Menschen verlieren Haare, Tiere auch, ganz besonders Haustiere! Wir erlebten das schon bei unserem heißgeliebten Kaninchen Sunny. Da es das ganze Jahr auf dem Balkon lebte – als Kampfkaninchen brauchte es ein eigenes Territorium – hatte es im Frühjahr und Herbst einen ordentlichen Fellwechsel. Entsprechend flockte es zu diesen Zeiten um sich herum, dass ich mir irgendwann einmal diese Haarbüschel genauer anschaute und sie zwischen meinen Fingern zu verzwirbeln versuchte. Das gelang prima mit einem Faden als Ergebnis. Wir begannen die Fellflocken zu sammeln, um sie dann, so war zumindest der Plan, irgendwann in ferner Zukunft zu Garn für einen wärmenden Pullover spinnen zu können. Kaninchen haben keine hohe Lebenserwartung – obwohl Sunny sogar sieben Jahre alt wurde – aber zu mehr als zwei Meter Sunnywolle kam es letztlich nicht.

Sommer 2010 – zwei Kater zogen bei mir ein, Chewbacca (genannt Chewie) und Harry (eigentlich Harrison nach Harrison Ford), ein unzertrennliches Team wie ihre Namensgeber aus Star Wars. Auch sonst passen die Namen, Chewie der Tapsigere und unverständlich „Gesprächige“, daneben Harry der Draufgänger. Aber abgesehen davon sind es Haustiger, die dort wo sie sich bewegen oder abliegen Berge an Haare fallen lassen. Um dem entgegenzuwirken bürste ich fleißig Fell und jeder Strich durch dieses holt ganze Büschel aus dem Unterfell heraus. Und dann liegt sie da, die Ausbeute einer Bürst-Aktion.

Bis jetzt bin ich noch nie auf den Gedanken gekommen die Haare aus meiner Haarbürste oder dem Kamm zu sammeln und weiterzuverarbeiten. Aber nachdem ich meine Kater zum ersten Mal gebürstet hatte erinnerten mich die Büschel sehr an die unseres Kaninchens und vor allem Chewies Haare an Cashmere, Kaschmirwolle die ich vor vielen Jahren einmal gesponnen hatte. Statt in den Eimer wanderte nun jede Portion herausgebürsteter Katerhaare in eine Tüte bis eine zum Spinnen lohnende Menge erreicht war. Das Frühjahr war erwartungsgemäß ergiebig. Fast zu ergiebig oder die Sammeltüte zu klein, denn das gesammelte Katzenhaar begann zu verfilzen. Damit es gesponnen werden konnte, musste ich es zusätzlich kardieren, d.h. durch spezielle Kämme ziehen, damit die Haare wieder in einer Richtung liegen. Aber der Aufwand lohnte sich. Am Ende hatte ich beinahe 35 g Katerwolle versponnen und zweifädig verzwirnt.

So wie die Katerchen weiterflocken sammle und bürste ich weiter. Inzwischen ist wieder so viel „Wolle“ zusammen, dass sich das Spinnrad wieder dreht. Das Schöne daran, Chewie und Harry lieben es, wenn ich spinne. Ob sie wissen, dass ihre Haare dabei verzwirbelt werden?

Jahre später hat sich das Katerteam verändert, aber nicht die Anzahl der verlorenen Haare, wo sie gehen, liegen oder stehen. Und ich sammle immer noch ihre Flocken.

 

Bis die Tage,

Karin

 

 

 

 

Überarbeitet im August 2018

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7. Oktober 2011

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