11 Fakten über mich und den Schulanfang

oder …

Mehr als ein halbes Jahrhundert Schule und immer noch nicht fertig!

Ich erinnere mich an eine Frage, vor Jahren, an meinen Sohn und seine Schwester gestellt, doch richtig im Gedächtnis blieb mir seine Antwort:

„Meine Schwester geht auf’s Gymnasium, ich auf die Realschule und Mutti, tja, die wird wohl auf der Hauptschule bleiben.“

Die Aussage kann man sehr verschieden auslegen. Die beste Grundschulempfehlung hatte meine Große, die beste Mittlere Reife hatte ich und das beste Abitur Sohnemann. So hat jeder sein Highlight aus der Schulzeit.

 

1 Das erste Schuljahr

1965 begann das Schuljahr noch zu Ostern, entsprechend wurde eingeschult. Die offiziellen Einschulungsfotos entstanden jedoch erst im Herbst, zum Glück, denn inzwischen hatte ich wieder Zähne im sichtbaren vorderen Bereich.

Im Fotoalbum fand ich noch ein anderes Foto, das mich zusammen mit meiner Freundin auf unserem ersten Schulweg zeigt. Noch hatten wir die Hoffnung zusammen in einer Klasse zu sein. Was waren wir traurig, dass dem dann nicht so war! Inzwischen bin ich noch viel trauriger sie nicht mehr auf dieser Welt zu wissen.

Wie stolz wir auf unsere Schultüten waren! Auch wenn sie unten in der Spitze mit Zeitung ausgestopft nicht arg viel Inhalt hatten, doch an den Luxus der Tafel Schokolade, den neuen Buntstiften und der Tüte Bonbons, nur für mich, kann ich mich noch gut erinnern! Und meine Tüte war sechseckig und nicht rund wie alle anderen!

Riesige Klassen waren es und viele. Ich ging in die 1e mit mehr als 50 SchülerInnen. Die junge Lehrerin teilte irgendwann die Klasse in zwei Leistungsstufen, ungeschickterweise mit den Namen „Wiesele“ und „Wusele“, die „Guten“ und die „Bösen“. Durch meine Rechtschreibschwäche landete ich bei den, … na was meint ihr? …, Wusele. Das traf mich schwer. Zudem schickte man mich in einen Sprachkurs, da ich wohl einen Sprachfehler hätte. Der Meinung war meine Mutter zwar nicht, doch sie brachte mich brav einmal die Woche ins Gesundheitsamt zur Sprechschule. Ich erinnere mich noch blass an Worte, die ich nachsagen sollte, wie „Schlüssel, Susi, russisch, …“. Irgendwann wurde ich als geheilt verabschiedet. Meine Mutter ist immer noch sicher, dass man mich mit jemand anderem verwechselt hatte. Doch die Damen und Herren ließen nicht mit sich reden, gaben ihr auch keine weitere Auskunft.

Nun denn, nach der „Heilung“ durfte ich nach einer erfolgreichen Lesenote zu den Wiesele wechseln!

Auszug aus meinem zweiten Schreibblock aus der 1. Klasse

 

2 Handarbeitsuntericht in der Grundschule

Was hatte ich mich auf diese Stunden gefreut und sie dann ganz schnell hassen gelernt. Wir lernten häkeln in der zweiten Klasse und sollten irgendwann unsere Puppen mit Eigenkreationen mitbringen. So saßen wir Mädels in dieser Vorstellungsrunde und präsentierten unsere Puppen. Nachdem ich meine Puppe hob und zeigte stellte mich Frau S. auf einen Tisch, mit den Worten: „So sieht eine Lügnerin aus!“. Ich verließ die Schule fluchtartig – ein völlig unverzeihliches Fehlverhalten in dieser Zeit. Irgendwie brachte meine Mutter wieder Frieden in die Sache, aber Spaß hatte ich keinen mehr bei Frau S. im Unterricht.

Für mich sind Erfahrung aus der Grundschulzeit Schlüsselerlebnisse, die mich so geprägt haben um viele meiner Handlungen wie Entscheidungen als Lehrerin heute noch zu beeinflussen.

 

3 Grundschuljahre = Kurzschuljahre

Nach der ersten Klasse, die noch Ostern endete kam es zur großen Änderung. In Zukunft sollten die Schuljahre im Herbst, nach den Sommerferien beginnen. Dazu wurden zwei Schuljahre auf jeweils ein Dreivierteljahr gekürzt und zogen als Kurzschuljahre in die Geschichte ein. So hatte ich nach eineinhalb Jahren die zweite und die dritte Klasse im Schnellverfahren erledigt. Dummerweise wurden in meiner Schule zwei Lehrerinnen krank und eine schwanger, was so viel hieß, dass in noch mehr Schichtdienst in den Klassen unterrichtet wurde, oder an einem Doppeltisch drei SchülerInnen saßen. Zudem schafften viele SchülerInnen es nicht das benötigtes Wissen in so kurzer Zeit zu verinnerlichen um es ins nächste Schuljahr zu schaffen. In der vierten Klasse, im ersten wieder regulär laufendem ganzen Schuljahr, waren viele bekannte KlassenkameradInnen durch Neuzugänge aus anderen Klassen ausgetauscht.

 

4 Realschule

Als eine der wenigen, die ohne Probleme die Kurzschuljahre überstanden hatten, saß ich als Zweitjüngste in meiner neuen Klasse nach der Grundschulzeit. Es war eine schwierige Entscheidung meiner Eltern gewesen mich in eine mir entsprechende weiterführende Schulart zu stecken. Die Realschule war in der Nachbarschaft zu Fuß zu erreichen. Zum Gymnasium gab es keine funktionierende Buslinie und den Fußweg von 30 Minuten quer durch die Stadt wollten mir meine Eltern ersparen. Den Zuschlag bekam die Realschule, die ich trotz ein paar, wenigen, Tiefen mit 15 Jahren, mit einem Megasuperzeugnis, abschließen konnte.

Absolut mistig hatte ich es gefunden, wie Mädchen und Jungen von vorne herein in hauswirtschaftlich/textile und handwerkliche Fächer aufgeteilt wurden. Ich wollte, nicht nur aus den unangenehmen Erfahrungen aus meiner Grundschulzeit heraus, nicht in Kochen und Handarbeit. Keine Chance! Mädchen gehörten laut Plan in die Küche und Jungs in den Werkraum. Irgendwann hatte ich den Mut und heulte mich nicht nur zuhause sondern noch bei meiner Klassenlehrerin und meiner Erdkundelehrerin aus. Beide konnten meinen Wunsch verstehen und traten eine Welle los in Richtung Schulleitung, Schulamt und weiter nach oben. Sie erreichten, dass meine Freundin und ich in der Parallelklasse am Werk-Unterricht der Jungs teilnehmen durften, zusätzlich zu unseren regulären Näh- und Kochstunden. Wir Mädels waren glücklich, drei Nachmittage lang. Danach verweigerte der Werklehrer uns weiter in den Stunden zu dulden. Wir würden die Jungs ablenken und demotivieren (wir hatten die Holzschale einfach schneller und besser aus dem Brett herausgeklopft gehabt und so etwas geht gar nicht!). Überhaupt, alles muss doch seine Ordnung haben. Punkt. Abgeheult bei meiner Klassenlehrerin bin ich seit dieser Zeit immer in irgendeiner Art und Weise sozial und politisch aktiv.

 

5 Wirtschaftsgmnasium

Dieser Weg zum Abitur zu kommen war eine Notlösung. Mir wäre das Technische Gymnasium lieber gewesen, doch schon bei der ersten Vorstellung dort kamen Aussagen wie: „Mädchen haben es potentiell schwierig hier. Mädchen halt!“. Die mangelhaft in Physik im 1. Halbjahr der 9. Klasse war dann ein Aufhänger, den die „2“ in der Mittleren Reife nicht wett machen konnte, für sorgenvolle Blicke über meine zu vermutenden Lücken in technischen Angelegenheiten. Blieben die Alternativen Hauswirtschaftliches Gymnasium und Wirtschaftsgymnasium.  Nun denn, vielleicht hätte ich doch lieber die erste Alternative gewählt, denn trotz aller mathematischer Kompetenzen fehlte mir die Bereitschaft mich auf wirtschaftliche und buchhalterische Strategien einzulassen. Trotz aller Perfektionierung von Spickzetteln und Entwicklung neuer Methoden zum Verbessern der schriftlichen Leistungen hatte ich meine Sorgen, ob ich das Abitur in den Wirtschaftsfächern bestehen würde. Wahrscheinlich hätte ich es sogar geschafft. Meine Glanzleistung beim Schummeln hatte ich bei meiner letzten Physikarbeit. Die Lösungen schrieb ich fast komplett aus den Unterlagen des Lehrers ab. Er hatte sie offen auf dem Lehrerpult liegen gehabt. Naja, ok, einmal habe ich in seinem Script umgeblättert und vor der Weiterarbeit an meiner Klassenarbeit erst einmal etwas Adrenalin abatmen müssen. Es war auch das letzte Mal. Mir war das zu anstrengend, die Sorge erwischt zu werden zu grtoß, da lernte ich doch lieber besser.

In den vielen Jahren danach als Lehrerin hat es nur ein Schüler geschafft mich in Sachen Täuschung zu übertrumpfen. Inzwischen selbst schon Vater begegne ich ihm ab und an und vielleicht verrät er mir seinen Kniff dann auch mal.

 

6 Die Stuttgarter Jahre und die Lehrerausbildung

Diese vier Jahre am Pädagogischen Fachinstitut und Fachseminar zähle ich zu meinen schönsten Schuljahren. Sie waren verflixt anstrengend, doch kreativ an allen Ecken und Enden. Endlich konnte ich Werken, mit Holz, mit Ton, mit Kunststoff und Metall. Viele Stunden waren mit praktischen künstlerischen Aufgaben zugepackt, dass ich im Nachhinein die nicht unerhebliche Anzahl an theoretischen Stunden mit Mathe, Deutsch, Englisch und pädagogisch-methodischen Fächern völlig vergesse. Die üblichen Hauptfächer mussten sein, denn neben der Lehrerausbildung sollte noch eine Fachhochschulreife erlangt werden.

Weit über 100 Bewerber hatten sich zu den drei Tagen Aufnahmeprüfung angemeldet, 30 wurden aufgenommen. Ein Grüppchen von acht Bewerbern verstand sich auf Anhieb und wir verbrachten die drei Tage auch in den Pausen zusammen. Alle von uns acht bestanden, eine trat die Ausbildung nicht an und von den sieben verbliebenen sind wir noch fünf, die auf irgendeiner Art und Weise regelmäßig im Kontakt sind.

Die künstlerische Freiheit, die man uns als Studenten gegeben hatte war enorm groß. Ob wir uns alleine in ein Eck zurückzogen und malten, oder als Gruppe skurrile Projekte entwickelten war im künstlerisch, kreativen Bereich akzeptiert, wie auch (wie auf dem Foto bei einer Feier zum zweijährigen) ein wenig Kabarett, oder satirisches. In Keramik, Holz und Metall ging es deutlich strikter zu. Material verstehen lernen und die Verwendung der passenden Werkzeuge, Werkstücke produzieren standen als Aufgaben im Vordergrund und danach kam es zum Freiraum für Eigenes. Unabsichtlich entwickelte sich aus dem Metallbereich eine Aufgabe – Teesiebe – als Dauernebenprojekt unserer Ausbildung. Wir sammelten, entwickelten, „sahen“ Teesiebe an allen Ecken und Enden und so wuchs eine nette Sammlung an funktionierenden, originellen, sonderbaren und witzigen Teesieben in einer der großen Vitrinen im Eingangsbereich unserer Ausbildungsschule. In der Nachbarvitrine veränderte sich einsam eine Birne mit Gesicht. Ende der 1970er, Anfang der 1980er stand dieses Obst für einen Politiker. Man ließ uns gewähren.

 

7 Der Dienstantritt

Auch 1981 entließ man Junglehrer nach der Ausbildung und sie mussten zusehen wie sie finanziell über die Sommerferien über die Runden kamen. Ich war diese Wochen in Schweden, half meinem Freund nach seinem Umzug nach Stockholm sich einzurichten. Alle zwei, drei Tage stand ich am Münztelefon und warf meine über die Tage gesammelten Kronenmünzen ein um meine Eltern anzurufen, ob endlich ein Bescheid zur Einstellung gekommen ist. Diese verflixte Maschine schluckte die Geldstücke schneller als ich sprechen konnte!

Nach fünf Wochen kam endlich der Bescheid, dass ich eingestellt werden würde, gefolgt von einem sehr gedämpften „Juhuu“. Damals noch in Oberschulamtsbezirke eingeteilt hatte ich gehofft zumindest im Bereich vom Oberschulamt Stuttgart eine Stelle zu bekommen. Es wurde Oberschulamt Freiburg, aber nicht entlang des Rheins zur französischen Grenze, nein, Hochrheingebiet, finsterste deutsche Provinz, 200 km weg von zuhause und 200 km weiter weg von meinem Freund. Dazu musste ich innerhalb von drei Tagen diese Stelle persönlich bestätigen.

Taschen gepackt, mich von meinem Freund tränenreich verabschiedet, in meinen 2CV4 gestiegen und mich mit 90km/h maximaler Stundengeschwindigkeit (bergab oder mit Rückenwind) auf den Weg nachhause gemacht. Passend zu meiner Stimmung kam einer der ersten Herbststürme auf. Wer schon einmal eine Ente gefahren hat weiß was Wind für dieses Fahrzeug bedeutet. Das Faltdach bläht sich auf, die Fensterflügel flattern, der Gebläseschacht über dem Armaturenblatt vibriert – man hat schon bei geringer Geschwindigkeit das Gefühl abzuheben um sich den Graugänsen am Himmel anzuschließen. Zumindest die Richtung stimmte! Ich fuhr durch bis Helsingborg, setzte über nach Helsingør, fuhr weiter durch Dänemark nach Rødbyhavn um nach Puttgarden überzusetzen. Der Wind nahm immer mehr zu. Auf der Fehmarnsundbrücke standen Laster auf einer Spur und bildeten einen Windschutz für die PKW, die nur noch im Schritt fahren konnten. Am Brückenende war ich so fertig mit der Welt, dass ich, obwohl es inzwischen schon spätabends war, eine Tante meines Freundes in Hamburg anrief und sie um Quartier bat. Ich hatte sie vorher erst einmal gesehen, doch was war ich glücklich bei ihr gegen Mitternacht wärmstens aufgenommen zu werden. Von oben bis unten verspannt, durch die Kraftanstrengung das Lenkrad in meinem beinahe Flugmobil auf der Spur zu halten, fiel ich wie ein Stein ins gemachte Bett. Zwei Tage später stand ich dann im Schulamt in Waldshut, wo man mir auf meine Frage, ob es denn eine Chance gäbe auf eine Stelle näher an Stuttgart, die Antwort gab: Wenn Sie diese Stelle nicht annehmen zeigen Sie ihr Nichtinteresse am Schuldienst in Baden-Württemberg.

Ich trat die Stelle an, als Fachlehrerin für musisch-technische Fächer, was damals hieß, mit Lehrbefähigung für die Fächer Kunst und Werken.

 

8 Das erste Dienstjahr

Mein lieber Mann, wenn ich mir das im Nachhinein so vorstelle! Ich war, alleine durch die Kurzschuljahre, gerade einmal 21 Jahre alt als ich meine erste Stelle als Lehrerin begann. Mein ältester Schüler in der 9. Klasse war 19! Wie oft hatten diese 9er mir meine Auto so zwischen zwei Bäume gehoben, dass sie meinten ich käme da nicht mehr weg. Wer jedoch seine Ente kennt, weiß sie aus dem engsten Parkplatz zu wuppen, auch alleine, blond, mit schmalen Schultern.

Aber mal ganz von vorne. Ich war geschockt als ich das erste Mal vor diesem Schulhaus on the edge of nowhere stand. Ich befand mich in einem Dorf, das an der einen Seite den Rhein hatte und auf der anderen Seite eine Hügelkette, die meine Ente in der Steigung kaum bewältigen konnte. Eingekesselt in der Einflugschneise zum Flughafen von Zürich ist das der einzige Eindruck von großer, weiter Welt, denn damals wie heute liegen fast alle näheren Sehenswürdigkeiten auch in der Schweiz. Vielleicht bin ich jetzt etwas ungerecht, doch immerhin wurde ich als Stadtkind mit hochtrabenden Ökotendenzen und Zurück-zur-Natur-Idealen von jetzt auf nachher geerdet.

Erste Besichtigung

Der erste Besuch der Schule zeigte zumindest einen ordentliche Bau, und ich konnte von einem intakten Werkraum träumen. Ausgeträumt war es am ersten Schultag, als mir ein Kellerrraum präsentiert wurde. Werkbänke waren vorhanden, auch ein Schrank mit ein paar Werkzeugblöcken. In einem Gelass stand eine Kreissäge, die der Hausmeister zu seinem Eigentum zählte (ich aber in diesem Zustand auch nie hätte benutzen wollen). Material – Fragezeichen. Elektrische Bohrmaschine – Fragezeichen. Drei schmale Fenster als Oberlichter mit wenig Eignung als Belüftung. Der junge, neue Rektor zeigte sich aufgeschlossen Gelder zu besorgen für neue Geräte. Aber wo besorgen? Ich hatte bis auf Mittwoch immer nachmittags Unterricht. Und am Mittwoch waren in der Kreisstadt Waldshut am Nachmittag alle Geschäfte geschlossen. So besorgte ich meinen Material- und Werkzeugeinkauf immer am Wochenende zuhause rund um Stuttgart und hatte auf dem Rückweg meine Sorgen all das Zeug zwei Mal über die Grenze zu bringen. Der schnellste und einfachste Weg führte über Schaffhausen in der Schweiz,

Andere Geschichte aus der Zeit im tiefen Süden. Meine Wohnung war eine zweigeteilte Angelegenheit, lag im Obergeschoss eines ehemaligen Stallgebäudes, über eine schmale Holzstiege an der Außenseite zu erreichen. Dafür war der Parkplatz mehr als großzügig. Von der Stiege aus gelangte man in einen Flur, von dem aus drei Türen gingen. Geradeaus kam man in eine abgeschlossene Wohnung. Meine „Wohnung“ hatte die Tür links zum Schlaf-/Wohnzimmer und die Tür rechts zu Küche, Bad und Balkon. Damit hätte ich mich irgendwie und irgendwann arrangieren können, aber dass die Heizung immer erst dann angeschaltet wurde, wenn mein Nachbar abends nachhause kam war vor allem in den Wintermonaten unerträglich.

Es waren noch etliche andere Dinge unerträglich, aber ein Ereignis hat sich in all den Ungeschichten eingeprägt, zusammen mit meinem auf der Autobahn liegen gebliebenen Auto nach der kältesten Nacht dieses Dezembers. Ich lag durchgefroren vom Tag, durchgefroren von einer Nacht ohne Heizung (der Nachbar war auf einer Dienstreise) mit Wintermantel im Bett als die Meldung zum Aufstehen im Radio kam, John Lennon war gestorben.

https://www.abendblatt.de/politik/ausland/article107064948/Der-Tag-an-dem-John-Lennon-starb.html

Von diesem Jahr könnte ich noch Geschichten erzählen, die ein Buch füllen würden. Aber ich beschränke es auf eine.

 

9 Der erste Schulunfall

Unfälle passieren, trotz aller Vorbereitung, Ermahnung, Sicherheitsbelehrung, … .

Heute bauten meine 10er die niegelnagelneuen elektrischen Dekupiersägen auf und durften sie nach einer Einweisung ausprobieren. Bis auf einen Schüler wollten alle sofort loslegen, waren ganz heiß auf Maschineneinsatz. Dieser eine Schüler fragte, ob er das Werkstück mit der Hand aussägen dürfte: „Nee, Frau Be. Lassen sie mal die anderen ran. Ich hab‘ da Schiss. Echt. Die Dinger sehen so harmlos aus und schon ist das Sägeblatt im Finger.“ Ich fand diese ehrliche Aussage sehr mutig im Beisein seiner Mitschüler. Doch sie gingen, nach dem Gehörten, sehr viel vorsichtiger an die Maschinenarbeit als sie es sonst gemacht hätten. Nur findet man nicht immer Vernunft in den Handlungen im Unterricht.

Doch zurück zum ersten Dienstjahr und dem ersten Unfall. Zweite Klasse, Kunstunterricht, es wurden Linien mit Bleistift und Buntstiften gezogen als ich zuerst ein „Oh“ hörte und dann einen Aufschrei. Eine Klasse im Zaum zu halten ist schon eine Sache für sich. Eine Klasse, die einen Schreck erfahren hat zur Ruhe zu bringen ist Schwerstarbeit auf ganz vielen Ebenen: selber Ruhe bewahren, zur Unglücksstelle kommen, betroffenen Schüler finden, die Unglücksursache herausfinden, die umstehenden Schüler beruhigen, die Sachlage begutachten, den betroffenen Schüler beruhigen, die anderen Schüler beruhigen, zwei/drei Schüler bestimmen die Hilfe holen, zwei/drei Schüler bestimmen die den betroffenen Schüler trösten, den Rest der Schüler mit irgendwelchen Beschäftigungen stetig und langsam aus dem Unfallgebiet holen und so beschäftigen, dass sie auch beschäftigt sind, … ,

Was passiert war? Ein Schüler hatte sich einen Buntstift in die Hand gestoßen, dass er auf der Handfläche herauskam. Ich frage mich heute noch wie das passiert ist, denn es war für eine zweite Klasse ruhig gewesen, keiner hatte groartig gehampelt. Es ist passiert. Die Mutter sah es völlig entspannt, als sie den Burschen abholte. Es blieb auch kein Schaden, denn der Stift ist zwischen Sehnen und Knochen glatt durch die Hand gegangen. Aber ich hatte nun die Realerfahrung hinter mir, von wegen Handeln in Notfallsituationen. Es sollte nicht die einzige bleiben.

 

10 Versetzung, Abordnung, noch eine Versetzung usw.

Lauter neue Schulanfänge folgten nach dem ersten Schuljahr als Lehrerin im südlichsten Süden. Eine Woche vor dem Beginn meines zweiten Dienstjahres kam die Versetzung ins Schulamt meiner Wahl. Meine Vermieterin hatte es schneller erfahren als ich und hatte mich buchstäblich vor die Tür gesetzt. Kurz vor Ferienende fanden meine Eltern alle meine Besitztümer aus der „Wohnung“ geräumt im Flur, die Zimmer mit neuen Schlössern versehen. Sie hatten eigentlich ein paar Tage Ferien dort in der Gegend machen wollen und standen trotz bezahlter Miete vor verschlossenenen Türen. Egal, ich war versetzt worden. Gut. Wobei auch Gut manchmal zwei Seiten hat, denn in den nächsten sieben Jahren folgten vier neue Schulen bis ich mir die fünfte selbst aussuchen konnte. An dieser Schule bin ich heute noch, inzwischen seit über 20 Jahren.

Viele Höhen und vor allem Tiefen hat es gegeben. Ein Stück weit habe ich neben viel Herzblut für die Belange meine Schüler auch Gesundheit gelassen. Ich liebe den Neuanfang des Schulgartens und wenn ich in „meine“ Werkräume gehe fühle ich mich in der Seele einfach wohl. Trotzdem habe ich in diesem Sommer beschlossen, nach 39 Jahren im aktiven Schuldienst, die Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, mit Abzügen, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Keine sieben Jahre mehr, sondern nur noch fünf. Die Nase ist zu, trotz OP, durch Holzstaub, Allergie und was immer auch. In der Lunge pfeift es wieder, obwohl ich brav meine Sprays nehme.

 

 

11 Kräuterschule

Beinahe hätte ich diesen Schulanfang vor einem Jahr vergessen! Wie konnte ich nur, da ich doch mitten in der Prüfungsvorbereitung stecke! So also funktioniert der Verdrängungsmechanismus. 😉

Hinter der Intention die Ausbildung zur Kräuterpädagogin zu beginnen lag der Wunsch die Pflanzenwelt rund um unser sehr großes grünes Schulgelände zu bekommen um das auch in den Unterricht einbringen zu können. Vieles konnte ich mir im Internet anlesen, doch manchmal verwirrten mich unterschiedliche Informationen. So machte ich Nägel mit Köpfen,

Ich wollte es noch einmal wissen, noch einmal anpacken, noch einmal lernen für einen Abschluss. Inzwischen weiß ich wie schwierig es ist sich auf eine Prüfung vorzubereiten wenn man nicht mehr quirlige 15 sondern Endfünfzigerin ist. Wenn dazu noch der Berufs- und der normale Alltag zur Zufriedenheit aller erfüllt werden ist die Luft noch schneller raus.

Daumen drücken zwischen dem 20.10. und 22.10.2017!

Wenn ich die Prüfung nicht schaffen sollte, auch gut. Es war eine Erfahrung und irgendwann muss auch mal gut sein.

 

Jetzt ist es doch mehr geworden als ich beabsichtigt hatte, wobei ich an mancher Stelle etwas das Thema verfehlt habe 😉 und an anderer etwas weg ließ. Ich bin traurig was nach vielen Reformen von der Hauptschule übrig geblieben ist. Der Facharbeitermangel ist eine hausgemachte Sache. Wie sollen SchülerInnen denn Zugang zu praktischen Arbeiten haben, wenn diese Fächer immer mehr aus den Bildungsplänen gestrichen werden? Die wenigsten Kinder haben von Haus aus ein Werkzeug gesehen und kennen von klein auf eher Computer & Co. Hatten vor zwanzig Jahren Hauptschüler drei Stunden Technik und drei Stunden Hauswirtschaft mit textilem Werken in der 8. Klasse ist für praktisches Arbeiten in nur noch ein Bruchteil davon übrig. Wenn es hoch kommt sind es sechs Wochen à drei Unterrichtsstunden für Technik.

Umfasste mein Lehrplan am Anfang meiner Lehrerzeit nur ein paar DinA5-Seiten stecke ich in einem wer weiß wie vieltem Neuanfang eines Bildungsplans, dessen Inhalt inzwischen so groß ist, dass wir diesen auf einem Datenstick erhielten. Meine studierten Fächer muss ich in neuen Fächern und Fachverbünden zusammensuchen. Ich weigere mich innerlich musisch-technische Erziehung auf Technik und als verkopfte Erziehung zum technischen Verständis so reduziert zu sehen, oder als Basteleinheit in Kunst wiederzufinden. Das Kompaktstudium, dass ich vor einigen Jahren für den Fachverbund Materie-Natur-Technik absolvierte, bringt mir inzwischen wenig. Dieses Fach gibt es so auch nicht mehr.

In meinem Klassenzimmer hängt ein Spruch von dem ich nicht mehr weiß wann ich den gehört habe:

Wenn jeder zur Universität gehen würde wer baut sie dann?

 

 

Doch noch ein Wort zum Abschluss,

ich gehe immer noch gerne in die Schule.

 

Bis die Tage,

Karin

 

Ehe ich es bei diesem Faktenblog wieder vergesse, er ist mit Astrids Blog verlinkt, wo es auch andere Schul- und schulanfangsgeschichten nachzulesen gibt!

12++ Fakten über mich und die Musik

oder …

Gemischtwarenprogramm der Töne

Einmal im Monat lädt Astrid zu einer Linkparty mit ganz unterschiedlichen Themen ein. Meinen Beitrag zu den Haustieren bekam ich leider nicht im gesetzten Zeitraum fertig, doch kurz vor knapp erst kürzlich den über die Sommerferien. Das klappte nur durch Mut zur Lücke, denn ich bin eigentlich nicht damit fertig geworden. Es fehlt der Bezug zum Untertitel, weil Texte fehlen. Nun gibt es jedoch schon forderte mich die nächste Aufgabe zur Sammlung von Fakten mehr als erwartet und die Uhr tickt.

die kümmerliche Plattensammlung

Die Zutaten bröseln mir immer wieder weg. Es passt nichts so richtig zusammen und manches stößt sich einfach, wie elektrostatisch aufgeladen, ab.

Wenig hilfreich war die Idee einfach einmal aufzuschreiben, was, wen und überhaupt ich gerne höre, gehört habe und hatte. Das Blatt ist voll und bleibt ein unvollständiges Werk, wie ich beim Schreiben bemerken musste.

Vielleicht ist die übliche Schülerfrage von neuen Klassen an mich zu Beginn des Schuljahres ein Einstieg:

  • „Frau Be, welche Musik hören Sie denn gerne?“
  • „Ich mache morgens das Radio an und drehe manches auf laut!“

Momentan mache ich das gerade für „Thunder“ von den Imagine Dragons und „Wannsee“ von den Toten Hosen.

Ganz ehrlich, ich habe mir die Videos gerade eben erst für diesen Blogpost angeschaut und bei den Toten Hosen schon wieder überlegt, mein Geschreibsel zum millionsten Mal umzuschmeißen. Nee, aber auch.

Also fange ich jetzt endlich wirklich an. Punkt. Und zwar ganz von vorne.

 

1 Die ersten 10 Jahre

Ein gutes Radio war meinem Vater wichtig und direkt daneben stand dann sein Tonbandgerät. Er hat in seiner wenigen Freizeit Stunden vor dem Gerät gesessen und auf seine Lieblingstitel gewartet, den Finger auf der Aufnahmetaste. Später saßen dann mein Bruder und ich in fast ähnlicher, gespannter Jagdhaltung davor. Doch davon an anderer Stelle mehr.
Papa liebte Freddy Quinn und Horst Wendtland, Opa bevorzugte Vornamensvetter Hans Albers und Caterina Valente. Oma drehte das Radio auf wenn Fred Bertelmann den „Lachenden Vagabund“ von sich gab. Opa schaltete aus bei Rita Pavones „Arrivederci Hans“ und Oma steckte morgens eine Stecknadel an die Position des Zeigers vom Senders am Radio, damit sie diese abends zum Zurückstellen wieder fand! 😀 Sendersuchlauf per Hand!!

Aber alle mochten Rocco Granata mit „Marina“! Gut so, denn dieses Stück spielte Jahre später, in Bluegrass-Version auch die Band, in der mein Bruder und der spätere Papa meiner Kinder spielten, Freight Train.

Es mag der Anschein entstehen, ich bin im Schlagerambiente groß geworden, doch da liegt ihr falsch. Meine Mutter hatte ein riesiges Repertoire an Volksliedern und als meine Tante aus dem Ruhrpott in unsere Nähe zog erlebte ich beide als virtuose, vierhändig spielende, Pianistinnen. Tante war eine studierte Kirchenmusikerin und meine Mutter hatte ihren Traum, Konzertpianistin zu werden, aufgeben müssen – eine Nachkriegsgeschichte – um die Kunstglaserei des Vaters zu erhalten.

Ach, und wie gerne erinnere ich mich, wie meine Freundin und ich unsere Eltern beobachteten, als sie mithilfe einer Schallplatte und einer Bildanleitung einen Tanz einübten, Letkiss – was für ein Übermut! 😀

Etwas lauter dröhnte es aus dem Fahrradkeller, wo ein Nachbarskind mit anderen Musikerfreunden probte, nicht zu aller Freude, aber erfolgreich später in Bands wie Message und Birth Control. Horst Stachelhaus war mein Kinderheld und dass er nicht mehr lebte erfuhr ich von seinem jüngeren Bruder Willi, der, auch Musiker, einer der ersten Väter hier im Raum war, der mit einer unvergleichlichen Selbstverständlichkeit die typische Rollenverteilung umgedreht lebte. Wir sind uns, als unsere Kinder noch klein waren, häufig begegnet, später weniger, aber regelmäßig. Jetzt erfuhr ich, durch die Recherche für diesen Blogpost, dass mir nun auch dieser Freund aus der Kindheit nicht mehr begegnen wird.

 

2 Klavierstunden und Flötentöne

Wenn meine Mutter am Klavier meiner Tante saß konnte ich ihr ewig zuhören. Unterricht bekam ich dann von Tante. Ohne zuhause ein Klavier für tägliche Übungen zu haben waren die Klavierstunden zwei Mal die Woche eigentlich für die Katz’. Trotzdem blieb ich eine ganze Weile bei der Stange, weil Tante mit Blues, Boogies, Ragtime und Scott Joplin lockte. Den „Entertainer“ lernte ich noch halbwegs.

Offene Rebellion war mir fremd, wusste ich doch wie wichtig meiner Mutter die musikalische Entwicklung von mir und meinem Bruder war. Heimlich kaufte ich mir eine Blockflöte und brachte mir selbst das Spielen in Feld, Wald, Wiese bei. Irgendwann outete ich mich, Tante fragte: Flöte oder Klavier, ich entschied mich für Flöte. Nur wollte mich die Flötengruppe in der Schule nicht. Kurzzeitig wollte ich allen Instrumenten abschwören, außer meiner eigenen Singstimme. Der Stadtchor hätte mich sogar aufgenommen, nur gehörte zur Choruniform eine weiße Hemdbluse! So etwas zog und ziehe ich bis heute nicht an!! Nichts mit Chor. Ich heulte ohne Ende, übte eine Weile weiter Klavier um dann meine zweite Flöte, eine Altflöte zu kaufen und die Klavierstunden hinzuschmeißen.
Es war eine Trotzreaktion, denn eigentlich und viel lieber wollte ich eine Gitarre. Irgendwann hatte ich die dann auch, übte fleißig spielen, bloß lernte ich sie nie zu stimmen. Mit einem halb-/dreiviertel tauben Ohr, hatte ich mir bei einem Schlittenunfall eingehandelt, ist das nicht möglich und Stimmgeräte waren in dieser Zeit, mit einem 10,-DM Taschengeld im Monat, nicht erschwinglich.

 

3 Deep Purple und das verpatzte Sonntagsfrühstück

Ich besitze weder eine Schallplatte noch eine CD oder eine Musik-Datei von Deep Purple, obwohl ich diese Gruppe immer noch gerne höre. Das hat seine Hintergründe und ich hole mal ganz lang aus. Muss sein.

Musik für junge Leute gab es in den 1970ern nur zu bestimmten Zeiten im Radio. In Ba-Wü hörte man entweder morgens Pop am Morgen vom SDR3 aus Stuttgart,  nachmittags Pop Shop vom SWF3 aus Baden-Baden und nachts, wieder heimlich, mit dem Kofferradio, AFN und Wolfman Jack ab 23:00 Uhr.

Schallplatten waren teuer, gute Abspielgeräte erst recht, weshalb mein Bruder und ich sehr an Vaters Tonbandgerät interessiert waren. Papa nutzte seine wenigen Abendstunden um am Radio sitzend seine Lieblingsmusik aufzunehmen, was wir zwei Geschwister natürlich auch ganz gerne am Nachmittag wollten.

  • Problem 1, die Oma war oft in dieser Zeit im Haus und hielt im Wohnzimmer ihren Mittagsschlaf.
  • Problem 2, das Gerät war mehr oder minder Vaters Heiligtum. Eigentlich war es eher das Band, aber dazu komme ich noch.

Irgendwann hatten wir es erreicht, dank Omas Unterstützung, „Nun lass’ doch die Kinder!“, und wir durften nachmittags unsere Musik aufnehmen, wenn wir die Hausaufgaben nicht vernachlässigen. Bloß wie sollte das gehen? Hausaufgaben machen UND in Habachtstellung mit Finger am Aufnahmeknopf zu sitzen lief nicht. Den meisten Aufnahmen fehlten die ersten Töne. Doch einmal gelang uns der Treffer! Auf den Punkt schafften wir es und Deep Purple war im Kasten! Mann, waren wir glücklich!

Sonntagmorgen. Frühstück. Vater, Mutter, zwei pubertierende Kinder – auch in den 1970ern nicht immer einfach. Vater richtet sein Tonbandgerät, Musik erklingt, irgendein Interpret schluchzt seinen Herzschmerz durch die Lautsprecher, wir schmieren unsere aufgebackenen Brötchen und plötzlich …

diese Töne!

Ich kann bis heute nicht „Smoke on the Water“ hören ohne vor Lachen unter dem Tisch zu liegen, obwohl wir damals wie die Salzsäulen erstarrt waren.

Wir hatten vergessen, zur Aufnahme, Vaters Band mit unserem zu wechseln! Passierte uns nie wieder! Ehrlich!

 

 

Ich kneife mal die Augen zusammen und versuche aus der Megaflut an Eindrücken, die in dieser Zeit über mich gerauscht sind ein paar aufzuhalten und vielleicht anzupflocken.

 

 

4 Teenager in Zeiten vor iPod, iTunes und Youtube

Wir trafen uns in Kinderzimmern, hörten uns unsere Mitschnitte auf den Tonbandgeräten an, tauschten und überspielten Stücke, stritten uns wer besser ist, die Rolling Stones oder die Beatles. Ich stand auf die Stones und wenn es die Beatles sein mussten, dann war John Lennon mein Favorit.
Wer Schallplatten hatte brachte diese Heiligtümer mit zu den Treffen, argwöhnisch darauf achtend, dass ja kein Kratzer auf ihnen entstand, den Lautstärkeregler auf Schmerzgrenze der Eltern und Nachbarn gedreht. Nachbarssohn Bernd erfreute alle im Haus, wochenlang, mit „Cecilia“ von Simon & Garfunkel. Ich kann den Liedtext immer noch auswendig 😀 Von mir gab es im Gegenzug Creedence Clearwater auf’s Ohr oder T.Rex!
Supertoll fanden mein Bruder und ich das Fernsehprogramm am Samstagnachmittag, wenn Beatclub und später Disco liefen. Schwierige Sache, denn letztere Sendung lief parallel zur Sportschau.
Schon in dieser Zeit hörte ich ansonsten das was das Radio so brachte, vorzugsweise mitten in der Nacht, mit dem Kofferradio, American Forces Network, AFN Frankfurt (später Europe) wenn Wolfman Jack seine Sendung moderierte. Legendär sein Wolfsgeheul.

 

5 Hausmusik oder so und abhängen in Proberäumen

Die Gitarre kam nach meiner Mittleren Reife ins Haus. Meine Gitarre! Der Freund meiner Freundin gab mir Unterricht. Mein Bruder saß daneben und irgendwann ich, denn er war einfach besser. Ziemlich fix war er auch besser als unser Gitarrenlehrer. Unser Zuhause entwickelte sich zum Übungsraum, Gruppenraum, Treffpunkt und Café. Mein Wecker war mein früh aufstehender Bruder, dessen erster Griff zur Gitarre ging. Er legte das Instrument auch erst zum Schlafengehen ab. Wenn nicht zuhause geübt und gespielt wurde traf man sich in Garagen, Kellerräumen, Baracken, alten Gemäuern, ausrangierten Bauwagen, eben in Räumen, wo laute Musik erlaubt war und niemand nebenan gestört werde konnte. Hier lernte ich meine ersten festen Freunde kennen und später auch den Vater meiner Kinder. Er und mein Bruder spielten, so fand ich damals wie heute, „Dueling Banjos“ besser, als es im Original, im Film „Deliverance“, zu hören ist.

Über manche der Freunde hatte ich Gelegenheit ab und an etwas früher in die Sporthalle unseres Orts, Böblingen, zu kommen. Sie gehörten zu den örtlichen Helfern, die zum Aufbau von Bühnen und Anlagen gebraucht wurden. Tolle Sache, dafür schleppte ich doch gerne Kabeltrommeln und holte Kaffee oder Cola. Wenn ich mir überlege was für tolle Konzerte ich hier erlebt habe überkommt mich wieder ein wenig Traurigkeit, dass die Halle vor ein paar Jahren abgerissen wurde. Es bleiben die Erinnerungen an The Police, Jethro Tull, Frank Zappa, Queen, UB40, Udo Lindenberg, … und auch Deep Purple. 😀

 

6 Das erste Openair-Konzert

Super-Sommer 1976 (mit dem Anschein von „It will never rain in Southern Germany), Stuttgart, Neckarstadion und dort die Rolling Stones, am 19. Juni, das Ticket für satte 20,- DM für den Innenraumbereich. Egal. Super. Ich wollte hin, doch niemand mit mir. Irgendwie organisierte ich einen Freund, vom Freund einer Freundin, der meinen Eltern vertrauenswürdig genug erschien um mit mir dorthin zu gehen.

Absprachen in Vorhandyzeiten benötigten eine genaue Planung und mein Konzertbegleiter und ich hatten uns für alle Eventualitäten abgesprochen, Treffpunkte bzw. Wartestellen waren abgemacht, alles unter Berücksichtigung meiner Art an Pünktlichkeit. Am Ende kam alles anders.

Bis zu meiner Bushaltestelle schaffte ich es überpünktlich. Zeit genug um die Tasche mit ihrem Inhalt zu kontrollieren – alles drin, bis auf die … arrgh … Eintrittskarte! Ich also nichts wie ab nachhause, Clogs aus und barfuß gerannt was das Zeug hält. Ich erinnere, Supersommer 1976! Heißer Asphalt! Mit Brandblasen an den Füßen und dem Stones-Ticket in der Hand hatte ich es in Rekordzeit noch zum Bus geschafft. Am vereinbarten Treffpunkt in Stuttgart fehlte jedoch mein Begleiter, auch am Alternativtreffpunkt, wir trafen uns erst Wochen später. Ähnlich unstrukturiert lief auch das Konzert ab bis die Stones auftraten. Aber ich war dabei!! Ein Mega-Erlebnis!

Der Heimweg war noch abenteuerlicher, denn als der Pulk an Konzertteilnehmern den Busbahnhof in Stuttgart erreichte standen dort nur die üblichen letzten Busse für die Nachteulen, die „Lumpensammler“, mehr nicht. Der Busfahrer Richtung Böblingen und Herrenberg flüchtete regelrecht vor dem Ansturm an Mitfahrwilligen. Bis zusätzliche Busse bereit gestellt waren dauerte es ewig. Irgendwann in der Nacht war ich zuhause, total k.o. und sah im Lampenlicht meine verdreckten Füße und Beine. Zu müde zum Waschen oder Duschen zog ich mir, statt zu duschen, in der Hitze der Nacht lieber eine Strumpfhose an um ins Bett gehen zu können. Schlafen funktionierte nach all den Eindrücken jedoch nicht und ich malte den Rest der Nacht. Das Bild muss noch irgendwo sein, doch ich finde es nicht. Aber die bestickte Jeans , die ich diesen Abend angezogen hatte, die habe ich noch!

 

7 Hausmusik #2

Meine zweite Gitarre, eine 12-saitige, hatte ich wie die erste nur kurz im Besitz. Auch diese wurde ruckzuck von Bruderherz vereinnahmt. Hatte er anfangs etliche Rock-, Pop- und Bluesinterpreten nachgespielt, wie seine Favoriten der Band Heart (hier „Dog and Butterfly„), lief irgendwann als Inspiration eher Leo Kottke („Last Steam Engine Train„, „The Fisherman“ und ich habe Pipi in den Augen, dabei gab es da noch „June Bug“ „Pamela Brown“, … und schließlich eigene Stücke von Bruderherz. Es dudelte zunehmend auch Folk-, Bluegrass-, Country-Musik und da musste ich gegenhalten.

altes Konzertplakat meines Bruders, in Ehren gehalten von unseren Eltern

Das tat ich indem ich mein Flötenarsenal ausbaute und wieder zu üben begann. Vorzugsweise spielte ich Stücke von Bach und Michael Prätorius.

Inzwischen in der Ausbildung versuchte ich mich zudem etwas an Instrumentenbau. Angefangen von der Pan-Flöte entstanden richtige Bambusflöten und Mengen an Krachmachern, bzw. Geräuschinstrumenten. Mich faszinierte einfach herauszufinden, mit welchen Möglichkeiten Geräusche und Töne erzeugt werden können. Dieser Sache bin ich bis heute treu geblieben, auch wenn ich bis jetzt immer noch keine zufriedenstellende Dulcimer hinbekommen habe.

selbstgemachte Rasseln aus Kokosnüssen

Über die Jahre bin ich so zu interessanten Musikinterpreten und Gruppen gekommen, wie die schwedische Band Filarfolket. Das Lied „Hönsafötter & Gülerötter“ war lange das Lieblingslied meiner Kinder. Im Urlaub in Schweden angekommen musste die Filarfolket-Kassette eingeschoben werden!

Auch in Schweden vor Jahrzehnten aufgeschnappt,  die Band Radio Balkan. Die Kassette lief sich in meinem Auto dünn und wund, angefangen von „Ramo Ramo„.

Oni Wytars mit „Mevlana“ und „1600, Musik am Hof von Neapel„, war eine Perle auf meiner Suche nach Flötentönen.

Zap Mama, Trostmusik in meinen Scheidungs- und Trennungsjahren.

Laurie Anderson, „Let X=X“ ist eigentlich mein Lieblingsstück, doch am Ende sitzen Sätze wie aus „Sharkey’s night“ – I can see two tiny pictures of myself and there is one in each of your eyes, besser. Ein anderer Satz – What is behind that curtain? führt, gegoogelt bei Recherchen direkt zu dieser außergewöhnlichen Musikerin wie Künstlerin. Ich biete hier allerdings „Language is a virus“.

 

8 Liedermacher und Neue Deutsche Welle

Folkmusik und Liedermacher, politische Troubadoure und alte Lieder neu interpretiert. Man Ich hörte Zupfgeigenhansel, Hannes Wader und Konstantin Wecker. In der Schule wurde ich mit Franz-Josef Degenhardts „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“ und Wolf Biermann gefüttert, zuhause liefen auch die österreichischen Liedermacher Ludwig Hirsch, Wolfgang Ambros und Kollegen und es wurde dazu Charles Bukowski gelesen.

In der Schule meines Bruders traten, aus der Schweiz kommend, Toni Vescoli, Töbi Tobler (immer noch gut am Hackbrett) und Bruno Brandenberger auf. Nach dem Konzert holte ich meine Zither aus der tiefsten Versenkung im Keller (die habe ich ja bisher überhaupt noch nicht erwähnt! So was aber auch!), nutzte sie als Hackbrett, fand das ganz nett, aber wurde es nicht mein Ding.

Überhaupt lag mir die anrollende Neue Deutsche Welle viel mehr! Die Kassette voll mit Trio, Extrabreit, Spliff & Co. reiste mit  in den Urlaub nach Schweden und so bekam der Freundeskreis in Stockholm auch noch was davon ab. Hach, ich liebte Trio!

Seite aus dem Fotoalbum von 1982 – unser Auto, Gastgebers Katze 😉

 

 

 

Meine Schüler gröhlten dagegen auf der ganzen Busfahrt ins Schullandheim „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang oder „Ba-Ba-Banküberfall“ von EAV.

EAV gibt es auch, nach wie vor, wenn Familie Be nach Österreich fährt, alleine, in Kleingruppe oder gemeinsam, Hauptsache EAV und bevorzugt „Einmal möchte ich ein Böser sein“ . Ich zieh mir das Stück auch mal gerne zwischendurch rein, zum Dampf ablassen, ohne selbst den Weihnachtsmann oder das Osterhasi zu vergiften, LAUT, mitgesungen im Auto und gut ist’s wieder für eine Weile.

 

 

9 MTV sei Dank

Mitte bis Ende der 1980er wurde ich zwei Mal Mutter, mit viel Liegezeiten. Irgendwann war genug mit Lesen, vor allem in dieser ungesunden Rückenlage. Der Bauch war immer im Weg, weshalb das Buch entweder zu nah an den Augen war oder, mit ausgestreckten Armen, zu weit! Was war ich glücklich über die ersten Ausstrahlungen von MTV Europe, vor allem über die Sendungen mit Ray Cokes. Meine Große liebt noch heute die Musik der 80er Jahre.

 

 

10 Mit den Kindern unterwegs ging nur mit Musik

Schlafen im Auto war für meine Kinder keine gute Idee. In schlechter Haltung nach diesen Autonickerchen war vor allem mein Jüngster nicht mehr zu genießen. Deshalb wurde beschäftigt und gesungen. Laut! Fredrik Vahle und Gerhard Schöne gab es zuhause und unterwegs.

Für das Krankenhaus hatte ich Fingerpuppen und zusammen mit der Großen veranstalteten wir ganze Mini-Singspiele mit ihnen: „Der Cowboy Jim aus Texas“, das „Katzentatzentanz“-Lied“, das „Trampeltier“. Ich liebte vor allem die „Kinderlieder aus aller Welt“ von Gerhard Schöne und ganz besonders „Meeresbezwinger Thomas“, denn so spielten meine Kinder. „Die Jule wäscht sich nie“ oder „Der Popel“ rutschen mir heute noch in der Schule ab und an heraus, wenn wieder mal ein Kind allzu sehr in der Nase bohrt. Ich mache das jedoch ohne Mobbing oder die Kinder bloß zu stellen. Es geht auch anders, mit Lachern und viel Spaß. Hinterher heißt es dann immer kichernd: „Ach die Frau Be mit ihren Geschichten!“. Hauptsache das Popeln hört auf und das Meucheln pubertierender Youngster.

Irgendwann wechselte die Art der Musik und wir hörten Die Prinzen und sangen dazu. Wir hatten auf einer Autofahrt nach London zwei ‚Prinsens’-CDs dabei und in einem Tagebuch steht noch die Zahl wie oft wir die Dinger abgespielt hatten! Mann, Mann, Mann. Auch von diesen Texten kann ich noch etliche auswendig. Nur im Tunnel am Kanal bestand ich auf das Radio! Auf der Rückfahrt handelte ich aus nach fünf Mal Hören beider CDs einmal eine von mir anzuhören zu dürfen: „Naja, wenn’s denn muss“-Gemaule, aber sie haben es überlebt.

Zu späteren Fahrten, als sie aus Kinderliedern herausgewachsen waren, durfte jeder der beiden eine CD mit eigenen Wünschen mit ins Auto nehmen. Ich auch! 😀 Das war manchmal richtig spannend, was dann so aus den Lautsprechern kam. Ich konnte mit The Offspring, der Bloodhouse Gang, von Sohnemann gestiftet, sehr gut leben, mag ich ab und an ja Blur oder Beasty Boys. Auch eine CD mit Dark Metal kann ich aushalten, aber mit seinen japanischen Mädelsgruppen wurde ich nie richtig warm. Die Große ließ, wie erwartet, 80er-Jahre-Musik dudeln und ich stand lange voll auf Ska, Reggae, Metal, Punk und Hauptsache schräg und laut!

Das Stück „Our House“ von Madness hat es sogar in ein Englischbuch der Werkrealschule in Ba-Wü geschafft! Finde ich cool!

 

11 Musik in der Schule

Durch den Bildungsplan in Ba-Wü leben wir seit Jahren mit einem der Fächerverbünde, die ich bis heute nicht verstanden habe: MSG = Musik – Sport – Gestalten. Also, ich unterrichte beinahe alles, aber Sport muss nicht mehr sein! Wirklich nicht! Vor vielen Jahren hatte ich einmal eine 1. Klasse in Sport. Seitdem bin ich in dieser Richtung, wenn mich die Schulleitung anspricht, taub, blind und weg! Gestalten und Musik wird meist, oft, da Musiklehrer in der Werkrealschule Mangelware sind in eine Hand gelegt. Zum Glück haben wir an der Schule wieder eine Musiklehrerin und auch wenn sie meint, ich hätte meine Sache in Musik ganz gut gemacht, bin ich froh wenn sie diesen Teil übernehmen kann. Trotzdem setze ich ganz allgemein gerne Musik in den anderen Fächern ein, manchmal aus der Not heraus.

Ich erinnere mich an eine 9. Klasse, die ich in Englisch hatte. Die kids ignorierten mich dermaßen, dass ich mich hätte nackig ausziehen können und sie hätten mich immer noch nicht wahrgenommen. Gespräche mit dem Klassenlehrer, zusammen mit ihm in der Klasse, mit Eltern halfen nicht. Einen Vormittag bin ich mit meinem CD-Radio-Rekorder in die Klasse, ohne „Good morning“, ohne jemanden zu beachten. Rekorder auf den Tisch. Stecker rein. Schalter gedrückt. Und es erklang eine Runde Rammstein mit „Ich will“ auf höchster Lautstärke. Rammstein war fertig. Ich zog den Stecker, schnappte mein Gerät und verließ das Klassenzimmer. Zehn Minuten später erschien eine Schülerdelegation im Lehrerzimmer und bat mich doch bitte wieder in die Klasse zu kommen. Sie hätten jetzt Lust auf Englisch-Unterricht. Ich habe mit einigen der SchülerInnen heute noch Kontakt.

Überhaupt setzte und setze ich gerne Filme mit Musik und Inhalt in der Schule ein! (Betonung liegt auf Inhalt! Einfach-Zeit-totschlagen-Kino gibt es bei mir nicht.) Zu allen folgenden Beispielen gibt es inzwischen Begleitmaterial für den Unterricht.

  • T.Rex in „Billy Elliot“
  • Beatles-Töne in „Ich bin Sam“. Der Soundtrack ist für sich alleine ist schon so toll, dazu noch die herzerwärmende (Film-)Geschichte, macht in der Summe ein hörens- und sehenswertes Ergebnis. Auch nach Jahren.
  • Eminem in „8 mile“, kann man kontrovers sehen. Ich schicke vor einer gewissen Filmsequenz die Kinder auf die Toilette, aber ansonsten kann ich ihn auch für 13-/14-jährige empfehlen.

 

12 The missing list!

Überhaupt keinen Platz in die anderen Fakten fanden meine Liebe zu Ballett, Gershwin, Musicals, Tanz und der Tatsache, dass ich vor gaaaanz vielen Jahren mal für einen Schulbuchverlag Zeichnungen für ein Begleitheft zu einer Kassette machen durfte. Inzwischen nicht mehr auf Musik-Kassette gibt es eine CD mit Anleitungsheft. Im Heft steht als Copyright-Datum 2005, wohl auf die Überarbeitung bezogen. Tatsächlich ist das Original in den 1980ern entstanden, als ich noch unverheiratet war (mein Mädchenname steht nämlich noch unter ‚Illustrationen’). Einerseits freue ich mich darüber diese Anleitung zu Squaredance-Tänzen noch im Angebot von Schulbüchern zu finden. Meinen Zeichnungen, der Musik vom Bruder, dem Vater meiner Kinder und deren Band zusammen mit den Texten der „Erfinder“ hatte man keine Zukunft gegeben. Wir wurden damals mit einem Appel und einem Ei abgefunden. Geschichte. Abgehakt.

 

Den Sack an anderen Geschichten mache ich jetzt zu, obwohl noch ein paar nette dabei wären.

 

Aber eins noch 😉 :

Ich hätte gerne Step-Tanzen gelernt, bloß inzwischen machen da meine Füße nicht mehr mit. Deshalb gefielen mir auf Anhieb Gruppen wie Stomp, die Tap Dogs und die Gumboot Dancers. Alle habe ich schon mit eigenen Augen und Ohren erleben dürfen. Es lohnt sich wirklich. Es ist und bleibt ein Erlebnis, wie Musik/Rhythmus mit ganz unerwarteten Mitteln entstehen kann:

 

Konzerte sind und bleiben mir wichtig. Es muss immer ein Ticket an der Pinwand auf mich warten. Bei der Auswahl gehe ich immer nach dem Bauchgefühl. So wechseln sich Oldies mit Neulingen ab. Im September werde ich wohl die Älteste auf einem Konzert sein. Egal. Ich möchte Kaleo, eine junge isländische Band, live sehen!

 

Ich könnte noch ewig erzählen, aber einmal muss Schluss sein.

Dadurch fallen nun viele meiner viel geliebten und viel gehörten Interpreten durch das Raster. Bitte verzeiht mir Peter (ob Fox oder Gabriel), Prince, David Bowie, Björk, Seeed, Fantas, … und die vielen anderen. You were always on my mind!

 

Zum Abschluss gibt es aber noch meinen aktuellen Ohrwurm:

 

Geschafft!

Fast wie eine Geburt, das so zusammenzufassen.

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

 

Und dann gibt es doch noch einen Nachtrag! Für Christine und Uschi, in Erinnerung.

 

58 – 58 – 58 + + plus

oder …

Ein Jahresrückblick zum Geburtstag und wie es ist auf die 60 zuzugehen!

Während ich beginne diesen Bericht zu schreiben bin ich an einem herrlichem Ort, weit weg von zuhause, die Sonnenstrahlen, die mich erreichen, wärmen mich tatsächlich. Ich sitze auf einer Terrasse, über mir hängen, leider noch unreife, Kiwis in Mengen und hinter mir ragt der Ätna empor – mein Geburtstagsgeschenk an mich.

Ich kann es selbst kaum glauben meinen Jahrgang mit Lebensjahren eingeholt zu haben! Die Kilos auf meinen Hüften hatten es vor einem Jahr schon geschafft die 58 zu überholen und in den letzten Monaten noch einiges drauf gelegt.

Gute und bewusste Ernährung kann ab einem gewissen Alter nicht den Bewegungsmangel kompensieren, egal welche Gründe dieser haben mag. So schnalle ich meinen Gürtel zwei Löcher weiter, als vor einem Jahr. Und komme mir jetzt keiner mit:

„Boah, für 58 siehst Du ja echt (noch) gut aus!“

Mann, was soll DAS denn heißen? Geht mir doch alle vom Acker! Ich konnte mit 18 schon nicht gut mit Komplimenten umgehen und daran hat sich wenig geändert. Was soll da schmeicheln, wenn der Blick in den Spiegel trotz altersbedingter Sehschwäche statt jugendliche Pickel Runzeln erkennt und die Waage niemals lügt? Nee, an meinem 58sten war ich morgens erst einmal, in weiser Voraussicht, auf Krawall gebürstet. Grr, bösen Blick aufgesetzt und ab … wie vor 36 Jahren! 😉

karin-anno-1980

Kurz vor der Entstehung dieses Fotos hatte ich einen halben Meter Haare aus Liebeskummer geopfert und mir einen Pony zum Verstecken verordnet, fand Chrissie Hynde von den Pretenders obercool und alles um mich herum (echt Sch ….) blöd. Ein Jahr später stand ich eigenverantwortlich vor einer Klasse mit SchülerInnen in der finstersten Provinz Baden-Württembergs. Angereist mit einem blauen 2CV4, mit einem chinesischem Drachen auf der Motorhaube, und mit Schlangenmotiven bestickten Jeans bekleidet war ich bestimmt nicht die Traumbesetzung dieser Lehrerstelle. Das Jahr darauf fuhr ich, inzwischen an einer anderen Schule, im Auto eines Kollegen hinter dem Bus mit unseren Schülern zu einem Schullandheimaufenthalt ins Allgäu und er hatte mir eine Kassette der Pretenders im Recorder platziert! Woohoo, „Brass in Pocket“ und „Stop your Sobbing“ – ich liebe die Songs immer noch! Arno, where ever you are – danke!

Stop your sobbing, lamentieren kann ich später

Die zwölf Monate meines 58. Lebensjahrs hatten es gesundheitlich nicht gut mit mir gemeint. Depressionen, Panikattacken, Lungenprobleme und dann der Armbruch ließen mich tüchtig alt fühlen, wie aussehen. Viele mir wichtige Dinge musste ich lassen, oder mir fehlten Kraft und Willen sie durchzuführen. So sagte ich unter anderem Reisen ab oder schob Planungen dazu auf, bzw. in die Schublade. Mein inzwischen 16 Jahre altes Auto muss also noch eine Weile durchhalten, in der Hoffnung, da ja manches mit dem Alter besser wird, dass wir 2017 oder 2018 zusammen Irland erkunden werden.

Den Umbau in meiner Wohnung schob ich weiter auf, dafür zog Kater Chewbaccas kleiner Neffe bei uns ein. Der Kleine bringt uns zwei Alten ganz schön auf Trab und wieder in die Spur. Chewie muss sich behaupten und ich mich bewegen! 😉 Richtig sportlich war ich nie, doch immer in irgendeiner Form aktiv in Bewegung. Schwimmen, Laufen, Walken, Fahrrad fahren, etwas Kraftsport hielten mich fit und in Form, abgesehen von den Schäden, die meine Schwangerschaften hinterlassen hatten. Doch bei aller Übung nimmt mir Laufen, Springen, Hüpfen ab und an schwer die Puste und beim sich Bücken klappt das Runter per Schwerkraft oft eindeutig besser als das Aufrichten. Dabei scheinen flugs mal die Muskeln ihr Spannungsvermögen vergessen zu haben.  Keine optimalen Voraussetzungen beim Fotografieren. So landete ich, plumps, satt mit Po, in über 2000 m Meereshöhe, auf einem stacheligem, wenn auch hübschen, Gewächs. AUA!  Astragalus siculus tut richtig weh! So geschehen auf meiner kurzfristig (un)geplanten Reise nach Sizilien, einem meiner zwei Geburtstagsgeschenke an mich. Wie ich die Stacheln oder Dornen, so genau habe ich in dem Moment nicht hingeschaut, aus meinem Hintern bekam war eine andere Sache. Eins von den Teilen hatte sich in einer Naht meiner Jeans versteckt gehabt, so dass ich auch am nächsten Tag noch etwas von diesem Unfall hatte.

58 zu werden, ist kein Drama. Es kommt wie’s kommt und (man) ich muss das beste daraus machen, also die Zipperlein im Zaum halten, das Nervenkostüm pflegen und die Substanz schützen. Ich will nach 38 Arbeitsjahren die nächsten acht bis zur Pension nicht nur durchhalten, sondern noch etwas daraus machen. Den Anfang dazu habe ich gemacht, als ich vor drei Jahren die Betreuung des Schulgartens übernahm und nun im Herbst die Ausbildung zur Kräuterpädagogin begonnen habe. Im Schuljahr 2015/16 nahm meine Schule mit unserem Garten bei der Schulgarteninitiative in Baden-Württemberg teil. Unser Garten-Konzept – ein zum größten Teil von Schülern angelegter und gepflegter, kultivierter Nutz- und Staudengarten – brachte uns eine Auszeichnung und einen Geldpreis ein. Woohooo! Ich bin riesig stolz auf meine SchülerInnen. Von März bis Juni konnte ich mit meinem gebrochenen Arm nur Anweisungen geben, die Umsetzung lag allein in ihrer Hand. Vieles lief anders, als geplant. Noch viel mehr lief besser! 😀 Manches musste neu durchdacht und anders umgesetzt werden. In der Summe ist es einfach toll SchülerInnen vermitteln zu können wieviel wertvolles unsere Natur bietet. Als ich ihnen erklärte: Unkraut gibt’s nicht wirklich. Es sind meist Pflanzen die an falscher Stelle wachsen! sah ich nur verdrehte Augen, im Sinne von „was will die Alte wieder“. Aber die Brennnesselsuppe schmeckte und die Brennnesselsamen wurden am Ende sogar ohne Handschuhe abgezupft. Getrocknet landete diese Ernte auf dem Salat und dem Butterbrot – lecker!

Was macht die Wunschliste?

Als ich den Film „Das Beste kommt zum Schluss“ (The Bucket List) mit Jack Nicholson und Morgan Freeman als Hauptdarsteller 2007 zum ersten Mal sah, dachte ich mir, so eine Liste brauchst Du auch, schrieb sie und vergaß wo ich sie ablegte. Irgendwann dachte ich wieder an die Liste, suchte sie, fand sie nicht und schrieb eine neue Liste. Letztes Jahr fand ich die alte Liste mit meinen Wünschen wieder und verglich sie mit meiner aktuellen und war verblüfft – beide Listen waren bis auf Kleinigkeiten in der Formulierung identisch. Den Ätna sehen und so weit wie mir möglich in Richtung Gipfel kommen konnte ich nun abhaken und werde auf hierundfort darüber noch berichten. Einen Punkt strich ich und setzte nach der dieser Reise in den Nordosten Sizilens einen neuen Punkt dazu:  Noch einmal Sizilien, an der Küste entlang, einmal rundherum!

Muss ja nicht gleich sein. 😉

Und was macht die Kreativität?

Langsam kommt nach dem Armbruch die Geschicklichkeit zurück. Wenn die Idee im Kopf in die Hände fließen kann um dort auch ausgeführt werden zu können, ohne Blockaden und Schmerzen, ist für mich die Welt in Ordnung. Als kleines Dankeschön gab es für meine Gastgeber ein herbstliches Blumengebinde aus Kiwi-Blättern, frei nach den Herbstrosen aus Ahornlaub. Auch ohne meine üblichen Werkzeuge und Hilfsmittel klappte das Gebinde.