Tiere filzen ohne Ende #2

oder …

Schwabenkater #4 und 5 aus Katzenhaar

Nun kommt er doch noch, der zweite Teil zum Bericht vom Filzkurs in Oberrot, den ich Anfang Juni 2015 gemacht habe (Link zum Teil 1).
Ich hatte vom kardierten Katzenhaar ein Paket dabei und machte mich am zweiten Tag daran das von Gabi von Filzkram Gelernte auch an diesem Material einzusetzen.
Auch der kleine Kater, den ich trocken mit der Nadel gefilzt hatte – der Kleine aus der Spargelschale – war im Gepäck um ihn hier weiter zu bearbeiten.
Trocken genadelter Filz ist wenig stabil und kann nicht so sehr beansprucht werden. Deshalb begannen meine Versuche Katzenhaar nass zu filzen, allerdings waren sie nicht immer erfolgreich, selbst wenn ich es auf einen Korpus auf Schafwolle auffilzte. Vor allem das Haar von Maine-Coon-Kater Francis, das ich bisher verwendete, ist sehr fein und in nass-seifigem Zustand fast nicht in Form zu bringen. Daran lässt sich nichts ändern, aber mit etwas mehr Erfahrung weiß ich nun:

Es geht tatsächlich Katzenhaar von Anfang an nass zu filzen. Es geht, aber es ist wie Laufen auf rohen Eiern.

Zuerst landete der vorbereitete kleine Kater in der heißen Seifenlauge und bekam noch ein paar mehr Schichten Wolle auf seinen „Pelz“.

Hübscher wurde er durch diese Behandlung erst einmal nicht. Doch seine Oberfläche wurde deutlich dichter. Gespült ging es ans Walken und zum Schluss in Form gedrückt kam doch wieder ein Katerchen zutage, deutlich geschrumpft!

Den zweiten Kater filzte ich von der ersten Kugel an mit ansetzen, Schichten auflegen, mit Seifenwasser bearbeiten, usw. nur aus Francis-Wolle. Immer wieder stand ich kurz vor dem Verzweifeln. Ohne die Aufmunterung von den anderen Kursteilnehmerinnen und ohne die Tipps von Gabi als Kursleiterin hätte ich vermutlich aufgegeben. Danke!

So stehen nun zwei stabile Schwabenkater hier, die aus reiner Katzenwolle nassgefilzt entstanden sind.

Der Fototermin zuhause gestaltete sich schwierig. Neugierig, wie Chewbacca nun einmal ist, beäugte und beschnupperte mein Kater die neuen Mitbewohner.

 

Noch schwieriger wurde es, als ich noch einen Geruch dazu brachte!

Meine Freundin hat mir zwei Tüten herausgekämmtes Unterhaar eines Hundes bis aus Spanien mitgebracht, von einem Alaskan Malamute.
Das gibt viel zu tun. Bloß wann?

 

Bis mir einfällt was ich aus diesem Materialberg machen werde wandert der wieder in die Tüten und in den Keller. Die zwei Schwabenkater dürfen in einem Regal Stoffreste bewachen.

 

Schwein gehabt und schon verschenkt

oder …

Frustabbau mit „saumäßigem“ Ergebnis

Eigentlich sollte spätestens heute der zweite Teil meines Berichts vom Filzkurs in Oberrot hier stehen. Ist nicht so, leider. Er kommt noch, versprochen.

Mich hatte die letzten Tage eine emotionale Keule erwischt, die ich verarbeiten musste. Von „ich kündige“ bis „ich wandere aus“ gab es sogar kurz den Gedanken meinen Paladin bei ‚World of Warcraft ‚ zu aktivieren um ordentlich hauen und stechen zu können.
Eine gute Portion Zorn gepaart mit Enttäuschung von menschlicher Seite wollte abreagiert werden und ich fand den kleinen Weg dafür:

Nadeln stechen auf eine Kugel Rohwolle!

Es floss Blut! – Meins. War keine Absicht. Nicht sauber gezielt. Falsch getroffen. Dumm gelaufen.

Trotzdem weiter gemacht. Dabei etwas ruhiger geworden und langsam wieder geerdet ein rosa Schwein zusammengenadelt vor mir liegen gehabt. Das sollte wohl so sein!

 

 

An dieser Stelle wusste ich dann auch, dass sich der Weg von Schwein und mir trennen wird! Bald, gleich am nächsten Tag, zum Geburtstag einer lieben Kollegin.

Dazu musste allerdings noch einmal Blut fließen, beim Schneiden der Rosen in meinem Mini-vor-dem-Balkon-Garten, denn solch ein Schwein in Papier zu verpacken geht gar nicht! Solch ein Schwein passt am besten in einen rosa Rosenstrauß hinein!

 

Naja, am Anfang versuchte sich die kleine Sau noch zu verstecken! Aber dann … 😉

 

 

Großes Glück der kleinen Sau – sie ist NICHT essbar!

Tiere filzen ohne Ende #1

oder …

Kreativfreizeit mit langen Tagen und kurzen Nächten

Da stehen sie, die ersten „Viecher“ aus der Tiermenagerie, die von uns zwölf Teilnehmerinnen in einem dreitägigen Filzkurs in Oberrot entstanden sind.
Gabi von Filzkram hatte uns im Rahmen des Kursprogramms von Wollknoll gezeigt, wie sie ihre genialen Tiere herstellt und sich sehr viel Zeit für uns Frauen genommen. Danke!

Auf die Idee selbst ein Tier, oder besser eine Katze, zu filzen kam ich Mitte 2013, als ich auf Gabis Blog ihren Beitrag zu „Ostfriesenmiezen“ fand. Bis zu meinem ersten „Schwabenkater“ brauchte es seine Zeit und ich übte so vor mich hin, bis Monate später die „Heidekätzchen“ entstehen konnten.

Als Autodidaktin blieb mir die Unsicherheit, ob ich technisch auch korrekt arbeite. Was es an Büchern und im Internet an Informationen zum Filzen gab, überzeugte mich oft nicht oder ich konnte es nicht nachvollziehen. Das Kursangebot unserer Volkshochschule überzeugte mich noch viel weniger und nun bin ich froh abgewartet zu haben, bis Gabi einen ihrer Kurse in Süddeutschland anbieten konnte! DIE Chance DAS zu lernen was ich möchte und dazu noch die kreative Seele hinter den Filztieren mit Charakter kennenzulernen!

Drei lange Tage und zwei kurze Nächte liegen hinter mir und ich weiß nun:

Auch beim Filzen von Tieren gilt – Am Anfang ist das Ei!

Und daraus entstehen dann Hühner, Raben, Fische, Esel, Frösche, Schafe und natürlich auch Katzen! 😉

Viktor und Vitali sind zwei meiner Katzen, die in diesen Tagen unter Anleitung entstanden sind. Naja, bis auf Vitalis Tutu und Unterhose. Diese sind eigene Kreationen. Wobei es eigentlich von meiner Seite her nicht unbedingt eine Notwendigkeit gab ihm eine Unterhose zu verpassen.

Aber nachdem die Maus so neugierig unter seinen Rock, öhm – sein Tutu, schaute, machte ich mich an die Arbeit.

 

Der erste Tag

Filzkater Viktors Embryonalstadium:

Viktor mit allen Körperteilen an Ort und Stelle und fertig für sein erstes Bad. Er hatte den Luxus dazu einen eigenen Eimer zu bekommen, so klein wie er war. Alle anderen mussten sich die Wannen teilen.

 

 Streifenkater Vitali entstand in einer Abend- und Nachtschicht.

 

 

Der zweite Tag

Aus den Bädern genommen wurden die Tiere gewalkt in Form gebracht und mit Kleidung versorgt.

 

Was für ein Spaß, als die Truppe sich anfing zu versammeln! Der kleine Dicke rechts im Vordergrund ist mein Viktor.

 

Der dritte Tag

Nun ging es an kleine eigene Projekte (ich werde über meines extra berichten) und die Feinbearbeitung unserer Tiere. Es fehlten ja bei allen Tieren noch Gesicht und Augen!

 

 

Und je später es Nachmittag wurde umso mehr leerte sich die Trockenbank … es wurde Zeit zum Abschied nehmen. Noch feucht hinter den Ohren gingen Fuchs, Katze, Maus & Co. auf Heimreise mit ihren Schöpferinnen!

Liebe Gabi, liebe Filzkolleginnen, es war eine schöne Zeit mit euch!

Nachtrag:
Noch mehr Bilder gibt es hier von Gabi.

Kleine Enten aus Filz

oder …

Härtetest für Filztiere aus Katzenhaar

Es sollten Vögel mit Flügeln werden.
Falsch.
Ursprünglich wollte ich einen Osterhasen mit der Nadel filzen, gemütlich in der spanischen Sonne sitzend, völlig entspannt.
Trotz vieler Nadelstiche wollte sich allerdings kein Hase entwickeln und dann ließ ich die Nadel einfach laufen, bis diese Teilchen heraus kamen.

Besonders standfest waren sie nicht, deshalb die Überlegung mit ein paar Flügeln die Leichtgewichte auszubalancieren.

Doch bis es soweit kommen konnte, entdeckte beim Osterfrühstück Nachbarsjunge Matti die beiden „Quackquacks“ und ließ sie in seiner Welt Abenteuer erleben.

 

 

 

Da die beiden Vögelchen immer noch keine Flügel zum fliegen haben, mussten sie in Spanien bleiben. Aber ich denke, sie werden ein zuhause finden! Sie haben das Überlebenstraining durch Mattis Spieleinheit überlebt, also machen sie ihren Weg!

 

Mit nachhause brachte ich einen angenadelten Hasen-Kater. Mal sehen wohin sich dieses Tierchen entwickeln wird.

Filzen mit Tierhaaren #7 – Heidekätzchen und Schwabenkater #2

oder

Preserve your memories

 

Noch immer denke ich jeden Morgen, dass Kater Harry um die Ecke kommt. Doch er wird es nicht mehr kommen, wie ich im September berichtet hatte. Was bisher blieb sind die Kratzspuren auf der Futterschublade und einiges an Tierhaaren, die er so großzügig von sich gab.
Großzügig mit seinen Haaren ist auch Nachbarkater Francis. Als er krank wurde probierte ich mich zum ersten Mal an einer gefilzten Katze, meinem ersten Schwabenkater, um seine Frau Dosenöffner zu trösten.

Eigentlich lag es nahe Harrys letzte Haare in einem Filz-Katerchen zu verewigen. Doch das konnte ich bisher nicht. Ich brauchte noch ein wenig Abstand und einen Anreiz. Den hatte ich, als ich das letzte Katzenhaar von Katzendame Joey, die 22 Jahre alt werden durfte, vor mir hatte um daraus etwas zur Erinnerung herzustellen.

Ihr Haar unterschied sich sehr von dem Haar der Kater, die ich bisher verarbeitet hatte. Harrys Fell war sehr dicht und das ausgekämmte Haar verfilzte oft schon beim Kämmen in meiner Hand. Allerdings fielen aus diesem Filz, wie von selbst, einzelne widerspenstige Haare heraus, oder machten aus gefilzten Perlen kleine Igel. Wie kleine Stacheln standen dort diese Haare heraus.

Bei dem Haar eines anderen Katers ließ sich vor allem der dunkle Teil nur filzen, wenn ich etwas Schafwolle dazu gab.

Francis‘ Wolle lässt sich prima filzen, doch sie verliert dabei völlig den weichen, fluffigen Charakter.

Und nun kam Joeys Wolle, die wieder ganz anders war – superweich und so vielfarbig. Leider ließen sich vor allem die Farben beim Vorbereiten des Katzenhaars nicht so retten, wie ich es mir gewünscht hatte. Zudem kämpfte ich im seifigen heißen Wasser mit dem weichen Material. Es flutschte herrlich, nur nicht so wie ich es wollte. Bis der erste Bursche sein erstes Spülbad nehmen konnte, brauchte es seine Zeit …

… und hinterher musste noch kräftig mit der Filznadel nachgearbeitet werden, damit die Körperteile an Ort und Stelle blieben.

Deshalb fing ich noch einmal an und filzte zuerst einen Korpus aus Schafwolle um darauf Joeys Haare aufzufilzen. Das gefiel den rötlichen Haaren gar nicht. Sie hielten nur wenn etwas von den grauen dazu kamen, wodurch nochmehr von der Farbigkeit des ursprünglichen Fells verloren ging. Schade.

Trotzdem, als sich die beiden dann zum Trocknen zusammenfanden, hatte ich meine Freude und meinen Spaß an ihnen.

So holte ich Harrys Wolle hervor und fing mit dem nächsten Katzentier an, der sich Stunden später zu den beiden anderen gesellte.

Die beiden Katzendamen sind inzwischen unterwegs in die Heide und der Schwabenkater trocknet am Bild des Haargebers noch in Ruhe vor sich hin.

So schlank wie Filz-Harry auf dem Foto aussieht ist er jedoch nicht. Wie am Original hängt ihm ein Bäuchlein an 😉 – kleiner Kopf, schmale Schultern, dicker Bauch, Harry eben.

 

 

Das Aus für meinen Filzstein-Teppich

oder …

Ungebetene, verfressene Gäste

Tierfreund hin oder her, bei manchem Getier hört es dann aber wirklich auf! Den Regenwurm rette ich, über die Wespe wird ein Glas gestülpt damit ich sie wieder nach draußen befördern kann, Spinnen liebe ich und finde sie nur toll (die Netze sollen sie aber bitte woanders platzieren 😀 ), Ameisen und ihre Straßen sind einfach faszinierend, aber bei Fliegen, Mücken, Pferdebremsen hört es dann so langsam auf. Ok, Fliegen kackern eigentlich nur die Fensterscheiben voll, allerdings machen  sie Geräusche und stören den Nachtschlaf. Das ist Frevel genug um in die Klatsch-mich-Liga der stechenden Schwirrer eingeordnet zu werden. An dieser Stelle überspringe ich Silberfischchen & Co. (Yuck!) und komme zu meinem Gruselthema des Tages (Igitt!).

Die Natur hat eine wunderschöne Gattung herausgebracht, die der Schmetterlinge, und die kleine Raupe Nimmersatt war eines der Lieblingsbilderbücher meiner Kinder. Doch wie jede Gattung hat auch die der Schmetterlinge ihre schwarzen Schafe, die Motten! Egal ob in der Küche oder in der Kleidung – sie sind die Pest! Vor Jahren hatte ich mit einer Packung Grieß eine lebensmüde Abart eingeschleppt, die sich über eine Tüte Chilipulver in meiner Küche hermachte, dies überlebte und hoch errötet im Larvenstadium entlang der Küchenwände das Weite suchte!

Doch in meiner Wolle hatte ich über all die Jahre die ich stricke, spinne und nähe NIE einen Besucher der Familie Schmetterling, bis jetzt, und ich habe keine Ahnung wie diese an Lavendel, Sandelholz und anderen Gegnern vorbeigekommen sind. Hier gibt es eigentlich keine Chance für Kleidermotten trotz all der Wolle und der Stoffe um mich herum – taucht eine auf lasse ich alles stehen und liegen und kenne keine Gnade mit ihr. Klatsch und fertig! Dachte ich. Bis heute.

Heute wollte ich beginnen meine über Monate erarbeitete Sammlung an gefilzten Kieselsteinen zu einem Teppich zusammennähen. Und da lag der erste Teil meiner Filzsteine auf meinem Wohnzimmertisch.

 

Was mich irritierte, waren die vielen kleinen Krümel, die mit den Filzkieseln aus den Sammelbehältern rieselten. Ich ahnte ja schon einiges und setzte mir die etwas schärfere Brille auf. Pfui Teufel, was sich da bei näherem Hinsehen zeigte! Teilweise ähnelten die Filzsteine in der Struktur dem Schweizer Käse oder hatten eine zerklüftete Mondlandschaft als Oberfläche.

 

Bei allem Ekel setzte sich mein Forscher-Gen und die Neugierde durch. Also holte ich die Kamera heraus um das ganze Desaster zu dokumentieren, als beim fotografieren Bewegung auf den Steinen entstand! Uhh! Nein, solch einen Wurm hatte ich bisher noch nicht in Wolle gesehen!

Das wollte ich mir dann noch etwas näher betrachten und ich erinnerte mich an die DIY-Bastel-Makrolinse für mein iPhone. YES! Und ich fand es auch sofort – ist ja ein ordentlicher Haushalt, bis auf kleine Monster in und auf meiner Wolle. ARGH! Da bewegte sich das Teil schon wieder!

Irgendwie sah mein Forschungsobjekt schon interessant aus, wie ein filziger Fussel, der tatsächlich mit ein wenig Geduld sein Vorne und Hinten zeigt.

Vorne streckt sich die Larve etwas aus dem Fussel heraus, hält sich auf dem Untergrund fest und zieht den Rest dann hinter sich her.

 

 

Inzwischen weiß ich mit wem ich es zu tun habe, einer Verwandten der Kleidermotte (Tineola bisselliella), der Pelzmotte (Tinea pellionella). Die Larven der Pelzmotten spinnen sich eine schützende Röhre und tragen diese mit sich herum, das ist typisch für diese Art, was sie wie wandernde Fussel aussehen lässt.

Ich habe mich nun von allen Naturmaterialien und Werkstücken aus meinem Arbeitseck Filz getrennt und hoffentlich nimmt keiner die Maisstrohmatten, die auch in dem Eck standen und die ich vorsorglich mitentsorgt habe wieder aus dem Müllcontainer! Leider war unter den von den Motten befallenen Rohmaterialien auch mein angefangenes Filzkaterchen und Katzenhaar von meinem verstorbenen Kater Harry.

Für heute habe ich genug vom Dasein als Forscher, Entsorger und Kammerjäger. Morgen geht es weiter. Doch zuerst werde ich wieder Tierfreund sein, also Katerchen füttern und sein „Katzenkino“ (das Vogelhaus vor dem Küchenfenster) versorgen 😉 .

Schwabenkater #1

oder, gut schwäbisch …

Daraus mache mer no ebbes, gell?

Meine Nachbarschaft ist total verkatert. Wirklich! Völlig alkoholfrei! Sie heißen Francis, Mogli, Feivel, Findus, Sam und Zieschka, ohne meine beiden Grauen zu erwähnen, und alle sind sie echte Kater!
Sie sind, abgesehen für Allergiker, auch ohne Nebenwirkungen. Außer es ist Fellwechsel! Dann flockt und flust es Katzenhaare vom Bett bis in den Tee. Und für mich gibt es Material! 😀
So hängt zwei Mal im Jahr ein Sack voll herrlicher Maine-Coon-Katerwolle an meiner Wohnungstür.

Aus Katzenhaar lässt sich nicht nur Wolle spinnen! Es lässt sich damit auch herrlich filzen, nicht nur Perlen, Filzsteine und Stuhlgleiter. Dieses Jahr probierte ich was Neues für mich, ein gefilztes Tier und ich verarbeitete Wolle eines Katers naheliegend zu einem Filzkater, anatomisch inkorrekt aber erkennbar.

 

Zur Vorgeschichte:

Irgendwann im letzten Jahr, rund um einen Fellwechsel vor einem neuen Beutel Katerwolle sitzend, traf ich im Internet auf den Blog Filzkram von Gabi, die herrliche und teilweise skurrile Filztiere zaubert.

Ich war sofort vor allem von ihren gefilzten Katzen begeistert, die sie in einem Blog-Post liebevoll „Ostfriesenmiezen“ nannte. Darauf hatte ich mit Blick auf meine Katzenwolle die Idee Katzen aus Katzenhaar zu filzen, schickte Gabi den Kommentar: „Auf diese Miezen werde ich mit Schwabenkatern antworten,“ worauf Gabi schrieb: „Nur zu!“

Das war von meiner Seite her ziemlich hoch gegriffen, da Filzen für mich immer noch eine Technik ist, die sich mir nicht so richtig erschließen will – vor allem klappt es trotz aller Tipps und Literatur nicht so, wie ich es gerne hätte.

Egal, es ist wieder Frühjahr, die Katzen haaren wie der Teufel und das Zeug muss weg – vorzugsweise verarbeitet werden. Deshalb ging es ran an die Filznadeln und da ist er nun, mein erster Schwabenkater! Zuerst habe ich ihn natürlich Gabi von Filzkram gezeigt und nun darf der Bursche auch auf meinen Blog.

 

 

Ein wenig zu lang gestreckt wie ein Spargel fand sich für den Burschen nicht so schnell ein guter Ruheplatz. Dabei sind ihm seine Froschpfoten an den Hinterbeinen auch etwas hinderlich.

 

Kater Chewie wollte den Kater mit der fremd riechenden Wolle und den komischen Pfoten auch nicht in seiner Nähe haben.

Doch nun hat der neue Kater im Haus einen sicheren Platz gefunden und „hält“ als falscher Kater auf dem falschen Kaminsims den Blumentopf fest!

 

Ob es zu diesem Exemplar noch Schwabenbrüder geben wird und ob sie auf ewig nackt bleiben werden? 😉
Das wird sich zeigen.

Filzen mit Tierhaaren #6 & Katzenhaar-Filzgleiter für Stühle

oder …

2. Akt vom Fingerwerk „Warme Füße für nackte Stuhlbeine“

Maine-Coon-Filzgleiter
Britisch-Kurzhaar-Filzgleiter

Noch eine Woche und der Mai ist zuende und vom Frühling ist keine Sicht. Die Heizung angeschaltet und im warmen Wollpullover plus Wollschal verpackt versuche ich mich auf warme Gedanken zu bringen. Doch egal wie das Wetter draußen ist vor allem für meinen Kater Harry ist Fellwechsel angesagt! Selbst ihn stören die Flocken, die ihm ohne sich groß zu bewegen um die Nase wehen. Also half ich ihm dabei sein winterliches warmes Unterfell loszuwerden. Gleiches hatte Kater Nachbars Kater, der schönste „Löwe“ der Welt, Francis letzten Herbst über sich ergehen lassen. So kam einiges an Katzenhaar zusammen.

Francis-Wolle und der Spender

Das Tierhaar dieses Main Coon Katers ist sehr fein mit langen Fasern. Vor dem Filzen habe ich es mit Handkarden kardiert, damit die Fasern in einer Richtung liegen.

 

 

Harry beim Bürsten

Als typischer Vertreter eines Britisch Kurzhaar Katers bringt Harrison nur kurze Haare aus seinem Unterfell. Wenn man es sich genauer betrachtet ist es nicht glatt sondern leicht wellig. Diese Oberfläche führt schon beim Bürsten und Sammeln der Haare in der Hand zum Verfilzen. Was mich ursprünglich auf den Gedanken brachte mit Harrys Flocken zu filzen.

 

Vom Filzprozess versuchte ich einen Film zu drehen, was mir nicht glückte. Aber zum Glück gibt es reichlich Videos zum Filzen von Hohlformen im Internet und ich fand eine Anleitung von „filzeninfo“ (leider ohne funktionierendem Link zu weiteren Informationen), die ähnlich wie ich arbeitet:

Die Hohlform am oberen Ende vorsichtig mit einer Schere aufschneiden nicht vergessen!

Im Video wird nur gezeigt wie das Filzwerk der Länge nach im Handtuch gewalkt wird. Dadurch schrumpft der Filz auch vor allem in der Länge.
Um auch quer eine Festigung und Schrumpfung zu erreichen muss auch in dieser Richtung gewalkt werden.

Zum Schluss passte ich die Filzgleiter direkt auf den Stuhlbeinen an, auf die sie hinterher benutzt werden.
Um das Holz mit der Feuchtigkeit des unfertigen Filzgleiters nicht zu schädigen und um diesen leichter entfernen zu können schützte ich das Stuhlbein mit Klarsichtfolie.

Passen alle Filzgleiter zog ich diese von den Stuhlbeinen und nutzte den alten Fingerpuppenständer meiner Tochter um sie zu trocknen.

 

 

Nach dem Trocknen die Filzgleiter auf einer Schneideunterlage ausrichten und mit einem Rollmesser in eine Länge schneiden.

 

Anziehen und fertig!

 

Wie sich diese Filzgleiter bewähren muss sich zeigen. Auf jeden Fall gleiten sie, wie das Strickfilzmodell, beinahe gefährlich leicht über den Fußboden. Den Haltbarkeitstest müssen alle erst noch durchlaufen. Ich werde darüber berichten.

Warme Füße für nackte Stuhlbeine & Fingerwerk aus der Strickfilzstube

oder …

1. Akt – Stuhlstiefelchen aus Alpaka in zwei Variationen und fast identischem Ergebnis

Das Grundprinzip des Strickfilzens ist:

  • stricken
  • ab in die Waschmaschine
  • noch feucht in Form ziehen oder über eine Form stülpen
  • trocknen lassen

Dabei ist zu beachten, dass das Strickwerk beim Waschen in der Waschmaschine schrumpft, in der Länge mehr als in der Breite.
Zudem hängt der Schrumpffaktor noch davon ab wie voll die Waschmaschine ist, oder was in der Maschine mitgewaschen wird, welche Temperatur gewählt wurde und welches Waschmittel. Somit ist Strickfilzen nie langweilig und immer für eine Überraschung gut. Diese Erfahrung machte ich schon bei meiner Kameratasche, über deren Herstellung ich hier berichtete.

Wie im letzten Post angekündigt verwendete ich als Strickgrundlage eine Anleitung von Harpa, die ich modifizierte. Zudem verwendete ich nicht die in Island übliche Lopi-Wolle. Von diesem Garn aus ungesponnener Wolle habe ich mir zwar einiges aus Island mitgebracht, aber daraus mache ich mir später was anderes. Ich verarbeite einen Knäuel Alpakagarn, das seit Jahren einsam im Strickkorb lag und ungenutzt immer nach unten rutschte.

Gestrickt habe ich mit einem Nadelspiel der Stärke 3 mit 32 Anfangsmaschen und zwei Varianten ausprobiert:

  • links: glatt rechts gestrickt so dass ein Rollrand entstand
  • rechts: mit einem kleinen Bündchen am Anfang

 

 

Damit die Strümpfe / Socken / Stiefel beim Waschen in der Waschmaschine nicht zu sehr zusammenschrumpeln packte ich in alle Teile ein Stück von übriggebliebener Noppenfolie hinein. Das war wirklich eine gute Entscheidung. Genauso gut wie das Verpacken der Socken in ein Wäschenetz!

Denn, nach dem Waschbad bei 50°C in einer vollen Waschtrommel, zusammen mit Jeans, T-Shirts und Handtüchern passte das Ergebnis eher in meine Filzkieselsammlung als an die vorgesehenen Stuhlbeine!

Sofort nach dem Waschen müssen die noch feuchten Stuhlstiefelchen von der Folie befreit, mit Schmackes auseinandergezupft und am besten direkt über dem Stuhlbein in Form gezogen werden.

Zum Trocknen sollten die Stiefelchen jedoch wieder vorsichtig abgezogen werden, am besten liegend auf einer luftdurchlässigen Unterlage.

Nach gut 10 Stunden sind die Strickfilzstiefelchen fertig für ihren Einsatz auf meinen Stühlen.

 

Eine Anleitung mit einer Bilddatei.jpg gibt es unter diesem Link.

Ach ja, so nebenbei bemerkt: das ist Strickwerk 2013 #6