Wenn gar nichts laufen will

oder  …

Manchmal muss ein Kraftwort her!

Oh Mann, oder oh Frau, oder einfach oh Mannomannfrau (jetzt mache ich mir auch noch Gedanken genderkonform Dampf abzulassen!) ohne das schlimme Schimpfwort zu verwenden! Es waren in diesem Moment zu viele SchülerInnen um mich herum, die noch dabei sind deutsch zu lernen. Ihnen wollte ich nicht die Vielfalt in Sachen Flüche beibringen. Sch… lernen sie sowieso schneller als Schule, Schlüssel, Schnuller oder Schulter. Irgendwie lernen sich Unwörter einfach soviel leichter, weil sie wohl doch mehr Wichtigkeit haben, als in die Schule zu gehen, die Tür mit einem Schlüssel zu öffnen oder sich an einer Schulter anzulehnen, wenn man Trost braucht.

Das war bei meinen Kindern,  als sie noch Purzelchen waren, nicht viel anders. Schei…auszusprechen lernten sie schneller als sauber zu werden, mit „Sch“ und nicht mit „S“. Deshalb versuchten wir Eltern uns zurückzuhalten und übten hart daran stubenreine Begriffe zum Fluchen zu verwenden. Wir bedienten uns, unbedacht, zuerst mit Varianten, die ich aus Freizeiten und Urlauben in Österreich mitgebracht hatte, die dann lauteten „Kruzi, Kruzifix und Kruzitürken“. Das ging gar nicht, wie mir Tage später, nachdem die Kinder diese Wortwahl ja auch aufnahmen, aufging! Mit diesem Vokabular konnte ich Tochterkind nicht in den Multikulti-Kindergarten schicken! Zum Kuckuck, aber auch!

Kleine Geschichte am Rande, von gestern, als ich wieder mit einer Maschine im Werkraum kämpfte, bis mir ein lautes „Zum Kuckuck!“ heraus rutschte:

  • „Was ist ein Kuckuck, Frau Be?“, fragte mich ein Schüler aus Syrien.
  • „Ein Vogel.“
  • „Und was hat der Vogel getan?“
  • 😀

Schwäbisch! Yes! Wir leben in einem Land mit kreativer Bruddler-Kultur. Aber, nee, ich bin zwar in Schwaben aufgewachsen, hatte jedoch meinen ersten richtigen Kontakt mit der schäbischen Kultur und Sprache erst im späten Teenageralter bzw. während meines Studiums in Stuttgart. Mein Tonfall ist schwäbisch angehaucht, Dialekt spreche ich jedoch keinen und mein schwäbisches Vokabular, plus unlogischer Feinheiten, baue ich immer noch auf. Deshalb doch keine gute Idee! Dazu wollten wir, dass die Kinder hochdeutsch lernen und keinen Dialekt. Heidabimmbamm abbr au!

Am Ende war es die Kreativität der Kinder, die ihr eigenes Schimpfwort-Vokabular kreierten. Schimpfend war Sohnmann als Vierjähriger zurück vom Kiosk auf unserem Campingplatz in Schweden gekommen: „Alta Schwede!“. Er hatte unbedingt die fehlende Petersilie zum Abendessen dort einkaufen wollen. Petersilie, auf schwedisch ‚persil‘, hatte er so lustig gefunden und war entsprechend kichernd in Richtung Laden gesprungen. Nur hatte er sich irgendwie nicht mit dem alten Herrn dort verständigen können, der ihm eigentlich nur hatte erklären wollen, dass er keine Petersilie mehr hat. Mit leeren Händen bekam auf dem Rückweg so gut wie jeder Stein entlang des Wegs einen wütenden Kick ab. Zuletzt traf ein Kiesel ein grünes Regenrohr – tschonk: „Alte Blechgurke!“. Die Blechgurke erfuhr dann noch eine Steigerung zu ‚verrostete Blechgurke‘, aber das blieben dann über viele Jahre die bevorzugten Flüche beider Kinder.

Jetzt ärgerte ich mich in den letzten Tagen sehr über einen Fehl-, bzw. Billigeinkauf einer Maschine für den Technikunterricht. Ich hatte gedacht, bei einem Elektrotacker wird es nicht so auf Marke etc. ankommen, Hauptsache er hat ordentlich wumms. Vom Discounter um die Ecke besorgte ich mir ein entsprechendes Teil und freute mich darauf, die nächsten Insektenhotels mit etwas mehr Tempo und Qualität herstellen zu können. Die Freude dauerte nicht lange. Die Bedienungsanleitung ließ zu wünschen übrig und schon die zweite Krampe blieb im Gerät stecken, statt im Holz zu landen. Was nun folgte, Wiederholungen eingeschlossen:

Stecker raus, Gerät öffnen, quer liegende Krampe entfernen, Gerät schließen, Stecker rein, Gerät auf das Holz aufsetzen, den Auslöser drücken, tschakk und die Krampe steckt nur zur Hälfte im Holz.

Gerät auf das Holz setzen, den Auslöser drücken, die Krampe hängt noch zur Hälfte aus der Maschine und nicht im Holz. Stecker raus, mit der Zange das Stück Krampe aus der Maschine ziehen, Stecker rein, den Auslöser drücken und … inzwischen stehen garantiert nicht mehr zwei Schüler um einen herum, sondern vier und mindestens einer hat einen Verbesserungsvorschlag! … die erste Krampe sitzt, nur leider an der falschen Stelle.

Gerät auf das Holz setzen, den Auslöser drücken, die Krampe sitzt, doch völlig verbogen. …

Gerät auf das Holz aufsetzen, fest andrücken, den Auslöser drücken, keine Krampe erscheint. … grr, der Rauch aus meinen Ohren lässt die Schülerzahl rund um den Ort des Geschehens anwachsen … Ruhe bewahren …

Gerät auf das Holz setzen, noch fester andrücken, den Auslöser betätigt, tschakk, zwei Krampen sitzen im Holz, eine perfekt (geht doch!), die andere total verbogen. „Zwillinge“, sagt eine Schülerin und ich versuche zu grinsen.

Gerät auf das Holz setzen, andrücken, Auslöser, pff, Stecker raus, Gerät öffnen, drei verbogene Krampen herauspuhlen, Gerät schließen, Stecker rein, aufsetzen, andrücken, auslösen, …

Da geht einem doch die Hutschnur hoch, bei so einem Mistding, das nicht einmal zur Hälfte das macht, was es verspricht, nämlich tackern! Aus mir kommt aus den tiefsten Tiefen ein „fan i helvete!“, das sich absolut nicht unterdrücken ließ. Wie ein Spontanrülpser, war dieser schwedische Fluch (sehr frei übersetzt: Zur Hölle!), seit Jahren in irgendwelchen Erinnerungsschubladen eingemottet, aufgewacht und polterte heraus.

Stille um mich herum. „Frau Be, wie war das mit ‚wir sprechen deutsch‘ in der Schule?“. Hmm, da war eine Entschuldigung fällig und eine Erklärung.

 

Deshalb, liebe Leute, lasst die Finger von billigen Maschinen. Sie sind ihr Geld nicht wert, machen Ärger, sorgen für Frust und miese Stimmung. Am Ende hilft mir nur das innere Ventil zu öffnen und danach den Eimer, um solchen Murks zu versenken.

 

Keine Fotos heute? Eigentlich nicht, zumindest war das nicht geplant. Ein Haufen kaputter Krampen und ein schlecht getackertes Drahtgeflecht sind kein Foto wert; wenn ich da nicht im Schulgarten diese kleinen Teufel wieder ihre Köpfe aus der Erde strecken gesehen hätte. Ein paar feuchte Frühlingstage haben gereicht und sie sind wieder da: Arrgh. Ich versuche zu frohlocken, denn mit Schachtelhalm kann Jauche angesetzt werden, oder Silber geputzt, aber ich (es qualmt mir schon wieder aus den Ohren) will es nicht hier, nicht in dieser Menge, …, so niedlich es in diesem Stadium auch aussehen mag, …

… „lujah“, sag ich und schau mir zuerst ein paar HB-Männchen-Werbespots aus den 50er/60er Jahren an, gehe nicht in die Luft, um mich danach am „Münchner im Himmel“ zu erfreuen.

Jetzt ist wieder alles gut und ausgeflucht. 😉

3 Responses

    1. Hach, auch schön zu berichten, wenn man weiß, auf der anderen Seite sitzen vielleicht ein/zwei Leser, die diese Szenarien aus dem (Schul)alltag kennen. Mit etwas Distanz betrachtet siegt bei mir dann auch wieder der Humor.
      Viele Grüße,
      Karin

  1. Stimmt, manchmal muss ein Kraftwort her. Bei uns in der Familie urständet es aus dem Hotzenplotz Buch von Otfried Preußler. Da schimpfte und fluchte der Zauberer Zwackelmann: „Pest und Hölle!“ und ballte die Fäuste. Das fanden die Kinder prima und ich auch. Bis heute. Ist mir auch schon in Konferenzen rausgerutscht. Und bei gekauftem Murks sowieso.
    Liebe Grüße Andrea
    P.S. die Pflanzen aus deinem Herbarium hast du ganz richtig aus meinem Strauß erkannt. Sie blühen gerade sehr reichlich hier, sonst hätte ich sie auch nicht gepflückt. 😉

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