Selbst lesen strengt an, sogar mit dem E-Reader. Bleibt die Glotze, ohne Begleitstricken, -häkeln oder sonstiges Gepuzzel. Bis ich auf dem Markt den ersten frischen Bärlauch in diesem Jahr sehe und Lust auf Bärlauchpesto bekomme. Dazu benötige ich auch abgezogene Mandeln und endlich habe ich meine Beschäftigung:

Mandeln überbrühen und enthäuten!

Das geht auch mit einer Hand, plopp plopp plopp, und am Fernseher sitzen ist weniger stupide. Mit dieser Beschäftigung, 500 g Mandeln nackig zu machen, hatte ich eine Weile zu tun. Bis Sohnemann Zeit hatte diese für mich zu verarbeiten schaffte ich es, einen Teil davon, in ein Müsli zu verbacken.

Aber zuerst musste nach dem Abpellen der eigentlich unbeteiligte Arm gekühlt werden. Als Hülle für das Kühl-Pad benutze ich zweckentfremdet eine Kerzenhülle aus Stoff, die mir eine Kollegin zu Weihnachten geschenkt hatte. Der aufgenähte Spruch baut auf!

Warten kann ich. Nicht immer willig und gerne. Aber wenn es hinterher passt ist alles ok. Genug gekühlt und ab in die Küche zum Müsli mischen und knusprig machen. Das Original-Rezept hat irgendwann einmal mein Sohn angeschleppt und es gehört in verschiedensten Modifikationen seit Jahren bei ihm, bei mir und bei meiner Tochter zu den Basis-Vorräten in unseren Küchen. Die Mengenangaben beließen wir, wie beim Original, bei Tasse statt Gramm. Zum Abmessen verwenden wir eine ganz normale Kaffeetasse und nehmen es ansonsten auch nicht so genau mit den Mengen. 😉

Crunchiges Müsli aus dem Backofen

Zutaten
  • 3 Tassen Haferflocken (ich verwende Schmelzflocken, meine Kinder eher die kernigen Haferflocken)
  • 1 Tasse grob gehackte Pecanüsse (oder Walnüsse, oder Haselnüsse, oder andere Kerne, wie z. B. Mandeln, oder irgendwie gemischt)
  • 1/2 Tasse Kokosflocken (ich verwende fertig gekaufte, geröstete Kokoschips, die ich am Schluss, zusammen mit dem Trockenobst ins Müsli gebe)
  • 1 bis 3 Esslöffel braunen Zucker (lasse ich weg, oder nehme höchstens 1 Esslöffel voll)
  • 1/2 bis 1 Teelöffel gemahlenen Zimt
  • 1/2 Teelöffel gemahlenen Ingwer (habe ich nur zur Weihnachtsbäckerei im Haus, deshalb lasse ich ihn meist weg)
  • 1 Prise Salz
  • 1/3 Tasse Honig (oder Agavendicksaft, den ich nicht mag, oder Ahornsirup, oder Rübensaft, oder irgendwie gemischt)
  • 2 Esslöffel Öl
  • 1 Tasse klein geschnittenes gemischtes Trockenobst (es gehen auch getrocknete Beeren, oder für Schokoschnuten Schokostückchen)

Zubereitung
  • Den Backofen auf ca. 150°C vorheizen und ein Backblech mit Backpapier auslegen.
  • Die Haferflocken mit den Nüssen, den Kokosflocken und den Gewürzen in einer Schüssel miteinander verrühren.
  • In einem kleinen Topf den Honig mit dem Öl vermischen und auf kleiner Hitze erwärmen, nicht kochen.
  • Die Honig-Öl-Mischung über die Haferflocken in der Schüssel geben und alles miteinander gut verrühren.

  • Alles zusammen auf dem mit Backpapier ausgelegtem Backblech verteilen. 40 Minuten im Backofen goldbraun rösten und alle 10 Minuten die Mischung wenden.

  • Nach dem Rösten die Haferflockenmischung auskühlen lassen bevor das Trockenobst (Kokoschips, Schokolade oder anderes) untergemischt werden.

Ich esse das Müsli am liebsten mit Joghurt, Milch ist aber auch lecker. 😉

Und Katerchen? Er machte Pause im Einkaufskorb bis es an die Bärlauchpesto ging. Das Rezept gibt es ein anderes Mal.

 

 

 

Die gute alte deutsche Frühstücksdose …

… heißt jetzt Bento

Vorab, ich finde Bento genial und lecker. Doch die Idee ist nicht neu, selbst hier in Mitteleuropa nicht. Denn, siehe Wikipedia, ist Bento eigentlich nichts anderes als die Art und Weise wie eine Mahlzeit zum Mitnehmen für unterwegs organisiert wird. Nach dieser Definition ist das gute alte Schulbrot, in Papier eingewickelt, schon ein Bento. Doch wer an Schulbrote denkt, hat nicht unbedingt die Assoziation von: hmm, lecker, und in der Erinnerung sind eher die Berge an ungegessenen Broten präsent.
Obwohl sich meine Mutter immer Mühe machte, auf die Schulbrote für meinen Bruder und mich nur das packte was wir mochten, mumifizierte doch das eine oder andere in den Tiefen unserer Schultaschen. Aber sie schnippelte schon vor über 40 Jahren Äpfel und Karotten in bissgerechte Portionen und als in den 1960ern die ersten Tupperdosen in Deutschland zu kaufen waren griff sie sofort zu und verpackte ab dann die Orangenstückchen auslaufsicher darin!

Wie meine Mutter machte ich das später auch mit Obst und Gemüse für meine Kinder in ihrer Kindergartenzeit. Für die Brote griff ich dagegen gewaltig in die Trickkiste und „zauberte“ sogenannte Abenteuerbrote, damit sie gegessen wurden. Dazu holte ich mir die Ausstechformen für Weihnachtsgebäck heraus um Brot, Wurst und Käse in Form zu bringen, schnippelte und schnitzte teilweise wirklich mit Schnitzmessern, sammelte Spritztüllen zum Verzieren, bastelte Picks aus Zahnstochern und Perlen. Was für ein Aufwand!

Doch was macht eine Mutter nicht alles, damit die Kinder nicht vom Fleisch fallen, vor allem wenn sie Probleme mit dem Essen haben.
So kam manchmal trotz aller Tricks und Kreativität das Frühstücksbrot meiner Tochter dann doch beinahe ungegessen zurück. Aber den „Forscher“, das Gummibärchen, hatte sie aus den Tiefen des Kindergartenfrühstücks immer herausgefischt, denn eine Leckerei hatte ich immer in der Frühstücksbox versteckt.

Es brauchte Jahre bis ich für mich selbst wieder die Frühstücksdose mobilisierte. Es begann nachdem ich mich nach jahrelangem Raucherdasein von Glimmstengel & Co. getrennt hatte. Bis dahin konnte ich nach einem Frühstück, bestehend aus einer Zigarette und einer Tasse Tee nach englischer Art, oft nüchtern, mit weiteren Zigaretten zwischendurch, bis zum Spätnachmittag durchhalten. Zwar bekomme ich nach sieben Jahren rauchfrei immer noch nicht morgens vor der Arbeit mehr als die Tasse Tee in mich hinein, aber zur ersten Pause brauche ich jetzt was zum Beißen. Anfangs futterte ich mich blind durch das Angebot unseres Pausenverkaufsstands und ich fing mit Mitte 40 tatsächlich noch mit Naschen an! Vor allem letzteres zeigte sich recht schnell und deutlich rund um Bauch und Hüften. Zum Glück fiel mir irgendwann die alte Frühstücksdose meines Sohnes in die Hand, die er 1994 zu seiner Einschulung von der Stadt Böblingen geschenkt bekommen hatte. Damals ging es der Stadt weniger um gesundes Frühstück sondern eher mehr um Müllvermeidung. Mir ging es jetzt aber um besseres Essen und vor allem gesünderes. So begann ich mir jeden Morgen meine Dosen mit einem Frühstück zu bestücken, mit dem ich satt und glücklich werde. Gegen das „Verrutschen“ von Brot und anderen Zutaten bastelte ich mir Papiertütchen, sammelte Minidöschen oder klemmte ganz einfach Radieschen und anderes nicht matschendes Obst und Gemüse dazwischen. Erntete ich vor Jahren ein Lächeln angesichts meines mitgebrachten Pausenbrotes zogen inzwischen einige Kollegen nach und wenn ich meine Schüler beobachte, sehe ich auch hier eine Wende. Es werden wieder mehr Frühstücksdosen verwendet und es sind nicht nur „langweilige“ Brote drin.

Egal welche Variante, Bento- oder Brotbox, gewählt wird, dafür muss morgens früher aufgestanden werden, denn etwas Aufwand macht die Mahlzeit zum Mitnehmen schon. Bloß muss es für uns Mitteleuropäer das japanische Bento mit Reis sein? Ich mag Reis, sogar in ziemlich vielen Variationen – allerdings nicht süß – doch frage ich mich, was eigentlich gegen ein leckeres Brot spricht. Deutschland hat weltweit die meisten Brotsorten durch die vielen Getreidesorten, die hier angebaut werden. So wird Brot hier wirklich nicht langweilig, ganz besonders dann, wenn dann noch darauf, daneben, rundherum eine Vielfalt an Abwechslung gepackt wird.

Meine Brotbox in der Tasche

Letzte Woche hatte ich nun morgens reichlich Zeit meine Bento-Brot-Box nicht nur zu bestücken, sondern auch zu dokumentieren. Ich hatte in dieser Woche versucht eine der SWR3-Reisen nach Island zu gewinnen. Das hieß nachmittags Radio hören und morgens dort Anrufen, Hoffen, und … wie bei mir eben üblich … nicht zugewinnen. Schade, denn ich hätte gerne meinen Sohn gesehen, der seit Anfang November ein Praktikum in Island macht. Nun musste ich mein Ticket selbst kaufen und bis Ostern warten – Reisen im Dezember und Januar waren für mich unerschwinglich. Die Waschmaschine wollte eben genau jetzt kaputt gehen und ohne eine solche geht Haushalt nun mal gar nicht …

Montag

dunkles Körnerbrot
Senf
saure Sahne
Le Moulis, Ziegenschnittkäse aus den Pyrenäen
Rucola
Datteltomaten
Walnüsse
1 Schoko-Leckerchen
und als Tee dazu: Rotbuschtee mit Orange

Dienstag

Bauernbrötchen
Ziegencamembert
Tomatenmarmelade
Friseeblätter
Karotte
Radieschen
2 Stück Schokolade
und als Tee dazu: Früchtetee mit Hagebutte und schwarzer Johannisbeere

Mittwoch

Pumpernickel (kleine, runde Scheiben)
pflanzlicher Brotaufstrich: Tomate / Paprika
Mandeln
Apfel
Datteltomate „zum Festhalten“
und als Tee dazu: Pukka-Tee Drei Tulsi

Donnerstag

Bauernbrot
körniger Frischkäse
Salatgurke
Radieschen (2 zum „Festhalten“, 1 aufs Brot)
Dolmades (mit Reis gefüllte Weinblätter)
Karotte
und als Tee dazu: Yogi-Tee Sweet Chai

Freitag

Roggenbrot
Ziegenfrischkäse
Gjetost in Röllchen (norwegischer, karamellisierter Ziegenkäse)
Radicchio
Minipaprika
dunkle Trauben
Cashewkern
2 Schoko-Leckerlis
und als Tee dazu: Pukka-Tee Lemongras

Wenn es durch neue Bezeichnungen wieder „in“ ist ordentlich in den Pausen auf Arbeit zu essen ist es das beste, was wir unserer Gesundheit antun können.

Verzeiht die Bildqualität. Zum einen sind die Bilder gaaaanzz früh morgens entstanden. Denn zum Gewinnen musste schon morgens um 5 Uhr das Radio eingeschaltet werden (im Ernst, ich habe das die ganze Woche gemacht!). Und so früh morgens ist die Lichtqualität eben nicht besser, als das was die Lampe von der Decke liefert. Zum anderen ist mein Rechner seit dem Update auf MountainLion und dem neuen Parallels eine Schlafmütze. Bevor Parallels, Windows samt Photoshop geöffnet sind, sind die vorher aufgesetzten Kartoffeln gar und noch kein Bild bearbeitet. Das muss (s)ich ändern.

Weißer Herbst

oder …

Zieht euch warm an und gönnt euch was Leckeres

„Äh, bäh, pfui“ waren meine ersten Gedanken, als ich heute morgen den Rollladen hochzog und aus dem Fenster schaute. Der Wetterbericht hatte tatsächlich eine zutreffende Voraussage geliefert, leider.
Und es wurde den ganzen Tag nicht besser.
Schnee und Kälte sind definitiv nicht mein Wetter. Vor allem nicht schon im Oktober!!!

So macht Autofahren keinen Spaß.

Ich glaube, auch die Bauern freut das feuchtkalte Zeugs nicht.

Was bleibt uns übrig in diesen Breitengraden?
Warm anziehen und was gutes kochen :D!

Das Strickzeug, es soll eine Art Tunika werden wächst langsam, sehr langsam. Denn heute fiel mir in einer unachtsamen Minute mitten im Patentmuster eine Masche und ich musste ALLES wieder auftrennen.

Wenn das Strickwerk etwas wird stelle ich die Anleitung in den Blog. Jetzt hoffe ich erst einmal, dass ein weiterer Maschenfall ausbleibt.

Zum Magen und Seele wärmen haben mein Sohn und ich heute wieder zum Essen die japanische Versuchsküche geöffnet. Vor einiger Zeit hatte ich ihm einige Original-Zutaten plus einer Kurzanleitung zu Okonomiyaki geschenkt und er ist bisher nicht dazu gekommen es auszuprobieren. Bevor er nun für ein halbes Jahr für ein Praktikum nach Island geht wollten wir endlich wissen, wie das funktioniert und ob es uns tatsächlich schmeckt.
Vor ein paar Tagen hatten wir schon herausgefunden, dass uns eine wichtige Zutat fehlt: Dashi.
Das ist letztlich nichts anderes als eine Brühe aus Instantpulver, allerdings aus Fisch bestehend.
Hmm, ich lebe vegetarisch.
Aber ich habe es trotzdem gesucht und im Asienhaus in Tübingen bekommen.

Jetzt wollte ich es genauer wissen, wie Japaner Okonomiyaki herstellen und bemühte Youtube. Schon beim Eingeben von Okonomiyaki wurde mir „Cooking with dog“ als Treffer angeboten und ich erinnerte mich, dass meine Tochter davon berichtet hatte und wie hilfreich diese Videos für ihre japanischen Kocherfahrungen waren. Allerdings konnte ich mir bei der Eingangswerbung und dem Beginn des Videos ein breites Grinsen nicht verkneifen.

Was folgte war dennoch eine schlüssige und nachvollziehbare Erklärung wie diese Art an japanischem Pfannkuchen, oder japanischer Pizza zubereitet werden kann.

Hier erst einmal der Link zum Originalrezept des Okonomiyaki von „Cooking with dog“.

Wir änderten die Zutaten allerdings etwas.
Backpulver und die Bergyamswurzel ließen wir weg, auch den Oktopus und die Shrimps denn ich wollte als Veggie ja auch mitessen.
Stattdessen schnitten wir 50 g Steinpilze und ein Stück roten Paprika hinein. Den Speck verteilte ich so, dass ich meinen Abschnitt hinterher hatte,
und …

es war lecker, superlecker, Seelenfutter.
Dabei war es mir letztlich egal, dass Dashi eigentlich Brühe auf Fischgrundlage ist und die Bonito-Flocken getrocknete Thunfischraspeln sind.

Allerdings werde ich für mich selber in Zukunft das Mehl für den Grundteig mit Gemüsebrühe anrühren und statt der Bonitoflocken etwas Käse über den/das Okonomiyaki reiben.

Ostern ist zu Ende #1

oder …

Der Untergang der Osterhasen – extended version

Da stehen sie wieder, die Schokoladenosterhasen des Jahres, geliebt und ungegessen.

Sie stehen da, wie die Weihnachtsmänner des Jahres 2011, viel zu schade zum Auspacken aus diesen glänzenden Kostümen und überhaupt viel zu hübsch für ein Massaker! Osterhasen und Weihnachtsmänner einfach so aufessen? Geht nicht! Das grenzt an Kannibalismus!

So blieben einige Jahre lang vor allem unsere Weihnachtsmänner erhalten und wir konnten dabei den Zeitgeist mit seinen Stilveränderungen beobachten. Weihnachtsmänner scheinen auch modisch angepasst zu werden. Die Osterhasen kamen meistens in den „Notfutter-Korb“ bei mir in der Schule (Oh, über diesen könnte ich auch einmal posten!) und fanden ein schnelles Ende.

Als dann ein Pärchen Lebensmittelmotten die Weihnachtsmann-Sammlung trotz abgelaufenem Verfallsdatum doch noch lecker fand und ihre Familie darin gründete kam es zu einem schnellen Abschied:
Tonne auf, Weihnachtsmänner rein, Deckel zu.

Schade, schade, schade.

Weihnachten ist vorbei, jetzt war Ostern und die Zeit der Schoko-Osterhasen. Wie die Kollegen mit der roten Mütze erleiden sie traditionsgemäß in unserer Familie das gleiche Schicksal. Nach dem ersten „Oh sehen die niedlich aus“, ist jeglicher Appetit auf diese vergangen.
Zur Erklärung, wir hatten über Jahre ein Kaninchen als Haustier, Sunny, und alles was irgendwie an Kaninchen erinnerte wurde in der Zeit vom Speiseplan gestrichen. Selbst Katze Butzele, als Feriengast, bekam kein Futter mit Kaninchen, um ja keinen Appetit auf das schwarz-weiße Fellmonster auf unserem Balkon zu bekommen. Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als völlig unnötig. Sunny zeigte Butzele, als echte Kampfhäsin, wer hier der Chef im Haus ist und Butzele akzeptierte Sunnys Revier schon nach der ersten Attacke ohne weitere Annäherungsversuche.

Die Lösungsansätze:

  • Wenn schon Abschied, dann muss dieser schnell sein (siehe Mottenattacke).
  • Schnell auspacken, abbeißen und schlucken geht nicht.

 

Vor Ostern ist nach Ostern
  • Wenn schon Weihnachtsmänner und Osterhasen essen, dann darf es nicht mehr an diese erinnern.
  • Eine Formveränderung muss her!
  • Zerhacken = Sauerei.
  • Schokolade schmilzt (Wer hatte noch nie eine Schokoladentafel im Handschuhfach des Autos vergessen?).
  • Geschmolzene warme Schokolade ist „äh, bäh!“
  • Geschmolzene warme Schokolade, die dann abkühlt ist noch mehr „bäh!“
  • Aber Sahne in der Schokolade schmilzt … hmmm … da gibt es ein Rezept von Wolfram Siebeck, zeitlos lecker, immer gut: Schnelle Mousse au chocolat!!!

„Weihnachtsmänner und Osterhasen, zieht euch warm an, ähm, eher aus!“
Es geht …

Ab in den Topf! 

Der Topf!

 

Sahnebad für neugierige Hasen – 400 g!

 

Cleopatra ging auch in Milch und Sahne baden!

 

Achtung, flüchtende Hasen!

 

Ausziehen, erster Versuch!

 

Ausziehen perfekt.

 

Ab ins Sahnebad unter den Augen Cleopatras – 4 Hasen oder 200 g.

 

Es tut sich was …

 

Es schmilzt …
… und schmilzt …

 

… einmal umrühren und ab in den Kühlschrank!

Die Glöckchen für das geplante Katzenspielzeug weggeräumt und die „Kostüme“ in die Wertstofftonne.

Jetzt heißt es warten.
24 Stunden Sibirien im Kühlschrank für die Hasenschmelze in Sahne und es kommt zum nächsten Schritt.

Frisch aus dem Kühlschrank …

 

… schnell steif schlagen und …

 

in Gläser abfüllen.

Osterhasen – Mousse au chocolat, ohne Ei, Wasserbad und andere Kniffligkeiten.

Lecker!

Ostern ist zu Ende #2

oder …

Der Untergang der Osterhasen – Kurzversion

oder …

Das Rezept für Mousse au chocolat
nach Wolfram Siebeck (aus Festmenü Teil 4 von 1994) x-fach veröffentlicht im Internet, z. B. unter dieser Adresse oder dieser, aber ihr könnt auch mich fragen, um das …

aus dem

zu bekommen:

200 g Schokolade oder 4 Osterhasen
400 g Sahne

Alles zusammen schmelzen lassen und ab in den Kühlschrank für 24 Stunden.
Die abgekühlte Masse wie Sahne steif schlagen und in Portionen, Gläser, Schüsseln abfüllen und servieren.

Das war es – kurz, knapp, köstlich – lecker!

4. Advent

oder

Mutter Annas – Tag
Der größte Teil unserer am 1. Advent gebackenen Weihnachtskekse ist in der Regel schon vor Heiligabend vertilgt wenn ich mich kurz vor dem Fest noch an Annas butterzarte Schokomandelwürfel wage. Jetzt ist die Bauchregion schon genug in die Breite geweitet, dass dieser sündhafte Genuss auch nichts mehr ausmacht.
Warum wir diese Leckerei Mutter Annas nennen weiß keiner mehr so richtig, genauso unklar ist die Herkunft des Rezepts. Ich bekam es von einer Freundin weiter gereicht, die es selbst schon von jemandem hatte und diejenige von jemanden anderen, die es von noch jemand anderen irgendwoher herauskopiert bekommen hat.  Entsprechend sieht die Kopie der Kopie der Kopie auch aus. Gerade noch lesbar mit zum Alien mutierten Lebkuchenmann.
Hauptbestandteile sind, wie der Originalname verspricht: Schokolade und Mandeln, Zucker, viel Butter und Eier, aber nur ganz wenig Mehl.
Ganz genau:
500 g grob gemahlene oder gehackte Mandeln
2 Tafeln zartbittere, geraspelte Schokolade
135 g Zucker
135 g Butter
35 g Mehl
1 Päckchen Vanillzucker
5 mittelgroße Eier
3 Esslöffel Rum, optional
2 Packungen Kuvertüre
Die Mandeln kaufe ich gestiftelt, das ist dann nur noch die halbe Arbeit sie mit dem Messer zu hacken.
Die Schokolade zu reiben artet leicht in eine Schmiererei aus, weshalb ich lieber mit kleinen Stücken arbeite und die Reste dann wieder mit dem Messer hacke.
Alle Zutaten …
 … gut vermischen.
Die Masse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech ungefähr 1 cm hoch verteilen und im vorgeheizten Backofen ca. 18 Minuten bei 175°C backen.

Gut auskühlen lassen.

UND

Vor gierigen Katern schützen!
Chewie liebt Schokolade und findet selbst den kleinsten Krümel. Zur Not holte er sich das Schokoladenpapier aus dem Mülleimer. Ewig hungriger Harry leistete bisher immer gute Vorarbeit und brachte jeden noch so verkeilten Mülleimerdeckel auf um an Wurst-, Käse- und Butterpapier zu kommen, oder an die leeren Katzenfuttertüten. Das was er nicht verwenden wollte, wie Schokoladenpapiere überließ er gnädig seinem Bruder. Allerdings ist für die beiden seit einer Woche diese Spielwiese geschlossen. Der neue Mülleimer schließt deutlich besser und Harry kam bisher nicht hinter den Schließmechanismus. Ich traue es ihm jedoch zu dieses Problem zu lösen.

Zurück zu Mutter Annas. Nachdem das Gebäck ausgekühlt ist wird die Oberfläche mit geschmolzener Kuvertüre bestrichen.

Ist die Schokolade ausgehärtet werden kleine Würfel geschnitten. Spätestens jetzt ist es Zeit für eine erste Kostprobe – und da muss es nicht unbedingt ein Randstück sein 😀
Damit nicht alles im Magen und danach auf den eigenen Hüften landet sollten die Würfel so schnell wie möglich in Blechdosen zum Verschenken verpackt werden.

Nicht vergessen, eine Dose bleibt im Haus :D!!