oder …

Gemischtwarenprogramm der Töne

Einmal im Monat lädt Astrid zu einer Linkparty mit ganz unterschiedlichen Themen ein. Meinen Beitrag zu den Haustieren bekam ich leider nicht im gesetzten Zeitraum fertig, doch kurz vor knapp erst kürzlich den über die Sommerferien. Das klappte nur durch Mut zur Lücke, denn ich bin eigentlich nicht damit fertig geworden. Es fehlt der Bezug zum Untertitel, weil Texte fehlen. Nun gibt es jedoch schon forderte mich die nächste Aufgabe zur Sammlung von Fakten mehr als erwartet und die Uhr tickt.

die kümmerliche Plattensammlung

Die Zutaten bröseln mir immer wieder weg. Es passt nichts so richtig zusammen und manches stößt sich einfach, wie elektrostatisch aufgeladen, ab.

Wenig hilfreich war die Idee einfach einmal aufzuschreiben, was, wen und überhaupt ich gerne höre, gehört habe und hatte. Das Blatt ist voll und bleibt ein unvollständiges Werk, wie ich beim Schreiben bemerken musste.

Vielleicht ist die übliche Schülerfrage von neuen Klassen an mich zu Beginn des Schuljahres ein Einstieg:

Momentan mache ich das gerade für „Thunder“ von den Imagine Dragons und „Wannsee“ von den Toten Hosen.

Ganz ehrlich, ich habe mir die Videos gerade eben erst für diesen Blogpost angeschaut und bei den Toten Hosen schon wieder überlegt, mein Geschreibsel zum millionsten Mal umzuschmeißen. Nee, aber auch.

Also fange ich jetzt endlich wirklich an. Punkt. Und zwar ganz von vorne.

1 Die ersten 10 Jahre

Ein gutes Radio war meinem Vater wichtig und direkt daneben stand dann sein Tonbandgerät. Er hat in seiner wenigen Freizeit Stunden vor dem Gerät gesessen und auf seine Lieblingstitel gewartet, den Finger auf der Aufnahmetaste. Später saßen dann mein Bruder und ich in fast ähnlicher, gespannter Jagdhaltung davor. Doch davon an anderer Stelle mehr.
Papa liebte Freddy Quinn und Horst Wendtland, Opa bevorzugte Vornamensvetter Hans Albers und Caterina Valente. Oma drehte das Radio auf wenn Fred Bertelmann den „Lachenden Vagabund“ von sich gab. Opa schaltete aus bei Rita Pavones „Arrivederci Hans“ und Oma steckte morgens eine Stecknadel an die Position des Zeigers vom Senders am Radio, damit sie diese abends zum Zurückstellen wieder fand! 😀 Sendersuchlauf per Hand!!

Aber alle mochten Rocco Granata mit „Marina“! Gut so, denn dieses Stück spielte Jahre später, in Bluegrass-Version auch die Band, in der mein Bruder und der spätere Papa meiner Kinder spielten, Freight Train.

Es mag der Anschein entstehen, ich bin im Schlagerambiente groß geworden, doch da liegt ihr falsch. Meine Mutter hatte ein riesiges Repertoire an Volksliedern und als meine Tante aus dem Ruhrpott in unsere Nähe zog erlebte ich beide als virtuose, vierhändig spielende, Pianistinnen. Tante war eine studierte Kirchenmusikerin und meine Mutter hatte ihren Traum, Konzertpianistin zu werden, aufgeben müssen – eine Nachkriegsgeschichte – um die Kunstglaserei des Vaters zu erhalten.

Ach, und wie gerne erinnere ich mich, wie meine Freundin und ich unsere Eltern beobachteten, als sie mithilfe einer Schallplatte und einer Bildanleitung einen Tanz einübten, Letkiss – was für ein Übermut! 😀

Etwas lauter dröhnte es aus dem Fahrradkeller, wo ein Nachbarskind mit anderen Musikerfreunden probte, nicht zu aller Freude, aber erfolgreich später in Bands wie Message und Birth Control. Horst Stachelhaus war mein Kinderheld und dass er nicht mehr lebte erfuhr ich von seinem jüngeren Bruder Willi, der, auch Musiker, einer der ersten Väter hier im Raum war, der mit einer unvergleichlichen Selbstverständlichkeit die typische Rollenverteilung umgedreht lebte. Wir sind uns, als unsere Kinder noch klein waren, häufig begegnet, später weniger, aber regelmäßig. Jetzt erfuhr ich, durch die Recherche für diesen Blogpost, dass mir nun auch dieser Freund aus der Kindheit nicht mehr begegnen wird.

2 Klavierstunden und Flötentöne

Wenn meine Mutter am Klavier meiner Tante saß konnte ich ihr ewig zuhören. Unterricht bekam ich dann von Tante. Ohne zuhause ein Klavier für tägliche Übungen zu haben waren die Klavierstunden zwei Mal die Woche eigentlich für die Katz’. Trotzdem blieb ich eine ganze Weile bei der Stange, weil Tante mit Blues, Boogies, Ragtime und Scott Joplin lockte. Den „Entertainer“ lernte ich noch halbwegs.

Offene Rebellion war mir fremd, wusste ich doch wie wichtig meiner Mutter die musikalische Entwicklung von mir und meinem Bruder war. Heimlich kaufte ich mir eine Blockflöte und brachte mir selbst das Spielen in Feld, Wald, Wiese bei. Irgendwann outete ich mich, Tante fragte: Flöte oder Klavier, ich entschied mich für Flöte. Nur wollte mich die Flötengruppe in der Schule nicht. Kurzzeitig wollte ich allen Instrumenten abschwören, außer meiner eigenen Singstimme. Der Stadtchor hätte mich sogar aufgenommen, nur gehörte zur Choruniform eine weiße Hemdbluse! So etwas zog und ziehe ich bis heute nicht an!! Nichts mit Chor. Ich heulte ohne Ende, übte eine Weile weiter Klavier um dann meine zweite Flöte, eine Altflöte zu kaufen und die Klavierstunden hinzuschmeißen.
Es war eine Trotzreaktion, denn eigentlich und viel lieber wollte ich eine Gitarre. Irgendwann hatte ich die dann auch, übte fleißig spielen, bloß lernte ich sie nie zu stimmen. Mit einem halb-/dreiviertel tauben Ohr, hatte ich mir bei einem Schlittenunfall eingehandelt, ist das nicht möglich und Stimmgeräte waren in dieser Zeit, mit einem 10,-DM Taschengeld im Monat, nicht erschwinglich.

3 Deep Purple und das verpatzte Sonntagsfrühstück

Ich besitze weder eine Schallplatte noch eine CD oder eine Musik-Datei von Deep Purple, obwohl ich diese Gruppe immer noch gerne höre. Das hat seine Hintergründe und ich hole mal ganz lang aus. Muss sein.

Musik für junge Leute gab es in den 1970ern nur zu bestimmten Zeiten im Radio. In Ba-Wü hörte man entweder morgens Pop am Morgen vom SDR3 aus Stuttgart,  nachmittags Pop Shop vom SWF3 aus Baden-Baden und nachts, wieder heimlich, mit dem Kofferradio, AFN und Wolfman Jack ab 23:00 Uhr.

Schallplatten waren teuer, gute Abspielgeräte erst recht, weshalb mein Bruder und ich sehr an Vaters Tonbandgerät interessiert waren. Papa nutzte seine wenigen Abendstunden um am Radio sitzend seine Lieblingsmusik aufzunehmen, was wir zwei Geschwister natürlich auch ganz gerne am Nachmittag wollten.

Irgendwann hatten wir es erreicht, dank Omas Unterstützung, „Nun lass’ doch die Kinder!“, und wir durften nachmittags unsere Musik aufnehmen, wenn wir die Hausaufgaben nicht vernachlässigen. Bloß wie sollte das gehen? Hausaufgaben machen UND in Habachtstellung mit Finger am Aufnahmeknopf zu sitzen lief nicht. Den meisten Aufnahmen fehlten die ersten Töne. Doch einmal gelang uns der Treffer! Auf den Punkt schafften wir es und Deep Purple war im Kasten! Mann, waren wir glücklich!

Sonntagmorgen. Frühstück. Vater, Mutter, zwei pubertierende Kinder – auch in den 1970ern nicht immer einfach. Vater richtet sein Tonbandgerät, Musik erklingt, irgendein Interpret schluchzt seinen Herzschmerz durch die Lautsprecher, wir schmieren unsere aufgebackenen Brötchen und plötzlich …

diese Töne!

Ich kann bis heute nicht „Smoke on the Water“ hören ohne vor Lachen unter dem Tisch zu liegen, obwohl wir damals wie die Salzsäulen erstarrt waren.

Wir hatten vergessen, zur Aufnahme, Vaters Band mit unserem zu wechseln! Passierte uns nie wieder! Ehrlich!

Ich kneife mal die Augen zusammen und versuche aus der Megaflut an Eindrücken, die in dieser Zeit über mich gerauscht sind ein paar aufzuhalten und vielleicht anzupflocken.

4 Teenager in Zeiten vor iPod, iTunes und Youtube

Wir trafen uns in Kinderzimmern, hörten uns unsere Mitschnitte auf den Tonbandgeräten an, tauschten und überspielten Stücke, stritten uns wer besser ist, die Rolling Stones oder die Beatles. Ich stand auf die Stones und wenn es die Beatles sein mussten, dann war John Lennon mein Favorit.
Wer Schallplatten hatte brachte diese Heiligtümer mit zu den Treffen, argwöhnisch darauf achtend, dass ja kein Kratzer auf ihnen entstand, den Lautstärkeregler auf Schmerzgrenze der Eltern und Nachbarn gedreht. Nachbarssohn Bernd erfreute alle im Haus, wochenlang, mit „Cecilia“ von Simon & Garfunkel. Ich kann den Liedtext immer noch auswendig 😀 Von mir gab es im Gegenzug Creedence Clearwater auf’s Ohr oder T.Rex!
Supertoll fanden mein Bruder und ich das Fernsehprogramm am Samstagnachmittag, wenn Beatclub und später Disco liefen. Schwierige Sache, denn letztere Sendung lief parallel zur Sportschau.
Schon in dieser Zeit hörte ich ansonsten das was das Radio so brachte, vorzugsweise mitten in der Nacht, mit dem Kofferradio, American Forces Network, AFN Frankfurt (später Europe) wenn Wolfman Jack seine Sendung moderierte. Legendär sein Wolfsgeheul.

5 Hausmusik oder so und abhängen in Proberäumen

Die Gitarre kam nach meiner Mittleren Reife ins Haus. Meine Gitarre! Der Freund meiner Freundin gab mir Unterricht. Mein Bruder saß daneben und irgendwann ich, denn er war einfach besser. Ziemlich fix war er auch besser als unser Gitarrenlehrer.

Unser Zuhause entwickelte sich zum Übungsraum, Gruppenraum, Treffpunkt und Café. Mein Wecker war mein früh aufstehender Bruder, dessen erster Griff zur Gitarre ging. Er legte das Instrument auch erst zum Schlafengehen ab. Wenn nicht zuhause geübt und gespielt wurde traf man sich in Garagen, Kellerräumen, Baracken, alten Gemäuern, ausrangierten Bauwagen, eben in Räumen, wo laute Musik erlaubt war und niemand nebenan gestört werde konnte. Hier lernte ich meine ersten festen Freunde kennen und später auch den Vater meiner Kinder. Er und mein Bruder spielten, so fand ich damals wie heute, „Dueling Banjos“ besser, als es im Original, im Film „Deliverance“, zu hören ist.

Über manche der Freunde hatte ich Gelegenheit ab und an etwas früher in die Sporthalle unseres Orts, Böblingen, zu kommen. Sie gehörten zu den örtlichen Helfern, die zum Aufbau von Bühnen und Anlagen gebraucht wurden. Tolle Sache, dafür schleppte ich doch gerne Kabeltrommeln und holte Kaffee oder Cola. Wenn ich mir überlege was für tolle Konzerte ich hier erlebt habe überkommt mich wieder ein wenig Traurigkeit, dass die Halle vor ein paar Jahren abgerissen wurde. Es bleiben die Erinnerungen an The Police, Jethro Tull, Frank Zappa, Queen, UB40, Udo Lindenberg, … und auch Deep Purple. 😀

6 Das erste Openair-Konzert

Super-Sommer 1976 (mit dem Anschein von „It will never rain in Southern Germany), Stuttgart, Neckarstadion und dort die Rolling Stones, am 19. Juni, das Ticket für satte 20,- DM für den Innenraumbereich. Egal. Super. Ich wollte hin, doch niemand mit mir. Irgendwie organisierte ich einen Freund, vom Freund einer Freundin, der meinen Eltern vertrauenswürdig genug erschien um mit mir dorthin zu gehen.

Absprachen in Vorhandyzeiten benötigten eine genaue Planung und mein Konzertbegleiter und ich hatten uns für alle Eventualitäten abgesprochen, Treffpunkte bzw. Wartestellen waren abgemacht, alles unter Berücksichtigung meiner Art an Pünktlichkeit. Am Ende kam alles anders.

Bis zu meiner Bushaltestelle schaffte ich es überpünktlich. Zeit genug um die Tasche mit ihrem Inhalt zu kontrollieren – alles drin, bis auf die … arrgh … Eintrittskarte! Ich also nichts wie ab nachhause, Clogs aus und barfuß gerannt was das Zeug hält. Ich erinnere, Supersommer 1976! Heißer Asphalt! Mit Brandblasen an den Füßen und dem Stones-Ticket in der Hand hatte ich es in Rekordzeit noch zum Bus geschafft. Am vereinbarten Treffpunkt in Stuttgart fehlte jedoch mein Begleiter, auch am Alternativtreffpunkt, wir trafen uns erst Wochen später. Ähnlich unstrukturiert lief auch das Konzert ab bis die Stones auftraten. Aber ich war dabei!! Ein Mega-Erlebnis!

Der Heimweg war noch abenteuerlicher, denn als der Pulk an Konzertteilnehmern den Busbahnhof in Stuttgart erreichte standen dort nur die üblichen letzten Busse für die Nachteulen, die „Lumpensammler“, mehr nicht. Der Busfahrer Richtung Böblingen und Herrenberg flüchtete regelrecht vor dem Ansturm an Mitfahrwilligen. Bis zusätzliche Busse bereit gestellt waren dauerte es ewig. Irgendwann in der Nacht war ich zuhause, total k.o. und sah im Lampenlicht meine verdreckten Füße und Beine. Zu müde zum Waschen oder Duschen zog ich mir, statt zu duschen, in der Hitze der Nacht lieber eine Strumpfhose an um ins Bett gehen zu können. Schlafen funktionierte nach all den Eindrücken jedoch nicht und ich malte den Rest der Nacht. Das Bild muss noch irgendwo sein, doch ich finde es nicht. Aber die bestickte Jeans , die ich diesen Abend angezogen hatte, die habe ich noch!

7 Hausmusik #2

Meine zweite Gitarre, eine 12-saitige, hatte ich wie die erste nur kurz im Besitz. Auch diese wurde ruckzuck von Bruderherz vereinnahmt. Hatte er anfangs etliche Rock-, Pop- und Bluesinterpreten nachgespielt, wie seine Favoriten der Band Heart (hier „Dog and Butterfly„), lief irgendwann als Inspiration eher Leo Kottke („Last Steam Engine Train„, „The Fisherman“ und ich habe Pipi in den Augen, dabei gab es da noch „June Bug“ „Pamela Brown“, … und schließlich eigene Stücke von Bruderherz. Es dudelte zunehmend auch Folk-, Bluegrass-, Country-Musik und da musste ich gegenhalten.

altes Konzertplakat meines Bruders, in Ehren gehalten von unseren Eltern

Das tat ich indem ich mein Flötenarsenal ausbaute und wieder zu üben begann. Vorzugsweise spielte ich Stücke von Bach und Michael Prätorius.

Inzwischen in der Ausbildung versuchte ich mich zudem etwas an Instrumentenbau. Angefangen von der Pan-Flöte entstanden richtige Bambusflöten und Mengen an Krachmachern, bzw. Geräuschinstrumenten. Mich faszinierte einfach herauszufinden, mit welchen Möglichkeiten Geräusche und Töne erzeugt werden können. Dieser Sache bin ich bis heute treu geblieben, auch wenn ich bis jetzt immer noch keine zufriedenstellende Dulcimer hinbekommen habe.

selbstgemachte Rasseln aus Kokosnüssen

Über die Jahre bin ich so zu interessanten Musikinterpreten und Gruppen gekommen, wie die schwedische Band Filarfolket. Das Lied „Hönsafötter & Gülerötter“ war lange das Lieblingslied meiner Kinder. Im Urlaub in Schweden angekommen musste die Filarfolket-Kassette eingeschoben werden!

Auch in Schweden vor Jahrzehnten aufgeschnappt,  die Band Radio Balkan. Die Kassette lief sich in meinem Auto dünn und wund, angefangen von „Ramo Ramo„.

Oni Wytars mit „Mevlana“ und „1600, Musik am Hof von Neapel„, war eine Perle auf meiner Suche nach Flötentönen.

Zap Mama, Trostmusik in meinen Scheidungs- und Trennungsjahren.

Laurie Anderson, „Let X=X“ ist eigentlich mein Lieblingsstück, doch am Ende sitzen Sätze wie aus „Sharkey’s night“ – I can see two tiny pictures of myself and there is one in each of your eyes, besser. Ein anderer Satz – What is behind that curtain? führt, gegoogelt bei Recherchen direkt zu dieser außergewöhnlichen Musikerin wie Künstlerin. Ich biete hier allerdings „Language is a virus“.

8 Liedermacher und Neue Deutsche Welle

Folkmusik und Liedermacher, politische Troubadoure und alte Lieder neu interpretiert. Man Ich hörte Zupfgeigenhansel, Hannes Wader und Konstantin Wecker. In der Schule wurde ich mit Franz-Josef Degenhardts „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“ und Wolf Biermann gefüttert, zuhause liefen auch die österreichischen Liedermacher Ludwig Hirsch, Wolfgang Ambros und Kollegen und es wurde dazu Charles Bukowski gelesen.

In der Schule meines Bruders traten, aus der Schweiz kommend, Toni Vescoli, Töbi Tobler (immer noch gut am Hackbrett) und Bruno Brandenberger auf. Nach dem Konzert holte ich meine Zither aus der tiefsten Versenkung im Keller (die habe ich ja bisher überhaupt noch nicht erwähnt! So was aber auch!), nutzte sie als Hackbrett, fand das ganz nett, aber wurde es nicht mein Ding.

Überhaupt lag mir die anrollende Neue Deutsche Welle viel mehr! Die Kassette voll mit Trio, Extrabreit, Spliff & Co. reiste mit  in den Urlaub nach Schweden und so bekam der Freundeskreis in Stockholm auch noch was davon ab. Hach, ich liebte Trio!

Seite aus dem Fotoalbum von 1982 – unser Auto, Gastgebers Katze 😉

Meine Schüler gröhlten dagegen auf der ganzen Busfahrt ins Schullandheim „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang oder „Ba-Ba-Banküberfall“ von EAV.

EAV gibt es auch, nach wie vor, wenn Familie Be nach Österreich fährt, alleine, in Kleingruppe oder gemeinsam, Hauptsache EAV und bevorzugt „Einmal möchte ich ein Böser sein“ . Ich zieh mir das Stück auch mal gerne zwischendurch rein, zum Dampf ablassen, ohne selbst den Weihnachtsmann oder das Osterhasi zu vergiften, LAUT, mitgesungen im Auto und gut ist’s wieder für eine Weile.

9 MTV sei Dank

Mitte bis Ende der 1980er wurde ich zwei Mal Mutter, mit viel Liegezeiten. Irgendwann war genug mit Lesen, vor allem in dieser ungesunden Rückenlage. Der Bauch war immer im Weg, weshalb das Buch entweder zu nah an den Augen war oder, mit ausgestreckten Armen, zu weit! Was war ich glücklich über die ersten Ausstrahlungen von MTV Europe, vor allem über die Sendungen mit Ray Cokes. Meine Große liebt noch heute die Musik der 80er Jahre.

10 Mit den Kindern unterwegs ging nur mit Musik

Schlafen im Auto war für meine Kinder keine gute Idee. In schlechter Haltung nach diesen Autonickerchen war vor allem mein Jüngster nicht mehr zu genießen. Deshalb wurde beschäftigt und gesungen. Laut! Fredrik Vahle und Gerhard Schöne gab es zuhause und unterwegs.

Für das Krankenhaus hatte ich Fingerpuppen und zusammen mit der Großen veranstalteten wir ganze Mini-Singspiele mit ihnen: „Der Cowboy Jim aus Texas“, das „Katzentatzentanz“-Lied“, das „Trampeltier“. Ich liebte vor allem die „Kinderlieder aus aller Welt“ von Gerhard Schöne und ganz besonders „Meeresbezwinger Thomas“, denn so spielten meine Kinder. „Die Jule wäscht sich nie“ oder „Der Popel“ rutschen mir heute noch in der Schule ab und an heraus, wenn wieder mal ein Kind allzu sehr in der Nase bohrt. Ich mache das jedoch ohne Mobbing oder die Kinder bloß zu stellen. Es geht auch anders, mit Lachern und viel Spaß. Hinterher heißt es dann immer kichernd: „Ach die Frau Be mit ihren Geschichten!“. Hauptsache das Popeln hört auf und das Meucheln pubertierender Youngster.

Irgendwann wechselte die Art der Musik und wir hörten Die Prinzen und sangen dazu. Wir hatten auf einer Autofahrt nach London zwei ‚Prinsens’-CDs dabei und in einem Tagebuch steht noch die Zahl wie oft wir die Dinger abgespielt hatten! Mann, Mann, Mann. Auch von diesen Texten kann ich noch etliche auswendig. Nur im Tunnel am Kanal bestand ich auf das Radio! Auf der Rückfahrt handelte ich aus nach fünf Mal Hören beider CDs einmal eine von mir anzuhören zu dürfen: „Naja, wenn’s denn muss“-Gemaule, aber sie haben es überlebt.

Zu späteren Fahrten, als sie aus Kinderliedern herausgewachsen waren, durfte jeder der beiden eine CD mit eigenen Wünschen mit ins Auto nehmen. Ich auch! 😀 Das war manchmal richtig spannend, was dann so aus den Lautsprechern kam. Ich konnte mit The Offspring, der Bloodhouse Gang, von Sohnemann gestiftet, sehr gut leben, mag ich ab und an ja Blur oder Beasty Boys. Auch eine CD mit Dark Metal kann ich aushalten, aber mit seinen japanischen Mädelsgruppen wurde ich nie richtig warm. Die Große ließ, wie erwartet, 80er-Jahre-Musik dudeln und ich stand lange voll auf Ska, Reggae, Metal, Punk und Hauptsache schräg und laut!

Das Stück „Our House“ von Madness hat es sogar in ein Englischbuch der Werkrealschule in Ba-Wü geschafft! Finde ich cool!

11 Musik in der Schule

Durch den Bildungsplan in Ba-Wü leben wir seit Jahren mit einem der Fächerverbünde, die ich bis heute nicht verstanden habe: MSG = Musik – Sport – Gestalten. Also, ich unterrichte beinahe alles, aber Sport muss nicht mehr sein! Wirklich nicht! Vor vielen Jahren hatte ich einmal eine 1. Klasse in Sport. Seitdem bin ich in dieser Richtung, wenn mich die Schulleitung anspricht, taub, blind und weg! Gestalten und Musik wird meist, oft, da Musiklehrer in der Werkrealschule Mangelware sind in eine Hand gelegt. Zum Glück haben wir an der Schule wieder eine Musiklehrerin und auch wenn sie meint, ich hätte meine Sache in Musik ganz gut gemacht, bin ich froh wenn sie diesen Teil übernehmen kann. Trotzdem setze ich ganz allgemein gerne Musik in den anderen Fächern ein, manchmal aus der Not heraus.

Ich erinnere mich an eine 9. Klasse, die ich in Englisch hatte. Die kids ignorierten mich dermaßen, dass ich mich hätte nackig ausziehen können und sie hätten mich immer noch nicht wahrgenommen. Gespräche mit dem Klassenlehrer, zusammen mit ihm in der Klasse, mit Eltern halfen nicht. Einen Vormittag bin ich mit meinem CD-Radio-Rekorder in die Klasse, ohne „Good morning“, ohne jemanden zu beachten. Rekorder auf den Tisch. Stecker rein. Schalter gedrückt. Und es erklang eine Runde Rammstein mit „Ich will“ auf höchster Lautstärke. Rammstein war fertig. Ich zog den Stecker, schnappte mein Gerät und verließ das Klassenzimmer. Zehn Minuten später erschien eine Schülerdelegation im Lehrerzimmer und bat mich doch bitte wieder in die Klasse zu kommen. Sie hätten jetzt Lust auf Englisch-Unterricht. Ich habe mit einigen der SchülerInnen heute noch Kontakt.

Überhaupt setzte und setze ich gerne Filme mit Musik und Inhalt in der Schule ein! (Betonung liegt auf Inhalt! Einfach-Zeit-totschlagen-Kino gibt es bei mir nicht.) Zu allen folgenden Beispielen gibt es inzwischen Begleitmaterial für den Unterricht.

12 The missing list!

Überhaupt keinen Platz in die anderen Fakten fanden meine Liebe zu Ballett, Gershwin, Musicals, Tanz und der Tatsache, dass ich vor gaaaanz vielen Jahren mal für einen Schulbuchverlag Zeichnungen für ein Begleitheft zu einer Kassette machen durfte. Inzwischen nicht mehr auf Musik-Kassette gibt es eine CD mit Anleitungsheft. Im Heft steht als Copyright-Datum 2005, wohl auf die Überarbeitung bezogen. Tatsächlich ist das Original in den 1980ern entstanden, als ich noch unverheiratet war (mein Mädchenname steht nämlich noch unter ‚Illustrationen’). Einerseits freue ich mich darüber diese Anleitung zu Squaredance-Tänzen noch im Angebot von Schulbüchern zu finden. Meinen Zeichnungen, der Musik vom Bruder, dem Vater meiner Kinder und deren Band zusammen mit den Texten der „Erfinder“ hatte man keine Zukunft gegeben. Wir wurden damals mit einem Appel und einem Ei abgefunden. Geschichte. Abgehakt.

Den Sack an anderen Geschichten mache ich jetzt zu, obwohl noch ein paar nette dabei wären.

Aber eins noch 😉 :

Ich hätte gerne Step-Tanzen gelernt, bloß inzwischen machen da meine Füße nicht mehr mit. Deshalb gefielen mir auf Anhieb Gruppen wie Stomp, die Tap Dogs und die Gumboot Dancers. Alle habe ich schon mit eigenen Augen und Ohren erleben dürfen. Es lohnt sich wirklich. Es ist und bleibt ein Erlebnis, wie Musik/Rhythmus mit ganz unerwarteten Mitteln entstehen kann:

Konzerte sind und bleiben mir wichtig. Es muss immer ein Ticket an der Pinwand auf mich warten. Bei der Auswahl gehe ich immer nach dem Bauchgefühl. So wechseln sich Oldies mit Neulingen ab. Im September werde ich wohl die Älteste auf einem Konzert sein. Egal. Ich möchte Kaleo, eine junge isländische Band, live sehen!

Ich könnte noch ewig erzählen, aber einmal muss Schluss sein.

Dadurch fallen nun viele meiner viel geliebten und viel gehörten Interpreten durch das Raster. Bitte verzeiht mir Peter (ob Fox oder Gabriel), Prince, David Bowie, Björk, Seeed, Fantas, … und die vielen anderen. You are always on my mind!

Zum Abschluss gibt es aber noch meinen aktuellen Ohrwurm:

Geschafft!

Fast wie eine Geburt, das so zusammenzufassen.

Bis die Tage,

Karin

Und dann gibt es doch noch einen Nachtrag! Für Christine und Uschi, in Erinnerung.

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30. August 2017

Kommentare

Ja, Wahnsinn, habe jetzt gerade das Lesen geschafft, die Musikbeispiele muss ich auf Morgen verschieben. Da gibt es so viel, was ich nicht kenne. Was ein paar Jahre Altersunterschied ausmachen.Nur Deep Purple – damit gab es eine Lehrproben in Kunst 1974…
Und das Popellied – das singe ich immer noch mit meinen Enkeln, einfach herrlich!
Vielen Dank fürs Mitmachen! Das nächste Thema ist was für solche wie uns….
Gute Nacht!
Astrid

Oh wie spannend, diese Reise durch die Vielfalt der Musik und ihre Wichtigkeit im eigenen Leben. Gut beschrieben, da macht mir das Lesen Spasz, auch wenn vieles so gar nicht meine Richtung ist. Aber das ist ja gerade das Schöne: Musik gibts für jede Seele und jede Stimmung und endlich mal eine, die „Mevlana“ kennt!
Rammstein kenne ich natürlich auch, Zap Mama, Stomp und Tap Dogs, klar – das weckt auch immer wieder meinen Bewegungsdrang.
Ach ja, „unser“ Gerhard Schöne (bin aus dem Osten)… die Platten hab ich natürlich auch und ihn mal irgendwo life gehört, früher.
Liebe Grüsze aus dem Harz
Mascha

Das ist ja wirklich eine richtig spannende „Musikgeschichte“, auch ein bisschen eine Zeitreise (manchmal in die eigenen Jugend). Schön, dass Du dies mit uns geteilt hast. (Bei George Ezra habe ich mich aber schon ohne Musik in den ersten drei Sekunden gekugelt. Mein früheres Auto erkenne ich doch sofort 😉 . Nur der Hund (ein anderer) musste hinten sitzen…., Musik lief aber auch immer.)
Liebe Grüße
Andrea

Die früheren Autos sind so eine Sache, wie ich bei der Recherche zu diese Blogpost selbst feststellen durfte. 😀 Im Film „American Graffiti“ fährt ein 2CV4, blau, den ich schon am Geräusch erkenne bevor er auf dem Bildschirm erscheint. Meine „Ente“ hatte jedoch einen chinesischen Drachen auf der Motorhaube.
Viele liebe Grüße aus dem verregneten Stuttgarter Raum,
Karin

Oh irre! Das ja megainteressant und lang und ausführlich und so klasse! Zap Mama , Laurie Anderson, Gershwin, die ganze deutsche Welle, ich erinnre mich und merke, wen ich alles vergessen habe in meinem Post und freu mich sehr an Deinem! Liebe Grüße, Eva

Hej Karin! Danke für eine kurze und dennoch so lange Reise durch deine Musikgeschichte. Teilweise hab ich mich in deinen Geschichten wiedererkannt und gelegentlich als das Kind was neben der Musik der Eltern aufwächst. Es hat mich förmlich mitgerissen und so hab ich sogar am Sonntag Nachmittag mit meinen Kindern hier gesessen die „dishwasher“ angesehen und gelacht und mit meinen Kindern und nicht mit meinem Ehepartner ein paar Tanzschritte einstudiert – so gut es eben ging.
Für „Da da da“ war ganz viel spielraum und wir haben genug Zeit gehabt die „Hönsafötter & Gulerötter“ aufzuwärmen. Den Popel hören wir uns dann ein andermal an. Im übrigen finde ich die Hose mit der Stickdatei noch immer ziemlich Cool. Sehr schön dein Bericht, er hat mich zum grübeln angeregt und dabei auch alte Erinnerungen geweckt.
Auch wenn es ein langer Bericht war, er ist dir gelungen und du kannst am Ende stolz sein, dass alles irgendwie immer noch so intensiv in deinen Erinnerungen steckt. Herzlichst Vivo

Hallo Vivo,
es freut mich mit meinen vielen Zeilen und Erinnerungen Programm für einen Kindernachmittag mitgestaltet zu haben; ist ja auch stellenweise gelebtes Programm mit meinen inzwischen schon erwachsenen Kindern.
Dass ich meine bestickte Hose mit einem Griff wieder gefunden habe fand ich selbst richtig cool und sie wird in Astrids neuer Linkparty wieder Thema sein . Abgesehen davon würde ich riesig gerne wieder in die Hose hineinpassen! 😀
Vielen herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit zum Lesen genommen hast und für diese gern gelesene Antwort.
Viele Grüße und hej då,
Karin

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