Wochen 13 und 13plus/2017

oder …

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Dieser Wochenrückblick kommt mit reichlicher Verzögerung, ich weiß. Alle Anzeichen weisen darauf hin, die 13. Kalenderwoche, und ein Itzelchen der 14ten des Jahres, haben weiterhin wenig Chancen mein(e) Liebling(e) zu werden. Meine Schwägerin liegt im Krankenhaus, ich war im Krankenhaus, bei meinem Vater wird weiter untersucht was sein Befinden beeinträchtigt und letzte Nacht bekam meine Mutter keine Luft.

Man möchte meinen, da würden doch als Ausgleich ein paar strukturierte, nach Stundenplan ablaufende Unterrichtsstunden perfektes Erholungsprogramm für angespannte Nerven sein. Pustekuchen,  der Alltag funktionierte ebenso wenig alltäglich in seinen regulären Abläufen. Kranke Kollegen mussten vertreten werden und die 9er präsentierten ihre Ergebnisse der Projektprüfungen.

Aber alles ist für mich persönlich erst einmal wieder gut, denn ich funktioniere noch! Damit dies so bleibt fügte ich in mein Regelverzeichnis zwei neue Punkte ein:

  • Auf meinen Teller kommt nur selbst gesammelter Bärlauch oder, wenn gekauft, Blatt für Blatt von mir kontrolliert.
  • Verarbeiteten Bärlauch, den ich nicht frisch gesehen habe, esse ich nicht!

Ich hatte – toll, die Sonne scheint – das Bedürfnis ein paar Frühlingsgefühle kulinarisch zu genießen. Auf meinen Spaziergängen, wie diesem, freute ich mich über den sprießenden Bärlauch. Mir waren diese Blätter noch zu kurz zum ernten und ich kaufte mir ein Bündel auf dem Markt, ist ja auch einfacher und sicherer. Falsch gedacht!

Am Wochenende davor hatte ich in Sachen Kräuterpädagogik, während meines Ausbildungsseminars, das Thema Verwechslungsmöglichkeiten von Bärlauch zu anderen Pflanzen gehabt. Montag arbeitete ich meine Mitschriften durch, schrieb alles ins Reine und dachte mir so meinen Teil, als ich auf den mitgeschriebenen Tipp unserer Ausbildnerin stieß:

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

OK, diese Redewendung wird laut Wikipedia Lenin zugeschrieben, entstand durch gesellschaftlich-politische Prozesse, aber sie passt für mich jetzt perfekt in den Umgang mit Bärlauch.

Im vollen Vertrauen, wider besseren Wissens und neuen Erkenntnissen, verarbeitete ich meinen gekauften Bärlauch, nur oberflächlich durchgesehen ob etwas angegammelt aussieht, zu Pesto wie all die Jahre vorher im Verhältnis 1-1-1 plus Olivenöl: Bärlauch waschen, abwiegen, hacken. Mandeln passend im Gewicht dazu, Käse passend abwiegen und reiben und Öl dazu. Auf dem Herd köchelten die Spaghetti gemütlich vor sich hin und ich freute mich auf ein feines Abendessen.

Die Pesto roch lecker, doch trotz bissfest gekochter Spaghetti, konnte sie geschmacklich nicht überzeugen. Sie war zu scharf und brannte auf der Zunge, den Lippen und später im Rachen wie Feuer, ganz anders als Chili. Nicht gut. Gar nicht gut. Appetit vergangen. Mund ausgespült und nichts gebracht. Trockenes Brot langsam gekaut und keine Besserung. Nervös geworden war mein erster Gedanke „Giftnotrufzentrale“. Mit meinen zittrigen Bibberfingern bekam ich auf keinem Gerät irgendetwas gebacken. Für „112“ fühlte ich mich zu fit. Doch dann hatte ich das Gefühl, ich muss raus aus meiner Wohnung und ab zu irgendeinem Nachbarn meines Vertrauens. Jacke an, Schlüssel, Handy, das Glas mit der Bärlauch-Pesto (von der ich gegessen hatte) noch geschnappt. An Papiere, Geldbeutel, die Handtasche dachte ich nicht. Vor der Tür fand ich glücklicherweise Beistand; ein ehemaliger Schüler von mir stand mit seiner Mutter auf den Parkplätzen unserer Wohnanlage und er reagierte sofort. Zusammen mit seiner Mutter brachte er mich ins Krankenhaus. In der Zwischenzeit hatte ich Kontakt mit der Giftnotrufzentrale. Während des Gesprächs erinnerte ich mich an meine Aufschriebe vom letzten Kurstag. Alle meine Symptome wiesen auf Aronstab hin, der jedoch nur als junges Blatt zu Verwechslungen mit Bärlauch führen kann. (Das ältere Blatt wird dann eher mit Sauerampfer verwechselt.) Die Dame vom Giftnotruf bestätigte meinen Verdacht. In der Zwischenzeit hatten meine Helfer und ich das Krankenhaus erreicht.

An der Notaufnahme brauchten wir reichlich Geduld, bis überhaut jemand erschien. Die Panikattacke, gegen die ich es nicht schaffte ruhig zu atmen, ließ mich von Kopf bis Fuß zittern. Wahrscheinlich durch Hyperventilation kribbelten mir Zehen und Fingerspitzen. Beim Aufnahmegespräch kam das erste Gefühl von Übelkeit hoch. Ich stellte meine mitgebrachte Probe der Pflegerin hin, die mich daraufhin fragte: „Und was soll ich damit?“ … … … wer mehr wissen möchte was (nicht) geschah, darf gerne per Mail rückfragen.

Hilfreiche Informationen zu Aronstabvergiftung findet man hier und hier. Bärlauch wird vor allem mit Maiglöckchen und schlimmstenfalls mit Herbstzeitlose verwechselt, von denen in dieser Übersicht alle Informationen plus Rufnummern der Giftnotrufzentralen zu finden sind.

Zweieinhalb Stunden später war ich wieder zuhause, mit Übelkeit, untypisch hohem Blutdruck für mich, Brennen im Mundraum und Hals, … ohne Aktivkohle bekommen zu haben, oder etwas zu trinken und auch ohne Empfehlung das zuhause zu machen.

 

Was sonst noch geschah:

  • Osterdekoration abgebaut, bzw. die Reste aufgefegt, die Angus übrig gelassen hatte.
  • wieder ein Wochenende mit Kräuterseminar gehabt und zum Abschluss lecker gekocht bzw. gebacken mit selbst gesammelten Wildkräutern – ich werde darüber berichten
  • im Schulgarten gewerkelt
  • Ideen für ein schwarzes Beet für meine Goth-kids gesammelt und ein Beet mit Färberpflanzen
  • Pflanzen für mein Herbarium gesammelt

Zum Schluss noch eine nette Fundsache im Schulobst, ein siamesischer Apfelzwilling oder Apfelküken, den sich bisher noch keiner getraut hat zu essen 🙂

 

Meinen Nachbarn an dieser Stelle noch einmal tausend Dank!

Das Ende der Bärlauch-Zeit

oder …

Der Mai ist gekommen!

Kaum zu glauben, der April ist vorbei. Ganz einfach so. Wo ist der Monat nur geblieben? Ohne Fotoausflüge in den Schönbuch und zur Obstbaumblüte ins Gäu fehlt mir dieses Jahr ein kleines Stückchen Frühlingserwachen. Sicher hätte ich eine Chauffeuse oder einen Chauffeur für eine Ausfahrt gefunden: „Sag’s, wenn ich dir helfen kann!“. Doch ohne Konstanze einfach so durch die Landschaft tappen? Mit der/m ruhig gestellten Hand/Arm war seit dem Armbruch kein Fotografieren mit der Spiegelreflexkamera möglich. Aber es geht voran.

Seit gestern kann ich, wenn ich mit der rechten Hand die Kamera halte, mit der linken den Objektivdeckel aufschnippen. Tolle Sache! Kleines Stückchen Glückseligkeit. Zum Schließen muss ich mich bücken und suchen, wo das Teil hingeflogen ist. Um den Deckel wieder aufzusetzen brauche ich noch die rechte Hand.

Heute schaffte ich mit links den Wasserhahn im Spülbecken der Küche zu öffnen. Yeah! Es ist ja „nur“ ein Hebel und es klappte super – fragt meinen Kater! 🙂 Das Ergebnis war eine Riesensauerei, hatte die Qualität ‚Zustand nach Wasserschlacht‘. Aber ich habe den Wasserhahn öffnen können, grobmotorisch zwar, auch noch etwas schmerzhaft, doch effektiv. 😀 Allerdings werde ich den zweiten Versuch mit dem Hahn besser erst nach der nächsten Ergotherapiesitzung versuchen. Habe ich Katerchen versprochen, denn er fand die Springflut aus der Spüle gar nicht lustig. 😉

Doch zurück zum verpassten Frühling draußen in der Natur.

Mit dem Cast rund um Hand und Unterarm konnte ich dieses Jahr auch nicht zu meinem Plätzchen zur Bärlauchernte radeln. Schade! Ich tröstete mich mit ein, zwei gekauften Bünden vom Markt. Als Pesto verarbeitet war es ruckzuck weg gefuttert. Bei den nächsten vier gekauften Bünden hatte ich dann das Pech, dass sie, wohl nass gepflückt und gleich eng gebündelt, im Bund schon schimmelten – bei einem Preis von 1,50€ pro 100g recht ärgerlich. Ich fand mich damit ab dieses Jahr ohne Bärlauch-Depot auszukommen.

Und dann kam ein Gespräch unter Nachbarn, denen ich eigentlich nur ein Päckchen angenommen hatte und ihnen nur abgeben wollte. Als Dankeschön hatte ich von ihnen eine Tüte selbst geernten Bärlauch in die Hand gedrückt bekommen!

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Drei Tage später fragte mich mein Nachbar, ob er mir noch einmal Bärlauch mitbringen soll/kann. Ich antwortete: „Oh, das wäre schön. Ein wenig könnte ich noch brauchen.“ – Wenig ist eine vage Aussage, die unterschiedlich interpretiert werden kann.

Frischer Bärlauch in Salaten ist lecker. Nur leider kann er nur kurze Zeit im Frühjahr geerntet werden. Deshalb verarbeite und konserviere ich jedes Frühjahr einen Teil meiner Ernte um auch später im Jahr Bärlauch genießen zu können.

Bärlauchpesto auf Brot oder zu Spaghetti ist ein toller Einsstieg in die (Basilikum-)Pestosaison, oder auch eine Alternative dazu, denn Bärlauchpesto kommt im Gegensatz zu der mit Basilikum ohne Knoblauch aus. Das hat schon Vorteile! 😀

Von meiner unerwarteten Bärlauchschwemme habe ich

  • die Blätter in Öl püriert
  • die Blätter in Öl püriert, mit Mandeln und Parmesan zu Pesto verarbeitet (Verhältnis Bärlauch:Mandeln:Parmesan – 1:1:1 in Gramm, Öl nach Gefühl und Konsistenz)
  • die Blätter eingefroren
  • die Blätter im Dörrautomat getrocknet
  • die Stengel, wie Gurken, süß-sauer eingelegt
  • die Knospen in Öl eingelegt
  • die restlichen Knospen einfach blühen lassen.

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Tipps aus dem Internet, die ich ausprobiert habe:

Bärlauch haltbar machen

Das ganze Jahr über Bärlauch

Und was ich noch ausprobieren möchte:

Bärlauchkäse – vegan

 

Der Frühling scheint nun wirklich angekommen zu sein!