Fünfzehn Fakten über mich und den Sommerurlaub

oder …

Die Magie von Inseln und dem Norden

 

In der Gegend in der ich aufwuchs konnte sich fast keiner einen Sommerurlaub leisten. Die Siedlung war, wie viele andere Stadtteile, Anfang der 1960er Jahre für all die Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und der späteren DDR aus dem Boden gestampft worden. In erster Linie bemühten sich die Familien sich ein neues Leben aufzubauen; da war kein Geld für Urlaubsreisen übrig. Man hatte für die Sommermonate eine Dauerkarte für das Schwimmbad, füllte morgens eine Sprudelflasche mit kaltem Tee, Mutter schmierte ein paar Brote und dann machte sich die (Kinder-)Kolonne auf den Weg zur Abkühlung.

Höhepunkte waren eine Bahnfahrt zum Blühenden Barock mit seinem Märchengarten rund um Schloss Ludwigsburg, oder ein Besuch der Wilhelma, dem Zoo in Stuttgart.

Luxustage, wenn der Vater über das Wochenende den Firmenwagen privat nutzen durfte und wir in den Schwarzwald, auf die Schwäbische Alb oder an den Bodensee fahren konnten.

Irgendwann war „Adria“ das Zauberwort. Wie sich das anhörte: „Ahh.driii.ahhh!“ – hach! So klingt Sonne, Meer, Eis. Noch ein Seufzer. Der erste Wohnwagen stand an der Straße und wir vergaßen beinahe unseren Weg in Richtung kühles Bad: „Mann, die fahr’n an die Adria!“.  Ich durfte dafür zu meinen Großeltern nach Leutenbach, auf der anderen Seite von Stuttgart!

1 Urlaub bei Oma

Wir waren fünf Enkelkinder, doch vor allem mein Cousin und ich entwickelten eine Art Oma-Tourismus. Jeder von uns beiden buchte Oma für zwei Wochen in den Sommerferien und Oma machte mit. Opa auch, was bei seinem etwas schwierigem Charakter selbst über die Jahre nach seinem Ableben noch verwundert.

Von meiner Großmutter lernte ich, dass Urlaub auch einfach ein paar Stunden weg von zuhause sein kann, dass Qualität und nicht die Quantität entscheidet. Von ihrem Beispiel aus entwickelte ich eine ähnliche Tendenz zu Handtaschen mit einer Grundausstattung für alles. Wie sonst konnte mein Sohn, Jahre später, an einem griechischen Sandstrand auf die Idee kommen mich zu fragen, ob ich denn zufällig eine Rolle Tesafilm dabei hätte. Hatte ich zwar „ausnahmsweise“ 😀 nicht, aber er fand den 3 mm Holzbohrer und das angebrochene Tütchen Zucker zusammen mit ein paar Büroklammern, der Schraube und dem Stück Kreide in meinem Mäppchen-Sammelsurium als Alternative super.

Mit Oma Herta gab es Besuche in der Backstube von einer Bäckerei, die noch selber Einback und Zwieback herstellte. Mit Oma wanderte ich, wenn Opa aus dem Haus war, durch die Landschaft um Tiere, Vögel, Insekten zu beobachten. Wir sammelten Blumen, flochten Kränze, sammelten Beeren, Kräuter, Früchte. Und wenn das Wetter nicht so mitmachte gingen wir in die Wilhelma in Stuttgart oder Oma saß an der Nähmaschine, ich daneben sitzend, mit Stoffresten und Garnen spielend, nebenbei häkeln, stricken und nähen lernend.

2 Österreich – Salzburger Land

Der erste richtige Sommerurlaub führte meine Familie ins Salzburger Land.

Mein Vater hatte Überstunden bis zum Abwinken gemacht, um uns diesen Urlaub zu ermöglichen. Wir lebten so sparsam in diesen Tagen, dass das Geld am Ende noch für den Urlaub im nächsten Jahr reichte. Es schreckte uns auch nicht das unbeständige Wetter, meist waren es verregnete Tage im August, der Zeit der Handwerkerferien. Doch im Rückblick finde ich, dass meine Eltern ein gutes Händchen in der Wahl ihrer Quartiere dort hatten. Urlaub auf dem Bauernhof auf der Höhe einer Zwischenalm war das Beste, was mir und meinem Bruder als Kinder angeboten werden konnte. OK, mir bekam gesundheitlich die Höhenluft nicht so gut, aber das drumherum war einfach nur genial natürlich schön. Abends nicht einschlafen zu können weil von draußen keine Autogeräusche zu hören waren, sondern nur das Rauschen von Bäumen im Wind, dem Gurgeln und Gluckern vom Bach, ab und an das Muhen einer Kuh, das Bimmeln der Kuhglocken, … war anfangs ein Problem für mich und meinen Bruder als Stadtkinder.

Doch der Blick morgens auf die Berge vom Bett aus – überwältigend.

Ganz viele Jahre später war Österreich durch den Tauchsport meines Sohns wieder eine Adresse. Vor allem an den Plansee ging es häufig und ich konnte in dem Funkloch dort herrlich gut abschalten!

Plansee Juli 2008

3 England

Am Ende von meinem zweiten Jahr Englisch an der Schule stellte meine damalige Klassenlehrerin uns Schülern eine pen-pal-Aktion vor. Das hörte sich Anfang der 70er-Jahre schon mächtig reizvoll an, richtig exotisch, die Chance sich mit anderen Schülern weltweit in Brieffreundschaften schriftlich austauschen zu können. Klar machte ich mit und erzählte meinem Onkel davon, bzw. ich holte mir mit meinem begrenzten Wortschatz in Englisch Hilfe bei ihm als Englischlehrer. Er führte seit seiner Studenzeit auch eine Brieffreundschaft mit einer englischen Familie, mit der er Zeit seines Lebens auch Kontakt hielt. Über diesen Weg erhielt ich neben den Adressen aus Australien, Norwegen, Indonesien, Südafrika und Pakistan auch Kontakt zu einer Brieffreundin im Süden Londons. Die Kontakte hielten teilweise bis über meine Realschulzeit hinaus, zwei dieser Brieffreundinnen lernte ich dann auch direkt kennen. So kam ich mit 15 zu meinem ersten Flug, der mich zu Jane aus Coulsdon in England führte. Voll cool! Vor allem ihre Eltern, der älteste Bruder und ihre Freundinnen 😉 !

Bis zu diesem Besuch war mir britischer Humor völlig unbekannt (klar, als 15-jähriger) . Ich durfte ihn hautnah in realen Situationen kennenlernen und erleben, zum Beispiel als wir unterwegs nach Eastbourne mit dem Auto liegen blieben. Das Auto war ein Vorkriegsmodell, mit ganz viel Holz in der Innenverkleidung bzw. -ausstattung. Es fuhr selbst in guten Momenten vielleicht 80 km/h und hatte so seine Probleme bei Steigungen. Auf halber Höhe von den Hügeln dampfte es unter der Motorhaube hervor und man musste an den Randstreifen zum Abkühlen anhalten. Bei einem dieser vielen Zwischenstopps gab es dann mal eine zarte Anfrage von der Gastmutter, ob es nicht doch mal an der Zeit für eine neues Auto wäre. Gastvaters Antwort:

„An old pal doesn’t need a new machine!“, machte die Motorhaube auf, spuckte einmal auf den Motor, Deckel zu und das Auto fuhr, „an old car doesn’t need a mechanic!“

 

Später wurde England Familienland, da mein Bruder dort seine Familie gründete. Meine Kinder lernten so spielend Englisch bei Besuchen und Urlauben, leider meine Nichten und Neffen kein Deutsch. London und die Gegend rund um Torquay in Devon, ließ sich mit oder ohne cream tea and scones immer genießen.

 

 

4 Österreich – Kärnten

Endlich ein Badeurlaub!! Meine Freundin und ich hatten uns so sehr einen Urlaub am Meer gewünscht und wir hatten alles versucht umd unsere Eltern zu solch einer Unternehmung zu überreden. Keine Chance. Wieder keine Adria, aber auch keine Aussicht an Nord- oder Ostsee. Unsere Eltern wollten in den Bergen wandern. Tja, da war Kreativität und eigenes Handeln angesagt. Wir gingen zu zweit ins Reisebüro und ließen uns beraten, holten Angebote ein – das ging auch ohne Internet – und schafften unsere Eltern von der gefundenen Alternative zu überzeugen. Wir fuhren gemeinsam nach Seeboden am Millstätter See in Kärnten. So hatten wir Mädels den Badeurlaub und abends die Disco, der Rest der Familie konnte sich in den Bergen tummeln.

 

5 Dänemark, Norwegen und Schweden – Interrail

Meine Liebe zu Skandinavien entwickelte sich mit meinen ersten eigenen Büchern, die zum größten Teil ihre Schauplätze im Norden hatten und es spielten immer wieder auch Tiere, vor allem Vögel, eine Rolle. Da kam mir das Angebot der Bahn zum halben Preis durch Deutschland fahren zu können und sonst durch ganz Europa (und Marokko) kostenlos sehr gelegen. So fuhr ich mit meinem Bruder und einer Studienkollegin kreuz und quer durch Skandinavien, was sich als schwieriger herausstellte als gedacht. Die Bahnstrecken in Norwegen bilden kein Netz sondern eher einen Stern, alle Linien führen irgendwie wieder zurück nach Oslo oder Trondheim. Doch ich konnte meine andere, damalige, Brieffreundin, Tone, im Süden Norwegens treffen.

Mich überwältige die Natur, die Fjorde, die Leere, das Meer und ich wusste, dorthin fahre ich wieder. Doch vorher, mussten wir wieder heim, allerdings mit Umweg. Da wir noch zwei Tage auf dem Interrail-Ticket übrig hatten stiegen mein Bruder und ich in Kopenhagen in das Zugabteil nach Paris und nicht nach Stuttgart.

6 Frankreich

Zu Fuß durch Paris, weil meinem Bruder und mir das Geld fast ausgegangen war:

Gare du Nord – Gare de l’Est (Rucksäcke ins Schließfach) – Le Centre de Pompidou – Notre Dame – Place de la Concorde – Tour Eiffel – Sacre Coeur – Gare de l’Est (Rucksäcke abgeholt) und ab in den Zug nachhause. Es war ein toller Tag, an den ich mich gerne zurück erinnere.

Mit der nächsten Reise begann meine Liste an Rundreisen, denn es ging von der Normandie aus, immer schön der Küste entlang, bis kurz vor Bayonne zuerst in die Pyrenäen. Dort bestätigte sich wieder wie wenig ich mit Höhenluft zurecht komme. Nach dem dritten Pass ging es mir so schlecht, dass Andorra links rechts liegen gelassen wurde. In Südfrankreich angekommen war die Küste so überlaufen, dass es mit Saintes-Maries-de-la-Mer auch nichts wurde, trotzdem schön im Hinterland, denn wir kamen immer wieder.

Bretagne Juli 1979

7 Italien

Südtirol war das Hauptziel von meinen eigenen Schullandheimaufenthalten. Die Toskana musste natürlich auch mal sein, doch richtig herrlich war Sizilien im Herbst 2016, weniger schön die mitgebrachte Lungenentzündung.

Landschaft bei Montalcino, Ostern 1984

8 Sylt

Nach den erfolgreichen Kärnten-Urlauben versuchten meine Freundin und ich die Eltern nun von der Nordsee zu überzeugen. Ich hatte Erfolg, allerdings durch unerwartete Mithilfe. Mein Vater hatte bei Gesprächen mit einem Kunden über Urlaub und Urlaubspläne gesprochen, Erfahrungen ausgetauscht, konträre Familienwünsche beklagt und hatte irgendwann nicht nur eine Urlaubsadresse abends mit nachhause gebracht, sondern schon dort angerufen. OK, es war nicht Föhr, Amrum oder Sylt, sondern nur Büsum, aber an der Nordsee! Leider ohne Freundin und ihrer Familie, die fuhr wieder nach Kärnten.

Büsum blieb für meine Eltern lange das liebste Reiseziel und später übernahm mein Großvater diese Ferienadresse. Mich zog es aber noch weiter in den Norden.

Die ganz große Liebe, die durch die Familie vom Vater meiner Kinder entstand, ist und bleibt Sylt. Hier erholte ich mich nach der Geburt meiner Tochter um Kraft zu tanken! Hier verbrachten wir auch den ersten Familienurlaub mit schwerkrankem Kind, weitere Urlaube dort sollten folgen und später verbrachte ich meine Herbstferien dort.

Sylt Weststrand Oktober 2008

9 Schweden und seine Inseln

Öland Neptuns Äcker 1982

10 Kreta

Durch meine Freundin aus Studententagen kam ich nach Kreta. Ganz spontan hatten wir beiden unsere Kinder und etwas Gepäck eingepackt und flogen mit einem Billigflieger los. Verspätet gestartet ging im Flugzeug der Proviant aus. Er reichte nur für die Passagiere in den ersten Reihen und ich sehe noch, wie meine Freundin entrüstet aufstand und der Stewardess die letzte Dose Bier aus der Hand riss – die tranken wir dann bei Sonnenaufgang, als wir völlig übermüdet im Süden Kretas angekommen waren und uns beinahe mit der Machete durch Gestrüpp zu ihrem Häuschen durcharbeitet hatten. Auch nach Kreta kamen wir nicht nur einmal, doch am schönsten ist und bleibt der Süden.

Chania Juli 2001

11 Spanien – Costa Brava

Und zwischendurch geht es immer wieder zum Seele baumeln lassen zu meiner anderen Freundin, die seit ihrer Pensionierung in Spanien, an der Costa Brava, lebt.

Tossa de Mar 2015

 

Dem Kind zuliebe auch mal Urlaub alles inklusive. Hat was, wenn man sich um fast gar nichts, außer dem Tauchgerödel, kümmern muss. Zudem machte es großen Spaß zusammen mit den anderen tauchenden Vereinsmitgliedern unterwegs zu sein. So kam ich auch in Länder in die ich als überzeugte Alleinreisende sonst nicht reisen würde, wie …

12 Kuba und

Kuba, Juni 2005

13 Ägypten

Abseits von den ganz großen Touristenhochburgen Hurghada und Sharm-el-Sheik sieht die Welt schon ein wenig anders aus und tagsüber auf dem Boot ging es auch die Hitze zu ertragen. Absoluter Höhepunkt wurde jedoch ein Ausflug nach Jordanien zum Weltkulturerbe Petra.

Schlucht vor Petra, Jordanien, Mai 2012

14 Adria 😀

Endlich, bloß nicht wieder und dann doch noch einmal – Tauchurlaub für den Sohn, Schnorcheln für mich. OK, ich war nur in Kroatien, genauer in Istrien, aber nee, nur nett und nicht mein Ding. Nun stelle ich auch noch fest über die letzte Reise dorthin, 2014, nicht gebloggt zu haben.

Amphitheater in Pula, Istrien 2014

15 Island

Was soll ich dazu sagen 😉 – ich werde wieder dorthin fahren. Ganz sicher. Noch sind nicht alle Bilder von der Reise in diesem Jahr gesichtet und sortiert. Kommt noch. Hier und hier gibt es Berichte der letzten Reisen.

 

Mehr Geschichten über den Sommerurlaub gibt es bei Astrid!

Bis die Tage.

58 – 58 – 58 + + plus

oder …

Ein Jahresrückblick zum Geburtstag und wie es ist auf die 60 zuzugehen!

Während ich beginne diesen Bericht zu schreiben bin ich an einem herrlichem Ort, weit weg von zuhause, die Sonnenstrahlen, die mich erreichen, wärmen mich tatsächlich. Ich sitze auf einer Terrasse, über mir hängen, leider noch unreife, Kiwis in Mengen und hinter mir ragt der Ätna empor – mein Geburtstagsgeschenk an mich.

Ich kann es selbst kaum glauben meinen Jahrgang mit Lebensjahren eingeholt zu haben! Die Kilos auf meinen Hüften hatten es vor einem Jahr schon geschafft die 58 zu überholen und in den letzten Monaten noch einiges drauf gelegt.

Gute und bewusste Ernährung kann ab einem gewissen Alter nicht den Bewegungsmangel kompensieren, egal welche Gründe dieser haben mag. So schnalle ich meinen Gürtel zwei Löcher weiter, als vor einem Jahr. Und komme mir jetzt keiner mit:

„Boah, für 58 siehst Du ja echt (noch) gut aus!“

Mann, was soll DAS denn heißen? Geht mir doch alle vom Acker! Ich konnte mit 18 schon nicht gut mit Komplimenten umgehen und daran hat sich wenig geändert. Was soll da schmeicheln, wenn der Blick in den Spiegel trotz altersbedingter Sehschwäche statt jugendliche Pickel Runzeln erkennt und die Waage niemals lügt? Nee, an meinem 58sten war ich morgens erst einmal, in weiser Voraussicht, auf Krawall gebürstet. Grr, bösen Blick aufgesetzt und ab … wie vor 36 Jahren! 😉

karin-anno-1980

Kurz vor der Entstehung dieses Fotos hatte ich einen halben Meter Haare aus Liebeskummer geopfert und mir einen Pony zum Verstecken verordnet, fand Chrissie Hynde von den Pretenders obercool und alles um mich herum (echt Sch ….) blöd. Ein Jahr später stand ich eigenverantwortlich vor einer Klasse mit SchülerInnen in der finstersten Provinz Baden-Württembergs. Angereist mit einem blauen 2CV4, mit einem chinesischem Drachen auf der Motorhaube, und mit Schlangenmotiven bestickten Jeans bekleidet war ich bestimmt nicht die Traumbesetzung dieser Lehrerstelle. Das Jahr darauf fuhr ich, inzwischen an einer anderen Schule, im Auto eines Kollegen hinter dem Bus mit unseren Schülern zu einem Schullandheimaufenthalt ins Allgäu und er hatte mir eine Kassette der Pretenders im Recorder platziert! Woohoo, „Brass in Pocket“ und „Stop your Sobbing“ – ich liebe die Songs immer noch! Arno, where ever you are – danke!

Stop your sobbing, lamentieren kann ich später

Die zwölf Monate meines 58. Lebensjahrs hatten es gesundheitlich nicht gut mit mir gemeint. Depressionen, Panikattacken, Lungenprobleme und dann der Armbruch ließen mich tüchtig alt fühlen, wie aussehen. Viele mir wichtige Dinge musste ich lassen, oder mir fehlten Kraft und Willen sie durchzuführen. So sagte ich unter anderem Reisen ab oder schob Planungen dazu auf, bzw. in die Schublade. Mein inzwischen 16 Jahre altes Auto muss also noch eine Weile durchhalten, in der Hoffnung, da ja manches mit dem Alter besser wird, dass wir 2017 oder 2018 zusammen Irland erkunden werden.

Den Umbau in meiner Wohnung schob ich weiter auf, dafür zog Kater Chewbaccas kleiner Neffe bei uns ein. Der Kleine bringt uns zwei Alten ganz schön auf Trab und wieder in die Spur. Chewie muss sich behaupten und ich mich bewegen! 😉 Richtig sportlich war ich nie, doch immer in irgendeiner Form aktiv in Bewegung. Schwimmen, Laufen, Walken, Fahrrad fahren, etwas Kraftsport hielten mich fit und in Form, abgesehen von den Schäden, die meine Schwangerschaften hinterlassen hatten. Doch bei aller Übung nimmt mir Laufen, Springen, Hüpfen ab und an schwer die Puste und beim sich Bücken klappt das Runter per Schwerkraft oft eindeutig besser als das Aufrichten. Dabei scheinen flugs mal die Muskeln ihr Spannungsvermögen vergessen zu haben.  Keine optimalen Voraussetzungen beim Fotografieren. So landete ich, plumps, satt mit Po, in über 2000 m Meereshöhe, auf einem stacheligem, wenn auch hübschen, Gewächs. AUA!  Astragalus siculus tut richtig weh! So geschehen auf meiner kurzfristig (un)geplanten Reise nach Sizilien, einem meiner zwei Geburtstagsgeschenke an mich. Wie ich die Stacheln oder Dornen, so genau habe ich in dem Moment nicht hingeschaut, aus meinem Hintern bekam war eine andere Sache. Eins von den Teilen hatte sich in einer Naht meiner Jeans versteckt gehabt, so dass ich auch am nächsten Tag noch etwas von diesem Unfall hatte.

58 zu werden, ist kein Drama. Es kommt wie’s kommt und (man) ich muss das beste daraus machen, also die Zipperlein im Zaum halten, das Nervenkostüm pflegen und die Substanz schützen. Ich will nach 38 Arbeitsjahren die nächsten acht bis zur Pension nicht nur durchhalten, sondern noch etwas daraus machen. Den Anfang dazu habe ich gemacht, als ich vor drei Jahren die Betreuung des Schulgartens übernahm und nun im Herbst die Ausbildung zur Kräuterpädagogin begonnen habe. Im Schuljahr 2015/16 nahm meine Schule mit unserem Garten bei der Schulgarteninitiative in Baden-Württemberg teil. Unser Garten-Konzept – ein zum größten Teil von Schülern angelegter und gepflegter, kultivierter Nutz- und Staudengarten – brachte uns eine Auszeichnung und einen Geldpreis ein. Woohooo! Ich bin riesig stolz auf meine SchülerInnen. Von März bis Juni konnte ich mit meinem gebrochenen Arm nur Anweisungen geben, die Umsetzung lag allein in ihrer Hand. Vieles lief anders, als geplant. Noch viel mehr lief besser! 🙂 Manches musste neu durchdacht und anders umgesetzt werden. In der Summe ist es einfach toll SchülerInnen vermitteln zu können wieviel wertvolles unsere Natur bietet. Als ich ihnen erklärte: Unkraut gibt’s nicht wirklich. Es sind meist Pflanzen die an falscher Stelle wachsen! sah ich nur verdrehte Augen, im Sinne von „was will die Alte wieder“. Aber die Brennnesselsuppe schmeckte und die Brennnesselsamen wurden am Ende sogar ohne Handschuhe abgezupft. Getrocknet landete diese Ernte auf dem Salat und dem Butterbrot – lecker!

Was macht die Wunschliste?

Als ich den Film „Das Beste kommt zum Schluss“ (The Bucket List) mit Jack Nicholson und Morgan Freeman als Hauptdarsteller 2007 zum ersten Mal sah, dachte ich mir, so eine Liste brauchst Du auch, schrieb sie und vergaß wo ich sie ablegte. Irgendwann dachte ich wieder an die Liste, suchte sie, fand sie nicht und schrieb eine neue Liste. Letztes Jahr fand ich die alte Liste mit meinen Wünschen wieder und verglich sie mit meiner aktuellen und war verblüfft – beide Listen waren bis auf Kleinigkeiten in der Formulierung identisch. Den Ätna sehen und so weit wie mir möglich in Richtung Gipfel kommen konnte ich nun abhaken und werde auf hierundfort darüber noch berichten. Einen Punkt strich ich und setzte nach der dieser Reise in den Nordosten Sizilens einen neuen Punkt dazu:  Noch einmal Sizilien, an der Küste entlang, einmal rundherum!

Muss ja nicht gleich sein. 😉

Und was macht die Kreativität?

Langsam kommt nach dem Armbruch die Geschicklichkeit zurück. Wenn die Idee im Kopf in die Hände fließen kann um dort auch ausgeführt werden zu können, ohne Blockaden und Schmerzen, ist für mich die Welt in Ordnung. Als kleines Dankeschön gab es für meine Gastgeber ein herbstliches Blumengebinde aus Kiwi-Blättern, frei nach den Herbstrosen aus Ahornlaub. Auch ohne meine üblichen Werkzeuge und Hilfsmittel klappte das Gebinde.

 

Entlang der Costa Brava auf der Carretera Nacional N-II

oder …

Verirrt in Barcelona!

Sechs Stunden Fahrzeit für rund 160 km sollten von Pals nach Barcelona ausreichen, selbst wenn es gebührenfrei nicht über Autovia oder Autopista gehen soll. Tollstes Wetter versprachen eine angenehme Fahrt entlang der N-II (N2), der alten Nationalstraße, die von der französischen Grenze aus über Barcelona nach Madrid führt.
Noch einmal Routensuche ohne GPS und Navi, wenig unterstützt durch unübersichtliche Straßenbeschilderung, nur mithilfe einer Straßenkarte.
Noch einmal ein Stopp in Tossa de Mar um den Parkscheinautomat zu überlisten! HA! Yes! Geschafft!
Noch einmal durch schmale Straßen stromern, altes Gemäuer bewundern.
Noch einmal Küste und Meer sehen und spüren, bevor es nachhause geht.
Noch ein letztes Gläschen Rosado, gemütlich, in der Sonne mit Blick aufs Meer.
Noch ein Fläschchen Wasser mit einer Tüte Chips, vom Discounter, am Strandweg vor Bardalona.
… und dann …
Noch geschafft, gerade so, das Auto abzugeben und die Tasche aufzugeben!
Noch ein Glas Becher Wein mit Blick auf die letzten Passagiere vor mir in der Warteschlange kurz vor Boarding-Schluss auf dem Flughafen El Prat.
Ein Abenteuer.

Von Pals über Sant Feliu de Guixols nach Tossa de Mar – total entspannt

Ohne Worte.

Getting lost in Barcelona

Mit Worten.

Im Sachen verlieren und sich verirren bin ich Profi. Meine Kinder können Geschichten darüber erzählen! Häufig komme ich damit ganz gut zurecht, finde immer mein Ziel, nutze dazu Kreativität oder den Sonnenstand und habe auf den Umwegen einige richtig schöne Plätzchen entdeckt.

Getting lost is not a waste of time!

Unvergesslich sind meinen Kindern Irrfahrten in England, vor allem eine in London.
Wir waren unterwegs zu meinem Bruder und seiner Familie, die in dieser Zeit in Streatham, im Südwesten Londons wohnte. Bei der Anreise verfehlte ich auf einer der Umgehungstraßen eine Abfahrt und landete irgendwann spätnachmittags zur Feierabendzeit am Crystal Palace. Das wäre mir nicht passiert, wenn ich die Straßenkarte beim Auto packen in der Garage zuhause nicht von hier nach dort gepackt und zuletzt liegen gelassen hätte. Orientierungslos rief ich meine Schwägerin an, in der Hoffnung sie kann mir erklären wie ich von hier zu ihnen kommen kann.
Ganz so einfach war das jedoch nicht.
Selbst wenn sie ihre zwei kleinen Kinder ins Auto gepackt hätte wäre sie zu dieser Tageszeit eine gefühlte Ewigkeit für unsere Rettung unterwegs gewesen und dummerweise schloss der kleine Kiosk am Bahnhof von Crystal Palace kurz bevor ich auf die Idee kam dort eine neue Stadtkarte für London zu kaufen.
Am Ende eines weiteren Telefonats fragte ich einfach nur: „Wenn jetzt um 17:00 Uhr an meinem Standort die Sonne im Westen steht, wo liegt dann Streatham?“ – Antwort: „Im Westen!“
So fuhren wir der Sonne entgegen, bis zum Untergang. Die Kinder hatten die Aufgabe nach bekannten Dingen Ausschau zu halten, was sie auch mit Begeisterung und letztlich erfolgreich taten: „Mutti! Der Park! Der Park!“, „Da ist der Spielplatz!“, „Der icecream shop! Bekommen wir jetzt ein Eis, weil wir den entdeckt haben?“, „Sainsbury’s!“! Tolle Navi-Kinder. Den Rest des Wegs fand ich dann alleine ! 😉

Allerdings kommt an dieser besonderen Art der Stadtrundfahrten nur dann Freude auf, wenn einem kein Zeitdruck im Nacken sitzt, der Tank voll ist, man nicht in einer Sackgasse landet und es draußen noch hell ist!

In Barcelona war alles anders.
Ich war spät dran, die Sonne ging unter, der Tank war fast leer. Einzig die Sackgasse blieb mir erspart. Dafür stehe ich bei dieser Tour unverhofft an der Casa Batlló und hätte so gern einfach das Auto abgestellt und die Gegend erkundet!

Doch dazu war es zu diesem Zeitpunkt einfach zu spät.

Dieses Mal wurde Verirren anstrengend und egal was ich versuchte, es lief richtig blöd!

Es fing an als ich in Bardalona um 16:30 Uhr feststellte, die Straßenkarte mit der geplanten Route durch Barcelona fehlt! In Tossa hatte ich sie noch. Tja.
Richtig nervig wurde es als es langsam dunkel wurde.
Richtig unter Druck stand ich, nachdem ich irgendwann in einem Kreisverkehr die falsche Ausfahrt gewählt hatte, es 17:30 Uhr war, eine halbe Stunde vor Abgabetermin vom Auto am Flughafen, und ich immer noch irgendwo in den Straßenschluchten Barcelonas irgendwie im Verkehrsstrom mitschwamm. Tja.
Einbahnstraßen-Straßendschungel, mehrspurig, spärlichst beschildert und kein Piktogramm für den Flughafen weit und breit zu sehen. Tja.

Es wurde eng, verflixt eng.

Nach einer Stunde Irrfahrt ohne ein Schild mit einem Flugzeug darauf zu sehen, das zum Flughafen leitete, endlich ein bekannter Name auf einem Verkehrsschild, „Sants“, ein Stadtviertel mit einem großen Bahnhof. An einem Bahnhof stehen Taxis. Taxifahrer kennen sich aus. Rettung!
Mein Plan war ein Taxi anzuheuern um mich bis zur nächsten Tankstelle auf direktem Weg zum Flughafen eskortieren zu lassen.
OCH, NEE, Einfahrt verpasst! Ich fluchte alle mir bekannten Flüche in Rekordzeit ab, sah links von meinem Augenwinkel ein Taxi, blieb an der Ampel trotz grünem Licht stehen, ließ das Fahrerfenster runter, lehnte mich raus und signalierte hektisch gestikulierend einem Taxifahrer irgendwelche Zeichen. Irgendwie interpretierte er diese Signale total richtig als „Notstand“  (oder er wollte sich die Vorstellung, wie eine Bekloppte versuchte aus dem Fahrerfenster zu hechten, komplett anschauen), hielt auch an und blockierte damit die andere Spur.
Ich: „Airport?“
Taxifahrer: (es klang wie …) „Huch!“
Ich: „Which way? (ich zeigte auf den Kreisverkehr) First right, second right, straight, ….?“
Taxifahrer: (es klang wie …) „Häh?“
Ich: „Please!!! I’m lost! Airport?“
Es hupt um uns herum ohne Ende!
Taxifahrer: „Right, primera (… verstand ich nicht … ), then bridge.“
Ich: „Primera right or left (ich wedelte meine Hände)?“
Taxifahrer deutete auf meine linke Hand.
Das Hupkonzert steigerte sich. Die Ampel wurde rot! Zeit gewonnen! Ich vergewisserte mich noch einmal: Erste rechts, erste links, dann müsste eine Brücke kommen und „then easy!“
Es wurde wieder grün und unsere Wege trennten sich. Aufatmen, bis zum ersten linken Abzweig.
Nee, oder?
Gesperrt!!
Mannomann aber auch. Schnell denken. Nichts war’s mit „then easy!“. Ich bog die darauffolgende Straße links ab und wünschte mir schon auf den ersten Metern genau DAS nicht getan zu haben. Einspurige Straßenschlucht. Miniaturbürgersteige rechts und links.
An der nächsten Querstraße sah es rechts und links genauso aus. Also geradeaus weiter, bloß nicht abbiegen. Die nächste wieder, die darauffolgende auch, danach noch einmal, noch einmal, noch einmal und eine Ampel. Was tun? Links oder rechts? Von links hatte ich genug und nahm rechts, landete nach kurzer Zeit wieder in einer Einbahnstraße, aber zweispurig. Ein Fortschritt. Der Verkehr geriet ins Stocken. Ein Rückschritt. Aber auch die Chance die Brille herauszuholen um vielleicht ein Internetpaket zu laden, damit ich den Navi aktivieren kann, damit ich Spanien dazubuchen kann, damit ich vielleicht noch mein Flugzeug erreiche. Bloß bei dem miesen Licht nach Sonnenuntergang war diese Aktion mitten im Verkehrsgeschehen extrem schwierig zu bewerkstelligen. Dann doch lieber wieder Passanten ansprechen. Fenster runtergelassen, aus selbigem herausgelehnt und einen jungen Mann angesprochen:
Ich: „Airport?“
Er: (ein déjà-vu, es klang wie …) „Huch!“
Es war 18:15 Uhr. Eine Viertelstunde nach Auto-Abgabetermin auf dem Flughafen. 50 Minuten vor dem Boarding. Ich war immer noch IN Barcelona!
Ich wiederholte mich: „Airport? Please!“
Der junge Mann lief dann im langsam wieder fließenden Verkehr neben meinem Auto mit, suchte nach englischen Worten, fragte dann andere Passanten, sagte dann, dass er glaubt am nächsten Kreisverkehr zu wissen, wie es weiter geht. Also packte ich den Burschen auf meinen Beifahrersitz für die nächsten 500 m. Am Kreisverkehr ging es eine der vielen Straßen links ab und mein Guide stieg aus:
Er, mit den Händen geradeaus wedelnd: „To the big circle! BIG circle! Sign airport!“
Ich: „You’re sure with a sign?“
Er: „Sure. Sign. Circle. BIG!“ und er macht Zeichen für einen großen Kreisverkehr. Mit jedem neuen Ansatz mir zu zeigen, wie groß der Kreisverkehr ist, wurde der Kreis größer und größer! Bevor der Kreis noch größer wurde verabschiedete ich mich von dem jungen Mann.
Der Kreisverkehr kam tatsächlich, auch das Schild zum Flughafen. Alles war wirklich groß und unübersichtlich und ich natürlich auf der falschen Spur. Was sonst?
In diesem Moment erinnerte ich mich an die Instruktionen meiner Schwägerin für den Straßenverkehr in der Londoner City: „Keine Unsicherheit zeigen! Abstand zu den anderen Autos nur so viel halten wie unbedingt nötig! Und durch! You understand? Be aggressive!“. So ging ich jetzt vor, mit Blick auf das Flughafenschild, Spuren gewechselt und ab auf die Schnellstraße! Woohoo! Es hatte nicht einmal ein Auto gehupt! Licht am Horizont! Wieder ein Schild in Richtung Flughafen und eine Tankstelle.
Es wurde 18:30 Uhr. Voll getankt. Das Auto war bereit zu Abgabe. Alles wird gut, redete ich mir ein und war 18:40 Uhr tatsächlich kurz vor dem Flughafen. Fünf Minuten später hatte ich das Auto abgestellt und wartete auf die Ab- und Übergabe, langsam abatmend, dumdidumdidum, Däumchen drehend in einer Warteschlange, in der es nicht voran ging. Sollte meine Abreise im letzten Moment an der schleichend langsamen Abwicklung von der Rückgabe des Autos scheitern?
18:55 Uhr hatte ich die Reisetasche aufgegeben, ohne Wartezeit! Drei freie Schalter und egal welche Spur ich genommen hätte, ich hatte freie Bahn ein freies Band für meinen Koffer.
19:05 Uhr lagen die Sicherheitskontrollen hinter mir. Während ich mir Gürtel, Stiefel etc. wieder auf den Körper packte und meine elektronischen Utensilien zusamme entdeckte ich, dass der Bursche bei der Fahrzeugübergabe ein Papier nicht abgerissen und meine Kopie nicht abgezeichnet hatte! Puh! Noch einmal zurück? Nö. Jetzt ist’s egal. Das Boarding hatte noch nicht begonnen und ich dachte mir:
„Nun ein Glas Wein! In aller Ruhe! Abschied von Spanien mit Stresssymptomen geht gar nicht!“
So beobachtete ich in Ruhe den Beginn vom Boarding meines Flugs, trank mein Weinchen, wartete geduldig den ersten „Last Call“ ab, den zweiten ebenso und war trotzdem nicht die Letzte, die ins Flugzeug einstieg.  In der Zwischenzeit nahm ich mir vor, wenn ich schon mit so viel Elektonik-Schischi unterwegs bin:

„Niemals mehr durch Barcelona ohne Navi oder ähnlichem!“,

obwohl ich mich kürzlich in der Karlruher Innenstadt gerade wegen der Navi-Anleitung ordentlich verfranst hatte. 😀

Tierische Nebenschauplätze unter Spaniens Sonne

oder …

Wer guckt denn da?

Vernebelte Dogge


Und gleich noch einmal.

 

 

Gekko auf Ausschau

 

 Nachtrag: Gekko-Suchbild (für Ute)

 

Frau Möwe, alles unter Kontrolle …
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die Hotelgäste, wie Artgenossen.
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Selbst die Katzen parieren auf Kommando, …

räumen brav das Feld!

 

Anderer Ort, andere Katze. Keine Gäste? Freut sich die Katz‘!

 

Ob’s am Bier liegt, dass die Gäste fehlen? 😉

Schönes Wochenende!

Hoch zum Castell del Montgri

oder …

Ein Stück Costa Brava von oben gesehen

Von den Reisfeldern in der Flussmündungsebene des Ter aus fällt das Auge immer wieder auf eine Reihe grauer Hügel, vor allem auf dem höchsten, direkt hinter Torroella. Dort oben thront unübersehbar auf dem Gipfel des Montgris der Inbegriff einer mittelalterlichen Burg – das Castell del Montgri.

Tatsächlich steht hier nur eine Burgmauer. Das Innenleben wurde nie fertiggestellt, seit rund 700 Jahren. Um zur Burg zu gelangen muss gelaufen werden, denn es führt keine Straße nach oben. Es dauert für Fußkranke, wie mich, ungefähr eine Stunde vom Ort bis auf den Berg. Leider hatte ich meine Wanderschuhe zuhause gelassen und das mitgebrachte Schuhwerk war eigentlich nicht für unebenes, steiniges Gelände geeignet. Hmm, es war ein wenig leichtsinnig, so ausgerüstet die Strecke hochzulaufen. Doch im Vergeich zu einem vor mir laufendem Pärchen war ich bestens gerüstet. Meine Stiefel an den Füßen und die Schultertasche quer getragen waren unter Garantie besser, als die Ballerinas und die Handtasche der jungen Frau. Keine Entschuldigung, beides dämlich und riskant.

Der anfangs breite Wanderweg windet sich in Serpentinen den Hang hoch und wird immer schmaler, steiler und steiniger. Irgendwann konnte ich die Burg für eine Weile nicht mehr sehen und überlegte mir lieber wieder umzudrehen und den Rückzug anzutreten.

Berghoch zu kraxeln ist wahrlich nicht so mein Ding. Das Gemsen-Gen ist bei mir rezessiv angelegt und zeigt seine Wirkung erst in der nächsten Generation, bei meinem Sohn – er klettert gerne. Ich finde Bergtouren eigentlich ätzend und genieße den Anblick von Bergformationen am liebsten von der Ebene aus, liebe die Erfindung von Zahnradbahnen und Seilbahnen. Aber nun war ich einmal zu Fuß hier oben und wollte den Rest nun auch noch schaffen. Sch…schuhwerk hin oder her.

Oben angekommen war die wunderbare Aussicht über die Bucht zwischen L’Estartit und Pals eine herrliche Belohnung, wie auch der Blick über die Ebene des Ter mit dem Reisanbaugebiet.

 

 

Und dann die Burg selbst!

 

Wie vorher schon gesagt besteht dieses Castell nur aus einer Mauer und vier Türmen. Der Ausbau wurde vor der Fertigstellung gestoppt. Viele hundert Jahre später, in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, wurde ein Turm mit einer Wendeltreppe ausgerüstet und der Wehrgang für Besucher ausgebaut.

 

Diesen Turm kletterte ich auch hinauf und klebte, oben angekommen, erst einmal an der Wand! Nichts für Karins mit Höhenangst! Auf mein „ups“ reagierte der Partner der Ballerina-Handtaschendame: „Do you need help?“ und die brauchte ich wirklich, um mich von der Wand wegbewegen zu können. Mit einer Schulter zum Festhalten klappte es mit einem Rundgang um den Wehrgang. Dank an den jungen Mann und auch an seine Freundin, dass sie mir ihren Freund ein paar Minuten ausgeliehen hat.

Der Rückweg zum Auto dauerte knapp 30 Minuten. Doch zuerst noch einmal ein Blick zurück!

Ab jetzt genieße ich wieder den Blick auf das Castell von der Ferne aus, wie hier von Els Masos de Pals aus.

 

In den Reisfeldern von Pals

oder …

Vor dem Montgri

Es wird Reis in Spanien angebaut! Kaum zu glauben, aber, klar, das Nationalgericht im Osten Spaniens ist Paella. Keine Paella ohne Reis und der wird in Katalonien angebaut, hauptsächlich in der Gegend rund um Valencia. Aber auch in der Gegend rund um Pals, am Fuß des grauen Berges, dem Montgri, finden sich weite Flächen, auf denen Reis steht. Jetzt im Herbst wird er geerntet und auf den freien Flächen tummeln sich Vögel in Mengen!

Seit Jahren hatte ich keine Störche mehr gesehen und schon gar nicht in dieser Anzahl. Doch bevor ich mich auf Fotografierweite herangepirscht hatte flogen alte Bekannte vor mir auf – Stare, viele Stare, die sich vom grauen Himmel und Regen nicht verscheuchen ließen.

 

 

 

Mich vertrieb der Regen dann schon. Regen in überfluteten Reisfeldern macht keinen Spaß! Dafür dreckige Stiefel, nasse Füße und der Rest an mir war auch nicht mehr salonfähig.

Tags darauf sah die Welt deutlich besser aus, wie auch die Chance Störche vor die Kamera zu bekommen. Doch zuerst einmal wieder Stare und Möwen.

 

 

 

 

Interessant war, dass sich fast alles Federvieh nach rechts orientierte, egal ob Stare, Möwen, Reiher oder Störche.
Doch einer entschied sich dann doch um, drehte die Kurve und zeigte mir wo es lang gehen sollte für den Rest meines Tages.

 

 

 

Küstenfahrt entlang der Costa Brava

und …

Anspruchsvoller Parkscheinautomat

Wieder unterwegs, wieder auf dem Weg zu meiner Freundin, wieder in Spanien, wieder an der Costa Brava. Mit dem Flugzeug von Stuttgart nach Barcelona 105 Minuten in der Luft und die weiteren rund 140 km nach Norden mit dem Zug oder mit dem Bus bis Flaca oder Palafrugell, um dort mit dem Auto abgeholt zu werden. So mache ich die Reise normalerweise.
Das ist die günstigste Variante, hat jedoch den Nachteil, dass man unterwegs nicht einfach so anhalten und verweilen kann.
Wer mehr (und) Meer sehen möchte kommt nicht um einen Mietwagen herum. Für mich alleine muss es ja kein großes und schon gar kein Luxusmodell sein und mithilfe eines Vergleichportals im Internet hatte ich auch ein günstiges Angebot für ein kleines, feines Wägelchen gefunden. Das lohnt sich – das Preise vergleichen und ein Wägelchen – wenn es aus den Großstädten raus gehen soll.

Ankunft vom Flieger in Barcelona 8:20 Uhr am Morgen. Die Sonne schien und eine Stunde später quälte ich mich nicht durch Barcelona, sondern ich versuchte immer noch mich in der richtigen Richtung auf den Ringstraßen von der Stadt weg zu bewegen! NEIN, ich wollte NICHT nach Tarragona, auch nicht nach Manresa, auch nicht auf die Bezahlautobahn, selbst wenn die Richtung, Girona, grundsätzlich stimmte. Ich zahlte die 80 Cent um nach ein paar hundert Metern wieder runter von der Strecke zu kommen und landete bei Mataro endlich doch noch an der Küste. Nur wird es einem mit der Beschilderung an den Straßen nicht leicht gemacht am Meer zu bleiben! Nicht beirren lassen, nach dem Sonnenstand fahren und sich auf die eigenen Augen verlassen! Wasser rechts, Sonne schräg von rechts am Hinterkopf, stimmte alles! So ging das Spiel bis Blanes und Lloret de Mar. Doch dann lief es wie am Schnürchen entlang der Costa Brava. Mit vielen Kurven auch ein Paradies für Motorrad-, wie Radfahrer, windet sich die Küstenstraße entlang der rauhen, „wilden“ Küste.

 

Vorsichtig fahren ist angesagt. Trotz der herrlichen Aussicht ist es zudem schwierig die Augen auf der Straße zu halten. Deshalb nutzte ich regelmäßig Haltebuchten um mich gefahrlos umzuschauen!

Um die Mittagszeit herum erreichte ich Tossa de Mar, wo sich ein richtiger Stopp lohnt, und machte Bekanntschaft mit einem dieser neuen Parkscheinautomaten in Spanien. Schon mal einen Parkscheinautomaten mit Tastatur gesehen? Gerne würde ich ihn hier mit einem Bild vorstellen. Leider knallte für ein Foto die Sonne zu sehr auf das Display dieses Maschinen-Monsters. Aber ein ähnliches Modell fand ich hier im Internet, allerdings fehlte an „meiner“ Maschine die Anleitung!
Da stand ich nun an diesem Gerät und versuchte daraus schlau zu werden. Nach kurzer Zeit hatte ich eine Partnerin und gemeinsam versuchten wir aus diesem Ding das herauszuholen, was wir wollten, einen Parkschein. Die kleinen abgebildeten Flaggen versprachen zumindest die Funktion, in einer verständlichen Sprache, miteinander kommunizieren zu können. Auf die englische Fahne getippt. Es tat sich nichts. Also sind es keine Geräte mit Touch-Screen. Hmm, Knöpfchensuche und Tippversuche. Es war die graue, abgegriffene Taste links unten, die verblasste Reste von einem Fähnchenumriss erahnen ließ. Prima, ging doch, und wir klickten uns durch Spanisch, Catalan, Französisch ins englische Menü durch. Zu früh gefreut. Nicht eindeutig erklärt, wie man sich für den Bezahlmodus entscheiden kann, schmiss uns die Maschine aus dem Programm, wegen Zeitüberschreitung.
Aha, ein Spanier, der nach der Uhr arbeitet!
Noch einmal von vorn.
Wir bekamen Verstärkung. Ein Brite schloss sich unserer Forschungsgruppe an, mit nicht mehr Ahnung, als wir, im Umgang mit diesem Automaten.
Zumindest konnten wir zwei Frauen die ersten Schritte der Bedienung inzwischen zügig durcharbeiten und blieben erst wieder am Bezahlmodus stecken. Dieses Mal klemmte der Schlitz für das Münzgeld. Zeit überschritten, Abbruch, klimpernd fielen die wenigen Münzen, die es bis in die Maschine geschafft hatten, wieder heraus.
Unser britischer Mitstreiter scharrte ungeduldig mit den Füßen und wir überließen ihm das Feld.
Sprache gewählt, Parkdauer ausgewählt, Bezahlmodus ausgewählt, Geld eingeworfen und dann wollte das Gerät etwas, dass selbst drei Köpfe mit drei Paar Augen und sechs Händen zum Abschirmen der strahlenden Sonne nicht schnell genug auf dem Display zu lesen bekommen hatten. Klack, klimper, Schluss.
Ich schaute mich um und suchte nach der versteckten Kamera. Die Dame wurde von ihrem Mann gerufen, der wartend im Auto saß: „Geht’s noch lange?“
Wir drei gingen wieder ans Werk und schafften es zügig voran, ohne dass die Maschine bockte. Der Brite murmelte was von „inaccurate translation“ , stockte plötzlich, um heftig fluchend zurück zu seinem Auto zu gehen. Ich schaffte gerade noch einen kurzen Blick auf das Display bevor der Vorgang wieder abgeschaltet wurde. Doch nun wusste ich Bescheid über den Sinn und Zweck der Tastatur: Man muss vor dem Abschluss des Parkscheinkaufs noch das Nummernschild seines Fahrzeugs eingeben! Wozu das gut sein soll? Keine Ahnung. Aber ohne Nummernschildeingabe gibt es keinen Parkschein! Tolle Sache, wenn man mit einem Mietfahrzeug, wie wir drei, unterwegs ist!

Auf der Weiterfahrt verlockte mich ein Wegweiser zu einer Einsiedelei, der „Ermita Sant Grau„. Ungefähr fünf Kilometer schlängelt und windet sich die schmale Straße entlang von Felsen bergauf. Unterwegs begegneten mir keine Radfahrer, auf die Warnschilder am Straßenrand hinweisen, aber Jogger!
Ein schönes Plätzchen für eine Wallfahrtskirche inmitten von Korkeichen. Schade, dass es mit einer Ferienanlage in dieser Gegend nicht geklappt hat. Übrig sind nur noch die Reste einiger Freizeiteinrichtungen.

 

 

Bei einem kleinem Spaziergang entdeckte ich viele geschälte Korkeichen und kann mir nun wirklich vorstellen, wie Kork „geerntet“ wird.

Die kleine Kirche mit ihren Wohngebäuden hat ein Café im Innenhof, wo es sich schön sitzen lässt. Wie ich genossen noch einige Wanderer die Ruhe hier bevor sich jeder von uns wieder auf seinen Weg machte.

 

 

 

 

Auf jeden Fall lohnt sich die Strecke von Lloret de Mar über Tossa de Mar nach Sant Feliu de Guixols einmal selbst zu befahren.

Island – einmal rundherum #6

oder …

Der letzte Tag! Zum Abschluss Reykjanes, der goldene Kreis oder Reykjavik?

Das vorletzte Quartier auf Island hat so viel Platz, dass ich beschließe SuzieQ zu entrümpeln und alles nicht mehr benötigte an Ausrüstung wegzuwerfen oder in die Reisetasche zu packen.
Gute Idee!
Grundsätzlich.
Klappte zu 99,9% auch super, bis ich Hvolsvöllur verließ.
Mit jedem Kilometer weiter weg verringerte sich die Erfolgsbilanz, leider, DENN , … , MannMannMann, so was kann sich doch nicht in sooo kurzer Zeit wiederholen?!
Zwanzig Jahre lang war ich die Oberfindefachkraft für die Verlustsachen meine Kinder! Wenn gar nichts mehr ging wurde die Oma angerufen, sie fragte dann den Heiligen Antonius um Hilfe. Zwanzig Jahre lang erzählte ich meinen Kindern, wie verlieren, verlegen, verschusseln verhindert werden kann. Beide Kinder haben es besser im Griff als ich. So sieht’s aus!

Doch zuerst fing der Tag so richtig gut an.

Sonne! Super!
Alles passt(e)!
Für den letzten Tag nach drei Wochen Island hatte ich mir eine Abschlussrunde „raucht und stinkt“ auf der Halbinsel Reykjanes vorgestellt, ebentuell mit einem Bad in der blauen Lagune, um hinterher noch ein wenig Zeit beim shoppen in Reykjavik zu verbringen. Im Gästehaus dort hatte ich mich für 16:00 Uhr angemeldet.

Ich bin tatsächlich nachmittags um vier im Gästehaus, allerdings nur so lange bis sich meine Ahnung, wieder einmal etwas irgendwo vergessen und liegen gelassen zu haben, ich weiß irgendwann auch was ich vergessen habe (ohne zu suchen!), bestätigt!
Details später.

Ein wunderbarer Tag!
Spaßeshalber biege ich immer wieder mit SuzieQ für kurze Abstecher von der 1 in Nebenstrecken, die Schotter versprechen, ab.  Ehe ich mich versehe bin ich auf dem Weg zum Geysir und dem goldenen Kreis, den ich dieses Mal eigentlich links liegen lassen wollte. Hmm. Allerdings hatte ich all dieses bisher immer kalt und verregnet gesehen, da macht es Sinn weiterzumachen.

Strokkur, herrlich. Gulfoss, wunderschön. Þingvellir, ich will hier nicht weg, muss ich trotzdem abkürzen, denn es ist schon früher Nachmittag.

Raucht und stinkt am Strokkur

Faszinierend auch zu beobachten, wie andere beobachten. In der Summe wird nicht geschaut sondern auf Smartphone-, Tablet- und Kamerasichtfeldgröße reduziert fokussiert. Ich stecke die Kamera weg …

… und komme beim Wegstecken dann zu einem unbeabsichtigten Schnappschuss aus der Hüfte. 😀

Gulfoss, ich liebe diesen Wasserfall. Dettifoss plus Selfoss sind keine Frage toll und überwältigend (aber ich habe dort meine Schuhe vergessen!), und ich bin gespannt, wie sie sich mit besserer Rundumsicht das nächste Mal zeigen werden. Ich gebe ihnen eine Chance.
Vielleicht bin ich gerade auch ein wenig ungerecht, weil an diesem Tage einfach das Wetter stimmt!

 

 

 

Unterwegs musste ich die Touristenmengen aufhalten, Raupe fotografieren und retten. Raupe im schwarzgelben BVB-Outfit!! Cool män!

Ein paar Meter weiter machen Wind, Sonne und Konstanze mit Polfilter noch dieses Bild, um mich herum noch mindestens soviele andere Touristen, wie in zwei Busse passen. Geteilte Freude!

Gulfoss

 

Im Þingvellir

Bei einem letzten Blick auf die Gegend weiß ich, dass es eine gute Entscheidung war diese Runde am letzten Tag zu drehen. Noch einmal Natur pur erleben, wie ich sie drei Wochen erleben durfte. Noch einmal ganz tief Luft holen, die Ruhe genießen, eine Träne laufen lassen, mich vom Land verabschieden.

 

Graugänse kurz vor dem Abflug, wie ich!

In Reykjavik hat sich die Sonne hinter Wolken versteckt und mich erschlagen erst einmal die Baustellen in der Innenstadt.

 

Baustellen mit Sólfar im Hintergrund

Egal. Es ist warm genug zum draußen sitzen und ich freue mich auf eine Tasse Kaffee mit einem Stück Kuchen. Doch zuerst einmal das Auto leeren und fertig packen. Meine eigenen Besitztümer sind bis auf das irgendwo zwischen den Westfjorden und Askja liegen gelassene Handtuch komplett.

Es fehlt jedoch tatsächlich etwas. Meine Ahnung bestätigt sich nach einem Anruf. Das bei der Autovermietung geliehene, nicht funktionierende, mobile Wifi-Gerät liegt in Hvolsvöllur!

Das war’s dann mit Kaffee, Kuchen und shoppen. Dafür reihe ich mich in den Feierabendverkehr von Reykjavik ein – ja, es gibt auch Staus in Island! – schaue mir noch einmal die Gegend an – außerhalb von Reykjavik scheint tatsächlich die Sonne – und kaufe in Selfoss noch ein paar Kleinigkeiten für die lieben Kater- und Wohnungshüter zuhause ein. Drei weitere Stunden auf der Straße.

Für Reykjavik bleibt nur ein kurzer Spaziergang, ein leckeres Abendessen in einem neuen türkischem Restaurant. Freitag ist abends ab 21.00 Uhr fast nirgendwo mehr ein ruhiger Platz zum Essen zu finden und es war sehr lecker, Preis-Leistung super, ich glücklich und spätestens auf meinem Um-Weg zum Quartier über die Uferstraße Sæbraut und der Skulptur Sólfar wieder mit mir im Reinen.

Sólfar

 

Abflugtag

Zum Glück werden mir am nächsten Tag bei der Autoabgabe die Kosten für das verflixte Wifi-Ding erstattet – das nächste Mal muss ich mir eine andere Lösung fürs Internet einfallen lassen.

Noch ein letzter Schlenker ab von der Route bevor ich mich von SuzieQ verabschieden muss, entlang der Wellness-Bade-Anlage „Blaue Lagune“. Es regnet, keine Sicht, was sonst. 😉

An der Blauen Lagune

Das letzte Bild am Flughafen Keflavik, kurz bevor ich durch die Sicherheitskontrolle gehe. Einfach noch einmal tief Luft holen.

I still haven’t found what I’m looking for!
Aber ich bin ganz nah dran!

Meinereine drei Wochen alleine 5000 km im Auto unterwegs in Island ist zuende.
Drei Wochen ohne Radio, Fernsehen, Nachrichten, …
Drei Wochen mit wunderbaren Menschen, vielen interessanten Gesprächen und dazu die grandiosen Eindrücke, die die Natur so bietet.

Bevor ich nun den Computer abschalte höre und schaue ich mir noch ein/zwei Videos einer isländischen Band an, deren Musik mich all die Tage in Tankstellen, Geschäften, Gästehäusern, Hotels begleitet hat:

Kaleo – Way down we go (Live in a volcano)
Kaleo – I can’t go without you

Eine Überarbeitung, eine Zusammenfassung zur Route, den Kosten und eine Reihe Tipps sind in Planung.

 

 

Island – einmal rundherum #5

oder …

Islands Süden

Langsam lässt sich das Ende der Reise fühlen. Erste, mir schon bekannte, Landschaften tauchen vor mir auf. Nur sehe ich dieses Mal so viel mehr! Beim letzten Mal hatten sich die vielen Gletscher im Nebel und Regendunst versteckt. Nichts gesehen, nicht angehalten, vorbei gefahren.
Einen Vorgeschmack darauf, was ich zu sehen bekommen könnte, erhalte ich ganz früh am Morgen nach einer üblen Nacht in einem Zimmer, das kürzlich einen Raucher beherbergt hatte. An Schlafen ist nicht zu denken.
 
 


Alternativ genieße ich den Sonnenaufgang in Höfn mit Blick auf den Hafen und in Richtung der anstehenden Tour des Tages, die Gletscher satt verspricht!! Jökulsarlon und gleich danach, der „kleine Bruder“ in Sachen Gletscherlagune, Fjallsarlon, um dann an jedem Gletscher anzuhalten, wo es möglich ist. Ich bin überwältigt!

Jökulsarlon August 2015
Eisberge am Jökulsarlon 2015
Fjallsarlon

 

Eiderentenfamilie am Fjallsarlon

 

Svinajökull
Skaftafell
Genauso überwältigt hat mich einen Tag später die letzte Rumpelstreckenfahrt zum Campingplatz Þakgil. An der Zufahrt bin ich vor zwei Jahren mit dem kleinen Hyundai gescheitert. Für Suzie Q kein Problem. Wir haben beide die Strecke genossen. Allerdings ist jetzt der Sensor für das Kofferraumtürschloss ganz im Eimer, bzw. er funktioniert anders herum. Bisher leuchtete das Lämpchen als Bodenwellensensor auf, wenn es uneben wurde. Nach dieser letzten Fahrt leuchtet das Lämpchen konstant rot und geht nur noch aus, wenn ich in einem Schlagloch lande. Nette Variante. Dumm nur wenn ich das Auto schließen möchte. Die Zentralverrieglung funktioniert nicht bei Rotlicht.



Vik. Das schöne Wetter verzieht sich. Diesen hübschen kleinen Ort verbinde ich nach dem vierten Besuch weiter mit Kälte, Wind, Regen und nun noch mit einer kleinen unangenehmen Erfahrung der Marke: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint! Schade! Dafür war hier das Quartier wieder eine kleine Perle.
 

 

Die gute Tat und nun habe ich den Salat, ähm, den Gestank!

 

Genug von Vogelleichen auf den Straßen! Nicht zum ersten Mal saß ein Vogel (Möwe?) mitten auf der Straße!
 
verletzte Möwe?
 
Es wird gebremst – nicht immer, sonst gäbe es ja weniger plattes Federvieh – und man fährt um den Vogel herum. Warum manche Vögel immer wieder einfach so auf der Straße sitzen und nicht, schwupps – Auto kommt – wegfliegen (die Schafe laufen ja auch weg!), blieb mir lange ein Rätsel. Es war wieder soweit. Alle bremsten, fuhren einen Bogen, bis auf eine, meinereine. Ich fuhr an den Straßenrand und versuchte den Vogel an den Rand zu scheuchen.

 

Hmm, ging nicht so recht, Plan A gescheitert.

 

Plan B: Mich an meine Wellensittiche von anno früher erinnert und, ohne zu weiter nachzudenken, mit einem Griff meine Jacke aus dem Auto gegriffen, auf den Vogel geworfen und dem wurde es jetzt erst einmal Nacht. Das Viech geschnappt und an den Straßenrand gesetzt. Alles ging gut, für den Vogel. Blöd nur, dass beim „Tag werden“ der Vogelpopo noch auf meiner Jacke saß und meine linke Hand darunter. Muss ich weiter erzählen?

 

Wie ich diese Jacke entseucht bekomme, damit sie im Koffer transportfähig ist, muss mir erst noch einfallen. Meine Hand war selbst noch nach sechs- bis achtmal gründlich waschen und schrubben nicht wirklich geruchsfrei.

 

 

 

Ich erzähle die Geschichte meinem Gastherrn am Abend und er korrigiert mich erst einmal. Es war keine Möwe, sondern ein junger Basstölpel. Und ich soll glücklich sein, dass das Tier nur gepinkelt und sich nicht übergeben hätte. Dann hätte ich die Jacke wegschmeißen können. Ansonsten machen die Isländer kurzen Prozess mit den zu fett gewordenen Jung-Basstölpeln, denen es zu schwer fällt fliegen zu lernen. Mit dem Stock eins auf den Kopf und ab in den Topf. Mein Vogelfreundherz stolpert und als Vegetarierin wird mir schlecht.

 

Tags drauf sehe ich kurz nach meiner Abfahrt aus Vik, wie es einem Vogel genau so ergeht – Auto stoppt, jemand springt heraus, Stock geschwungen, Vogel geschnappt und ab damit in den Kofferraum, weiter gefahren. Mir wird wieder schlecht.

 

Ich hoffe, es ist nicht mein geretteter Vogel. Ihm wünsche ich schnelles Fliegenlernen, ganz viele erfolgreiche Fischjagden und ein langes Leben mit vielen kleinen schnell flugfähigen Jungen.

 

 

 

Meine Jacke stinkt so vor sich hin.

 

 

 

Ein neuer Tag.
 
Es regnet.

 

 
Halsanefshellir, kurz nach Vik – da möchte ich nicht vorbei fahren. Es ist Niedrigwasser und so können neben der Haupthöhle die anderen Höhlen mit Basaltsäulen erreicht werden. Was mir jedoch auffällt, mit Blick nach oben, sind die Unmengen an Vögel, die von den Felsen zum Meer und zurück fliegen – zu dieser Jahreszeit! In einer vor Wind und Regen geschützten Nische zwischen den Felsen warte ich auf eine Regenpause und beobachte weiter die Vögel. Schaue und warte. Wenn ich nicht wüsste, dass ab Mitte August die Papageientaucher Island verlassen, würde ich meinen, diese plumpen Objekte am Himmel mit hochfrequenten Flügelschlag sind Papageientaucher, puffins, lundis.
Konstanze, verzeih mir Regen hin oder her, aber ich brauche das Teleobjektiv als Fernglasersatz!
Boah, es sind Papageientaucher! Mengen! Hier und auch eine Station weiter in Dyrhólaey.
 


 

 

Viel sehe ich nicht auf der Weiterfahrt Richtung Westen. Am Myrdalsjokull fahre ich vorbei, genauso wie am Skogafoss. Es fällt so viel Wasser vom Himmel und es stehen so viele Busse auf den Parkplätzen, dass ich gar nicht erst anhalte.

 

 

 

Der Eyafjallajökull versteckt sich wie immer, wenn ich bisher vorbeigekommen bin, in Regenwolken. Dieses Mal schaue ich mir den 20-minütigen Film an um hinterher noch weniger von diesem Berg zu sehen.

 

 

Auf der Strecke folgen Schwemmlandebenen – auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Berge. Mit jedem Kilometer rücken diese mehr zurück und nach dem Seljalandsfoss ist es so etwas von flach rundherum, dass nichts den Blick auffängt. Vogelschwärme, wie ich sie seit ich Kind war nicht mehr gesehen hatte, lenken zusätzlich ab. Doch nicht nur mich, wie manche Bremsspuren auf den Straßen verdeutlichen.

 

 

 

Das alles sehe ich jedoch erst am späten Nachmittag, nachdem ich mich für drei Stunden, aus dem Regen, dem Wind und der Nässe kommend, im Saga-Museum zu den Stickerinnen und Stickern gesetzt hatte. Dort wird seit zwei Jahren die Geschichte der Njals-Saga gestickt, ein Werk, das zum Schluss ca. 90m lang sein wird.

 

 
„mein“ schlafender blauer Wikinger


 

 

Als sich am frühen Abend der Himmel tatsächlich aufklart fahre ich einen Teil der Strecke zurück. Freiwillig!
 
Ebene vor dem Seljalandsfoss in Richtung Þórsmörk
 
Auf dem Parkplatz am Seljalandsfoss herrscht zu dieser Zeit zwar keine gähnende Leere, doch es gibt wieder genügend Platz zum Parken und Laufen. Wieder eine Erfahrung mehr: Diesen Wasserfall sollte man wirklich erst abends besuchen.

 

 
Seljalandsfoss & Partner  


 


Seljalandsfoss


 

 

Wehmut kommt auf. Einen Tag habe ich noch.

 

 
 

 

Diesen Beitrag werde ich noch überarbeiten und genauere Details zur Reiseroute geben.

 

 
 

Island – einmal rundherum #4

oder …

Islands Osten
Wir drei Zicken sind weiter unterwegs: Suzie Q (mein Auto), Konstanze (meine Kamera) und ich. An Suzies „Lightshow“ auf dem Cockpit – ein Licht flackert immer – habe ich mich gewöhnt. Anstrengend ist ganz einfach das immer noch flatternde Lenkrad. Zwischen Tempo 75 und 85 km/h rüttelt es uns alle ordentlich durch. Auf Rumpelstrecken ist das egal, mal sehen, wie es auf der Ringstraße weitergeht.
Durch den Westen und den Norden entlang bin ich, wo immer möglich, Nebenstrecken gefahren.
Den Norden verlasse ich auf der Ringstraße um dann doch wieder ein Stück auf der alten 1, jetzt 901, zu fahren. Wohoo, Schotter, yeah, und jede Menge Möglichkeiten zum Anhalten! Kein Regen, auch keine Sonne, egal, Hauptsache kein Regen. Bevor ich überhaupt mein erstes Quartier erreicht habe weiß ich schon, und das sage ich jetzt ganz leise, drei Tage im Osten der Insel werden VIEL zu wenig sein!
Alle Reiseführer über Island widmen diesem Teil gerade einmal ein paar spärliche Seiten. Kein spektakulärer Wasserfall, kein Canyon, kein Gletscher, pah – lassen wir weg – und das ist gut so. Ich stelle mir die Frage, wie sich all diejenigen fühlen, die mit dem Autofähre von Dänemark aus in Seydisfjördur ankommen. Das will ich auch einmal! Aber es ist auch gut, dass all diejenigen, die dort an Land gehen ganz, ganz schnell weiter fahren. Dieses Fleckchen gehört mir! 😉

 

 

 

 

 

 

Der Osten ist, gerade eben weil viele einfach nur durchfahren, ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderfreunde. Wandern ist zwar nicht so unbedingt mein Ding, aber um dorthin zu kommen, wo Natur zu erleben ist, um ruhige schöne Plätze zu erreichen, muss halt mal etwas an Stock und Stein überwunden werden.

 

 

 

 

 

Wie das Wetter auch wird, hierher komme ich ganz sicher wieder. Der Plan ist im Kopf schon fertig.
Diesen Beitrag werde ich noch überarbeiten und genauere Details zur Reiseroute geben.