Von einer die auszog um kalte Füße zu bekommen

oder …

Der lange Weg zu warmen Socken – Walblick inklusive!

Ich bin die Frau der Packlisten. Für jede Jahreszeit und alle bisherigen Urlaubsziele habe ich Listen, zudem noch in Varianten für verschiedene Anreisearten. Das minimiert den Stress bei den Reisevorbereitungen. So gern ich reise, Koffer packen ist mir ein Graus. Deshalb Packliste raus und nach Anleitung packen. Jede Liste wird nach dem Urlaub überarbeitet, damit bei der nächsten Reise Unnötiges zuhause gelassen wird und dafür Sinnvolles im Gepäck landet.

Aus mir unerfindlichen Gründen fand ich die überarbeitete Island-Packliste für diese Reise nicht, als ich mit dem Packen begann. Ohne Packlisten bin ich vor einer Urlaubsreise ungenießbar und es packte sich bei knapp 30°C schwierig für zu erwartenden 10°C abwärts. Ich kam mir schon einigermaßen komisch vor mit der Winterjacke unter dem Arm, mit Schweiß auf der Stirn, im dämpfigen Stuttgart in den Flieger zu steigen.

Schon im Flugzeug fiel mir ein, was ich so alles vergessen hatte. Das meiste war verzichtbar, jedoch zwei Dinge fehlten mir ganz besonders auf dieser Reise:

a) Föhn – nasse lange Haare an der Luft trocknen zu lassen ist, wenn man gesundheitlich angeschlagen ist, keine gute Idee

b) Puschen – in vielen Quartieren ist es üblich, wie in Island generell, die Straßenschuhe auszuziehen und da können die Füße ganz schön kalt werden. In zwei Unterkünften hatte ich Steinfußböden und da genügten selbst meine handgestrickten Wollsocken nicht für eine dauerhaft anhaltende Wohlfühlfußwärme.

Nach einer Woche Reise fand ich, zumindest in der Sockenfrage muss ich für Abhilfe sorgen und machte mich auf den Weg zum nächsten, großen Laden. Es sollte ein Ausflug werden, denn bis zum nächsten großen Ort, Egilsstaðir sind es mal so gute 60 km vom Borgarfjörður aus. Wenn ich mir überlege, mit welchen Distanzen ich zuhause rechne, mir überlege ob sich eine Fahrt nach Stuttgart lohnt – das sind 25 km – und dann manchmal ewig herumeiere, bis ich mich entschieden habe, wo ich was dann tatsächlich besorge.

Aus meinem Tagebuch

Jetzt, in diesem Moment, 3°C und scharfer Wind von Nordost plus Regen, von oben bis zu den Knöcheln gut und winddicht eingepackt verfluche ich zum x-ten Mal diese verf…, blöden, nach links und rechts eingeteilten Funktionssocken! Mir ist es so was von egal, ob sie Druckstellen verhindern, atmungsaktiv sind, nach dem Waschen schnell trocknen. Sie wärmen NICHT! Abgesehen davon hängen diese Mikrofasermistdinger jeden Morgen beim Anziehen an jedem Nagelhäutchen fest und am Abend bleiben sie beim Ausziehen an meinen Fingern hängen.

Nachdem ich wieder einmal den Status ‚im-Fußbereich-ordentlich-runtergekühlt‘ erreicht hatte konnte mich weder ein prächtiger Vogel in zwei Meter Nähe noch ein schöne Blüte begeistern. Lieber setzte ich mich ins Auto, wo ich die Heizung hochdrehen und eine Sitzheizung genießen konnte. Ich hatte noch nie ein Auto mit diesem Luxus, und jetzt verzeiht mir meine Wortwahl, das ist ein geiler Scheiß! Das kann man mit den 30°C Außentemperatur, die gerade so im süddeutschen Raum herrschen, vielleicht nicht so richtig nachvollziehen. Momentan ist ja eher die Klimaanlage der Renner. Doch ich schweife schon wieder ab!

Zurück zum Ausgangspunkt:

  • Ort: 64°N
  • Temperatur: 3°C
  • Monat: Juni
  • Status: kalte Füße

Ich fuhr die gut 60 km um diesem Zustand Abhilfe zu leisten. Unterwegs ging es, Popo warm und Füße kalt, über dem Pass auch noch durch Schneegriesel! Auf der anderen Seite sah die Welt schon etwas freundlicher mit 5°C aus, vor allem auch durch die immer wieder Schnappatmung verursachende Aussicht! Mir war alles egal, voll fixiert auf das Ziel: Warme Füße!

Der Name dieser Marke ist echt Programm und nun mache ich ausnahmsweise mal Werbung, für den Netto in Egilsstaðir. Dort gibt es wirklich fast alles und ich hatte endlich richtig dicke, fette, warme Wollsocken. Yes!

Die große Versuchung dicht daneben mit Lettlopi, Plötulopi und Einband schaffte ich, nach wer weiß wie vielen Kurven dran längs, irgendwie ohne Griff in die Regale, ohne Einkauf zu bewältigen. Ein Kraftakt!

Was allerdings viel wichtiger war: Ich hatte mein Tagesziel erreicht – warme Füße!

Um meine momentane Gefühlswelt noch ein wenig mehr in Ordnung zu rücken gönnte ich mir in der direkt daneben liegenden Tankstelle noch einen großen Pott Kaffee. Ob in Skandinavien oder in Island, es gibt an jeder Tankstelle ordentlichen Kaffee. Ein Segen!! Tja nun, der Tag war noch nicht zuende, wärmetechnisch wiederbelebt stand ich mit meinem Kaffee vor einer Reihe Infotafeln zu sehenswerten Plätzen in der Nähe. Wobei der Begriff Nähe relativ zu sehen ist bei den Distanzen vor Ort. Eine Tafel war sehr verlockend – die vom Mjóifjörður.

Der Tag hatte noch ein paar Stunden, überhaupt wurde es in diesen Tagen nie richtig dunkel. Ideale Bedingungen für mich, die in der Dunkelheit immer ein wenig Probleme mit dem Sehen hat. Aber auf was für eine Strecke hatte ich mich da eingelassen! 18% Gefälle bzw. Steigung – zuerst hoch zu den Schneefeldern und dann in Serpentinen runter zum Fjord.

Ein Haus? Hier? Ja! Also hin!

Ein Wrack! Da musste ich auch hin und meinte in der Ferne noch ein paar Häuser zu erkennen. Also hin und stoppte keine 10 m weiter, da sich auf dem Wasser etwas bewegt hatte.

Musste eine Täuschung gewesen sein. Still ruhte der Fjord. Oder doch nicht?

Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Das konnte kein Vogel mit Bauchplatscherlandung ins Wasser sein. Aber ein Wal, soweit im Fjord? Nee, oder?

Doch!

Selbst nach Tagen, mit dem Abstand durch die Heimreise nach Deutschland, dem Temperaturunterschied, fühle ich, wenn ich mir die Fotos anschaue, wieder die Spannung unter der Haut; das Kribbeln, als sich jedes Härchen vibrierend aufrichtete, wenn die erste Fontäne ausgepustet wurde und danach der Bewegungsablauf – Buckel, Rückenflosse, Schwanzflosse. Dazu auch noch die Geräusche, die einfach dazu gehören, wahrnehmen zu können machte alles zusammen zu einem perfekten Moment.

Kalte Füße?

Völlige Nebensache! 😉

 

Mehr Bilder zum Wal des Tages gibt es auf meinem Blog hierundfort.

Woche 24/2017

und …

Die zweite Urlaubswoche und der Weg zurück!

Kaum zu glauben, die ruhigen, entspannten Tage hoch oben im Norden sind vorbei. Der Koffer ist ausgepackt, die Waschmaschine dreht sich, die Kater sind glücklich und ich schaue mal nach einem USB-Kabel um mir die knapp drei Kilo Bilder einmal richtig anzuschauen. Irgendwie hat das Ding einen Knick im Koffer bekommen und verweigert die Zusammenarbeit seit ein paar Tagen. Mal geschwind zum EDV-Händler um die Ecke ist nicht außerhalb von Reykjavik oder auf den Westmänner-Inseln. Mit ein Grund warum ich die Urlaubstage nicht gebloggt habe. Teilweise hatte ich keinen stabilen Internetzugang, geschweige denn ein Telefonnetz für mein Handy – was in Island selten ist. Meiner Gastgeberin Margret war es wirklich peinlich, doch seit einer Systemumstellung bräuchten sie für das Gästehaus eine ca. 4m hohe Antenne um Siganle für Fernsehen und Telefon zu erhalten. Allerdings würde diese bei den hier auftretenden heftigen Winden nicht lange stehen.

Das Überspielen der Bilder auf den PC dauert gefühlte Ewigkeiten, doch ich habe meine Eltern als geduldige Mitbeobachter bei mir als erste Zuschauer, Begutachter, der Bilderflut. Manche Bilder werde ich noch in den einen oder anderen Blogpost packen.

Was die Woche so brachte:

Montag, noch weit im Osten Islands, Austurland wie die Isländer sagen, berichtete ich mit ein paar Bildern über den Tag im Rahmen von Caros Blogsammlung 12 von 12 (Link zu meinem Beitrag).

 

Den Dienstag verbrachte ich noch einmal mit viel auf den Boden schauen und entdecken – Pflanzen …

… und dann wieder mit nach oben schauen – Vögel.

Ein wenig Abschied genommen von diesem Fleckchen Erde, mit dem Wunsch, wie Hoffnung, hier noch einmal zurückkehren zu können.

Mittwoch ging es langsam auf die Heimreise mit Zwischenstationen in Höfn und Reykjavik.

 

Die Ankunft im Zentrum von Reykjavik war wie eine kalte Dusche, was ja nichts heißen soll nach Urlaubstagen mit einem Mittelwert von 5°C und ordentlichen Windstärken. Es wird weiterhin heftig gebaut, wie in der Nähe meiner Lieblings-Skulptur. Sie steht aber noch und sie faszinierte mich erneut!

Leider hatte ich dieses Mal eher eine Besenkammer als Quartier und wünschte mir, ich hätte in dem kleinen grauen Haus noch Platz gefunden. Leider, leider, leider. Manche Dinge sind zum Davonlaufen, auch im Urlaub.

Doch jetzt gerade positiv gedacht und noch ein paar schöne Dinge unternommen, wie zum Beispiel Essen gehen 😀

 

Am Ende stand ich dann doch am Flughafen in Keflavik, nachdem ich eine horrende Summe für den Steinschlagschaden in der Windschutzscheibe hinlegen musste. Kein Cent mehr übrig um mir noch eine schicke warme Kleinigkeit zu leisten, um warm auf den nächsten Sommer zu warten.

Aber ich kann mir noch einmal meine Wasserflasche auffüllen. Wer in Island Trinkwasser in Plastikflaschen kauft ist selber schuld.

Highlight auf der Rückreise war der Zwischenstopp in Kopenhagen. OK, wenig angenehm war der verspätete Start des Anschlussflugs. Doch als ich bei meinem Rundgang entlang der Läden im Terminal diesen Laden entdeckte ging bei mir die Sonne auf! Die freundliche Dame versorgte mich mit einem reichlich mit Pröbchen gefüllten Trostbeutelchen!

Tja, und dann …

Ganz am Rand bin ich allerdings richtig stolz auf mich. Ich mag zwar einiges, was ich gebraucht hätte, nicht eingepackt haben (z.B. die Reiseführer) ABER ich habe dieses Mal nichts unterwegs vergessen oder liegen gelassen! Eiserne Ordnung: Linke Hosentasche für den Zimmerschlüssel, rechte Hosentasche für den Autoschlüssel! Das Handy war das Sorgenkind mit seiner grauen Hülle. Es passte zu sehr zur Umgebung!

Zurück im Alltag.

 

Woche 23/2017

oder …

Unterwegs in Island

Wenn ich Bekannten von meinen Urlaubsplänen erzähle schütteln sie die Köpfe. Für jemanden wie mich, die erst über 25°C betriebsfähig wird, fallen Skandinavien und schon ganz und gar Island völlig durch das Raster geeigneter Urlaubsziele. Und trotzdem tauschte ich freiwillig die annähernd 30°C gegen momentan trübe 3°C. Lieber wären mir da schon die herrlich sonnigen 13°C, die ich gestern hatte. Aber ich will nicht meckern, denn ich bin genau dort, wo ich sein wollte. Keine Rundreise sollte es dieses Mal werden, sondern ein gezieltes Anreisen an zwei bestimmte Orte. Nach einigen Tagen auf den Westmännerinseln ist mein zweites Ziel beinahe der äußerste Osten Islands, mit Zwischenstopps in Höfn und Djupivogur.

Blick von Heimaey auf das Festland

 

Am Jökulsarlon im Regen

 

Die Skulptur in Djúpivogur steht nach zwei Jahren noch, leicht verändert. Der Stuhl steht nun an Fuß der Installation.

Blick aus der Gallerie „Free Villi“ in Djúpivogur auf den Hafen

 

Gedanken
Es ist nicht so, dass ich ungern arbeiten gehe. Im Grunde gehe ich gerne in die Schule, mag es zu unterrichten. Viel weniger mag ich putzen, bügeln, den Haushalt in Ordnung halten. Ganz schlimm finde ich die Steuererklärung oder das Einreichen der Arztrechnungen, auch wenn ich gerne das Geld zurück bekomme.
Aber ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen wollte ich, ist, dass Ferien und Urlaub zwei unterschiedliche Dinge sind. Das stelle ich wieder einmal fernab von Schule, Haushalt, Familie und Katern fest. Ferien sind toll, da will ich mich nicht beklagen. Urlaub ist etwas anderes, zwar auch Tage ohne aktiven Broterwerb aber Tage weg aus dem Umfeld mit seinen sonstigen Verpflichtungen, wie Ablenkungen. Im Alltag und zuhause abschalten zu können fällt mir zunehmend schwerer. Trotz Meditation ist in mir eine ständige Spannung, die die Arbeit von manchem Therapeuten erschwert (hat). Mit einem schwerkranken und einem sehr lebhaften zweiten Kind alleinerziehend und berufstätig galt ich als organisierte Powerfrau, die nebenbei noch kreativ und in Ehrenämtern unterwegs sein konnte. Es hieß Kopf hoch, Pobacken zusammenkneifen, Zähne zusammenbeißen, durchhalten und bloß nicht schlapp machen. Zwischen über Jahre kultiviertem „Reiß’ Dich zusammen!“ und dem nun gewünschtem „Machen Sie sich doch mal locker“ muss erst eine Brücke gebaut werden. Wenn da nicht meine Sorge wäre wie ein Kartenhaus zusammenzufallen, wenn ich tatsächlich loslasse. Wie das geht habe ich erlebt, kaum dass das erste Kind aus dem Haus war!
Ein Stückchen Loslassen übe ich jetzt, indem ich zwei Jahre eisern Gespartes in wenigen Tagen mit Genuss ausgebe, in einer herrlichen Umgebung, ab und an mit dem Luxus eines guten Essens, das mir an den Tisch gebracht wird und ein warmes Quartier – nicht bei Hempels unter dem Dach 😉

Seele baumeln lassen, Pflanzen finden und Vögel beobachten oder nur sitzen und schauen, was das Wetter so macht.  Mehr Pflanzenbilder zeige ich auf meinem Blog hierundfort.


Erkenntnis bzw. Einsicht
Vor mir zwei Wege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, nach oben, zum Wanderweg der zum höchsten Punkt der Insel Heimaey, Island führt. Sehr verlockend. Oben fliegen Vögel und der leichtere Weg führt dicht an einem Felsen mit brütenden Möwen vorbei. Mein linker Fuß schmerzt erträglich, die Muskeln jammern auch nicht, also los. Schon nach den ersten Metern bin ich leicht verunsichert, denn ich fühle mich trotz guter Schuhe nicht trittsicher. Das ich nicht schwindelfrei bin ist eine andere Sache, die zur Erschwernis dazu kommt. Kurz vor dem Vogelfelsen entscheide ich mich zur Aufgabe. Tief durchgeatmet beobachte ich noch zwei Papageientaucher und rutsche, lieber sicher als schick, auf dem Hosenboden die nächsten paar Höhenmeter hinunter. Die letzten Meter abwärts schaffe ich wieder als Zweibeiner. Schluss ist! Ab jetzt verzichte ich auf Touren in die Höhe. Ebenerdig kann man zwar auch fallen, wie ich schon bewiesen habe, aber nicht so tief.
Berge sehen von unten und von der Ferne aus mindestens ebenso schön aus. Dazu gibt es um mich herum und zu meinen Füßen so viel Schönes zu entdecken, was mir von hoch oben entgehen würde.

Strandspaziergang kurz vor Mitternacht

 

Beobachtung, die kein Mensch braucht, mich aber erschreckt
„Wo Du auch immer hinschaust!“ höre ich meine Mutter sagen. Aber was soll ich machen? In manchen Dingen blind erkenne ich anderes, ohne gezielt zu beobachten, aus den Augenwinkeln. Wenn sich Handlungen stetig wiederholen, wie ein „Mama, Mama,…“ oder der tropfende Wasserhahn, das monotone Klappern einer Tür schaut man doch irgendwann mal nach, bzw. hört hin, reagiert. Mit dem Auto unterwegs stehe ich zwangsläufig immer wieder auf Parkplätzen, um Pausen zu machen, Sehenswürdigkeiten zu besuchen, ein paar Schritte zu laufen, oder körperlichen Bedürfnissen zu folgen. So fiel mir in den Tagen wiederholt auf, wie viele Männer aus Klohäuschen kommend sich erst vor der Tür, in aller Öffentlichkeit, Hose und anderes zurechtrücken. Welche Schlussfolgerung ich denn daraus ziehen? Für mich ganz klar: Keine Hände gewaschen!. Damit will ich eine Bevölkerungsgruppe nicht schlecht machen. Sie orten sich mit diesem Verhalten nur offensichtlich. Viele Frauen ziehen sich in den Waschräumen eher ihren Lippenstift nach und erneuern ihr Deo, statt hygienischen Prinzipien zu folgen. Nationalitätenübergreifend.

 

Ärgernis

Ich komme von einer Wanderung zurück und habe einen Sprung in der Windschutzscheibe vom Mietwagen!

 

 

Wenn sich doch der Husten endlich verabschieden könnte!

Allen Zuhause wünsche ich eine schöne Woche!

 

 

Roggenbrot aus der Milchtüte

oder …

Ein Stück Island für den Gaumen

und Brot backen mal ganz anders – isländisches Roggenbrot, Rúgbrauð.

Ich bin eine Mutter, die, wenn ihre Kinder in der Weltgeschichte unterwegs sind, mit dem Finger auf der Landkarte mit reist. Das beginnt schon beim Flug, den ich, dank Apps, verfolge.

Bildschirmfoto vom 2016-06-15 um 15.19.24 über flightradar24

Mir macht das Spaß, lindert etwas meine vor Dauer-Reiselust scharrenden Hufe, aber es kann auch mal richtig nervös machen, wenn der Flieger vom Bildschirm verschwindet. Zum Glück flog Sohnemann dieses Mal nicht über China (da war auf seinem Japan-Flug mal schwupps das Flugzeug weg vom Bildschirm), sondern nur über Nordsee und Atlantik ins Land seiner und meiner Sehnsucht … nach Island. Ein Grund durch die Fotos vom letzten Sommerurlaub zu gehen und ein Anlass zwei unfertige Blogposts fertigzustellen (diesen hier und den überarbeiteten Reisebericht über Islands Norden).

Die Arbeit konnte ich mir etwas versüßen, denn im Tiefkühlgerät hatte ich noch einen Würfel selbst gebackenes Roggenbrot eingefroren. Das Rezept brachte mein Sohn von seinem ersten Aufenthalt aus Island mit, machte seine Schwester damit süchtig glücklich und ich backte das Brot dieses Frühjahr nach. Ein Brot, dass nicht geknetet werden muss war ideal in der Zeit, als ich durch den Armbruch eingeschränkt war und trotzdem gerne frisches, eigenes Brot essen wollte.

In Island wurde und wird dieses Brot, in Gegenden wo Geothermie sichtbar wie riechbar ist, häufig in Erdlöchern bzw. Spalten in Lavafeldern gegart, zum Beispiel in der Gegend rund um den See Mývatn im Norden. Überspitzt gesagt geht dort die Hausfrau einmal am Tag raus aufs Lavafeld, schiebt ein paar Steine weg, hebt einen Deckel, holt den Broteimer vom Vortag heraus und stellt neues Gargut in das Loch, bevor sie es wieder sicher abdeckt. Neben Brot lässt sich so auch anderes Backwerk herstellen und Eintopfgerichte garen.

Nun hat die deutsche Hausfrau keine geeignete Geothermie vor Ort, in Böblingen ist Geothermie eher ein unangenehmes Reizwort, und es muss der heimische Backofen genutzt werden. Wie das ganz genau vorgeht kann auf dem Blog meiner Tochter, Der Klang von Zuckerwatte, nachgelesen werden: Von leeren Milchkartons und isländischem Rúgbrauð. lch halte mich hier etwas kürzer. 😉

Sicher stellt sich der/die LeserIn an dieser Stelle die Frage, die ich mir ursprünglich auch gestellt hatte: „Nicht geknetetes Brot und dann noch im Milchkarton gegart statt richtig gebacken? Und das soll funktionieren?“ – Ja! Doch man muss Zeit und Geduld mitbringen, etwas was man von Isländern lernen kann. Was Roggenbrot üblicherweise in der Vorbereitung mit Sauerteig und später während des Gärprozesses an Zeit benötigt, verbringt diese Form von Roggenbrot vor allem im Ofen in der Milchtüte. Man kann sich tatsächlich für Stunden gemütlich zurück lehnen und es verkokelt im Backofen nichts!

Zutaten für ein isländisches Roggenbrot – Rúgbrauð

  • 200 g Roggenmehl
  • 40 g Vollkornmehl (Weizen oder Roggen)
  • 75 g Zucker
  • 1/2 Päckchen Trockenhefe
  • 1/4 TL Salz
  • 225 ml Milch

Alles verrühren, was selbst mit einem Gipsarm klappte, ab in die Tüte, abdecken und für 12 Stunden in den Backofen bei 100°C. Bei dieser langen Backzeit lohnt es sich gleich ein paar Brote gleichzeitig zu backen. Es lässt sich sehr gut einfrieren und verschenken!

Die erste Version wurde etwas heller, als ich es bisher kannte. Es lag wahrscheinlich daran, dass ich kein Roggenvollkornmehl verwendet hatte, sondern Dinkel.

Der zweite Versuch mit 100% Roggenmehl gelang deutlich dunkler und schmeckte fast wie das Brot in Island. Wahrscheinlich fehlte die Schwefelkomponente vom „raucht-und-stinkt“! Man könnte ja einen aromatischen Zusatzstoff entwickeln. 😉

Superlecker das süßliche Brot mit salziger Butter!

Die Variation mit Spiegelei und eingelegten Bärlauchstielen kam auch gut an.

 

Kopf hoch #2

und …

Happy birthday John

Ein guter Tag! Drei Stunden ohne Zwicken wie Zwacken in irgendeiner Körperregion, endlich kein wuschiger Kopf und die Gelegenheit genutzt die Kilos an Bilder der letzten Wochen auf den „richtigen“ Rechner zu ziehen, um sie in ordentlicher Größe zu sichten. Mit dabei sind all die Fotos aus Island und ich bin erst einmal richtig ab- und eingetaucht in Erinnerungen. Wenn ich könnte würde ich sofort alles stehen und liegen lassen und ab nach Norden. Vor allem heute!
Heute wäre John Lennon 75 Jahre alt geworden und von heute an bis zu seinem Todestag am 8. Dezember leuchtet in Reykjavik nachts, auf der Insel Viðey, der Imagine Peace Tower. Yoko Ono wird das Licht heute wieder anzünden: http://videy.com/en/vidburdir/tendrun-fridarsulunnar-3/
Wie gern wäre ich dabei!
Ich erinnere mich noch gut, wie ich bibbernd am 27. März 2013 around midnight an der Uferstraße Sæbraut stand, nachts von meinem Sohn aus dem Bett geholt: „Mutti, Nordlichter kann ich dir keine mehr bieten, aber den letzten Tag an dem das Licht vom Imagine Peace Tower brennt!“ Also raus aus dem Bett, irgendwas übergezogen (so sah ich dann auch aus!) und raus. Kamera dabei. Akku im Ladegerät liegen gelassen. Die Eindrücke in meinem körpereigenen Speicher eingelagert! 😉 Beeindruckend diese Lichtinstallation!

Bleiben uns hier vor Ort die kleinen Dinge um den Kopf zu heben, damit er uns nicht auf die Schultern sackt, und zu staunen was oben so alles zu sehen ist:

 

 

Faszinierend selbst aus weniger spektakulären Ansichten.

 

Gesehen in Karlsruhe, Europaplatz, im September 2015

Island – einmal rundherum #6

oder …

Der letzte Tag! Zum Abschluss Reykjanes, der goldene Kreis oder Reykjavik?

Das vorletzte Quartier auf Island hat so viel Platz, dass ich beschließe SuzieQ zu entrümpeln und alles nicht mehr benötigte an Ausrüstung wegzuwerfen oder in die Reisetasche zu packen.
Gute Idee!
Grundsätzlich.
Klappte zu 99,9% auch super, bis ich Hvolsvöllur verließ.
Mit jedem Kilometer weiter weg verringerte sich die Erfolgsbilanz, leider, DENN , … , MannMannMann, so was kann sich doch nicht in sooo kurzer Zeit wiederholen?!
Zwanzig Jahre lang war ich die Oberfindefachkraft für die Verlustsachen meine Kinder! Wenn gar nichts mehr ging wurde die Oma angerufen, sie fragte dann den Heiligen Antonius um Hilfe. Zwanzig Jahre lang erzählte ich meinen Kindern, wie verlieren, verlegen, verschusseln verhindert werden kann. Beide Kinder haben es besser im Griff als ich. So sieht’s aus!

Doch zuerst fing der Tag so richtig gut an.

Sonne! Super!
Alles passt(e)!
Für den letzten Tag nach drei Wochen Island hatte ich mir eine Abschlussrunde „raucht und stinkt“ auf der Halbinsel Reykjanes vorgestellt, ebentuell mit einem Bad in der blauen Lagune, um hinterher noch ein wenig Zeit beim shoppen in Reykjavik zu verbringen. Im Gästehaus dort hatte ich mich für 16:00 Uhr angemeldet.

Ich bin tatsächlich nachmittags um vier im Gästehaus, allerdings nur so lange bis sich meine Ahnung, wieder einmal etwas irgendwo vergessen und liegen gelassen zu haben, ich weiß irgendwann auch was ich vergessen habe (ohne zu suchen!), bestätigt!
Details später.

Ein wunderbarer Tag!
Spaßeshalber biege ich immer wieder mit SuzieQ für kurze Abstecher von der 1 in Nebenstrecken, die Schotter versprechen, ab.  Ehe ich mich versehe bin ich auf dem Weg zum Geysir und dem goldenen Kreis, den ich dieses Mal eigentlich links liegen lassen wollte. Hmm. Allerdings hatte ich all dieses bisher immer kalt und verregnet gesehen, da macht es Sinn weiterzumachen.

Strokkur, herrlich. Gulfoss, wunderschön. Þingvellir, ich will hier nicht weg, muss ich trotzdem abkürzen, denn es ist schon früher Nachmittag.

Raucht und stinkt am Strokkur

Faszinierend auch zu beobachten, wie andere beobachten. In der Summe wird nicht geschaut sondern auf Smartphone-, Tablet- und Kamerasichtfeldgröße reduziert fokussiert. Ich stecke die Kamera weg …

… und komme beim Wegstecken dann zu einem unbeabsichtigten Schnappschuss aus der Hüfte. 😀

Gulfoss, ich liebe diesen Wasserfall. Dettifoss plus Selfoss sind keine Frage toll und überwältigend (aber ich habe dort meine Schuhe vergessen!), und ich bin gespannt, wie sie sich mit besserer Rundumsicht das nächste Mal zeigen werden. Ich gebe ihnen eine Chance.
Vielleicht bin ich gerade auch ein wenig ungerecht, weil an diesem Tage einfach das Wetter stimmt!

 

 

 

Unterwegs musste ich die Touristenmengen aufhalten, Raupe fotografieren und retten. Raupe im schwarzgelben BVB-Outfit!! Cool män!

Ein paar Meter weiter machen Wind, Sonne und Konstanze mit Polfilter noch dieses Bild, um mich herum noch mindestens soviele andere Touristen, wie in zwei Busse passen. Geteilte Freude!

Gulfoss

 

Im Þingvellir

Bei einem letzten Blick auf die Gegend weiß ich, dass es eine gute Entscheidung war diese Runde am letzten Tag zu drehen. Noch einmal Natur pur erleben, wie ich sie drei Wochen erleben durfte. Noch einmal ganz tief Luft holen, die Ruhe genießen, eine Träne laufen lassen, mich vom Land verabschieden.

 

Graugänse kurz vor dem Abflug, wie ich!

In Reykjavik hat sich die Sonne hinter Wolken versteckt und mich erschlagen erst einmal die Baustellen in der Innenstadt.

 

Baustellen mit Sólfar im Hintergrund

Egal. Es ist warm genug zum draußen sitzen und ich freue mich auf eine Tasse Kaffee mit einem Stück Kuchen. Doch zuerst einmal das Auto leeren und fertig packen. Meine eigenen Besitztümer sind bis auf das irgendwo zwischen den Westfjorden und Askja liegen gelassene Handtuch komplett.

Es fehlt jedoch tatsächlich etwas. Meine Ahnung bestätigt sich nach einem Anruf. Das bei der Autovermietung geliehene, nicht funktionierende, mobile Wifi-Gerät liegt in Hvolsvöllur!

Das war’s dann mit Kaffee, Kuchen und shoppen. Dafür reihe ich mich in den Feierabendverkehr von Reykjavik ein – ja, es gibt auch Staus in Island! – schaue mir noch einmal die Gegend an – außerhalb von Reykjavik scheint tatsächlich die Sonne – und kaufe in Selfoss noch ein paar Kleinigkeiten für die lieben Kater- und Wohnungshüter zuhause ein. Drei weitere Stunden auf der Straße.

Für Reykjavik bleibt nur ein kurzer Spaziergang, ein leckeres Abendessen in einem neuen türkischem Restaurant. Freitag ist abends ab 21.00 Uhr fast nirgendwo mehr ein ruhiger Platz zum Essen zu finden und es war sehr lecker, Preis-Leistung super, ich glücklich und spätestens auf meinem Um-Weg zum Quartier über die Uferstraße Sæbraut und der Skulptur Sólfar wieder mit mir im Reinen.

Sólfar

 

Abflugtag

Zum Glück werden mir am nächsten Tag bei der Autoabgabe die Kosten für das verflixte Wifi-Ding erstattet – das nächste Mal muss ich mir eine andere Lösung fürs Internet einfallen lassen.

Noch ein letzter Schlenker ab von der Route bevor ich mich von SuzieQ verabschieden muss, entlang der Wellness-Bade-Anlage „Blaue Lagune“. Es regnet, keine Sicht, was sonst. 😉

An der Blauen Lagune

Das letzte Bild am Flughafen Keflavik, kurz bevor ich durch die Sicherheitskontrolle gehe. Einfach noch einmal tief Luft holen.

I still haven’t found what I’m looking for!
Aber ich bin ganz nah dran!

Meinereine drei Wochen alleine 5000 km im Auto unterwegs in Island ist zuende.
Drei Wochen ohne Radio, Fernsehen, Nachrichten, …
Drei Wochen mit wunderbaren Menschen, vielen interessanten Gesprächen und dazu die grandiosen Eindrücke, die die Natur so bietet.

Bevor ich nun den Computer abschalte höre und schaue ich mir noch ein/zwei Videos einer isländischen Band an, deren Musik mich all die Tage in Tankstellen, Geschäften, Gästehäusern, Hotels begleitet hat:

Kaleo – Way down we go (Live in a volcano)
Kaleo – I can’t go without you

Eine Überarbeitung, eine Zusammenfassung zur Route, den Kosten und eine Reihe Tipps sind in Planung.

 

 

Island – einmal rundherum #5

oder …

Islands Süden

Langsam lässt sich das Ende der Reise fühlen. Erste, mir schon bekannte, Landschaften tauchen vor mir auf. Nur sehe ich dieses Mal so viel mehr! Beim letzten Mal hatten sich die vielen Gletscher im Nebel und Regendunst versteckt. Nichts gesehen, nicht angehalten, vorbei gefahren.
Einen Vorgeschmack darauf, was ich zu sehen bekommen könnte, erhalte ich ganz früh am Morgen nach einer üblen Nacht in einem Zimmer, das kürzlich einen Raucher beherbergt hatte. An Schlafen ist nicht zu denken.
 
 


Alternativ genieße ich den Sonnenaufgang in Höfn mit Blick auf den Hafen und in Richtung der anstehenden Tour des Tages, die Gletscher satt verspricht!! Jökulsarlon und gleich danach, der „kleine Bruder“ in Sachen Gletscherlagune, Fjallsarlon, um dann an jedem Gletscher anzuhalten, wo es möglich ist. Ich bin überwältigt!

Jökulsarlon August 2015
Eisberge am Jökulsarlon 2015
Fjallsarlon

 

Eiderentenfamilie am Fjallsarlon

 

Svinajökull
Skaftafell
Genauso überwältigt hat mich einen Tag später die letzte Rumpelstreckenfahrt zum Campingplatz Þakgil. An der Zufahrt bin ich vor zwei Jahren mit dem kleinen Hyundai gescheitert. Für Suzie Q kein Problem. Wir haben beide die Strecke genossen. Allerdings ist jetzt der Sensor für das Kofferraumtürschloss ganz im Eimer, bzw. er funktioniert anders herum. Bisher leuchtete das Lämpchen als Bodenwellensensor auf, wenn es uneben wurde. Nach dieser letzten Fahrt leuchtet das Lämpchen konstant rot und geht nur noch aus, wenn ich in einem Schlagloch lande. Nette Variante. Dumm nur wenn ich das Auto schließen möchte. Die Zentralverrieglung funktioniert nicht bei Rotlicht.



Vik. Das schöne Wetter verzieht sich. Diesen hübschen kleinen Ort verbinde ich nach dem vierten Besuch weiter mit Kälte, Wind, Regen und nun noch mit einer kleinen unangenehmen Erfahrung der Marke: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint! Schade! Dafür war hier das Quartier wieder eine kleine Perle.
 

 

Die gute Tat und nun habe ich den Salat, ähm, den Gestank!

 

Genug von Vogelleichen auf den Straßen! Nicht zum ersten Mal saß ein Vogel (Möwe?) mitten auf der Straße!
 
verletzte Möwe?
 
Es wird gebremst – nicht immer, sonst gäbe es ja weniger plattes Federvieh – und man fährt um den Vogel herum. Warum manche Vögel immer wieder einfach so auf der Straße sitzen und nicht, schwupps – Auto kommt – wegfliegen (die Schafe laufen ja auch weg!), blieb mir lange ein Rätsel. Es war wieder soweit. Alle bremsten, fuhren einen Bogen, bis auf eine, meinereine. Ich fuhr an den Straßenrand und versuchte den Vogel an den Rand zu scheuchen.

 

Hmm, ging nicht so recht, Plan A gescheitert.

 

Plan B: Mich an meine Wellensittiche von anno früher erinnert und, ohne zu weiter nachzudenken, mit einem Griff meine Jacke aus dem Auto gegriffen, auf den Vogel geworfen und dem wurde es jetzt erst einmal Nacht. Das Viech geschnappt und an den Straßenrand gesetzt. Alles ging gut, für den Vogel. Blöd nur, dass beim „Tag werden“ der Vogelpopo noch auf meiner Jacke saß und meine linke Hand darunter. Muss ich weiter erzählen?

 

Wie ich diese Jacke entseucht bekomme, damit sie im Koffer transportfähig ist, muss mir erst noch einfallen. Meine Hand war selbst noch nach sechs- bis achtmal gründlich waschen und schrubben nicht wirklich geruchsfrei.

 

 

 

Ich erzähle die Geschichte meinem Gastherrn am Abend und er korrigiert mich erst einmal. Es war keine Möwe, sondern ein junger Basstölpel. Und ich soll glücklich sein, dass das Tier nur gepinkelt und sich nicht übergeben hätte. Dann hätte ich die Jacke wegschmeißen können. Ansonsten machen die Isländer kurzen Prozess mit den zu fett gewordenen Jung-Basstölpeln, denen es zu schwer fällt fliegen zu lernen. Mit dem Stock eins auf den Kopf und ab in den Topf. Mein Vogelfreundherz stolpert und als Vegetarierin wird mir schlecht.

 

Tags drauf sehe ich kurz nach meiner Abfahrt aus Vik, wie es einem Vogel genau so ergeht – Auto stoppt, jemand springt heraus, Stock geschwungen, Vogel geschnappt und ab damit in den Kofferraum, weiter gefahren. Mir wird wieder schlecht.

 

Ich hoffe, es ist nicht mein geretteter Vogel. Ihm wünsche ich schnelles Fliegenlernen, ganz viele erfolgreiche Fischjagden und ein langes Leben mit vielen kleinen schnell flugfähigen Jungen.

 

 

 

Meine Jacke stinkt so vor sich hin.

 

 

 

Ein neuer Tag.
 
Es regnet.

 

 
Halsanefshellir, kurz nach Vik – da möchte ich nicht vorbei fahren. Es ist Niedrigwasser und so können neben der Haupthöhle die anderen Höhlen mit Basaltsäulen erreicht werden. Was mir jedoch auffällt, mit Blick nach oben, sind die Unmengen an Vögel, die von den Felsen zum Meer und zurück fliegen – zu dieser Jahreszeit! In einer vor Wind und Regen geschützten Nische zwischen den Felsen warte ich auf eine Regenpause und beobachte weiter die Vögel. Schaue und warte. Wenn ich nicht wüsste, dass ab Mitte August die Papageientaucher Island verlassen, würde ich meinen, diese plumpen Objekte am Himmel mit hochfrequenten Flügelschlag sind Papageientaucher, puffins, lundis.
Konstanze, verzeih mir Regen hin oder her, aber ich brauche das Teleobjektiv als Fernglasersatz!
Boah, es sind Papageientaucher! Mengen! Hier und auch eine Station weiter in Dyrhólaey.
 


 

 

Viel sehe ich nicht auf der Weiterfahrt Richtung Westen. Am Myrdalsjokull fahre ich vorbei, genauso wie am Skogafoss. Es fällt so viel Wasser vom Himmel und es stehen so viele Busse auf den Parkplätzen, dass ich gar nicht erst anhalte.

 

 

 

Der Eyafjallajökull versteckt sich wie immer, wenn ich bisher vorbeigekommen bin, in Regenwolken. Dieses Mal schaue ich mir den 20-minütigen Film an um hinterher noch weniger von diesem Berg zu sehen.

 

 

Auf der Strecke folgen Schwemmlandebenen – auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Berge. Mit jedem Kilometer rücken diese mehr zurück und nach dem Seljalandsfoss ist es so etwas von flach rundherum, dass nichts den Blick auffängt. Vogelschwärme, wie ich sie seit ich Kind war nicht mehr gesehen hatte, lenken zusätzlich ab. Doch nicht nur mich, wie manche Bremsspuren auf den Straßen verdeutlichen.

 

 

 

Das alles sehe ich jedoch erst am späten Nachmittag, nachdem ich mich für drei Stunden, aus dem Regen, dem Wind und der Nässe kommend, im Saga-Museum zu den Stickerinnen und Stickern gesetzt hatte. Dort wird seit zwei Jahren die Geschichte der Njals-Saga gestickt, ein Werk, das zum Schluss ca. 90m lang sein wird.

 

 
„mein“ schlafender blauer Wikinger


 

 

Als sich am frühen Abend der Himmel tatsächlich aufklart fahre ich einen Teil der Strecke zurück. Freiwillig!
 
Ebene vor dem Seljalandsfoss in Richtung Þórsmörk
 
Auf dem Parkplatz am Seljalandsfoss herrscht zu dieser Zeit zwar keine gähnende Leere, doch es gibt wieder genügend Platz zum Parken und Laufen. Wieder eine Erfahrung mehr: Diesen Wasserfall sollte man wirklich erst abends besuchen.

 

 
Seljalandsfoss & Partner  


 


Seljalandsfoss


 

 

Wehmut kommt auf. Einen Tag habe ich noch.

 

 
 

 

Diesen Beitrag werde ich noch überarbeiten und genauere Details zur Reiseroute geben.

 

 
 

Island – einmal rundherum #4

oder …

Islands Osten
Wir drei Zicken sind weiter unterwegs: Suzie Q (mein Auto), Konstanze (meine Kamera) und ich. An Suzies „Lightshow“ auf dem Cockpit – ein Licht flackert immer – habe ich mich gewöhnt. Anstrengend ist ganz einfach das immer noch flatternde Lenkrad. Zwischen Tempo 75 und 85 km/h rüttelt es uns alle ordentlich durch. Auf Rumpelstrecken ist das egal, mal sehen, wie es auf der Ringstraße weitergeht.
Durch den Westen und den Norden entlang bin ich, wo immer möglich, Nebenstrecken gefahren.
Den Norden verlasse ich auf der Ringstraße um dann doch wieder ein Stück auf der alten 1, jetzt 901, zu fahren. Wohoo, Schotter, yeah, und jede Menge Möglichkeiten zum Anhalten! Kein Regen, auch keine Sonne, egal, Hauptsache kein Regen. Bevor ich überhaupt mein erstes Quartier erreicht habe weiß ich schon, und das sage ich jetzt ganz leise, drei Tage im Osten der Insel werden VIEL zu wenig sein!
Alle Reiseführer über Island widmen diesem Teil gerade einmal ein paar spärliche Seiten. Kein spektakulärer Wasserfall, kein Canyon, kein Gletscher, pah – lassen wir weg – und das ist gut so. Ich stelle mir die Frage, wie sich all diejenigen fühlen, die mit dem Autofähre von Dänemark aus in Seydisfjördur ankommen. Das will ich auch einmal! Aber es ist auch gut, dass all diejenigen, die dort an Land gehen ganz, ganz schnell weiter fahren. Dieses Fleckchen gehört mir! 😉

 

 

 

 

 

 

Der Osten ist, gerade eben weil viele einfach nur durchfahren, ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderfreunde. Wandern ist zwar nicht so unbedingt mein Ding, aber um dorthin zu kommen, wo Natur zu erleben ist, um ruhige schöne Plätze zu erreichen, muss halt mal etwas an Stock und Stein überwunden werden.

 

 

 

 

 

Wie das Wetter auch wird, hierher komme ich ganz sicher wieder. Der Plan ist im Kopf schon fertig.
Diesen Beitrag werde ich noch überarbeiten und genauere Details zur Reiseroute geben.

 

Island – einmal rundherum #3

 

Islands Norden
Die Westfjorde verabschiedeten sich mit Regen. Am Morgen stand ich vor meinem Auto und hatte keine Chance es trockenen Fußes zu erreichen. Der Parkplatz war eine riesige Pfütze und alle Autos standen mittendrin. Es hatte in der Nacht wieder angefangen zu regnen.
Ab jetzt ging es in Richtung Osten. Kaum lagen die Westfjorde hinter mir hörte tatsächlich der Regen auf, dafür zog Nebel auf. Die Sonne kam nur ab und an als Silberscheibe am einheitsgrauen Himmel hervor. So blieb es dann die nächsten Tage, als meine Route abseits der Ringstraße 1 entlang der nördlichen Fjorde führte. In Richtung Norden entlang der Landzunge ging es bergan und rein in den Nebel. Teilweise sah man gerade einmal den übernächsten Straßenpfosten – was rechts und links der Straße wächst, kreucht und fleucht, Fehlanzeige. Kilometerweit. Richtung Süden, talwärts zur Fjordspitze gab es langsam wieder etwas zu sehen. Nicht immer. Teilweise machte sich auch in Meereshöhe der Nebel breit. So ging es mir in Hvammstangi. Super, endlich Sicht, sogar Sonne. Nettes Plätzchen und, warm eingepackt, eine Tasse Kaffee im Freien!!!, doch kaum aus dem Ort heraus war ich wieder wie in Watte gepackt.
 
Gleicher Ort, andere Stimmung – nördlich von Hvammstangi.
 
Hvítserkur im Nebel

 

 

 

Hvítserkur in der Morgensonne
Suchbild mit zwei Vögeln

 

Hunafjördur, Skagafjördur, Eyafjördur – immer genauso weiter. Dann doch lieber Regen, damit man wenigstens die Straße sieht? Den hatte ich dann auch ab Akureyri, in allen Varianten: Sprühregen, Nieselregen, Regen eben, und zur Krönung Eisregen bei der gebuchten Tour im Hochland. Askja, echt cool.
Blöd nur, wenn meinereine tags zuvor die Wanderschuhe auf dem Parkplatz vom Dettifoss (Wasserfall) stehen lässt!
Ich hatte mich nach einer kleinen Wanderung von Wasserfall zu Wasserfall – Dettifoss zu Selfoss – am Auto umgezogen. Also Regenkleidung aus und weil ich nicht mit den verdreckten Stiefeln Auto fahren wollte, diese auch gleich gegen Turnschuhe gewechselt. Dabei machte der Himmel wieder seine Schleusen auf, ich ab ins Auto und los zum Quartier – das einzige richtige Hotel auf dieser Reise.
Godafoss

 

 

 
Dettifoss

 

Selfoss

 

Der nächste Tag! Die Hochlandtour. Ich fuhr zum Sammelpunkt, packte meinen Rucksack: Kamera, Wechselkleidung, Proviant, warmer Pullover, Schal, Handschuhe (oben auf den Bergen liegt noch Schnee). Jetzt nur noch die Wanderschuhe anziehen, … der Griff ging ins Leere, die Erkenntnis und das Bild vor meinem inneren Auge war so etwas von glasklar – die Teile stehen einsam und verlassen mitten auf einem Parkplatz, eineinhalb Stunden von diesem Ort!! Argh! Blöd. Blöd. Blöd!!!
Ich machte die Ausfahrt trotzdem mit. Vielleicht nicht die beste Entscheidung für meine Gesundheit und Konstanze (meine Kamera – hat dann einen Tag lang geschmollt), aber dank der Reiseleiterin habe ich doch tatsächlich zwei Tage später meine Schuhe wieder! Sie hatte die Ranger angerufen, die sich nach meinen Angaben auf dem Parkplatz umschauten und sie standen tatsächlich noch Stunden später da, wo ich sie ausgezogen hatte!

 

Kraterseen Askja (kalt) und Viti (warm)
Pfad zum Askja
Die Isländer meinen, es wäre der kälteste und niederschlagreichste Sommer seit 30 Jahren.
Schade. So bin ich an manchen Zielen tatsächlich vorbeigefahren, weil ich nicht einmal das Schild am Straßenrand gesehen habe.
Trotzdem ist es einfach traumhaft schön, was es an Natur zu sehen und zu erleben gibt. Zu beobachten, wie sich immer wieder die Landschaft verändert. Von West nach Ost wird es immer grüner um einen herum. Die ersten Bäume sieht man wieder und irgendwann in Richtung Akureyri kleinere Baumpflanzungen, die es schwer haben im Wind gerade hoch zu wachsen. Je grüner es wird umso mehr landwirtschaftliche Betriebe und Pferde sieht man rechts und links der Fahrbahn.
Kurz vor dem See Myvatn ändert sich dieses Landschaftsbild fast schlagartig wieder. Die Grünflächen verschwinden, Lavagestein zeigt sich, ab und an ist kaum mehr grüner Bewuchs zu sehen. Weiter nach Osten geht es stetig bergan – mal sehen was der Osten Islands mir bringt.
 
Akureyri

 

 

 
Hafen von Siglufjördur

 

Skulpturen am Rauda Kaffi
Muss jeder wissen, ob er hier weiter fährt! War nicht lustig für manchen PKW!

 

 
Am Hljoðaklettar – Echofelsen

 

 

Abfließender Dettifoss
 
Myvatn

 

Myvatn

 

 
Geothermie für das Naturbad am Myvatn

 

Geothermiewerk Krafla

 

Filmkulisse in „Collateral“
 

 

Diesen Beitrag werde ich noch überarbeiten und genauere Details zur Reiseroute geben.