Herr Doktor, der Gips drückt

oder …

Frau, hilf dir selbst!

Tag 11 nach meinem Sturzflug und am späten Nachmittag startete Eurowings Flug 4U 2520 nach Barcelona. Allerdings blieb Sitz 9C frei – kein Flug mit Gips, wenn er keine Dehnungsfuge hat. 🙁 Dummerweise hatte ich den Flug auch noch mit der Kreditkarte gebucht, die keine Reiserücktrittsversicherung inklusive hat. Ärgerlich. Lehrgeld bezahlt. Dafür ging die Stornierung vom Mietwagen ruckzuck: ein Anruf, eine Emailbestätigung, zwei Mausklicks, zwei Tage später das Geld auf dem Konto, fertig. Muss ja nicht alles dumm laufen.

Aber der Gips drückt. Zwei Mal ging ich zum Nachbessern in die Praxis. Dort wurde hier etwas weggeflext, dort etwas abgeschnitten, mit Pflaster abgeklebt, … und es drückt. Ich nutzte meine Informationsquelle an der Schule und frage meinen gerade erst vom Gips befreiten Schüler:

  • „Sag mal, wie lief es bei Dir?“.
  • „Oh, Frau B.! Ich sagte doch, zwei/drei Wochen tut’s weh.“
  • „Und danach!“
  • „Nervt’s! Aber wie!“

OK. Ich glaube ihm. Mich nervt der Gips schon jetzt, abgesehen davon, dass ich mit ihm meine Freundin in Spanien nicht besuchen kann, wie geplant. Muss das Ding schon wieder so am Daumen drücken? Ich will nicht noch einmal vor der nächsten Kontrolle in irgendeinem Wartezimmer die Zeit tot schlagen.

Druck abgebaut. Ein paar Tränen laufen gelassen. Zur Tagesordnung übergegangen. Es sind Osterferien und Ferientage muss man genießen!

Den Nähplatz aufgeräumt. So leer war er sonst NIE! Alle Nadeln liegen sortiert in Dosen oder Schachteln oder stecken in Nadelkissen. Keine Garnrolle steht oder kullert mehr einsam herum – ähm, fast keine, denn irgendwo tauchen, wie von Zauberhand, wieder welche auf. Als nächstes löste ich den Korb mit den angefangenen Häkelwerken auf. Ich hatte gerade eine Reihe an Utensilien-Körbchen begonnen. Die kommen erst einmal ab in Kartons.

Beim Sortieren und Wegräumen der Häkelnadeln klemmte es wieder rund um den Daumen im Gips. Bevor ich zum Nachdenken kam, hatte ich mir eine Nadel von der Öffnung für die Hand zum Daumen durchgesteckt: Ahhhh! Tut gut! Idee!!

Mit einem durchgefummelten Satinband verschaffte ich meinem Daumen mehr Platz. Leider war das gelbe Band zu breit, schlug Falten und diese könnten scheuern. Aber der Gedanke, mithilfe von Stecknadeln – Akupunktur für den Gips 😀 – das Band zu fixieren, um es dann festzunähen, funktionierte.

In der Kiste mit Geschenkbändern wurde ich zuguterletzt fündig. Das gelbe Band war schnell durch ein weißes, schmales Band ersetzt – dank Häkelnadel ;-). Alles gut festgezogen und festgesteckt.

Nur noch festnähen. Nur. Man nehme die Nadel in eine Hand und den Faden in die andere …, hmm. OK, man nehme den Faden in die eine Hand und die Nadel …, geht auch nicht. Ich glaube, ich habe das erste Mal in meiner Nählaufbahn diese Einfädelhilfe mit der Drahtschlaufe zum Faden einfädeln benutzt und nicht zum Zecken ziehen oder ähnlichem. Tschack, die Nähnadel in das Polster zwischen Hand und Gips gedrückt, Drahtschlaufe durchs Öhr, Faden durch, Einfädelhilfe aus dem Nadelöhr ziehen, Faden drin. Toll.

Alles hübsch festnähen, Faden sichern, Faden abschneiden und der Daumen hat zumindest an einer Stelle Platz an einer seidigen Schmeichelzone.

Mit aufgepimpten Gips klappte es deutlich besser beim Kochen. Zum Glück steht noch etwas Kräutersalz aus schuleigener Herstellung in meinem Gewürzregal. So muss ich nichts selber mischen und/oder mörsern und kann alle unsere Sorten noch einmal testen. Das Salat-Kräutersalz passt super zu Bratkartoffeln und ein anderes Salz erspart mir mit seinem Chilianteil die Pfeffermühle.

Schrittweise schaffe ich es wieder mit der Spiegelreflexkamera zu fotografieren. Zum Einstellen der Entfernung am Objektiv muss ich die Kamera ablegen, weshalb ich die letzten Tage vor allem draußen nur mit dem Handy Fotos gemacht habe. Ein paar meiner Eindrücke als Fußgänger auf meinen Wegen zum Arzt habe ich auf hier und fort gepostet.

 

 

 

3 Responses

  1. Ich hatte mir bei einem Sturz zu Hause den Ellbogen gebrochen. Gips von Schulter bis unten zur Hand. Aber man hat mir da erklärt, dass man seit Jahren keine druchgängingen Gipse mehr wickelt. Es wurde also der Arm eingegipst, dann an den Seiten aufgetrennt und das Ganze rundherum eingetapet. Die ersten Tage waren ok, abgeshen von der Tatsache, dass ich im Winter Spaghettiträgertops tragen musste, weil nix anderes über den Arm ging. Ich sollte mich oft hinlegen, damit nicht dauernd so viel Blut in den Arm läuft und der Gips ja auch sein Gewicht hat und kühlen. Irgendwann nachts habe ich es dann aber nicht mehr ausgehalten. Der Gips hat so weh getan, dass ich dachte ich spring aus dem Fenster. Also ab ins Krankenhaus. Der Pfleger war unglaublich lieb, hat erstmal geschaut ob die Hand noch gut durchblutet ist, war aber alles ok. Ich habe aber so geweint, dass er meinte, wir machen mal eine Gipspause. Ich wurde in einen Behandlungsraum gebracht, alles abgemacht. Er hat meinen Arm gewaschen und mir die Hand massiert und dann durfte ich da ne halbe Stunde liegen ohne Gips, natürlich ohne was zu bewegen. Dann kam er wieder und hat mir eine Art Gewebeschlauch über den Arm gezogen und das ganze wieder zu gemacht. Der Mann hat mein Leben gerettet. 😉 Ich kann dich so gut verstehen. Als der Gips ab war, nach Wochen, hat es noch jahrelang weh getan. Besonders bei Wetterwechsel. Aber jetzt ist es weg. Ich dachte immer so ein Gips wäre keine grosse Sache. Die stellen sich auch was an. Aber es es furchtbar! Vielleicht darfst du ihn beim Arzt auch mal ein bisschen abmachen. Es hat mir unheimlich geholfen. Ablenkung ist natürlich auch gut. Ich hoffe du hast es bald hinter dir! Es ist eine Erfahrung die man nicht braucht aber unheimlich hilfreich, wenn mal jemand anders einen Gips hat. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Sei tapfer. Es ist bald vorbei.

    1. Liebe Violetta,
      Du sagst es. Das ist eine Erfahrung, die man nicht braucht. Vielen lieben Dank für Deine tröstenden Worte! Ich hoffe vor allem, dass ich hinterher keine allzu großen Einschränkungen bei meinen kreativen Arbeiten haben werde.
      Viele Grüße und schöne Ostertage,
      Karin

      1. Bestimmt nicht. Wenn alles gut verheilt ist, wird es noch eine Weile weh tun aber du kannst wieder alles so bewegen wie vorher. Es ist ja schon sensationell wie ein Körper sich selbst repariert. Die Stelle wird mit Material aufgefüllt, meist ein bisschen dicker als vorher, so dass man es noch Jahre später auf Röntgenbildern sehen kann und schwups, kanns weiter gehen. Die Zeit bis dahin kommt einem zwar vor wie eine Ewigkeit aber wenn der Gips erstmal weg ist, wirst du froh sein. Wie ich sehe, lenkst du dich schön ab. Das ist gut. Vor vier Wochen genau hat mir mein Arzt gesagt, dass ich Diabetes habe. Das war ein Schock und ich habe erstmal geheult. Ich dachte jetzt wird alles anders, ich kann bis zu meinem Tod nie mehr vernünftig essen, keine Süssigkeiten mehr….. Und jetzt sind die Wochen vorbei, ich habe vier Kilo abgenommen, unheimlich nette Leute in der Zuckerschulung kennen gelernt und trotz meiner Schokoriegel, die ich ab und zu doch noch essen kann, tolle Werte. Das Leben geht weiter und das ist gut so. Manchmal braucht man mal ne Pause. Etwas passiert und man ist gezwungen einen Gang runter zu schalten, darüber nachzudenken wie kostbar das Leben ist, wie schnell alles vorbei sein könnte, wie gut es uns eigentlich geht, selbst wenn wir krank sind. Wir können zum Arzt gehen, wenn etwas passiert ist, werden versorgt, ohne das unsere Familie sich verschulden muss, um die Behandlung zu bezahlen…. was für ein Luxus. Bald kommt der Gips ab und was bleibt ist eine weitere Erfahrung ein Problem gelöst und eine schwierige Situation gemeistert zu haben. Hat auch was! Sei lieb gegrüsst und lass dir dein Müsli schmecken!

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