Mottenkugeln

und …

Rainfarn vom Garten in den Kleiderschrank

Obwohl ich inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte an dieser Schule arbeite suchte ich erst vor drei Jahren nach dem Namen dieses gelb blühenden Gewächses auf dem Schulgelände, weil ein Schüler danach fragte: „Frau Be, was ist das?“. Meinereine hatte keine Ahnung, brauchte Tage um dahinter zu kommen und wusste dann:

  1. ich brauche eine Fortbildung
  2. was da wächst ist Rainfarn, Tanacetum vulgare, und ist giftig!

 

 

Im Grunde genommen ist der Rainfarn meine Auslöserpflanze, dass ich die Ausbildung zur Kräuterpädagogin begonnen habe. Dabei kannte ich den Rainfarn schon längst als Färberpflanze aus meiner Sturm-und-Drang-Zeit in den späten 1970ern und frühen 1980ern! Long time no see im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Rainfarn gilt als alte Heilpflanze, obwohl die frühesten beschriebenen Anwendungen erst rund um die Zeit von Karl dem Großen nachgewiesen sind, in denen ein Einsatz gegen Würmer beschrieben wird. Auch wenn in manchen Quellen, wie von Hildegard von Bingen, Rainfarn als Heilkraut für mancherlei Beschwerden angepriesen wird, Tees und Zubereitungen mit Rainfarn im Internet angeboten werden, im Mittelmeerraum sogar ein Likör aus Rainfarn hergestellt wird, ist für mich dieses Kraut zur innerlichen Einnahme tabu. Schon wenige Gramm lösen Vergiftungserscheinungen aus, bei empfindlichen Menschen reicht schon der Hautkontakt.

Trotzdem ist und bleibt der Rainfarn eine interessante, nützliche Pflanze. Mit Rainfarn kann man im Haus und im Garten gegen Insekten vorgehen. Die Blüten und vor allem das Kraut verströmen beim Zerreiben einen intensiven Duft, den viele Insekten nicht mögen. Deshalb gehörte Rainfarn im Mittelalter hier und in vielen Kulturen andernorts unbedingt zu den Streupflanzen bei wichtigen Anlässen – wehe ein unguter Geist kommt vorbei! :).

Ich erinnerte mich irgendwann an meine Großmutter, die Rainfarn statt Lavendel in den Wäscheschrank gab. Sie fand Rainfarn effektiver gegen Motten und außerdem mögen Männer den duftigen Lavendel nicht, meinte Oma. Deshalb hirnte ich den gesamten Frühsommer dieses Jahres über ein leicht an Schüler zu vermittelndes Konzept, nachdem die Ideenschmiede innerhalb der Klasse kein Ergebnis erbracht hatte.

Ende Juli erntete ich mit meiner Klasse einen großen Teil vom Rainfarn auf diesem Gelände, der Trockenmauer, die hier, wie immer im Sommer zugewachsen ist. An ein paar wenigen Stellen ist die Mauer noch zu sehen. Ich achtete auf Handschuhe bei den Kindern um ja keine allergischen Erscheinungen hervorzurufen. Interessanterweise fanden alle beim Ernten den Geruch eher widerlich und am Ende, nachdem alle Sträußchen zum Trocknen hingen, doch richtig toll. Leider kamen trotz der duftenden Umgebung keine neuen Ideen für die Antimottenproduktion zusammen. Da musste erst ich eine schlaflose Nacht haben.

 

Im Oktober wurden die Blätter und Blüten von den Zweigen gerebbelt. Den größten Teil der gelben Körbchen sortierten wir für Färbearbeiten aus. Aus dem Kraut, den Blättern, die den meisten Anteil an ätherischen Ölen/Duftstoffen haben, sollten Mottenkugeln entstehen.

Und jetzt kam ich mit einer Idee aus einer schlaflosen Nacht …

 

 

 

Mottenkugeln mit Rainfarn

Material

  • getrocknete Rainfarnblätter und -blüten
  • Chiffonreste oder Chiffonzuschnitte in der Größe von 12 x 12 cm
  • Perlgarnreste in verschiedenen Farben

 

 

In die Mitte des Chiffonstücks Rainfarnblätter und -blüten geben, bis sie beim Zusammendrehen in etwa die Größe eine Lollipops ergeben. Das zusammengedrehte Chiffonstück mit farbigen Perlgarn umwickeln, am Ende verknoten und die überstehenden Chiffonecken gerade schneiden.

 

 

Am Ende unserer Mottenkugelproduktion landete doch noch ein großer Teil des Färbematerials in den Kugeln, weil es einfach an Masse fehlte. Nächstes Jahr wird bewusster geerntet.

Trotzdem fanden alle Hersteller-kids unsere Mottenkugeln cool und schick und mega-duftend! Jetzt gehen sie erst einmal auf den Weihnachtsmarkt – wir betreuenden LehrerInnen mit der Hoffnung auf Käufer.

 

Über Rainfarn gibt es eine Menge im Internet zu lesen und bei vielen Berichten fehlt mir die Sachlichkeit bzw. lassen mich die Informationen den Kopf schütteln.

Übersichtlich, kurz, knapp, knackig informativ fand ich vor allem diesen Link:

 

https://www.kraeuter-verzeichnis.de/kraeuter/Rainfarn.htm

 

Bis die Tage,

Karin

 

3 Responses

  1. Witzig, den Rainfarn hätte ich erkannt, was daran liegt, dass er hier bei uns sehr selten ist und ich immer nach ihm Ausschau halte 😉 Nur wenn ich ihn dann mal an einer Stelle finde, rupfe ich ihn natürlich nicht aus, sondern hoffe auf reichere Vermehrung.
    Dass er sich auch für den Einsatz gegen Motten eignet, wusste ich gar nicht. Noch hat es hier mehr Lavendel als Rainfarn…
    Liebe Grüße
    Andrea

  2. Liebe Karin, vielen Dank für den Einblick. Endlich schaffe ich es auch mal wieder hier bei dir ein paar worte dazulassen. Ich wusste zwar das Rainfarn giftig ist, aber das es etwas gibt wofür man es verwenden kann, war mir bisher unbekannt. Ich weiß das ich sogar im Sommer eine Discussion hatte, an der mein gegenüber überzeugt war das dieses Kraut Magenkrämpfe löst. Ich hab ihr geraten die Finger davon zu lassen und sich erst gründlich zu informieren, weis aber nicht wie es ausgegangen ist. Ich glaube viele verwechseln die gelben Blüten mit der Kamille. Vermutlich kann man mit solcher Unwissenheit mehr Schaden anrichten. Das mit der Mottenkugel probier ich nächstes Jahr mal aus. Und wie du die Pflanze zu Farbe verarbeitest würde mich ja auch brennend interessieren. Ich finde eure Mottensäckchen ganz entzückend und hoffe auf einige Abnehmer. Herzliche Grüsse Vivo

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